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 Love it or leave it (fertiggestellt)

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NobodyKnowsNina
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BeitragThema: Love it or leave it (fertiggestellt)   So Dez 16, 2012 10:00 pm

Ich hab mit dieser Geschichte irgendwann im November um die Thanksgiving Zeit herum angefangen, allerdings kam mir dann eine gewisse Weihnachtsstory „dazwischen“ Zwinker Also am besten ignoriert ihr einfach, dass die Jahreszeit in dieser Geschichte nicht mehr ganz passt. Aber um die Jahreszeit geht’s ja auch gar nicht, sondern um Steve. Ich wünsch euch viel Spaß beim Lesen und hoffe, dass ihr nicht auf eine Anleitung zum Glücklichsein eingestellt seid.

_______________________________________________________________________





In einer Zeit lange vor Five-0 und noch länger vor Cath. Steve ist an der US Naval Academy in Annapolis. Er ist jung, inmitten seiner Ausbildung, und weiß noch nicht genau wer er ist. Aber er lernt es.


> All I wanna know
> is how far you wanna go
> fighting for survival


Der Wind pfiff kalt durch die Straßen am Hafen des Chesapeake Bay. Er trug das metallische Hämmern von Stahl auf Stahl über die Bucht, wo der Feierabend für die Werftarbeiter noch immer fern war obwohl es bereits dunkel wurde. Steve schlug seinen Mantelkragen nach oben. Maryland im November war nicht mit dem Winter zu vergleichen, den er von zuhause kannte. Oahu war grün und blau und warm, zu jeder Jahreszeit. Der Hafenkanal hier lag grau in kaltem Nebel und nur eines erinnerte daran, dass Thanksgiving vor der Türe stand: Annapolis war wie leer gefegt. Dort, wo sonst an freien Abenden Mengen von Marines die Straßen füllten, ging er nun alleine auf nassem Kopfsteinpflaster seinem Ziel entgegen.

„Du solltest mal anfangen deine Sachen zu packen, McGarrett.“
„Ich bleibe.“
„Hier? Es ist Thanksgiving, Mann! Zeit um nach Hause zu fahren!“
„Grüß deine Mama von mir, Starfish.“


Was sollte er zuhause? Knapp fünf tausend Meilen hin und denselben Weg wieder zurück für ein paar Tage mit… niemandem? Zu O’Briens waren es ziemlich genau neun Minuten zu Fuß – wenn man schnell ging – und Steve hatte einen Grund schnell zu gehen. Es war nicht die Kälte der Straße sondern die Wärme bei O’Briens, die mit einem ganz bestimmten Gesicht verbunden war.

Er hatte schon einige Abende mit den Jungs aus seinem Trupp hier verbracht und wenn er keine Lust hatte den Sonntagnachmittag Karten spielend in der Kaserne zu verbringen, hatte er sich auch schon alleine auf den Weg hier her gemacht. Er bestellte Kaffee und setzte sich an einen Tisch für zwei Personen in der Ecke, von der aus man die Theke und den ganzen Raum im Blick haben konnte. Auf einem der beiden Stühle nahm er selbst Platz, den anderen besetzte er mit einem kleinen Bündel aus mitgebrachten Notizen und einem Handbuch über Materialbeschaffenheit verschiedener Initialsprengstoffe. Über das und über sonstige Themen, die sich eigentlich kein Mensch an einem Sonntagnachmittag freiwillig antat. Frenchie schenkte ihm Kaffee ein, er blätterte durch ein paar Unterlagen, die er ohnehin schon auswendig kannte, kaute an seinem Daumennagel, trank, und wartete eigentlich immer nur darauf, dass Frenchie wieder kam um ihm nachzuschenken. Sie war nett. Er betrachtete sie wenn sie nicht hin sah und senkte seinen Blick wieder auf das Blatt vor ihm wenn sie sich in seine Richtung drehte. Ihm war eigentlich egal mit welcher Menge an Sprengladung ein Kunststoffhohlkörper gefüllt sein musste um bei geringster Aufschlagkraft die größtmögliche Splitterwirkung zu erzielen – was ihn allerdings schon interessierte war, wie Frenchie so sein konnte wie sie war, denn sie war toll. Es war ein bisschen lächerlich, dass er sich Mühe gab so zu tun als sei es nichts Besonderes wenn sie miteinander redeten.

„Eigentlich dürfen an meinen Tischen nur zahlende Gäste einen Stuhl besetzen, aber ich drück ein Auge zu für deinen Freund, das Handbuch. Weil du es bist.“
„Ich leg einen Dollar Trinkgeld oben drauf, wenn du mich zwingst.“
„Nicht doch, sonst muss ich hier noch wegen Reichtum kündigen und krieg nicht mehr mit ob ihr Jungs euren Abschluss schafft, das wär doch schade.“
„Zwei Dollar?“
„Gib mir drei und ich erzähl den andern nicht, dass du sonntags heimlich hier lernst.“
„Weiß dein Boss, dass du seine Gäste in den Ruin treibst?“
„Ich war im März Mitarbeiterin des Monats.“
„Er hat keine Ahnung.“
„Du sagst es. Magst du noch Kaffee, Steve?“


Es war irgendwie schön an manchen Sonntagnachmittagen einen Vornamen zu haben.

Er dachte viel an sie. Was meistens dazu führte, dass er sich in Situationen wieder fand, in denen er nur einen Nachnamen hatte.

„Das hab ich schon schneller gesehen, nur nicht von dir, McGarrett!“
„PENG!! Weißt du was das war? Die Kugel, die dich getötet hat während du GEPENNT hast, McGarrett!“
„BEWEG! – DEINEN! – ARSCH! – MCGARRETT!“


Steve ging schneller und steckte seine Hände in die Manteltaschen. Frenchie hieß eigentlich Frances. Das hatte sie ihm irgendwann mal verraten als er zusammen mit Starfish – der eigentlich Ray hieß, obwohl er sich an jenem Abend vermutlich nicht mal mehr selbst an seinen Vornamen erinnerte – bei ihr am Tresen saß und sie die letzten Gläser abtrocknete bevor O’Briens schloss. Steve hatte sie auch danach nie bei ihrem richtigen Namen genannt, weil es sich so durchschaubar angehört hätte. Als wäre es eine Art Strategie. Durchschaubar und irgendwie unangebracht für den Umgang, den sie miteinander hatten. Abgesehen davon hatte sie ihm angedroht, ihm nie wieder kostenlos Kaffee nachzuschenken, wenn er es täte. Das wollte er nicht riskieren – nicht wegen des Geldes. Nur wegen der Sonntagnachmittage…

Der kalte Nebel wurde lichter je weiter sich Steve von der Hafenkante entfernte und in die Gassen der Stadt eintauchte. Es waren noch sechs Minuten bis zu O’Briens. Er fragte sich ob Frenchie da sein würde.

„Schau an, wen uns der Osterhase gebracht hat. Steve McGarrett.“
„Arbeitest du immer an Feiertagen?“
„Fährst du an Feiertagen nicht nach Hause?“
„ Zuhause wartet doch bestimmt jemand auf Frenchie Frances.“
„Zuhause wartet bestimmt auch jemand auf Steve McGarrett.“
„…“
„… oder nicht?“
„Und selbst?“
„Ganz gut. Osterbier?“


Frenchie fragte nie zu viel und gab auch nie zu viel von sich preis. Man kam bei ihr nicht in die Verlegenheit Dinge beantworten zu müssen, über die man nicht sprechen wollte. Es schien allerdings auch ein ungeschriebenes Gesetz zu sein, dass sie nie mehr von sich erzählte als sie von ihrem Gegenüber erfuhr. Steve hatte zwei Osterbiere lang mit sich gehadert, dann hatte er ihr erzählt, weshalb er über das Osterwochenende nicht nach Hause gefahren war. Er wusste selbst nicht genau warum er das getan hatte – doch, natürlich wusste er es – aber er wollte sich einfach nicht eingestehen, dass sie ihn so simpel in der Hand hatte. Er musste ein paar Dinge über sie erfahren. Weil – er musste. Und weil er musste, musste er ihr wohl oder übel auch seinen Teil der Geschichte preisgeben, auch wenn sie das eigentlich überhaupt nichts anging, denn er kannte sie ja nicht mal richtig, und sie kannte ihn nicht, außerdem war das eine Sache über die er aus Prinzip eigentlich mit gar niemandem reden musste, wenn er nicht wollte, und letztlich war sie im Grunde nur eine Kellnerin, also warum sollte er ihr überhaupt irgendwas erzählen, was er lieber für sich behalten hätte, denn es war doch nun mal so, dass das seine Privatsache war, und was kümmerte ihn schon ob sie jemanden zuhause hatte oder nicht, das konnte ihm doch eigentlich egal sein, denn allein nur um das zu erfahren würde er ihr ganz sicher nicht seine halbe Lebensgeschichte erzählen und erklären wieso er an Feiertagen nicht nach Hause fuhr, denn wieso sollte sie das überhaupt interessieren, sie hatte bestimmt sowieso jemanden zuhause über den sie bereits alles wusste, weil er ihr alles erzählte, und wofür wäre das Ganze dann gut, wenn sie eh schon jemanden hatte?

