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 Ungewisse Zukunft - Eine H50 FanFiction (fertiggestellt)

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dvosen
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BeitragThema: Re: Ungewisse Zukunft - Eine H50 FanFiction (fertiggestellt)   Do Aug 01, 2013 9:20 am

Kapitel 25

Inzwischen waren es bereits mehr als vier Monate, in denen sie hier auf der deutschen Insel weilten.
Der Sommer hatte sich schon lange verabschiedet und der Herbst Einzug gehalten.
Zwischen den SEALs und Cathy war so etwas wie Freundschaft entstanden.
Besonders mit Mike verband sie ein vertrautes Verhältnis.
Aber auch mit Sam, Rob, Andy, Jason und Mark kam sie gut aus.
Während Rob und Mark eher die Pausenclowns spielten und ständig zu irgendwelchen Streichen aufgelegt waren, beschäftigte sich Andy viel mit der Computeranlage im Keller.
Sam musste ständig etwas zutun haben. Entweder er powerte sich beim Sport durch körperliche Betätigung aus oder er beschäftigte seinen Geist, indem er Kreuzworträtsel löste, die er sich aus dem Internet ausdruckte. Da man ihn aber dann schlecht ansprechen konnte, war Cathy eines Tages, als sie mit Mike und Jason in Kampen, dem nächstgelegenen Ort von ihrem Haus entfernt, zum Einkaufen unterwegs war, auf die Idee gekommen, ihm ein Puzzle mitzubringen. Zunächst hatte Sam sie ein wenig verwirrt angeschaut, als sie ihm das Paket, eingewickelt in Geschenkpapier überreichte. Doch dann hatte er sich gefreut und so saßen sie oft zusammen, über immerhin 2000 Einzelteile und versuchten die kleinen Teile richtig zusammen zusetzen, sodass zum Schluss der Leuchtturm von List zusehen war.
Mittlerweile hatte sie sich auch einigermaßen an diese Insel gewöhnt, aber heimisch würde sie sich hier wohl nie fühlen. Dazu stand Sylt viel zu sehr im krassen Gegensatz zu Hawaii.
Der Strand war hier zwar auch stellenweise sehr breit und erstreckte sich über die gesamte Insel, aber die Nordsee entsprach so gar nicht ihrer Vorstellung vom Meer. Diese trübe Brühe, wie sie immer wieder betonte, hatte nichts gemeinsam mit dem Pazifik. Obendrein war die Wassertemperatur erheblich kälter. Wie überhaupt das Wetter. Selbst im Sommer hatte es hier so oft geregnet wie auf Hawaii im ganzen Jahr nicht. Und jetzt konnte man ohne dicke Jacke, Mütze und Schal überhaupt nicht vor die Tür.
Zum Glück waren Mike und Jason mit ihr los gezogen und sie hatte sich neu einkleiden können,
sodass sie nun nicht weiter in den schwarzen Sachen der SEALs herumlaufen musste.
Ihre langen dunkeln Haare musste sie aber weiterhin unter einer Mütze verstecken, da sie sich geweigert hatte diese abschneiden und blond färben zu lassen. Ebenso wie die Jungs weiter darauf bestanden, dass sie, wenn sie das Haus verließ, eine Brille trug. Obendrein hatten sie ihr gefärbte Kontaktlinsen besorgt, sodass sie jetzt grüne Augen hatte, statt blaue.
Diese Maßnahme diente ihrer Sicherheit, wie Mike ihr erklärte. Wenn man sie hier wirklich aufspürte, war dies zwar kein garantierter Schutz aber es fiel eben schwerer, sie zu erkennen. Also besaß sie verschiedene Brillen in Sehstärke null und auch eine Anzahl an Mützen und Caps.
Sie hatte zusammen mit den Jungs Deutsch gelernt. Jedenfalls bemühten sie sich, die für sie ungewohnte Sprache wenigstens etwas zu beherrschen und sich so zu verständigen, wenn sie mit ihrer Muttersprache nicht weiterkamen.
Sie versteckten sich auch nicht mehr, sondern häufiger gingen sie zum Einkaufen oder spazierten einfach an der Strandpromenade entlang. Im Sommer, während hier Saison herrschte und viele Touristen sich auf der Insel befanden, fielen sie auch nicht weiter auf. Später dann, als es ruhiger auf der Insel wurde, spürte sie hin und wieder die Blicke, wenn sie mit zwei der SEALs unterwegs war. Aber inzwischen hatten sich die Bewohner der Insel wohl auch daran gewöhnt. Sie waren auch nicht nur in Kampen, dem nächsten Ort, unterwegs, sondern hatten auch schon Westerland und List besucht. Die gesamte Insel bereits zwei Mal mit dem Fahrrad umrundet. Hochwertige Rennräder gehörten zur Ausstattung des Hauses.
Nach dem ersten Mal war sie nach der Tour allerdings fast tot.
Achtzig Kilometer waren sie an diesem Tag gefahren, und obwohl Cathy, zu diesem Zeitpunkt, bereits richtig fit war, immerhin lief sie inzwischen jeden Tag knapp zwölf Kilometer, hatte sie diese Tour an ihre körperlichen Grenzen gebracht. Zumal sie Zeitweise erheblich mit dem Wind zu kämpfen hatte. Ihren Begleitern, Mike, Sam, Andy und Rob, hatte es überhaupt nichts ausgemacht. Beim nächsten Mal waren dann anstelle von Andy und Rob, Mark und Jason mit von der Partie gewesen. Zwei blieben ständig im Haus. Ebenso, wie ständig zwei Mann sie begleiteten, egal wohin sie ging. Nur wenn sie auf ihrer morgendlichen Laufstrecke unterwegs waren, lief sie mit Mike alleine. Allerdings stimmte dies nur zum Teil, wie sie seit ihrem kleinen Unfall wusste.
Eigentlich führte ihre Laufstrecke sie etwas abseits von den Hauptverkehrswegen. Nur einmal mussten sie dabei eine kleinere Straße überqueren. Von beiden Seiten parkten dort Autos und bis zu diesem Tag waren sie auch immer sicher auf die andere Seite gelangt. Allerdings hatte sie an diesem speziellen Morgen wohl nicht richtig aufgepasst und so war sie in einen Radfahrer gelaufen, den sie nicht hatte kommen sehen. Sie stürzte, während sich der Radfahrer noch im letzten Moment fangen konnte. Er hatte dann einfach sein Rad mitten auf die Straße gelegt und war zu ihr geeilt. Mike, der unmittelbar hinter ihr gewesen war, kniete bereits neben ihr, als sie mit schmerzverzerrtem Gesicht auf der Straße lag. Und urplötzlich waren auch Sam und Jason zur Stelle. Der Radfahrer wollte sich gerade zu ihr hinunterbeugen, als er ziemlich unwirsch von den beiden zur Seite gerissen wurde. Der Ärmste wusste gar nicht, wie ihm geschah, als er sich plötzlich diesen großen und ziemlich muskulösen Typen gegenübersah. Zumal Sam auch noch dunkelhäutig war und allein schon durch seine Statur und dem kahl geschorenen Kopf, ziemlich bedrohlich wirkte. Er stammelte immer nur wieder, dass er sie nicht gesehen hatte und sie ihm einfach vors Rad gelaufen sei.
Mike wollte Cathy aufhelfen aber als er sie am Arm berührte schrie sie auf. Sie war so unglücklich gestürzt, dass sie sich den Unterarm gebrochen hatte. Die Drei sahen sich ein wenig entsetzt an. Das hatte ihnen noch gefehlt. Cathy indes sah zu dem jungen Radfahrer, der immer noch völlig verwirrt auf sie starrte. Er konnte dies hier wohl alles nicht einordnen.
„Es tut mir leid. Aber ich habe sie wirklich nicht gesehen. Es ging alles so schnell. Sie müssen mir glauben, dass ich das nicht gewollt habe.“ Brachte er schließlich hervor.
Trotz der Schmerzen in ihrem Arm betrachtete Cathy ihn sich jetzt genauer. Er war nicht viel älter als sie. Vielleicht siebzehn oder achtzehn Jahre alt. Schwarze kurze Haare, die ihm vom Wind zerzaust, trotzdem abstanden. Neben Sam, der immerhin gut 1,90 groß war, wirkte er trotz, dass er nicht gerade klein war, ein wenig schmächtig. Das lag wohl auch daran, das er in seiner Jeans und der Windjacke recht schlank aussah. Er besaß ein hübsches jugendliches Gesicht wie Cathy fand und seine Stimme klang trotzdem, dass er ziemlich aufgeregt war, warm und freundlich.
„Ist schon gut Jungs. Er kann wirklich nichts dafür. Es war meine Schuld. Ich hab einfach nicht aufgepasst.“ Versuchte Cathy jetzt die Situation einigermaßen zu retten. Ihr tat der Junge gerade nur leid. Sie war schon froh, dass keiner von den Dreien seine Waffe gezogen hatte, die sie ständig versteckt bei sich trugen. Mit Hilfe von Mike stand sie dann auch endlich auf. Ihr Arm schmerzte höllisch und sie wollte jetzt einfach nur nach Hause. Jason drehte sich auf dem Absatz herum und lief dann zurück um eines der beiden Autos zuholen, denn sie wollten nicht, dass sie den Weg jetzt wieder zurücklaufen musste.
„Kann ich irgendwas tun? Soll ich einen Krankenwagen rufen?“ Fragte der Unfallverursacher mit einem Blick auf Cathy.
Mike und Sam wehrten jedoch sofort ab. „Nein. Nicht nötig. Wir regeln das schon. Nimm einfach dein Fahrrad und fahr weiter.“
Immer noch irritiert sah er zu Cathy, fügte sich dann jedoch und ging zu seinem Rad um es aufzuheben. Er warf einen letzten Blick zurück, bevor er sich auf sein Rad schwang und Anstalten machte weiter zufahren.
„Vielleicht laufen wir uns ja noch mal über den Weg.“ Rief Cathy ihm noch nach, bevor er davon radelte. Was allerdings Sam und Mike dazu veranlasste, sie mit einem nicht gerade erfreuten Blick, zu bedenken.
Als sie schließlich wieder im Haus eintrafen, waren die Schmerzen so groß, dass Cathy es kaum noch aushielt.
Eigentlich hatten sie alles Wichtige für eine Notfallversorgung im Haus, aber ihr Arm musste geröntgt werden. Also, was tun? Eine verschlüsselte E-Mail abzusenden und einen Hubschrauber anfordern, der sie nach Ramstein brachte, dauerte zulange. Einen ansässigen Arzt aufsuchen, bedeutete, das sie Gefahr liefen, entdeckt zuwerden.
Letztlich entschieden sich doch dafür, es mit einem Arzt von der Insel zuprobieren.
Also war Mike mit ihr nach Kampen gefahren und hatte dort einen Arzt aufgesucht, der über ein Röntgengerät verfügte.
Die Diagnose: Cathy hatte sich die Elle im Unterarm gebrochen. Der Arzt richtete den Bruch und sie musste für sechs Wochen einen Gips tragen.
In den nächsten Tagen waren sie dann besonders wachsam, ob sich irgendetwas Verdächtiges um sie herum ereignete. Aber nichts geschah. Außer, dass Cathy den Radfahrer zufällig wiedertraf, als sie mit Mike und Jason einkaufen war. Beide konnten es nicht verhindern, das Cathy und der Junge, sich unterhielten und sich auch mit Namen bekannt machten.
Mike sah da einiges auf sie zukommen und er sollte sich auch nicht täuschen.
Cathy war sechszehn und sie entdeckte anscheinend so ganz langsam die Liebe. Warum das ausgerechnet passieren musste, während sie Tausende Meilen von zu Hause weg war, würde er wohl nie ergründen. Auf jeden Fall mussten sie sichergehen, dass von diesem jungen Mann keine Gefahr für ihren Schützling ausging. Also hatten sie den Jungen eine Zeit lang ebenfalls überwacht.

Inzwischen trafen sich Dennis, so hieß der junge Mann und Cathy regelmäßig. Dennis hatte sie sogar auf einem Bootsausflug zu den Seehundbänken begleitet. Cathy konnte inzwischen einigermaßen gut Deutsch und Dennis sprach hervorragend Englisch, sodass die Verständigung zwischen ihnen problemlos funktionierte.
Mike sah schon mit Schrecken dem Tag entgegen, wenn sich die beiden voneinander verabschieden mussten. Diese Trennung würde wohl bei Cathy heftigen Liebeskummer bewirken. Er hoffte, dass Steve dies dann mit seiner Tochter durchstehen musste und er weit weg sein würde. Bei dieser Vorstellung musste er leise in sich hinein grinsen und war wirklich zum ersten Mal froh Single zu sein.

Weiterhin trainierten sie fast täglich.
Inzwischen beherrschte Cathy das Progressive Fighting System, die Nahkampftechnik der SEALs fast perfekt. Einzig ihre geringe Körpergröße behinderte sie im Faustkampf, wenn der Gegner entschieden größer war. Nur durch schnelle Reaktion konnte sie mit ihren Armen die Schläge abwehren, zurückweichen und darauf warten, dass sie gezielte Tritte einsetzen konnte oder ihren Gegner mit einer Aktion so zu überraschen, dass sie ihn zu Fall brachte.
Meist trainierten sie im großen Garten, denn dort hatten sie genügend Platz. Vor allem wenn sie mit den Sticks arbeiteten. Dies waren fünfzig Zentimeter lange Holzstöcke, mit denen sie versuchten auf den Gegner einzuschlagen, ihn zutreffen und somit Kampfunfähig zumachen. Auch jetzt im späten Herbst. Nur, wenn es stark regnete, wichen sie nach drinnen, in den Keller aus.
Hier war nicht nur die Computeranlage und Überwachungstechnik, denn das gesamte Haus sowie die Außenanlage waren Kameraüberwacht, untergebracht, sondern ihnen stand auch ein Trainigsraum zur Verfügung.
Die Jungs waren zufrieden mit ihr. Cathy arbeitete konzentriert und lernte schnell.
Und sie traf sich weiterhin mit Dennis. Nur allein lassen konnten sie die beiden äußerst selten. Das Team hatte einen Auftrag. Nämlich Cathy zubeschützen. Sie konnten einfach nicht riskieren, dass sie irgendwo allein hinging. Nur im Haus konnten die beiden daher ein wenig Privatsphäre genießen. Aber ganz allein waren sie auch dann nicht.
Jedes Zimmer im Haus war Videoüberwacht und die Bilder der Kameras liefen im Keller über die Monitore. Zwar bemühten sich die Männer, Cathy und Dennis nicht ständig zubeobachten aber sie mussten sie dennoch im Auge behalten und hin und wieder einen Blick auf die Bilder werfen.
Zudem hatten sie sich etwas einfallen müssen, wie sie Dennis erklärten, dass sechs Männer und ein junges Mädchen hier allein in diesem Haus lebten.
Schließlich kamen sie überein, dass Cathy ihm erzählte, dass sie auf eigenen Wunsch und den ihrer Eltern für eine unbestimmte Zeit hier hergekommen war, um mit diesen Männern ein Spezialtraining zuabsolvieren, das sie auf ihre Ausbildung als Special Agent vorbereitete. Sie hatten diese Insel gewählt, weil sie hier nicht abgelenkt wurde.
Dennis hatte zwar einigermaßen überrascht und auch verwundert über diese Methode geschaut, aber schließlich hatte er es geschluckt. Wohl auch deshalb, weil die Amerikaner für ihre zum Teil doch recht ungewöhnlichen Erziehungs- und Ausbildungsmethoden bekannt waren.

Das Team stand im unregelmäßigen Kontakt mit Commander White. Die Nachrichten waren verschlüsselt und erreichten ihr Ziel über soviel Umwege, dass es unmöglich war, ihren Standort oder den von White, ausfindig zumachen. Sie hatten ihm Meldung über Cathys kleinen Unfall gemacht, wussten aber nicht, ob diese Nachricht an Steve weitergegeben worden war. Was Steve betraf, hatten sie bisher keinerlei Informationen erhalten, wie es ihm ging.
Anfangs, nachdem sie Cathy die Anlage gezeigt und erklärt hatten, hatte diese jeden Tag nachgefragt, ob es eine Nachricht von ihrem Vater gab. Nach einiger Zeit gab sie es auf und fand sich damit ab, dass sie wohl nichts von ihm hören würde.

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BeitragThema: Re: Ungewisse Zukunft - Eine H50 FanFiction (fertiggestellt)   Mo Aug 05, 2013 8:31 am

Durch unglückliche Umstände, sehr unglückliche ist unser Urlaub ins Wasser gefallen. schimpfen
Daher gibt es das neue Kapitel dann doch schon heute.
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Kapitel 26

Auch wenn kaum ein Zweifel blieb, dass es sich bei der gefundenen Leiche auf Kaua'i um Steve handelte, so warteten Danny und Chin mehr als ungeduldig auf das Ergebnis der Gerichtsmedizin.
Max hatte sofort alles andere liegen lassen und sich an die Obduktion begeben.
Einfach war es nicht. Der genaue Todeszeitpunkt ließ sich nur sehr schwer feststellen. Die Leiche hatte einfach zu lange im Puu Ka Pele Reservat gelegen und etliche Insekten und Tiere hatten sich daran bedient. Das Einzige, was wirklich feststand war, dass der Fundort auch der Tatort war und das die Leiche einen Hinterkopfschuss aufwies, der zum Tode geführt hatte.
Allerdings interessierte dies Danny, Chin, Kono und auch Joe nur am Rande.
Überhaupt war Joe neben den anderen am meisten betroffen. Es verging kaum eine Minute, in der er sich keine Vorwürfe machte. Er fühlte sich schuldig am Tod von Steve. Immer wieder sagte er sich, dass er Steve die Wahrheit hätte sagen müssen. Die Wahrheit, die außer ihm nur noch drei Personen kannten. Eine davon war John McGarrett gewesen. Die anderen beiden waren untergetaucht. Mussten in Sicherheit gebracht werden, wollte man nicht riskieren, dass auch sie den Tod fanden.
John McGarrett wurde erschossen, weil er das Geheimnis um Shelburne kannte und es nicht verraten hatte. Steve hatte sterben müssen, weil er nichts wusste. Er war für Wo Fat wertlos geworden, nachdem dieser erkannt haben musste, dass er aus John McGarretts Sohn nichts heraus bekommen würde.
Wäre es anders ausgegangen, wenn Steve gewusst hätte, warum sein Vater wollte, dass er den Werkzeugkoffer fand? Hätte er Steves Tod verhindern können, wenn er sein Versprechen gebrochen, und ihm alles erzählt hätte? Darauf fand er keine Antwort, aber er war sich sicher, dass Steve sich niemals in die Falle hätte locken lassen, wenn er einige Dinge gewusst hätte. Er hätte Laura Hills nicht aufsuchen müssen, um mehr zu erfahren. Steve wäre weitaus vorsichtiger gewesen, weil er sich der wirklichen Gefahr, die von Wo Fat ausging, bewusst gewesen wäre.
Und noch etwas beschäftigte Joe.
Wie sollte er Steves Tochter diese Nachricht überbringen? Er kannte sie nicht einmal. Hatte sie nur an diesem einen Abend gesehen, als er sie zusammen mit Steve nach Hickam gebracht hatte. Er hatte keine Ahnung, wie sie reagieren würde. Er erinnerte sich an den Brief, den Steve ihm gegeben hatte, für den Fall das ihm etwas zustoßen sollte. In diesem Brief sagte Steve, was mit Cathy geschehen sollte, wenn er nicht mehr für sie da sein konnte.
Sollte er eine Nachricht an das Team schicken und sie zurück beordern oder sollte er nach Deutschland fliegen und ihr die Nachricht dort überbringen?
Das alles beschäftigte ihn und machte ihn ruhelos. Jede freie Minute verbrachte er im Hauptquartier, um dort auf die Nachricht von Doktor Bergman zu warten.

Um absolute Gewissheit zu haben, dass es sich bei der Leiche um Steve McGarrett handelte, hatte Max einen DNA Test durchgeführt. Allerdings mussten sie auf dieses Ergebnis fast zwei Tage warten.
So saßen sie wieder einmal alle zusammen in der Halle. Ihre Handys lagen auf dem Tisch und jeder starrte darauf in der Hoffnung, dass es endlich klingelte.
Als dann endlich Dannys IPhone Alarm schlug, zuckten zunächst alle zusammen.
Fast schon ängstlich hafteten ihre Blicke auf dem Gerät. Als Danny schließlich sein Handy in die Hand nahm und sich meldete, hielt Kono den Atem an. Joe saß mit den Händen vor dem Gesicht da und Chin wandte seine Augen nicht von Danny.
Zunächst blieb Dannys Mine ausdruckslos, dann schaltete er den Lautsprecher an und forderte Max auf: „Bitte wiederholen Sie das Max!“
„Bei der Leiche handelt es sich nicht um Commander McGarrett,“ hörten sie dann die Stimme von Doktor Bergman.
„Max, das nächste Mal, wenn wir uns sehen, werde ich sie umarmen“, warnte Danny dann den Gerichtsmediziner und beendete das Gespräch.
Für einen Augenblick blieben sie noch auf ihren Stühlen sitzen, doch dann standen sie auf und fielen sich in die Arme. Die Anspannung fiel von ihnen ab und Erleichterung schaffte sich Platz, als sie in ein gemeinsames Lachen verfielen.
Für einige Minuten vergaßen sie alles, bis Kono schließlich wieder zur Tagesordnung zurückging.
„Aber wer ist der Tote? Er hatte die gleichen Tattoos wie Steve.“
„Ja und auch alles andere scheint zu stimmen. Er trug sogar die gleiche Kleidung und hatte Steves Ausweispapiere bei sich.“ Pflichtete Chin bei.
„Ein perfekter Doppelgänger.“ Stellte Joe sachlich fest. Diese Aussage brachte ihm die volle Aufmerksamkeit von Danny, Chin und Kono ein.
„Aber warum?“ Wollte Kono wissen.
„Damit hat Wo Fat von seinem eigentlichen Plan abgelenkt. Er wollte uns glauben lassen, dass Steve zur anderen Seite übergelaufen sei oder er ihn umgedreht hat. Er muss Steve irgendwo festhalten und wir sollten jetzt schnellstens heraus finden wo.“ Joe war sich sicher, dass Wo Fat nur ein Ziel verfolgte. Nämlich heraus zufinden, wo er Shelburne fand. Sobald er sich sicher sein konnte, dass Steve ihm dabei keine Hilfe war, würde er sich dessen entledigen.
Allerdings konnte Danny Joes Ausführungen nicht ganz folgen oder er spürte, dass Joe ihnen etwas verheimlichte. „Moment. Welchen Nutzen hätte Wo Fat, wenn er Steve irgendwo festhält? Ich meine er muss doch einen Plan verfolgen, weshalb er McGarrett in seine Gewalt gebracht hat. Wenn Steve für ihn eine Gefahr bedeutet, warum hat er ihn dann nicht umgebracht, wie Laura Hills und die Gouverneurin? Das ergibt doch keinen Sinn.“
„Doch tut es.“
„Welchen?“ Auch Chin wollte jetzt eine Antwort, die sie weiterbrachte, denn auch er bekam langsam das Gefühl, dass Joe mehr wusste, als er sie bisher hatte wissen lassen. Doch Joe schwieg sich weiter aus.
„Tut mir leid. Aber das kann ich ihnen nicht sagen. Das ist einzig und allein die Aufgabe von Steve.“

Langsam kam Steve zu sich.
Um ihn herum war alles dunkel. Aber man hatte ihn nicht gefesselt. Er konnte seine Hände, Arme und auch Beine bewegen.
Er hatte keine Ahnung, wo er sich befand. Er hatte nur gespürt, wie man ihn von der Yacht herunter geschafft und an einen anderen Ort gebracht hatte. Er hatte sich dann in einem Haus, einer Lagerhalle oder sonst wo befunden. Auf jeden Fall hatte seine Unterkunft nicht mehr geschwankt. Er wusste nicht, wie lange er dort gewesen war. Denn immer wieder hatte man ihn mit Spritzen ruhiggestellt. Dann hatte man ihn hier hergebracht.
Er versuchte, sich zu konzentrieren, seine Augen sich an die Dunkelheit zu gewöhnen. Lauschte den Geräuschen, die gedämpft an sein Ohr drangen. Er vernahm Stimmen. Männliche Stimmen in einer anderen Sprache. Aber er hörte noch etwas anderes. Das leise Dröhnen von Motoren und …,dass Rauschen von Wasser.
Nein es war kein Rauschen. Es hörte sich an, als würde eine große Menge Wasser verdrängt.
Er musste sich auf einem Schiff befinden. Vermutlich ein Frachtschiff. Er konnte sich nicht vorstellen, dass Wo Fat ihn auf einem Passagierschiff gefangen hielt. Dort wäre die Gefahr einer Entdeckung zu groß gewesen.
Er versuchte, sich aufzurichten. Nach zwei vergeblichen Versuchen, schaffte er es schließlich auf die Füße zukommen. Noch immer etwas benommen, blickte er sich um. Inzwischen hatten sich seine Augen an die Dunkelheit gewöhnt und er konnte die Umrisse seines Gefängnisses ausmachen.
Zwar litt er noch immer an den Folgen der Isolationsfolter durch Wo Fat und auch die Drogen, die ihm gespritzt worden waren, taten in geringer Weise ihre Wirkung aber er zwang sich, ruhig und klar zu denken.
Irgendwelche Gegenstände, wie einen Tisch, einen Stuhl, ein Bett oder eine Toilette konnte er nicht ausmachen. Der Raum war vollkommen kahl. Die Hitze, die ihm die Schweißperlen auf die Stirn trieb, ließ ihn jedoch zu dem Schluss kommen, dass sich sein Gefängnis ganz unten im Rumpf des Schiffes befinden musste, und zwar in unmittelbarer Nähe des Maschinenraumes.
Um sich abzulenken und auch langsam wieder einen klaren Gedanken fassen zu können, begann er den Raum abzuschreiten. Zuerst durchquerte er von einer Wand zur anderen den Raum. Vier Schritte zählte er dabei. Dasselbe tat er dann von der Tür aus. Diesmal waren es nur drei Schritte. Dann ging er an allen vier Wänden entlang und zählte auch dabei seine Schritte. Er streckte sich nach oben und konnte mit den Fingern die Decke ertasten.
Plötzlich hörte er Schritte, die näher kamen und schließlich genau vor der Tür verstummten. So schnell es ihm möglich war, nahm er seine vorherige Position wieder ein. Noch brauchte niemand zu wissen, dass er, wenn auch nur sehr langsam, zu seiner alten Form fand. Gerade als er sich auf den Boden niedergelassen hatte und so tat, als würde er immer noch bewusstlos sein, wurde die Tür geöffnet und Steve sah durch den schmalen Schlitz in seinen, ansonsten geschlossenen Augen, den Lichtstrahl, der von außen herein drang.
Nur kurz, dann war es wieder um ihn herum Dunkel, die Tür wurde von außen erneut verschlossen. Scheinbar wollte man sich nur vergewissern, dass er noch immer außer Gefecht gesetzt war.

Oben auf der Brücke stand Wo Fat zusammen mit dem Kapitän des Frachters, der unter japanischer Flagge fuhr.
Bisher war er mit sich zufrieden.
Steves Doppelgänger, der mit richtigem Namen Arthur Grey hieß, hatte für die perfekte Verwirrung gesorgt. Er hatte viel Geld und Zeit investiert, um aus Grey McGarrett zu machen. Als es endlich soweit war, hatte er ihm beigebracht, wie man mit einer Waffe umgeht. Genau zielt und schließlich auch trifft.
Aus verlässlicher Quelle wusste er, dass, das HPD noch immer nach McGarrett suchte, weil man glaubte, Steve hätte die Seiten gewechselt. Die Polizei und der neue Gouverneur glaubten, dass es ein Ablenkungsmanöver von McGarrett selbst gewesen sei und er eine Doppelrolle spielte. Über soviel Unwissenheit, ja schon Dummheit, konnte er nur lachen. Aber es sollte ihm auch recht sein. So konnte er sich unauffällig absetzen. Auf Hawaii hatte er nicht länger bleiben können. Zumindest nicht so lange sich McGarrett in seiner Gewalt befand. Und diesen brauchte er noch. Er war der Schlüssel zu Shelburne. Den Mörder seines Vaters. Er würde ihn finden. Er musste ihn finden. Das war er seinem Vater, der Familienehre, schuldig. Leider musste er sich eingestehen, dass man McGarrett mit Isolationsfolter nicht beikommen konnte. Mal sehen, wie lange er standhielt, wenn er all die Schmerzen, die er ihm zufügen würde, bei vollem Bewusstsein erlebte.
Bis jetzt hatte Wo Fat sein Ziel immer erreicht, noch jeden Mann gebrochen, wenn er es wollte. Er würde es auch bei Steve McGarrett schaffen, dessen war er sich sicher.
Ein Mitglied der Schiffsbesatzung trat zu ihnen auf die Brücke und erstatte ergeben Bericht.
„Der Gefangene ist noch ohne Bewusstsein.“
Wo Fat nickte kaum vernehmbar. „Sobald er wach ist, will ich es wissen.“
Ohne ein weiteres Wort verlies der Mann die Brücke wieder.
Wo Fat hatte bestimmt, dass alle zwei Stunden nach Steve geschaut werden sollte. Sobald dieser aus der Bewusstlosigkeit erwachte, würde er ihn sich vornehmen.
Eigentlich hatte er auch alles anders geplant. Nachdem er Grey beiseitegeschafft hatte und Steve weiterhin verschwunden blieb, war er davon ausgegangen, dass man seine Tochter zurück auf die Insel brachte. Hier wäre es ihm möglich gewesen an die Kleine heran zukommen und sie als Druckmittel einzusetzen. Er war sich sicher gewesen, das McGarrett ihm alles erzählt hätte, nur um das Leben seiner Tochter zuschützen. Aber es war anders gekommen. Von der Kleinen fehlte jede Spur. Niemand schien zu wissen, wo diese sich aufhielt. An Commander White war nicht heran zukommen. Der Kerl war einfach zu vorsichtig.

Auch wenn ihnen die Antwort von Joe nicht gefiel, sie mussten jetzt mit voller Konzentration an den Fall herangehen.
Danny hatte Max noch einmal angerufen und ihn angewiesen, sich den Toten genau vorzunehmen.
Nachdem feststand, dass es sich nicht um Steve handelte, musste herausgefunden werden, wer ihr John Doe wirklich war.
Für Max bedeutete dies Überstunden, denn es würde unter Umständen Tage dauern, die wahre Identität des Unbekannten herauszufinden.

