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 Viel Lärm um Nichts

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Siv
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BeitragThema: Viel Lärm um Nichts   Mi Feb 29, 2012 10:11 pm

HOFFENTLICH

wird es nicht so schlimm
wie es jetzt schon ist!

(Karl Valentin)



In meiner Valentines FanFiction habe ich erzählt, wie Steve am Valentines day seine neue Nachbarin Helen kennenlernt. Eine temperamentvolle Begegnung, die natürlich nicht ganz ohne Folgen bleibt. Doch irgendwie stand für mich noch zu viel Ungeklärtes im Raum. So zum Beispiel die Frage, wie es dazu kam, dass Helen Steves Nachbarin wurde.
Ich war der Meinung, ich wäre es Helen schuldig, hier auch noch ihre Geschichte zu erzählen...

Kapitel I ist also noch einmal die überarbeitete Fassung meiner Valentines FanFiction.
Kapitel II ist Helens Geschichte, die euch an manchen Stellen bestimmt auch bekannt vorkommen wird.

Viel Spaß beim Lesen!


* * * * *




Kapitel I


Steve schaltete den PC in seinem Büro aus und rieb sich die müden, roten Augen.
Es war Freitagabend und Zeit, endlich nach Hause zu gehen.

Über Wochen hatten sie einen Schleuser- Ring observiert, der auf illegale Weise Menschen aus China auf die Insel brachte. Die Flüchtlinge bezahlten für ihre hoffnungsvolle Reise in ein vielversprechendes, neues und besseres Leben horrende Summen, wurden bei der Überfahrt unter menschenunwürdigen Bedingungen in Containern zusammengepfercht und erreichten selten gesund oder gar lebend das versprochene Paradies Hawaii.

In den frühen Morgenstunden hatte man in einer groß angelegten Aktion das Contai-nerschiff mit den Flüchtlingen im Hafen in Empfang genommen und den Großteil der Schleuser verhaftet. Allerdings stellte sich bald heraus, dass Five-0 nur die kleineren Fische ins Netz gegangen waren. Die Yakuza zog hier an oberster Stelle sämtliche Fäden. So blieb dem Team erst einmal nichts anderes übrig, als sich mit einem Teilerfolg abzugeben und mit den Ermittlungen noch einmal von vorne zu beginnen.
Aber nicht heute- morgen war schließlich auch noch ein Tag, oder übermorgen, oder…

Es war still geworden im Hauptquartier. Der Rest des Teams war bereits auf dem Nachhauseweg. Danny und Steve waren die Letzten. Ersterer steckte nun seinen Kopf in Steve`s Büro. „Bist du fertig, Partner? Schalt endlich das blöde Ding aus und lass uns nach Hause fahren. Wir sind seit 34 Stunden auf den Beinen! Ich will nur noch ins Bett und bis nächstes Jahr durchschlafen. Außerdem macht die Werkstatt in 30 Minuten Feierabend und du wolltest mich dort absetzen.“
„Ich komme“, antwortete Steve knapp, denn zu mehr war er einfach nicht mehr fähig. Er streckte seine müden Glieder und erhob sich.
Die beiden verließen das Gebäude und stiegen in Steves Silverado. Er ließ den Motor an, parkte aus und fuhr los. Jeder hing seinen eigenen Gedanken nach.
„Steve! Steve! He, Mister Super Seal, jemand zu Hause? Hat das Navi versagt oder was ist los mit dir?“, schreckte Dannys Stimme ihn aus seinen Gedanken.
„Was?“, fragte Steve verwirrt.
„Na ich weiß nicht, wer oder was dich hier in diese vornehme Gegend geführt hat, aber meine Autowerkstatt befindet sich genau in der entgegengesetzten Richtung. Praktisch auf deinem Nachhauseweg“, antwortete Danny schmunzelnd. „Denkst du nicht, dass du dich beim Autofahren ein klein wenig konzentrieren solltest? Ich würde gerne lebend in der Werkstatt ankommen.“
Steve trat auf die Bremse und wendete mit quietschenden Reifen den Wagen.
„Verdammt! Hättest du nicht schon eher was sagen können? Wozu habe ich dich als Beifahrer, wenn du nicht ein kleines Bisschen mitdenkst!“, rief Steve aufgebracht. „Da kann ich mir auch gleich so eine aufblasbare Tussi auf den Beifahrersitz setzen. Die weiß auch nicht, wo`s langgeht, aber hält dabei wenigstens die Klappe!“
Danny schnappte empört nach Luft. Einmal, zweimal, ein drittes Mal, klappte den Mund dann wieder zu und sah einfach nur aus dem Fenster. `Ach, es hatte einfach keinen Sinn mit McGarrett zu streiten. Entweder er hatte Recht, oder er hatte Recht.`

Steve wusste, dass er zu weit gegangen war. Natürlich konnte Danny nichts dafür, dass ER völlig unkonzentriert hinter dem Steuer saß und dass ER sich verfahren hatte. Wütend über sich selbst kaute er auf seiner Unterlippe. Kurz vor der Werkstatt setzte er dann doch noch zu einer Entschuldigung an:
„Hör zu Danny, es… Es tut mir leid! Das hätte ich nicht sagen sollen und das hab ich auch nicht so gemeint.“
„Schon gut, Steve“, nahm Danny seine Entschuldigung an. “Wir sind beide am Limit. Schon vergessen! Aber, wenn ich ehrlich bin, ich würde zu gerne sehen, wie du mit einer Gummipuppe auf dem Beifahrersitz durch die Stadt fährst. Das macht bestimmt richtig Eindruck“, schmunzelte Danny und schnallte sich ab.
„Steig schon aus, Hasenhirn!“, musste nun auch Steve lachen. „Wir sehen uns am Montag.“

Die restliche Heimfahrt über hatte Steve Mühe, nicht hinter dem Steuer seines Pick-Ups einzuschlafen und war froh, als er endlich zu Hause war. Er setzte den Blinker und wollte eben die Auffahrt zu seinem Haus hinauffahren, musste dann aber voll auf die Bremse treten! Ein schwarzer Porsche Cayenne stand direkt vor seiner Einfahrt und versperrte ihm den Weg.
„Verdammt!“, entfuhr es ihm. „Welcher Idiot parkt hier mitten vor meiner Einfahrt? Bestimmt ist das eine Frau, das kann nur eine Frau sein! Kein Mann auf dieser Welt würde sein Auto auf diese Art und Weise parken!“, schimpfte er aufgebracht. Mit der flachen Hand bearbeitete er seine Hupe, wieder und wieder… Aber das wilde Hupkonzert schien niemanden zu beeindrucken. Niemand kam, um dieses Auto vor seiner Einfahrt zu entfernen. Resigniert setzte er zurück und parkte seinen Chevy am Straßenrand hinter dem Porsche. Schnell durchwühlte er das Handschuhfach und förderte eine Visitenkarte zutage. Darauf schrieb er eine kurze, nicht gerade freundliche Notiz und klemmte sie an der Heckscheibe des Cayenne fest.

Er betrat sein Haus, warf die Schlüssel im Vorbeigehen auf den Küchentisch und zerrte sich schon auf dem Weg nach oben die Kleider vom Leib. Er wollte nur noch drei Dinge tun- duschen, ins Bett und schlafen, genau in dieser Reihenfolge. Das warme Wasser entspannte seine verkrampften Muskeln ein wenig aber gegen die bleierne Müdigkeit half auch das nichts. Schnell stieg er aus der Dusche, trocknete sich ab und lief, nur mit Shorts bekleidet, ins Schlafzimmer. Er ließ die Jalousien herunter, legte sich auf sein Bett und war eingeschlafen, noch bevor sein Kopf auf dem Kissen lag.

„PRRRRRT- PRRRRRT- PRRRRRT…“ Steve schreckte aus dem Schlaf hoch, starrte mit klopfendem Herzen ins Dunkel und versuchte sich zu orientieren. Was war das für ein Geräusch? Wer lief hier mit einem Presslufthammer mitten durch sein Schlafzimmer? Er versuchte sich zu beruhigen und das ohrenbetäubende Geräusch zu orten, das ihn geweckt hatte. Es kam von draußen, aus dem Nachbarhaus. An einem Freitagabend, kurz nach acht. Zuerst die zugeparkte Einfahrt und nun auch noch nächtliche Ruhestörung! Das ging nun wirklich zu weit! Steve sprang aus dem Bett und schlüpfte in seine Jeans. Aus dem Wäscheberg vor seinem Schrank, der mittlerweile eine beachtliche Höhe erreicht hatte, zog er ein Sweatshirt, streifte es sich über den Kopf und stürmte wutentbrannt aus dem Haus.