Jedenfalls – er erzählte es ihr.

Und sie erzählte von sich.

„Nein, da gibt’s niemanden.“
„Nein?“
„Nein.“
„Wieso nicht?“
„Weil ich ganz gut allein zurecht komme.“
„Ach so.“
„Hast du was Komplizierteres erwartet?“
„Nein, eigentlich… keine Ahnung, nein, ich glaube nicht.“
„Glaubst du nicht?“
„Nein.“
„Die Kerle, die ich kennenlerne, sind Navy Jungs, und du müsstest ja eigentlich am besten wissen wie ihr seid.“
„Wie denn?“
„Da gibt es die, die dich nur flach legen wollen, dann gibt es die, in die man sich verlieben könnte, die aber zuhause ein Mädchen sitzen haben, und dann gibt es noch die, mit denen man es tun würde, in die man sich aber nicht verlieben darf, denn was wenn Annapolis vorbei ist?“
„Was dann?“
„Ja, eben.“
„Hm.“
„Hier bleibt niemand.“
„Und welcher von denen wär ich?“
„Du, Steve McGarrett, solltest dir nicht überlegen wer du wärst sondern wer du bist.“
„Wie meinst du das?“
„Wie ich es gesagt habe.“


Noch zwei Minuten bis zu O’Briens. Steve hatte sich seit dieser Unterhaltung mehr als ein Mal überlegt, was Frenchie damit sagen wollte. Wer er war. Wer sollte er schon sein, er wusste ganz genau wer er war. Was er eigentlich von ihr wissen wollte, war etwas anderes.

Da gibt es die, die einen nur flach legen wollen, die, in die man sich verlieben könnte, und die mit denen man es einfach tun würde, aber…

Es gab kein ABER, denn in eine dieser Schubladen musste Frenchie ihn gesteckt haben. Es war entweder das eine oder das andere. Er war einer von diesen Navy Jungs, also warum sollte sie ausgerechnet für ihn eine neue Kategorie erfinden? Das hatte sie ganz sicher nicht. Was war das also für eine Antwort? Sich zu überlegen, wer er war. Er brauchte keine tägliche Rückversicherung von seiner Familie, um zu wissen wer er war. Falls es das war, worauf sie angespielt hatte. Vielleicht hätte er ihr auch einfach nicht alles erzählen sollen. Wer er war. Und was sie dachte, wer er war. Er war entweder das eine oder das andere. Was wusste er schon.

Steve öffnete die Tür zu O'Briens.

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Zuletzt von NobodyKnowsNina am Di Jan 29, 2013 9:35 pm bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: Love it or leave it (fertiggestellt)   Do Dez 27, 2012 9:24 pm

Ihr werdet es kaum glauben, aber... es geht weiter. Habt vielen, vielen Dank für euer Feedback! Ich hoffe, dass euch das, was ich für mich selbst lieblos als "den Mittelteil" benannt habe, gefallen wird. Steve kommt also bei O'Briens an... und an dieser Stelle noch vielen Dank an leiCa für den bildlichen Input Zwinker

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> I want to look you in the eye
> And know that I've arrived
> In a world where I belong





Nur wenige Stühle bei O’Briens waren besetzt. Das Bild hier im Pub schien die logische Fortsetzung der leeren Straßen von Annapolis zu sein. Steve wusste nicht recht was er erwartet hatte. Was er jedenfalls nicht erwartet hatte war, Rose anstelle von Frenchie hinter der Theke zu sehen. Er setzte sich an einen der Barhocker am Tresen und versuchte sich selbst glauben zu machen, dass er das nicht enttäuschend fand. Er hatte sich auf dem Weg noch gefragt ob sie wohl da sein würde. Er war sich nicht sicher gewesen. Wenn man sich nicht sicher war, gab es mindestens zwei Möglichkeiten zwischen denen man schwankte. In diesem Fall waren das: sie würde da sein oder sie würde eben nicht da sein. Er hatte also durchaus in Betracht gezogen gehabt sie an diesem Abend nicht zu sehen. Allerdings war es nun mal auch so, dass in jeder Hoffnung ebenfalls zwei Möglichkeiten lagen: dass sie erfüllt wurde oder dass sie eben nicht erfüllt wurde. Wie groß die Hoffnung in seiner Unsicherheit gewesen war, wurde Steve erst richtig bewusst als nicht Frenchie sondern Rose eine Bierflasche auf einem Pappuntersetzer vor seiner Nase abstellte.


„Oder wolltest du was anderes?“
„Nein, Danke.“
„Bist du nicht einer von den Navy Jungs?“
„Doch.“
„Wieso bist du dann nicht auf dem Weg nach Hause? Es ist doch Thanksgiving.“


Nicht schon wieder.
Steve knibbelte beiläufig an seinem Pappuntersetzer und murmelte eine Antwort.


„Keine Truthähne auf Hawaii, nur Pfauen und weiße Tauben und... so.“
„Hä?“
„Egal, schon gut.“
„Hn.“

„Frenchie?“


Steves Augen lösten sich in Sekundenschnelle von seiner Knibbelarbeit und schossen nach oben. Frenchie? Woher kam das? Wie konnte Rose in seinen Kopf… Frenchie??


„FRENCHIE!!“ wiederholte Rose, allerdings nicht zu Steve, sondern direkt nach hinten über ihre Schulter hinweg.


„Ja?“

Frenchies Kopf tauchte hinter der Schwingtür auf, die zur Küche führte, und Steve schoss etwas glühend Heißes durch den Bauch. So oder so ähnlich musste es sich anfühlen eine Kugel in die Eingeweide gejagt zu bekommen. Eine Kugel mit der man nicht mehr gerechnet hatte. Eine, die einen weiß gleißendes Licht sehen ließ obwohl man sich bereits fahnenschwenkend seiner Niederlage ergeben hatte. Er ertappte sich dabei wie er mit einem Mal unruhig auf dem Barhocker rutschte. Er musste das lassen. Er korrigierte seine Sitzposition. Frenchie trug einen Schal. Warum trug Frenchie einen Schal?


„Der Boss hat gesagt du sollst noch den Wäschesack auf dem Nachhauseweg bei der Reinigung abstellen“, sagte Rose. Frenchie rollte mit den Augen, drückte die Schwingtür auf und trat hinter den Tresen. Sie trug nicht nur einen Schal sondern auch eine Jacke. Es war merkwürdig, sie nicht in ihrer gewöhnlichen Arbeitskleidung zu sehen. Nur der Rock des retro Kellnerinnen Outfits ragte noch knielang unter ihrem Mantel hervor bevor ihre wollbestrumpften Beine in wadenhohe Winterstiefel über gingen.


„Er weiß aber schon, dass das Ding siebenhundert Pfund wiegt und die Wäscherei heute Abend sowieso geschlossen ist?“


Rose zuckte lediglich mit den Schultern. Steve war sich kurz unschlüssig ob er den Kopf hinter dem Thekenpfeiler verborgen halten sollte, neben dem er saß, oder ob er… was waren noch gleich die Alternativen?


Frenchie tauchte unter der Theke ab und zerrte einen Sack hervor. Als sie mit einem kleinen Ächzen wieder hoch kam blickte Steve in ein leicht angestrengtes Gesicht mit rosa Wangen, auf dem sich urplötzlich ein Lächeln abzeichnete als Frenchie ihn vor sich erkannte.


