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 Entflammt

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Visiongirl76
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BeitragThema: Entflammt   Sa Apr 14, 2012 1:04 pm

Soooo, ich dachte mir, ich melde mich hier auch einmal mit einer FF zu Worte.
Ich hab sie für meine beste Freundin und Beta Leseratte als Geburtstagsgeschenk geschrieben. Happy Birthday nachträglich noch einmal an dieser Stelle!!!

Spielt in etwa Mitte Staffel 1.
Achso und es ist eine... Slashgeschichte

Und natürlich der Disclaimer:Alles von Hawaii Five-O gehört CBS, Peter M. Lenkov, Robert Orci und vielen anderen Firmen und Personen, die mir gerade nicht einfallen.
Ich leihe mir die Charas nur aus, um sie später einigermaßen unbeschadet zurückzugeben. Und verdienen tue ich auch nichts dran.



Sonntagmorgen.

SONNTAGMORGEN!!!

Chin schaute seinen Boss vorwurfsvoll an und unterdrückte ein Gähnen.
Sie hatten am vergangenen Abend zusammen den Abschluss eines Falles gefeiert und, vollkommen untypisch für den Hawaiianer, hatte dieser irgendwann woanders mit einer jungen Frau, die er in der Bar kennengelernt hatte, weitergefeiert.

Nicht einmal zwei Stunden Schlaf waren ihm vergönnt gewesen, als das Handy geklingelt hatte und er zur Arbeit gerufen wurde.
Es war alles andere als einfach, sich zu konzentrieren und er griff innerhalb einer halben Stunde zum dritten Becher Kaffee, in der Hoffnung auf einen Koffeinschub.

Chin Ho fluchte leise vor sich hin, während er nach Informationen über das Opfer suchte und bekam einen fragenden Blick von seinem Boss.
Er war eigentlich das ausgeglichenste Teammitglied, aber dieser Tag schien anders zu sein.
Um nicht ins Kreuzverhör genommen zu werden, fragte er nach: „Wo ist Danny?“

Steve ließ den Themenwechsel zu, nahm das Tablet von Kono an, auf dem sich neue Informationen zur Tatwaffe befanden und schaffte es nur schwer, sein Gesicht nicht zu einem Grinsen zu verziehen, als die junge Frau sich auf einen Stuhl fallen ließ und den Bildschirm anstarrte, wo sie schon einige Informationen zusammengetragen hatten.
Die lässige Art ließ sie noch hübscher, aber auch noch jünger wirken.
Kaum jemand konnte sich vorstellen, dass die Hawaiianerin ernst, professionell und schlagkräftig sein konnte.
Das war einer der Gründe, warum er froh war, sie in seinem Team zu haben.
Sie wurde schnell unterschätzt und schaffte es so, gefährliche Situation für sich nicht nur zu überstehen, sondern auch zu entscheiden.
McGarrett schaute wieder zu Chin und antwortete endlich: „Den hol ich gleich ab, bevor ich ins Leichenschauhaus fahre. Grace ist bei ihm und er muss warten, dass Rachel sie abholt.“

Sowohl Chin, als auch Kono schauten ihren Boss betroffen an.
Es war offensichtlich, wie sehr der blonde Detective an seiner Tochter hing.
Und auch, wie wenig Zeit er mit ihr verbringen konnte.

Chin wusste, dass er sich wirklich nicht beschweren durfte, wenn er jetzt müde war.
Der OneNightStand war seine Entscheidung gewesen und er war, seitdem er die Verlobung gelöst hatte, frei und ungebunden.
Dass er jetzt müde war, schien nichts im Vergleich zu dem Wissen, dass der Blonde seine Tochter erst in 2 Wochen wiedersehen würde.

Steve verteilte die Aufgaben, schickte Kono zu der Ehefrau des Opfers, um mögliche Tatverdächtige aus dem privaten Umfeld zu finden und bat Chin, nachzuforschen, mit wem der Tote beruflich zu tun hatte.
Dass er ein Freund der Gouverneurin war, brachte das Team zwar nicht ins Schwitzen, aber ihnen war klar, dass schnelle Ergebnisse gefordert wurden.

McGarrett machte sich, als sein Handy an diesem Morgen zum fünften Mal klingelte, auf den Weg zu seinem Partner und versicherte seiner Vorgesetzten, dass sie am Fall dran waren.

*

Grace saß auf dem Sofa und ihr Gesicht erzählte davon, wie enttäuscht sie war.
Rechts neben ihr war der Rucksack mit ihren Sachen, inklusive eines neuen Kuscheltieres, einem Delfin, den sie von ihrem Danno bekommen hatte.
Auf der linken Seite saß ihr Vater, ebenso unglücklich wie sie.
Er hatte die Arme um sie geschlungen, versuchte aber, sie aufzumuntern: „Eis ist sowieso furchtbar ungesund und so kalt. Wer braucht auf Hawaii schon eine Abkühlung? Und dein Vater auf Inlinern… Du weißt, dass das für mich nur peinlich werden kann.“
Dann wurde er ernst. „Ich rede mit deiner Mum und vielleicht kann ich dich ja am Freitag aus der Schule abholen und dann beweise ich dir, dass Popcorn gesund ist.“

„Am Freitag habe ich doch Anprobe.“ Grace schaute ihren Vater jetzt noch ein wenig enttäuschter an, weil er diesen wichtigen Termin offensichtlich vergessen hatte.

Dieser brauchte nur kurz zu überlegen und versuchte, seine Tochter überrascht und freudig anzuschauen. „Das ist schon diesen Freitag? Ich bin da, wenn du das erste Mal den grünen Hut aufsetzt! Meine Tochter ist Peter Pan! Weißt du eigentlich, wie stolz ich bin, dass du die Hauptrolle ergattert hast? Als ich klein war, habe ich auch für die Rolle vorgesprochen und hab nur das Krokodil sein dürfen. Grandma hat mich damit getröstet, dass ich auch grün sein durfte.“

Erleichtert über das Kichern atmete er durch und gab seiner Tochter einen Kuss auf die Schläfe, ehe er zu Tür ging.
Es hatte geklopft und leicht genervt murmelte er vor sich hin: „Ich erkenne schon sein Klopfen. Er macht mich wahnsinnig.“

Mit einer kurzen Begrüßung ließ er Steve eintreten und winkte ab, als dieser sich entschuldigen wollte. „Wir müssen noch kurz warten. Rachel steckt im Stau. Dabei habe ich immer gedacht, sowas normales wie einen Stau gibt es nicht auf Hawaii.“
Eigentlich hatte sich der Detective schon daran gewöhnt auf einer Insel zu leben, doch er vermisste sein Zuhause und war einfach kein Mensch, der Meer und Strand lieben konnte.
Doch für seine Tochter nahm er auch das Salzwasser auf sich.
Für sie würde er sogar durchs Feuer gehen.

Eine Sekunde später hasste er sich für den Gedanken.

Gerade als McGarrett näher getreten war, um sich mit Grace zu unterhalten, war etwas durch die Scheibe geflogen und sofort machten sich Flammen breit.

Steve war von dem hereingeworfenen Gegenstand getroffen worden und seine Schulter brannte.

Ohne zu überlegen griff der blonde Detective zur Decke, die auf dem Sofa lag und erstickte das Feuer, dass seinen Partner verletzt hatte, schob Grace vor sich her und wollte zur Tür rennen, als wieder etwas in das Apartment geworden wurde und jetzt wusste er, dass es sich um Molotovcocktails handelte.
Der Fluchtweg durch die Wohnungstür war versperrt und er schrie: „Ins Bad, schnell!“
Während sein Partner das Fenster aufriss, wählte er die 911 und bestellte Rettungswagen und Feuerwehr.

„Du als erstes, Danny.“ McGarrett schaute zur Zimmertür, die sich nicht mehr schließen ließ und bemerkte, wie die Flammen durch genug Nahrung sich weiter verteilten. „Ich hebe Grace raus, aber du musst sie auffangen!“

Ohne zu widersprechen, kletterte der Blonde raus und sprang.
Er bemerkte gar nicht, dass er umknickte, stand auf und machte sich bereit, um seine Tochter aufzufangen.
Über sich hörte er, wie Steve aufschrie, doch sein Kopf verweigerte jede Vorstellung, was schlimm genug war, um seinen Partner schreien zu lassen.
Stattdessen fing er seine Tochter auf, stellte sie hin und zeigte an, wo sie hinrennen sollte, um in Sicherheit zu sein.
Wieder schaute er hoch und wartete auf Steve, der sich fallenließ, hart auf dem Rasenstück landete und versuchte, durch hin und her rollen, die Flammen auf seinem Rücken zu ersticken.
Danny hatte sich das Hemd vom Körper gerissen und erstickte ein weiteres Mal das Feuer, ehe er McGarrett auf die Beine zog und stützte, damit sie zu Gracy kamen, die sich verängstigt umschaute.