„Wenn die neuen Nachbarn sich so einführen wollen- dann werden wir viel Spaß zusammen haben! Auf eine gute Nachbarschaft!“, brummte er wütend, während er seine Beine über den Zaun auf das Nachbargrundstück schwang.
Der Baulärm schien direkt aus dem Eingangsbereich zu kommen. Er hämmerte mit der Faust an die Eingangstür. Doch nichts geschah, es waren keine Schritte und keine Stimmen zu hören. Niemand schien von ihm Notiz zu nehmen. Was war heute nur los? Hatte sich die ganze Welt gegen ihn verschworen oder beschlossen, ihn zu ignorieren? Er hob erneut die Faust, um an die Tür zu klopfen. Doch in diesem Moment öffnete sich diese und Steve sah sich zwei wunderschönen schwarzen Augen gegenüber, die ihn verwundert anblickten. Zudem wurden diese Augen, die wie zwei schwarze Diamanten funkelten, von einem derart hübschen Gesicht und einer Unmenge langer, dunkler Locken umrahmt, dass Steve nur noch mit offenem Mund und erhobener Faust dastehen konnte.
„Ich nehme mal nicht an, dass sie der Handwerker sind, auf den ich heute schon den ganzen Tag vergeblich warte!“, hörte er SIE sagen.
Steve schüttelte nur mit dem Kopf. „Wow, diese Augen, dieses Gesicht, diese Haare, diese Stimme…“, dachte er, unfähig einen klaren Satz zu formulieren.

„Da die BAD TASTE-PARTY nicht hier, aber vielleicht im Haus nebenan stattfindet, würde ich doch gerne den Grund erfahren, warum sie hier vor meiner Türe stehen und versuchen, diese mit bloßen Händen einzuschlagen!“ Belustigt sah Steve`s Gegenüber auf sein Sweatshirt. Und auch er senkte den Blick. Verdammt! Was war denn das? Wo war nur das berühmte Mauseloch zum Verkriechen, wenn man es mal wirklich brauchte? Im Dunkeln hatte er doch glatt eines von Marys Sweatshirts erwischt, das sie bei ihrem letzten Besuch vergessen hatte. Was er da anhatte, ließ ihn nicht wirklich männlich erscheinen. Es sei denn Mini- Maus auf pinkfarbenem Sweater war gerade der letzte Schrei bei den Navy Seals.

„Ok, McGarrett, du bist ein verdammter Navy-Seal! Du bist schon mit ganz anderen Situationen fertig geworden. Und da sich der Erdboden wohl nicht öffnen wird, um dich mit Haut und Haaren zu verschlucken und dich aus dieser abgrundtief peinlichen Situation zu retten, musst du da jetzt einfach durch!“, versuchte er sich selbst Mut zuzusprechen. Dann holte er einmal tief Luft und stammelte mit hochrotem Kopf:
„Äh, also, ähm… Ich bin Steve McGarrett, ihr Nachbar. Ich hatte einfach einen ver-dammt harten Tag. Deshalb möchte ich nur eines, meine Ruhe und schlafen. Könnten sie nicht morgen früh fortfahren, ihr Haus in seine Einzelteile zu zerlegen, damit ich wenigstens ein paar Stunden Ruhe habe? Ach ja, und das, was sie hier als „bad taste“ bezeichnen ist mein Lieblingssweatshirt, das ich übrigens nur an besonderen Tagen wie heute, dem Valentinstag, trage.“ Ein Lächeln legte sich über seinen Mund. `Gar nicht so schlecht, McGarrett,` klopfte er sich gedanklich auf die Schulter. Auch seine Gesprächspartnerin schmunzelte, wurde aber gleich wieder ernst und erwiderte:
„Pink steht ihnen, das sollten sie öfter tragen! Entschuldigen sie, wenn ich ihren Kleidergeschmack beleidigt haben sollte. Das war natürlich nicht meine Absicht! Helen Craven, ich bin ihre neue Nachbarin- wenn dieses Haus irgendwann einmal bezugsfertig sein sollte. Sie haben Glück, der Kompressor hat eben seinen Geist aufgegeben und ich mache für heute Schluss. Ich werde sie also nicht weiter belästigen. Schlafen sie gut, Mister McGarrett!“
Mit diesen Worten schloss sie die Tür ein wenig lauter als beabsichtigt und ließ Steve in seinem lächerlichen Aufzug einfach stehen. Kopfschüttelnd ging er zurück ins Haus ins Bett. Na großartig, das konnte ja heiter werden!

Am nächsten Morgen wachte Steve früh auf. Er fühlte sich wesentlich besser. Erholt und ausgeruht. Deshalb zog er sich schnell seine Laufklamotten an und lief hinunter zum Strand. Der Cayenne stand nicht mehr vor seiner Einfahrt. Gut für den Besitzer, denn Steve würde eine solch dämliche Aktion bestimmt kein zweites Mal dulden.
Schon nach den ersten Schritten fand er seinen Laufrhythmus und ließ wie gewohnt seine Gedanken kreisen. Eigentlich kreisten sie nicht, sondern blieben, wie eine kaputte Schallplatte immer wieder hängen. Bei Helen, seiner neuen Nachbarin. Mit wem sie wohl in das Haus einzog? Ob sie wohl verheiratet war? War sie allein? War sie liiert? Hatte sie Kinder? Was machte sie wohl beruflich?
Auch wenn er eigentlich NOCH nicht viel, eigentlich gar nichts, über sie wusste, einer Sache war er sich sicher- sie war wunderschön, hatte wunderschöne Augen, eine wunderschöne Stimme und er wollte sie unbedingt näher kennenlernen. Zugegeben, ihr erstes Zusammentreffen war nicht das, was man unter „Bilden einer guten und nachbarschaftlichen Basis“ verstehen konnte, aber er würde seinen schlechten ersten Eindruck schon irgendwie wieder wettmachen können.

Als er seine Einfahrt erreichte, musste er erst einmal ungläubig blinzeln. Der Cayenne stand, wie am Vorabend, mitten vor seiner Einfahrt. Steve fackelte nicht lange, zog sein i-Phone aus der Tasche und drückte die Kurzwahltaste des HPD.
„Nathan, ich bräuchte mal schnell den Halter eines schwarzen Porsche Cayenne mit folgendem Kennzeichen MPA 472. “
„Einen kleinen Moment Steve, ich such dir die betreffende Person raus. Soll ich dir die Nummer schicken?“
„Nein, gib sie mir einfach durch. Ich hab dich auf Lautsprecher und tipp sie dann gleich ein.“
„Also die Halterin ist eine gewisse H...krrrk… ven …krrrrk... Und ihre Nummer ist die 0674-9877654. Steve? Bist du noch dran? Hast du das? Hier war irgendeine Störung in der Leitung.“
„Alles klar Nathan, bin noch dran und die Nummer habe ich auch, vielen Dank!“, antwortete Steve und legte auf. „Wusst ich`s doch, eine Frau!“, brummte Steve mürrisch. Er wählte die Nummer, die er eben erhalten hatte. Nach mehrmaligem Klingeln wurde das Gespräch angenommen: “Ja?“
„McGarrett hier“, blaffte Steve sofort ins Telefon. „Sind sie zufällig Halterin eines schwarzen Porsche Cayenne? Wenn ja, dann möchte ich sie hiermit bitten, schleunigst ihr Auto aus meiner Einfahrt zu entfernen, bevor es der Abschleppwagen…!“
„Tuuut, tuuut, tuuut…“
Ungläubig starrte er auf das Telefon in seiner rechten Hand und lauschte dem durchdringenden Tuten, das aus ebendiesem kam. Langsam, ganz langsam kroch die Wut in ihm empor, sammelte sich in seinem Inneren und machte sich bereit, in einer gewaltigen Explosion ans Tageslicht zu treten.
Aufgelegt! Sie hatte einfach auf-ge-legt! Aber einen Steven J. McGarrett warf man nicht einfach aus der Leitung!!!
Er drückte die Wahlwiederholung und wartete. Plötzlich nahm er aus dem Augenwinkel eine Bewegung wahr. Als er sich umdrehte, sah er Helen, wie sie wutentbrannt aus dem Haus stürmte und ihr Handy schwenkte. Ihre schwarzen Augen sprühten Funken und ihre dunklen Locken flogen durch die Luft. Sie war also die Halterin des Porsches.
`Nicht gut, McGarrett, gar nicht gut!`, konnte Steve nur denken, bevor das grollende Gewitter auch schon über ihn hereinbrach!

„McGarrett, oder wie auch immer sie heißen!“, brüllte Helen wütend. „Sind sie ei-gentlich immer so unentspannt und pedantisch? Was würde es sie kosten, einmal über ihren Schatten zu springen und von ihren felsenfesten Prinzipien abzuweichen um EIN MAL in ihrem Leben ein Auge zuzudrücken??? Wie kann ein Mensch nur so stur und verbohrt sein! Wenn ich gewusst hätte, dass ich nun die täglichen Streitereien mit meinem Nachbarn fortführen muss, dann hätte ich gleich bei meinem Ex-mann bleiben können. Verdammt!“ Mit lautem Knall flog die Autotür ins Schloss, der Motor wurde gestartet und mit quietschenden Reifen brauste der Porsche mit Helen davon.