„Hi Frenchie.“
„Steve!“
„Hi.“
„Und ich dachte, du seist endlich mal heim gefahren.“
„Umm, nein…“
„Schon gut, ich kann’s mir denken. Keine Truthähne auf Hawaii, was?“


Steves Augen hellten auf.

Ein Grinsen, das ihn idiotisch aussehen lassen musste, zerrte so lange unbändig an seinen Mundwinkeln bis es seine Zähne frei gelegt hatte und Platz machte für ein kehliges, leises Lachen.

Rose sah Steve unterdessen mit einem Fragezeichen im Gesicht an. Sie blickte hinüber zu Frenchie und wandte sich dann kopfschüttelnd wieder ab um weiter Gläser abzutrocknen. Dieser Satz war jetzt schon zum zweiten Mal innerhalb weniger Minuten an ihr vorbei gegangen. Truthähne auf Hawaii. Sie schüttelte den Kopf.


„… und du hast jetzt Feierabend?“ fragte Steve in die aufkommende Stille hinein.

Fragen zu stellen deren Antworten klar auf der Hand lagen war so… schwachköpfig. Eine komplett sinnlose Zeit- und Wortverschwendung. Du auch hier? Ja, ich auch hier, du auch? Ja, ich auch. Es war nur leider so, dass ihm absolut nichts Besseres einfiel um Frenchies baldiges Verschwinden künstlich nach hinten hinaus zu zögern.

„Sieht so aus, nicht?“ antwortete sie lächelnd und steckte sich ein loses Ende ihres Schals in den Mantelkragen.

„Ja, sieht so aus…“ – Ja, ich auch hier, du auch?...

„Eigentlich hab ich jetzt frei, nur dieses Kerlchen hier will offenbar noch entsorgt werden“, sagte sie und hob den Arm an dessen Ende der Wäschesack hing.

„Unliebsame Kundschaft, die versucht hat die Zeche zu prellen?“

Frenchie lachte.

Sie war unglaublich hübsch, wenn sie lachte.

Steve wollte nicht, dass sie ging.

Ihm dämmerte, dass er sogar noch ziemlich lange seine Zeit mit ziellosem Geplänkel verschwenden wollte. Egal wie viele Frevelfragen des stumpfsinnigen Wortwechsels ihn das kosten würde. Nur war es leider so, dass sich keine einzige mehr in der Leere seiner Gedanken finden ließ.

Bis Frenchie sich mit einem „Na dann…“ zum Gehen umdrehte.


„Soll ich dir helfen?“
„Hm? Wobei?“
„Mit dem Sack..?“
„Kennst du einen besseren Ort als die Wäscherei um den verschwinden zu lassen?“
„Nein, aber ich kann ihn weiter als zweihundert Fuß tragen.“
„Denkst du ich krieg den alleine nicht gestemmt?“
„Nein.“
„Nein?“
„Doch, also… Ich meine, natürlich. Aber ich könnte helfen.“
„Du hast hier noch was zu trinken stehen.“
„Macht ja nichts.“
„Hast du nicht genug Geld dabei um die Rechnung zu zahlen?“
„Nein.“
„Nein?“
„Doch, doch. Ich kann zahlen.“
„Weil für die Schlepperei gibt’s später keine Vergünstigungen.“

Sie sah belustigt aus.

Versuchte sie gerade, ihm höflich nein zu sagen ohne nein zu sagen während er nein sagte obwohl er ja meinte? Steve zog einen Schein aus der Hosentasche und legte ihn neben seine halb volle Flasche.

„Ich hab schon bezahlt.“

Frenchie sah ihn an. Er blickte zurück. Etwas Abwägendes trat in ihren Blick. Er wollte immer noch nicht, dass sie ging. Und wenn sie schon gehen musste, wollte er wenigstens noch den Weg mit ihr teilen bevor die Thanksgiving Leere unaufhaltsam über ihn herfallen konnte.

„Hast du nicht was Besseres vor als dreckige Geschirrtücher durch die Straßen zu schleppen?“
„Eigentlich nicht, nein. Hast du Angst ich könnte dich mit einer schmutzigen Schürze knebeln und dich zusammen mit dem Sack in der Wäscheklappe entsorgen?“
„Eigentlich nicht, nein.“


Er sah sie an. Irgendetwas arbeitete in Frenchies Kopf.

Drei Kategorien, drei mögliche Schubladen, und wenn Steve es nicht besser gewusst hätte – was er leider nicht tat – hätte er wohl vermutet, dass sie soeben damit zu tun hatte, ihn einzusortieren. Dabei war er der Annahme gewesen, das hätte sie längst schon getan.

Die, die einen nur flach legen wollen, die die zuhause ein Mädchen sitzen haben und die, mit denen man…


„Ich helf dir tragen.“

Einer von Frenchies Mundwinkeln ging langsam nach oben.

„Na dann komm schon, ich hab Feierabend und steh immer noch hier rum.“



***



Wenn es von der Kaserne bis zu O’Briens neun Minuten zu Fuß waren wenn man schnell ging, dann waren es von O’Briens bis zur Wäscherei hoffentlich mehr als neun Minuten, wenn man langsam ging. Denn Steve hatte allen Grund langsam zu gehen. Es war nicht der schwere Wäschesack, der über seiner Schulter hing, sondern Frenchies Schatten neben ihm, der unter dem einfallenden Licht der Straßenlaternen mal größer und mal kleiner wurde, mal kürzer und mal länger. Und ihr helles Lachen, das alle Laternen in den Schatten stellte. Steve wollte die kleinsten Schritte der Welt machen während irgendetwas in ihm drin immer schneller ging bis es förmlich raste.


„Kriegt ihr in Annapolis nicht beigebracht wie man ordentlich marschiert?“ fragte sie mit einem Grinsen.

„Hm, doch.“
„Wenn wir weiter so trödeln ist dein Bier warm bis du wieder zurück bist.“
„Ich hab’s nicht eilig.“
„Nein? Na gut. Ich eigentlich auch nicht“, sagte sie und hakte sich mit einem Arm bei Steve unter.


Der Wäschesack auf seiner Schulter war plötzlich unglaublich leicht.


„Gibt’s in Annapolis auch keine Truthähne?“ fragte er nach ein paar weiteren Schritten, die den restlichen Weg zu schnell kürzer werden ließen.

„Doch, doch. Mein Onkel Clark hat welche im Hinterhof seit er entschieden hat, dass ihm Hühner zu schnell wegrennen können wenn sie geschlachtet werden sollen.“

Steve grinste in die Dunkelheit.

„Ich meinte bei dir zuhause. Zu Thanksgiving.“
„Nein.“
„Wieso nicht?“
„Weil ich Hühnchen lieber mag, aber mein Onkel Clark hat ja jetzt keine mehr.“

Frenchie sah ihn mit lachenden Augen seitlich von unten herauf an und Steve konnte nicht anders als ihren belustigten Blick zu erwidern.


„Du siehst aus wie ein Seemann mit dem Sack über der Schulter.“
„Könnte auch daran liegen, dass ich ein waschechter Marine bin.“

„Das stimmt nicht“, sagte Frenchie, blieb an der Seite eines Ladens stehen und streckte sich auf Zehenspitzen hoch zu einem breiten Griff, der in der Hauswand eingelassen war. Eine große Metallklappe öffnete sich als sie ihn nach unten zog.

„Sind wir schon da?“ fragte Steve.

„Siehst du… Ein Marine wüsste ohne zu fragen, dass er am Ziel ist.“
„Ein Marine hat auch nicht die örtliche Wäscherei als Ziel.“
„Sondern?“ Frenchie hielt die Wäscheklappe geöffnet und wartete.

„Die SEALs.“ Steve schwang den Sack von seiner Schulter und beförderte ihn in die Luke.

Frenchie ließ die Klappe los und sie schloss sich von selbst mit einem blechernen Knall.

„Kein Wunder. Wenn du auch alles andere so schwungvoll über Bord werfen kannst wie den Sack eben, dann sind die SEALs wahrscheinlich das richtige Ziel für dich.“

Steve stand etwas betreten im Lichtkegel einer Straßenlaterne und seine Arme hingen ein bisschen nutzlos von seinen Schultern jetzt da er den Sack los war. Und da Frenchie nicht mehr bei ihm untergehakt war. Sie wischte sich mit dem Ärmel eine Strähne aus dem Gesicht und die Handflächen an ihrem Rock ab.