Für sie war damit die Unschuld ihres Freundes bewiesen.
Nicht so für den Gouverneur.
Für ihn bestand die Wahrscheinlichkeit das dieser Doppelgänger, von dem man bis jetzt nicht die wahre Identität kannte, nur ein Vertuschungsversuch war. Auch war nicht bewiesen, das es sich bei dem Mann, der am Überfall des Waffenlagers beteiligt war, nicht um Steve McGarrett handelte.
Denning machte keinen Hehl daraus, dass er die Möglichkeit als gegeben sah, dass Steve ein doppeltes Spiel gespielt hatte.
Er ging sogar so weit, dass er der festen Überzeugung war, dass auch das Fortschaffen von Cathy zu Steves Plan gehört hatte und deshalb niemand wusste, wo er seine Tochter hatte hinbringen lassen.
Der Gouverneur entzog ihnen schließlich den Fall und beauftragte das HPD mit den weiteren Ermittlungen.
Danny, Chin und Kono waren sich jedoch sicher, das Steve niemals freiwillig mit Wo Fat zusammen gearbeitet hätte.
Sie waren fest davon überzeugt, dass Wo Fat einen perfiden Plan geschmiedet und diesen ausführte, indem er den perfekten Doppelgänger von McGarrett erschaffen lassen hatte. Mehrere Gesichtsoperationen mussten dazu nötig gewesen sein.
So blieb ihnen nur ihre Freizeit, in der sie weiter jeder noch so kleinen Spur nachgingen.
Sie hatten alle Kontaktmänner auf der Insel eingeschaltet. Von Kamekona bis zu Kawika.
Auf Joe mussten sie weitgehend verzichten. Er hatte immer noch seinen Job bei der Navy als Ausbilder.

Er wusste nicht, wie lange er schon hier unten war, aber seit die Tür aufgegangen und wieder geschlossen wurde, musste ungefähr eine Stunde vergangen sein. Sofern ihn sein Zeitgefühl keinen Streich spielte und sich bereits komplett verabschiedet hatte.
Nachdem er wieder allein gewesen war, hatte er sich noch einen Moment Ruhe gegönnt. Hatte versucht seine Gedanken zusammeln und sich an alles zu erinnern.
Wie lange befand er sich schon in den Fängen von Wo Fat? Waren es Tage? Nein es musste länger sein. Wochen? Oder gar Monate? Wo Fat hatte versucht ihn durch die Isolationshaft zubrechen. Aber es war ihm nicht gelungen. Wie oft hatte er in seiner aktiven Zeit die sogenannte Höllenwoche während der SEAL Ausbildung verflucht. Sie hatte ihm alles ab verlangt. Aber letztlich hatte sie ihn wohl vor dem Wahnsinn bewahrt. Das stundenlange ausharren im eiskalten Wasser, Kilometerlanges laufen auf Händen und Füßen, Schlafentzug und der gesamte militärische Drill hatten ihn in dieser Situation bisher am Leben gehalten. Und er hatte nicht vor, daran etwas zuändern. Steve musste alles daran setzen hier heraus zukommen. Es war das erste Mal, dass man ihn nicht gefesselt hatte und diese Chance würde er nutzen. Musste er wahrnehmen. Also zwang er sich wieder auf die Beine zukommen.
Seine Kehle war trocken. Sie brannte förmlich und er hätte sonst was für einen Schluck Wasser gegeben. Er zwang sich an etwas anderes zudenken. Cathy schob sich vor seine Augen. Ihr unbeschwertes Lachen, ließ ihn still lächeln. Ja für seine Kleine musste er weiterleben. Wo sie jetzt wohl sein mochte? Ging es ihr gut? Vermisste sie ihn, so wie er sich wünschte sie wäre bei ihm? Er wusste mehr denn je, dass es richtig gewesen war, sie von der Insel zuschaffen, aber er wollte sie wiederhaben. Wollte sie wieder in seine Arme schließen. Weiter an ihrem Leben teilhaben. Er würde alles dafür tun und so begann er langsam auf der Stelle zulaufen. Er zählte still die Sekunden mit. Als er bei dreißig Minuten angekommen war, legte er sich auf den Boden und machte Liegestützen.
Immer zwanzig Mal, bevor er sich eine Minute Pause gönnte. Dabei atmete er gleichmäßig ein und aus. Gerade als er wieder eine Pause einlegte, vernahm er Schritte unmittelbar vor der Tür. Schnell kam er auf die Beine. Er hatte sich gemerkt, dass die Tür nach außen aufging und auch, dass sie zur linken Seite schwang. Also stellte er sich an die rechte Seite, so würde er nicht sofort zusehen sein und konnte den Überraschungsmoment für sich nutzen.
In der ersten Sekunde, nachdem die Tür geöffnet worden war, passierte nichts dann steckte der Mann, der zuvor schon nach ihm gesehen hatte, den Kopf weiter vor, um besser sehen zu können.
Blitzschnell griff Steve zu und zog den Mann, der wesentlich kleiner war als er selbst, in den Raum.
Dieser war völlig überrascht von der Attacke und brauchte zwei Sekunden, um die Situation zu erfassen aber Steve hatte seinen Griff in dieser kurzen Zeitspanne so verstärkt, dass der andere kaum eine Chance hatte, obwohl er versuchte sich zuwehren. Steve drückte noch fester zu und drehte dabei das Genick des anderen. Er spürte und hörte, wie es knackte. Er hatte dem Mann das Genick gebrochen. Langsam ließ er ihn zu Boden gleiten und zog ihn dann noch weiter in den Raum hinein. Er schaute nach, ob der Kerl eine Waffe bei sich trug doch er fand keine. Also musste er sich unbewaffnet auf den Weg nach draußen machen. Vorsichtig schaute er sich nach rechts und links um. Von links vernahm er laute Maschinengeräusche, also schlug er den Weg in die andere Richtung ein. Nach etwa zehn Metern kam er zu einer steilen Treppe. Ein kurzer Blick nach oben und er riskierte es die Stufen hoch zuklettern. Oben angekommen schaute er sich wieder zuerst nach allen Seiten um, bevor er endgültig die letzten zwei Stufen nahm. Er befand sich unterhalb der Brücke und somit am Heck des Frachters. Kurz überlegte er nach oben auf die Brücke zugehen, entschied sich dann aber dagegen. Schließlich wusste er nicht, was oder wer ihn dort erwartete.  Unbewaffnet und allein hatte er keine Chance die komplette Schiffsbesatzung auszuschalten. Also blieb ihm eigentlich nur ein Weg. Nämlich runter von diesem Schiff aber hier am Heck war dies unmöglich. Er würde unweigerlich in die Schiffschrauben geraten, also musste er entweder die Backbord (links) oder Steuerbordseite (rechts) erreichen und von dort aus den Sprung ins Wasser wagen.
Steve lauschte nach oben, doch von dort war nichts zuvernehmen. Vorsichtig aber doch schnell bewegte er sich vorwärts um dann, ohne lange zu überlegen, nach Steuerbord zugehen. Er riskierte einen Blick zurück und nach oben zur Brücke. Der Kapitän schaute nach vorn, noch hatte man ihn scheinbar nicht entdeckt, bevor dies geschah, musste er ohne Zögern springen. Mit einem Schwung stand er auf der Bordwand, schaute für den Bruchteil einer Sekunde nach unten, es war verdammt hoch aber Gott sei Dank hatte der Frachter keine volle Fahrt aufgenommen, er streckte sich nach vorn und mit einem Kopfsprung tauchte Steve ins Wasser.

Wie so oft saßen sie bei Kamekona am Strand an seinem neu eröffneten Shrimpstruck.
Der Dicke, wie sie ihn liebevoll nannten, hatte wirklich Ernst gemacht.
Chin und Kono verschlangen mit Hingabe Kamekonas neuste Kreation. Frittierte Shrimps mit einer geheimen Würzmischung. Danny hatte bis heute nicht herausgefunden, was alles dort drin war und verzichtete lieber.
Er begnügte sich mit einem Bier.
Sie saßen bereits eine halbe Stunde zusammen, als auch Joe zu ihnen stieß.
Kamekona kam sofort herbei und war bereit Joes Bestellung entgegen zunehmen.
Doch bevor Joe sich entschied, langte er über den Tisch und probierte bei Chin. Gespannt wurde er dabei von dem Dicken beobachtet. Als Joe nickte, legte sich ein zufriedenes Lächeln auf sein Gesicht.
„Ich bekomm das Gleiche. Nur mit ein wenig mehr Schärfe,“ entschied Joe schließlich. „Und dazu ein Bier.“
Kamekona nickte zufrieden und begab sich wieder zurück in seinen Shrimpstruck.
Nach einer Zeit kam Kamekona zurück. Er stellte einen gut gefüllten Teller und eine Flasche Bier vor Joe auf dem Tisch ab und setzte sich dann dazu.
„Gibt es was neues? Ich meine, habt ihr eine Spur zu Steve?“ Wollte Kamekona dann auch gleich wissen. Auch ihn plagte die Ungewissheit, was mit McGarrett geschehen war. Steve war ein guter Kumpel. Auf ihn konnte man sich verlassen. Er selbst hielt seit Wochen Ohren und Augen auf.
Danny schüttelte resigniert den Kopf. „Nein. Er ist und bleibt, wie vom Erdboden verschluckt.“
Dann sah er zu Joe, der genüsslich seine Shrimps verspeiste und dazwischen einen Schluck aus der Bierflasche nahm.
„Joe – Ich glaube es wäre nicht verkehrt, wenn Cathy informiert werden würde. Ich würde ihr die Nachricht, dass Steve vermisst wird, allerdings gerne selbst übermitteln.“
Doch Joe schüttelte sofort den Kopf. Er konnte und wollte nicht riskieren das auch nur eine Person zu viel erfuhr, wo sich Steves Tochter aufhielt. Bisher waren sie und die SEALs unentdeckt geblieben. Das sollte auch in Zukunft so bleiben.
„Nein ich halte das für keine gute Idee. Außerdem werde ich niemandem sagen, wo man Steves Tochter hingebracht hat. Dort wo sie ist, ist sie sicher und das soll auch so bleiben. Sollte Steve wirklich nicht mehr auftauchen, werde ich derjenige sein, der es seiner Tochter mitteilt. Das bin ich ihm schuldig. Aber ich glaube immer noch, dass Steve wieder auftaucht.“

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BeitragThema: Re: Ungewisse Zukunft - Eine H50 FanFiction (fertiggestellt)   So Aug 11, 2013 10:14 pm

Kapitel 27


Oben auf der Brücke wurde Wo Fat langsam unruhig. Er duldete es nicht, das man ihn warten ließ und der Matrose, der für McGarrett zuständig war, hatte sich bisher noch nicht bei ihm gemeldet.
Wo Fat nahm das Bordfunkgerät in die Hand und wies einen anderen Matrosen an, nach zusehen, was los sei.
Einige Minuten später teilte man ihm mit, das man den Matrosen mit gebrochenem Genick gefunden hätte und von McGarrett jede Spur fehlte.
Sofort versetzte Wo Fat die gesamte Schiffsbesatzung in Alarmbereitschaft und ließ den gesamten Frachter absuchen. McGarrett musste schließlich irgendwo zufinden sein.
Als man ihn allerdings nach über einer Stunde immer noch nicht gefunden hatte, konnte dies nur eins bedeuten: Er musste von Bord gesprungen sein.
Wo Fat stand an der Bordwand und schaute mit kaltem, Angst einflößenden Blick auf das Meer hinaus dann schlug er voller Wut mit der flachen Hand oben auf die Reling.
Wieder einmal musste er eine Niederlage gegen McGarrett einstecken. Aber irgendwann würde er ihn wieder in die Finger bekommen. Dessen war er sich ganz sicher.

Nachdem er, so lange er konnte, unter Wasser geblieben war, tauchte er schließlich auf. Sofort sah Steve sich nach hinten um. Der Frachter war etwa 100 Meter hinter ihm und entfernte sich weiter.
Unter normalen Umständen und mit Training hätte er locker auch 150 Meter geschafft, so aber musste er jetzt zusehen, dass er so schnell wie möglich einen weitaus größeren Abstand zwischen sich und den Frachter brachte. Und so begann er zuschwimmen. Nicht zu schnell aber zügig und gleichmäßig.
Er konnte nur schätzen, in welcher Richtung Land lag und er hoffte, dass seine Sinne ihn nicht im Stich ließen und er sich irrte.
Während seiner Zeit bei den SEALs war er in der Lage eine Strecke von 40 Kilometern schwimmend zurück zulegen. Aber damals war er in ständigem Training gewesen. Das fehlte ihm jedoch seit mehreren Wochen, wenn nicht gar Monaten. Er konnte also nur darauf hoffen, dass ihn irgendwann ein Boot oder anderes Schiff entdeckte und aufnahm.
Zwischendurch legte er immer wieder kleinere Pausen ein, in denen er auf der Stelle im Wasser trat.
Von dem Frachter war schon lange nichts mehr zusehen. Aber inzwischen mussten sie den toten Matrosen gefunden und entdeckt haben, dass er sich nicht mehr an Bord befand. Umdrehen würden sie aber eher nicht. Hier auf dem offenen Meer war es nicht leicht einen Menschen, der im Wasser trieb, zufinden. Es wäre vergeudete Zeit gewesen. Das wusste Steve und daher war er sich sicher, dass er ihnen entkommen war. Nun musste er nur noch irgendwie an Land gelangen. Er hoffte nur, dass ihm hier draußen keine Haie begegneten. Auf diese Bekanntschaft konnte er gut und gerne verzichten.

Er musste schon etliche Kilometer zurückgelegt haben, als er feststellte, dass seine Kräfte immer mehr nachließen. Lange würde er nicht mehr durchhalten. Immer wieder beobachtete er den Stand der Sonne. Inzwischen stand sie schon tiefer am Himmel, was bedeutete, dass sie in etwa zwei Stunden unterging. Hatte er bis dahin kein Land erreicht und war auch nicht von einem Boot aufgenommen, sanken seinen Chancen gegen Null, die Nacht hier draußen auf dem offenen Meer zu überleben.

Kamekona saß vor seinem Shrimps Imbiss. Eine große Schüssel mit Shrimps vor sich auf dem Tisch stehend. Er war dabei die kleinen Meeresfrüchte aus ihrer Schale zupulen.
Er hätte genauso gut auch schon fertig vorbereitete kaufen können, aber das deckte sich nicht mit seiner Geschäftsphilosophie. Er legte großen Wert darauf, dass seine Ware so frisch wie möglich über die Theke ging. Also machte er sich jeden Morgen auf den Weg zum Fischereihafen am Nimitz Highway. Dort kaufte er immer bei den beiden Brüdern Ikaika und Kelii direkt an ihrem Boot.
Die beiden führten die Fischerei nun schon in der dritten Generation fort. Die Brüder waren noch sehr jung und hatten das Boot erst vor Kurzem von ihrem Vater übernommen.
Er liebte es mit ihnen um den Preis zu feilschen und oft verplauderten sie sich und Kamekona musste sich dann spurten, um seinen Shrimps Imbiss pünktlich zu öffnen.
Als er heute Morgen bei ihnen am Boot gestanden hatte, war ihm sofort aufgefallen, dass ihr Fang viel geringer ausgefallen war als sonst und sie hatten auch nicht mit ihm um den Preis gefeilscht, wie es sonst ihre Gewohnheit war. Natürlich hatte ihn das gewundert.
„Was ist los mit euch? Haben die anderen Fischer euch den besten Fang vor der Nase weg geschnappt?“
Zunächst wollten sie nicht so recht mit der Sprache heraus, aber dann verplapperte sich der jüngere Ikaika. „Wir waren schon drei Meilen weit draußen, als wir wieder umkehren mussten.“
Kamekona nickte nur als hätte er verstanden. „Was mit dem Motor?“
„Nein. Wir sind auf einen Haole gestoßen, der draußen im Meer schwamm. Nachdem wir ihn aus dem Wasser gefischt hatten, wollten wir die Küstenwache verständigen. Aber der Kerl wollte das nicht. Erst wollten wir ihn dann mit raus nehmen und heute Morgen dann ins Krankenhaus bringen, aber dagegen hat er sich auch gewehrt. Wir sollten ihn nur irgendwo an Land absetzen.“
Kamekona kratze sich bei Ikaikas Erzählung nachdenklich am Hinterkopf. „Hm. Merkwürdige Sache. Was hat der so weit draußen gemacht?“
„Keine Ahnung,“ zuckte Ikaika mit den Schultern. „Da war weit und breit nichts von einem Boot oder Schiff zusehen. Jedenfalls war der ganz schön am Ende seiner Kräfte. Wer weiß, wie lange der schon im Wasser getrieben hat, denn schon kurz darauf ist er einfach in sich zusammengesunken.
Schließlich haben wir ihn zu Tutu (Großmutter) nach Waianae gebracht.“
Bald darauf hatte er sich dann mit seiner Ware auf den Weg gemacht.
Jetzt saß er hier, pulte die Shrimps, ohne dabei hinzusehen und schaute gedankenversunken auf den Strand. Irgendwie ging ihm die Geschichte nicht aus dem Kopf.
Was machte jemand so weit draußen, ohne ein Boot, auf dem Meer? Manche Touristen oder auch Haoles überschätzten sich schon mal schnell und schwammen dann zu weit raus und kamen dadurch in arge Bedrängnis. Aber drei Meilen vor der Küste? Das war schon sehr ungewöhnlich und kaum denkbar. Um so weit rauszuschwimmen, musste man ein verdammt guter Schwimmer sein.
Egal wie dem auch sei, er musste jetzt in seinen Truck um die Shrimps fertig zumachen. Bald schon würden die ersten hungrigen Gäste davor stehen. Doch trotz das die Kundschaft teilweise Schlange bei ihm stand, ging ihm der Fremde nicht aus dem Kopf.
Am nächsten Morgen erkundigte er sich dann auch gleich nach ihm.
„Ist der Haole immer noch bei eurer Tutu?“
„Ja“, antwortete Kelii, als er die Kiste mit den Shrimps auf die Ladefläche von Kamekonas Lieferwagen stellte.
„Und wie geht es ihm?“
„Hm, das ist komisch mit dem. Er faselt ständig das niemand wissen darf, wo er ist. Man der Typ scheint ziemlich fertig zu sein.“
Sie gingen zurück an den Pier, wo das Fischerboot der beiden Brüder lag.
Kamekona kratzte sich nachdenklich am Kinn. „Sagt mal, wie sieht der Haole aus?“
„Na wie soll der schon aussehen? Eben wie ein Haole,“ für Kelii sahen alle die nicht hawaiianisch waren gleich aus.
„Ich meine, hat er irgendwelche besonderen Merkmale? Irgendwas Spezielles?“
„Nein eigentlich nicht,“ doch Ikaika schien zu überlegen. „Doch warte mal. Ich hab an beiden Armen jeweils ein ziemlich großes Tattoo gesehen. Irgend so was Buntes.“
Eigentlich hätte man den Stein fallen hören müssen, der Kamekona in diesem Moment vom Herzen fiel. Aber noch ließ er sich nichts anmerken, sondern blieb gelassen, als er jetzt doch leicht mit dem Kopf nickte.
„Hättet ihr was dagegen, wenn ich mir den Haole mal anschaue?“
Kelii und Ikaika sahen sich zunächst etwas überrascht an. Sie wussten nicht, ob das dem „Gast“ ihrer Tante recht war. Kamekona, dem ihr Zögern natürlich nicht entging, versuchte sie zu beruhigen. „Hey Jungs. Ihr könnt ganz beruhigt sein. Es könnte sein, dass ich den Mann kenne und ich glaube, dass er sehr froh sein wird, ein vertrautes Gesicht zu sehen.“
Nach kurzem Zögern willigten sie schließlich ein.
„In Ordnung. Aber wir kommen mit. Tutu macht nämlich keinem Fremden die Tür auf.“

Nachdem Kamekona seine Ware zunächst am Imbissstand abgeliefert hatte, folgte er den beiden Brüdern. Zuvor hatte er seinen Cousin angerufen. Dieser musste ihn vorerst im Shrimpstruck vertreten und das Geschäft alleine betreiben.
Er folgte den beiden Brüdern, die mit ihrem alten roten Ford Pick up vorausfuhren, in seinem weißen Lieferwagen. Zum Haus der Großmutter mussten sie immerhin eine Strecke von etwas mehr als 30 Meilen zurücklegen. Als sie schließlich in die kleine Straße einbogen, sah man links und rechts kleine einfache Häuser. Manche hatten wohl auch schon bessere Zeiten erlebt. Hier im Piliuka Place am Fuße des Waianae Valley hatten die Menschen ihr Auskommen, aber sie waren nicht reich.
Der Pick up von Kelii und Ikaika hielt schließlich ganz am Ende der Straße vor einem recht kleinen Haus, das fast an Onkel Toms Hütte erinnerte. Es war auf Pfählen gebaut und es fehlten etliche Holzleisten, die zur Verkleidung des Unterbaus dienten. Eine Treppe führte nach oben zur Haustür, dessen Geländer ein wenig wackelig und windschief wirkte.
Ikaika ging voraus. Kamekona folgte ihm und Kelii bildete den Abschluss der kleinen Prozession, die nun die Treppe herauf ging.
Das Innere des Hauses erweckte den gleichen Eindruck wie das äußere. Alles war sauber, aber die Einrichtung eben alt und bestand aus dem Notwendigen. Einziger Luxus war der Schaukelstuhl, in dem die Großmutter der beiden Brüder saß und strickte.
Sie war schon eine betagte alte Dame von 73 Jahren. Ihr faltiges Gesicht zeigte die Spuren des Lebens. Ihre ehemals schwarzen Haare, durchzogen von feinen silbrigen Strähnen. Ihre dunkle Haut vom Wetter gegerbt aber die dunkeln sanften Augen noch sehr lebendig. Als sie ihre Enkel erblickte, legte sich sofort ein Lächeln um ihren faltigen Mund, verfinsterten sich aber sogleich wieder, als sie die massige Gestalt von Kamekona erblickte.
„Warum bringt ihr mir einen Fremden ins Haus“, fragte sie streng und ließ dabei ihr Strickzeug auf den Schoß sinken.
Kelii und Ikaika gingen zu ihr, beugten sich herab und küssten die alte Dame auf die Wange.
„Tutu, das ist kein Fremder. Er ist einer von uns. Kamekona kommt jeden Morgen zu uns ans Boot und kauft dort seinen Tagesvorrat an Shrimps“, beschwichtigte Ikaika seine Großmutter. Diese schob jetzt ihren Enkel auf Seite, damit sie Kamekona besser in Augenschein nehmen konnte.
„Scheint als wäre dies ein ziemlich großer Tagesvorrat und alles für ihn.“ Sie zeigte dabei mit den Stricknadeln, die sie in der rechten Hand hielt, auf den fremden Gast in ihrem Haus.
Kamekona schritt auf die alte Dame zu. Die morschen Dielenbretter knarrten bedrohlich unter seinem Gewicht. Als er vor ihr stehen blieb, beugte er sich hinunter und streckte ihr seine Hand entgegen. „Es ist mir eine Ehre und ich freue mich, ihr Gast zu sein.“
„Wenn sie ein Freund meiner Enkel sind, sind sie mir willkommen. Ich hoffe nur sie haben keinen Hunger. Soviel habe ich nämlich nicht im Haus.“
Kamekona kam aus seiner gebückten Haltung wieder hoch und lächelte verhalten.
„Tutu, Kamekona möchte gerne mit dem Haole reden. Er glaubt, ihn zu kennen.“
Ihre Augen blickten ihn ernst an dann nickte sie nur ganz leicht, bevor sie ihr Strickzeug auf den kleinen Tisch neben ihrem Schaukelstuhl ablegte. „Ich komme lieber mit. Aber das sag ich ihnen: Wehe sie regen den armen Mann auf. Er muss sehr viel durchgemacht haben, so wie er sich im Schlaf hin und her wälzt und ständig redet er ganz unverständliches Zeugs.“
Langsam erhob sie sich. Kelii kam ihr dabei zu Hilfe, in dem er ihr seinen Arm reichte und sie sich mit der Hand darauf abstütze. Dann stand sie und etwas nach vorn gebeugt ging sie ihren Enkeln und Kamekona voran.
Das Haus war nicht sehr groß. Außer dem vorderen Raum, der zugleich Wohnzimmer und Küche beherbergte, gab es abgesehen von dem Bad nur noch einen, das Schlafzimmer.
Leise öffnete sie die Tür und spähte vorsichtig hinein.
Ihr Gast lag auf dem Bett und hatte die Augen geschlossen. Sein Atem ging ruhig und gleichmäßig.
Leise ging sie zu dem Bett und berührte ihn nur ganz sanft an der Schulter um ihn nicht zuerschrecken.
Er schlug sofort die Lider auf. Tutu blickte in zwei blaue Augen. „Es ist Besuch für sie hier.“
Sofort sah sie die Panik in seinen Augen und sprach gleich darauf beruhigend auf ihn ein. „Keine Sorge. Es sind meine Enkel, die sie auch gefunden haben. Nur den anderen kenne ich nicht, aber ich versichere ihnen, dass er ihnen nichts tun wird. Sonst bekommt er es nämlich mit mir zutun.“ Ein gequältes Lächeln legte sich auf sein Gesicht.
Kamekona schob sich jetzt einfach an Kelii und Ikaika vorbei ins Zimmer. Als sein Blick auf das Bett fiel, seufzte er erleichtert auf. Er hatte sich nicht geirrt. „Steve!“
So schnell er konnte, bewegte er sich in dem kleinen Zimmer auf das Bett zu und schaute auf seinen Freund hinunter. Dieser kam jetzt langsam hoch und setzte sich, mit den Ellbogen nach hinten abstützend, in eine halb aufrechte Position. Steve musste kurz die Augen zusammenkneifen, bevor ihm leise, „Kamekona?“ über die Lippen kam. „Wie kommst du hier her? Woher weißt du, dass ich hier bin und wer weiß noch alles davon?“
„Hey Bra, langsam. Immer schön der Reihe nach,“ besänftigte der Dicke, bevor er Steve erklärte, „die beiden, die dich, wie einen Fisch, aus dem Meer geangelt haben, kenne ich schon etwas länger.
Sie haben die besten Shrimps. Aber außer mir weiß noch niemand, wo du bist oder gar, dass du noch lebst. Mann, du hast uns einen gehörigen Schock verpasst. Wenn die anderen das erfahren. Das gibt eine Wiedersehensfreude. Die feiern wir aber bei mir am Shrimps Imbiss. Das bist du mir schuldig.“
Kamekonas Redefluss war kaum zu stoppen doch schließlich hob Steve seine Hand und brachte ihn vorerst zum Schweigen. „Wieso sagst du das niemand weiß, dass ich lebe? Habt ihr etwa geglaubt, ich wäre Tod?“
Kamekona seufzte erneut und nickte. „Ja. Man hat auf Kaua'i eine männliche Leiche gefunden. Der Kerl hatte alle deine Ausweise bei sich und noch dazu die gleichen Tattoos wie du. Aber euer Max hat herausgefunden, dass es nicht du warst. Trotzdem war sich niemand sicher, ob du wirklich noch lebst.“
Schließlich richtete Steve sich vollends auf und setzte sich auf die Bettkante. Kelii, Ikaika und ihre Großmutter beobachteten ihn dabei genau. Einen Augenblick brauchte er noch, dann stand er auf. „Ich glaube ich brauche ein wenig Bewegung", sagte er dann mit einem entschuldigenden Lächeln an die alte Dame gerichtet.
„Immer schön langsam, junger Mann. Sie waren mit ihren Kräften ziemlich am Ende und haben seit gestern hier gelegen. Ich möchte nicht, dass sie mir, nach all den Mühen, die ich mit ihnen hatte, hier umkippen.“
„Keine Angst Ma' am aber ich denke ein paar Schritte schaff ich schon.“
„Na schön. Aber so kommen Sie mir nicht ins Wohnzimmer!“, entschied sie rigoros und zeigte dabei auch noch auf Steve. Dieser schaute an sich hinunter und Verlegenheit legte sich auf sein Gesicht. Außer einer Boxershorts trug er nichts.
Kelii grinste, „Sorry, aber deine Kleidung konnten wir nur noch auf den Müll werfen. Aber warte, ich hab da noch was im Auto.“ Er drehte sich herum und wenig später erschien er erneut und reichte Steve einen verwaschenen blauen Overall. „Was anderes habe ich leider nicht. Aber es wird wohl hier im Haus gehen.“
Steve nahm das Kleidungsstück entgegen und betrachtete es sich ein wenig genauer. Der Overall hatte nicht ganz seine Größe. Die beiden Hawaiianer, die ihn aus dem Wasser gezogen hatten, waren wesentlich stämmiger als er und obendrein auch noch kleiner. Trotzdem schlüpfte er in den Overall und zog ihn dann hoch. An Armen und Beinen etwas kurz geraten und nicht nur um die Hüften schlabberte das Teil aber es war besser als nichts und so gingen sie jetzt in die Wohnstube.
Nalani, wie sich Keliis und Ikaikas Großmutter inzwischen vorgestellt hatte, zeigte auf ihren Schaukelstuhl. „Bitte setzen Sie sich dort hin, junger Mann.“
„Oh nein. Das ist ihr Platz Nalani. Ich habe Ihnen schon genug Umstände gemacht. Und bitte sagen sie Steve.“
„Also gut, Steve. Aber Sie setzen sich jetzt da hinein. Schließlich müssen Sie sich noch schonen,“ beharrte Nalani weiter, aber sie machte die Rechnung ohne Steve. Dieser packte die alte Dame einfach sanft bei den Schultern und schob sie zu dem Schaukelstuhl. „Keine Widerrede. Sie haben mir schon ihr Bett überlassen. Das ist mehr als genug.“ Denn natürlich hatte Steve bemerkt, als sie vom Schlafzimmer ins Wohnzimmer gegangen waren, das es in diesem Haus nur dieses eine Schlafzimmer und somit auch Bett gab. Er wollte lieber nicht fragen, wo Nalani die letzte Nacht verbracht hatte. Vermutlich hatte sie hier in diesem Schaukelstuhl geschlafen.
Etwas widerwillig ließ sie sich dann aber doch in ihren geliebten Schaukelstuhl nieder, allerdings nicht ohne noch ein letztes Wort an Steve zurichten. „Kaum kann er sich auf den Beinen halten, schon wird er frech.“
Nach diesen Worten fielen alle in ein lautes Lachen ein. Die vier Männer nahmen an dem runden Tisch platz. Zuvor holte Ikaika noch für alle etwas zu trinken.
Er stellte eine große Karaffe auf den Tisch und dazu vier Gläser. Ein weiteres Glas füllte er mit dem Saft, der aus Guaven, Ananas, Orangen und Wasser bestand, und reichte es seiner Großmutter.
„Dann schieß mal los, wo bist du die ganze Zeit gewesen? Und was hast du überhaupt da draußen auf dem Meer gemacht?“ Wollte Kamekona schließlich wissen. Nur kurz erzählte Steve, dass er auf diesem Frachter aufwachte und dann über Bord gesprungen war. Dann wollte er mehr über die Leiche auf Kaua'i wissen, doch Kamekona wusste darüber auch nicht all zu viel. Er konnte Steve nur sagen, dass sie annahmen, dass dieser Mann, der scheinbar ein Doppelgänger von ihm gewesen war, an dem Überfall auf das Waffendepot beteiligt war und dort einen Soldaten mit seiner Waffe erschossen hatte.
„Die Polizei und der neue Gouverneur glauben, dass du das alles selber inszeniert hast,“ doch weiter kam Kamekona nicht denn er wurde von Steve unterbrochen, „Moment. Was heißt der neue Gouverneur?“
„Oh das weißt du nicht? Die Gouverneursresidenz hat sich in Rauch aufgelöst und mit ihr die Gouverneurin.“
Jetzt nickten auch Kelii und Ikaika. „Ganz Hawaii hat davon gesprochen.“
„Ja und das HPD sucht nach dir. Der neue Gouverneur hat die Jagd auf dich eröffnet. Was willst du jetzt tun?“ Wollte Kamekona dann wissen und sah seinen Freund fragend an.
„Eine gute Frage. Auf jeden Fall kann ich nicht ewig hier bleiben. Aber zurück ins Hauptquartier kann ich wohl auch nicht. Dort dürfte das halbe HPD auf mich warten.“
„Genau Bra. Eine schwierige Lage. Also was jetzt?“ Aber im nächsten Augenblick fiel Kamekona die Lösung ein. Er zog sein Handy hervor und suchte dann nach einer Nummer. Schließlich fand er sie und wählte.
„Was machst du?“ Steve geriet zwar nicht in Panik aber dennoch war er beunruhigt doch der Dicke winkte nur ab, als der angerufene sich auch schon meldete. Dann hörten sie nur wie Kamekona, „ich hab was. Kommen sie nach 85 Piliuka Place,“ sagte und auch schon wieder auflegte.
Steve schaute ihn fragend an.
„Vertrau mir Bra,“ Kamekona lehnte sich zufrieden zurück.