`Rumms! Das hatte gesessen!`
„McGarrett, du bist einfach ein Vollpfosten! Kannst du nicht einmal nachdenken, bevor du handelst?“, schimpfte Steve laut mit sich selbst. Das hatte er gründlich vermasselt!
Entweder er würde sich mit einer Überlebensration Lebensmittel auf die einsamste und kleinste der Hawaiianischen Inseln zurückziehen und dort bis an sein Lebensende schmoren müssen oder er musste sich hier und jetzt etwas einfallen lassen, um noch eine klitzekleine zweite Chance für den berühmten ersten Eindruck zu bekommen.
Mit hängenden Schultern ging er in die Küche, um sich bei einem Kaffee einen Schlachtplan zurechtzubasteln. Anschließend ging er duschen. Dann zog er sich seine Arbeitsklamotten an und warf einen schnellen Blick aus dem Fenster.
Der Porsche stand nun vor dem Nachbarhaus. Helen war also wieder da. Weit und breit war jedoch kein anderes Auto zu sehen. Gut, also kamen auch heute keine Handwerker. Doch in diesem Moment bog ein weißer Lieferwagen einer Baufirma um die Ecke. Schnell sprang Steve nach unten, lief auf die Straße und stoppte das Auto mit einem tollkühnen Sprung vor die Kühlerhaube.

Der Fahrer ließ die Scheibe herunter und rief: „Sind sie irre Mann? Es gibt schönere Arten aus dem Leben zu scheiden, als sich vor den Kühler eines Lieferwagens zu werfen.“
Steve hob beschwichtigend die Hände. „Keine Sorge, ich will bestimmt nicht sterben. Ganz im Gegenteil! Aber besondere Aktionen erfordern eben auch besondere Maßnahmen. Ich hatte alles im Griff! Wollen sie zu Helen Craven?“
„Ja, und ich bin spät dran. Also würde ich sie bitten, mich weiterfahren zu lassen! Miss Craven würde mir, ihrer Laune bei unserem Telefonat von vorhin nach, eh am liebsten schon den Kopf abreißen mich teeren und federn und anschließend noch vierteilen! Die Frau hat richtig Temperament und ich bin wirklich tot, wenn sie mich jetzt nicht weiterfahren lassen! Und das Schlimmste ist, ich bin auch noch selbst schuld daran!“
„Hören sie, da haben wir wohl beide etwas gemeinsam. Auch ich habe bei Mrs. Craven einiges gutzumachen. Das Dumme dabei ist, ich bin ihr Nachbar und MUSS gut mit ihr auskommen. Sie sind nur ihr Maler und werden es überleben, wenn sie ein Leben lang wütend auf sie wäre! Ich bezahle ihnen also das Doppelte von ihrem Honorar bei Mrs. Craven, wenn sie einfach umdrehen und wieder nach Hause fahren“, bettelte Steve. „Ich regle das schon, das verspreche ich ihnen!“, fügte er noch hinzu.
„Das kann ich nicht machen. Damit schaff ich mir doch nur einen schlechten Ruf! Und ich brauch das Geld, schließlich habe ich 4 Kinder großzuziehen!“, antwortete der Handwerker.
„Ich verspreche, dass es ihnen keinesfalls schaden wird! Kommen sie schon!“, wurde Steve langsam ungeduldig.
„Na gut, wohin schick ich die Rechnung?“
„Hier ist meine Karte“, atmete Steve auf, klopfte dem unsicher dreinschauenden Handwerker noch einmal aufmunternd auf die Schulter und sah ihm dann zu, wie er den Lieferwagen wendete und unverrichteter Dinge wieder davonfuhr.

Puh! Das war ja noch relativ einfach. Jetzt würde sich zeigen, wie weit er bei seiner Nachbarin zu Kreuze kriechen musste, damit sie seine Entschuldigung akzeptieren und ihm eine zweite, äh dritte Chance geben würde.
Er lief die Auffahrt zu ihrem Haus hinauf und klopfte an die Tür. Diese öffnete sich und er wurde sogleich mit einer Schimpftirade überschüttet: „Da sind sie ja endlich! Nicht genug, dass sie es gestern gar nicht geschafft haben, hier aufzukreuzen, geschweige denn… !“
Helen hielt für einen Moment inne, um dann erneut Luft z holen: „Ah, McGarrett, was habe ich denn dieses Mal verbrochen? Einen Grashalm in ihrem Garten umgeknickt? Steht mein Wagen etwa einen Millimeter zu nah an ihrem Grundstück? Hat mein lautes Atmen sie beim Meditieren gestört?“
„Helen!“, wollte Steve ihren Eifer bremsen.
„Oder hat vielleicht …“
„HELEN!!!“, brüllte Steve, weil er keine Ahnung hatte, wie er sie in ihrer Wut und Raserei sonst hätte bremsen können.
Ihr Gesicht war tiefrot und ihre Augen… Ihre Augen waren weit aufgerissen und Steve versank beinahe in diesen riesigen, schwarzen Löchern. Sie war wütend! Sie war stinksauer! Sie war aufgebracht! Oh Gott, sie war so süß!

„Helen, hören sie mir einfach nur ein paar Sekunden zu! Ich habe gesehen, dass ihr Handwerker sie schon wieder versetzt hat. Es tut mir leid, dass ich mich wie ein Idiot benommen habe. Das ist wahrlich keine gesunde Basis für eine gute Nachbarschaft. Und weil ich mich wirklich wie ein kompletter Volltrottel benommen habe, würde ich mich gerne bei ihnen entschuldigen und fragen, ob ich ihnen nicht ein wenig zur Hand gehen kann. Ich bin nämlich ein ganz passabler Handwerker. Können wir nicht einfach noch einmal von vorn beginnen?“
Helen starrte ihn nur ungläubig mit großen Augen und offenem Mund an und brachte nun ihrerseits kein Wort mehr heraus. Mit seiner kleinen, netten Ansprache hatte er ihr komplett den Wind aus den Segeln genommen. Äähh… was wollte sie eigentlich gerade noch sagen? Ihre Sprachlosigkeit freute Steve diebisch und diese nutzte er sogleich, um einen erneuten Versuch zu starten:
„Hi, ich bin Steve McGarrett, ihr Nachbar,“ und zeigte dabei auf sein Haus. „ Herzlich willkommen! Ich habe gehört, dass sie Probleme mit ihrem Kompressor haben und vielleicht kann ich ihnen helfen, das Ding wieder in Gang zu bekommen. Und eventuell gibt es hier noch ein paar Arbeiten, bei denen ich ihnen behilflich sein kann!“, fügte er augenzwinkernd hinzu.
„Äh… äh…!“ `Verdammt Helen, hör auf hier so dämlich rumzustehen. Klapp den Mund zu und benimm dich wie eine erwachsene Frau und nicht wie ein verkappter Teenie beim ersten Date`, schalt sich Helen in Gedanken. Sie holte einmal tief Luft, setzte ein Grinsen auf und antwortete: „Hi Steve, ich bin Helen Craven und äh… ich freue mich, so nett von ihnen willkommen geheißen zu werden.“
Ein schüchternes Lächeln huschte über ihr Gesicht. Dann machte sie einen Schritt nach vorn, nahm Steve an der Hand und sagte: „Kommen sie schon rein, wir haben wirklich noch sehr viel zu tun, wenn wir bis zum Abend fertig sein wollen. Der Nachbar hier,“ dabei zeigte sie auf Steves Haus, „ist ein wenig lärmempfindlich und reagiert leicht cholerisch, wenn er nicht genug Schlaf bekommt!“
Mit diesen Worten zog sie den lachenden Steve ins Haus und schloss die Tür.



Kapitel II

Helen schaltete den PC in ihrem Büro aus und rieb sich die müden, roten Augen.
Es war Donnerstagmittag und Zeit, endlich einmal früher nach Hause zu gehen.

Sie wusste nicht, wie viele Stunden sie damit zugebracht hatte, sich im Internet Häuser verschiedenster Art, Farbe, Größe und Bauweise anzuschauen. Und ehrlich gesagt wollte sie es auch gar nicht wissen. Sie wollte nur noch eines- ihre Ruhe.