Wenn er auch alles andere so über Bord werfen konnte. Steve fragte sich warum sich dieser Satz verletzender anfühlte als er wahrscheinlich gemeint war.


„Aber weißt du was spitze ist?“ fragte Frenchie.
„Hm?“
„Du wirst ganz ohne Zweifel wissen wann du am Ziel angekommen bist, weil sie dir eine Nadel ans Revers pieken werden während sie Salven für euch abfeuern.“

Sie lächelte. Steve lächelte halbseitig zurück.

„Und jetzt?“ fragte Frenchie.

„Gehst du nach Hause?“ Steve kaute an der Innenseite seiner Backe.

„Gehst du zurück zu deiner halb vollen Flasche?“


Er steckte die Hände in die Hosentaschen, blickte kurz über seine Schulter und wand sich betreten im Licht der Laterne.


„Ich glaub nicht.“
„Nein?“
„Nein, ich glaube ich werde wohl…“
„Ich glaube du wirst jetzt deine erste Eignungsprüfung ablegen“, unterbrach Frenchie ihn.

„Was, jetzt?“
„Jetzt sofort.“
„Will ich das?“
„Oh ja glaub mir, du willst!“

Irgendwo schossen sie Salven ab als Frenchie ihm das bezauberndste aller Lächeln schenkte. Steve war sich nicht sicher ob er sich den kurzen Funkenregen hinter ihrer Silhouette nur einbildete, aber über eines war er sich ziemlich sicher.

Er war sich ziemlich sicher, dass er wollte.



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BeitragThema: Re: Love it or leave it (fertiggestellt)   Sa Dez 29, 2012 9:43 pm

Das ging aber schnell findet ihr? Ja, find ich auch. Wenn man ein mal beschlossen hat, dass es Zeit ist für einen Eignungstest, dann sollte man ihn auf keinen Fall lange aufschieben. Schluss ist übrigens erst, wenn ganz unten ***ENDE*** steht. Heute also noch nicht pardon

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> And I feel what I feel
> I can't grasp what is not real




Es war eindeutig schon zu lange her, dass Steve es das letzte Mal getan hatte. Sein Körper war abwechselnd schwer und leicht und schwer und dann wieder federleicht und sein Herzschlag schien jedes Mal für den Bruchteil einer Sekunde auszusetzen wenn er seine Hüften nach vorne schob. Es war ein bisschen wie fliegen, nur mit einer ganz eigenen Dynamik. Er atmete tief und hatte das Gefühl, beinahe spüren zu können wie sich die Endorphine in seinem Blut mit jedem Pulsschlag weiter in seinem Körper ausbreiteten. Bis ganz runter in seine Zehenspitzen, die schon längst jede Bodenhaftung verloren hatten. Frenchie war vor ihm und hinter ihm, eben noch unter ihm und nun über ihm, in fließenden Übergängen, mit Haarsträhnen im Gesicht.

„Schneller, Steve!“ spornte sie ihn an.

Er nutzte all seinen Schwung, aus den Hüften heraus, aus den Beinen, mit Kraft. Die Holzbalken quietschten und ächzten leise im Rhythmus.

„Los schon, ist das alles was du drauf hast?“

Das ging eindeutig zu weit.

Steve lachte und bremste seine Schaukel ab bis er langsam zu einem Halt kam.

„Was ist das für eine Eignungsprüfung? Willst du sehen wie groß meine Chancen sind der Held des Kinderspielplatzes zu werden?“ lachte er, während Frenchie nun ebenfalls ihre Schaukel abbremste.

„Ich wollte sehen ob dir schlecht wird“ grinste sie zurück.
„Vom Schaukeln?“
„Na das ist doch so ähnlich wie hoher Wellengang.“
„Warst du schon mal bei hohem Wellengang auf dem Meer?“
„Nein.“
„Wie kannst du dann wissen, dass es gleich ist?“
„Weiß ich nicht.“
„Weiß du nicht warum du es weißt, oder weißt du nicht ob du es überhaupt weißt?“
„Weiß ich auch nicht.“
„Was weißt du denn?“
„Dass wir das vielleicht doch besser auf einem Schiff getestet hätten. Oder wenigstens auf einer Schiffschaukel.“

Steve lachte in die Nacht hinein, die die beiden auf ihren schwingenden Sitzen umhüllte. Die Luft war kalt und klar aber er fror nicht. Hätte ihn jemand gefragt, wie es ihm ginge – die Antwort wäre kurz ausgefallen.

Er war glücklich.

Vielleicht ein bisschen leichtköpfig. Aber ganz bestimmt glücklich.

Wahrscheinlich kam das von der Schaukelei. Und wenn er so darüber nachdachte, dann war ihm vielleicht wirklich etwas flau im Magen. Aber auf eine gute Art. Er blickte verstohlen aus dem Augenwinkel hinüber zu Frenchie.

„Dir liegt schon ganz schön viel daran, dass mir schwindelig wird, oder?“

Sie grinste.

„Ein todsicherer Weg ist der Himmelsschleudergang.“
„Der Himmelsschleudergang?“
„Du drehst dich auf dem Schaukelsitz so lange in eine Richtung bis die Schaukelseile eingedreht sind, dann schaust du nach oben in den Himmel und lässt die Füße vom Boden los.“

Steve schaute in den Nachthimmel. Zur Bucht hin riss die Wolkendecke auf und ließ einzelne Sterne hindurch funkeln.

„Ein anderes Mal vielleicht“, sagte er.
„Kneifst du?“ Etwas Herausforderndes schwang in Frenchies Stimme mit als sie ihn mit einem teuflischen kleinen Blick anschaute.

Steve griff nach ihrem Schaukelsitz und brachte sie seitwärts zum schwingen.

„Hey, hey, das hier ist DEIN Eignungstest, nicht meiner!“ kicherte Frenchie in ihren Schal.

Steve drehte sich auf seinem Sitz in ihre Richtung und bekam ihre Schaukelseile zu fassen. Er stoppte sie im Schwung und zog sie näher. Die Schaukelseile, und mit ihnen Frenchie, die ein wenig mit den Beinen zappelte. Er zog sie näher an seinen Sitz, näher zu ihm, viel näher an sich heran, bis die zwei kleinen Wölkchen aus Atemluft in der Kälte zu einer großen verschmolzen und Steve sie ganz dicht vor sich hatte.

Ganz dicht vor sich.

Er spürte seinen Herzschlag in der Kehle.

Ihre Nasenspitze war kalt.

Er schloss die Augen.


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Ein kleiner Schaukelschwung versetzte ihn nach hinten.

Es fühlte sich an wie von der Kante der Erde gestoßen zu werden.

„Du spinnst wohl, Seemann.“

Frenchie lächelte ihn an als er die Augen öffnete.

Sie lächelte ihn einfach so an als hätte er sich nicht soeben erst vollständig zum Hanswurst gemacht. Oder vielmehr sie ihn. Steve fühlte sich ausgehöhlt. Dort, wo noch vor wenigen Augenblicken der Wattebausch des Glücksgefühls ihn ausgefüllt hatte, schien nun ein vertrocknetes Büschel Steppengras durch eine öde Wüste zu rollen. Eine Wüste, die sich genau dort ausbreitete, wo bei anderen Menschen das Sprachzentrum lag.

"Wenn du mir nicht widersprichst muss ich davon ausgehen, dass ich recht habe", sagte Frenchie.

"Hm?"

Immerhin. Er konnte zwar nicht mehr rekonstruieren womit sie recht haben sollte, aber zumindest war er in der Lage gewesen, einen Laut von sich zu gegeben. Und nicht in einer ozeangroßen Pfütze aus Peinlichkeit zu ertrinken.

„Damit, dass du ein bisschen spinnst?“

„Ah.“

Es war ja auch egal. Komisch war nur, dass Frenchie immer noch lächelte. Nicht mit ihm – denn er lächelte ganz sicher nicht, hatte im Moment wohl auch keinen Grund dazu – aber auch nicht über ihn. Mehr so wie jemand lächelte, der einem Kleinkind dabei zusah, wie es immer wieder umfiel bei dem Versuch, seine ersten Schritte zu gehen. Vielleicht wartete sie auf etwas. Es irritierte ihn.