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BeitragThema: Re: Ungewisse Zukunft - Eine H50 FanFiction (fertiggestellt)   Do Aug 22, 2013 2:34 pm

Kapitel 28 hier: http://www.alex-o-loughlin.net/t3686-ungewisse-zukunft

Kapitel 29



Als Joe am nächsten Tag gegen frühen Abend das Five-0 Hauptquartier betrat, waren Danny, Chin und Kono noch beschäftigt.
Sie bearbeiteten gerade einen Fall in dem eine Bande bereits mehrere Einbrüche verübt hatten. Ihr Ziel waren immer Villen, in die sie nachts einbrachen, wenn die Bewohner schliefen. Um zu verhindern, dass sie von diesen überrascht wurden, setzten sie ein Betäubungsgas ein.
Als sie Joe hereinkommen hörten, wandten sie sich ihm zu.
„Hey Joe. Wie geht’s?“ Wurde er von Kono begrüßt.
„Hast du was von Steve gehört?“, war Dannys direkte Frage. Auch er wollte sich nicht damit abfinden, dass ihr Freund für immer verschollen blieb.
Für den Bruchteil einer Sekunde zögerte Joe dann verneinte er die Frage.
„Aber das Gleiche wollte ich euch fragen.“ Inzwischen hatten sie sich auf das du verständigt.
Sie standen noch ein paar Minuten zusammen am Surftable bis Joe wie beiläufig den USB-Stick, auf dem sich das Überwachungsvideo befand, erwähnte. „Kono hast du noch den USB Stick von General Brixton?“
„Klar,“ nickte die Angesprochene.
„Könnte ich mir den mal ausleihen?“
„Sicher, warte ich hole ihn,“ schon machte Kono sich auf den kurzen Weg zu ihrem Büro, aus dem sie keine zwanzig Sekunden später wieder zu den anderen trat und Joe den Stick hinhielt.
„Was willst du denn damit?“ Interessierte sich Danny.
Joe drehte in den Stick in seiner Hand. „Ich will ihn mir nur noch einmal in Ruhe ansehen. Vielleicht haben wir ja doch irgendetwas übersehen.“
„Eine gute Idee,“ stimmte Chin nun zu. Sag uns Bescheid, wenn du etwas siehst, das wir bisher übersehen haben.“
„Mach ich,“ Joe verabschiedete sich mit einem leichten Fingertippen an die Stirn und verließ die Halle, wo ihn drei Augenpaare nach sahen.
Chin wollte sich wieder den Beweisen auf dem Surftable widmen, doch Danny stand noch immer da und schaute auf den nun leeren Gang zur Halle. Er war bisher nie so ganz schlau aus Joe geworden. Er war sich auch ziemlich sicher, dass Joe mehr wusste als er zugab. Aber die Nummer mit dem USB-Stick ließ ihn ihren augenblicklichen Fall vergessen. Schließlich wurde er von Chin aus seinen Gedanken gerissen. „Hey Danny, was ist los?“
Etwas verwirrt schaute Danny seine beiden Kollegen an. „Weiß ich nicht. Aber irgendwas stimmt da nicht.“ Dann wusste Danny, was zu tun war. „Los. Schauen wir doch mal, wo Joe von hier aus hinfährt.“
Chin und Kono blieb nur ein leichtes Schulterzucken, als ihr Kollege sich auch schon in Bewegung setzte. Aufhalten würden sie ihn wohl nicht können, also folgten sie ihm.

Es war bereits Dunkel als Joe bei Catherine eintraf.
Er war extra einen Umweg gefahren und hatte sich auch immer wieder, durch einen kurzen Blick in den Rückspiegel versichert, dass ihm niemand folgte.
Inzwischen trug Steve auch nicht mehr den Overall von Kelii, sondern Jeans und ein hellblaues Hemd .
Catherine war heute Morgen gleich nach dem Frühstück losgefahren und hatte ihm neue Kleidung besorgt. So fühlte er sich jetzt schon wohler, als in dem teils zu kleinen, teils zu großen Overall.
Joe saß am Tisch, ein aufgeklapptes Notebook vor sich. Der USB-Stick steckte in der Buchse an der Seite des Gerätes. Catherine und Steve standen hinter ihm und warteten darauf, dass er die Datei öffnete.
Die Jalousien hatte Catherine vorsichtshalber geschlossen. So schützten sie sich vor ungebetenen Blicken von draußen, wenn sie hier im Licht standen.
Der Film startete und Joe erklärte, „hier sieht man wie die Vier über das Tor steigen. Zu erkennen ist allerdings noch nichts. Es dauert ein paar Minuten, bis sie dann wieder ins Bild kommen.“
Leicht nach vorn gebeugt, schauten sie ihm über die Schultern.
„Lass es vorlaufen!“ Steve hatte seine Worte gerade ausgesprochen, als er aufmerksam den Kopf hob. „Tscht, da draußen ist was!“
Jetzt lauschten auch Catherine und Joe.
„Stimmt, da schleicht jemand ums Haus,“ pflichtete Joe ihm dann schon fast im Flüsterton bei.
Dann drehte er sich zu Catherine. „Erwarten sie noch Besuch?“
Doch Catherine schüttelte nur stumm den Kopf, als sie auch schon zu dem kleinen Schrank unter der Fensterbank ging, dort die oberste Schublade aufzog und eine Waffe herausholte. Auch Joe war jetzt in Alarmbereitschaft, stand auf und zog ebenfalls seine Waffe aus den Holster. „Los ab nach oben mit dir!“ Wies er Steve leise aber im Befehlston an.
Steve weigerte sich jedoch. Er würde Cath und Joe hier unten nicht alleine lassen. Wer wusste schon, wer da um diese Zeit draußen herumschlich.
Catherine schaltete automatisch das Licht im Zimmer aus und schob ihn einfach vor sich her in Richtung Treppe und dann nach oben. Als sie auf leisen Sohlen wieder herunterkam, stand Joe bereits an der Tür, bereit jeden Eindringling sofort zu überwältigen.
Auf halben Absatz der Treppe befand sich ein kleines schmales Fenster, durch das Catherine jetzt vorsichtig hindurchschaute. Draußen, genau vor der Haustür, bewegten sich zwei Schatten. Sie schlich die letzten Stufen nach unten und gab Joe ein Zeichen, das sie die Tür aufstoßen würde. Joe nickte. Er war mit der Waffe im Anschlag bereit, als er Steve wieder die Treppe herunterkommen sah. Dieser hatte sich mit einer länglichen Stange bewaffnet, die an dem einen Ende einen kleinen Haken aufwies. Man benutzte so eine Stange um Dachluken zu öffnen oder schließen. Joes Gesichtsmimik war wenig erfreut, als Steve hinter Catherine stand und diese bereits die Tür aufstieß, die nach außen schwang. Im gleichen Augenblick sprang Joe vor. Man hörte, wie er dabei den Abzug an seiner Waffe betätigte. Auch Catherine ging einen Schritt nach vorn, als sie ein aufgeschrecktes „Hey, hey,  langsam,“ hörten. Gleich darauf ließ Joe seine Waffe sinken, drehte sich mit einem genervten Seufzen und verdrehten Augen um und machte den Neuankömmlingen platz. Gleichzeitig sagte er Catherine, dass sie ihre Waffe runternehmen könne. „Das sind seine Kollegen.“ Joe deutete dabei auf Steve, der noch an der Seite stand und somit für Danny und Chin nicht zusehen war. Jetzt trat auch Kono von der anderen Seite der Tür zu ihren beiden Kollegen. Just in dem Moment als Steve um die Ecke schaute, geradewegs in die Gesichter seiner Freunde.

Sagen konnten alle drei nichts. Ihnen blieb nur der Mund offen stehen. Kono wollte schließlich auf Steve losstürmen und ihn vor Freude in die Arme schließen. Sie wurde jedoch von Danny aufgehalten, der sich in der Tür breitmachte.
„Das kann doch wohl nicht wahr sein!“, polterte er dann los.
Chin legte seine Hand an Dannys Arm und wollte ihn mit dieser Geste besänftigen. „Hey Danny ruhig.“ Doch Danny schüttelte ihn brüsk ab. „Lass mich. Ich will mich nicht beruhigen. Wir krempeln die ganze Insel nach ihm ab und er sitzt hier seelenruhig und macht … . Ja was machst du hier überhaupt?“
Steve schaute sich nervös um. Danny machte seiner Wut gerade dermaßen lautstark Luft, dass er befürchtete, dieser würde die gesamte Nachbarschaft auf den Plan rufen.
„Vielleicht kommt ihr erstmal rein. Sonst haben wir gleich noch die ganze Nachbarschaft zu Besuch. Du machst nämlich einen Krach, dass man dich bis auf die große Insel hört.“
Während Danny noch nach Luft schnappte, nutzte Chin die Gelegenheit und schob ihn jetzt kurzerhand zur Tür hinein. Kono folgte den beiden. Catherine schloss hinter ihnen sofort die Tür und schaltete das Licht wieder ein.
Dann standen sich, Danny und Steve, erneut gegenüber. Für einen kurzen Augenblick schwiegen alle. Kono nutzte diesen und fiel Steve um den Hals.
„Hey Boss. Schön dich endlich wieder zu sehen.“ Sie ließ ihrer Freude freien Lauf und sogar zwei Tränchen kullerten ihr dabei aus den Augen. Steve legte seine Arme um ihre schlanke und zierliche Gestalt. „Ja ich bin auch froh euch zu sehen.“
„Ach ja! Und warum lässt du uns dann glauben, dass es dich unter Umständen gar nicht mehr gibt?“ Polterte Danny jetzt von Neuem los.
Steve löste sich von Kono und schaute jetzt erst in Chins und dann in Dannys Gesicht. Der lief jetzt schon fast puterrot vor lauter Zorn an. Sein Freund und Partner schien wirklich außer sich, weshalb er ihn jetzt zu beruhigen versuchte. „Vielleicht beruhigst du dich erstmal und hörst auf rum zuschreien.“ Weiter kam Steve jedoch nicht. Danny baute sich jetzt regelrecht vor ihm auf. „Ich schreie nicht und beruhigen tu ich mich erst, wenn ich endlich weiß, was hier gespielt wird!“
„Hier wird gar nichts gespielt. Ich bin erst seit drei Tagen wieder hier auf der Insel. Bis gestern war ich bei einer älteren Dame. Die Großmutter von den beiden Fischern, die mich aus dem Pazifik gezogen haben.“ Nur kurz erzählte Steve, wie Wo Fat ihn all die Monate gefangen gehalten hatte, und wie er ihm schließlich entkommen war.
„Wieso hat man dich aus dem Pazifik gezogen. Ich dachte du wärst Mister Superseal und kannst besser schwimmen als jeder Fisch!“ Der Sarkasmus in Dannys Stimme war nicht zu überhören. Noch immer kochte es in ihm, auch wenn er froh war, Steve zu sehen. Zeigen wollte er es jedoch nicht.
„Also gut. Ich glaube wir sollten das Ganze jetzt etwas ruhiger angehen,“ mischte Joe sich jetzt ein. Ihm wurde es langsam nämlich zu bunt, denn so würden sie keinen Schritt weiterkommen.
„Ja ich denke auch, dass wir uns jetzt alle wieder beruhigen,“ kam Chin ihm zu Hilfe und an Steve gewandt, „hey gut dich zu sehen. Wie geht es dir?“
„Ja. Wie es mir geht? Inzwischen glaub ich wieder ganz gut. Danke“, erwiderte Steve und warf dabei einen Blick zu Danny. Der winkte nur ab. „Ja, ja. Geschenkt.“
Steve konnte sich ein leichtes Grinsen nicht verkneifen. Allerdings erst nachdem Danny sich
herumgedreht hatte und jetzt auf den Tisch zuging, auf dem noch immer das aufgeklappte Notebook stand. Steve wusste, dass sein Partner und Freund es nicht so meinte, wie es herüber kam. Es war eben Dannys Art seine Gefühle auszudrücken. Bevor dieser freiwillig zugab, dass er sich Sorgen um ihn gemacht hatte, würde er sich wohl eher die Zunge abhacken lassen. Aber Steve kannte ihn jetzt lange und gut genug, um zu wissen, wie Danny tickte und nahm es ihm nicht übel.
„Das ist übrigens Ltd. Catherine Rollins und wir befinden uns als Gäste in ihrem Haus.“ Joe hielt es für angebracht, Catherine den anderen vorzustellen und auch, dass es sich um ihr Haus handelte, in dem sie sich nun alle aufhielten.
Catherine hatte sich bisher sehr zurückgehalten. Sie kannte Steves Kollegen ja nur aus dessen Erzählungen. Als sie Danny gesehen und gehört hatte, musste sie innerlich lachen. Ja, genau so hatte sie ihn sich nach Steves Schilderungen vorgestellt. Und auch, wenn Danny die Erleichterung, Steve gesund zu sehen, durch sein polterndes Auftreten zu überspielen versuchte. Man konnte sehr wohl sehen, dass er genau so froh wie alle anderen war. Danny hatte jedoch im Gegenteil zu den beiden anderen, gewisse Probleme seine Gefühle und Emotionen richtig auszudrücken. Unter seiner harten Schale aber lag durchaus ein weicher Kern.
Danny schaute noch auf das Notebook, drehte sich jetzt aber herum und schaute erst Catherine, dann Joe und zuletzt Steve an.
„Ja die Freude ist ganz meinerseits,“ richtete er sich dann nur kurz an Catherine, bevor er auch wieder Joe und Steve mit einbezog. „Was ist das hier? Ein konspirativer Treff unter Armeekollegen?“
„Navy, Danny. N - A - V - Y.“
„Ja, ja. Schon gut. Ich weiß es ja jetzt. Also was macht ihr hier?“
Steve stellte sich neben seinen Kollegen. „Wir schauen uns das Überwachungsband der Waffenbase an.“
Auch Chin trat jetzt näher. „Glaubst du nicht, dass wir uns, dass, schon ein Dutzend Mal angesehen haben? Der vierte Mann ist dort eindeutig als Steve McGarrett zu identifizieren. Selbst wenn es sich um den Doppelgänger, dessen Leiche man gefunden hat, handelt, dürfte dies anhand dieses Bandes nicht zu beweisen sein.“
„Bis zu diesem Ausschnitt habe ich es noch nicht gesehen. Wir wurden leider vorher gestört.“ In Steves Worten klang jedoch kein Vorwurf. Eher zogen sich seine Mundwinkel leicht nach oben.
„Dann sollten wir es uns jetzt gemeinsam ansehen. Zwölf Augen sehen vielleicht mehr als sechs.“
Joe setzte sich jetzt wieder vor das Notebook und ließ den Film weiter vorlaufen.
Als die Stelle erreicht war, wo der eine Mann zielte und somit den wachhabenden Offizier erschoss, stoppte er. Ein paar Klicks, und er vergrößerte den Bildausschnitt. Jetzt sah auch Steve, was alle anderen zuvor schon ein Dutzend Mal gesehen hatten.
„Das gibt es doch gar nicht!“ Brachte er schließlich hervor. Auch er war überrascht, welche Ähnlichkeit dieser Mann mit ihm hatte und wüsste er es nicht besser, hätte auch er gesagt, dass dies dort auf dem Video er selbst war.
Steve besah sich das Bild sehr genau. Wo Fat musste wirklich einen großen Aufwand betrieben haben, um diesen Mann als Steve McGarrett ausgeben zu können. Aber irgendetwas musste es geben, was diesen Mann, dort auf dem Video von ihm unterschied. Er ließ Joe das Band immer wieder vor und zurücklaufen, bis es ihm schließlich auffiel.
„Joe halt an!“
Joe hielt das Band an, als der vermeintliche Steve über den Zaun kletterte. Dann zeigte Steve darauf. „Hier. Der Kerl schwingt zuerst das linke Bein über den Zaun. Wenn man von Schwingen reden kann. Der ist nicht sehr trainiert.“
„Was meinst du?“ Chin verstand nicht, worauf Steve hinaus wollte und auch Kono und Danny blickten ziemlich ratlos drein.
„Also der sieht eben aus, wie einer der über einen zwei Meter hohen Zaun klettert. Genau so würde ich es auch machen.“ Danny konnte dabei absolut nichts Ungewöhnliches feststellen.
„Eben. Du bist kein trainierter SEAL. Wenn ich könnte, würde ich euch demonstrieren, wie ein Mann der durchtrainiert ist, über den Zaun steigt. Aber es ist ganz klar zusehen, das er im Grunde viel zu lange braucht. Außerdem,“ Steve berührte mit dem Finger den Bildschirm, „er geht mit dem linken Bein zuerst drüber.“
„Er geht mit dem linken Bein zuerst drüber? Ist das dein Ernst? Also wenn das alles ist, was du darauf siehst, wirst du wohl den Rest deines Lebens im Untergrund verbringen.“ Danny war mehr als enttäuscht, dass sein Freund und Partner, nicht mehr sah, als sie ohnehin schon seit Wochen wussten. Jedenfalls würde seine Entdeckung sie kein Stück weiterbringen.
„Nein Danny du verstehst nicht. Wenn dieser Kerl da mit dem linken Bein zuerst drüber geht, dann bedeutet das, dass er auch alles andere mit links macht. Joe lass noch mal vorlaufen, bis zu der Stelle, wo er den Offizier erschießt.“
Als die Stelle ins Bild kam, hielt Joe an und vergrößerte den Ausschnitt wieder. Steve zeigte sofort darauf. „Hier. Er hält die Waffe in der linken Hand.“ Steve richtete sich auf und sah einen nach dem anderen an. Selbst Joe war dies nicht aufgefallen. Sie alle hatten sich immer wieder auf das Gesicht konzentriert und dort nach einem Unterschied zu Steve gesucht. Kono brachte es schließlich auf den Punkt. „Du aber bist Rechtshänder.“
„Genau.“ Steve nickte zufrieden. Für ihn war damit seine Unschuld an dem Überfall bewiesen. Chin sah dies jedoch ein wenig anders.
„Gut. Aber der Gouverneur und das HPD werden argumentieren, das man das trainieren kann. Also so das aus einem Rechts- ein Linkshänder wird.
Joe stimmte dem zu. „Damit könntest du Recht haben. Also müssen wir eindeutigere Beweise finden.“
Sie sahen sich das Video immer und immer wieder an. Aber einen weiteren Hinweis fanden sie nicht.

Es war bereits Nacht als sich Joe, Danny, Chin und Kono verabschiedeten.
Sie würden von nun an alles daran setzen, um Steves Unschuld so schnell wie möglich nachzuweisen. Dazu musste aber endlich die wahre Identität des Unbekannten geklärt werden.
Zusammen mit dem DNA Nachweis und auch allem anderen wie Größe, Körpergewicht und Gebissabdruck hatten sie bereits die Datenbank von Hawaii durchforstet. Von hier stammte der Mann nicht, oder zumindest war er hier nicht erfasst. Also hatte man die Suche bereits auf das Festland ausgeweitet. Dort allerdings einen Treffer zulanden, konnte unter Umständen Monate, wenn nicht gar Jahre dauern. Sie mussten mehr oder weniger auf einen Zufall hoffen. Natürlich wollte keiner von ihnen so viel Zeit verstreichen lassen. Insbesondere Steve nicht. Denn solange seine Unschuld nicht einwandfrei bewiesen war, hieß das für ihn weiterhin unterzutauchen. Allerdings konnte er dadurch auch nicht Wo Fat weiterverfolgen.
Danny sah seinem Freund an, dass dieser die weiteren Ermittlungen lieber selbst in die Hand genommen hätte. Das jedoch musste mit aller Gewalt verhindert werden, darum richtete er einen eindringlichen Appell an Steve, bevor er ging.
„Und Steve. Bitte tu mir den Gefallen und bleib hier im Haus! Wage es ja nicht auf eigene Faust zu ermitteln! Überlass das uns.“
Steve nickte nur, weshalb Danny das ungute Gefühl beschlich, dass seine Worte McGarrett zum einen Ohr rein und zum anderen wieder hinausgingen.
„Hast du mich verstanden, Steven?!“
„Ja.“
„Du kannst mir glauben, solltest du dich einmischen und dich da draußen irgendwo rumtreiben, werde ich dich eigenhändig einbuchten! Das ist mein voller Ernst!“
Aber nicht nur Danny hatte Bedenken, das Steve eben nicht die Füße stillhielt. Auch Joe, Chin und Kono hegten ihre Zweifel.
„Es ist wirklich besser, wenn du in Deckung bleibst“, fügte deshalb auch Chin hinzu und Kono richtete sich obendrein an Catherine. „Bitte passen sie auf ihn auf!“

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BeitragThema: Re: Ungewisse Zukunft - Eine H50 FanFiction (fertiggestellt)   So Aug 25, 2013 11:17 pm

Kapitel 30


Als Danny, Chin und Kono am nächsten Morgen im Hauptquartier zusammensaßen, fassten sie alle Fakten, die sie bisher gesammelt hatten, zusammen.
„Okay. Gehen wir es der Reihe nach an. Was haben wir?“
Chin sah Danny an und beantwortete dessen Frage mit zwei Sätzen. „Keine Fingerabdrücke und nur die Tatsache, dass unser McGarrett Doppelgänger Linkshänder gewesen ist. Das ist ziemlich dürftig um Steves Unschuld nachzuweisen.“
„Ja und Steves Aussage über seinen Verbleib der letzten vier Monate dürfte auch nicht wirklich dazu beitragen. Denn auch dafür fehlen die Beweise.“ Schloss Kono.
So waren genauso weit wie schon zuvor.
„Ja aber wir wissen von Steve jetzt, dass er auf einem Boot gefangen war. Irgendwo muss das ja vor Anker gelegen haben. Die können unmöglich vier Monate nur auf dem Pazifik verbracht haben.“
Danny war sich sicher, dass sie etwas übersehen hatten, und sollte sich von Chin bestätigt sehen.
„Ja natürlich. Dreist, wenn sie die meiste Zeit vor Anker gelegen haben oder auf dem Meer gewesen sind, müssen sie getankt haben. Ohne Diesel läuft kein Motor.“
„Und die Tankstationen sind alle Kameraüberwacht!“ Kono war die Erleichterung anzusehen, das sie endlich dabei waren vorwärts zukommen.
Danny nickte. „Kono, du lässt dir sämtliche Überwachungsbänder der Yachthäfen aushändigen. Zunächst die von O'ahu und wenn da nichts drauf ist von den anderen Inseln.“
Kono nickte nur und machte sich sofort auf den Weg. Sie wollte keine Zeit mehr verschwenden, das hatten sie genug.
Danny schaute Kono nur kurz hinterher. „Okay. Sie sind in der Nacht mit diesem Boot den  Mailiilii
Kanal runter,“ Danny wandte sich wieder Chin zu. „Auf dem Parkplatz wurden keine Spuren gefunden. Außer im Fluchtwagen, Steves Waffe.“
„Ja und die ist vermutlich absichtlich dort vergessen worden“, unterbrach Chin seinen Kollegen.
„Und es wurden dort auch keine Fingerabdrücke sichergestellt,“ fuhr Danny unbeirrt fort denn ihm kam eine Idee. Die zwar eigentlich völlig absurd klang, aber was war an diesem Fall schon normal?
„Richtig!“
„Aber an einer Stelle hat man nicht gesucht“, Danny wartete kurz aber Chin wusste nicht, auf was er hinaus wollte. „An der Leiter, die von der Straße hinunter an den Kanal führt.“
„Du denkst, die sind da runter oder rauf ohne Handschuhe und haben dadurch ihre Visitenkarte hinterlassen? Und selbst wenn du Recht hättest. Glaubst du wirklich, dass wir da noch was finden?“
„Ich habe keine Ahnung. Aber wenn wir weiter hier rumstehen, werden wir es mit Sicherheit nicht herausfinden.“
„Na schön. Warum sollte uns Kollege Zufall nicht auch mal helfen.“ Chin fügte sich und zusammen  verließen nun auch sie das Hauptquartier.

Zuhause bei Catherine tigerte Steve unruhig im Wohnzimmer auf und ab. Gestern Abend war es ein gutes Gefühl gewesen, als er seine Freunde und Kollegen wiedergesehen hatte. Wenn dies auch eher unfreiwillig gewesen war und sie ihn nur gefunden hatten, indem sie Joe gefolgt waren. Auch als sie sich das Video angesehen und er endlich den Unterschied zu sich und seinem Doppelgänger gefunden hatte. Damit hatten sie zumindest ein kleines Puzzleteil, das mit dazu beitragen würde, seine Unschuld zubeweisen. Überhaupt das, dass HPD nach ihm fahndete, weil er des Mordes verdächtigt war, hatte ihm einen gewissen Schock versetzt. Damit hatte er am allerwenigsten gerechnet. Der einzige Grund, warum er, nachdem Kelii und Ikaiki ihn aus dem Meer gezogen hatten, nicht wollte, dass man ihn in ein Krankenhaus oder zum Iolani Palace brachte, war, dass er fürchtete, Wo Fat könnte ihm doch wieder auflauern und er noch nicht in der körperlichen Verfassung, sich diesem zu stellen.
Aber jetzt fühlte er sich inzwischen wieder so fit, dass er am liebsten losziehen würde, um die Sache selbst in die Hand zunehmen. Er brannte darauf, die Ermittlungen zu leiten. Stattdessen war er hier zur Untätigkeit verdammt und genau das machte ihn fast wahnsinnig. Er war es einfach nicht gewohnt, untätig herum zusitzen und andere die Arbeit machen zu lassen.
Während Steve hin und her lief, hatte Catherine sich mit einem Buch auf die Couch zurückgezogen.
Aber wirklich zum lesen kam sie nicht. Immer wieder schaute sie zu ihrem Gast. Schließlich klappte sie das Buch zu und legte es auf den Tisch.
„Steve! Würdest du bitte aufhören, wie ein gehetztes Tier im Käfig auf und ab zugehen!?“
Für einen Moment hielt Steve inne und schaute zu Catherine. „Tut mir leid, wenn ich dich nervös mache. Aber ich kann nicht einfach nur rumsitzen und in einem Buch lesen.“
„Ja Geduld war noch nie deine Stärke,“ bekräftigte Catherine. „Aber dadurch, dass du hier hin und her läufst, wird es auch nicht besser.“
„Und was soll ich deiner Meinung nach sonst tun?“
Catherine brauchte nicht lange zu überlegen, stand auf und ging zu der Kommode, die unter dem Fenster stand, zog dort die oberste Schublade auf und holte einen Kugelschreiber sowie einen Schreibblock hervor. Beides legte sie dann auf den Esstisch.
„Hier, schreib alles, an das du dich erinnern kannst, auf.“
Verdutzt sah Steve Catherine an. „Ich soll was?“
„Alles aufschreiben.“ Catherine tippte mit dem Finger auf den Schreibblock. „Du wirst so wieso einen Bericht schreiben müssen. Also kannst du damit auch jetzt gleich anfangen. Und ich kann wenigstens mein Buch weiterlesen, weil du dann nämlich nicht weiter hier herumlaufen kannst.“
Catherine setzte ein leicht schelmisches Grinsen auf. Auch wenn sie wusste, wie sehr Steve es hasste, Berichte zuschreiben. Aber so war er wenigstens fürs erste beschäftigt.
Etwas widerwillig fügte Steve sich schließlich. Er setzte sich an den Tisch und nahm langsam den Kugelschreiber in die Hand und betrachtete ihn, als wüsste er nicht, was er damit machen sollte.
Er drehte sich noch einmal zu Catherine um, die sich nun wieder auf die Couch gesetzt hatte und erneut das Buch zur Hand nahm. Schließlich seufzte er laut und begann zu schreiben.
Zunächst brachte er die Worte nur langsam zu Papier und seine Erinnerungen waren bruchstückhaft.
Aber je mehr er sich in die Sache vertiefte, desto schneller kam sein Erinnerungsvermögen auf Touren. Manchmal waren es nur einzelne Worte, dann wieder ganze Sätze, die er aufschrieb.
Als Catherine plötzlich hinter ihm stand, hatte er bereits drei Seiten vollgeschrieben.
Catherine nahm sich eines der Blätter und las. Vieles hatte Steve ihr bereits schon erzählt aber dann stutzte sie. „Wer ist Shelburne?“
Steve sah auf. „Ja das wüsste ich auch gern. Ich hab keine Ahnung.

Danny und Chin standen am Mahiilii Kanal und schauten auf die Leiter hinunter.
Den kleinen silbernen Hartschalenkoffer, in dem sich alles befand, was sie zur ersten Spurensicherung am Tatort brauchten, hatte Chin neben sich abgestellt.
„Also wer geht zuerst runter,“ Danny zeigte dabei auf die Leiter. Irgendwie war er sich selbst nicht mehr sicher, ob dies wirklich eine so gute Idee gewesen war. Aber jetzt, da sie schon mal hier waren, würde er einen Teufel tun und einen Rückzieher machen.
„Da es deine Idee war, überlasse ich dir den Vortritt.“
„Na dann gib mir mal die Klebestreifen und das andere Zeug“ Danny schaute noch einmal nach unten. Ganz wohl war ihm nicht, wenn er daran dachte, diese Leiter hinunter zu klettern, sich irgendwie festzuhalten und dann auch noch Fingerabdrücke zunehmen.
Die folgende Aktion kam dann auch schon fast einer Akrobaten Nummer gleich.
Mit der rechten Hand hielt Danny sich an der obersten Leitersprosse fest. Mit der andern nahm er den Pinsel, den Chin ihm hinhielt. Seine Kollege hatte diesen schon mit Pulver versehen.
Danny strich langsam mit dem Pinsel über die linke Seite der Leiter. Dann pustete er den überschüssigen Pulverstaub vorsichtig ab. Den Pinsel gab er Chin zurück. Danny musste jetzt die Klebestreifen aus seiner Hosentasche ziehen und am Geländer der Leiter anbringen. Das alles war noch relativ einfach, doch jetzt brauchte er die schwarzen Filmstreifen, auf die er die Klebestreifen bringen musste. Um dies zu bewerkstelligen, benötigte er allerdings beide Hände und nicht nur eine.
Nachdem er leise vor sich hin fluchte und einen tiefen Seufzer ausstieß, hielt er sich kurz mit der linken Hand an der Sprosse fest und gleichzeitig schob er seinen rechten Unterarm hinten durch. Jetzt hielt er sich mit der Ellenbeuge fest. Die Hand hatte er dadurch frei und konnte den schwarzen Filmstreifen damit halten. Den Klebestreifen so darauf festzudrücken, dass er nicht sofort wieder abfiel, erforderte dann auch einmal einiges an Geschick. Aber schließlich war auch dies geschafft.
Er reichte Chin den Streifen und kletterte dann wieder nach oben.
„Okay, jetzt bist du dran mein Freund“, sagte Danny, als er neben seinem Kollegen stand. Chin würde nun die linke Seite der Leiter übernehmen.