Sie waren der Flammenhölle entkommen und hörten endlich auch die Sirenen.
Zeitgleich kamen Feuerwehr und Krankenwagen an, etwas später das HPD, die den Tatort abriegelte.

Zwei Sanitäter kümmerten sich um Steve, legten Kühlpacks auf seinen Rücken, spritzen ihm Schmerzmittel in die Armvene und legten ihn vorsichtig auf eine Trage, um ihn so schnell wie möglich ins Krankenhaus zu schaffen, die anderen beiden teilten sich auf.

Grace wurde untersucht und bekam eine Atemmaske aufgesetzt, da sie etwas hustete, ansonsten war sie unverletzt.

Dannys Bein wurde stillgelegt und auch er musste sich die Atemmaske gefallen lassen, während er auf die zweite Trage gehoben wurde.
Er schaffte es noch, die Bitte loszuwerden, seine Ex-Frau anzurufen und sie zu informieren, schob immer wieder die Maske zur Seite und fragte nach Steve und Gracy, war froh, als seine Tochter neben ihm auftauchte und ließ sich endlich bereitwillig ins Krankenhaus bringen.

*

Chin schaute sich gerade ein Foto genauer an, das er im Büro des Opfers gefunden hatte, als sein Handy klingelte und ein Streifenpolizist mit kühler, abweisender Stimme erklärte, dass es einen Brandanschlag gegeben hatte. „Lieutenant Commander McGarrett und Detective Williams wurden verletzt und sind auf dem Weg ins Krankenhaus. Mein Vorgesetzter hat angeordnet, dass Sie informiert werden.“

Damit war das Gespräch beendet und Chin Ho schaute entsetzt auf das I-Phone, ehe er seine Cousine anrief.

Nach dem dritten Klingeln meldete sie sich, klang aber atemlos, als würde sie rennen.
„Weißt du, was passiert ist?“ Der Hawaiianer wusste nicht, was er nach dem Anruf denken sollte und hoffte, dass man seiner Cousine mehr Vertrauen und Respekt entgegenbrachte als ihm.

„Ich weiß nur, dass jemand Dannys Wohnung in Brand gesteckt hat. Er, Grace und Steve sind im Krankenhaus. Ich fahre hin und finde heraus, wie es ihnen geht. Bei Mrs Crowley hatte ich kein Glück. Anscheinend waren sie mit allen Nachbarn befreundet und jeder hat ihren Mann geliebt.“

Chin Ho atmete tief durch.
Die Müdigkeit war spätestens jetzt vollkommen verflogen und er wollte schon sagen, dass sie sich im Krankenhaus trafen, doch er entschied sich anders. „Ich fahre los und schaue mir Dannys Wohnung an. Noch ist der Tatort frisch. Wir müssen den Kerl finden, der das gemacht hat. Sag mir Bescheid, sobald du etwas weißt.“

Kono versprach dies, bat aber ebenfalls um Informationen und beendete das Gespräch.
Beide waren in Sorge und Angst um ihre Freunde und mussten wissen, was los war.

*

Steve lag auf dem Bauch, die Matratze des Krankenbettes schien so dünn wie ein Blatt Papier zu sein und sein Rücken schmerzte noch immer, obwohl die Infusion ihn nicht nur mit Antibiotikum, sondern auch mit Schmerzmitteln versorgte.
Die Ärzte hatten sich viel Zeit genommen und die verbrannte Haut abgetragen, um dann den verletzten Rücken mit einem speziellem Wasser zu säubern und Kühlkompressen und sterile Brandwundenkompressen aufzulegen.

Es fühlte sich furchtbar an und vor allem fühlte er sich von seinem Körper betrogen.

Trotz größter Anstrengung und Willen, war er nicht in der Lage aufzustehen, erst nach Danny zu schauen und dann den Täter zu suchen.
Er hoffte so sehr, dass sein Partner und dessen Tochter unverletzt waren, doch sein Gefühl sagte ihm etwas anderes.

„Hey.“

Kono!
Die Stimme der jungen Hawaiianerin ließ ihn entspannen.
Jetzt würde er endlich Antworten bekommen und mit etwas Glück auch etwas zu trinken.

Kono zog sich einen Stuhl an das Bett und setzte sich hin, vorgebeugt griff sie nach der Hand ihres Bosses und fragte: „Wie geht es dir?“

Mit leicht zitternder Stimme, wofür er sich am liebsten selbst einen Tritt verpasst hätte, meinte er: „Ich hasse es, auf dem Bauch zu liegen.“
Dafür bekam er ein mitleidiges Lächeln und schnell fragte er nach Danny und Grace.

„Grace hat etwas Rauch eingeatmet und soll eine Nacht zur Beobachtung hier bleiben. Dannys Knie hat was abbekommen und die Ärzte warten auf die Röntgenbilder, aber zumindest ist nichts gebrochen.“
Die junge Frau biss sich kurz auf die Unterlippe, dann erklärte sie: „Chin ist in Dannys Wohnung und will sich umschauen. Die Spurensicherung ist auch da. Was ist denn passiert?“

Ehe McGarrett darauf antwortete, bat er, etwas verlegen, um einen Schluck Wasser. „Ich kann mich mit diesem ganzen Mist auf dem Rücken nicht richtig aufrichten und der Tisch ist zu weit weg.“

Kono lächelte und griff nach dem Glas mit dem Strohhalm und hielt es fest, während ihr Vorgesetzter dankbar ein paar Schlucke nahm.

Endlich erklärte er: „Ich war kaum eine Minute in der Wohnung, als ein Molotovcocktail durch die Scheibe flog. Ich hab was an der Schulter abbekommen. Wir wollten rausrennen, aber ein zweiter flog rein und die Flammen waren schneller als wir. Der Weg war abgeschnitten und wir sind ins Bad und durch das Fenster raus. Ich hab Danny als erstes springen lassen, damit er Grace auffangen kann und als ich sie gerade rausgehoben habe… ist das hier passiert.“
Er zeigte vage auf seinen Rücken und überlegte. „Die müssen mehrmals am Haus vorbeigefahren sein. Es sind mindestens drei Flaschen reingeflogen, aber... ich bin mir sicher, dass sie aus einem fahrenden Pickup geworfen wurden. Dunkel, aber durch den Rauch konnte ich die Farbe nicht genau erkennen.“

Kono wusste, dass unter den Umständen auch kein Kennzeichen drin war und beschloss, die Nachbarn zu befragen.
Zwar war auch noch der aktuelle Fall nicht aufgeklärt, aber auf Steve und Danny war ein Anschlag verübt worden und das ging vor.
Sie würden erst wieder richtig arbeiten können, wenn die Täter, die die beiden Männer verletzt hatten, eingesperrt waren.
Niemand wusste, auf wen genau es die Kerle abgesehen hatten und vielleicht war das ganze Team in Gefahr.

„Brauchst du noch etwas? Ich will Dannys Nachbarn befragen, vielleicht hat jemand den Pickup bemerkt.“

„Ich will nur wissen, was mit Danno ist. Und dich daran erinnern, dass wir noch einen zweiten Fall haben. Ihr müsst multitasken.“ Steve versuchte, sich normal zu geben, doch irgendwie wollte ihm das in dieser Position nicht so richtig zu gelingen.

„Ja, ich weiß. Wir warten noch auf Ergebnisse von der Spurensicherung. Und so lange schaut sich Chin in Dannys Wohnung um. Ich befrage jetzt die Nachbarn und dann… sollten die ersten Autopsieergebnisse da sein.“

Steve versuchte zu nicken, doch auch das war liegend beinahe unmöglich.
Frustriert schloss er die Augen.

Alles in ihm schrie danach, aufzustehen und die Mistkerle zu suchen, die Grace, Danny und ihn verletzt hatten und er konnte noch nicht einmal richtig nicken.