Es war nun ziemlich genau ein halbes Jahr her, dass ihr so glücklich und unkompliziert geglaubtes Leben eine völlig unerwartete Wendung genommen hatte.
6 Monate, in denen sie sich jeden Tag das Hirn zermarterte, wie sie sich nur so in einem Menschen hatte täuschen können.
178 Tage, in denen sie immer wieder nach den Dingen gesucht hatte, die SIE falsch gemacht hatte.
4272 Stunden, in denen sie sich fast täglich die Augen aus dem Kopf geheult und in Selbstmitleid gewälzt hatte.
256320 Minuten, in denen sie innerlich gewütet, geschrien und getobt hatte.
15379200 Sekunden, in denen sie sich immer mehr der Sinnlosigkeit ihres innerlichen Kampfes bewusst geworden war.
Sie stand vor den Trümmern ihrer siebenjährigen Ehe.
`Das verflixte siebte Jahr`, so sagte man doch so treffend. Insgeheim hatte sie die Menschen immer belächelt, die in jeder Situation ihres Lebens den passenden Spruch parat haben.
„Kopf hoch, wenn der Hals auch dreckig ist!“, pflegte ihre Großmutter immer augenzwinkernd zu sagen, wenn es nach einem Rückschlag weitergehen sollte.
„Man muss sich halt auch mal zwingen können“, war der Lieblingsspruch ihres beleibten Nachbarn, wenn er sich bei Geburtstagen freudestrahlend das dritte Stück Sahnetorte einverleibte.
„Da hat man schon mal kein Glück- und dann kommt auch noch Pech dazu!“, war der Klassiker ihrer Freundin Sam, der eigentlich in allen Situationen ihres Lebens Anwendung fand, sei es nun ein verpatztes Date oder einfach nur ein „bad hair-day“!

Allerdings ist es nicht ganz so einfach, einen passenden Spruch zu finden, wenn man seinen Mann zum 7. Hochzeitstag überraschen will. Wenn man dafür die Hochzeitssuite im Hilton reserviert hat, der Champagner kaltgestellt ist, man sogar noch beim Friseur war und die sündhaft teure, verruchte, sexy Unterwäsche trägt, die man sich extra für diesen Tag gekauft hat.
Welcher Spruch ist angebracht, wenn man seinen Mann überraschen möchte und dabei aber leider Zeugin wird, wie der Ehemann diesen Tag lieber mit seiner jungen, blonden und vollbusigen Sekretärin auf dem büroeigenen Schreibtisch feiert und sich, so ganz nebenbei, die Seele aus dem Leib vögelt???
„Oh Entschuldigung, hier wir noch gearbeitet? Dann komm ich zum Putzen später noch mal vorbei.“
Oder „Oh Schatz, du hast schon mit dem Aufwärmtraining begonnen? Barbara, sie können nun wieder an ihre eigentliche Arbeit gehen, ich übernehme jetzt!“

Nein, Helen war in diesem widerlichen Moment, als sie ihrem überraschten Ehemann in die weit aufgerissenen Augen sah, überhaupt nicht nach Sprechen zumute. Kreidebleich drehte sie sich auf dem Absatz um und verließ wortlos das Büro. Dieses Bild würde sich für immer in ihre Gedächtnis eingebrannt haben. IHR TOM! Der Mann, von dem sie glaubte, ihn seit über 12 Jahren in- und auswendig zu kennen. Der Mann, der sie auf Händen tragen wollte. Der Mann, der geschworen hatte, sie zu lieben und zu ehren, bis dass der Tod sie scheidet. Was war dieses Ehegelübde in der heutigen Zeit eigentlich noch wert? Waren dies einfach nur hohle Worte ohne Sinn? Der Mann, betrog sie am hellichten Tag mit seinem überaus blonden, überaus jungen, überaus vollbusigen und überaus dämlichen Büromäuschen.

Blind vor Tränen eilte sie zum Aufzug und war froh, dass sie auf dem Flur niemandem begegnete. Sie hätte jetzt nicht reden können- kein Wort! Mit niemandem!
`Komm schon!`, betete sie stumm während sie verzweifelt auf dem Aufzugknopf herumhämmerte. Mit einem lauten *pling* öffneten sich die Türen und Helen stürzte ins Innere des Aufzuges. Sie zitterte am ganzen Körper und versuchte krampfhaft, die aufkommende Übelkeit zu ignorieren. `Nein! Nein! NEIN! `, schrie alles in ihr. Das konnte und durfte doch einfach alles nicht wahr sein!
Im Erdgeschoss angekommen, rannte sie in Richtung Ausgang, warf sich gegen die Glastüren, hastete über den Parkplatz zu ihrem Auto und fuhr mit quietschenden Reifen davon. Wie lange sie so plan-, und ziellos durch die Gegend gefahren war wusste sie nicht. Erschrocken fuhr sie zusammen, als das Handy in ihrer Handtasche zu klingeln begann. TOM! Was wollte er? Erklären, dass eigentlich alles ganz anders war, als es eben ausgesehen hatte? Sie ergriff das Telefon, schaltete es aus und warf es in den Fußraum der Beifahrerseite. Sie würde NIE wieder ein Wort mit diesem verlogenen Schwein wechseln! NIE WIEDER!
Nach weiteren ungezählten Minuten des planlosen Herumfahrens fand sich Helen schließlich vor Sams Haus wieder. Natürlich konnte einem in solchen nur eines helfen- die beste Freundin! Und vielleicht noch eine Flasche Wodka auf Eis!

Helen stellte das Auto ab, warf einen prüfenden Blick in den Spiegel, um ihn dann erschrocken wieder zuzuklappen. Das verheulte Wesen mit den schwarzen Streifen den die verlaufene Schminke dessen Wangen hinterlassen hatte, konnte unmöglich sie sein. Doch, das war wohl sie- HELEN CRAVEN-, die betrogene und gehörnte Ehefrau! Die Frau aus „zweiter Hand“! Das zukünftige Scheidungsopfer!...

Das bittere Lachen, das tief aus ihrer Kehle kam, verwandelte sich erneut in hemmungsloses Schluchzen, ließ ihren Körper erzittern und ihre Schultern beben. Und auch der Tränenstrom, von dem sie dachte, er sei versiegt, begann erneut zu fließen. Ihr Herz setzte für einen kurzen Moment aus, als die Autotür aufging und sie Sams Stimme hörte: „Hey Helen, ich habe dich herfahren sehen und warte nun schon geschlagene 10 Minuten darauf, dass du endlich hereinkommst. Sag mal, solltest du jetzt nicht eigentlich im Hilton bei Champagner und Kerzenschein Tom deine neue sexy…äh … um Himmels willen! Helen? Helen, wie siehst du denn aus, was ist passiert? Steig endlich aus, komm rein und erzähl mir, was hier eigentlich los ist!“
Helen ließ sich ohne Gegenwehr von ihrer resoluten Freundin aus dem Auto ziehen und ins Haus schieben. Nachdem die Tür ins Schloss gefallen war, führte Sam sie ins Wohnzimmer und drückte sie sanft in die weichen Polster des Sofas. Dann stellte sie eine große Packung Taschentücher auf den Tisch und sah ihre beste Freundin liebevoll an. „Und jetzt, Süße, erzähl!“
In diesem Moment brachen bei Helen sämtliche Dämme. Schluchzend und unter weiteren Tränen erzählte sie ihrer besten Freundin, was ihr in den letzten Stunden widerfahren war. Angefangen von ihrem Besuch beim Friseur, dem Richten der Hochzeitssuite im Hilton und der Vorfreude, die sie dabei erfüllte. Fortführend mit der Aufregung, als sie zu Tom ins Büro fuhr und sich dabei ertappte, dass sie wie ein verliebter Teenager noch immer Schmetterlinge im Bauch hatte. Endend mit der hässlichen Szene, wie sie Tom und Barbara beim wilden, hemmungslosen Sex auf seinem Schreibtisch vorgefunden hatte. Sie fühlte sich leer, so schrecklich leer. Ihre Augen waren vom vielen Weinen rot und verquollen und ihr Kopf drohte, in einer gewaltigen Explosion zu zerplatzen.

In diesem Augenblick war Sam feinfühlig genug, nicht viele Worte zu verlieren, sondern ihre Freundin, die aussah wie ein Häufchen Elend, einfach nur fest in den Arm zu nehmen und sie so lange weinen zu lassen, bis der scheinbar unendliche Tränenstrom endlich versiegt war. Während sie das Gästezimmer richtete, ließ sie Helen ein warmes Bad ein, befreite ihre Freundin weiterhin wortlos aus der neuen Unterwäsche, ließ diese anschließend unauffällig im Müll verschwinden und bugsierte sie dann in die Wanne. Helen ließ alles mit sich geschehen. Sie befand sich in einem luft- und zeitlosen Raum. „Und immer schön den Kopf über Wasser halten, Süße!“, hörte sie Sams mahnende Stimme. Als sie den Blick hob, sah sie ihre Freundin in der Tür stehen und aufmunternd lächeln. „Der Typ ist es bestimmt nicht wert, dass du dich hier und heute in meiner Badewanne ertränkst!“ Helen schüttelte nur müde und vorsichtig den schmerzenden Kopf, der sich mittlerweile anfühlte wie eine Bowlingkugel nach dem 87. Strike.