Kono saß in ihrem Büro und sah sich die ersten Aufnahmen der Überwachungskameras an. Glücklicherweise waren alle Kameras heute mit kleinen Mikrospeicherchips ausgestattet. Bei der Vielzahl der Bänder hätte der Platz auf ihrem Schreibtisch wohl nicht mehr ausgereicht.
Denn sie musste sich wirklich die gesamten Aufnahmen der letzten vier Monate ansehen.
Sie hatte noch nicht alle Aufnahmen der Yachthäfen auf O'ahu gesehen, als ein Bote ihr schon die nächsten Mikrochips brachte.
Vorsichtshalber hatte Kono von allen Yachthäfen auf Hawaii die Überwachungsaufnahmen angefordert.
Sie quittierte dem Boten die Lieferung, bevor sie sich seufzend in ihrem Stuhl zurücklehnte.
Wenn sie alle Aufnahmen alleine durchsehen musste, konnte das Tage dauern und so sah sie dann rüber zu Chins Büro, wo Danny und Chin gerade dabei waren, alles, was sie bisher zusammengetragen hatten, noch einmal durchzugehen.
Kono nahm den Umschlag mit den Mikrochips und ging zu ihren Kollegen.
„Hier. Das ist gerade von Kaua'i gekommen. Aufnahmen vom dortigen Hafen in der Hanapepe Bucht. Die dürft ihr euch ansehen.“
Chin nahm ihr den Umschlag ab und nickte. „In Ordnung.“ Er holte sechszehn Mikrochips heraus und reichte Danny sechs davon. „Hier Kumpel. Arbeitsteilung.“
Ohne sich über die ihm bevorstehende stupide Arbeit zubeklagen, nahm Danny die Chips und machte sich auf den Weg in sein Büro, wo er sofort den ersten Chip in die Vorrichtung an seinem Laptop steckte.
Für die nächsten Stunden sollten alle Drei beschäftigt sein.

Draußen setzte bereits die Dämmerung ein. Inzwischen waren auch die Mikrochips von Maui, Molokai, Lanai und der großen Insel eingetroffen.
Danny musste sich immer wieder über die Augen reiben. Das ständige starren auf den Bildschirm forderte langsam seinen Tribut. Aber aufgeben würden sie jetzt auf keinen Fall. Hier würde heute niemand nach Hause gehen, bevor sie nicht auch das letzte Video gesehen hatten.
Schließlich nahm er den Mikrochip aus dem Laptop, stand auf, nahm die anderen fünf Chips und verließ sein Büro. Er hatte alle Videos durch und wollte sich nun die nächsten von Kono holen.
Gerade als er die Klinke zum Büro seiner Kollegin in der Hand hatte, steckte Chin seinen Kopf aus dessen Bürotür. „Ich hab es“!
Nur für eine Sekunde drehte Danny sich zu ihm herum, dann öffnete er die Tür zu Konos Büro.
„Chin hat was!“ Schon drehte er sich wieder um und ging schnellen Schrittes zum Büro seines Kollegen.

Joe hatte seinen Dienst für heute beendet. Aber noch immer trug er seine Uniform, als er bei Kamekona am Shrimps Truck hielt. Bevor er zu Catherine und Steve fuhr, wollte er für sie alle noch etwas zum Abendessen mitnehmen, und da Steve bisher nicht in den Genuss von Kamekonas Spezialitäten gekommen war, wollte er ihm diese nicht länger vorenthalten.
Joe musste ein wenig warten, bis der Dicke die Bestellung fertig und zum Mitnehmen gut verpackt hatte.
Auf dem Weg zu Catherines Haus schaute er immer wieder in den Rückspiegel, um sich zu vergewissern, dass ihm niemand folgte.
Auch als er vor dem Haus hielt, schaute er sich um. Dann ging er zum Haus, klopfte dreimal kurz an die Tür, wartete und klopfte wieder dreimal. Für Catherine und Steve das Zeichen, dass einer von ihnen vor der Tür stand.

Sie hatten es sich schon fast gemütlich gemacht.
Catherine, Steve und Joe saßen an dem runden Esstisch und ließen sich ihr Abendessen schmecken.
Steve war zwar nicht mehr überrascht, das Kamekona nun tatsächlich stolzer Betreiber eines Shrimps Imbiss am Strand von Waikiki war, denn der Dicke hatte ihm dies bereits im Haus von Nalani erzählt, aber er war erstaunt, wie gut Kamekonas Shrimps Kreation schmeckte.
„Das ist wirklich gut. Hätte ich unserem Sumo Ringer gar nicht zugetraut.“ Er hatte den Satz noch nicht ganz ausgesprochen, als ihm in den Sinn kam, das dies wohl auch den Geschmack seiner Tochter treffen und sie wohl Stammgast bei Kamekona sein würde, wenn sie erst einmal zurück auf die Insel war. Auf sein Gesicht legte sich Nachdenklichkeit, sodass Joe auch gleich nachfragte.
„Was ist, mein Junge? Woran denkst du?“
„Ich muss an Cathy denken und das sie wohl Stammgast bei Kamekona wäre, wenn sie hier wäre.“
„Ich bin sicher, dass deine Tochter bald wieder zu Hause sein wird.“ Joe schaute, während er weiter aß, nur kurz zu Steve. Dieser jedoch schüttelte entschlossen den Kopf. „Nicht solange Wo Fat irgendwo da draußen auf freiem Fuß ist! Ich bin sicher, dass er alles daransetzen wird, Cathy in seine Finger zu bekommen. Er wollte immer wieder von mir wissen, wo sie ist.“
Joe nickte. „Kannst du dir vorstellen, welches Interesse er an ihr hat?“
„Nein. Aber das war nicht das Einzige was er versucht hat aus mir heraus zu bekommen.“ Steve schob den Teller von sich, griff nach einer der Servietten, die bereitlagen, und wischte sich die Finger damit ab. Dann nahm er die beschriebenen Blätter und reichte sie Joe.
„Was ist das“?, wollte Joe wissen, als er sich ebenfalls die Finger an einer Serviette abwischte.
„Steve hat alles aufgeschrieben, an was er sich erinnern konnte“, mischte sich nun auch Catherine ein.
Joe überflog die Blätter, bis er an einem Namen hängen blieb, obwohl er damit gerechnet hatte. „Er hat dich nach Shelburne gefragt?“
Steve beobachte Joe jetzt sehr genau und er sah sofort, dass Joe etwas wusste. Nämlich genau das, worüber er noch im Dunkeln tappte. „Ja,“ nickte er deshalb auch nur und ließ Joe Zeit drauf zu antworten. Aber Joe schwieg nur. „Joe weißt du, wer Shelburne ist und warum Wo Fat offenbar hinter ihm her ist?“
Joe legte die Blätter beiseite und lehnte sich zurück. Dann schaute er Steve fest in die Augen. Genau jetzt saß er zwischen zwei Stühlen. Zum einen hatte er sein Versprechen gegeben. Zum anderen saß ihm hier der Mann gegenüber, den er als Jungen schon fast wie seinen eigenen Sohn betrachtet hatte. Steve wäre fast ums Leben gekommen, weil er sich an seinen Ehrenkodex gehalten hatte, aber konnte er diesen, nach allem, was geschehen war, noch aufrechterhalten? Er musste sich entscheiden. Jetzt und hier. Joe nickte. „Ja“, sagte er dann nur.
Mit hochgezogenen Augenbrauen und erstauntem Blick schaute Steve ihn an. Dann legte er die Unterarme auf den Tisch und beugte sich leicht nach vorne. „Dann erzähl es mir, Joe. Ich muss es wissen. Ist Shelburne der Grund, warum Wo Fat mich über Monate gefangen hielt und mich dieser Isolationsfolter und den Drogen ausgesetzt hat?“
„Ich denke ja,“ wieder nickte Joe und gerade, als er ansetzen wollte, Steve alles zu sagen, klopfte es dreimal an der Tür. Kurze Stille trat ein und es klopfte erneut. Dreimal.
Catherine stand auf und öffnete die Tür. Steve hatte sich auf seinem Stuhl herumgedreht und sah, wie seine Kollegen von Five-0 das Haus betraten. Nur kurz wandte er sich Joe zu, „du wirst es mir später erzählen.“ Mehr blieb ihm nicht zusagen, als Danny, Chin und Kono schon näher an den Tisch traten.
Danny legte einen großen braunen Umschlag auf den Tisch.
„Was ist das“?, fragte Steve noch, bevor er den Umschlag in die Hand nahm.
„Beweise, das Laura Hills mit Dearing und auch Wo Fat zusammengearbeitet hat,“ erklärte Chin.
„Zumindest so lange, bis die Gute Gewissensbisse bekam und aussteigen wollte“, fügte Danny hinzu.
Steve zog zuerst die schriftlichen Protokolle, von Laura Hills Besuch in Halawa, aus dem Umschlag. Es dauerte einen Moment, bis er alles gelesen hatte. Schließlich legte er die Blätter zur Seite und holte das nächste Beweisstück heraus. Er hielt den kleinen Schlüssel in seiner Hand.
Auf den ersten Blick sah er genau so aus, wie der Schlüssel aus dem Werkzeugkoffer seines Vaters.
Den, den er an seiner Windschutzscheibe in einem Umschlag vorgefunden hatte.
„Die Schüssel, sehen sich sehr ähnlich, was vermuten lässt, dass beide zu einem Bankschließfach gehören“, erklärte Chin. „Diesen hier aber haben wir in Laura Hills Büro gefunden. Er gehört zu einem Bankschließfach bei der Central Pazific Bank.“
„In diesem Schließfach war dieses kleine Notizbuch“, Danny holte jetzt das kleine, in rotes Leder gebundene, Buch aus dem Umschlag und reichte es Steve.
Dieser schlug es auf und schaute nur kurz auf die Eintragungen. Dann erhob er sich. Im Stehen konnte er besser nachdenken. „Das sind codierte Eintragungen", bemerkte er dann.
„Ja. Dass wissen wir. Charlie hat es sich angesehen,“ erklärte jetzt Kono. „Die ersten Zahlen stehen für das Datum. Der Buchstabe für den Tag und dann wieder die Zahlen für die Uhrzeit. Die letzten Buchstaben scheinen der Ort des Treffpunktes zu sein.“ Kono stand neben Steve und zeigte dabei mit dem Finger auf eine der Eintragungen. Steve nickte. Es handelte sich um eine relativ einfache Codierung, wie sie Laien nutzten. „Und was ist mit den ersten beiden Buchstaben?“
Danny schüttelte den Kopf. „Da musste Charlie passen. Vermutlich handelt es sich dabei um die Initialen der Person, mit der Laura sich getroffen hat.“
Steve schaute sich noch immer die Eintragungen an. Er verglich nur die ersten Buchstaben immer wieder miteinander. Doch bevor er sich weiter den Kopf darüber zerbrach, hielt Chin ihm einen weiteren Umschlag entgegen. Steve legte das kleine Buch vorerst auf den Tisch und schaute in den kleinen Umschlag und holte die Negative heraus. Nur kurz brauchte er diese gegen das Licht halten.
„Ich hab die Bilder zu den Negativen bei Laura Hills gefunden. Ebenso die braunen Umschläge, mit denen ich die Beweisstücke erhalten habe. In diesem Moment wusste ich, das Laura mir all dies geschickt hatte. Nur warum?“ Auf Steves Gesicht standen tausend Fragezeichen, als er sich in der Runde umschaute.
„Ich glaube der Brief erklärt einiges.“ Danny fischte nun den Brief aus seiner Hosentasche. Vorsorglich hatten sie diesen nicht zu den Beweisstücken gelegt. Als er ihn Steve hinhielt, schaute dieser ihn immer noch fragend an. Obendrein zogen sich seine Augenbrauen nach unten und seine Stirn legte sich in tiefe Falten. Dann nahm er den Bogen Papier aus dem Umschlag, faltete ihn auseinander und begann zu lesen.
Drei Minuten später ließ er die Hand, in der er den Brief hielt, sinken und schaute in die Runde. Alle Augen ruhten auf ihm.
„Der Schüssel, den Laura Hills erwähnt, habt ihr den gefunden?“
„Ja,“ Chin zog den goldenen Schüssel aus dem Umschlag. „Der befand sich ebenfalls in dem Schließfach. Als wir endlich den Brief hatten, sind wir sofort zur Gouverneursresidenz gefahren. Allerdings kamen wir weder dazu, Pat Jameson zu verhören, noch in dem Sekretär nachzuschauen.“
„Genau. Vor unseren Augen machte es einfach Bumm,“ Danny unterstrich seine Worte wieder einmal, in dem er seine Arme in die Luft streckte und sie dann auseinander riss. „Und von der Gouverneursresidenz blieb kaum was übrig.“
Den genauen Hergang hatten sie Steve schon einen Abend zuvor geschildert. Also wusste dieser bereits, dass Wo Fat eine der Panzerabwehrfäuste genutzt hatte, um die Gouverneurin auszuschalten und mit ihr gleich sämtliche Beweise zu vernichten.
Steve nickte nur. Der ganze Vorfall war zwar nun noch bedauerlicher, da er nie mehr an die restlichen Beweisstücke aus dem Werkzeugkoffer herankam, aber er brachte auch einige Erkenntnisse. So wusste er jetzt mit Sicherheit, wer ihm die Bilder seiner Tochter geschickt hatte und auch wo die Beweisstücke aus dem Werkzeugkoffer herkamen. Das hinter der Ermordung von Dearing aller Wahrscheinlichkeit nach, Wo Fat steckte, der durch die Abhörmikrofone von seinem angekündigten Besuch in Halawa gewusste hatte, interessierte ihn nur am Rande. Viel wichtiger dagegen war, was Laura Hills ihm über Shelburne mitteilte und auch, dass sie die Treffen der Gouverneurin mit Noshimuri erwähnte. Er sah mehr zufällig auf das kleine Buch, als er dahinterkam. Er sah sich die Einträge noch einmal genauer an. Schließlich nahm er den Kugelschreiber und ein Blatt Papier. JN9162011M630/745ABR. Danny und Kono schauten ihm dabei über die Schultern. „Was wird das denn, wenn es fertig ist?“ Danny war wieder einmal mehr die Ungeduld in Person. Steve ließ sich davon jedoch nicht aus der Ruhe bringen und schrieb die nächste Zahlen- und Buchstabenkombination auf das Blatt. JW 92011S500/550Hak.
„Die beiden Buchstaben stehen nicht für eine Person“, tippte Steve mit der Kugelschreiberspitze auf die beiden ersten Buchstaben. Zwischen dem J und dem N setzte er jetzt ein + Zeichen. Ebenso zwischen dem J und dem W. Dann zeigte er es Danny und auch Kono schaute zu. „Hier alle Eintragungen fangen mit dem gleichen Buchstaben an. Nämlich dem J. Dieses J steht für Jameson.
Also, wen kennen wir mit dem Anfangsbuchstaben N im Nachnamen?“
„Noshimuri!“ Es war Chin, der als Erster darauf kam.
„Richtig!“ Nickte Steve nur und jetzt verstand auch Danny.
„Dann steht das W für …,“ weiter kam er nicht denn Steve fiel ihm ins Wort. „Wo Fat!“
Ihren letzten Trumpf zog nun Kono hervor. „Womit wir zu diesem hier kommen.“ Kono holte jetzt einen kleinen USB Stick aus ihrer Hosentasche. Sie schaute sich kurz im Zimmer um und entdeckte dann das Notebook, auf der Theke die, die Küche vom Wohnzimmer trennte. „Darf ich“?, fragte sie und schaute dabei Catherine an. Diese folgte ihrem Blick und nickte. „Ja natürlich.“
Nachdem Kono das Notebook auf den Tisch gestellt und eingeschaltet hatte, steckte sie den Stick in die Buchse. Die Datei öffnete sich automatisch. Alle standen jetzt am Tisch und schauten auf den Bildschirm.
Sie sahen eine Tankstation, die zu einem Yachthafen gehörte. Am unteren Bildrand konnten sie lesen, zu welchem Yachthafen diese Aufnahme gehörte: Honokahau Harbor, Servicestation, 08.19.2012, 10:28 am. Dieser Yachthafen befand sich auf der großen Insel.
Eine weiße Yacht lag am Pier und wurde gerade von einem Angestellten der Servicestation betankt. Ein Mann, in schwarzer Hose und dunkelblauen Hemd, stand dabei und beobachtete den Vorgang. Als der Tankvorgang beendet war, kam Bewegung an Deck der Yacht. Ein weiterer Mann erschien.
„Das ist Wo Fat!“, entwich es Steve und seine Kollegen nickten. Sie sahen wie Wo Fat von Bord der Yacht ging, an der Servicestation stehen blieb und dem Angestellten offenbar die Rechnung quittierte. Ohne ein Wort zuwechseln schritt er dann mit dem anderen Mann zusammen wieder über den Anlegesteg und ging wieder an Bord der Yacht. Kurz darauf wurden die Leinen gelöst und sie verließen den Hafen.
„Anhand dieser Aufnahmen haben wir inzwischen in Erfahrung gebracht, dass es sich bei der Yacht um die Sundancer handelt“, teilte Kono, Steve nun ihre Ermittlungsergebnisse mit. „Ich habe daraufhin noch einmal alle Hafenbücher kontrollieren lassen. Die Sundancer hat von Juni bis vor einer Woche immer wieder für einige Tage in der Hanapepe Bucht gelegen. Besitzer ist ein gewisser
Akito Toyosato. Ihm gehört die Japanese Fishing Company.“
„Und diese Fishing Company steht über mehrere Ecken in Geschäftsbeziehungen zu Wo Fat“, ergänzte Chin.
„Damit dürfte geklärt sein, wo man dich eine Zeit lang festgehalten hat“, bemerkte Joe mit Blick auf Steve.
„Wir haben aber noch etwas anderes entdeckt.“ Kono ließ die Datei weiterlaufen, die sie zuvor angehalten hatte. Es handelte sich diesmal um eine Aufnahme von der Hanapepe Bucht auf Kaua'i, wie man am unteren Bildrand lesen konnte. Das Band stammte vom 24. Juni 2012. Um 4:17 pm sah man wie Wo Fat die Sundancer verließ. In Begleitung eines großen hellhäutigen Mannes. Bekleidet war dieser mit einem dunkelblauen T-Shirt und einer grauen Cargohose.
Kono hatte das Band schon geschnitten und so sahen sie gleich darauf wie um 6:05pm Wo Fat allein zur Sundancer zurückkehrte.
Steve schaute von einem zum anderen. Sein Gesichtsausdruck dabei verriet nicht ob er überrascht oder entsetzt über das war, was sie da soeben gesehen hatten. Denn der Mann, der Wo Fat zuvor von der Yacht begleitet hatte, war sein inzwischen toter Doppelgänger.
„Ich habe mir damals nur die Überwachungsbänder bis zum 23. Juni angesehen. Den Tag, an dem auch das Waffenlager überfallen wurde. Hätte ich mir auch den nächsten Tag noch angeschaut, hätten wir dich wahrscheinlich gefunden und dir wäre einiges erspart geblieben.“ Kono schaute Steve an. In ihren Augen lag Bedauern. „Es tut mir leid, Steve“, kam es dann leise und entschuldigend über ihre Lippen. Sie selbst hatte sich bereits die größten Vorwürfe gemacht, als sie feststellen musste, wie nahe sie Steve und auch Wo Fat gewesen war. Hätte sie sich doch nur damals auch die restlichen Videos angesehen. Aber sie hatte den Fokus nur auf diesen einen Tag gelegt.
Steve legte ihr seinen Arm um ihre Schultern. „Hey. Ist schon Okay. Woher hättest du oder ihr alle es wissen sollen.“ Auch wenn er selbst entsetzt darüber war, wie nah seine Kollegen ihm gewesen waren. Aber so etwas passierte. Sie alle waren nur Menschen und keine Roboter.
Auch Danny schaute etwas betreten nach unten, bevor er abschließend feststellte. „Jedenfalls muss dies der Tag gewesen sein, als Wo Fat mit deinem Doppelgänger nach Hanalei gefahren ist und ihn dort erschoss.“
„Ja okay. Das da,“ Steve zeigte auf das Notebook, „beweist aber nicht, dass ich es nicht bin, der dort zusammen mit Wo Fat zusehen ist.“ Steve war sich im Klaren darüber, dass dieses Band noch immer nicht einwandfrei seine Unschuld bewies. „Man sieht nur, wie ich mit Wo Fat die Yacht verlasse und er ohne mich zurückkommt. Es gibt keinen Hinweis darauf, dass es sich hier um den von Wo Fat erschaffenen Doppelgänger handelt.“
„Vielleicht doch,“ Kono hatte noch ein Ass im Ärmel, von dem sie Steve bisher nichts gesagt hatte.
Als sie sich zusammen mit Danny und Chin das Video im Hauptquartier angesehen hatte, war es ihr plötzlich wieder eingefallen.
Irgendwann hatte sie mehr aus Spaß ihre Kollegen mit ihrem IPhone gefilmt. Sie hatte dann beide Aufnahmen nebeneinander auf dem Surftable geöffnet. Auf den ersten Blick war kein Unterschied festzustellen. Als sie aber die beiden Bilder übereinanderlegte, konnte man es erkennen. Und genau das zeigte Kono ihrem Boss nun. Steves Doppelgänger war nicht ganz so groß. Zwar war nur ein kleiner Unterschied zu erkennen aber immerhin. Und auch die anderen Maße passten nicht exakt übereinander. Steve war an den Schultern etwas breiter, dafür um die Hüften ein wenig schmaler.
Und nicht nur Steve staunte jetzt. Auch Catherine und Joe schauten überrascht auf das Bild, das sie auf dem Bildschirm des Notebooks sahen.
„Also das dürfte uns ein erhebliches Stück weiterbringen. Zumindest dürfte nun fast bewiesen sein, dass es Wo Fat gewesen ist, der diesen anderen Mann erschossen hat. Zusammen mit der Aufnahme von der Waffenbase dürfte feststehen, dass du mit alldem nichts zutun hast.“
Doch Steve hegte weiter Zweifel. „Glaubst du, dass der neue Gouverneur sich davon überzeugen lässt?“
„Es wäre zumindest einen Versuch wert.“
„Ja aber wenn nicht, sind wir genau so weit wie vorher. Wir sollten auf die Auswertung der Fingerabdrücke am Maihiilii Kanal warten.“ Danny wollte nun wirklich nichts mehr riskieren und auf Nummer sicher gehen. Alle Anwesenden stimmten ihm dann auch zu.

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BeitragThema: Re: Ungewisse Zukunft - Eine H50 FanFiction (fertiggestellt)   Mi Aug 28, 2013 10:14 pm

Kapitel 31


Bevor seine Kollegen sich auf den Heimweg machten, bat Steve darum, alle Beweise, die man bisher beisammenhatte, da zu lassen. Er wollte sich später noch einmal alles in Ruhe ansehen.
Dies tat Steve dann auch. Er merkte nicht, wie der Zeiger auf der Uhr immer weiter vorrückte, bis Catherine hinter ihm stand und sich ihre Hände auf seine Schultern legten. Seine rechte Hand legte sich auf ihre. „Hey, ich hab dich gar nicht gehört. Wie spät ist es?“
„Drei Uhr durch und es ist absolut erstaunlich, wie leer sich das Bett anfühlt, wenn ich allein drin liege.“
Steve drehte seinen Kopf herum und schaute Catherine von unten her an. Auf ihrem Gesicht lag ein etwas anzügliches Lächeln. „Ach und das stellst du nach nur zwei Nächten fest?“
„Wer sagt, dass ich sonst allein drin liege?“ Ihr Lächeln wich einem nicht weniger anzüglichen Grinsen.
Steve spielte den Entsetzten. „Also ich dachte immer, du wärst von der anständigen Sorte und nicht das deine Liebhaber im Wochenrhythmus wechseln.“
„Wenn du dich unsichtbar machst, muss ich doch nach einem Ersatz Ausschau halten.“
Auch wenn Steve wusste, dass Catherine ihn gerade nur ein wenig aus der Reserve locken und necken wollte, fühlte er sich doch nicht ganz wohl. Er wusste, dass er Catherine eine Erklärung schuldig war. Sie waren bis vor anderthalb Jahren so etwas wie ein inoffizielles Paar gewesen. Auch wenn beide diese Beziehung eher als locker gesehen und keiner von ihnen je von Liebe gesprochen hatte, so verband sie letztlich doch mehr, auch wenn weder er noch Catherine sich binden wollten.
Insbesondere Steve wusste seine Ungebundenheit zu schätzen und er konnte auch keiner Partnerin zumuten, dass sie ständig Angst haben musste, dass er von einem Einsatz nicht zurückkehrte. Auch als er nach Hawaii zurückkehrte, hatte sich daran nichts geändert. Auch wenn er zur Reserve gewechselt war: Sein Job war noch immer gefährlich. Gerade in den letzten vier Monaten hatte sich dies bestätigt. Er war froh, dass von alldem seine Tochter nichts wusste und er wollte sich nicht ausmalen, dass eine Frau seinetwegen monatelang in Angst leben musste. Und doch verspürte er genau in diesem Moment ein ganz merkwürdiges Gefühl in seiner Magengegend. Er zog Catherine
zu sich herum und auf seinen Schoß. „Cath, ich weiß, dass ich mich dir gegenüber nicht richtig verhalten habe. Es tut mir auch leid, das ich mich bei dir so lange nicht gemeldet habe. Aber als Cathy in mein Leben getreten ist, da musste ich mich zuerst um sie kümmern. Es wäre nicht fair gewesen, denn ich bin ehrlich. Meine Tochter geht einfach vor und ich kann dir auch nicht versprechen, ob das mit uns jemals etwas wird, aber vielleicht können wir wieder da anfangen, wo wir vor anderthalb Jahren aufgehört haben.“
Steve wusste, dass er eine Menge von Catherine verlangte. Aber von Liebe konnte und wollte er nicht sprechen. Er war sich ja selbst nicht über seine Gefühle für sie im Klaren.
Ganz anders verhielt es sich bei Catherine. Sie wusste schon längst, dass sie Steve liebte. Nicht ohne Grund war sie bisher ohne einen festen Partner geblieben. Aber so lange, Steve sich nicht offen zu ihr bekannte, würde sie das für sich behalten.
„Ja, vielleicht können wir das“, sagte sie deshalb auch und beugte sich im nächsten Moment vor und küsste Steve zärtlich auf den Mund. „Wenn ich nicht den ganzen Steve haben kann, nehme ich vorerst auch den Halben“, kam es ihr dann schon etwas frech über die Lippen.
Mit hochgezogenen Augenbrauen und einem eindeutigen Grinsen sah Steve ihr direkt in die Augen. „Na warte. Ich zeig dir, was der halbe Steve alles kann.“ Kurzerhand griff Steve unter Catherines Knie und stand mit ihr auf. Catherine schrie leise auf, als Steve auch schon die ersten Stufen hoch ins Schlafzimmer nahm.

Am Morgen war Steve lange vor Catherine wach.
Sie lag in seinen Armen, während er gegen die Decke starrte.
Immer wieder ging er in Gedanken alles durch, was seine Kollegen ihm gestern Abend präsentiert hatten. Am meisten beschäftigte ihn dabei der Brief von Laura Hills. Auch sie hatte Shelburne erwähnt. Immer wieder hatte Wo Fat ihn danach gefragt. Auch wenn er sich nicht mehr an alles erinnern konnte, was in den letzten vier Monaten passiert war. Daran waren die Injektionen schuld, die man ihm immer wieder gespritzt hatte. Dennoch war er nicht zum willenlosen Spielball von Wo Fat geworden. Er konnte sich ganz gut daran erinnern, dass Wo Fat ihm immer wieder nur diese beiden Fragen gestellt hatte, nämlich wo seine Tochter war und wo sich Shelburne aufhielt. Allerdings hatte er keinen blassen Schimmer, wer dieser Shelburne war und warum Wo Fat annahm, dass er etwas darüber wusste. Erstaunt war er dann gestern Abend gewesen, als Joe ihm sagte, dass er wüsste, wer Shelburne ist. Noch mehr überraschte ihn allerdings, als er auch in dem Brief von Laura Hills auf diesen Namen stieß.
Was hatte das alles mit ihm zu tun? Warum war dieser Shelburne so wichtig? Warum hatte Noshimuri gegenüber der Gouverneurin gesagt, das, Wo Fat auf keinen Fall erfahren darf, wer Shelburne ist?
Gestern Abend war es schließlich zu spät gewesen, als dass er Joe noch einmal nach Shelburne hätte fragen können, aber das würde er nachholen. Sobald er seine Unschuld an dem Überfall auf das Waffenlager und damit auch den Mord an den Soldaten bewiesen hatte.
Und genau das würde er noch heute tun. Steve hatte nicht vor, hier länger tatenlos herumzusitzen.

Dannys erste Amtshandlung an diesem Morgen war, Charlie Fong aufzusuchen. Sie hatten die Fingerabdrücke, die sie am Mahiilii Kanal genommen hatten, sofort zu Charlie ins kriminaltechnische Labor gebracht.
Als Charlie, Danny hereinkommen sah, stöhnte er innerlich auf.
Er war es gewohnt, das alle Ermittler das Ergebnis seiner Untersuchung so schnell wie möglich haben wollten, aber Detektiv Williams hätte am liebsten sofort gewusst, wessen Fingerabdrücke sie sichergestellt hatten. Allerdings hatte Charlie wirklich Mühe überhaupt etwas Brauchbares heraus zufiltern. Teils lagen mehrere Abdrücke übereinander. Da war es fast unmöglich überhaupt zu einem Ergebnis zukommen. Das sagte er dann auch gleich, bevor Danny überhaupt zu einem Morgen Gruß ansetzen konnte.
„Sorry Danny. Aber das, was ihr mir da gestern gebracht habt, kann man kaum identifizieren. Das dauert Tage wenn nicht Wochen, da was heraus zufiltern.“
Natürlich war Danny nicht erfreut über diese Aussage und er wollte dies auch auf keinen Fall so hinnehmen. „So viel Zeit hast du nicht!“ Er schaute sich im Labor um. „Setz jeden Mann darauf an, der hier nichts tuend herumsteht. Ich brauch bis spätestens morgen, besser heute noch, etwas Brauchbares!“ Danny wartete gar nicht erst auf Charlies Antwort, sondern drehte sich sofort wieder herum und verließ das Labor.
Als er dann in seinem Büro war, musste er wohl oder übel einem anderen Fall seine Aufmerksamkeit schenken. Genau wie Chin und Kono.
Die Beweise, die sie bisher, um Steves Unschuld zu untermauern, gesammelt hatten, waren einfach nicht ausreichend um sie Gouverneur Denning unter die Nase zuhalten.