„Alles klar“, stellte sie fest und brachte ihre Schaukel in Position. Eigentlich war überhaupt nichts klar, fand Steve. Für sie vielleicht. Frenchie holte Schwung, schaukelte zwei Mal, drei Mal, und sprang hoch oben in der Luft ab um zwei Meter weiter vorne wieder auf den Beinen zu landen. Dort stand sie und sah zu ihm hinüber.

„Was ist nun, Seemann? Bringst du mich nach Hause?“

„Zu dir?“
„Zu mir.“
„Wo wohnst du denn eigentlich?“
„Keine Sorge, ich kenn den Weg.“
„Gut.“

Sie lachte.

GUT???

„Also kommst du?“
„Ja… sicher.“

‚Sicher‘ war eine bodenlose Lüge. Überhaupt nichts war sicher. Steve hatte keine Ahnung warum sie ihn dazu einlud, sie nach Hause zu bringen. Vorrangig war jetzt allerdings erst einmal immens wichtig, dass er nicht weiter auf der Schaukel sitzen blieb, sondern sich in Bewegung setzte. Auch wenn das bedeutete, wieder auf sie zuzugehen und sich ihr zu nähern. Steve erinnerte sich dunkel an einen Moment aus frühester Vergangenheit, in dem dieser Versuch leider ganz und gar nicht mit Erfolg gekrönt war. Nicht mit Erfolg und erst recht nicht mit einem Kuss.

Er wünschte, er hätte etwas anderes gehabt woran er sich erinnern konnte.
Es schien so einfach zu sein bis es nicht mehr einfach war.

Frenchie hakte sich bei ihm unter als er auf ihrer Höhe angekommen war. Als sie nebeneinander hergingen gab sie ihm einen kleinen Seitenstoß, der sie beide beim Gehen ein bisschen aus der Spur brachte.

„Du hast übrigens bestanden“, sagte Frenchie.

„Willst du meine Jacke haben?“
Aber sie trug ja schon ihre eigene.
Und ganz so kalt war es eigentlich auch nicht.


Er hätte sie nur wirklich so gerne geküsst.

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BeitragThema: Re: Love it or leave it (fertiggestellt)   Mo Jan 07, 2013 9:56 pm

Eigentlich weiß ich nicht recht, was ich hier überhaupt tue, denn dieser Teil sollte der letzte sein, aber er wird mir für meinen Geschmack zu lang wenn ich ihn bis zum letzten Endsatz fertig schreibe und als EINEN poste, deshalb werden nun wohl zwei daraus. Allerdings bin ich mir noch immer nicht vollständig schlüssig, wie wir im Folgenden aus der Nummer wieder raus kommen. Oder richtig reinkommen. Oder ob überhaupt noch jemand (mit)kommt. Laut der Vorgaben zur Alterseinstufung auf diversen Fiction Portalen ist dieser Post hier jetzt übrigens unser FSK 16 ¾ Bereich. Nicht zu Verwechseln mit Plattform 9 ¾, das ist eine andere Geschichte. Seid ihr verwirrt? Dann seid ihr jetzt ganz bei Steve. Los geht's.

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Steve fragte sich wann er zuletzt in einer Küche gewesen war, in der eine Frau das alleinige Zepter in der Hand hatte. Er dachte wirklich scharf nach um seine grauen Zellen in Bewegung zu halten. Denn wenn er sich nicht eine kleine Denkaufgabe stellte, mit der er sein Hirn beschäftigen konnte während Frenchie zwei Gläser aus dem Küchenschrank zu Tage beförderte, dann – Nein, das war nicht gut. Er wusste, dass er wohl irgendwann lernen musste, in bestimmten Situationen seinen Fokus beizubehalten, ohne dabei alles zu hinterfragen, was zu dieser Situation geführt hatte.

Frag dich im Ernstfall nicht wer die Bombe gelegt hat, die vor deinen Augen tickt.
Konzentrier dich und schalte sie aus.


Aber jetzt war einfach ein denkbar ungünstiger Moment um damit anzufangen. Er hatte sich deshalb kurzerhand für die Selbstablenkungsstrategie entschlossen. Denn es war ohnehin so eine Sache mit der Konzentration. Frenchie tickte nun mal nicht während ein Countdown ablief, und es gab hier auch nichts, was auszuschalten war, also konnte er sich auch nicht darauf konzentrieren irgendwas zu entschärfen. Und mit der fehlenden Konzentration war auch schon der Weg frei für wirre Fragen nach dem Wieso, Weshalb und Warum dieser Situation. Wieso er überhaupt das Gefühl hatte, hier irgendwas entschärfen zu müssen. Weshalb sie ihn bis vor die Haustüre mitgenommen hatte. Und warum sie sich dort nicht einfach von ihm verabschiedet, sondern ihn dazu eingeladen hatte, noch mit hoch zu kommen.

Frenchie suchte unterdessen in der Küchenschublade nach einem Korkenzieher und fand keinen.

Also Fokus zurück zu der Küchenfrage und weg von der nicht tickenden Bombe zu einer einfacheren Denkaufgabe, die lösbar war. Eine, die Steve kurzfristig beschäftigt genug hielt um seine Hände von nervösen Gesten abzuhalten. Wann war er das letzte Mal in einer Frauenküche gewesen? Er vergrub die Finger in den Hosentaschen und starrte mit einem Tausend-Yard-Blick auf den anderthalb Meter weit entfernten Wasserhahn, an dem ein Tropfen baumelte.

Es musste gewesen sein als seine Mom noch lebte. Danach war die Küche im Hause McGarrett von Männerhand geführt worden, was so viel hieß wie: sie war meistens kalt geblieben. Nachdem Steve von zuhause weggegangen war, waren Gemeinschaftsküchen und Kantinen an der Tagesordnung gewesen, die von Männern mit abwechselndem Küchendienst in Schwung gehalten wurden. Damit war die Frage leider auch schon beantwortet. Es war mindestens acht Jahre her. Die letzte Küche unter Frauenherrschaft, in deren vier Wänden er sich aufgehalten hatte, musste die Küche seiner Mom gewesen sein.

Und das war etwas völlig anderes als die von Edelstahl und kalten Wandkacheln geprägte Großküche der Naval Academy.

Bei Frenchie gab es Küchengardinen.

Kleine, rot weiß karierte Stoffabschnitte, die man auf einem Klemmstäbchen von links nach rechts verschieben konnte. Außerdem einen Salz- und Pfefferstreuer in Form zweier Katzen, die in ihrer Halterung miteinander schmusten, sofern man sie nicht gerade dazu benutzte, sich das Essen nachzuwürzen. Eine Kräuterschale stand auf der hölzernen Arbeitsfläche. Basilikum oder so was – Steve hatte nicht wirklich Ahnung von Grünzeug in kleinen Töpfen.

Diese Küche fühlte sich jedenfalls so sehr wie ein Teil eines richtigen Zuhauses an, dass es Steve fast ein bisschen die Luft abschnürte. Oder vielleicht kam dieses Gefühl auch daher, dass er wahrhaftig in Frenchies Wohnung stand und vielleicht doch irgendwo etwas tickte? Keine Bombe, aber... tick tack?

Sein Blick löste sich von dem Tropfen am Wasserhahn und kroch langsam Frenchies Rücken hinab.

Man hätte nicht behaupten können, dass er nicht dabei gewesen wäre als sie gemeinsam die Treppe nach oben gegangen waren. Und trotzdem war es immer noch ein bisschen rätselhaft wie er hier herein geraten war.

„Jetzt hast du den ganzen Abend auf dem Trockenen gesessen.“
„Nachts schwimmen gehen ist im November auch keine so gute Idee.“
„Ich rede nicht vom Schwimmen sondern vom Trinken.“
„Ich hab noch eine halb volle Flasche bei O’Briens.“
„Ich hab drinnen auch noch was.“
„…“
„Was macht es schon für einen Unterschied ob ich dir bei O’Briens was zu trinken hin stelle oder bei mir zuhause?“
„Muss ich hier auch bezahlen?“
„Na ja, vielleicht macht es doch einen Unterschied.“


Zuvor waren sie den Weg vom Kinderspielplatz zu Frenchies Wohnung gemeinsam gegangen. Sie hatten ein bisschen geredet. Über nichts Wichtiges, einfach nur so. Und das war auch ganz gut so gewesen, denn es hatte Steve vom Grübeln abgehalten. Genauso wie die Küchenfrage ihn bis jetzt von weiterem Grübeln abgehalten hatte.