Er hatte überhaupt keine Zeit zum rumliegen.

Und noch viel weniger Geduld. „Geh. Und ich will einmal in der Stunde benachrichtigt werden, was ihr herausgefunden habt. In beiden Fällen. Mein Handy ist in der Schublade.“

Kono wurde bewusst, was sie alle aushalten mussten, solange McGarrett im Krankenhaus lag und nicht arbeiten konnte und sie betete schon jetzt um eine wundersame Heilung über Nacht.

Er war ein toller Mensch und sie konnten sich alle auf ihn verlassen, aber im Moment war er sauer, sogar mehr als das, und frustriert. „Verstanden, Boss. Ich bin auf dem Weg.“

„Erst mein Handy, sonst bringen deine Anrufe gar nichts.“ Steve wusste, dass er sich zusammenreißen musste, aber er fand, dass man ihm die schlechte Laune anmerken durfte, nachdem man ihn mit einem Streichholz verwechselt hatte.

*

Danny wäre am liebsten aufgestanden und auf die Suche nach McGarrett gegangen.

Nachdem dieser sogar zwei Mal in Flammen gestanden hatte, war der Detective in tiefer Sorge.

Auch wenn sie sich die ganze Zeit stritten, sich niemals über Vorgehensweisen einig waren und sie die unterschiedlichsten Leben führten, waren sie doch weitaus mehr als Kollegen.
Sie waren Partner und beste Freunde zugleich.

Wenn es nach Danny ging, sogar noch ein bisschen mehr.
Diesen Teil der Gedanken schob er aber erst einmal beiseite.

Steve hatte Verbrennungen erlitten und vor Schmerzen geschrien.
Der Blonde bekam das nicht aus seinem Kopf raus.

Steve, der stahlharte Seal, hatte vor Schmerzen geschrien.

Bei jedem anderen wäre das mehr oder weniger keine große Sache.
Wenn man Schmerzen hatte, war das okay.
Sogar normal.

Nicht bei Steven J. McGarrett.

Er schrie nicht, weinte nicht und zeigte niemals echte Schwäche.

Man sah ihm an, wenn ihm etwas nahe ging und er war auch menschlich genug, um die Sorgen und Nöte anderer Menschen anzuerkennen, ihnen zu helfen und sogar Trost zu spenden, aber er schien all das niemals zu brauchen, geschweige den sich selbst zuzugestehen oder gar von anderen einzufordern.

Das war eine Sache, die Danny in den Wahnsinn trieb, denn man konnte ihm niemals beistehen.
Wenn man befreundet war, funktionierte Hilfe und Unterstützung aber nicht nur von einer Seite.
Es musste ein Geben und ein Nehmen sein, ohne am Ende aufzurechnen.

Manchmal hatte der junge Detective den Wunsch, Steve einfach wieder eine reinzuhauen, wie an dem Tag, als sie sich kennengelernt hatten, doch um ehrlich zu sein… er konnte es nicht mehr.

Das hätte bedeutet, dass er Steve berühren musste, was aber, unter den gegebenen Umständen, beinahe Schmerzhaft war, denn mit einem Schlag ins Gesicht oder einem Schulterklopfen wollte sich der blonde Detective nicht mehr zufrieden geben.

Doch mehr würde er nicht bekommen.

Und das tat so weh, dass auch ihm nach Schreien zumute war.

Kurz presste er die Lippen fest aufeinander, schaute den Arzt an und erklärte: „Wir sind uns einig, dass ich keinen Knochenbruch erlitten habe, die Bänder und Sehnen scheinen auch intakt und ich soll mein Knie nur eine Weile schonen. Ergo, ich vergeude meine Zeit hier mit Ihnen, während meine Tochter und mein Partner irgendwo hier im Gebäude sind und ich bei ihnen sein müsste. Wenn ich nicht auftreten soll, geben Sie mir Krücken und ich hüpfe hier auch alleine durch die Gegend und suche nach den beiden.“
Danny war mit jedem Wort lauter und wütender geworden.
Zumindest hatte man ihm gesagt, dass Grace okay war und nur zur Sicherheit eine Nacht im Krankenhaus bleiben sollte.
Außerdem war Rachel schon bei ihr, aber was mit Steve war, wollte ihm keiner sagen.

Auch dieser Arzt hielt ihn für eine Schwuchtel, die man nicht ernst nehmen musste, und erklärte nur: „Da es hier auf Hawaii noch keine Homo-Ehe gibt, sind Sie nicht mit Mr McGarrett verheiratet. Und wenn er nicht gerade Ihr Zwillingsbruder ist, was ich bezweifel, darf ich Ihnen keine Auskunft über den Gesundheitszustand des Patienten geben.“

Es reichte.

Danny stand auf, konnte sich gerade noch festhalten, als das verletzte Bein unter ihm nachgeben wollte, und ballte seine Hand zur Faust. „Sie arrogantes Arschloch. Hören Sie mir zu! Er ist mein Partner. Wir sind Cops in einer Spezialeinheit, die Leuten wie Ihnen ständig den Arsch retten. Wir vereinen Superman und Batman in einem, kombiniert mit etwas Spiderman. Und wenn Sie mir nicht auf der Stelle verraten, wo ich ihn finde und wie es ihm geht, glauben Sie mir, brauchen Sie jemanden, der Sie vor MIR rettet.“

Der Arzt starrte seinen Patienten erschrocken an und wurde zumindest rot, wusste er doch, dass Homosexualität unter Polizisten ein gefährliches Thema war. „Setzen Sie sich bitte wieder hin, Mr Williams. Ein Pfleger wird Sie gleich zu Mr McGarrett bringen, aber ich möchte erst die Röntgenaufnahmen sehen. Ihr Partner hat einige Verbrennungen erlitten, wird aber wieder gesund und liegt bereits auf einem normalen Zimmer.“

Danny hatte das Gefühl, dass er noch immer Dampf aus den Ohren stieß, aber das Wissen, dass Steve vollkommen genesen würde, ließ ihn ein wenig rationaler reagieren und er setzte sich tatsächlich wieder hin. „Danke, Doktor. War das so schwer?“

Der Arzt war über den extremen Stimmungswechsel so überrascht, dass er keine Antwort geben konnte und den Mann vor sich einfach nur anstarrte.


Der blonde Detective war froh, als er endlich von einem Pfleger durch die Gänge geschoben wurde, interessierte sich noch nicht einmal dafür, dass er in einem lächerlichen Rollstuhl sitzen musste und machte erst einen Zwischenstopp bei seiner Tochter Grace, die noch ein wenig erschüttert war, aber wieder lächelte, als ihr Danno sie in die Arme schloss.
Rachel sah alles andere als glücklich aus.
Sie schien eher wütend zu sein, dass ihre Tochter ein weiteres Mal in eine lebensgefährliche Situation geraten war, während sie in der Obhut ihres Vaters gewesen war.

Kinder konnte man nicht vor allen schlimmen Dingen im Leben beschützen.
Manchmal schlugen sie sich das Bein auf oder ein anderes Kind war gemein, aber ihre Tochter musste nicht dabei sein, während die Wohnung ihres Vaters mit Molotovvocktails in Brand gesteckt wurde.
Trotzdem war sie so fair und fing keinen Streit an, während Grace dabei war und sich von ihrem Vater trösten ließ.

Der Weg zu Steve fiel Danny plötzlich ein wenig schwerer.

Er sah wieder vor sich, wie sein Partner in Flammen gestanden hatte, hörte immer noch den Schrei und fürchtete sich vor dem, was er gleich sehen würde.
Doch er musste zu Steve, musste sehen, dass dieser lebte und sich nicht unterkriegen ließ.

Und er musste sich entschuldigen.
Steve hatte schlechtes Timing bewiesen, als er gerade in dem Moment aufgetaucht war, als sich jemand an Danny hatte rächen wollen.
Leider fiel ihm aber niemand ein, der so einen Weg wählen würde.

Der Detective hoffte auf Antworten von Chin und Kono, die schon an dem Fall dran waren und ebenso wütend wirkten, wie er sich selbst fühlte.