Etwa acht Meilen vom Iolani Palace entfernt versuchte Catherine, Steve gerade davon abzuhalten, sich ihren Autoschlüssel auszuleihen.
Steve hielt den großen Umschlag in der Hand und redete auf Catherine ein.
„Cath verstehst du denn nicht, dass ich hier nicht rumsitzen und warten kann, bis mein Team irgendwann die fehlenden Beweise in den Händen hält? Ich muss jetzt was tun, nicht in ein paar Tagen oder Wochen. Mein ganzes Leben steht auf dem Spiel.“
Natürlich verstand Catherine ihn aber sie machte sich auch Gedanken, was passieren könnte. Steve konnte einer HPD Streife begegnen. Entweder man würde ihn dann stellen und auf direktem Weg nach Halawa bringen oder Steve würde versuchen die Polizisten abzuhängen. Sie wollte sich das Szenario, egal welches, erst gar nicht ausmalen.
Allerdings konnte Catherine ihn nicht wirklich davon abhalten, sich die Autoschlüssel zunehmen und sich ihren Wagen auszuleihen. Sie hätte Steve wohl nur mit Waffengewalt davon abbringen.
„Sag mir wenigstens, wo du hin willst.“
„Besser du weißt es nicht. Dann kann mir auch niemand folgen.“ Steve beugte sich zu Catherine hinunter und gab ihr einen flüchtigen Kuss auf den Mund. „Ich verspreche, dass ich aufpassen werde.“
Damit verließ er das Haus. Mit dem Autoschlüssel in der einen und dem großen Umschlag in der anderen Hand.

Während Steve den Wagen in Richtung Downtown lenkte, sah er immer wieder in den Rückspiegel.
Er musste auf jeden Fall vermeiden, dass eine Polizeistreife auf ihn aufmerksam wurde, und hielt sich daher strikt an die Verkehrsvorschriften.
Ohne Stop erreichte er die South Beretania Street. Er ließ die Hafenanlagen hinter sich und nun lag Downtown zu seiner rechten Seite. Nach nicht einmal einer Meile bog er rechts in die Richards Street ab. Sein Ziel lag auf der linken Seite, aber hier konnte er nirgends parken.  Nach zweihundert Metern bog er deshalb links ab. Vor ihm lag der seitliche Teil des alten Iolani Palace. Als er kurz nach links schaute, sah er das andere Gebäude des Königspalasts, in dem das Five-0 Hauptquartier untergebracht war, liegen. Aber er hatte ein anderes Ziel und fuhr deshalb links um das Gebäude herum auf den Parkplatz. Dort stellte er den Wagen ganz hinten unter einer Reihe Bäume ab.
Als er ausstieg schaute er sich unauffällig nach allen Seiten um. Dann ging er die wenigen Schritte über die kleine Rasenfläche, auf den kleinen Platz vor dem Honolulu State Capitol. Er stand vor dem Hintereingang des Regierungssitzes. Noch einmal schaute er sich zu beiden Seiten um, dann betrat er das Gebäude.
Steve kannte sich hier aus und er wusste auch, wo sich das Büro des Gouverneurs befand. Alle Gouverneure von Hawaii hatten hier ihren Amtssitz gehabt. Nur Pat Jameson war in die auf der anderen Straßenseite gelegene Gouverneursresidenz eingezogen. Er musste jetzt nur unbemerkt bis zum neuen Gouverneur vordringen. Insgeheim betete Steve das hier niemand mit seinem Erscheinen rechnete und ihn daher auch nicht erkannte. Aber keiner schenkte ihm Beachtung, als er die Stufen hoch in den ersten Stock nahm. Wahrscheinlich lag das auch an dem großen Umschlag, den er in der Hand hielt. Alle dachten anscheinend er hätte hier einen Termin und Unterlagen dabei.
Schließlich näherte er sich der Sekretärin des Gouverneurs. Der neue Gouverneur musste sie neu eingestellt haben. Jedenfalls war ihm ihr Gesicht unbekannt. Sie saß hinter einem Schreibtisch in der großen Halle, die als Vorzimmer diente, und schaute erst auf, als er schon fast an ihr vorbei war.
„Sir. Sie können nicht einfach da hineingehen“!, versuchte sie ihn aufzuhalten, doch Steve schenkte ihr nur kurz seine Aufmerksamkeit. Ohne sich um zudrehen, hielt er den Umschlag hoch. „Detektiv Williams von Five-0. Ich hab einen Termin. Der Gouverneur erwartet mich bereits.“ Er konnte jetzt nur hoffen, dass sie Danny noch nicht kannte, aber er hörte keine weiteren Einwände, also ging er unbeirrt weiter auf die Tür des Gouverneursbüros zu.
Steve klopfte nur kurz und drückte schon fast im gleichen Moment die Türklinke nach unten.
Gouverneur Denning saß hinter einem massiven und wuchtigen Schreibtisch.
Als er hörte, wie die Tür geöffnet wurde, schaute er von den Papieren vor ihm auf. Im ersten Augenblick schien er sehr überrascht und man konnte an seinen Augen ablesen, dass er sich fragte, wer der fremde unangemeldete Besucher war. Aber sehr schnell wusste er, wo er das Gesicht schon einmal gesehen hatte und griff automatisch zum Telefonhörer. Doch bevor er eine Taste drücken konnte, sprach Steve ihn an. Die Tür ließ er dabei noch offen. Er hoffte, dass der neue Gouverneur dies als ein Zeichen seiner friedlichen Absicht ansah. „Bitte. Rufen Sie nicht den Wachdienst oder das HPD. Hören sie mich zuerst an und wenn sie dann noch immer überzeugt sind, dass ich den wachhabenden Offizier auf der Waffenbase erschossen habe, dann können sie das HPD rufen und ich werde mich einer Festnahme nicht entziehen.“
Die beiden Männer sahen sich in die Augen. Noch lag die Hand Dennings auf dem Telefonhörer. Natürlich hatte er Steves Akte genaustens studiert. Dort war nicht ein einziges Fehlverhalten von Ltd. Commander Steven McGarrett vermerkt. Und auch während seiner Zeit bei der Task Force war sein Ruf einwandfrei. Er hatte sich den Kopf darüber zerbrochen, warum ein Mann wie McGarrett die Seiten wechselte. Denning selbst hatte viele Jahre der US Armee gedient. War mehrfach ausgezeichnet worden. Genau wie McGarrett. Es war für ihn schwer vorstellbar, das so ein Mann sein Vaterland verriet und die Seiten wechselte.
Langsam zog er seine Hand zurück und deutete mit der anderen in Steves Richtung.
„Gut. Schließen Sie die Tür“, sagte er schließlich und deutete seinem Gast an, näher zutreten. Er würde sehr genau zuhören, was McGarrett ihm zu sagen hatte.
„Danke Sir.“ Steve nickte kurz, schloss die Tür und trat vor den Schreibtisch. „Ich weiß es zu schätzen, das Sie mich anhören.“
Denning legte die Unterarme auf den Tisch und faltete seine Hände. Von unten schaute er Steve in die Augen. „Also gut. Fangen Sie an.“
Steve holte die Negative aus dem Umschlag und legte sie vor Denning auf den Tisch. „Alles fing an, als ich die Fotos von diesen Negativen erhielt“, begann er. Während Denning die Negative gegen das Licht hielt, blieb er weiterhin stehen. Der Gouverneur hatte ihn bisher nicht gebeten Platz zunehmen, und solange er dies nicht tat, würde Steve den Anstand wahren und stehen bleiben.
„Ich nehme an, bei dem jungen Mädchen handelt es sich um ihre Tochter, die sie von der Insel haben schaffen lassen.“ Denning legte die Negative vor sich hin.
„Ja Sir. Diese Fotos und der Zettel, der dabei lag, ließen mir keine andere Wahl. Ich weiß, dass Sie glauben, ich hätte dies alles inszeniert aber wenn Sie die Schrift auf diesem Zettel, der noch immer im Schreibtisch meines Büros liegt, analysieren lassen, werden Sie feststellen, dass es nicht meine Schrift ist. Sie gehört Laura Hills. Vergleichen Sie, sie mit der Schrift auf diesem Brief.“ Steve nahm jetzt den Brief heraus und reichte ihn dem Gouverneur.
Als Denning den Brief in der Hand hielt, schaute er erneut zu Steve auf und zeigte dann auf den Umschlag in dessen Hand. „Haben sie da noch mehr drin?“
„Ja Sir.“
Denning nickte nur. „Gut. Setzen wir uns darüber. Ich denke, dass dies doch ein längeres Gespräch wird.“ Er zeigte auf den großen runden Tisch, der in der Mitte des Büros, hinter Steve stand.

Danny saß in seinem Büro und tippte gerade einen Bericht.
Er hasste es und sah dies als lästige Pflicht an. Er schob es immer vor sich her und konnte sich erst dann dazu durchringen, wenn es sich nicht weiter aufschieben ließ. Er war für jede Anlenkung dankbar und daher zögerte er auch nicht lange, als das Telefon auf seinem Schreibtisch klingelte.
„Detektiv Williams“, meldete er sich, ohne auf das kleine Display zu schauen, auf dem ihm die Nummer des Anrufers angezeigt wurde.
„Hier ist Catherine Rollins. Es tut mir leid, wenn ich Sie störe, aber ich habe lange überlegt, Sie anzurufen.“
„Oh, kein Problem Miss Rollins.“ Da Danny nicht beim Militär war, hielt er es auch nicht für notwendig Catherine mit Lieutenant anzureden. Allerdings legte Catherine darauf auch keinen Wert, als sie fortfuhr. „Steve ist jetzt bereits seit mehreren Stunden unterwegs.“
Danny stand auf. Dies geschah so abrupt und heftig das sein Bürostuhl einen halben Meter nach hinten rollte. „Was soll das heißen, er ist seit Stunden unterwegs? Ich denke er ist bei ihnen. Wo wollte er hin?“
„Ich habe keine Ahnung. Er hat es mir nicht gesagt. Nur meine Autoschlüssel und den Umschlag, den Sie gestern Abend mitgebracht haben, genommen und ist zur Tür raus.“
„Was? Warum zum Teufel haben Sie ihn nicht aufgehalten?“ Danny stieg die Zornesröte ins Gesicht und er wurde auch ziemlich laut.
„Wie hätte ich das denn machen sollen? Steve würde sich nur mit vorgehaltener Waffe von seinem Vorhaben abbringen lassen.“
„Dann hätten Sie das Verdammt noch mal tun sollen!“ Danny war außer sich vor Wut. Er hätte wissen müssen, dass Steve nicht die Füße stillhalten würde. Aber er hatte gedacht, dass diese Catherine Rollins soweit Einfluss auf Steve hatte, das dieser jetzt eben nicht da draußen irgendwo rumlief und in seiner guten alten Rambo Manier die Sache auf seine Art klärte.
„Gut. Hören Sie zu. Bleiben sie im Haus und wenn Steve auftaucht, rufen Sie mich sofort an!“
Er wartete erst gar nicht Catherines Antwort ab sondern knallte den Hörer gleich auf die Gabel.
„Ich bringe ihn um!“ Danny rannte förmlich aus seinem Büro. Er wollte Chin und Kono rufen, damit sie Steve suchen konnten, als er draußen auf dem Gang fast mit seiner Kollegin zusammenstieß. Auch Chin kam gerade aus seinem Büro.
„Kono was ist los?“ Fragte er auch gleich. Doch bevor Kono antworten konnte, fiel ihr Danny ins Wort. „Steve ist weg!“
„Was“?, kam es von beiden gleichzeitig.
„Ja. Catherine Rollins hat gerade angerufen. Steve, dieser verdammte Idiot, ist seit Stunden irgendwo da draußen unterwegs. Wir müssen ihn finden, bevor das jemand anders tut. Aber das schwör ich euch: Sobald ich ihn in die Finger bekomme, bringe ich ihn um!“
„Vielleicht kannst du damit noch etwas warten. Charlie hat angerufen. Er konnte tatsächlich aus eurem Wirrwar von Fingerabdrücken drei herausfiltern.“ Kono wollte nicht eher das Hauptquartier verlassen und ihren Boss suchen, bevor sie nicht auch die letzten Beweise für Steves Unschuld hatten. Nur so konnten sie einer Verhaftung von McGarrett entgegenwirken.
Chin und Danny schauten noch, als wüssten sie nicht, ob dies nun eine gute oder schlechte Nachricht war, als Kono auch schon zum Surftable ging. „Charlie hat uns die Ergebnisse schon rüber geschickt.“
Schnell öffnete sie die Datei. Ihre beiden Kollegen traten zu ihr und schauten auf den Bildschirm an der Wand. Auf dem Surftable erschienen bereits drei Bilder. Charlie hatte nicht nur die Fingerabdrücke herausfiltern können. Er hatte sie auch gleich durch die Datenbank geschickt und für alle jeweils einen Treffer erhalten. Kono tippte auf das erste Bild und es erschien auf dem Wandschirm.
„Arthur Grey. Er kommt aus Chiacgo.“ Bemerkte Chin
„Ja. Und er ist dort mehrfach verhaftet worden. Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit. Betteln und Herumlungern an öffentlichen Plätzen. Ein Obdachloser. Verschwand vor einem Jahr von der Bildfläche“, las Kono vor.
„Das muss unser Doppelgänger sein. Wo Fat hat sich also einen von der Straße geholt, um aus ihm Steve zu machen.“
„Nach einem Obdachlosen fragt auch niemand. Das perfekte Opfer.“ Danny konnte nur Chins Gedanken zustimmen. „Zu wem gehören die anderen Fingerabdrücke?“
„Einen von Wo Fats Wachhunden. Chiaki Hayato.“ Auch von diesem erschien das Bild auf dem Wandschirm. „Und der Dritte ist kein geringerer als Wo Fat selbst. Charlie konnte keine von den Fingerabdrücken Steve zuordnen.“ Kono schien äußerst zufrieden mit den Ergebnissen die Charlie ihnen geschickt hatte. Aber auch Danny und Chin schienen erleichtert.
„Das dürfte reichen, um zu verhindern, dass Steve in Halawa landet.“ Chin war anzusehen, dass er sich sicher war, dass sie damit Steves Unschuld endgültig beweisen konnten.
Auch wenn Danny sicherlich eben so froh über diese Ergebnisse war, so kochte er dennoch innerlich vor Wut. Aber jetzt mussten sie zunächst die Fahndung nach Steve stoppen. „Denning muss sofort alles zurückpfeifen.“
„Gut. Ich ruf ihn sofort an.“ Kono wollte sich schon herumdrehen und von ihrem Apparat im Büro den Gouverneur informieren. Doch Danny hielt sie davon ab.
„Nein. Das will ich ihm persönlich sagen. Ich will sein Gesicht sehen, wenn ich ihm sage, das er sich gewaltig geirrt hat.“
Etwas skeptisch schaute Chin seinen Kollegen an. „Ich glaube es ist besser, wenn wir mitkommen,“ entschied er dann für seine Cousine gleich mit. Schließlich kannte er Danny gut genug, um zu wissen, dass dieser zu leicht die Fassung verlieren konnte. Und sie mussten unter allen Umständen verhindern, das ihnen die Sache auf den letzten Metern entglitt.

Sie verzichteten darauf mit dem Auto zum Capitol zufahren. Schließlich brauchten sie nur die Straße zu überqueren, um den Königspalast herum gehen und sie betraten das Capitol von der Rückseite. Genau wie vor ein paar Stunden Steve.
Schnellen Schrittes näherten sie sich der Sekretärin des Gouverneurs. Danny zückte als Erster seinen Ausweis, als sie vor ihrem Schreibtisch stehen blieben.
„Detektiv Williams. Five-0. Wir müssen mit dem Gouverneur sprechen.“
Überrascht sah sie Danny und dann Chin und Kono an. „Der Gouverneur ist gerade beschäftigt. Außerdem ist schon ein Detektiv Williams von Five 0 bei ihm.“ Ihre Antwort kam etwas spitz, denn sie fühlte sich gerade etwas auf den Arm genommen. Obwohl der Ausweis, der ihr hingehalten wurde, besagte, dass es sich wirklich um Detektiv Williams handelte.
Danny hingegen hatte das Gefühl, das ihn soeben ein Zug überrollt hatte. Wer zum Teufel nutzte da seine Identität? Im selben Moment wusste er, das es nur einen gab, der so dreist sein konnte. Ohne der Sekretärin noch Beachtung zuschenken, rauschte er an ihr vorbei.
„Sir. Das geht nicht. Sie können nicht... „
Chin hielt sie mit einer Handbewegung zurück, als sie gerade aufstehen und hinter Danny her wollte. So schnell sie dann konnten folgten Chin und Kono ihrem Kollegen, der sich erst gar nicht die Mühe machte an die Bürotür des Gouverneurs zuklopfen, sondern diese sofort aufstieß.
Er hörte gerade noch, wie der Gouverneur sagte, „ich bin froh, das Sie damit, zu mir gekommen sind und ich sichere Ihnen meine volle Unterstützung zu.“ Dann galt seine volle Aufmerksamkeit Detektiv Williams, der auch sogleich los wetterte, ohne darauf Rücksicht zunehmen, wo er sich befand. „Also das glaub ich doch alles nicht! Hab ich dir nicht gesagt, du sollst bleiben, wo du bist!? Aber nein! Mister Superseal, Rambo in Reinkultur, hier, muss ja wieder seinen eigenen Feldzug starten. Weißt du, was ich jetzt mache? Ich werde dich festnehmen und dann vom nächsten Dach hängen. Vielleicht rutschen dann ja ein paar Gehirnzellen zurück in dein Gehirn.“
„Danny“, Chin versuchte seinen Kollegen zum Schweigen zu bringen, denn anders als diesem, entging ihm natürlich nicht, wie Gouverneur Denning nun aufstand und sich seine imposante Statur aufbaute, um Danny in die Schranken zu weisen.
„Was“?, drehte Danny sich nur kurz zu ihm. Chin zeigte mit dem Kopf in Richtung Denning. Als auch schon dessen scharfe und schneidende Stimme durch den Raum hallte.
„Detektiv Williams! Ich glaube, Sie haben nicht nur vergessen anzuklopfen. Sie scheinen auch nicht zu wissen, dass Sie sich hier in meinem Büro befinden und nicht in einer Wartehalle!“
Leicht irritiert drehte Danny sich zu um und schaute erst Chin und dann Kono an. Beide jedoch zuckten nur kaum merklich mit den Schultern. Auch sie waren mehr als überrascht Steve hier zusehen. Noch dazu saß er, als wenn es sich um die normalste Sache der Welt handeln würde, in völligem Einklang mit dem Gouverneur an einem Tisch.
Schließlich blickte Danny wieder zu Steve und sah dann den Gouverneur an. „Entschuldigen sie Sir. Aber als ihre Sekretärin sagte, dass Sie Besuch von einem gewissen Detektiv Williams haben, wollte ich sehen, wer sich da meinen guten Namen ausgeliehen hat.“ Er bedachte Steve mit einem schiefen, wütenden Blick. „Außerdem habe ich McGarrett ausdrücklich gesagt, das wir den Fall aufklären würden.“ Diesen letzten Satz konnte Danny sich nicht verkneifen.
„Sie geben also zu, das Sie,“ Gouverneur Denning schloss dabei auch Chin und Kono ein, „Sie alle gewusst haben, wo sich Commander McGarrett aufhielt?“
„Nicht direkt,“ kam Chin der Antwort seines Kollegen zuvor.
„Jedenfalls bis vor zwei Tagen nicht,“ stellte Kono überflüssigerweise richtig.
Danny und Chin verdrehten resigniert die Augen. Das war's dann wohl. Gouverneur Denning würde sie alle suspendieren.
Denning verschränkte die Arme vor der Brust. Für zwei Sekunden legte sich eine tödliche Stille über den Raum. Steve beruhigte sie schließlich. „Hey, entspannt euch. Ich habe die Sache bereits erklärt und Gouverneur Denning alle Beweise vorgelegt.“
Danny schnappte nach Luft. „Du hast was?“
„Ja Detektiv Williams. Und ich wünschte Sie hätten dies bereits getan. Es sind zwar noch nicht alle Zweifel restlos ausgeräumt, aber ich glaube Commander McGarrett und bin bereit ihm die volle Unterstützung zukommen zulassen, um diesen Wo Fat zu fangen und damit auch endgültig zu beweisen, dass er an dem Überfall und der Ermordung des wachhabenden Offiziers nicht beteiligt war.“
Kono schob sich nun einfach an ihren Kollegen vorbei und schritt zielstrebig auf den runden Tisch zu, an dem Steve saß. Sie hatte den aufgeklappten Laptop dort stehen sehen.
„Wenn Sie gestatten, Sir,“ Kono zog gleichzeitig den kleinen Stick aus ihrer Hosentasche und zeigte diesen dem Gouverneur.
„Bitte,“ Denning verstand und zeigte auf seinen Laptop.
Schnell hatte Kono den USB Stick in die Buchse gesteckt und gleich darauf sahen sie, was zuvor auch schon im Hauptquartier auf dem Surftable sichtbar war.
„Arthur Grey,“ las Steve.
„Ja. Unser John Doe und dein Doppelgänger. Charlie konnte ihn über die Fingerabdrücke, die Danny und Chin an der Leiter zum Mahiilii Kanal genommen haben, identifizieren. Außerdem konnten zwei weitere Abdrücke Wo Fat und seinem Wachhund  Chiaki Hayato zugeordnet werden. Aber es gibt keine Fingerabdrücke von McGarrett.“
Chin und Danny waren inzwischen auch an den Tisch herangetreten und nun warteten sie alle gespannt auf die Reaktion des Gouverneurs.
Denning nickte. „Das genügt mir. Ich werde sofort veranlassen, dass Sie nicht länger auf der Fahndungsliste stehen,“ er schaute dabei direkt Steve an, der sich jetzt erhob, bevor Denning fortfuhr. „Außerdem möchte ich, das Sie so bald wie möglich ihren Dienst bei Five-0 wieder aufnehmen.“
„Ja Sir. Danke.“ Steve reichte Gouverneur Denning die Hand.
Kurz darauf verließen alle vier das Büro des Gouverneurs.

Als sie zehn Minuten später die Halle des Five-0 Hauptquartiers betraten, ließen Danny, Chin und Kono ihrem Boss Zeit, sich umzusehen.
Für Steve war es wie eine Heimkehr. Über vier Monate hatte er diese Räume nicht betreten. Langsam ging er den Gang zwischen Dannys, Konos und Chins Büro entlang, bis er schließlich die eigentliche Halle betrat und dort vor dem Surftable stehen blieb.
Seine Kollegen standen hinter ihm, als er sich herumdrehte.
„Willkommen zu Hause Boss. Schön, dass du wieder da bist.“ Brach Kono das Schweigen.
Steve nickte nur. Ihm fehlten die richtigen Worte. Dann ging sein Blick rüber zu seinem Büro. Er konnte von hier aus die Couch sehen, auf der Cathy ihre letzte Nacht hier in Honolulu verbracht hatte. Melancholie legte sich auf sein Gesicht, als er daran dachte, wie er sich von ihr verabschiedet hatte. Auch wenn er sein Leben wieder hatte. Er wünschte sich nichts mehr, als das seine Tochter wieder hier bei ihm wäre. Aber wie lange würde das dauern, bis er sie wieder in seine Arme schließen konnte?
„Ach, bevor ich es vergesse. Du solltest Miss Rollins anrufen. Ich glaube sie macht sich ziemliche Sorgen.“ Holte Danny ihn zurück.
Erstaunt sah Steve ihn an. „Catherine? Sie macht sich Sorgen?“ Steve zog leicht die Augenbrauen nach oben doch Danny nickte nur eifrig.
„Ja. Kann ich zwar nicht verstehen, aber sie hat vorhin angerufen.“
„Ja gut. Ich ruf sie sofort an.“
„Da ist allerdings noch etwas.“ Es schien als würde gerade Dannys große Stunde schlagen. „Ich nehme an, dass du dann auch wieder nach Hause willst, um deine,“ er zeigte auf Steves Hosen. „Um deine Cargopants wieder anzuziehen. Du musst dich doch völlig overdressed fühlen.“
Steves Mundwinkel verzogen sich zu einem Grinsen und gerade, als er etwas darauf erwidern wollte, machte Danny nur eine abwartende Handbewegung und verschwand auch sofort in seinem Büro.
Als er zurückkam, hielt er Steve einen Schlüssel entgegen.
„Was ist das?“
„Das? Das ist ein Schlüssel. Der passt, - der passt zu deinem Haus. Also du kannst damit die Haustür aufschließen,“ erklärte Danny und es lag nun an ihm, ein ziemlich breites Grinsen aufzusetzen.
Steve verstand nicht ganz. Chin und Kono schon und sie waren jetzt sehr gespannt was Steve sagen würde, wenn Danny ihm erklärte, was es mit diesem Schlüssel auf sich hatte.

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Zuletzt von dvosen am So Sep 01, 2013 10:05 pm bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: Ungewisse Zukunft - Eine H50 FanFiction (fertiggestellt)   So Sep 01, 2013 10:04 pm

Kapitel 32


Sie saßen bei Kamekona am Strand.
Der Shrimps Imbiss war inzwischen zum Treffpunkt des Five-0 Teams geworden. Aber auch Joe und nun auch Catherine gesellten sich des öfteren dazu.
Knapp eine Woche war vergangen, seitdem Steve seine Arbeit wieder aufgenommen hatte.
Natürlich richtete er sein Hauptaugenmerk auf die Yakuza und somit Wo Fat.
Aber bisher war alles ruhig geblieben und Wo Fat auf der Insel nicht gesichtet worden. Steve hatte Adam Noshimuri aufgesucht. Sein Vater Hiro Noshimuri war bis zu dessen spurlosem Verschwinden das Oberhaupt der Yakuza. Als er Hiros Sohn nach Shelburne fragte, hatte dieser nur unwissend und bedauernd mit den Schultern gezuckt. „Ich habe diesen Namen noch nie gehört. Wie kommen sie darauf, dass ich weiß, wer Shelburne ist?“
Steve musste sich beherrschen, Adam nicht am Kragen zu packen und die Wahrheit aus ihm heraus zuprügeln. „Weil Sie Hiro Noshimuris Sohn sind! Weil Sie die Geschäfte im Namen ihres Vaters führen! Und weil ihr Vater weiß, wer Shelburne ist! Sie wollen mir ernsthaft erzählen, dass er Sie nicht eingeweiht hat?!
„Tut mir leid. Aber ich habe keine Ahnung, wo von Sie sprechen. Und falls es Sie beruhigt, ich führe die Geschäfte nicht im Namen meines Vaters. Ich weiß nicht einmal, wo er ist. Sie können mir glauben, dass ich alles versucht habe, ihn ausfindig zu machen. Aber es ist, als existiere er gar nicht.“
Steve hatte sich daraufhin eingestehen müssen, dass er Adam Noshimuri, nicht auf diese Weise beikommen konnte. Er würde ihm sicher keine Hilfe sein. Der Einzige, der etwas über Shelburne wusste, war Joe. Aber mit ihm hatte er bisher nicht sprechen können. Es schien fast so als würde Joe sich hinter seiner Arbeit verstecken und ihm ausweichen.

Joe war vor fünfzehn Minuten zu ihnen gestoßen und sie saßen sich jetzt gegenüber.
Steve wartete noch, bis Joe seinen leeren Teller beiseiteschob, dann ergriff er die Gelegenheit.
„Joe ich muss mit dir reden!“
„Wann immer du willst,“ nickte Joe.
„Okay. Jetzt!“
„Hier?“
Steve schaute sich nur kurz um. Dann sah er einige Meter von ihnen entfernt eine freie Sitzgruppe.
„Gehen wir dort rüber!“ Mit einem entschuldigenden Blick auf Catherine stand Steve auf.
Es war Catherines letzter Urlaubstag und eigentlich hatten sie diesen Abend gemütlich ausklingen lassen wollen. Aber Steve wollte und konnte nicht länger warten. Er musste Joe zur Rede stellen.
Und dies war die beste Gelegenheit, bevor Joe sich wieder zurückzog und er ihn tagelang nicht zu Gesicht bekam.
Joe stand ebenfalls auf. Aber er folgte Steve nicht sondern ging zum Shrimps Truck und kaufte zwei Bier.
Er stellte eine Flasche vor Steve hin. „Hier. Du wirst es brauchen“!, sagte er dann und setzte sich Steve gegenüber.
Steve schob die Flasche zur Seite, legte seine Unterarme auf den Tisch und schaute Joe an. Er wartete darauf, dass dieser ihm sagte, was er über Shelburne wusste. Aber Joe nahm zunächst einen Schluck Bier, stellte dann die Flasche vor sich und schaute dann wie zufällig nach links und rechts. Er suchte nach den passenden Worten denn das, was er Steve zusagen hatte, würde nicht einfach werden. Er wusste dass, dass was er ihm in den nächsten Minuten erzählen würde, Steve aus der Bahn werfen konnte.
„Du hast mich gefragt, ob ich weiß, wer Shelburne ist.“
Mit ernstem Blick, zusammengekniffenen Lippen und die Stirn in Falten gelegt, nickte Steve.
„Shelburne war der Deckname für jemanden, der viele Jahre für die CIA als Spion gearbeitet hat.“
„Wer war diese Person? Ich meine, Laura Hills sagt in ihrem Brief, das Shelburne der Mörder von Wo Fats Vater ist.“
„Langsam Steve. Lass es mich der Reihe nach erklären. Diese Person war jedoch nicht nur als Spion tätig. Sie hat für die CIA auch, sagen wir, unliebsame und unbequem gewordene Personen beseitigt. Die USA befanden sich mit der Sowjetunion und China im Kalten Krieg. Jeder war dabei Informationen über den anderen zubeschaffen. Hauptsächlich ging es dabei um militärische Geheimnisse.“
„Das ist mir alles bekannt, Joe!“ Steve war die Ungeduld anzumerken. Auf was wollte Joe hinaus?
Commander White hob seine Hand und deutete Steve damit an, ihn weiterreden zulassen.
„Auch wenn man sich die größte Mühe gab, dass der anderen Seite nichts bekannt wurde, ganz verhindern konnte man es nicht. Die CIA war zu dieser Zeit in einige Zwischenfälle verwickelt, von denen nie jemand etwas erfahren durfte. Es gab eine Liste, auf der Personen standen, die unter allen Umständen zum Schweigen gebracht werden mussten.“
Steve verstand. „Sie wurden eliminiert.“
„Ja,“ nickte Joe und fuhr fort. „Es gab einen ranghohen General im MSS, dem chinesischen Geheimdienst. Er wusste von Attentaten, die von der CIA verübt worden waren. Wäre s ihm gelungen diese an seine Vorgesetzten weiterzugeben, hätte die Rot Chinesische Regierung die USA in der Hand gehabt. Die amerikanische Regierung wäre in arge Bedrängnis gekommen und hätte sich ihren Verbündeten gegenüber erklären müssen, also musste man ihn daran so schnell wie möglich hindern und so wurde der Auftrag erteilt, diesen General auszuschalten. Es lag in den Händen von Shelburne ihn aufzuspüren und zutöten.“
Natürlich konnte Steve eins und eins zusammenzählen. Wirklich überrascht zeigte er sich nicht, als er jetzt nur ganz kurz nickte. „Dieser General war der Vater von Wo Fat.“
„Richtig“, bestätigte Joe. Bis hier her war es ihm verhältnismäßig leicht gefallen, Steve Rede und Antwort zugestehen. Aber er wusste, dass Steve weiterfragen würde und er hatte ihm bereits gesagt, dass er wusste, wer Shelburne war. Also konnte er jetzt nicht mehr zurück rudern, als ihn auch schon Steves nächste Frage erreichte.
„Und wer, war oder ist Shelburne?“
Joe konnte nicht verhindern, dass er hörbar aufseufzte. Schließlich musste er nun, zumindest zu einem Teil, sein Versprechen brechen.
„Doris,“
Steve verstand nicht. „Doris?“ Leicht schüttelte er dabei mit dem Kopf.
„Deine Mutter.“
Tödliche Stille legte sich zwischen Joe und Steve. Nur die Stimmen von anderen Gästen und das Meeresrauschen vom Strand drang zu ihnen. Steve konnte nicht glauben, was sein ehemaliger Ausbilder und Vaterersatz ihm da soeben eröffnet hatte.
„Das kann nicht sein!“
„Doch es ist die Wahrheit. Bevor deine Mutter deinen Vater heiratete, war sie bei der CIA.“
„Hat mein Vater davon gewusst?“
„Ja.“
„Was ist mit der Autobombe, die meine Mutter getötet hat?“
„Sie galt nicht deinem Vater. Man hatte Doris aufgespürt. Ihre Tarnung war aufgeflogen.“
„Und warum zum Teufel hat mein Vater all die Jahre geschwiegen?“ Steves Schockstarre löste sich und er stand wütend auf.
„Alles, was dein Vater getan hat, diente deinem und dem Schutz deiner Schwester.“
„Weißt du was Joe? Ich pfeif auf diesen ganzen Mist!“ Steve spie ihm die Worte voller Zorn entgegen. „Wenn mein Vater mich schon all die Jahre angelogen hat, so hättest wenigstens du mir die Wahrheit sagen müssen. Spätestens als Cathy in mein Leben trat, hättest du verdammt noch mal die Pflicht gehabt, es mir zu sagen! Was, wenn Wo Fat sie in die Hände bekommen hätte, bevor ich sie wegschaffen konnte? Was, wenn er sie aufspürt?“
„Beruhige dich. Das wird nicht passieren“, versuchte Joe, Steve zu beruhigen.
„Aber Wo Fat glaubt, dass Shelburne noch am Leben ist. Und solange er nicht weiß, das Shelburne tot ist, wird er weiter nach ihm suchen!“
„Ja und solange er dies tut, ist er zumindest für eine Zeit abgelenkt. Sobald Wo Fat erfährt, wer Shelburne war und tot ist, wird sich seine Rache auf dich und Cathy richten.“
Steve begann auf und ab zugehen. Dabei strich er sich immer wieder mit beiden Händen von unten über die Stirn und die Haare.
„Verdammt Joe! Verstehst du nicht? Ich werde Cathy nie zurückholen können. Nicht solange Wo Fat noch lebt!“