Frenchie hatte mittlerweile den Korkenzieher gefunden und ihn in eine Weinflasche gebohrt. Sie tat ihr Bestes um den hartnäckigen Pfropfen aus dem Flaschenhals zu ziehen.

Es war höchste Zeit, dass Steve sich ein neues Konzentrationsthema für seine unruhigen Gedanken vornahm.

Es war allerdings auch wirklich wichtig, eine Antwort darauf zu finden, wozu er nun eigentlich hier war. Warum Frenchie so gar kein Problem damit zu haben schien, sich hier vor seinen Augen in ihrer Strumpfhose durch die Küche zu bewegen und ihm Wein vorzusetzen, wenn sie doch… Wenn sie ihn doch weggeschubst hatte. Vorhin auf der Schaukel. Als er –

Falsches Thema.

„Magst du überhaupt Wein?“
„Magst du Wein?“
„Wenn ich ihn aufkriege…“
„Ich nehm was offen ist.“
„Äh… ja.“

Sie zog erbarmungslos am Korkenzieher. Der hatte sich jedoch dazu entschlossen, reglos in seiner Position zu verharren.

„Was offen ist, das ist momentan nur die Milch im Kühlschrank.“
„Dann trinken wir entweder Milch oder du gibst mir die Flasche.“
„Ich will keine Milch.“
„Dann gib mir die Flasche.“
„Ich halte und du ziehst.“
„Das geht nicht.“
„Du hältst und ich ziehe.“
„Unsinn, gib schon her.“

Steve nahm ihr die Flasche aus der Hand. Eine sinnvolle Aufgabe, die es mit barer Hände Kraft zu lösen galt. Sie kam genau zum rechten Zeitpunkt. Gerade richtig damit Steve beim Ärmel-Hochschieben nicht schnell genug schlussfolgern konnte, was auf ihn zukommen würde als Frenchie sagte

„Dann zieh du, während ich dich festhalte.“

Im nächsten Moment hatte sie ihre Arme von hinten um seine Körpermitte gelegt und sich dabei an seinen Rücken geschmiegt. Steve verließ sämtliche Kraft, die er zu haben geglaubt hatte. Er spürte Frenchies Kopf zwischen seinen Schulterblättern. Wenn er sich nicht täuschte roch sie sogar an ihm. Aus irgendeinem Grund, der sich ihm auf die Schnelle nicht erschließen wollte. Zumindest war da eine kleine Stelle an seinem Rücken, die spürbar von Atemluft gewärmt wurde.

Und dann war da plötzlich noch ein Knie, das sich an der Innenseite seines Beines entlang nach oben schob.

Und …

Sie streichelte ihm verdammt noch mal mit der flachen Hand über den Bauch.

Mit Absicht.

Was – zur –



Hölle, es fühlte sich gut an.


„Machst du die Flasche jetzt auf oder…?“

Oder?

Steve zog mit einem Ruck den Korken aus der Flasche, warf ihn mitsamt dem Korkenzieher auf die Küchenfläche und drehte sich um zu Frenchie; drehte sich um damit er sie vor sich hatte, drehte sich um damit er sie an den Hüften greifen und an sich ziehen konnte, und noch zwei weitere Schritte auf sie zugehen, bis sie im Rückwärtsgang an die gegenüberliegende Schrankwand prallten, wo es keine Schaukel der Welt mehr gab, auf der sie ihn noch hätte zurückstoßen können. Er drängte sie sanft gegen die Wand und vergrub den Kopf in ihrer Halsbeuge. Seine Lippen fingen an zu wandern. Über ihr Schlüsselbein, ihren Hals, zu der Stelle hinter ihrem Ohrläppchen, wo seine Zunge dringend nachfühlen musste wie weich sich die Haut dort anfühlte – Seine Hände fingen an zu wandern. Seine Finger fingen an zu wandern. Überhaupt alles fing auf ein Mal an wie wild zu wandern, allem voran sein Verstand (ins Nichts) und sein Herz (in die Hose).

Vielleicht war es auch nicht wirklich sein Herz, das sich soeben auf den Weg in seine Hose machte, sondern das Blut, das sein Hirn nicht mehr benötigte. Ganz sicher war jedenfalls, dass irgendetwas eindeutig und auf direktem Weg in seine Hose wanderte. Seine Beine hatten sich außerdem auch schon mal stabiler angefühlt.

Und dann trat dieses wollbestrumpfte Knie schon wieder in Aktion und schob sich zwischen seine Schenkel. Frenchie stand noch immer mit dem Rücken zur Wand und hatte ein Bein hinter sich angewinkelt. Was immer das war, was Steve in die Hose gerutscht war: Frenchies Oberschenkel streifte es frontal. Er sog scharf die Luft ein.

Irgendein Kontrolllämpchen in seinem System blinkte wie verrückt und hielt ihn davon ab, seine Hände auf ihrem Hintern noch fester zupacken zu lassen um sie an sich zu ziehen und die Reibung zu verstärken. Er musste los lassen! Seinem Puls zuliebe, und außerdem… ihre Haare rochen gut… musste schließlich irgendjemand noch den Reißverschluss an Frenchies Rücken öffnen, damit er sie… ihre Hände waren in seinem Nacken… aus diesem Bedienungsfummel… nur noch ein Mal mit der Zungenspitze… also aus ihrer Arbeitskleidung… äh… fummeln konnte.

Als er schließlich abließ um sich mit den Fingern umständlich an ihrem Rückenzipper zu schaffen zu machen, hörte er sie ein bisschen atemlos direkt an seinem Ohr.

„Nein, nein, hör mal… kurz…“, und sie drückte ihn ein Stückchen von sich weg.

Steve blieb kurz die Pumpe stehen als er sie ansah.

„…wie sieht das denn… nur mit der alten Strumpfhose… wenn du mir das ausziehst...“

Er kapierte nicht wirklich wovon sie sprach. Er wollte nur ziemlich dringend mit dem weitermachen wovon sie ihn gerade abhielt.

„Ich muss kurz…“, Frenchie drückte sich von der Wand weg und schob ihn vor sich her, rückwärts, ihm war eigentlich egal wohin, Hauptsache sie zog ihn mit sich, „…ins Bad…“, solange er seine Hände nicht von ihr lassen musste und, „…ich bin gleich wieder…“, seine Nase in ihren Haaren vergraben konnte und – „…gleich wieder bei dir.“ Sie drückte ihn rückwärts auf das Sofa und verschwand.

Nicht. Ihr. Ernst.

Steve saß alleingelassen auf der Couch und ließ sich wie ein geschlagener Hund nach hinten in die Polster sinken. Er schloss die Augen und atmete.

Es war erbärmlich wie sehr er atmete.

Er hatte die Kondition um problemlos ein Mal rund um Grönland zu schwimmen und dennoch fühlte er sich jetzt schon völlig fertig.

Wenn Frenchie gleich zurück kam und sie dann miteinander…

Wenn er sie…

Also…

Eine Mischung aus 'auf ihr', 'unter ihr' und 'in ihr' jagte durch Steves Kopf -

Wenn er sie also… oder schlimmer noch: wenn SIE ihn…

Was dann? Atemstillstand?


Steve atmete noch kurz erbärmlich weiter bis ihm der Gedanke kam, dass es vielleicht gar kein „dann“ geben könnte. Und DANN?


„Und dann? Was wenn Annapolis vorbei ist?“
„Was dann?“
„Ja, eben.“



Steve schlug die Augen auf.


„Da gibt es die, die dich nur flach legen wollen, dann gibt es die, in die man sich verlieben könnte, die aber zuhause ein Mädchen sitzen haben, und dann gibt es noch die, mit denen man es tun würde, in die man sich aber nicht verlieben darf, denn was wenn Annapolis vorbei ist?“


Frenchie brauchte eindeutig viel zu lange im Bad.


Welche der drei Kategorien war er noch gleich?