Als die Tür sich vor Danny öffnete und der Pfleger ihn in das Zimmer schob, vielen ihm zwei Dinge auf.
Das Erste war der Geruch nach verbranntem Fleisch, der Übelkeit in ihm hervorrief, aber er atmete tief durch und ließ sich nichts anmerken.
Das Zweite ließ ihn vor Schreck zusammenzucken, aber auch unendlich leise aufstöhnen.

Steve lag auf dem Bauch, bis zur Hüfte war er zugedeckt, alles was darüber lag, war mit Kompressen verhüllt.
Das Gesicht war leicht verzerrt, die Augen geschlossen und er schlief, schien dabei aber unruhig.
Die Arme hingen an den Seiten runter und das Gesicht hatte er nach rechts gedreht, anscheinend um die Tür im Blick zu haben.
Die Füße schauten nackt unter der Bettdecke hervor und insgesamt war das Bild eine gemeine Perversion von dem, was sich Danny manchmal nachts erträumte.
Steve nackt auf dem Bauch liegend… Was dem Blonden da einfiel, war wohl mehr als klar.

Doch die Verletzung machte die Fantasie zu etwas Schmutzigen.

Der Ex-Navi Seal musste Schmerzen und Erniedrigung ertragen, weil er Danny abholen musste und anstatt seine eigene Haut zu retten, hatte er als erstes an Grace gedacht.

McGarrett öffnete die Augen, als der Pfleger gerade rausgegangen und die Tür hinter sich geschlossen hatte.

„Hey.“ Er schien den Blonden einmal komplett von Haar- bis Zehenspitze zu inspizieren, ganz so, als wolle er sichergehen, dass Danny unverletzt war.

„Hey, wie geht es dir? Sieht nicht bequem aus.“ Danny wusste, dass er sich beim Sprechen überschlug und man ihm das schlechte Gewissen ansah, doch der Andere tat so, als würde er es nicht bemerken.
Ohne zu antworten stellte er stattdessen die Gegenfrage. „Was ist mit deinem Bein? Gebrochen?“

Danny verdrehte die Augen. „Keine Gegenfragen, Steven. Erst will ich wissen, wie es dir geht.“

McGarrett grinste.
Irgendwie mochte er es, wenn Danny ihn ‚Steven‘ nannte, auch wenn er nicht erklären konnte, warum das so war.
Vor allem wenn ihn sein Partner so nannte, es immer mit einer Rüge in Verbindung stand.
„Ich hasse es, auf dem Bauch zu liegen, aber ich bin okay.“

Der Blonde schien ein wenig zu entspannen.
Solange Steve scherzen konnte, war er wirklich in Ordnung und sein Grinsen wirkte echt.

„Und du?“ Jetzt war die Sorge in der Stimme von McGarrett überdeutlich, doch Danny winkte ab. „Nichts gebrochen oder so, nur alles ein wenig überdehnt. In ein paar Tagen renne ich wieder hinter dir her, damit du keinen Mist baust.“

Dann wurde der junge Detective ernst. „Tut mir leid, dass du das abbekommen hast. Ich wusste nicht, dass jemand hinter mir her ist, sonst hätte ich…“

Steve winkte ab. „Es ist nicht deine schuld und ich fürchte, die Kerle konnten genauso hinter mir her gewesen sein. Wir haben auch einigen Leuten schon gemeinsam auf die Füße getreten. Und eigentlich ist es egal, hinter wem sie her waren. Wir finden sie. Chin und Kono sind schon in deiner Wohnung.“

Danny antwortete nicht, schaute nach unten und schien mit sich zu ringen. „Wenn ich das Ziel bin… das kann ich verstehen, aber Grace und du…“

Zu gerne wäre McGarrett genau jetzt aufgesprungen, hätte seinem Partner auf die Schulter geklopft, um dann rauszuspazieren und diese miesen Feiglinge zu schnappen, die das Feuer gelegt hatten, aber wütend und frustriert musste er sich eingestehen, dass er seinem Instinkt nicht folgen konnte.

Er versuchte, es nicht an dem Blonden auszulassen, aber er schaffte es nicht, sein Temperament im Zaum zu halten. „Verdammt noch mal, es ist nicht deine Schuld. Diese Kerle haben das Feuer gelegt. Reiß dich zusammen und denk nach, ob dir jemand einfällt, dem du sowas zutraust. Ich habe auch schon eine Liste im Kopf, die du zu Papier bringen wirst und dann Kono schickst.“

Sekunden später wurde dem Ex-Navy Seal klar, dass er zu heftig reagiert hatte.
Danny war dem Feuer gedanklich noch nicht entkommen und brauchte ein wenig Zeit, um sich zu fangen.
Der Blonde erstarrte nicht, wenn er oder jemand anderes in einer gefährlichen Situation steckte, aber er hatte im Nachhinein mit sich zu kämpfen, wenn ihm endlich bewusst wurde, was passiert war.

Steve kamen diese Gedanken nicht.
Wenn er miterlebte, wie Menschen verletzt wurden oder in Gefahr gerieten, schoss sein Adrenalinspiegel in die Höhe und er gab dann nicht eher Ruhe, bis der Übeltäter geschnappt war und hintern Gittern saß.
Und danach war der Tag gerettet.

„Tut mir leid. Danny, es ist nicht deine Schuld. Du hast das Feuer nicht gelegt. Grace geht es gut und wir beide sind auch bald wieder auf den Beinen.“ Steve versuchte, seinen Partner zuversichtlich anzuschauen und aufmunternd zu klingen, doch wusste er sofort, dass sein Versuch vergebens war, denn Danny machte sich noch nicht einmal die Mühe, ein Nicken anzudeuten, stattdessen brütete er wortlos vor sich hin und kramte in seiner Erinnerung nach einem Namen.
Aber er fand keinen, der sich die Mühe machen würde, extra nach Hawaii zu kommen, um ihn brennen zu sehen.
Vielleicht waren ja die Leute, die er in den Knast gebracht hatte, sauer auf ihn, aber dieser Hass kannte Grenzen.

Die düsteren Gedanken wurden von einem Anruf unterbrochen, den Danny annahm, obwohl es Steves Handy war. „Hey, Chin. Was gibt es Neues?“

Während der Blonde zuhörte, blickte er zu seinem Partner und wurde blass.
Er antwortete einsilbig und fragte am Schluss: „Und ihr seid euch sicher?“

Jetzt wandte er den Blick ab und schaute weg.
McGarrett wurde etwas nervös, spürte, wie ein weiteres Mal die Wut über die Bewegungseinschränkung in ihm hochkochte und wartete ungeduldig auf Informationen.

Endlich war das Gespräch beendet.

Und die Stille zog sich hin.

Steve war nicht der geduldigste Mensch und durchbrach das Schweigen, das eine zusätzliche körperliche Last wurde. „Was ist los? Was hat Chin herausgefunden?“

Anstatt eine richtige Antwort zu bekommen, fuhr sich der Angesprochene erst mit der Zunge über die Lippen, schaute dann doch wieder zu seinem Partner und meinte: „Wenn es ein Verbrecher-Gen gibt, dann schaltet das den Verstand aus, sobald es aktiviert wird. Sagt dir der Name Jackson Peters etwas?“

Jetzt war es Steve, der blass und sprachlos wurde.
Minutenlang starrte er den blonden Detective an und brachte endlich ein „Oh, mein Gott, es tut mir so leid, Danny“ raus.
Er blinzelte mehrmals, schien mit Erinnerungen zu kämpfen und wollte sich ein weiteres Mal entschuldigen, irgendwie erklären, doch brachte er kein Wort raus.

Danny merkte, dass der Name wie eine Bombe eingeschlagen hatte und McGarrett tat ihm leid, denn jetzt war er es, der mit den Schuldgefühlen kämpfte, nachdem er vorher versucht hatte, Danny zu trösten und keinerlei Schuld zugeschoben hatte, obwohl es so einfach gewesen wäre.