Es dauerte eine Weile bis Steve sich wieder unter Kontrolle hatte und zu den anderen zurück kehrte.
Joe setzte sich erst gar nicht. „Ich glaube, es ist besser, wenn ich jetzt gehe.“ Ein Blick noch auf Steve: „Es tut mir leid. Und das meine ich aufrichtig.“ Dann ging er an den Shrimps Truck und beglich die Rechnung. Er zahlte alles, was das Team und Catherine bisher verzehrt hatten.
Steves Blick folgte ihm, als er zu seinem Auto ging, einstieg und den Parkplatz herunterfuhr. Noch lange starrte er danach einfach ins Leere. Die fragenden Blicke seiner Kollegen und von Catherine spürte er zwar, aber darauf eingehen wollte er nicht. Er war einfach nur wütend. Wütend auf seinen Vater, dessen letzte Worte in ihm widerhallten und endlich einen Sinn ergaben. >> Es tut mir leid, das ich dich angelogen habe.<< Immer wieder hatte er sich gefragt, was sein Vater damit gemeint hatte. Jetzt wusste er es. Aber noch mehr war er wütend auf Joe. Nie hätte er geglaubt, dass Joe ihn so hintergehen würde. Es kam einem Verrat gleich. Hätte er sich nicht selbst befreien können und wäre von diesem Frachter ins offene Meer gesprungen und hätten ihn dann nicht Ikaika und Kelii aus dem Meer gefischt, seine Tochter wäre Vollwaise. Er wollte sich nicht vorstellen, was gewesen wäre, wenn Cathy bei den Anschlägen, die dieser Ire Mc Grath im Auftrag von Wo Fat, verübt hatte, etwas passiert wäre. Seine Tochter hätte getötet werden können. Und alles nur, weil Joe weiter geschwiegen hatte, nachdem sein Vater tot war.
„Hey Steve. Alles in Ordnung?“ Chin holte ihn aus seinen Gedanken.
Aber ihnen war natürlich nicht die hitzige Unterredung zwischen Joe und Steve entgangen. Sie hatten gehört, was Steve, mehr als laut gesagt hatte, aber sie konnten sich keinen richtigen Reim darauf machen. Allerdings befand sich Steve, gerade außerstande ihnen eine Erklärung abzugeben.
Aber er war auch ehrlich. „Nein. Cath, lass uns gehen“!, entschied er dann. Er drehte sich zu Kamekona um und winkte ihn aus seinem Truck heran.
Er wollte seine und Catherines Rechnung bezahlen, doch Kamekona winkte nur ab. „Alles schon erledigt.“
„Was denn?,“ mischte Danny sich ein, „lädst du uns alle ein?“
„Nein Bra. Aber Joe hat schon die gesamte Rechnung bezahlt.“
„Joe?“ Chin war darüber genau so überrascht wie alle anderen.
„Da hat wohl jemand ein schlechtes Gewissen“, kommentierte Steve nur. Dann nahm er Catherine einfach bei der Hand. „Komm.“
Zurück blieben Danny, Chin, Kono und Kamekona, die ihnen fragend hinterher schauten.

Joe war alles andere als wohl in seiner Haut.
Auf der einen Seite war er sich sicher, dass es das Richtige gewesen war, Steve die Wahrheit über seine Mutter zusagen. Auf der anderen Seite hatte er sein Versprechen gebrochen. Wenn auch nur zum Teil.
Er hatte, genau wie John McGarrett, Doris schon lange, bevor sie seinen Freund heiratete, gekannt. Sie hatten gewusst, was Doris getan hatte. Durch die Heirat von John und Doris, so glaubten sie, erhielt sie eine neue Identität. Aber eines Tages mussten sich alle eingestehen, dass man Doris aufgespürt hatte. Also musste ein Plan geschmiedet werden. Es galt Steve und seine Schwester Mary zuschützen. Und Doris musste verschwinden. Aber wie sollten sie Doris in Sicherheit bringen, ohne Gefahr zulaufen, dass sie nicht doch wieder aufgespürt wurde? Dass schlimmste an der ganzen Sache war, beide, sowohl Doris, als auch John, mussten das aufgeben, was ihnen am meisten bedeutete. Ihre Kinder und ihre Liebe zueinander. Denn es genügte nicht, das Doris nur untertauchte. Sie musste für immer verschwinden. Ihr Leben ausgelöscht werden. Es war der perfekte Tod, als der Wagen, durch die Autobombe in Flammen aufging.
Nur das Doris McGarrett nicht am Steuer saß. Sie war nicht einmal in der Nähe, sondern schon tausende von Meilen entfernt an einem geheimen Ort.
Niemand hatte Verdacht geschöpft und nur drei Personen wussten, dass an diesem Tag Doris McGarrett nicht gestorben war. Noshimuri, John McGarrett und er selbst.
John war tot. Erschossen im Auftrag von Wo Fat.
Noshimuri untergetaucht, nachdem er feststellen musste, dass Wo Fat drohte, seinem Wissen zu nahe zukommen.
Jetzt blieb nur noch er. Aber nie würde er Steve die volle Wahrheit sagen. Denn wenn er dass tat, war niemand in der Familie McGarrett mehr sicher. Steve würde alles daran setzen, den Aufenthaltsort von Doris in Erfahrung zubringen. Damit wäre alles umsonst gewesen.

Tage vergingen.
Das Team hatte einige kleinere Fälle bearbeitet. Das meiste gehörte nicht zu ihrem Aufgabenbereich, aber das HPD war durch einige Krankheitsfälle unterbesetzt und so hatte der Gouverneur um ihre Unterstützung gebeten.
So hatten sie dann eine kleine Bande gestellt, die ahnungslosen Touristen an unbewachten Geldautomaten auflauerten. In dem Moment, nachdem sie ihre Geheimzahl und den Betrag eingegeben hatten, wurden sie abgelenkt und ein anderer zog schnell das Geld aus dem Automaten. Noch ehe die Bestohlenen registrierten, was geschehen war, konnten die Täter entkommen.
Die Überfälle fanden immer an den gleichen Automaten statt. Also hatten sie sich aufgeteilt und jeder von ihnen hatte tagelang verschiedene Automaten im Auge behalten. Als Danny schließlich Zeuge eines solchen Überfalls wurde, traute er seinen Augen nicht.
Es waren Kinder! Er war von dieser Tatsache so überrascht, dass er zu spät aus seinem Camaro sprang und die Zwei längst über alle Berge waren. Natürlich war Steve nicht begeistert, als er hören musste, dass die Täter erneut entkommen waren. Allerdings machte er ein ziemlich dummes Gesicht, als er erfuhr, dass es sich bei den Tätern um Kinder handelte. Das hatte ihnen bisher niemand gesagt. Sie befragten die Geschädigten dann erneut und stellten fest, dass diese aus Scham, dass sie ausgerechnet auf Kinder hereingefallen waren, diese wichtige Tatsache verschwiegen hatten. Von nun an saßen sie zu zweit im Auto und beobachteten die Geldautomaten. Drei weitere Tage brauchten sie, bis Steve und Danny sahen, wie sich zwei Kinder, beides Jungs, im Alter von etwa acht Jahren einem Touristen näherten, der gerade dabei war, Geld abzuheben. Sofort stiegen sie aus dem Camaro, trennten sich und gingen von zwei Seiten auf den vermeintlichen Tatort zu. Beide konnten sehen, wie dieser Diebstahl vor sich ging. Eines der Kinder stand nur anderthalb Meter hinter dem Mann der gerade dabei war seine Geheimzahl und den Betrag einzugeben. Plötzlich krümmte sich der Junge und täuschte, laut aufschreiend, einen Schmerzanfall vor. Sofort drehte sich der Mann um, sein Geld vergaß er dabei und beugte sich zu dem Jungen hinunter. Der andere Junge hatte unbemerkt einen Meter neben dem Mann gestanden. Blitzschnell war er am Automaten und zog dort das Geld heraus. Im nächsten Augenblick rannte der Kleine auch schon los. Noch ehe der Geschädigte sich nun um den scheinbar kranken und hilflosen Jungen kümmern konnte, rannte auch dieser wie der Blitz davon. Genau auf Danny zu. Aber bevor er den Jungen zufassen bekam, schlug dieser einen Haken und entwischte ihm. Also blieb Danny nichts anderes übrig als ihm hinterher zu rennen. Dabei stieß er immer wieder Flüche aus.
Auf der anderen Seite erging es Steve nicht besser. Noch ehe er nah genug an den Jungen, der zuvor das Geld aus dem Automaten gezogen hatte, herankam, rannte dieser nach links in eine kleine Gasse. Steve brauchte nur den Bruchteil einer Sekunde überlegen, um zu wissen, dass diese Gasse zu einem Parkplatz auf der anderen Seite des Blocks führte. Statt diesem kleinen Biest hinterher zu laufen, rannte er einfach weiter. Um die nächste Ecke und keine fünfzig Meter weiter lief ihm der kleine Trickdieb direkt in die Arme.
Eigentlich hatte er dem Kleinen keine Handschellen anlegen wollen, als er aber am Camaro eintraf, konnte er Danny nirgends entdecken. Also blieb ihm nichts anderes übrig als den Jungen ins Auto zu verfrachten und ihn dort mit Handschellen von innen am Türgriff daran zuhindern, abzuhauen.
Dann machte er sich auf die Suche nach Danny.
Steve hatte vorher schon Chin und Kono verständigt. Sie würden in Kürze eintreffen und sich um das Opfer und den kleinen Gefangenen kümmern.
Steve hatte noch gesehen, dass der andere Junge einen Haken um Danny geschlagen und auf die andere Seite der Straße gelaufen war. Auch hier zweigte eine Gasse ab, die auf einen Parkplatz führte. Aber von Danny war nichts zu sehen. Steve drehte sich nach allen Seiten. „Danny“!, rief er dann. Irgendwo musste sein Partner doch sein.
„Hier,“ hörte er ihn schließlich. Der Ruf kam aus einer anderen Gasse, die von diesem Parkplatz auf einen Hinterhof führte. Steve lief schnell über den Platz und in die Gasse.
Sie befanden sich in Chinatown und überall in den Hinterhöfen stapelten sich Kisten und Müllsäcke von den Geschäften, Bars und Restaurants. So auch hier. Außerdem standen eine Anzahl von großen Müllkübeln aneinandergereiht auf der einen Seite. „Danny“?, rief Steve erneut.
„Ich bin hier,“ kam es hinter den Müllkübeln von dem gerufenen.
Dann stand er vor Danny, der auf einer Kiste saß und versuchte wieder zu Atmen zukommen.
Steve glaubte seinen Augen nicht zu trauen, als er Danny da sitzen sah. „Was zum Teufel machst du da? Wo ist der andere Junge“? Das konnte doch nicht wahr sein! Während er hinter dem anderen der beiden kleinen Biester her war, ruhte sein Partner sich hier in aller Seelenruhe aus. Doch Danny grinste ihn nur an und zeigte dann unter sich.
„Was denn? Du hast ihn in die Kiste gesperrt“?, fragte Steve mit ungläubigem Blick.
„Ja. Du hättest mal sehen sollen, wie der sich gewehrt hat, als ich ihn da runter gezogen hab, bevor er über die Mauer entwischen konnte.“ Danny zeigte ans Ende der Hinterhofgasse. Dort ragte eine knapp zweieinhalb Meter hohe Mauer empor, die den Hinterhof von der North King Street trennte.
Steve blieb nichts anderes übrig als den Kopf zuschütteln. „Komm schon, steh auf. Der kann nicht ewig darin hocken bleiben.“
Bevor Danny aufstand, fiel sein Blick auf Steves linken Arm, der eine Wunde aufwies und auch Blut. „Was hast du da?“
„Der kleine Bastard hat mich gebissen, als ich ihn endlich hatte.“
„Siehst du. Aus dem Grund hab ich den anderen einfach in die Kiste gesperrt. Damit es mir nicht so geht wie dir. Du brauchst eine Tetanusinjektion.“
Steve nahm den Deckel hoch als Danny endlich aufstand und der Kleine versuchte doch tatsächlich, erneut abzuhauen. Aber diesmal waren Danny und er schneller. Sie nahmen ihn einfach in ihre Mitte und schleppten ihn zum Auto.
Später brachten sie die Übeltäter nach Hause und lieferten sie bei ihren Eltern ab. Diese waren nicht wenig überrascht und auch nicht sehr erfreut, als sie erfuhren, was ihre Sprösslinge angestellt hatten. Diese kleinen durchtriebenen Biester hatten sich doch wirklich und wahrhaftig ihr Taschengeld aufgebessert. Da die beiden allerdings noch so jung waren, beließ man es bei einer Verwarnung.

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BeitragThema: Re: Ungewisse Zukunft - Eine H50 FanFiction (fertiggestellt)   Mi Sep 04, 2013 10:27 pm

Kapitel 33

Von Joe hatte Steve seit diesem Abend bei Kamekona nichts gehört. Er hätte nicht sagen können, dass er traurig darüber gewesen wäre. Es war im Augenblick wohl besser, wenn beide abstand voneinander hielten.
Ganz anders verhielt es sich mit Catherine. Sie verrichtete ihren Dienst und nach Feierabend verbrachte sie das meiste ihrer freien Zeit bei Steve. Es lief gut zwischen ihnen. Catherine war bisher die Einzige, der Steve erzählte, was Joe ihm über seine tote Mutter und Shelburne gesagt hatte. Immer wieder machte Steve sich Gedanken darüber. Er konnte einfach nicht glauben, dass er all die Jahre einer Lüge aufgesessen war. Seine Mutter hatte immer erzählt, dass sie vor der Heirat mit seinem Vater, Lehrerin gewesen sei. Dass sie dann, als zuerst er und dann später Mary geboren wurde, ihren Beruf aufgegeben hatte, weil sie zu Hause bei ihnen bleiben wollte. Dass seine Mutter immer wieder gesagt hatte, wie sehr sie ihn und seine Schwester liebte. Dass sie, Mary und er, für sie, dass wichtigste auf der Welt waren. Alles Lüge! Sein ganzes Leben war eine Lüge. Es ging nur darum, Doris eine neue Identität zu verschaffen. Aber das Schlimmste für ihn war, dass er wegen dieser Lüge seine Tochter hatte fortschicken müssen. Er würde sich das selbst nie verzeihen können. Aber er konnte es nicht mehr ändern. Würde er irgendwann die Gelegenheit haben, ihr alles zu erklären?
Catherine war es, die ihm den nötigen Halt gab, wenn er wieder einmal völlig am Boden zerstört war und am liebsten die gesamte Einrichtung kurz und klein geschlagen hätte.

So vergingen die Tage und Wochen.
Am liebsten hätte Steve all seine Zeit und Energie aufgewendet, um in der gesamten Welt, nach Wo Fat zusuchen. Aber er war nicht Leiter der Five-0 Task Force um seinen persönlichen Feldzug zuführen, sondern er trug auch Verantwortung für sein Team. Und das konnte er nicht im Stich lassen. So tat er seine Arbeit und zusammen mit seinem Team konnten einige Fälle geklärt werden.
Eines Tages wurden sie zum Ala Wai Canal gerufen. Kanufahrer hatten dort eine Leiche auf dem Wasser treiben sehen und sie an Land gezogen.
Als das Team am Tatort ankam, war Dr. Max Bergman bereits vor Ort und nahm eine erste oberflächliche Begutachtung der Leiche vor.
„Hi Max. Können sie schon was sagen?“ Steve hielt sich für gewöhnlich nicht lange mit Begrüßungen auf.
Max kniete neben der Leiche und blickte hoch. „Guten Tag Commander McGarrett,“ er schaute kurz zu Danny, Chin und Kono und nickte ihnen dann zur Begrüßung zu.
„Es handelt sich bei der Leiche um einen Mann. Erste Schätzung ungefähr fünfzig Jahre alt. Die Leiche hat nicht mehr als ein paar Stunden im Wasser getrieben. Todesursache dürfte Ertrinken sein.
Allerdings weißt sie zwei Besonderheiten auf.“
„Was für Besonderheiten?“ Danny war schon froh das Max nicht wieder eines seiner Lieblingswörter wie Anomalie benutzte.
„Ja, sehen sie hier,“ Max nahm das Handgelenk der Leiche und hob es leicht an.
„Die Finger fehlen,“ stellte Kono erstaunt fest.
Max nickte. „Sowohl an der rechten als auch an der linken Hand. Aber das ist noch nicht alles.“ Max hatte nun die volle Aufmerksamkeit des Teams. „Sehen sie sich die Haut an.“
„Sieht aus als hätte sie zu lange im Wasser gelegen,“ war Dannys einziger, leicht ironischer Kommentar.
„Das haben sie völlig richtig erkannt Detektiv Williams. Aber sie ist aufgequollen, die Stärke lässt darauf schließen, dass der Mann sich in sehr warmem Wasser aufgehalten haben muss. Ich würde sagen über 37°. Diese Temperatur weist der Ala Wai Canal aber keinesfalls auf.“
„Also heißt das, dass unser Mann nicht im Canal ertrunken ist.“ Schlussfolgerte Steve.
„Ganz richtig Commander.“
„Bitte Max, sagen sie einfach Steve.“ Steve war es leid, dass Max ihn ständig so förmlich anredete.
„Oh. Sehr gerne, Steve.“ Max fühlte sich wirklich geehrt. Er schätzte das gesamte Team von Five-0. Aber Steve McGarrett brachte er eine besondere Hochachtung entgegen. Er war ganz anders als Detektiv Williams, bei dem er oft gute Manieren und Anstand vermisste.
„Und wo dann?“ Danny hatte es irgendwie befürchtet. Es wäre ja auch zu einfach gewesen, wenn man den Mann zuvor die Finger abgeschnitten, und so einfach in den Ala Wai Canal geworfen hätte.
„Das heraus zufinden gehört nicht zu meinem Aufgabenreich, meine Herren.“ Max stand auf und war bereit den Fundort zu verlassen. Eine Obduktion, die nähere Aufschlüsse gab, würde er in den Räumen der Gerichtsmedizin vornehmen.

Sie hatten auf eine Befragung der Kanufahrer verzichtet. Die beiden hatten dem HPD bereits alles gesagt.
Allerdings war der Tote sehr schnell identifiziert. Auch, wenn er keinerlei Papiere bei sich getragen hatte.
„Bei dem Toten handelt es sich um Gregor Brendal. Zweiundfünfzig Jahre. Amerikaner. Manager des Kahala Hotels. Nicht verheiratet.“
Bei Chins letzten Satz atmete zumindest Danny innerlich auf. Wenigstens brauchten sie nun seiner Frau nicht die schlechte Nachricht überbringen.
Steve jedoch horchte sofort auf. „Das Kahala? Das gehört zu Noshimuris Hotels.“
„Ja. Und somit der Yakuza.“ Chin hatte gewusst, dass Steve dabei sofort hellhörig werden würde.

Steve und Danny machten sich sofort auf den Weg zum Kahala, dass am Fuße des Diamond Head lag und zu einem der größten Hotelkomplexe auf O'ahu zählte.
Viel erfuhren sie allerdings nicht. Brendal war ein verschlossener Mann gewesen, der selten jemanden an seinem Privatleben teilhaben ließ. Wenn er dann eines hatte. Denn die meiste Zeit verbrachte er damit, die Geschäfte des Hotels zuleiten. Er bewohnte eine Suite im Hotel, die Danny und Steve sich genauer anschauten. Ohne nennenswerte Ergebnisse.
Gerade, als sie das Hotel verlassen wollten, rief Max auf Steves IPhone an.
„Max“, meldete sich Steve, als er und Danny aus dem Aufzug in der Hotellobby stiegen.
„Ich kann ihnen mitteilen, dass der Tote tatsächlich ertrunken ist, aber wie ich bereits vermutete nicht im Ala Wai Canal. Außer das seine Haut sehr aufgequollen ist, weisen seine Lungen auch kein Salz, sondern Süßwasser auf. Genauer gesagt: gefiltertes und gechlortes Wasser. Außerdem hat man ihm die Finger erst nach Eintreten des Todes abgehackt.“
„Abgehackt“?, fragte Steve erstaunt nach und blieb gleichzeitig stehen.
„Ja. Sauber mit einem Schlag. Ich vermute ein scharfes Beil.“
„Danke Max.“ Steve steckte sein IPhone zurück in die Hosentasche und steuerte auf den Empfang zu. Danny bekam eine Erklärung, als Steve sich dort erkundigte, ob Brendal am Abend zuvor den Wellnessbereich des Hotels aufgesucht hatte. Sie bekamen die Auskunft, dass Brendal fast jeden Abend, bevor er seine Privaträume aufsuchte, in die Sauna ging.
Als Danny und Steve den Saunabereich aufsuchten, fanden sie den möglichen Tatort. Einen Whirlpool.
„Und du glaubst wirklich das Brendal hier ermordet wurde?“ Für Danny kam dies zwar in Betracht aber es konnte auch genau so gut in einem der Hotel Pools geschehen sein.
Doch Steve nickte nur. „Ja. Max sagte, dass die Wassertemperatur mehr als 37° betragen haben muss. Die Badewanne in seiner Suite war unbenutzt. Also kommt nur dieser Whirlpool infrage.“
„Na schön. Aber warum hat man ihm dann auch noch die Finger abgehackt? Ich meine, er war doch schon tot. Normalerweise foltert man jemanden, bevor man ihn umbringt und nicht umgekehrt.“
„Außer, man will damit eine Botschaft senden.“
„Was für eine Botschaft?“
Steve brauchte nicht lange überlegen. „Dass niemand ungestraft seine Finger in Angelegenheit steckt, die ihn nichts angehen.“
„Verstehe. Also du meinst, dass Brendal irgendjemanden zu nahe getreten ist und er deshalb sein Bad nicht beenden konnte.“
„Entweder das oder er hat etwas mitbekommen, das nicht für ihn bestimmt war.“
Steve drehte sich um und schritt auf den Ausgang des Badebereiches der Sauna zu. Ihm wurde es langsam zu warm. Und auch auf Dannys Stirn bildeten sich feine Schweißperlen.
Ohne weitere Fragen an das Hotelpersonal zu stellen, fuhren sie zurück zum Hauptquartier.
Steve war sich sicher, dass dieser Mord mit der Yakuza zusammenhing.
Also suchten sie am nächsten Tag Adam Noshimuri auf und waren nicht wenig überrascht als dieser ihnen die zehn Finger von Gregor Brendal in einer Schachtel vor die Nase stellte, mit den Worten, „das wurde gestern per Bote zugestellt.“
Danny warf nur einen kurzen Blick in die Schachtel dann wandte er sich angewidert ab.
„Und wer sagt uns, dass Sie ihm die nicht selbst abgehackt haben, nachdem sie Brendal im Whirlpool ihres Hotels unter Wasser gedrückt haben?“
Steve verschränkte die Arme vor der Brust. „Ja genau. Das Kahala gehört zu ihren Hotels. Wahrscheinlich ist Brendal zu unbequem für Sie geworden.“
„Hören Sie. Ich bin genau wie Sie, daran interessiert den Mörder zu finden. Mister Brendal hat schon seit vielen Jahren für meinen Vater gearbeitet. Er war wie ein Freund. Erst gestern hat er mir eine Nachricht hinterlassen. Er wollte sich mit mir im Hotel treffen. Sagte es sei wichtig“
Jetzt verschränkte auch Danny die Arme vor der Brust, als er leicht den Hals streckte. „Aha. Und er hat nicht zufällig erwähnt, was so wichtig gewesen ist“!?
„Nein. Aber vielleicht sollte ich Ihnen sagen, das, seitdem mein Vater verschwunden ist, es einige Schwierigkeiten in unserem Geschäftsbetrieb gibt.“
Danny konnte sich ein ironisches Grinsen nicht verkneifen. „Geschäftsbetrieb! Der ist gut. Sie meinen die Yakuza?“
Adam Noshimuri verzichtete darauf eine Antwort zugeben, stattdessen fuhr er unbeirrt fort. „Nennen sie es, wie Sie wollen. Ich weiß, dass mein Vater sich nicht immer ganz an die Gesetze gehalten hat, aber ich versuche die Geschäfte absolut legal zuführen. Genau das passt einigen früheren Geschäftspartnern meines Vaters nicht. Und das hier“, Adam zeigte auf die Schachtel, „ist als Botschaft an mich gerichtet.“
Steve nickte. „Und wer könnte Ihnen so eine Botschaft zukommen lassen?“
„Finden sie es heraus. Ich werde Sie nicht daran hindern. Aber seien Sie schneller als ich!“

Später im Hauptquartier wartete Kono bereits mit einer Überraschung auf sie.
Sie hatte sich alle Überwachungsbänder des Kahalas besorgt und einen guten alten Bekannten entdeckt.
„Die sind von gestern Abend,“ erklärte Kono noch, bevor sie den Film abspielte.
Als Steve es auf einem der großen Wandschirme sah, gefror ihm das Blut in den Adern.
„Wo Fat!“ Danny hätte es nicht extra aussprechen müssen. Sie alle sahen ihn, wie er den Fahrstuhl betrat.
„Kono, zoom mal ran. Ich will sehen, in welche Etage er fährt.“ Steve hatte seine Sprache wiedergefunden und jetzt wollte er wissen, ob er richtig vermutete.
Auf dem großen Schirm wurde das Bild größer und sie konnten sehen, das der Fahrstuhl in den zehnten Stock fuhr.
„Dort befindet sich der Wellnessbereich. Kono, zeig mir das Band von der zehnten Etage!“ Steve war sich sicher das Wo Fat dort zum Saunabereich gehen würde. Und er sollte recht behalten. Wo Fat trat aus dem Lift, schaute sich kurz zu beiden Seiten um und ging dann dort hin, wo sich die Sauna und der Whirlpool befanden. Sie mussten einige Minuten warten, bis er wieder ins Bild kam.
Über die rechte Schulter trug er einen leblosen Körper. Bekleidet mit einer grauen Hose, einem weißen Hemd und schwarzen Schuhen an den Füßen. Mit dieser Kleidung war Gregor Brendal aus dem Ala Wai Canal gezogen worden. Als Wo Fat erneut im Fahrstuhl verschwand, zoomte Kono automatisch heran. Die Anzeige oberhalb des Lifts zeigte an, dass er direkt in die Tiefgarage fuhr.
Kono schaltete um und sie konnten sehen, wie Wo Fat dort ausstieg. Dann verlor sich seine Spur.
„Wenn Wo Fat, Brendal getötet hat, bedeutet das, dass die Yakuza und damit Adam Noshimuri dahinter stecken.“ Steve zeigte bei seinen Worten auf den Bildschirm und nickte, um seine Aussage zu unterstreichen.
„Nein! Das heißt es nicht“!, erklang hinter ihnen die Stimme von Joe.