Nach dem Bad, das wenigstens die äußerlichen Spuren dieses schrecklichen Tages weggewaschen hatte, fand sich Helen in einem von Sams Nachthemden in deren Gästebett wieder. Sie wollte nur noch drei Dinge- schlafen, vergessen und sterben, genau in dieser Reihenfolge! Erschöpft ließ sie sich in die Kissen sinken, rollte sich auf die Seite und wartete auf den erlösenden Schlaf. Und schon bald glitt sie hinüber, in die Welt, die das erhoffte und ersehnte Vergessen bringen sollte.

Sie hörte nicht mehr, wie abwechselnd Sams Handy und ihr Festnetztelefon klingelten, wie sie Tom zuerst geduldig abwimmelte, ihn nach dem fünften Anruf aber genervt anschrie, dass er es nie wieder wagen solle, diese Nummern anzurufen. Sie hörte auch nicht mehr, wie es an der Haustür Sturm klingelte und Sam dem Ehebrecher drohen musste, die Polizei zu verständigen, wenn dieser nicht augenblicklich das Grundstück verließe.

Die nächsten Tage verbrachte Helen wie in Trance. Sie wollte nicht aufstehen, nichts essen, nichts trinken, niemanden sehen und schon gar nicht reden. Sam ließ sie erst einmal in Ruhe, das war das Mindeste, was sie für ihre beste Freundin tun konnte. Doch irgendwann kam auch bei Sam der Punkt, an dem sie ihre Freundin mit sanftem Druck zurück ins Leben schubsen musste. Deshalb bat sie Helen, sich zu duschen, sich anzuziehen und dann nach unten zu kommen. Helen wusste, was nun auf sie zukommen würde, und am liebsten wäre sie durch das offene Badfenster getürmt… Doch wo sollte sie hin? Sie hatte ja nicht mal mehr ein Zuhause!
Deshalb duschte sie lange und begab sich dann mit wackeligen Knien nach unten, um von Sam zu hören, wie ihre ersten, zaghaften Schritte in ihr neues Leben aussehen sollten. Eigentlich wollte sie nicht erinnert werden, nicht gezwungen werden darüber nachzudenken, wie sie ihr Leben nun gestalten würde. Sie wollte zurück in ihre Seifenblase, in ihre Wattekugel, in ihre Traumwelt in der sie immer noch die glückliche, vor allem verheiratete Helen Craven war. Doch Sam war unerbittlich, und wenn Helen ehrlich zu sich selbst war, hatte sie Recht.
Gemeinsam entwickelten sie einen Plan, wie es weitergehen sollte. Und Helen wurde schlagartig bewusst, was Sam in den letzten Tagen alles für sie getan hatte. Sie hatte Tom gezwungen, das gemeinsame Haus zu verlassen und alles mitzunehmen, was ihm gehörte. Sie hatte ihm das Versprechen abgenommen, Helen in Ruhe zu lassen und sich nicht bei ihr zu melden. Sie hatte die wichtigsten Personen aus Helens Leben über ihre derzeitige Situation informiert und alle gebeten, Helen einfach die Zeit zu geben, die sie brauchte. Und sie hatte sich in ihrem gemeinsamen Freundeskreis umgehört und erfahren, was beide, sie und Helen, insgeheim schon geahnt hatten. Der Sex mit seiner Sekretärin war für Tom kein Ausrutscher, sondern eine handfeste Affäre, die schon seit mehreren Monaten am Laufen war. Das Schwein hatte sie nach Strich und Faden betrogen! So sehr diese Tatsache Helen auch schmerzte, so dankbar war sie dafür, dass sie ihre Trauer nun in Wut verwandeln konnte. Und das Ziel ihrer Wut war- TOM!

Sam zeigte ihr im Verlauf des Gesprächs auf, welche Möglichkeiten sie hatte, wenn sie sich irgendwann dazu entschließen sollte, sich von Tom scheiden zu lassen. Sie erklärte ihr das genaue Vorgehen, vom ersten Entschluss bis hin zur Unterschrift unter den Scheidungspapieren. Mit ihrer besten Freundin an ihrer Seite, die zugleich noch die beste Anwältin der Welt war, sah Helen der Zukunft als alleinstehende, betrogene, getrennt lebende Frau Anfang 30 nicht mehr ganz so schwarz entgegen.

Die ersten Wochen in ihrem „gemeinsamen“ Haus waren hart. Jedes Möbelstück, jedes Bild, einfach alles erinnerte an ihre gemeinsame Zeit, an ihre Geschichte, die sie mit Tom hatte schreiben wollen. Je mehr Zeit sie jedoch in diesem Haus verbrachte, desto deutlicher wurde ihr bewusst, dass sie die Vergangenheit hinter sich lassen musste. Die Vergangenheit und somit auch dieses Haus. Das war der Grund, warum Helen Tage und Nächte damit zubrachte, sich ein neues Haus, ein neues Heim zu suchen. Doch das gestaltete sich schwieriger als gedacht. Teilweise waren die Häuser einfach zu alt, heruntergekommen und baufällig, teilweise waren sie zu groß für eine Person oder sie waren schlicht und ergreifend unbezahlbar.

Helen hatte die Hoffnung, jemals ein schönes, Haus zu finden, das sie sich dazu auch noch leisten konnte, schon fast aufgegeben. Deshalb hatte sie beschlossen, den Computer für heute auszuschalten, das Büro zu verlassen und sich zu Hause einen gemütlichen Donnerstagabend zu machen. Doch genau in dem Moment, als sie das Büro verlassen wollte, klingelte ihr Telefon. „Verd… Mist!“, fluchte sie wenig damenhaft, ging zurück zu ihrem Schreibtisch, legte ihre Tasche ab und nahm den Anruf entgegen. Es war ihre Maklerin, die anrief und schwärmte, dass sie DAS Traumhaus für Helen gefunden hatte. Traumhafte Lage, eigener Strand mit direktem Zugang zum Meer, leerstehend, nahezu bezugsfertig und das alles noch im Rahmen ihrer finanziellen Möglichkeiten.
„Das Glück kommt zu dem, der warten kann“, schoss ihr der Lieblingsspruch ihrer Mutter durch den Kopf. Stirnrunzelnd schüttelte sie den Kopf über ihre Gefühlsduselei. NOCH hatte sie das Haus nicht einmal gesehen und NOCH bestand hier überhaupt gar kein Anlass, Luftsprünge zu machen. Trotz allem war sie zuversichtlich und verließ beschwingt und gutgelaunt das Büro.

Die genannte Adresse der Maklerin hatte sie schnell gefunden. Die Wohnlage war top und das Haus sah von außen wirklich vielversprechend aus. Auch die Aufteilung der Zimmer und die große, helle und offene Küche ließen Helen innerlich jubeln. Eine große Fensterfront im Wohnzimmer offenbarte einen wunderschönen Blick auf den Ozean und auf der großzügigen Holzterrasse konnte man gemütlich grillen und sich den Sonnenuntergang anschauen. Ohne Zweifel- Helen hatte sich auf den ersten Blick in dieses kleine Juwel verliebt und sie wollte es haben! Dieses Haus war wie für sie gemacht.
Die Maklerin hatte gewusst, dass Helen dieses Haus gefallen würde und es deshalb keinem anderen ihrer Klienten gezeigt. Ihr tat die junge Frau mit den traurigen Augen leid und wenn sie ihr auf diese Art und Weise helfen könnte, dann würde sie das gerne tun. Deshalb hatte sie auch schon alle nötigen Unterlagen vorbereitet und mitgebracht. Wenn Helen wollte, würde das Haus in wenigen Minuten ihr gehören!
Und ob Helen wollte! Nachdem alle Formalitäten erledigt waren und die Maklerin, sie mit einer kleinen Flasche Sekt in IHREM neuen Haus zurückgelassen hatte, riss Helen sämtliche Türen und Fenster auf. Sie atmete tief die frische, salzige und feuchte Luft ein, die vom Ozean herüberwehte und stieß einen lauten Freudeschrei aus. Sie war zu Hause!

Auf dem Nachhauseweg rief sie zu allererst Sam an, um ihr die freudige Nachricht zu überbringen und sie zu einer kleinen Feier einzuladen. Doch die Sekretärin der Kanzlei sagte ihr, dass Sam zu einer Gerichtsverhandlung auf Maui war und erst am Montag wieder zurückerwartet wurde.
`Gut, dann feiere ich eben allein!`, ließ sich Helen die gute Laune nicht vermiesen.
Sie nahm sich ein Bier aus dem Kühlschrank und machte es sich mit den Plänen auf der Terrasse gemütlich. Schnell hatte sie ein paar Ideen und Änderungswünsche notiert und für den morgigen Freitag, den Valentinstag, einen Handwerker bestellt, mit dem sie alles Weitere besprechen wollte. „Besser ein Handwerker- Valentins- Date, als gar kein Valentins-Date!“, sagte sie lächelnd zu sich selbst.
Es war das erste Mal in den letzten sechs Monaten, dass Helen mit einem Lächeln auf den Lippen einschlief.