„Hey, du hast es vor fünf Minuten selber gesagt. Wir sind es nicht schuld. Wir haben den Brand nicht gelegt. Die Fahndung läuft, der Kerl kommt nicht mehr von der Insel runter und wandert in den Knast.“

Endlich brachte Steve doch die Worte über die Lippen, die ihm auf der Seele brannten: „Ich hab nicht gemerkt, dass der Kerl mich verfolgt hat. Danny, es tut mir so leid. Vor allem Grace… Mann, ich…“

Auch wenn der junge Detective sich noch nicht ganz von dem Schock des Brandes erholt hatte, schaffte er es, die gleichen tröstenden Worte zu finden, die vorher auch sein Partner schon vorgebracht hatte. „Du bist nicht schuld. Und Gracy ist okay. Nicht einmal eine Rauchvergiftung hat sie sich zugezogen. Drei Mal gehustet und das war’s.“

Zu gerne hätte der Lieutenant Commander sich weggedreht, doch sein Körper ließ ihn immer noch im Stich.
Im Moment war er noch nicht einmal in der Lage, wütend zu sein und in seinen Augen stand etwas, das Danny bisher noch nicht an ihm gesehen hatte und es auch nicht zuordnen konnte.

„Schade, dass ich mir eine neue Bleibe suchen muss. Die Nachbarn dort haben es anscheinend echt drauf. Nahezu perfekte Beschreibung und auch noch das Kennzeichen notiert. Fünfzehn Anrufe sind beim Notruf eingegangen. Ich gebe zu, sowas gibt es in New Jersey nicht.“

Danny versuchte, ein wenig Humor zu verbreiten, doch hatte er den falschen Weg gewählt.

„Wenn du… Ich hab ein freies Zimmer, das du haben kannst. Und wenn Grace über Nacht bleibt, findet sich auch eine Lösung. Das Haus ist groß genug.“

Danny wusste, dass McGarrett dieses Angebot auch ohne schlechtes Gewissen gemacht hätte und nahm dankbar an. „Ich suche mir auch so schnell wie möglich eine neue Wohnung.“

Bevor der Dunkelhaarige widersprechen konnte, klingelte ein weiteres Mal das Handy und wieder meldete sich Danny.

Kono hatte Informationen über den zweiten Fall und machte sich auf den Weg, um einen Verdächtigen zu verhören.
Den Rat, einen Streifenpolizisten zur Unterstützung mitzunehmen, nahm sie, zur Erleichterung des Detectives, an und beendete das Gespräch.

Anscheinend funktionierte das Team auch, wenn die Hälfte der Mitglieder außer Gefecht gesetzt wurden, doch trotzdem kribbelte es den beiden Verletzten in den Fingern und sie wünschten sich jetzt an Konos Seite, um ihr beizustehen und sie zu unterstützen.

Die Hawaiianerin war das Küken der Truppe und hatte noch nicht so viel Erfahrung wie die männlichen Mitglieder des Teams.
Zwar hatte sie bis jetzt bewiesen, dass sie ihren Job gut machte und man sich auf sie verlassen konnte, doch manches Wissen kam erst mit jahrelanger Erfahrung.

Jetzt starrten sich Danny und Steve voller Sorge an, doch sie wussten, dass sie Kono zutrauen mussten, dass sie es schaffte, ihren Job auszuführen.
Sie war ein Cop und man durfte sie nicht zurückhalten oder versuchen, sie die ganze Zeit zu beschützen.
Nach einem Tag wie diesem fiel das aber den beiden Männern unglaublich schwer.

„Sie schafft das.“ Steve versuchte, zuversichtlich zu klingen, doch die Sorge in seinen Augen verschwand nicht.

Danny nickte nur und wollte gerade das Thema wechseln, als der Pfleger von vorhin anklopfte und erklärte: „Mr Williams, ich muss Sie auf Ihr Zimmer bringen.“

Der Angesprochene schaute sich um und meinte trocken. „Das hier ist ziemlich gut. Sogar ein freies Bett ist da.“

Steve konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen, als der junge Mann panisch hinter sich schaute und dann erklärte: „Aber Sie müssen auf eine andere Station. Die Orthopädie ist für Sie zuständig.“

Danny schob die Unterlippe nach vorne, als würde er angestrengt nachdenken und schien sich dann über seine Idee zu freuen. „Doktor Orthopädie hat doch bestimmt zwei Beine und mit Füßen dran, die ihn zu mir bringen können, wenn er seine Diagnose noch einmal überdenken möchte. Ich schnappe mir dieses Bett und ruhe mich brav aus, so wie es Dr Orthopädie angeordnet hat.“

Jetzt wurde der Pfleger wirklich panisch und er versuchte es mit einem flehenden Ton. „Bitte, Mr Williams, normalerweise…“

Weiter kam er nicht, denn er wurde mit einer Handbewegung von Danny zum Schweigen gebracht.
Dieser setzte sich in dem Rollstuhl wieder grade hin und fragte, nachdem er das Namensschild entziffert hatte: „Josh, meinst du wirklich, irgendwas an uns beiden wäre normal? Und sei ehrlich!“

Mit hängenden Schultern erklärte der dunkelhaarige Mann: „Wenn Sie mich so fragen… Nein. Von Minute zu Minute sogar immer weniger.“

Danny schien die Antwort zu gefallen und grinste noch breiter. „Siehst du! Wir sind vielleicht ein wenig durchgeknallt, er sogar noch ein bisschen mehr als ich, ganz nebenbei erwähnt, aber wir wissen, was wir wollen. Und ich will das Bett hier.“

Auf dem Gesicht des Krankenpflegers machte sich jetzt Angst breit. „Ich rede mit dem Arzt.“
Damit verschwand er in Windeseile und ließ sogar die Tür offen, was in diesem Krankenhaus offenbar eine Todsünde war.

Danny hatte ihn wirklich verschreckt.

„Was soll das? Du müsstest sauer auf mich sein. Ich hab dich schon wieder in Gefahr gebracht. Erinnerst du dich?“ Steve mochte den Gedanken, nicht die ganze Zeit alleine hier zu liegen, auch noch auf dem Bauch.
Und einen Freund um sich zu haben, mit dem er sich unterhalten konnte, schien verlockend.

Aber er hatte auch ein schlechtes Gewissen, weil er nicht bemerkt hatte, dass er verfolgt worden war und so Danny und Grace in Gefahr gebracht hatte.

Doch anscheinend war der blonde Detective dieses Mal überhaupt nicht wütend.
Ganz im Gegenteil.

Irgendwie machte das auch McGarrett nervös, wenn er ehrlich zu sich selbst war.
Allerdings nicht nervös genug, um nicht über Dannys Verhalten amüsiert zu sein.

Mitleid mit dem Pfleger hatte er im Moment allerdings nicht.

Einer seiner Kollegen war noch vor wenigen Stunden alles andere als zimperlich mit seinem Rücken umgegangen.

Irgendwie fühlte es sich wie ausgleichende Gerechtigkeit an.


Danny hatte es sich auf dem Bett so bequem wie möglich gemacht und die Augen geschlossen.

Steve war immer wieder eingeschlafen, aber vor Schmerzen auch schnell wieder aufgewacht.
Und das trotz Medikamente.

Der Brünette beschwerte sich nicht, jammerte nicht, hatte aber hin und wieder seine Gesichtsmimik nicht unter Kontrolle und seine Hände verkrampften sich im Laken.

In den letzten Stunden hatte der Blonde alles versucht, um seinen Partner abzulenken, doch jetzt konnte er sich nicht mehr wachhalten.

Ein paar Stunden Schlaf, danach wäre er wieder für seinen besten Freund da.

Leises Stöhnen neben ihm ließ ihn aber aufschrecken und er blickte zum Nachbarbett.
Der ehemalige Navy-Seal schlief zwar, doch es war überdeutlich, dass er Schmerzen hatte.

Und schlecht träumte.

Ohne nachzudenken rutschte Danny wieder aus dem Bett, ließ sich auf den Stuhl nieder und schob sich so leise wie möglich an das andere Bett ran.
Kurz zögerte er, dann legte er eine Hand auf den Oberarm des anderen Mannes und flüsterte: „Steve?“

Sofort war der andere Mann wach, schreckte hoch und verzog das Gesicht.

„Soll ich klingeln, damit du was gegen die Schmerzen bekommst?“

Als Antwort bekam er ein leichtes, stummes Nicken, dann schloss der Brünette wieder die Augen und schien sich auf seine Atmung zu konzentrieren.

Danny war wieder hellwach und das Adrenalin pumpte durch seinen Körper.
Er hatte tatsächlich geglaubt, dass Steve McGarrett immer ruhig schlief, über Schmerzen lachte und nicht unterzukriegen sei.

Mitgefühl stand in den Augen des Blonden, während er die ganze Nacht über seinen Partner wachte.