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BeitragThema: Re: Love it or leave it (fertiggestellt)   Di Jan 29, 2013 8:02 pm

Ich hab heute so viele schöne Geburtstagsgrüße bekommen (für die ich mich an anderer Stelle noch 'normal' bedanken werde...), dass ich irgendwie gar nicht so viel zurückgeben kann wie ich gern würde. Ein paar von unseren Lesern kann ich vielleicht mit diesem letzten Teil der Geschichte ein kleines Geschenk machen. Es kommt jedenfalls von Herzen I love you

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>And sometimes you close your eyes
>and see the place where you used to live
>when you were young



Es war einfach zu dumm, dass Steve eine Antwort auf die Frage nach seiner Kategorie gefunden hatte noch bevor Frenchie ohne Wollstrümpfe, dafür anderweitig sehr leicht bekleidet wieder aus dem Badezimmer trat. Es war auch egal ob seine Antwort die war, die sich mit Frenchies deckte. Es war die einzige, die ihm plausibel erschien, und das allein machte sie richtig. Zumindest für den Moment.


Seine Marathon-Atmung war in ein nüchternes, trockenes Schlucken übergegangen als Frenchie rittlings auf seinen Schoß gekrochen kam und ihm mit einem schmutzigen Grinsen Dinge ins Ohr flüsterte. Dinge, die er nicht mal in der Stille seines Kopfes wiederholen konnte ohne dass dieser verdammte Verräter in seiner Hose ihnen Standing Ovations gab und eine Zugabe wollte.


Er würde keine Gelegenheit dazu haben sie zu fragen ob er mit dieser Kategorien Sache recht hatte. Nicht ohne sich dabei lächerlich zu machen. Frenchies Zunge kitzelte über seine Halsschlagader. Er wollte jetzt nicht darüber nachdenken.


Es gab sowieso nichts worüber es noch nachzudenken galt. Es war simpel.


Kategorie Nummer eins: Flachleger. Ausgeschlossen durch seine „Eignungsprüfung“ auf der Schaukel. Er musste ganz schön blöd gewesen sein um nicht sofort zu verstehen was Frenchie gemeint hatte als sie sagte er hätte bestanden. Es hatte nichts zu bestehen gegeben. Es hatte nur diesen einen Moment gegeben, der Frenchie Aufschluss darüber gegeben haben musste, was für einer er war. Er hatte versucht sie zu küssen. Sie hatte ihn in der Luft verhungern lassen und er hatte nichts dagegen unternommen. Weder das, noch hatte er einen weiteren Versuch gestartet bis sie es in der Küche förmlich darauf angelegt hatte. Tatsächlich hatte er es nicht mal geschafft ein Wort darüber zu verlieren. Nicht gerade eine Qualität, die einen Flachleger auszeichnete. Vielleicht war er nicht zu blöd gewesen um es sofort zu verstehen, aber vielleicht war er sich selbst zuliebe zu verblendet gewesen.


Frenchie bewegte sich langsam mit leicht kreisenden Hüften auf seinem Schoß und es machte ihn wahnsinnig. Sie zog ihm das Shirt über den Kopf und warf es hinter das Sofa. Er war sich kurz unschlüssig ob die Luft kühler wurde oder heißer. Er fuhr über ihre nackten Schenkel bis seine Hände auf ihrem Hintern ankamen. Ganz sicher wurde es heißer.


Kategorie Nummer zwei: der Tabu-Typ, der zuhause ein Mädchen sitzen hat. Ausgeschlossen schon vor Wochen als er sich dazu hatte hinreißen lassen, ihr seine Geschichte zu erzählen. Darin war nie ein Mädchen vorgekommen und es gab auch jetzt keines. Das wusste sie. Die Bestätigung darüber hatte sie sich erst heute Abend noch eingeholt.


Keine Truthähne auf Hawaii, was?


Nein. Rose schien die einzige zu sein, die diese Metapher nicht in vollem Umfang verstanden hatte, aber wenn er ehrlich war wünschte er sich rückblickend, er hätte sie jetzt ebenso wenig verstanden. Keine Truthähne auf Hawaii. Auch keine, die ihm Briefe nach Annapolis schrieben mit einem zärtlichen PS: Ich liebe Dich darunter. Es gab kein anderes Mädchen.


Die einzig übrig bleibende Kategorie war die dritte. Er war einer von denen, mit denen sie es einfach tun würde. Ganz einfach.


Frenchie hob sich das lange Haar aus dem Nacken als Steve ihren BH öffnete. Eine feingliedrige Kette lag um ihren Hals, die mit ihren Augen um die Wette funkelte. Als wäre sie der goldene Gral oder so. Irgendetwas, das es wert war gefunden zu werden. Steve streifte ihr die Träger von den Schultern und hakte von unten seinen Zeigefinger in das Kettchen um Frenchies Kopf damit näher an sein Gesicht zu ziehen. Wenn er sie endlich richtig küsste, würde es keinen einzigen Zweifel daran geben, dass all das es wert war gefunden zu werden.


Frenchie legte einen Finger auf seine Lippen noch bevor sie ihren Mund erreichten. Sie drückte ihn sanft nach hinten an die Sofalehne und beugte sich über ihn. Ihre Haarspitzen strichen über seine Haut als sie damit anfing ihn von der Brust abwärts zu küssen, in einer Linie, über seinen Bauch, begleitet von ihren warmen Händen, die letztendlich seinen Hosenknopf öffneten. Steve atmete lange aus.


Er war einer von denen, mit denen sie es einfach tun würde – sie durfte sich nur nicht verlieben, denn was wenn Annapolis vorbei war? Nichts war dann, das war die Antwort. Simpel.


Er machte die Augen zu als er Frenchies Finger in seiner Hose spürte. Ihre Hand schloss sich um ihn. Ein unterdrückter Laut blieb Steve auf halbem Weg in der Kehle stecken. Er wollte nach Möglichkeit einfach so schnell so sehr unter ihren Berührungen den Verstand verlieren, dass die neu gewonnene simple Erkenntnis zum Teufel gehen und für die Dauer dieser Triebangelegenheit auch dort bleiben konnte. Das hier war schließlich immer noch Frenchie, die ihn anfasste und ihn wollte. Kein noch so dumpfes, simples Gefühl würde ihm das nehmen können.


Dass etwas so Simples allerdings nur so schwer zu verdrängen, geschweige denn zu akzeptieren war… das war einfach nicht fair. Es war sogar so unfair schwer, dass er beinahe Angst davor hatte er würde es nicht schaffen.


Der Himmel allein wusste warum sich sein Kategorie Drei Körperteil einen Dreck darum zu scheren schien, dass irgendetwas in ihm immer hohler wurde je bestimmter Frenchies Handgriffe wurden. Seine Hose hing irgendwo dort, wo nicht ihr eigentlicher Bestimmungsort war. Er richtete sich auf und zog Frenchie an sich. Es fühlte sich gut an ihren Körper so nah an sich zu haben und keinen Stoff mehr zwischen ihrer und seiner Haut zu spüren. Der Körperkontakt füllte irgendetwas auf, was verloren gegangen war. Er schmiegte sein Gesicht an ihre nackte Brust.


Alles war irgendwie auffüllbar.


Der Teil in ihm, den absolut nichts kümmerte, brachte seine Zunge dazu, kleine Kreise um Frenchies sensibelste Körperstellen zu ziehen bis sie Geräusche von sich gab, die sie offensichtlich nicht länger zurückhalten konnte. Sie vergrub ihre Finger in seinem Haar und seufzte.


„Steve…“


Eine Gänsehaut der allerersten Güte begann sich zuerst an Steves Unterarmen aufzustellen, zog sich weiter über seine Schultern, seinen Rücken hinab, und er war sich nicht sicher, aber er hatte das Gefühl, dass sie irgendwann sogar auf seinen Oberschenkeln ankam als die Haut dort unangenehm zu brennen anfing.


Sein Name.


Es war völlig egal wie einfach man leere Stellen mit körperlicher Nähe füllen konnte. Was da plötzlich in ihm aufriss als Frenchie seinen Namen stöhnte war keine leere Stelle. Es fühlte sich an wie ein schwarzes Loch, das immer größer wurde während irgendwas mit aller Gier nach mehr schrie.


Es war schön, an manchen Sonntagnachmittagen einen Vornamen zu haben.


Nach viel, viel mehr.