Alle vier hatten sich auf der Stelle umgedreht, als sie hinter sich die Stimme vernahmen.
Während seine Kollegen, Joe mit, „hey Joe. Schön, dass du dich mal wieder blicken lässt“, begrüßten, schien Steve weniger erfreut ihn zu sehen. Die Lippen fest aufeinander gepresst, die Augenbrauen nach unten gezogen und die Stirn nach oben, war sein Blick starr auf Joe gerichtet.
Als Joe jetzt auf ihn zukam, hielt er den Blick stand.
„Hör zu Steve. Ich weiß, dass es ein Fehler war. Von deinem Vater und auch von mir. Aber niemand kann die Zeit zurückdrehen und es ungeschehen machen. Das Einzige, was wir tun können, ist versuchen damit zu leben. Ich hoffe du kannst uns allen irgendwann verzeihen.“
Kurz wandte Steve seinen Blick zur Seite, weg von Joe. Er war nie jemand, der nachtragend war. Der in alten Wunden bohrte. Er konnte sehr wohl die Vergangenheit ruhen lassen. Aber das hier war etwas anderes. Und doch wusste er, hatte er erst einmal den Schmerz hinter sich gelassen, würde er auch damit leben können. Würde bereit sein, Joe die Hand zu reichen. Er nickte nicht mit dem Kopf, als er Joe wieder in die Augen sah und sagte: „Irgendwann ja. Aber es wird seine Zeit brauchen.“
„Gut. Damit kann ich leben.“ Joe war die Erleichterung anzusehen, als er jetzt mit dem Kopf nickte.
„Okay. Aber das ist wohl nicht der Grund, warum du hier bist,“ stellte Steve dann sachlich fest und er sollte recht behalten.
„Nein“, stimmte Joe zu und fuhr gleich darauf fort. „Ich bin hergekommen, um dir zu sagen, dass Wo Fat wieder auf der Insel ist. Aber das habt ihr ja inzwischen selbst herausgefunden.“ Joe zeigte auf den Wandschirm, wo jetzt wieder das Gesicht von Wo Fat zu erkennen war, als er den Lift in der Tiefgarage des Hotels verließ.
„Und woher weißt du das“?, wollte Chin wissen.
Joe warf einen Blick in die Runde, als er spürte, dass alle vier ihn anschauten. „Na sagen wir, ich habe Vögelchen, die mir ab und zu etwas zu zwitschern.“
„Und haben dir diese Vögelchen auch gezwitschert, wo Wo Fat sich hier auf Hawaii aufhält?“ Steve sah seine Chance, endlich Wo Fat zu fassen. Allerdings musste Joe ihn enttäuschen.
„Nein. Das weiß ich leider nicht. Aber dafür etwas anderes. Du sagtest eben, das, wenn Wo Fat diesen Mann getötet hat, die Yakuza und somit Noshimuri dahinter stecken. Das ist nicht richtig. Die Yakuza und vor allem Noshimuri, in diesem Fall Adam Noshimuri, stehen nicht mehr hinter Wo Fat. Wo Fat handelt auf eigene Rechnung. Die Yakuza hat sich schon seit einiger Zeit von ihm losgesagt.“
„Dann hat Wo Fat auch Adam Noshimuri die Schachtel mit den fehlenden Körperteilen von Gregor Brendal geschickt?“ Danny begriff, das Noshimuri sie wohl doch nicht angelogen hatte. Wenn Joe Recht behielt.
„Ja. Und wir müssen Wo Fat vor ihm finden“! Steve war sich sicher, sollte Noshimuri schneller als sie sein, würde von Wo Fat wohl nicht mehr viel übrig bleiben, was man einsperren konnte.
„Kono, überprüfe sofort alle Yachthäfen und lass sie überwachen! Außerdem will ich über jeden Helikopter, jedes Privatflugzeug, das von hier startet, landet oder schon gelandet ist, genau Bescheid wissen. Irgendwie muss Wo Fat auf die Insel kommen sein und das ganz sicher nicht auf legale Weise!“
„Klar Boss“!, Kono machte sich sofort an die Arbeit, während alle anderen noch am Surftable stehen blieben. Doch Steve hatte schon die nächste Anweisung parat. Diesmal wandte er sich an Chin. „Sorg dafür, dass Adam Noshimuri rund um die Uhr beschattet wird. Außerdem soll das HPD Polizisten vor allen, uns bekannten, Yakuza Unterschlüpfen postieren.
„Wird erledigt“!, auch Chin machte sich sofort an die Arbeit.
Danny schaute kurz Chin hinterher, dann drehte er sich zu Steve um. „Schön. Und was machen wir?“
In Steves Gehirn arbeitete es fieberhaft. Er musste Wo Fat zu fassen bekommen! Würde er ihm diesmal wieder entwischen, war es fraglich ob er so schnell wieder eine Gelegenheit dazu bekommen würde. Er schaute erneut auf den Bildschirm. „In der Tiefgarage des Kahalas gibt es keine weiteren Überwachungskameras. Aber jedes Auto, das dort hineinfährt, muss zuerst die Schranke passieren und dort wird jedes Kennzeichen von einem Wachmann notiert.“
Danny verstand sofort. „Alles klar. Bin schon auf dem Weg!“
Zurückblieben Joe und Steve.
Jedem von ihnen beiden war anzusehen, das sie sich in ihrer Haut nicht wohlfühlten. Doch ehe sich weiter betretenes Schweigen zwischen ihnen breitmachte, ergriff Joe das Wort.
„Ich glaube ich muss dann auch wieder zurück zu meiner Einheit. Vielleicht können wir uns in den nächsten Tagen einmal zusammensetzen.“
„Ja sicher“, Steves Antwort kam eher geistesabwesend. Aber trotzdem vergaß er dann doch nicht, „danke Joe, das du her gekommen bist“, zu sagen.
„Keine Ursache. Ich will genau, wie du, dass Wo Fat endlich aus dem Verkehr gezogen wird.“
Wenig später stand Steve allein in der Halle. Wieder einmal ging ihm seine Tochter durch den Kopf.
Aber er musste diese Gedanken jetzt abschütteln und sich konzentrieren.


Kono hatte alle Flughäfen überprüfen lassen. Denn egal, ob es sich um eine Verkehrsmaschine, um ein Privatflugzeug oder einen Hubschrauber handelte, sie alle mussten sich bei der Flugsicherheit melden. Allerdings konnte sie dort keine verdächtigen Einträge finden.
Die Überprüfung der Yachthäfen dauerte etwas länger.
Danny hatte die Kennzeichen aller Autos, die gestern in die Tiefgarage des Hotels eingefahren waren. Er hatte von allen auch gleich die Halter feststellen lassen. Und einen Treffer, wie er Steve sofort mitteilte. Der hatte inzwischen die Küstenwache eingeschaltet. Sie sollten alles was sich auf dem Wasser befand kontrollieren.
„Also der Wagen ist ein Mietauto. Ein schwarzer Chrysler 300. Kennzeichen KPN 416. Gemietet von einem gewissen Lee Takimoto. Einer von Wo Fats Wachhunden.“
Steve schien zufrieden. „Der hat sicher GPS!?“
Danny bediente schon den Surftable. Er hatte sich schon die Daten von der Mietwagenfirma schicken lassen, sodass wenige Sekunden später, auf dem Bildschirm ein Kartenausschnitt von O'ahu erschien. Sie brauchten nicht lange warten und das Signal des GPS wurde per Satellit übermittelt. Ein Kreis mit einem Kreuz darin zeigte die Position des Fahrzeuges an.
Steve brauchte nicht lange, um festzustellen: „Das ist in Haleiwa! Wir brauchen ein SWAT Team!“
Danny zog sofort sein Handy aus der Hosentasche. Auch Steve griff zu seinem IPhone.
Während Danny das SWAT Team anforderte, rief Steve Chin an, der Posten vor dem Bürogebäude von Noshimuri bezogen hatte. „Chin wir haben Wo Fats Unterschlupf. 61758 Papailoa in Haleiwa.“
Noch während Steve seinem Kollegen den Einsatzort durchgab, ging er zum Waffenschrank. Den Schlüssel dafür zog er aus der Hosentasche.
In Windeseile hatten sie ihre Ausrüstung zusammengestellt und überprüft. Kono, die noch immer mit der Überprüfung der Yachthäfen beschäftigt war, hatte Steve bereits aus ihrem Büro gerufen.
„Kono, du bleibst hier und behältst das GPS-Signal im Auge!“ Mehr brauchte er nicht zu sagen. Kono wusste, was zu tun war.

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BeitragThema: Re: Ungewisse Zukunft - Eine H50 FanFiction (fertiggestellt)   Mo Sep 09, 2013 4:51 am

Kapitel 34

Wie immer saß Steve am Lenkrad des Camaro. Vor ihnen lag eine Strecke von einunddreißig Meilen, für die sie im Normalfall eine dreiviertel Stunde benötigten. Steve hatte allerdings vor es in weniger zu schaffen und so gab er mal wieder ordentlich Gas.
Sie wechselten gerade vom Kamehameha Highway auf den Highway 83 als Konos Anruf auf Steves Handy einging. „Kono, was ist?“ Er schaltete direkt auf Lautsprecherfunktion um, sodass Danny neben ihm mithörte.
„Der Wagen bewegt sich!“
„In welche Richtung fährt er?“
„Er kommt auf euch zu.“
Danny drehte sich um. Das SWAT Team fuhr direkt hinter ihnen. Da hinter befand sich Chin in seinem schwarzen Chevy.
Von der Seite beobachtete er Steve. Er sah wie angespannt sein Freund war. Die Lippen aufeinander gepresst und die Augen starr geradeaus gerichtet. Bereit jedem Hindernis auszuweichen und sich Wo Fat entgegenzustellen.
„Steve. Er biegt rechts ab. Er fährt jetzt auf dem Kamehameha Highway“, ertönte Konos Stimme aus dem Handy, welches noch immer auf Empfang geschaltet war.
Von dort kamen sie gerade. Der Kamehameha Highway gabelte sich. Der eigentlich Highway führte zum Hafen von Haleiwa. Der Highway 83, auf dem sie gerade fuhren, verlief parallel dazu und ging anderthalb Meilen weiter wieder in den Kamehameha Highway über.
Steve wusste sofort, wo Wo Fat hin wollte. „Er will zum Hafen!“
„Wahrscheinlich wartet dort schon eine Yacht auf ihn.“ Danny war wenig erfreut über seine eigene Feststellung denn, wenn sie nicht rechtzeitig verhindern konnten, dass Wo Fat mit der Yacht ablegte, würde er wohl wieder einmal über das Wasser müssen.
Bisher waren sie ohne Blaulicht und Sirene unterwegs, jetzt aber schaltete Steve beides ein und gab noch mehr Gas.
Sie hatten noch etwa eine Meile, bis sie wieder links auf den Kamehameha Highway abbiegen und zum Hafen fahren konnten. Verbissen suchten Steves Augen den rechten Fahrbahnrand ab. Er suchte nach einer Möglichkeit, den Weg abzukürzen. Zwischen dem Highway 83 und dem Kamehameha Highway lag freies Feld und dahinter kleinere Ansammlungen von Häusern. Die Leitplanken jedoch hinderten ihn daran, den Camaro über eines dieser Felder zusteuern.
Es blieb ihnen also nichts anderes übrig als die Straße weiter geradeaus zufahren, bis Steve schließlich mit quietschenden Reifen links in den Kamehameha Highway einbog, der hier für jede Richtung nur eine Fahrspur besaß. Immer wieder scherrte Steve aus, um die vor ihnen fahrenden Autos zu überholen. Auf der Gegenfahrbahn rissen die Fahrer abrupt das Lenkrad herum, um ihnen auszuweichen. Danny wurde bei Steves halsbrecherischer Fahrt in den Sitz gedrückt. Krampfhaft hielt er sich am Griff oberhalb der Beifahrertür fest, jeden Moment damit rechend, dass ein entgegenkommendes Fahrzeug nicht mehr rechtzeitig ausweichen konnte.
Mit rasender Geschwindigkeit näherten sie sich dem Hafen. Allerdings wurde der Verkehr auch dichter und Steve fuhr nun wirklich Schlangenlinien mit einem Tempo von fünfzig Meilen pro Stunde. Erlaubt waren, nicht einmal die Hälfte.
Nach knapp einer halben Meile sahen sie rechter Hand vor ihnen den Hafen liegen.
Noch über eine kleine Brücke, welcher über den Haleiwa Kanal führte und Steve bog erneut mit quietschenden Reifen scharf rechts ab. Nur kurz drosselte er dann das Tempo. Schnell verschafften er und Danny sich einen Überblick.
Der Hafen von Haleiwa war überschaubar und von hier aus konnten sie alle Piers überblicken.
„Da drüben“!, zeigte Danny.
Steve hatte die Piers geradeaus, mit den Augen abgesucht, als er seinen Blick in die von Danny gezeigte Richtung wandte. Sofort riss er das Lenkrad nach rechts und gab erneut Gas, als er den schwarzen Chrysler erblickte. Gerade als sie links auf den Parkplatz, der sich zwischen den beiden Piers befand, einbogen, legte eine relativ große Yacht am Ende des rechten Piers ab.
Der Chrysler wurde zurückgesetzt und wendete. Er wollte den Parkplatz verlassen. Als der Fahrer jedoch sah, dass sich ihm zwei zivile Fahrzeuge, sowie ein SWAT-Team in den Weg stellten, stoppte er und im nächsten Augenblick sprangen er und sein Beifahrer, sowie zwei weitere Personen von den Rücksitzen, aus dem Auto, um gleich darauf mit ihren Waffen das Feuer zueröffnen. Deckung fanden sie hinter den offenen Türen des Chryslers.
Steve und den anderen blieb nichts anderes übrig, als ihre Autos ebenfalls sofort zustoppen, heraus zuspringen und das Feuer zu erwidern. Nur gut, dass sie ihre schusssicheren Westen bereits im Hauptquartier angelegt hatten.
Immer wieder mussten sie in Deckung gehen, da sie gnadenlos unter Beschuss genommen wurden.
Steve schaute nach links. Dort standen einige geparkte Autos, hinter denen sie besser Schutz finden würden, denn hier hinter den Autotüren waren sie zu leicht zu treffen und es würde dann wohl sehr schnell Tote auf ihrer Seite geben.
Ihre Gegner hatten bereits ihre Positionen gewechselt und rechts und links von ihnen Deckung hinter geparkten Fahrzeugen gefunden.
„Danny! Gib mir Feuerschutz“!, rief er seinem Kollegen auf der Beifahrerseite zu.
Danny schoss sofort eine Salve nach der anderen ab, damit Steve so schnell wie möglich nach links laufen konnte.
Auch die anderen taten es ihm gleich. Während die eine Hälfte des SWAT-Team ihren Kollegen Feuerschutz gaben, teilten sich die anderen zur linken und rechten Seite auf, um dort hinter den Autos wieder in Deckung zugehen.
Jetzt gaben Steve, Chin, der zur rechten Seite gelaufen war, und die Einsatzkräfte des HPD den anderen Feuerschutz, sodass diese ihnen folgen konnten.
Steve riskierte einen Blick zur Hafenausfahrt. Die Yacht entfernte sich vom Pier und steuerte auf die Hafenausfahrt zu.
Sie mussten Wo Fats Leute ausschalten, um zu verhindern, dass er ihnen erneut entkam.
Während Steve an der vorderen Seite des geparkten Autos, Deckung gefunden hatte, befand Danny sich am Heck.
„Danny gib mir Feuerschutz“, befahl er erneut.
„Was hast du vor? Steve, bitte tue nichts unüberlegtes!“ Danny war nicht wohl bei dem Gedanken, dass sein Partner wieder irgendeinen irrwitzigen und halsbrecherischen Plan ausheckte.
„Feuerschutz“!, rief Steve ihm erneut zu und spurtete im nächsten Augenblick los.
Danny und den anderen blieb nichts anderes übrig, als ihre Gegner mit erneuten Feuersalven in Schach zuhalten und Steve zu ermöglichen hinter dem nächsten Auto in Deckung zu gehen.
Das Ganze wiederholten sie mehrere Male denn die einzige Möglichkeit, um ihre Gegner auszuschalten, war, dass sie so nah wie möglich an diese herankamen.
Nach scheinbar unendlich langen Minuten, konnten sie alle Vier überwältigen.
Steve tauchte an der rückwertigen Seite des Autos auf, hinter dem sich einer von ihnen verschanzt hatte. Mit einem gezielten Schuss in den Oberarm konnte er ihn ausschalten. Die anderen drei hatten sich nicht so leicht ergeben. Chin musste einen mit zwei Schüssen niederstrecken. Ob er überlebte, war ungewiss. Die beiden anderen hatten versucht, noch Schüsse auf Danny beziehungsweise das SWAT-Team abzugeben. Es blieb keine andere Möglichkeit, als sie zu erschießen.
Nachdem der letzte Schuss abgefeuert worden war, legte sich Stille über den Parkplatz.
Sie hatten ein ziemliches Chaos angerichtet. Etliche Fahrzeuge wiesen Einschusslöcher auf. Bootsbesitzer und Ausflügler, die sich hier aufhielten, hatten panikartig versucht sich in Sicherheit zubringen. Doch dafür hatte Steve keinen Blick. Mit Entsetzen stellte er fest, das die Yacht sich bereits ein erhebliches Stück vom Hafen entfernt hatte. Seine Augen suchten den Pier ab. Er konnte nur mittlere bis größere Yachten ausmachen. Damit aber würden sie zu viel Zeit verlieren. Seiner Schätzung nach hatte Wo Fat bereits einen Vorsprung von einer knappen Meile.
Schließlich fanden seine Augen, wonach er suchte. Ganz vorne am Pier hatte gerade ein Speedboot angelegt. Der Besitzer befand sich noch auf dem Boot.
„Danny, Chin! Da“!, zeigte er nach vorne und rannte bereits los. Er verließ sich darauf, dass seine beiden Kollegen ihm folgten.
Der Besitzer des Speedbootes zuckte erschrocken zusammen, als Steve mit einem Sprung auf seinem Boot landete. „Hey was soll das“?, fragte er als Steve schon sein T-Shirt ein wenig zur Seite schob und somit seine Dienstmarke sichtbar wurde, die er wie immer am Hosenbund trug. „Five-0. Tut mir leid Sir aber wir müssen uns ihr Boot ausleihen.“
Auch Danny und Chin erreichten den Pier. Blieben aber vorerst oben stehen. Steve wollte dem jungen Mann, der gerade mal Anfang dreißig schien, die Leine aus der Hand nehmen und sie wieder vom Pier lösen. Doch der Besitzer wehrte sich. „Hey das kommt gar nicht infrage. Dazu brauchen sie einen Gerichtsbeschluss! Den sie sicher nicht haben.“
Steve rollte nur kurz mit den Augen. Er hatte keine Zeit um sich mit dem Mann auseinanderzusetzen. Daher packte er ihn kurzerhand, als er noch hinzufügte: „Wird nachgereicht“! Dann beförderte er den Besitzer einfach über Bord, sodass dieser im Wasser neben seinem Boot landete. Steve stand bereits hinter dem Steuer und startete gekonnt den Motor, als er zu seinen Kollegen sah, die noch immer auf dem Pier standen und sprachlos zu gesehen hatten, wie Steve den Besitzer einfach über Bord warf. „Was ist? Los kommt schon“!, forderte er sie dann ungeduldig auf.
Die beiden sprangen runter auf das Boot, als Steve dieses bereits langsam vom Pier weglenkte.
Im Wasser schrie und fluchte der Besitzer. Danny schaute noch nach hinten, als sein Kollege den Speed Hebel nach vorn drückte. Er kannte seinen Partner ja aber das ging dann doch zu weit. „Steve! Du hast den Mann einfach über Bord geworfen! Der schwimmt jetzt im Hafenbecken!“
„Wirf ihm meinetwegen den Rettungsring hinterher“!, schrie Steve durch das Motorengeräusch.
Entgeistert schaute Danny aufs Steve's Rücken. „Du kannst nicht einfach jemanden sein Boot wegnehmen und ihn dann auch noch über Bord werfen!“
Genervt rollte Steve mit den Augen. Warum musste sein Partner immer auf solchen Kleinigkeiten herumreiten? Manchmal war Danny ein richtiger Paragrafenhengst. Aber er hatte jetzt wirklich nicht den Nerv, darüber mit ihm zu diskutieren. Die Yacht mit Wo Fat an Bord war nur noch als kleines Boot auf dem Meer auszumachen. Er musste so schnell wie möglich aufholen.
Aus diesem Grund drückte er den Speed Hebel jetzt noch weiter nach vorn. Danny wurde dadurch nach hinten gedrückt und er musste sich am Bootsrand festhalten, um nicht hinzufallen.
„Was hätte ich denn machen sollen? Mit ihm um den Preis verhandeln“?, schrie Steve, ohne dabei die Yacht aus den Augen zulassen und sich um zudrehen. Mit fast vierzig Knoten, jagte das kleine und wendige Boot über die Wellen und die Yacht kam dabei wieder näher in ihr Blickfeld. Vielleicht noch eine halbe Meile und sie hatten sie eingeholt.
Chin stand jetzt neben Steve. Danny hatte sich auch wieder aufgerappelt und hielt sich an den beiden Sitzen vor ihm fest, während Steve das Boot immer weiter an die Yacht heranfuhr. Als sie nur noch wenige Meter davon entfernt waren, übergab Steve das Steuer an Chin.²
„Bring uns so nah wie möglich ran!“
„Was hast du vor“?, wollte Danny wissen, obwohl er es ahnte. Sein Freund war verrückt genug, um von hier aus auf die Yacht zuspringen.
„Wir beide werden springen!“
„Das ist nicht dein Ernst“!, schrie Danny nun durch den Lärm, den der Motor verursachte.
„Doch! Also komm!“ Steve war schon dabei auf den kurzen Bug des Bootes zuklettern, denn Chin hatte inzwischen die Fahrt gedrosselt und sie befanden sich fast am Heck der Yacht. Noch wenige Meter und das Speedboot fuhr seitlich mit dem Bug ans Heck der Yacht, als Steve auch schon mit einem gewagten Hechtsprung die kurze Distanz überwand und den oberen Rand der Bordwand zufassen bekam. Er musste einige Kraft aufwenden, um sich vollends hochzuziehen. Aber schließlich gelang es ihm und er rollte sich mit seinem gesamten Körper über die Bordwand und auf das Deck der Yacht.
Danny verzichtete lieber und sprang von der Seite des Speedbootes auf das Heck der Yacht. Dort landete er auf der Plattform, die zum Badeausstieg im Meer genutzt wurde. Er brauchte jetzt nur noch die Klappe öffnen und konnte das Deck betreten, wo Steve gerade wieder auf die Beine kam.²
Beide zogen jetzt ihre Waffen, aber merkwürdigerweise stellte sich ihnen niemand in den Weg.
Die Yacht machte weiter Fahrt ohne die Geschwindigkeit zu erhöhen oder zu drosseln.
Danny ging mit seiner Waffe im Anschlag nach rechts und an der Bordwand entlang. Steve betrat die große Wohnraumkabine. Damit rechnend das sich ihm jemand entgegenstellte. Schnell hatte er die Schlafkabine und das kleine Bad gecheckt, als Danny ihn von draußen rief.
Als Steve nach vorne zum Bug ging, bemerkte er, wie die Yacht stoppte. Seinen Kollegen fand Steve oben am Steuerstand. Zusammen mit dem Kapitän.
„Du kannst die Waffe wegstecken. Wo Fat ist nicht hier“, erklärte Danny und fügte hinzu, als er auf den Mann am Steuer zeigte, „er ist allein an Bord.“
Steve konnte es nicht glauben. „Was?“
„Erzählen sie es ihm“. Danny war ebenso fertig wie Steve. Wo Fat hatte sie an der Nase herum geführt.
„Ein Mann kam vorhin an Bord, gerade als ich angelegt hatte. Ob ich einen Auftrag annehmen würde? Ich sollte auf die große Insel fahren, dort würde jemand warten und mir ein Päckchen geben, das ich wieder mit nach Haleiwa nehmen sollte. Ich sollte auf keinen Fall unterwegs stoppen, egal was passiert.“
„Und da fahren sie einfach ohne zu fragen los“? Für Steve war es unbegreiflich. Wie konnte einer allein bloß so dumm sein?
„Er hat mir immerhin 20.000 Dollar bar auf die Hand gegeben. Hätten sie da Nein gesagt“?, verteidigte sich der Schiffseigner.
„Ja“, war Steves knappe Antwort. Er zog sein Handy aus der Hosentasche und drückte eine der Kurzwahltasten.
„Kono, schick sofort das SWAT Team vom Hafen nach 61758 Papailoa Street. Wo Fat ist nicht auf der Yacht!“ Gleich darauf informierte er Chin über Funk. „Chin wir fahren zurück. Wo Fat ist nicht hier. Ruf die Küstenwache. Die sollen sich um die Yacht kümmern.“ Steve wandte sich an den Schiffseigner. „Sie bleiben hier, bis die Küstenwache sie zurückbegleitet.“
„Was denn? Warum denn? Ich hab doch nichts Strafbares getan“!, empörte sich schon fast der Kapitän.
„Das können sie dem HPD erklären“! Steve verspürte nicht die geringste Lust, auch nur eine Minute länger hier auf der Yacht zu bleiben. Er war einfach nur wütend. Wütend darauf, dass er sich so leicht von Wo Fat hatte, hinters Licht führen lassen. Wütend auf diesen verdammten Typen, der aus reiner Geldgier, sie auf eine falsche Fährte gelockt hatte und sie dadurch noch mehr Zeit verloren hatten.

Fünfzehn Minuten später fuhr Steve den Camaro durch das aufgeschobene Tor, auf das Grundstück, wo sich Wo Fat aufgehalten haben musste. Chin fuhr direkt hinter ihnen. Sie passierten zunächst auf der rechten Seite drei Garagen. Einige Meter weiter, auf der linken Seite stand ein weiteres kleineres Gebäude, bevor sie schließlich vor dem großen Haupthaus hielten.
Zwei Beamte des SWAT-Team standen am Eingang und teilten ihnen auch gleich unaufgefordert mit: „Wo Fat ist nicht hier.“
Steve konnte nur nicken, als er an den beiden vorbei ging und das Haus betrat.
Wobei dies hier schon kein Haus, sondern eine Villa war. Alles war vom feinsten und edelsten eingerichtet. Steve ging durch die Halle weiter in den überaus großen Wohnraum hinaus auf die Terrasse und sah in den Garten. Trotz das dieses Haus direkt am Pazifik lag und einen direkten Zugang zum Strand hatte, lag ein großer Pool im Garten. Rings herum war das Grundstück mit großen Palmen, Bäumen und Sträuchern durch neugierige Blicke geschützt.
Steve blieb auf der Terrasse stehen und starrte einfach vor sich hin. Wieder einmal war ihm Wo Fat entwischt. Natürlich hatte man bereits Straßensperren errichtet aber er konnte inzwischen sonst wo sein. In einem weiteren Unterschlupf hier auf der Insel. Oder er war mit einem anderen Boot oder auch Flugzeug entkommen. Wo Fat hatte so viele Verbindungen, dass sie unmöglich jeden aufspüren konnten, der ihm dabei half. Aber er würde ihn kriegen. Eines Tages. Er musste einfach.
Lautlos war Danny neben ihn getreten. „Es tut mir leid“, mehr konnte er in diesem Moment nicht sagen. Aber er meinte es aufrichtig. Er konnte sich vorstellen, wie es in diesem Moment in seinem Freund aussah. Fühlte seinen Schmerz, auch wenn Steve ihm nicht das Gesicht zuwandte, konnte er sehen, wie es ihn im arbeitete. Aber nichts, was er sagte, würde ihm seine Tochter auf die Insel zurückbringen.

² SeasonII Episode1

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BeitragThema: Re: Ungewisse Zukunft - Eine H50 FanFiction (fertiggestellt)   Do Sep 12, 2013 7:31 am

Kapitel 35


Inzwischen war es kurz vor Weihnachten.
Zwischen Dennis und Cathy hatte sich eine Teenagerliebe entwickelt. Wann immer es möglich war, verbrachten sie Zeit miteinander.
Dennis würde in drei Monaten achtzehn werden. Er war also in einem Alter, wo er nicht nur Händchen mit einem Mädchen halten wollte. Aber außer Kuscheln und Küsse austauschen war zwischen ihnen bisher nichts geschehen. Er hatte ein einziges Mal versucht weiter zugehen, aber als er vorsichtig seine Hand unter Cathys Pullover schieben wollte, hatte sie ihn aufgehalten. Fast schon panisch reagierte sie.
„Bitte nicht!“ Sie hielt seine Hand dabei fest und schaute ihn ängstlich an.
„Wenn du Angst hast, weil.., ich hab Kondome dabei.“ Wollte Dennis sie beruhigen, denn er glaubte natürlich das dies der einzige Grund war, warum Cathy ihn auf Distanz halten wollte.
„Nein das ist es nicht.“ Mehr wollte sie ihm nicht sagen, als sie jetzt seine Hand nahm und diese wieder unter ihrem Pullover hervor zog. Zwar war da auch die Kamera in ihrem Zimmer, die so angebracht war, dass sie niemand sehen konnte und auch Dennis wusste davon bisher nichts, aber das war es natürlich nicht allein.
Dennis deutete ihre Zurückhaltung dann auch anders.
„Hast du noch nie? Ich meine - bist du noch ...?“ Irgendwie begann Dennis ein wenig zustottern. Er hatte zwar auch noch nicht mit so vielen Mädchen geschlafen, aber bisher war dieses Thema nie zur Sprache gekommen und er hatte sich zu keiner Zeit darüber Gedanken gemacht.
Langsam schüttelte sie den Kopf. „Nein, nicht deswegen. Bitte. Ich kann das einfach nicht!“ Fast schon liefen ihr dabei die Tränen. Gewiss verspürte sie mehr als nur Freundschaft für Dennis aber durch das Erlebte auf diesem Tanker, war sie einfach nicht imstande dazu, weiterführende Zärtlichkeiten zu zulassen. Auch wenn sie Angst hatte, dass Dennis sich von ihr abwenden würde. Sie konnte das einfach nicht.
Aber Dennis war kein Junge, der ein Mädchen zu etwas drängte, dass sie nicht auch wollte. Außerdem empfand er wirklich etwas für Cathy und wollte sie dadurch nicht verlieren. „Gut. Ich kann auch noch warten.“
Damit war für die beiden das Thema vorerst erledigt.

Für Cathy begann nun eine Zeit, die sie am liebsten aus ihrem Gedächtnis und erst recht aus dem Kalender gestrichen hätte.
Sie wollte einfach nicht daran erinnert werden, dass in fünf Tagen Weihnachten war.
Die ganzen Monate über hatten sie nichts von ihrem Vater gehört. Es herrschte absolute Funkstille und Cathy bezweifelte inzwischen, dass sie überhaupt etwas von ihm hörte. Es schien als solle sie wirklich das gleiche Schicksal wie Steve ereilen.
Die Jungs hatten ihr zwar vorgeschlagen das Weihnachtsfest gemeinsam zu feiern, aber sie wollte davon nichts wissen. Immer wieder musste sie daran denken, dass dies ihr erstes Weihnachtsfest zu Hause auf Hawaii hätte sein sollen, dass sie wirklich mit ihrem Dad verbracht hätte. Denn das Letzte war alles andere als harmonisch verlaufen. Es war eben zu dem Zeitpunkt, als sie sich noch regelmäßig angeschrien hatten.
Nun aber saß sie hier fest. Alle versuchten ihr über diese Zeit, in der sie wirklich oft nachdenklich und auch melancholisch wirkte, hinweg zu helfen. Gelungen war ihnen dies jedoch bisher nicht.

Sie saßen gemeinsam beim Frühstück, als Jason wiederholt den Versuch startete sie wenigstens dazu zu überreden sich nach einem Christbaum umzusehen und diesen gemeinsam auf zu stellen und auch zu schmücken. Aber Cathy schüttelte nur entschlossen den Kopf.
„Bitte. Ich hab euch gesagt, dass ich von Weihnachten nichts wissen will.“
„Ist ja nicht so, als würden wir dich nicht verstehen, aber wir sind immerhin auch von unseren Familien getrennt und vielleicht wäre es ja doch nicht schlecht, wenigstens ein bisschen Weihnachtsstimmung hier rein zubringen.“ Versuchte Mark es erneut, aber er erntete nur einen ablehnenden Blick von Cathy.
„Wenn ihr unbedingt einen Christbaum wollt, dann stellt ihn im Keller auf, da muss ich ihn nicht sehen. Geh ich eben die nächsten Tage nicht nach unten.“ Damit war für Cathy das Thema endgültig erledigt. Sie stand kurzerhand vom Frühstückstisch auf und ging nach oben auf ihr Zimmer.
Zurückblieben sechs Männer, die sich resigniert anschauten. Sie hatten alles versucht, aber Cathy wollte Weihnachten wirklich nur vergessen. Also würden sie ab jetzt ihren Wunsch wohl oder übel respektieren und auf alles, was für sie zu Weihnachten gehörte, ebenfalls verzichten. Schließlich war es ja nicht so, als würden sie Cathy nicht verstehen. Sie hatte ihnen in den fast sechs Monaten, in denen sie jetzt hier waren, einiges erzählt. Vor allem Mike, zu dem sie den engsten Kontakt hatte.  Auch von den Anfangsschwierigkeiten, die sie und ihr Dad gehabt hatten, wie sie erfahren hatte, dass er ihr Vater ist und auch noch einiges andere.
Die nächsten Tage liefen dann genau so ab, wie auch fast alle anderen. Cathy und Mike liefen jeden Morgen ihre Strecke, die sie zum Schluss immer am Strand entlang führte und sie dann das Haus wieder von der Rückseite erreichten. Sie waren immer die Ersten, die zum Laufen aufbrachen. Nach ihnen machten sich dann Jason und Sam auf den Weg, zum Schluss Mark, Andy und Rob.
Auch das Nahkampftraining absolvierten sie regelmäßig, aber inzwischen war Cathy wirklich so gut geworden, dass sie hin und wieder sogar gegen einen der Jungs gewann. Hatte sie am Anfang noch Schwierigkeiten gehabt den nötigen Sicherheitsabstand einzuhalten und rechtzeitig ihre Schläge und Tritte abzubremsen, um ihren Trainingspartner nicht zuverletzen, so war ihr auch dieses Detail ins Blut übergegangen.
Die Männer waren sich ziemlich sicher, dass Cathy sich so schnell von niemandem mehr überwältigen ließ und sich wirklich gut verteidigen konnte.