Er hatte sich in Steve verliebt, das wusste er schon länger.
Jetzt aber wollte er dem anderen Mann helfen und ihn beruhigen.
Einfach für ihn da sein.

Danny zählte die Sekunden bis endlich eine Krankenschwester eintrat und versprach, ein Medikament zu holen, nach dem Sie in Sekundenschnelle die Situation erfasst hatte.

Die junge Frau war zwar sofort wieder verschwunden, kam aber auch ebenso schnell zurück.
Da die Infusion noch lief, konnte sie über die Zuspritzmöglichkeit der Infusionsnadel das Schmerzmittel zugeben und es schien, als hätte es eine sofortige Wirkung, denn Steve seufzte auf und atmete wieder ruhiger.
Kurze zeit später schlief er ein und bemerkte nicht, dass Danny seine Hand hielt und über ihn wachte.

*

Danny humpelte bereits durchs Zimmer und sammelte seine wenigen Habseligkeiten ein.

Kono und Chin hatten ihn mit dem Notwendigsten versorgt, nachdem ja sein gesamter Besitz in den Flammen vernichtet worden war.
Zumindest besaß er wieder eine Zahnbürste, Shampoo, Duschgel und etwas Kleidung, doch sobald er aus dem Krankenhaus entlassen war, musste er dringend einkaufen.

Chin hatte sich angeboten, ihn zu fahren und am Nachmittag war es endlich so weit.
Drei Tage waren vergangen.

Kono und Chin waren über sich hinausgewachsen und hatten beide Fälle gelöst und die Verhaftungen durchgezogen.
Danny konnte sich mit Hilfe von Krücken wieder fortbewegen und langsam stellte sich auch die Heilung auf Steves Rücken ein, doch würde dieser noch ein paar Tage in der Klinik bleiben müssen.
Wenn er sich bewegte, dann so vorsichtig und langsam, dass das Zuschauen schon schmerzte.

Es hatte Momente gegeben, in denen der blonde Detective sich gewünscht hatte, den Kampf um das Zimmer nicht gewonnen zu haben, denn der Anblick, den Steve bot, war in manchen Momenten zu viel für ihn gewesen und er hatte nicht gewusst, wie er seine Gefühle für den Ex-Seal verheimlichen sollte.
Er hatte nur noch den Wunsch verspürt, die Hand des Mannes zu halten und ihn irgendwie zu trösten, was aber unmöglich war.

Steve musste alles unter Kontrolle haben und war nicht in der Lage, Schwäche zu zeigen.
Auch wenn er offensichtlich litt, schaffte er es, noch stark zu wirken und ließ niemanden an sich ran.

„Du hast den Schlüssel?“ McGarrett verzog das Gesicht.
Gerade waren die Wunden gereinigt und neu verbunden worden und dank des grauenhaften Desinfizierens, spannte die Haut.
Er hasste das Gefühl und wollte endlich wieder Luft und Kleidung spüren, anstatt der Verbände und dem ganzen Kram.

Danny nickte, konnte anscheinend Gedanken lesen und humpelte zum Stuhl rüber. „Ich hab vorhin gelauscht. Der Arzt ist zwar ein Idiot, aber er meinte, dass die Wunden wahnsinnig gut verheilen und wenn es so weitergeht, wäre er dich in ein paar Tagen los.“

Steve wusste nicht, ob ihn das aufmuntern sollte, aber er tat so, als wäre es eine gute Nachricht.
Noch mehrere Tage in diesem Loch, während er sich eigentlich bewegen wollte, rennen, trainieren und endlich wieder arbeiten.

„Hör auf zu grinsen. Ich nehm es dir sowieso nicht ab. Du gehst die Wände hoch und selbst wenn ich gesagt hätte in drei Stunden kommst du raus, wäre das noch nicht schnell genug.“ Danny nahm allen Mut zusammen und legte seine Hand auf McGarretts Unterarm, drückte zu und zog ihn langsam wieder weg. „Ich bin jeden Tag hier. Von morgens bis abends, um dich zu nerven.“

McGarrett wusste zwar nicht warum, aber die Aussicht munterte ihn tatsächlich auf. „Bring was richtiges zu essen mit. Der Fraß hier…“

Auch ohne diese Bitte hätte der junge Detetive das gemacht, nachdem er sich tagelang von diesem ungenießbaren Zeug hatte ernähren müssen.

Als er die Entlassungspapiere in der Hand hielt und eine junge, blonde Krankenschwester ihn mit dem Rollstuhl aus dem Krankenhaus schieben wollte, winkte er ab. „Dann stehe ich draußen und muss wieder reinkommen, das ist doch dämlich.“

Dass diese Aussage zu hoch für die junge Frau war, machte sich auf ihrem Gesicht sehr deutlich und wieder konnte sich Steve ein Grinsen nicht verkneifen.

So anstrengend manche Wortgefechte mit Danny manchmal waren, so amüsant war es, wenn andere Leute seine Logik zu spüren bekamen.

Die Krankenschwester schien nicht zu wissen, was sie machen sollte, stand fragend und verzweifelt mitten im Raum und schaute zwischen den beiden Männern hin und her, als warte sie auf eine Anweisung. „Herzchen, ich setze mich nicht in dieses Ding. Zumindest jetzt noch nicht. Ich bin vielleicht kein Patient mehr, aber das heißt ja nicht, dass ich das Zimmer nicht als Besucher nutzen kann.“

Die Erklärung schien immer noch zu hoch für die Blondine zu sein.
In ihrer gesamten Zeit als Krankenschwester hatte sie noch keinen Patienten erlebt, der die Klinik nicht schnellstmöglich hatte verlassen wollen.

Jetzt wusste sie zumindest, warum niemand freiwillig dieses Zimmer betrat.
Die Kerle, auch wenn sie niedlich aussahen, hatten doch ganz eindeutig einen an der Waffel.

*

Danny hatte sich bemüht, Steves Haus in Ordnung zu halten, schließlich kannte er sich auch schon dank einiger Besuche in den vergangenen Monaten hier aus, war aber wegen seiner Krücken an so manche Grenze gestoßen.

Schon alleine den Müll mit den Krücken in die Tonne draußen zu befördern war ein Erlebnis, das er bestimmt niemals vergessen würde.
Steve würde in etwa einer Stunde von Chin aus dem Krankenhaus abgeholt werden und Kono hatte Danny geholfen, das Haus wieder in Schuss zu bringen und auch ein Willkommensschild aufgehängt.
Kamekona hatte für Essen gesorgt und saß jetzt glücklich im Sessel und wartete darauf, dass die Feier beginnen würde.

Danny war nervös und versuchte es vergeblich zu verstecken, doch Kono lächelte ihn an. „Steve wird nicht sauer, weil wir sein Zuhause in Unordnung gebracht haben und er schmeißt dich deshalb auch ganz sicher nicht raus. Es ist eine nette Geste und er wird sich freuen.

Danny war froh, dass seine Unruhe falsch gedeutet worden war, denn eigentlich drehte sein Magen Purzelbäume, weil er nicht wusste, wie das Zusammenleben hier funktionieren würde und wie er weiter verheimlichen sollte, was er für McGarrett empfand.

Und wie dieser reagieren würde, falls sein Geheimnis doch einmal rauskommen sollte.

Davor fürchtete er sich am Meisten.

Danny versuchte zu lächeln und bewegte sich mit Hilfe der Krücken zum Sofa, um sich darauf fallen zu lassen.

Alles war fertig und sie warteten nur noch auf Chin und die Hauptperson.

Steve hatte fast zwei Wochen im Krankenhaus ausharren müssen, aber jetzt ging es endlich wieder aufwärts.

Die Brandwunden waren zwar noch nicht vollständig verheilt, aber zumindest gab es keine offenen Stellen mehr, die sich entzünden konnten.

McGarrett würde sich erst einmal daran gewöhnen müssen, weiterhin auf dem Bauch zu schlafen, aber in den letzten zwei Tagen war er zumindest wieder auf den Beinen gewesen und hatte mit Danny einen Spaziergang in dem kleinen Park gemacht.
Der Detective war sich sicher, dass sie beide einen erbärmlichen Anblick geboten hatten, während er selbst durch die Gegend gehumpelt und Steve leicht nach vorne gebeugt geschlichen war.
Anscheinend hatte er noch immer starke Schmerzen, aber das würde er wahrscheinlich niemals zugeben.