Am nächsten Morgen wollte sie es sich eben mit ihrem Kaffee auf der Terrasse gemütlich machen, als es klingelte. Sie ging zum Eingang, öffnete die Tür und zuckte zurück, als sie Tom erblickte. Tom, der mit zerknirschtem Gesicht und zwei großen Reisetaschen auf den Stufen vor ihrer Haustür stand.
„Tom? Was willst du hier? Haben wir etwa ein Valentins-Date, von dem ich nichts weiß?“, fragte Helen überrascht. Sie hatten sich in den letzten 6 Monaten nur 2 Mal zufällig getroffen und sie war dankbar gewesen, dass er sich an Sams „Auflagen“ gehalten hatte. Sie hatte zwar mitbekommen, dass Tom nach ein paar Nächten im Hotel Unterschlupf bei seinem Bürohäschen gefunden hatte, doch Einzelheiten darüber wollte sie nicht wissen.
„Helen? Helen!“, riss Tom sie aus ihren Gedanken. „Lässt du mich rein? Hör zu, mir tut das alles so unendlich leid! Ich liebe dich und glaube, wir sollten einmal in Ruhe über alles reden!“, hörte sie ihren Mann unsicher murmeln.

`Hä? Wie bitte? Hatte sie das eben richtig verstanden? War das sein Ernst? Konnte er sie allen Ernstes für so dämlich halten?` Ein feuerspeiender Vulkan war lächerlich gegen die ohrenbetäubende und gewaltige Explosion, mit der Helen nun ihrem Ärger Luft machte.
„Da irrst du dich aber gewaltig, Tom!“, schleuderte Helen ihm wutentbrannt entgegen. „WIR sollten hier überhaupt nichts, weil es WIR nicht mehr gibt! DU hast gezeigt, wie viel dir an diesem WIR liegt, nämlich überhaupt gar nichts! Was ICH dagegen tun sollte ist, dich mit einem fetten Tritt in den Allerwertesten hier von den Stufen meines Hauses und gleichzeitig aus meinem Leben zu befördern!!! Von mir aus kannst du zurück zu deinem Stenomäuschen, aber wie es aussieht, will selbst sie dich nicht mehr zurück! Also verkriech` dich in das Loch, aus dem du heute gekrochen bist und wage es ja nicht, mir noch einmal unter die Augen zu treten! Wir sind fertig miteinander!“

Damit trat sie gegen die Tür, die mit lautem Knall ins Schloss fiel. Zitternd vor Wut und vollkommen atemlos lehnte sich Helen mit dem Rücken dagegen. Sie hörte, wie ein Wagen gestartet wurde und rückwärts aus der Einfahrt fuhr.

Hatte sie das wirklich gerade gesagt? Hatte sie Tom gerade wirklich die Stirn geboten? Ja, das hatte sie! Helen war stolz auf ihre Reaktion, denn sie merkte, dass es richtig war. Sie wusste, dass sie diesem Mann nie wieder vertrauen könnte und es keinen Sinn machen würde, einen Neuanfang zu wagen. Natürlich konnte sie die gemeinsamen Jahre und die vielen, schönen Erinnerungen nicht auslöschen und das wollte sie auch gar nicht. Er gehörte zu ihrer Vergangenheit und würde immer ein Teil ihres Lebens bleiben. Sie wollte ihn nur nicht mehr zurück und fand es fast beleidigend, dass er hier mit Sack und Pack aufkreuzte und um Asyl bat! Das machte sie wütend!
Deshalb beschloss sie, nach einem halben Tag im Büro ihre Wut an den Tapeten im Flur ihres neuen Hauses auszulassen, sich dort ein wenig auszutoben und abzureagieren. Mit Hilfe des Kompressors und der Wasserpumpe, die noch irgendwo in der Garage rumstehen mussten, würden die Tapeten von selbst das Weite suchen. Schnell hatte sie das Gesuchte gefunden und ihre Werkzeugkiste gepackt. Dann warf sie noch schnell ein paar gemütliche Jeans, ein T-Shirt und Turnschuhe in die Tasche, die sie später gegen ihre Büroklamotten eintauschen würde und machte sich auf den Weg.

`Wo blieb nur der verflixte Handwerker?` Helen wählte nun schon zum x-ten Mal seine Nummer, erreichte aber nur seine Mailbox, die bestimmt irgendwann einmal voll sein musste. Zuerst hatte sie höflich nachgefragt, ob er sie vergessen hätte. Beim zweiten und dritten Anruf bat sie ihn, zurückzurufen. Beim vierten, fünften, sechsten und siebten Anruf drohte sie damit, ihm seinen lukrativen Auftrag zu kündigen. Ab dem achten Anruf hatte sie aufgehört zu zählen… Ihr Temperament ging mal wieder mit ihr durch. Das war wohl eine ihrer wenigen negativen Eigenschaften. Ihr aufbrausendes Temperament, das immer genau dann mit ihr durchging, wenn sie, entweder nicht unbedingt im Recht war oder wenn sie sich über irgendetwas ärgerte. Dann aber einen Gang zurückzuschalten oder sich gar zu entschuldigen, war nicht immer einfach. Auch wenn sie sich in dieser Hinsicht schon das eine oder andere Mal in arge Bedrängnis gebracht hatte und zielsicher jeden noch so kleinen Fettnapf mit Anlauf und Punktlandung erwischt hatte, so war dies ebenso ein Teil ihres Charakters. Nicht immer einfach und bestimmt nicht immer liebenswert aber immer zu 100% Helen. Dieser Teil hatte sich in den letzten Wochen nur allzu gut in ihrem Inneren verborgen gehalten und sie freute sich, dass sie wieder zu heftigen Gefühlsausbrüchen fähig war. Sie begann, sich wieder lebendig zu fühlen und das war ein verdammt gutes Zeichen.

Sie hatte den ganzen Nachmittag wie eine Wilde gearbeitet. Zuerst hatte sie die Tapeten mit Wasserdampf befeuchtet. So würden sie sich leichter ablösen lassen. Die ersten Bahnen fielen nach wenigen Minuten auch fast von selbst von den Wänden. Dann aber schien der gute Lauf unterbrochen, die Tapeten klammerten sich mit wie es schien, unbändiger Kraft an den Wänden fest und Helen musste jedes noch so kleine Fitzelchen mühsam mit der Spachtel abkratzen. Jetzt war es Viertel vor acht und sie versuchte tapfer, sich die Krämpfe aus den müden Armen zu schütteln. Morgen würde sie einen Muskelkater haben, der sich gewaschen hatte! Morgen! Aber zwischen dem Morgen und dem Hier und Jetzt lagen noch etwa 2 qm Tapete, die sich weigerten, kampflos das Feld zu räumen. Denen würde sie jetzt noch den Krieg erklären, aus dem sie, so war sie sich ganz sicher, als klarer Sieger hervorgehen würde. Beherzt nahm sie die Düse mit der Bürste in die Hand und schaltete erneut den Kompressor ein.
„PRRRRRT- PRRRRRT- PRRRRRT…“ `Ha! Gebt euch geschlagen, ihr elenden Tapeten-Fitzel! Hier kommt Super- Helen!` motivierte sich Helen innerlich. Eigentlich hatte sie keine Lust mehr, keine Kraft mehr und immer noch eine tierische Wut im Bauch, dass der Handwerker sie heute versetzt hatte.
„PRRRRRT- PRRRRRT- PRRRRRT…“ und noch eine Ladung! „PRRRRRT- PRRRRRT- PRRRRRT…“ und noch eine letzte! „PRRRRRT- PRR…“ Nanu? Was war denn das? Warum kam hier plötzlich kein Dampf mehr aus der Düse??? Der Kompressor hatte die Sinnlosigkeit dieses Unterfangens wohl bemerkt und versagte vorsorglich einfach den Dienst. Helen stieß einen leisen, wenig salonfähigen, Fluch aus und feuerte die Düse auf den Boden.