Sein Bauch tat weh. Vielleicht war es auch nicht wirklich sein Bauch, sondern irgendetwas anderes, aber das war egal. Es rumorte jedenfalls einmal quer durch Steves Eingeweide und ließ ihn mit der Gewissheit zurück, dass er weit von diesem Viel, viel mehr entfernt war. Und vielleicht auch noch lange davon entfernt sein würde.


So simpel und so schwer zu akzeptieren.
So schwer, dass es im Bauch weh tat derart in Frenchie verliebt zu sein.


„Steve?“


Er wusste nicht woher es kam, aber für die Dauer eines Gedankens wünschte er sich, er wäre zuhause auf Oahu.


„Steve??“
„Mh?“


Eigentlich wollte er jetzt nicht sprechen. Bis vor zehn Sekunden hatte Frenchie allerdings auch noch nicht so ausgesehen als stünde ihr der Sinn nach Konversation. Jetzt sah sie ihn an.


„Hab ich eine alte Kriegsverletzung gestreift, die du theoretisch nicht haben kannst?“
„Was? Nein.“
„Du siehst aus als hättest du Zahnschmerzen.“
„Nein.“


Sie hielt sein Gesicht in einer Hand und musterte ihn plötzlich eindringlich mit einem unsicheren Lächeln.

„Doch, ehrlich.“



Es war großartig. Er konnte sie nicht nur nicht küssen sondern ganz offensichtlich noch nicht mal bedeutungslosen Kategorie Drei Sex mit ihr haben ohne dabei ihr Mitleid zu erregen. Während seine eigene Erregung doch gerade jetzt immerhin noch das Einzige war, was hier gehirn- und gefühllos wirklich so gut funktionierte, dass er sich wenigstens um seine Vitalfunktionen keine Sorgen machen musste.


Frenchie nahm langsam die Hand von seinem Gesicht und ihr war anzusehen, dass sein untätiges Schweigen allmählich dazu führte, dass sie sich ihrer Nacktheit bewusst wurde. Sie legte einen Arm um seinen Hals und ließ sich auf seine Brust sinken. Auch ein Weg um sich weniger nackt zu fühlen. Sie fing ein bisschen beklommen an Steve den Nacken zu kraulen und stimmte in sein Schweigen ein.


Es war kontraproduktiv und ein bisschen erbärmlich. Die Sache war nur, dass es erbärmlich schön war.


Es führte nur leider nirgends hin. Lächerlich, aber das war fast das Beste daran. Und er war tatsächlich kurz davor, ihr das zu sagen. Bis sie die Dogtags auf seiner Brust für sich entdeckte und in ihnen ein neues Objekt gefunden hatte mit dem es sich ein bisschen spielen ließ um die schwelende Situationsdichte ein kleines bisschen weniger erdrückend zu machen.


Worauf wartete er eigentlich?

Shoot first, ask questions later.


Er setzte sich auf und warf sich die Dogtags über die Schulter auf den Rücken. Es war wirklich besser, diese Dinger jetzt nicht auf der Brust liegen zu haben.

Wenn du auch alles andere so leicht über Bord werfen kannst sind die SEALs wahrscheinlich das richtige Ziel für dich…


“Also, tun wir’s.“
„Ähm…?“


Frenchie sah ihn ungläubig an. Ehrlich gesagt hätte er sich selbst wahrscheinlich auch so angesehen.


„Was ist?“
„Ja, das wollte ich auch eben fragen. Hattest du Wein als ich im Bad war?“
„Heh?“
„Nicht? Ok, vielleicht hättest du dann welchen haben sollen.“
„Wovon redest du?“
„Davon, dass du gerade noch in die Luft gestarrt hast wie ein sentimentaler Betrunkener, aber wenn du nichts getrunken hast, dann heißt das vielleicht, dass du doch besser was getrunken hättest.“
„Ich versteh dich nicht.“
„Ja, ich dich eigentlich auch nicht.“
„Und jetzt?“
„Hol ich uns zwei Gläser.“
„Ich will kein Glas.“
„Was WILLST du, Steve?“


Viel, viel mehr als das. Aber das wäre ein bisschen aus dem Zusammenhang gerissen gewesen. Frenchie zog sich die Decke, die über der Sofalehne gelegen war, um den Oberkörper und sah ein bisschen frustriert aus.


„Manchmal reicht ein Glas Wein wahrscheinlich nicht.“
„Schnaps?“ Sie lächelte.
„Ernsthaft?...“ Er schüttelte den Kopf und musste mitlächeln.
„Weißt du, du hättest gerade wesentlich mehr bekommen als ein Glas Wein. Sagen wir mal so: du hättest dir die komplette Flasche rein schütten dürfen.“
„Ich weiß.“
„Und?“
„Und dann wär sie leer gewesen.“


Frenchie schien irgendwas zu verstehen.
Sie zog die Beine an ihren Körper und sah ihn ziemlich lange an.

So lange, dass Steve genügend Zeit hatte sich darüber klar zu werden wie verkorkst das hier war. Und dass der Zug mit dem Kategorie Drei Sex eigentlich schon abgefahren war noch lange bevor sie hier über diverse Spirituosen sprachen, die eigentlich für etwas ganz anderes standen. Selbst der verdammte Verräter musste ihm da zustimmen. Steve rückte seine Hose wieder dorthin, wo sie hingehörte.


„Das wird keine kleine Sache zwischen uns, was?“ Frenchie lächelte fast ein bisschen wehmütig.


Steve angelte mit dem Arm nach seinem Shirt. Eine kleine Sache. Er wünschte sich wirklich, Frenchie wäre nur eine kleine Sache. Dann wäre das, was sich so simpel angehört hatte, auch genau so simpel von statten gegangen. Ganz ohne Bauchschmerzen.


„Ich geh wahrscheinlich besser.“
Frenchie nickte zögerlich.
„Schenkst du mir am Sonntag bei O’Briens Kaffee ein?“
Sie lächelte. „Weißt du was man über Kaffee sagt?“
„Ja.“ Steve lächelte zurück. „Es ist ein Heißgetränk.“



***



Es war ein bisschen komisch, aber die Nacht hatte sich kein bisschen verändert als Steve aus Frenchies Haustür auf die Straße hinaus trat. Sie war noch genau so dunkel, genau so kalt und wenn man ein Schwarzseher sein wollte, dann war sie noch genau so einsam wie zu früherer Stunde als er sich auf den Weg zu O’Briens gemacht hatte. Und nicht weniger sehnsuchtsvoll. Wahrscheinlich war es nicht der beste Moment gewesen, aber vielleicht war ihm auf Frenchies Sofa einfach eingefallen, wer er war.


„Und welche Kategorie wär ich?“
„Du, Steve McGarrett, solltest dich nicht fragen wer du wärst, sondern wer du bist.“



Oder wer er nicht war. Vielleicht war er einfach nur jemand, der wahnsinnig gern Kaffee trank.

Eigentlich war es auch egal. Jedenfalls wusste er, dass er für zig andere Mädchen jederzeit nur irgendeine dieser Kategorien sein könnte. Es würde genügend andere geben, mit denen er eine „kleine Sache“ haben konnte, der man keinen Namen geben musste, bis das hier vorbei war. Wenn es denn irgendwann vorbei war. Er spürte die Marke auf seiner Brust. Bis dahin würde es jedenfalls noch eine ganze Menge über Bord zu werfen geben.


Irgendwann würde diese Zeit für Viel, viel mehr vielleicht kommen.
Irgendwas in ihm sehnte sich zurück nach Hawaii.
Aber wahrscheinlich musste das noch eine ganze Weile warten.


***


Als Frenchie durch die Fensterscheibe Steves dunkle Silhouette auf der Straße verfolgte, wie sein Schatten unter den Straßenlaternen größer und kleiner und größer und wieder kleiner wurde, glaubte auch sie plötzlich zu verstehen wer er eigentlich war.


Keiner, der sie nur flach legen wollte.
Keiner, der zuhause ein Mädchen sitzen hatte.
Keiner mit dem man es einfach so tun sollte ohne sich zu verlieben.


Für Steve McGarrett musste man wahrscheinlich eine neue Kategorie erfinden.

Er war seine ganz eigene Kategorie.




****
ENDE
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Love it or leave it (fertiggestellt)

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