Nicht einmal vor sich selbst.

Als Chins Wagen vor dem Haus parkte, sprangen alle außer Danny auf, um zur Tür zu eilen und McGarrett zu begrüßen.

Dieser wirkte von der Fahrt ein wenig ramponiert, freute sich aber, dass seine Freunde an ihn gedacht hatten.
Einer nach dem Anderen wurde umarmt und als der Lieutenant Commander in sein Haus trat, stand echte Freude in seinem Gesicht. „Sagt mir bitte, dass das Buffet eröffnet ist.“

Alles lachten und anstatt die Feier zu förmlich werden zu lassen, griffen sie nach Papptellern und Plastikbesteck und ließen es sich schmecken.

Steve schaute sich, mit einem Teller in der Hand, um und suchte nach Danny, der noch immer auf dem Sofa saß und aus der Ferne die Feier beobachtete. „Hey, alles okay?“

Der Angesprochene hatte die Arme vor der Brust verschränkt und nickte nur. „Ja, klar. Alles super. Ich räume den ganzen Kram auch wieder auf.“

Steve spürte, dass da etwas war, was Danny ihm nicht erzählen wollte, ließ dem Blonden aber Zeit und hoffte darauf, dass dieser doch noch mit der Sprache rausrücken würde.

„Wie geht es dir? Die Fahrt gut überstanden?“ Danny wechselte das Thema, um ja nicht über sich reden zu müssen und grinste mitleidig, als sein Partner das Gesicht verzog. „Ich lebe noch, aber ich denke, ich werde ein paar Tage darauf verzichten, mich wieder in ein Auto zu setzen.“

Der Blonde war über diese Offenheit beinahe überrascht, andererseits hatte er Steve aber auch nachts vor Schmerzen aufstöhnen gehört, wenn dieser im Halbschlaf gewesen war und die Schmerzmittel nicht mehr gewirkt hatten.

Seither schien er vor Danny eingestehen zu können, wenn es ihm weniger gut ging.

„Was ist mit Grace? Siehst du sie dieses Wochenende?“ Mit einer Treffsicherheit von hundert Prozent hatte der Dunkelhaarige den wunden Punkt getroffen.

Danny seufze, schaute zu Boden und faltete die Lippen ein, ehe er antwortete. „Nicht so lange ich noch an Krücken herumhumpel. Rachel ist der Meinung, dass Gracy im Moment das Gefühl von Sicherheit braucht, nachdem sie in meiner brennenden Wohnung eingeschlossen war und wenn ich diese Dinger brauche, um mich fortzubewegen, kann ich ihr das nicht vermitteln.“

Steve wusste nicht, was er sagen sollte, brachte nur ein „tut mir leid“ zustande und spürte, wie sich ein weiteres Mal das schlechte Gewissen in ihm breit machte.
Er würde sich niemals verzeihen, dass er die Kerle nicht früher bemerkt hatte, denn nur deshalb waren Grace und Danny in Gefahr geraten.

Als hätte er es laut ausgesprochen, meinte der Blonde: „Es ist nicht deine Schuld. Du hast die Kerle nicht in mein Apartment eingeladen, um es abzufackeln. Geh zu deiner Party, ich bin auch gleich wieder mit dabei.“

Die beiden schauten sich kurz an, doch der junge Detective drehte schnell den Kopf weg.
Er fürchtete, dass in seinen Augen zu lesen war, was er für Steve empfand, obwohl das niemals jemand erfahren durfte.

McGarrett runzelte die Stirn, schien einen Moment lang in Versuchung, noch etwas sagen zu wollen, ging dann aber doch zurück zu den anderen.
Immer wieder warf er seinem Partner besorgte Blicke zu, bis dieser sich endlich aufraffte und so tat, als würde er sich amüsieren.

Als die Feier vorbei war, die Gäste gegangen waren und mit ihnen auch der meiste Müll und Dreck, ließ sich Danny endlich auf das Sofa fallen und war kurz in Versuchung, den Fernseher einzuschalten, nicht, weil er schauen wollte, sondern um die Stille, die sich eingeschlichen hatte, zu bekämpfen, doch hielt er in der Bewegung inne und lehnte sich wieder zurück

Steve stand, leicht vorgebeugt neben der Tür, hielt sich an einer Kommode fest und räusperte sich. „Ich… könntest du mir… Der Arzt hat mir so ein komisches Zeug verschrieben, das mehrmals am Tag auf die Brandwunden aufgetragen werden muss.“

Danny schaute hoch, hatte die Augenbrauen nach oben gezogen und schien aus tiefen Gedanken gerissen worden. „Klar, zeig her. Was muss ich machen?“

Steve holte die Packung hervor, in der eine Tube war und reichte sie dem anderen Mann, der sie sofort öffnete und die Packungsbeilage durchlas.
„Okay, das ist zu schaffen. Du müsstest dich nur einmal… ausziehen.“ Danny schluckte, als er das letzte Wort ausgesprochen hatte.
Natürlich hatte er Steve schon mehr als einmal mit freiem Oberkörper gesehen, aber jedes Mal fiel es ihm schwerer, nicht zu zeigen, wie sehr ihn der Anblick erregte.

„Das Hemd hätte ich jetzt sowieso ausgezogen. Der Stoff juckt und kratzt auf dem Rücken. Der Brünette fing an, die Knöpfe zu öffnen und bemerkte nicht, wie der Blonde vor sich hinstarrte und tief durchatmete, um sich unter Kontrolle zu halten.

Doch als Danny aufschaute, hatte McGarrett ihm den Rücken zugewandt und die Narben ließen ihn jegliche Ideen, die mit Sex zu tun hatten, vergessen. „Ich dachte, die Brandwunden wären besser verheilt. Das muss doch höllisch wehtun.“

Der Brünette zuckte nur mit den Schultern und setzte sich auf das Sofa, den Rücken zu dem anderen Mann gedreht. „Inzwischen geht es wieder. Die Haut ist empfindlich und da es endlich verheilt, juckt es zum wahnsinnig werden. Ich habe es dir zu verdanken, dass ich nicht schlimmer verletzt bin.“
Er drehte sich halb um und blickte Danny in die Augen, als dieser gerade anfangen wollte, die Salbe aufzutragen. „Ich hab dir noch gar nicht richtig gedankt. Für alles.“

Der Blonde wusste nicht, was er sagen sollte, schien eine Sekunde starr zu sein und machte sich dann an die Arbeit.
Vorsichtig tupfte er die Salbe ganz dünn auf die Haut, damit sie mit Feuchtigkeit versorgt wurde und nicht zu sehr spannte. „Du lässt mich hier wohnen, das ist mehr als genug Dank.“

Ehe Steve etwas erwidern konnte, wechselte er das Thema. „Ab Montag gehe ich wieder arbeiten, aber ich schaue zwischendurch nach dir. Und die Gouverneurin will dich so bald wie möglich sehen. Sie meinte, sie wäre tief besorgt.“

Danny verdrehte dabei die Augen, denn bei dem Gespräch mit ihr hatte er sich nur knapp zurückhalten können, ihr zu erklären, dass sie die Möglichkeit hätte, einen Besuch im Krankenhaus zu machen.
Doch Danny hatte andere Probleme als die Gouverneurin, denn der Gedanke, seine Tochter mehrere Wochen nicht mehr zu sehen, machte ihn wahnsinnig.

Er merkte gar nicht, wie tief er in Gedanken war, während er die Wunden seines Freundes versorgte, bis dieser fragte: „Kann ich irgendwie helfen? Du könntest Rachel erklären, dass auch ich noch da bin, um auf Grace aufzupassen. Oder ich rede noch einmal mit der Gouverneurin.“

Der Blonde winkte ab. „Sie hat doch Recht. Was, wenn Gracy… Was soll ich mit ihr unternehmen? Ich humpel im Schneckentempo durch die Gegend und sie würde sich nur langweilen. Und in ein paar Wochen bin ich wieder fit.“

Egal, wie rational er es zu erklären versuchte, es tat so verdammt weh!
Er war nach Hawaii gekommen, um seine Tochter nicht zu verlieren und jetzt durfte sie nicht zu ihm, weil er eine kleine Knieverletzung hatte.
Natürlich hätte er seinen Anwalt anrufen und die Sache schnell aus der Welt schaffen können, doch das wollte er nicht.
Er wollte seiner Tochter diese Kämpfe und Streitereien ersparen.