Da erst vernahm sie das laute Klopfen an der Tür. Wer konnte das denn sein? Wer wusste, dass sie hier war? War es etwa der Handwerker, der sich zur Spät- oder Nachtschicht meldete?
Neugierig öffnete sie die Haustür und sah sich zwei wunderschönen graugrünen Augen gegenüber, die sie verwundert anblickten. Zudem wurden diese Augen, die wie die gesamte Farbpalette des Ozeans schillerten, von einem wunderschönen, markanten Gesicht umrahmt. Ein Dreitagebart, wie auch ein süßes Grübchen, zierten die Mund- und Kinnpartie und die Haare des Mannes wirkten sympathisch unfrisiert. Überhaupt schien er gerade aus dem Bett gestiegen zu sein, denn er machte einen leicht verschlafenen Eindruck. Trotz allem hatte er immer noch die Faust erhoben, als wolle er im nächsten Moment auf sie losgehen. `Egal was du willst, schöner Unbekannter, dir werde ich erst einmal den Wind aus den Segeln nehmen!` dachte Helen und blies zum Angriff, bevor der Mann vor ihrer Tür überhaupt auch nur den Mund aufmachen konnte.
„Ich nehme mal nicht an, dass sie der Handwerker sind, auf den ich heute schon den ganzen Tag vergeblich warte!“, stieß sie leicht genervt aus.
Der Fremde schüttelte nur völlig überrumpelt den Kopf und ließ seine Faust sinken.
`Gut, wenn du nicht willst, dann mache ich einfach mal weiter. Ich bin gerade so gut im flow`, dachte sie und fuhr fort auf ihn einzuschimpfen.
„Da die BAD TASTE-PARTY nicht hier, aber vielleicht im Haus nebenan stattfindet, würde ich doch gerne den Grund erfahren, warum sie hier vor meiner Türe stehen und versuchen, diese mit bloßen Händen einzuschlagen!“ Belustigt sah Helen auf sein Sweatshirt. Und auch er senkte den Blick. Das Entsetzen, welches ihm so plötzlich in den Augen stand ließ vermuten, dass er sich der Lächerlichkeit seines Aufzuges nicht im Geringsten bewusst gewesen war. Welcher NORMALE Mann trug denn bitteschön ein pinkes Sweatshirt mit Mini-Maus Aufdruck? Nicht einmal Dirk Bach, die Obertunte würde sich in diesem hässlichen Stück Stoff wohlfühlen!

Helen beobachtete, wie die Gesichtsfarbe des Mannes von einem leichten Wutrot ins fahle Weiß wechselte, um sich dann schlagartig wieder in ein dunkles Schamrot zu verwandeln. Sie merkte, wie er versuchte, innerlich wieder auf die Beine zu kommen und fast tat er ihr sogar ein wenig leid.
Der Fremde bemerkte, dass er nun wohl am Zug war und dass Helen ihm, wenn er jetzt schnell genug reagierte, vielleicht die Möglichkeit geben würde, den Anlass seines „Besuches“ zu erklären.
Dann holte er einmal tief Luft und stammelte mit hochrotem Kopf:
„Äh, also, ähm… Ich bin Steve McGarrett, ihr Nachbar. Ich hatte einfach einen verdammt harten Tag. Deshalb möchte ich nur eines, meine Ruhe und schlafen. Könnten sie nicht morgen früh fortfahren, ihr Haus in seine Einzelteile zu zerlegen, damit ich wenigstens ein paar Stunden Ruhe habe? Ach ja, und das, was sie hier als „bad taste“ bezeichnen ist mein Lieblingssweatshirt, das ich übrigens nur an besonderen Tagen wie heute, dem Valentinstag, trage.“
Ein Lächeln legte sich über seinen Mund und auch Helen schmunzelte, wurde aber gleich wieder ernst. So, so! Das war also Steve, ihr Nachbar. Keiner von der ganz spaßigen und entspannten Sorte. Das konnte ja heiter werden! Ihm war anzusehen, dass er müde war, aber das war immer noch kein Grund, hier so ein Theater zu veranstalten. Deshalb beschloss Helen, ihm erst einmal ihre Krallen zu zeigen. Er würde in den nächsten Tagen und Wochen bestimmt noch öfter die Gelegenheit bekommen zu zeigen, wie und ob er damit umgehen konnte.
Deshalb entgegnete sie nur kühl:
„Pink steht ihnen, das sollten sie öfter tragen! Entschuldigen sie, wenn ich ihren Klei-dergeschmack beleidigt haben sollte. Helen Craven, ich bin ihre neue Nachbarin- wenn dieses Haus irgendwann einmal bezugsfertig sein sollte. Sie haben Glück, der Kompressor hat eben seinen Geist aufgegeben und ich mache für heute Schluss. Ich werde sie also nicht weiter belästigen. Schlafen sie gut, Mister McGarrett!“
Mit diesen Worten schloss sie die Tür ein wenig lauter als beabsichtigt und ließ ihren Nachbarn in seinem lächerlichen Aufzug einfach stehen.
Oh Gott, das konnte ja heiter werden!

Zugegeben, er sah nicht schlecht aus, die dunklen, verwuschelten Haare und die kleinen Löckchen, die sich in seinem Nacken kräuselten, die markanten Backenknochen, das Grübchen am Kinn, der Mehrtage- Bart, die schönen Augen mit dieser undefinierbaren Farbe, die sich ständig zu verändern schien, die Lachfältchen um die Augen und diese zusammengezogenen Brauen, wenn er sich über etwas zu ärgern schien… Die Jeans saß perfekt und dann war er auch noch barfuß! Dafür hatte sie einfach eine Schwäche… Gut, über das Sweatshirt ließ sich streiten, aber es schien ihm ja auch nicht wirklich zu gehören. Aber wem gehörte es dann? Etwa seiner Frau? Seiner Freundin? Seiner Tochter? Das Klingeln ihres Handys riss sie aus ihren Gedanken und sie schüttelte erschrocken den Kopf über sich selbst! `Heute Morgen erst hast du deinem zukünftigen Ex-Mann den finalen Arschtritt verpasst und Stunden später schaust du dich nach einem, mehr als adäquaten, Ersatz um? Helen, was ist nur los mit dir?`, schalt sie sich selbst. Sie beschloss, das Klingeln, wer auch immer das sein mochte, ausnahmsweise zu ignorieren, zusammenzupacken und auf äußerst leisen Sohlen das Haus und diese Wohngegend für heute zu verlassen. Schließlich wollte sie ihren Nachbarn ja nicht noch länger am Schlafen hindern…

Sie schloss das Haus ab und ging zu ihrem Auto, das sie ein Stück weit die Straße hinunter geparkt hatte. Als sie die Heckklappe öffnen wollte, fiel ihr Blick auf die Visitenkarte, die hinter dem Heckscheibenwischer klemmte.
„LCDR Steven J. McGarrett, Five-0“ Dies ist eine Einfahrt und KEIN öffentlicher Parkplatz!! Sollten Sie diese Tatsache noch einmal ignorieren, werde ich sie umgehend abschleppen lassen! McG

Ups, der Kerl hatte wohl so viel Tak-t und Feingefühl wie ein nasser Sack Zement! Dass er ein Navy- Angehöriger war und für die Five-0 Task Force arbeitete machte das Ganze auch nicht besser. Es war für Helen eher ein Zeichen, einen Gang zurückzuschalten und ihn nicht weiter zu verärgern, denn solche Menschen machte man sich besser nicht zum Feind! Für alle Fälle schob sie die Visitenkarte mit der „netten“ Nachricht in die Gesäßtasche ihrer Jeans und machte sich dann auf den Heimweg.

Am nächsten Morgen wachte sie früh auf. Sie fühlte sich eigentlich ganz gut und ihre Arme schmerzten nicht so sehr, wie sie es erwartet hatte. Deshalb würde sie heute noch einmal einen Arbeitstag im Haus einlegen.
Gerade, als sie sich die zweite Tasse Kaffee einschenkte, klingelte ihr Telefon. Es war der Handwerker. Helen nahm das Gespräch an und ließ dem armen Mann nicht einmal Zeit, sich zu melden: „Guten Morgen Mr. Keane. Schön, dass sie heute wenigstens die Güte haben, sich einmal bei mir zu melden. Wie sie ihrer Mailbox entnehmen konnten, hatten wir gestern einen Termin, der ihnen scheinbar nicht allzu wichtig gewesen ist. Wenn sie heute um Punkt 9 Uhr nicht da sein sollten, geht der Auftrag an einen ihrer schärfsten Konkurrenten. Bis dann!“
Puh, geschafft! Keane würde überpünktlich sein, dessen war sie sich sicher!