Stattdessen würde er einfach noch ein paar Telefonate mehr als sonst führen, denn das konnte ihm Rachel nicht verbieten.

Steve hätte gerne etwas Tröstendes gesagt, aber man konnte es nicht schönreden.

Jeder wusste, wie sehr Danny seine Tochter liebte und alles für sie tat, doch durch die Scheidung bekam er immer wieder zu spüren, dass er als Vater weniger Rechte hatte, als Rachel und ihr neuer Ehemann Stan.

Gerecht war es nicht, aber der Blonde musste sich damit arrangieren und kam meist ziemlich gut klar.
Außer in Momenten wie diesen.

„Wie wäre es mit einem Spiel? Oder einem Film?“ Wenn es schon keinen Trost gab, dann wenigstens Ablenkung und Steve würde zumindest das hinbekommen.

Keine zehn Minuten später hatten sie es sich bequem gemacht, Steve auf dem Sofa, Danny auf dem Sessel, das verletzte Bein auf einen Hocker liegend, und schauten sich ein Footballspiel an.

Tatsächlich lenkte es sie beide ab und sie verbrachten einen erstaunlich harmonischen Abend.

Es war schon spät, beide waren müde und bereit, ins Bett zu gehen, als Steve versuchte aufzustehen, aber er verzog das Gesicht und musste feststellen, dass Verbrennungen nicht einfach so abzuschütteln waren.
Er brauchte gar nichts sagen, nicht um Hilfe bitten, denn Danny war innerhalb von Sekunden bei ihm, half ihm mit geschickten Handgriffen auf die Beine und griff noch einmal nach der Salbe. „Lass uns hochgehen, dann schmier ich dir dieses stinkende Zeug noch mal auf den Rücken.“

Dankbar schaute Steve den Anderen an und verzog dann das Gesicht.
Der Rücken tat höllisch weh und wenn die Verbrennungen nicht bald verheilten, würde er die Wände hochgehen.

Doch ohne zu murren stieg er, leicht gebeugt, die Treppen hoch und ging erst einmal ins Bad, ehe er sich hinlegte und auf Danny wartete.
Er hatte eine Schüssel mit warmen Wasser und einem Antisept neben sich stehen, damit die Brandwunden noch einmal gereinigt werden konnten und er fragte sich schon, ob er nicht zu viel von Danny verlangte, der ohne zu murren alles machte, um ihm zu helfen.

Seit dem Brand hatte sich Danny, so fand Steve, verändert.
Er war besorgter, fürsorglich und nett zu ihm und es kamen kaum noch sarkastische Kommentare über seine Lippen.

Der Ex-Navy Seal wusste nicht, was er davon halten sollte, wollte aber auch nicht das freundschaftliche Verhalten hinterfragen, denn er war froh über diese Idylle.

Als Danny ins Schlafzimmer humpelte und sich auf den Bettrand niederließ, fing es plötzlich zwischen den beiden an zu knistern.

Der Blonde glaubte, es sich einzubilden und wollte die Situation überspielen, doch gelang es ihm nicht und wurde von Steve mit großen Augen angeschaut.

Keiner der beiden wollte den Blickkontakt abbrechen und es war ganz klar, dass es sich nicht um Einbildung handelte.

Ohne drüber nachzudenken beugte der Detective sich vor, legte eine Hand auf die Wange des Brünetten und hauchte ihm einen Kuss auf die Lippen.

Steve war viel zu überrascht, um reagieren zu können, hatte er sich doch in den letzten Wochen nicht eingestanden, welche Gefühle sich in ihm breitgemacht hatten und murmelte jetzt: „Das war überraschend.“

Eine Sekunde später hätte er sich für die Worte am liebsten selbst getreten, denn Danny wurde blass, versuchte hektisch aufzustehen und stotterte eine Entschuldigung.
Die Panik war ihm deutlich anzusehen, wusste er doch, was für einen schweren Stand schwule Cops hatten.

Steve konnte gerade noch die Hand des Anderen ergreifen, ehe dieser außer Reichweite war und zog ihn wieder zu sich. „Entschuldige, blöd ausgedrückt. Ich hätte nicht gedacht, dass du auch so empfindest.“

Jetzt war es Steve, der sich zu dem anderen Mann rüberbeugte.
Er legte eine Hand in den Nacken des Blonden, hielt ihn fest und küsste ihn.
Erst ganz vorsichtig, dann aber bat er mit der Zunge um Einlass und erforschte die Mundhöhle des Blonden, der steif dasaß und alles geschehen ließ, aber die Liebkosung nicht erwiderte.

Steve rückte ab, schaute Danny überrascht an und wusste nicht, wie er jetzt reagieren sollte. „Ich dachte… Hey, mach es mir nicht so schwer. Bitte!“

Der Blonde schluckte und schien ebenfalls nicht zu wissen, was er machen sollte.
Unangenehme Stille machte sich breit, die beiden schauten sich verzweifelt an und wussten, wenn sie nicht ganz schnell aufeinander zugingen, war diese eine Chance verloren.
Und eine Zweite würde es nicht geben.

Zeitgleich kamen sie sich näher, berührten sich, strichen mit den Händen über Arme, Oberkörper und Wange, ehe sie sich endlich wieder küssten, dieses Mal aber nicht vorsichtig und zurückhaltend, sondern wild und leidenschaftlich, als wären sie ausgehungert nach Nähe.

Als sich die Lippen voneinander trennten, beide waren vollkommen außer Atem, lehnten sie Stirn an Stirn, die Augen geschlossen.
Beide wussten, dass sie vorsichtig mit diesem… was auch immer es war, was da mit ihnen passierte… sein mussten.
Jedes falsche Wort wäre fatal und keiner traute sich, den Anfang zu machen, bis sie merkten, wie albern und ängstlich sie sich verhielten und lachten.

Steves Hände lagen noch immer im Nacken des Blonden und er küsste ihn ein weiteres Mal, bevor er flüsterte: „Hab Geduld mit mir, das ist Neuland für mich, okay?“
Er konnte zwar nicht glauben, was er da gerade zugegeben hatte, doch fühlte es sich richtig an.

Danny lächelte und zog ihn in die Arme, ganz vorsichtig, um ihm nicht wehzutun und wisperte zurück: „Das ist gut. Dann kann ich dir endlich auch mal was beibringen.“

Sie grinsten sich verlegen an, Danny zog die Schüssel mit Wasser näher ran und meinte: „Bevor wir hier weiter experimentieren, kommt erst einmal die Pflicht. Du musst gesund werden, schließlich habe ich Pläne mit dir.“

Ohne zu murren drehte der Brünette sich auf den Bauch und ließ seine Wunden reinigen und versorgen, war zum ersten Mal froh, auf dem Bauch zu liegen, denn so konnte er seine Erregung verbergen und hielt still, bis eine Hand sich auf seine Hüfte legte. „Fertig. Soll ich rübergehen und dich in Ruhe lassen, oder…“

„Nein.“ Das Wort war viel zu schnell rausgekommen und Steve glaubte schon, dass er übereifrig wirkte, doch Danny schien erleichtert, streifte sein T-Shirt vom Körper, zog die Hose aus und rutschte auf der anderen Seite des Bettes unter die Decke.

Es dauerte ein wenig, bis sie bequem lagen, Steve jetzt in den Armen von Danny, der liebevoll durch das dunkle Haar strich und spürte, wie er müde wurde.

In dem Moment, als er Steve falsch verstanden hatte, war ein solcher Adrenalinschub durch seinen Körper gegangen, dass man ganz Hawaii mit Strom hätte versorgen können, doch jetzt wurde er ruhiger.
Sein Traum war wahr geworden und er hatte den Mann, den er liebte in seinen Armen.

Sie küssten sich, berührten sich vorsichtig, doch da sie beide noch mit ihren Verletzungen zu kämpfen hatten, musste der Sex warten.

Aber dafür hatten sie noch genug Zeit und bis es soweit war… würden sie sich mit dem Küssen zufrieden geben müssen.

Und das taten sie ausgiebig.

The End

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"Nutze die Chance, Feuer zu fangen, bevor sich alles in Rauch auflöst."
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