Schnell ging sie noch einmal die Liste mit den Dingen durch, die sie noch mitnehmen musste und machte sich dann erneut auf den Weg in ihr neues Domizil. Unterwegs fing sie an, die Küche zu planen und sie gedanklich auch gleich schon einzurichten. Das Geschirr, welches sie zur Hochzeit bekommen hatten, war größtenteils ihrer Wut über Tom zum Opfer gefallen und somit hatte sie schon einen Grund, sich in der kommenden Woche mit Sam zum Shoppen zu verabreden. Lächelnd parkte sie ihr Auto am Straßenrand und machte sich ans Ausladen. Sie hätte vielleicht besser darauf achten sollen, WO sie ihr Auto parkte. Doch Helen war so in ihre Planungen vertieft, dass sie nicht merkte, wie sie erneut McGarretts Zufahrt versperrte. Gerade als sie das Haus betreten hatte, klingelte ihr Telefon erneut. Da sie beide Hände voll hatte, dauerte es einen Moment, bis sie das Gespräch annehmen konnte. „Ja“, meldete sie sich nichtsahnend, ohne vorher auf das Display geschaut zu haben.
„McGarrett hier“, blaffte ihr eine erboste Stimme entgegen. „Sind sie zufällig Halterin eines schwarzen Porsche Cayenne? Wenn ja, dann möchte ich Sie hiermit bitten, schleunigst ihr Auto aus meiner Einfahrt zu entfernen, bevor es der Abschleppwagen…!“ *pling* Helen drückte den roten Knopf an ihrem Telefon und unterbrach das Gespräch.
„So ein kleinkarierter, pedantischer Armleuchter!“, schrie Helen aufgebracht und stürmte zur Tür. Dem würde sie jetzt aber gehörig den Marsch blasen! Da vibrierte das Handy in ihrer Hand und begann erneut zu klingeln. Mit wehenden Locken und einer gehörigen Portion Wut im Bauch stürmte Helen aus dem Haus. Da stand er ja!
„McGarrett, oder wie auch immer sie heißen!“, brüllte sie wütend. „Sind sie eigentlich immer so unentspannt und pedantisch? Was würde es sie kosten, einmal über ihren Schatten zu springen und von ihren felsenfesten Prinzipien abzuweichen um ein Mal in ihrem Leben ein Auge zuzudrücken??? Wie kann ein Mensch nur so stur und verbohrt sein! Wenn ich gewusst hätte, dass ich nun die täglichen Streitereien mit meinem Nachbarn fortführen muss, dann hätte ich gleich bei meinem Ex-mann bleiben können. Verdammt!“

Verärgert warf sie sich hinter das Steuer schlug mit lautem Knall die Autotür zu, startete den Motor und fuhr mit quietschenden Reifen davon. Mit großer Genugtuung sah sie ihren Nachbarn im Rückspiegel mit hängenden Schultern am Straßenrand stehen und immer kleiner werden.
Nach ein paar Minuten um den Block hatte sie sich wieder soweit beruhigt, dass sie sich ihren Fehler auch eingestehen konnte. Sie HATTE seine Einfahrt zugeparkt und das nicht nur einmal, sondern auch noch ein zweites Mal. Und das, obwohl er sie, wenn auch nicht besonders freundlich, darauf hingewiesen hatte, dies zu unterlassen! In diesem Fall war sie einfach im Unrecht! Vielleicht sollte sie sich entschuldigen? Hmmm.. Sie konnte ihm ja erst einmal aus dem Weg gehen.
Da es Viertel vor neun war beschloss sie, zurück zum Haus zu fahren. Schließlich wollte sie pünktlich sein, um den Handwerker gebührend zu empfangen.

Wann war sie eigentlich zu einer solchen „Krawallschachtel“ mutiert? Fragte sich Helen betrübt. War sie wirklich so verbittert, wie es nach außen hin den Anschein hatte? Das war eine Sache, der sie sich in nicht allzu ferner Zukunft stellen musste, wenn sie es sich nicht mit ihrer gesamten Nachbarschaft verscherzen wollte. Nun wartete aber erst einmal Mr. Keane und der sollte ruhig spüren, dass sie sich nicht alles gefallen ließ! Von McGarrett war weit und breit nichts mehr zu sehen, so dass Helen ihren Porsche aufatmend vor ihrer eigenen Zufahrt parkte und ungesehen das Haus betreten konnte.

Ungeduldig trommelte sie mit ihren Fingern auf der Arbeitsplatte in der Küche herum. „Tadamm- tadadamm- tadamm- tadadamm.“ ´Das war`s! Chance vertan- wie konnte man nur so dämlich sein und sie gleich an zwei aufeinanderfolgenden Tagen versetzen!?` Es war bereits zehn Minuten nach neun und Mr. Keane war immer noch nicht da. Plötzlich klopfte es. Gut, einen letzten Wutausbruch würde sie sich noch gönnen, bevor sie versuchte, wieder ein wenig mehr freundlich und ein bisschen weniger Furie zu sein. Schnell holte sie einmal tief Luft, öffnete die Tür und legte los:
„Da sind sie ja endlich! Nicht genug, dass sie es gestern gar nicht geschafft haben, hier aufzukreuzen, geschweige denn… !“
Ups, das war ja gar nicht Mr. Keane, der ewig verschollene Handwerker. Helen hielt für einen Moment inne, um dann erneut Luft zu holen. Egal, auch der Dampfwalzen-Nachbar eignete sich hervorragend als Blitzableiter für ihren Ärger: „Ah, McGarrett, was habe ich denn dieses Mal verbrochen? Einen Grashalm in ihrem Garten umgeknickt? Steht mein Wagen etwa einen Millimeter zu nah an ihrem Grundstück? Oder hat mein lautes Atmen sie beim Meditieren gestört?“
„Helen!“
„Oder hat vielleicht …“
„HELEN!!!“, brüllte Steve, weil er keine Ahnung hatte, wie er sie in ihrer Wut und Raserei sonst hätte bremsen können.
Hä? Was? Sie spürte, wie ihr Gesicht vor Zorn glühte. Und er sah sie an, mit so einem Blick, den sie nicht recht deuten konnte. Ein Blick, der sie plötzlich verunsicherte und dafür sorgte, dass sie komplett den Faden verlor. Als wäre sie ein aufblasbares Gummitier, aus dem man den Stöpsel gezogen hatte…

„Helen, hören sie mir einfach nur ein paar Sekunden zu! Ich habe gesehen, dass ihr Handwerker sie schon wieder versetzt hat. Es tut mir leid, dass ich mich wie ein Idiot benommen habe. Das ist wahrlich keine gesunde Basis für eine gute Nachbarschaft. Und weil ich mich wirklich wie ein kompletter Volltrottel aufgeführt habe, würde ich mich gerne bei ihnen entschuldigen und fragen, ob ich ihnen nicht ein wenig zur Hand gehen kann. Ich bin nämlich ein ganz passabler Handwerker. Können wir nicht einfach noch einmal von vorn beginnen?“
Helen starrte ihn nur ungläubig mit großen Augen und offenem Mund an und brachte nun ihrerseits kein Wort mehr heraus. Mit seiner kleinen, netten Ansprache hatte er ihr komplett den Wind aus den Segeln genommen. `Äähh… Was sollte diese Ansprache hier? Was hatte er da eben gesagt? Und- was wollte sie eigentlich gerade noch sagen?` Ihr Gegenüber schien Gefallen an ihrer Sprachlosigkeit haben und nutzte diese sogleich, um einen erneuten Versuch zu starten:
„Hi, ich bin Steve McGarrett, ihr Nachbar,“ und zeigte dabei auf sein Haus. „Herzlich willkommen! Ich habe gehört, dass sie Probleme mit ihrem Kompressor haben und vielleicht kann ich ihnen helfen, das Ding wieder in Gang zu bekommen. Und eventuell gibt es hier noch ein paar Arbeiten, bei denen ich ihnen behilflich sein kann! Ihr Handwerker, Mr. Keane lässt sich nämlich auf`s herzlichste entschuldigen und hat mich als seine Vertretung geschickt!“, fügte er augenzwinkernd hinzu.

„Äh… äh…!“ `Verdammt Helen, hör auf hier so dämlich rumzustehen. Klapp den Mund zu und benimm dich wie eine erwachsene Frau und nicht wie ein verkappter Teenie beim ersten Date!`,schalt sich Helen in Gedanken. Sie holte einmal tief Luft, setzte ein Grinsen auf und antwortete: „Hi Steve, ich bin Helen Craven und äh… ich freue mich, so nett von ihnen willkommen geheißen zu werden.“
Ein schüchternes Lächeln huschte über ihr Gesicht. `Wow, der Kerl konnte ja auch richtig nett sein!`
Dann machte sie einen Schritt nach vorn, nahm Steve an der Hand und sagte: „Kommen sie schon rein, wir haben wirklich noch sehr viel zu tun, wenn wir bis zum Abend fertig sein wollen. Der Nachbar hier,“ dabei zeigte sie auf Steves Haus, „ist ein wenig lärmempfindlich und reagiert leicht cholerisch, wenn er nicht genug Schlaf bekommt!“
Mit diesen Worten zog sie den lachenden Steve ins Haus und schloss die Tür.


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Viel Lärm um Nichts

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