Five-0 Hauptquartier

Das Team saß in der großen Halle zusammen. Mit ihnen Joe White.
Inzwischen hatten er und Steve sich ausgesprochen.
Sie hatten sich jeder ein Bier gegönnt, eigentlich wollten sie auf ihren wohlverdienten Feierabend anstoßen und zumindest Danny hätte gut gelaunt sein müssen. Denn er war aus dem Sorgerechtsstreit um seine Tochter Grace als Sieger hervor gegangen. Rachel hatte hinnehmen müssen, dass sie mit ihrer gemeinsamen Tochter, nicht einfach die Insel verlassen durfte und so freute sich Danny auch in diesem Jahr wieder auf ein gemeinsames Weihnachtsfest mit seiner Tochter.
Trotzdem waren alle mehr als schweigsam.
Sie hatten eine weitere Niederlage gegen Wo Fat einstecken müssen,
Immerhin hatten sie herausfinden können, warum Wo Fat, George Brendal ermordet hatte.
Brendal hatte Wo Fat auf der Straße erkannt und ihn zum Beweis sogar fotografiert. Die Bilder hatte er sicher im Safe des Hotels aufbewahrt.
Ausgerechnet Adam Noshimuri hatte ihnen diese Bilder gebracht. Wohl auch um sich selbst zu entlasten.
„Immerhin wisst ihr, warum dieser Brendal sterben musste“, versuchte Joe sie wenigstens ein bisschen wieder aufzubauen. Sie vermuteten, dass Wo Fat sich erneut Steve habhaft machen wollte, um so doch noch aus ihm heraus zu bekommen, wo Shelburne sich versteckte. Außerdem war er wohl auch hinter Adam Noshimuri her. Über ihn wollte er an Hiro Noshimuri herankommen.
„Das ist aber auch das Einzige.“ Konnte Chin nur wenig erfreut darauf antworten. Denn sie wussten inzwischen auch, dass es irgendwo ein Leck geben musste. Wie sonst hätte Wo Fat wissen können, dass sie sein Versteck ausfindig gemacht hatten?
Nein als Sieger waren sie diesmal wirklich nicht hervor gegangen. Er sah hinüber zu Steve, der ihm gegenübersaß. Sein Boss war verdammt still. Und er konnte sich auch vorstellen warum. Hätten sie Wo Fat endlich ausgeschaltet, würde Steve seine Tochter auf die Insel zurückholen können.
So aber würde er weiterhin keinen Kontakt zu ihr haben. Ja nicht einmal wissen, wo sie sich aufhielt.
Steve hielt die Bierflasche in der Hand. Er sah kurz von einem zum anderen, stellte die Flasche auf den Tisch und stand dann wortlos auf, um in seinem Büro zuverschwinden.
Vier Augenpaare folgten ihm. Jeder von ihnen hätte ihm gerne geholfen aber das konnten sie nicht.
„Muss wirklich schwer für ihn sein.“ Brachte Kono es schließlich auf den Punkt.
„Ja. Ich habe schon beinahe ein schlechtes Gewissen, das ich Weihnachten mit Grace verbringen kann, während Steve allein zu Hause sitzt.“ Dannys Worte waren ehrlich gemeint. Er wollte sich gar nicht vorstellen, wie es ihm ohne seine geliebte Gracie gehen würde.
Joe nickte. „Deshalb werde ich das jetzt ändern.“ Er stand ebenfalls auf, ging zu Steves Büro, drückte dort die Tür auf und trat ein.
Steve saß hinter seinem Schreibtisch, zurückgelehnt in seinem Lederdrehstuhl. Die Arme auf den Lehnen liegend, ging sein Blick starr geradeaus. Er hatte Joe scheinbar nicht einmal herein kommen hören.
„Ich weiß, was in dir vorgeht mein Junge.“ Begann Joe, als er näher an den Schreibtisch herantrat.
Steve wandte seinen Kopf nur kurz zu Joe und richtete seinen Blick dann wieder an die Wand.
„Dein Vater ist nie darüber hinweggekommen, dass er dich fortgeschickt hat. Er hat es sich im Grunde nie verziehen. Auch das er dich angelogen hat, was deine Mutter angeht, lastete schwer auf ihm. Auch wenn du das vielleicht nicht wahrhaben willst. Willst du, dass es dir genauso geht?“
„Ich kann sie nicht zurückkommen lassen, solange Wo Fat da draußen ist.“ Steve war, auch wenn er weiter die Wand anstarrte anzumerken, dass er mit sich kämpfte. Solange er beschäftigt war, ertrug er es, nicht zu wissen, wo seine Kleine sich aufhielt, sie nicht in seiner Nähe zuhaben, aber sobald er zur Ruhe kam, kreisten seine Gedanken immer wieder um sie. Er hatte mit Joe ein langes Gespräch geführt. Über die Lügen, die man ihm die ganzen Jahre aufgetischt hatte. Aber auch dass er Angst hatte, seiner Tochter würde genau das Gleiche widerfahren.
„Wenn du darauf warten willst, wirst du sie nie wieder sehen. So schnell lässt Wo Fat sich nicht kriegen. Und das weißt du. Also warum willst du dich noch länger quälen?“
„Joe verstehst du denn nicht? Ich kann für ihre Sicherheit hier nicht garantieren!“
„Jetzt hör mir mal zu. Du hast mir selber gesagt, dass du es deinem Vater nie verziehen hast, das er dich fortgeschickt hat. Dass du mit siebzehn zur Navy gegangen bist, ist nur geschehen, weil dein Vater es so bestimmt hat. Auch das hältst du ihm bis heute, weit über seinen Tod hinaus vor. Der Brief, der in meinen Unterlagen liegt, beinhaltet genau diese Anweisungen. Darin bestimmst du das deine Tochter mit siebzehn zur Navy wechselt und übergibst sie damit in deren Obhut. Du bist dabei dasselbe zutun, was dein Vater getan hat und du nie wolltest. Willst du ihr und dir das wirklich antun?“
Steve strich sich mit der Hand über die Stirn. „Und wie soll ich sie hier beschützen?“
„Ich bin mir sicher, dass dir auch dafür eine Lösung einfällt. Außerdem hast du ein hervorragendes Team und Freunde, die dir dabei helfen. Also. Hol sie zurück!“
„In fünf Tagen ist Weihnachten.“
Joe nickte. „Eben, es wird zwar knapp werden, aber du kannst es schaffen, wenn du dich jetzt gleich auf den Weg machst.“
Steve sah Joe jetzt direkt an. Joe war nicht nur sein ehemaliger Ausbilder, er war mehr für ihn. Er hatte ihm fast den Vater ersetzt und er konnte sich hundertprozentig auf ihn verlassen. Nur aus diesem Grund hatte er Joe seine Tochter anvertraut, beziehungsweise ihn damit beauftragt, dafür zu sorgen, dass Cathy an einen sicheren Ort gebracht wurde. Und er wusste, dass Joe nur zu Cathys Schutz niemandem sagte, wo man sie hingebracht hatte. Auch ihm nicht. Aber jetzt würde er es wohl erfahren, denn Steve war entschlossen, entgegen der Vernunft, seine Tochter nach Hause zuholen.
„Wo ist sie?“
Doch Joe schüttelte den Kopf. „Fahr nach Hause und pack ein paar Sachen ein. Ich hol dich in“,
Joe sah kurz auf seine Uhr am Handgelenk, „in zwei Stunden dort ab. Es geht heute Abend noch eine Militärmaschine. Sie wird rechtzeitig wieder zurückfliegen. So das ihr Weihnachten hier seid. Ihr Ziel erfährst du, wenn du drin sitzt.“
Steve sah Joe zwar mit heruntergezogenen Augenbrauen an, aber er stellte trotzdem keine weiteren Fragen, sondern stand jetzt unverzüglich auf, um nach Hause zufahren und seine Tasche für die nächsten Tage zupacken.
„Du solltest eine warme Jacke einpacken.“ Sagte Joe noch hinter ihm, als er schon fast zur Tür raus war.

Zwei Stunden später saß er bei Joe im Auto und gemeinsam fuhren sie nach Hickam. Dorthin, wo er seine Tochter vor fast einem halben Jahr zum letzten Mal gesehen hatte.
Die Militärmaschine vom gleichen Typ, die auch Cathy bestiegen hatte, wartete bereits. Er verabschiedete sich von Joe und ging auf die schmale Gangway zu, schritt die Stufen nach oben und verschwand im inneren der Maschine.
Kurze Zeit später wurden die Motoren gestartet, die Triebwerke begannen sich zu drehen und die Maschine rollte zur Startbahn.
Steve ging nach vorne zum Cockpit. „Was ist unser Ziel?“ Fragte er den Piloten.
„Ramstein.“ erhielt er die Antwort.
Und Steve war mehr als überrascht. Man hatte seine Tochter nach Deutschland gebracht.

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BeitragThema: Re: Ungewisse Zukunft - Eine H50 FanFiction (fertiggestellt)   Mo Sep 16, 2013 6:14 am

Kapitel 36



Sie saßen wie jeden Morgen alle gemeinsam am Frühstückstisch.
Übermorgen war Weihnachten, sie hatten sich an Cathys Wunsch gehalten und beschlossen an diesem Tag alles so weiterlaufen zulassen, wie üblich.
Bis sie gestern Morgen die Nachricht erhalten hatten, dass ihr Einsatz hier fast beendet war. Sie würden Weihnachten zu Hause bei ihren Familien verbringen. Steve war auf dem Weh hier her um seine Tochter nach Hause zuholen. Morgen früh würden sie alle zusammen Sylt den Rücken kehren.
Als Andy die Mail von Commander White gelesen hatte, wäre er beinahe in lautem Jubel ausgebrochen. Doch dann hatte er sich entschieden, zuerst mit seinen Kameraden zusprechen.
Gemeinsam hatten sie beschlossen, Cathy nichts davon zusagen. Es sollte für sie eine Überraschung sein. Sie mussten nur noch entscheiden, wie es ablaufen sollte. Aber auch hier waren sie sich schnell einig.
Mike würde nach dem Frühstück mit Cathy ganz normal wie an jedem Morgen zum Laufen aufbrechen. Jason würde in der Zeit Steve vom Flugplatz abholen, wo der Helikopter der US Air Force um neun Uhr landen würde. Um diese Zeit würden die beiden noch unterwegs sein und er und Steve auch vor ihnen am Haus eintreffen. Mike sollte sich trotzdem etwas mehr Zeit lassen als üblich.

Genau das tat Mike dann auch. Er wollte um jeden Preis verhindern, dass sie vor Steve am Haus ankamen.
Mal mussten sie anhalten, weil Mike sich angeblich die Schuhe neu binden musste. Ein anderes Mal hatte er irgendetwas im Schuh. Als sie zum dritten Mal anhielten, weil Mike unbedingt etwas trinken musste, wurde Cathy langsam ungeduldig.
„Was ist denn heute mit dir los? Wenn du so weitermachst, sind wir zum Mittagessen noch nicht wieder zurück!“ beschwerte sie sich dann auch.
„Stimmt, dabei bist du doch heute mit Kochen dran.“ Grinste er, als sie endlich weiterliefen.
Die letzte Etappe führte sie auch heute, wie immer die letzten anderthalb Kilometer am Strand entlang.
Plötzlich vibrierte Mikes Handy, das er an einem Gürtel in einer kleinen Tasche stecken hatte. Er lief noch ein paar Schritte und holte es dabei heraus und warf einen Blick darauf. Schnell hatte er die SMS geöffnet und blieb erneut stehen. Der Strand machte hier eine kleine Biegung, wodurch man von hier aus noch nicht die Stufen hoch zur Dünenkrone sehen konnte.
„Hey warte mal!“ Rief er Cathy zu, die einige Schritte vor ihm lief und den Blick auf die Stufen schon fast frei hatte.
Cathy blieb stehen und drehte sich um. „Was denn jetzt wieder?“ Sie klang nun schon etwas genervt, als Mike die kurze Distanz zu ihr im Gehen zurücklegte.
„Ich muss dir da noch was sagen.“
„Was denn?“
„Ja also.“ Mike kratzte sich verlegen am Kopf. So als wüsste er grad nicht, wie er es Cathy beibringen sollte.
„Es ist wegen Weihnachten.“ Platzte er dann einfach heraus und wartete nun auf ihre Reaktion.
Cathy holte tief Luft und sah ihn einigermaßen verärgert an.
„Mike, ich hab doch oft genug gesagt, dass Weihnachten für mich ausfällt. Was soll das jetzt?“
„Ja ich weiß. Aber wir dachten,“ weiter kam er nicht denn Cathy unterbrach ihn jetzt wirklich aufgebracht und wütend. „Nein. Da mach ich nicht mit. Das könnt ihr euch aus dem Kopf schlagen.
Ihr habt akzeptiert, dass ich davon nichts wissen will.“
Unbemerkt war Mike jetzt einfach weitergegangen, und da Cathy direkt vor ihm stand, war auch sie unbewusst bei seinen Schritten rückwärtsgegangen. Sie konnte also nicht sehen, was weiter vorne gerade passierte. Mike schon und er musste sich ein Lächeln wirklich verkneifen.
„Tut mir leid. Aber wir haben trotzdem eine kleine Überraschung für dich.“
„Verdammt Mike. Ich will keine Überraschung. Ich will einfach nicht dran erinnert werden, warum könnt ihr das nicht verstehen?“
„Vielleicht drehst du dich erstmal um und entscheidest dann.“ Jetzt zogen Mikes Mundwinkel sich doch leicht nach oben, als er dazu mit dem Kopf nach vorne deutete.
Cathy war außer sich vor Wut. Warum setzten die Jungs sich einfach über sie hinweg? Konnten sie nicht verstehen, dass es einfach wehtat, Tausende Meilen von ihrem geliebten Dad entfernt, gerade die Weihnachtstage verbringen zu müssen? Trotzdem schaute sie dann aber doch über ihre Schulter hinter sich. Für einen Augenblick hörte sie auf zu atmen. Dann drehte sie sich langsam herum.
„Oh mein Gott,“ kam es erstickt, bevor sie ein lautes „Dad“!, hervorstieß und im gleichen Augenblick loslief.

Früh morgens um drei Uhr landete die Militärmaschine in Ramstein.
Steve hatte während des Fluges nicht viel geschlafen. Die meiste Zeit hatte er nachgedacht.
Er wäre nie im Leben darauf gekommen, dass man seine Tochter nach Deutschland brachte.
Er war davon ausgegangen, dass man sie irgendwo auf dem Festland versteckt gehalten hatte.
Wie würde es jetzt weitergehen? Konnte er es wirklich riskieren sie nach Hause zuholen? Er wusste bis jetzt nicht, wie er für ihre Sicherheit sorgen sollte. Aber noch etwas anderes beschäftigte ihn, und wenn er ehrlich war, hatte er sogar ein wenig Angst seiner Tochter gegenüberzutreten. Wie würde sie reagieren, nachdem er sie ohne richtige Erklärung fortgeschickt hatte? Cathy würde Fragen haben. Fragen, vor denen er sich fürchtete. Von denen er nicht wusste, wie viel er ihr erzählen konnte und was er ihr besser auch weiterhin verschwieg. Würde sie ihm überhaupt verzeihen, das er sie hatte wegschaffen lassen? Hatte dies alles auch sie verändert? Würde sie weiterhin sein kleines Mädchen sein oder sich sogar von ihm abwenden? Es musste für sie einem Vertrauensbruch gleichgekommen sein, als man sie von ihm fortgerissen und er es zugelassen hatte.
Jetzt saß er allein in der großen Kantine auf dem US-Militärstützpunkt Ramstein und wartete darauf, dass der Hubschrauber ihn weiterflog.
Er hatte gedacht, dass man Cathy hier hergebracht hatte, als ihm der Pilot das Ziel nannte.
Als er jedoch aus dem Flugzeug ausgestiegen war, kam ihm ein junger Offizier entgegen und teilte ihm mit, das er bis um acht Uhr warten musste, bis ein Hubschrauber ihn zu seinem endgültigen Ziel brachte, das er bis dahin immer noch nicht kannte.
Also sah er immer wieder auf seine Armbanduhr und trank einen Kaffee nach dem anderen.
Man hatte ihm zwar angeboten sich in einer der Unterkünfte so lange hin zulegen, aber er konnte jetzt sowie so nicht schlafen.
Lediglich das Angebot sich zu duschen und seine Kleidung zuwechseln hatte er angenommen.
Dann endlich betrat der Pilot die Kantine und trat zu ihm.
„Ltd. Commander McGarrett? Wir können dann starten.“
Steve sah zu ihm auf und erhob sich sofort, um mit ihm die Kantine zu verlassen und auf den bereitstehen Hubschrauber zu zugehen. Er warf seine Tasche nach hinten und nahm dann selbst auf dem Co Piloten Sitz platz.
Er setzte sich die Kopfhörer auf, über die er mit dem Piloten während des Fluges Kontakt aufnehmen konnte, auf und richtete das Mikro, sodass er problemlos hineinsprechen konnte.
„Wohin fliegen wir?“ Fragte er dann, als sie bereits abhoben.
„Nach Sylt.“
„Sylt“?, wiederholte Steve.
„Ja. Eine Insel vor der deutschen Nordseeküste. Etwa 600 Kilometer entfernt.“
Nach einer Stunde landete der Heli auf einem kleinen Inselflugplatz. Steve entstieg dem Hubschrauber, grüßte noch kurz den Piloten, nahm seine Tasche von hinten heraus und ging dann auf einen Mann zu, der etwas weiter abseits auf ihn zu warten schien. Er trug zivile Kleidung, weshalb Steve ihn erst erkannte, als er näher kam.
„Hallo Steve“, streckte ihm Jason dann die rechte Hand entgegen.
Steve musste nur kurz überlegen dann fiel es ihm wieder ein. „Jason stimmt's?“
„Ja, genau. Wir müssen da rüber,“ zeigte er ihm dann und sie gingen die wenigen Schritte zu dem parkenden schwarzen Ford. Wieder warf Steve seine Tasche auf den Rücksitz und stieg dann auf der Beifahrerseite ein.
Jason startete schon den Motor. „Ist nicht weit. Nur knappe fünfzehn Minuten.“
Steve nickte nur und schnallte sich dann an. „Wie geht es Cathy? Was ist mit dem gebrochenem Arm?“
„Oh der Bruch ist wieder verheilt und der Arm genauso wie vorher. Und sonst geht es ihr gut.“
„Warum ist sie nicht mitgekommen?“ Denn Steve hatte sich wirklich gewundert, dass einer des SEAL-Teams allein auf ihn gewartet hatte und er befürchtete schon, dass seine Tochter sich weigerte, ihn überhaupt zu sehen.
„Sie weiß nicht, dass du kommst. Sie weiß nicht einmal, dass es morgen nach Hause geht.“
„Sie weiß nicht, dass ich komme?“
„Nein. Wir dachten, dass es eine Überraschung für sie sein sollte. Cathy ist mit Mike unterwegs. Sobald wir da sind, schicke ich ihm eine Nachricht.“
Als sie dann am Haus ankamen, sendete Jason die erwähnte SMS und zeigte Steve, wo er auf seine Tochter warten konnte.
Steve war die Holzstufen zum Strand heruntergegangen und hatte sich am Ende nach beiden Seiten umgesehen. Als er in gut 100 Meter Entfernung sah, wie Mike vorwärts und Cathy rückwärtsging,
und sie dabei scheinbar über irgendetwas diskutierten, ging er durch den Sand mit langsamen Schritten ihnen entgegen. Noch drehte seine Tochter ihm den Rücken zu, doch im nächsten Moment wandte sie zuerst nur ihren Kopf in seine Richtung, bis sie sich ganz herumdrehte, ihm ein lautes „Dad“!, entgegen rief und auf ihn zugelaufen kam.
Wie sie so durch den Sand schon fast auf ihn zustolperte, sah er, wie ihr die Tränen an den Wangen herunterliefen. Ein leises, „Cathy“ entwich ihm. Dann endlich warf sie sich in seine Arme.
Die Arme um seinen Hals geschlungen, stammelte sie immer wieder nur zwischen ihrem Schluchzen, „Dad, Dad, Dad.“
„Ich hab dich so vermisst.“ Mehr brachte er nicht heraus, als er sie ganz fest in seinen Armen hielt.
Er spürte, wie Mike ihm leicht, im Vorbeigehen, die Hand auf die Schulter legte. Hoch sah er nicht. Er hielt einfach nur seine Kleine endlich wieder in seinen Armen.

Minutenlang standen sie einfach nur da und hielten sich gegenseitig fest, ohne das einer von ihnen auch nur ein Wort sprach. Bis Cathy sich leicht löste und ihm jetzt in die Augen sah. Ihr Blick war noch etwas verschwommen, als sie ihn fragte, „warum bist du hier?“ Angst schwang in ihrer Stimme mit.
„Um dich nach Hause zubringen,“
„Nach Hause?“ Sie musste es einfach wiederholen, sich vergewissern, dass sie richtig verstanden hatte.
„Ja. Wir fliegen nach Hause.“
„Wann?“
„Morgen früh.“
„Wissen die anderen es schon?“
„Ja. Die wissen schon seit zwei Tagen Bescheid.“
„Was? Und warum hat mir keiner was gesagt?“
„Ich glaub sie wollten dich überraschen.“ Steve entwich jetzt ein kleines Lächeln, als er in das überraschte Gesicht seiner Tochter sah. Dann nahm er sie bei den Schultern und hielt sie ein Stück von sich entfernt und betrachtete sie genauer.
„Du siehst so verändert aus. Seit wann trägst du eine Brille und“ er sah genauer hin. „Deine Augen sind grün.“ Stellte er fest.
Cathy nickte. „Das gehört zur Tarnung. Brille mit Fensterglas und grüne Kontaktlinsen mit null Sehstärke.“
„Und was ist mit deinen Haaren?“
„Sind unter der Mütze versteckt.“
Wie sie jetzt so da standen, begann Cathy leicht zu zittern. Sie trug zwar den Witterungsverhältnissen angepasste Laufkleidung, die aus einer langen Hose, einem Shirt und einer windabweisenden Jacke bestand aber wenn sie sich nicht bewegte, fror sie.
„Ich glaube wir sollten langsam ins Warme gehen.“ Steve legte ihr seinen Arm um die Schulter und sie gingen zusammen die Stufen hoch.
„Du läufst jeden Morgen?“ Fragte Steve währenddessen.
„Ja. Das ist aber nicht das Einzige.“ Antwortete Cathy nicht ohne Stolz.
„Hm. Und was noch?“
„Das erzähl ich dir später.“ Mehr wollte Cathy ihm jetzt nicht verraten, als sie am Haus ankamen und hinein gingen.
Jason und Mark waren jetzt Joggen, Rob behielt im Keller die Monitore im Auge, Mike und Sam trafen sie in der Küche an. Die beiden hatten sich jeder mit einem Kaffee an den Tisch gesetzt.
Mike bot Steve ebenfalls einen an und dieser nahm ihn entgegen.
Cathy hingegen entschied sich, erst einmal duschen zugehen.
Als sie fünfzehn Minuten später wieder zu ihnen trat, trug sie Jeans und einen Pullover in Navy Blue mit schwarzen schmalen Querstreifen bis unterhalb des Brustansatz und einer Kängurutasche vorne.
Steve hatte sich in der Zwischenzeit ebenfalls mit an den Tisch gesetzt. Sie waren gerade dabei, sich über die Zeit hier zu unterhalten, als Cathy eintrat. Sie nahm sich eine kleine Wasserflasche aus dem Kühlschrank und blieb dann stehen.
„Ich glaube wir lassen euch beide Mal allein. Ihr habt euch sicher einiges zu sagen.“ Mike und Sam machten Anstalten die Küche zu verlassen, aber Cathy hielt sie zurück.
„Können wir nicht nach Wenningstedt fahren? Dann kann ich ihm wenigstens noch etwas von dieser grauenhaften Insel zeigen und er kann sich vielleicht vorstellen, was mir hier zugemutet wurde.“
Mike und Sam mussten grinsen, stimmten aber zu.
„Klar. Warum nicht. Ich denke dein Vater wird schon auf dich aufpassen.“
„Gut. Ich muss nur noch mal schnell nach oben und meine Jacke holen.“ Cathy wollte schon die Küche verlassen, als sie von Mike aufgehalten wurde.
„Dann kannst du deinem Dad gleich zeigen, wo er heute Nacht schläft.“
„Ja gut. Komm mit.“ Drehte sie sich zu Steve um, der auch gleich aufstand und ihr folgte. Im Flur nahm er seine Tasche und ging mit Cathy zusammen nach oben.
Cathy blieb vor einer der Zimmertüren stehen und drückte die Klinke herunter. „Das ist für heute Nacht dein Zimmer. Meines ist da.“ Sie zeigte zwei Türen weiter. „Ich hol eben meine Jacke.“
Steve betrat das Zimmer, während Cathy in ihrem verschwand.

Sie war gerade dabei sich eine der Mützen aus ihrem Schrank zu nehmen und diese aufzusetzen, als Steve an den Türrahmen klopfte. Die Tür hatte sie offenstehen lassen. „Darf ich?“
„Klar komm rein.“ Cathy steckte gerade ihre Haare unter die Mütze.
Steve sah sich in dem Zimmer um und sein Blick fiel auf den Nachttisch und die beiden gerahmten Fotos darauf. Er ging hin und nahm das von ihm in die Hand.
„Was ist denn damit passiert?“ Sein Foto hatte immer noch kein neues Glas.
Cathy drehte sich zu ihm um. „Das? Das sollte fliegen lernen. Hat aber nicht geklappt.“ Sie nahm sich jetzt ihre Jacke vom Haken und zog sie sich über. „Kommst du?“
Steves Augenbrauen zogen sich, angesichts der knappen Erklärung, leicht nach oben, als er das Bild zurückstellte und dann seiner Tochter folgte.
Als sie sich unten im Flur die dicken Winterboots anzog, kam Mike gerade aus der Küche. Auch er wollte sich jetzt endlich duschen.
„Vergess aber nicht, dass du heute Küchendienst hast. Du bist mit Kochen dran.“
Steve konnte nicht glauben, was er da gerade hörte. Vor lauter Erstaunen zog sich nur seine rechte Augenbraue etwas nach oben. „Du kochst?“
Cathy war gerade in ihre Boots geschlüpft und schnappte sich einen der beiden Autoschlüssel um ihn ihrem Vater hinzuhalten, der ihn entgegennahm.
„Die haben mich gezwungen!“ Sagte sie dann und öffnete die Haustür.
Mike schallendes Gelächter folgte ihnen, als sie hinaus in die kalte Dezemberluft traten.

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BeitragThema: Re: Ungewisse Zukunft - Eine H50 FanFiction (fertiggestellt)   Do Sep 19, 2013 7:23 am

Kapitel 37


Cathy hatte Steve den Weg gezeigt. Wenningstedt war zwar nicht der nächstgelegene Ort und sie mussten etwas weiterfahren als nach Kampen, dafür bekam ihr Vater allerdings einen kleinen Eindruck von Sylt.
Im Sommer herrschte hier überall reger Betrieb, jetzt aber waren die wenigen Straßen fast ausgestorben. Touristen verirrten sich nur wenige um diese Jahreszeit hier her und die Einheimischen zogen es vor, zu Hause zu bleiben.
So waren sie auch die Einzigen, die oberhalb des Strandes, an der Strandpromenade entlang schritten. Schließlich blieb Cathy stehen und lehnte sich an die etwa einen Meter hohe Mauer, die die Strandpromenade zusätzlich schützte. Es herrschte gerade Flut und der heftige Wind trieb die Wellen an den Strand.
Während Cathy mit dem Rücken an die Mauer gelehnt stand, hatte Steve seine Unterarme auf der Mauerbrüstung liegen und schaute dem Spiel der Wellen zu, die teils heftig am Strand aufschlugen.
Er war ziemlich froh darüber, dass er die dicke schwarze Daunenjacke trug, die er bis oben hin geschlossen hatte.
Sein Blick streifte immer wieder kurz seine Tochter, die mit vor der Brust verschränkten Armen dastand und geradeaus starrte.
Während der Fahrt hier her, hatte sie nicht viel geredet. Ihn nur hin und wieder auf irgendetwas aufmerksam gemacht, das am Rande der Straße zusehen war. Überhaupt war seine Tochter ziemlich kurz angebunden. Dies war ihm schon im Haus aufgefallen. Als er jetzt wieder zu ihr sah und darauf wartete, dass sie irgendetwas sagte, wurde er langsam ungeduldig. Er wollte diese Aussprache, der er sich zweifellos stellen musste, endlich hinter sich bringen.
„Was auch immer dir auf der Zunge liegt oder du mich fragen willst. Lass es raus, ehe du daran erstickst.“
Sie drehte ihren Kopf und sah ihn mit stechendem Blick an. Dann nickte sie langsam.
„Warum? Warum hast du das getan?“
Auch, ohne das Cathy es direkt aussprach, wusste er, was sie meinte.
„Ich hatte keine andere Wahl.“
„Das hast du schon mal gesagt. An dem Tag als du mich, ohne mir eine Erklärung zugeben, einfach in eine Militärmaschine hast verfrachten lassen.“
„Weil es die Wahrheit ist.“
„Nein ist es nicht! Es ist nur eine Aussage um dein eigenes Gewissen zu beruhigen!“
„Glaubst du, mir ist es leicht gefallen?“ Der Ton zwischen ihnen wurde härter.
„Weiß nicht. Sag du es mir!“ Cathy zuckte jetzt leicht mit den Schultern. Man merkte ihr an, dass sie auf eine vernünftige, vor allem einleuchtende Erklärung wartete.
„Verdammt Cathy. Es gab nicht einen verfluchten Tag, an dem ich nicht an dich gedacht habe, an dem ich mir wünschte du wärst zu Hause.“
„Das kann ja alles sein, trotzdem beantwortet es nicht die Frage nach dem warum. Wieso hast du nicht vorher mit mir darüber gesprochen? Du bist nach Hause gekommen und hast von mir verlangt, dass ich meine Sachen packe. Ich hab dir vertraut. Dir geglaubt, dass du mich niemals im Stich lassen würdest, dass du nicht zulässt, dass man mir noch einmal wehtut.“ Cathy wurde jetzt lauter, aber ihre Stimme drohte auch zu brechen, angesichts der Wut und der Tränen, die sich Platz schaffen wollten. „Aber du hast zugelassen, dass ich von dir weggerissen wurde. Hast da gestanden und dich abgewendet!“
Auch wenn Cathy im Grunde genommen überglücklich war, dass ihr Vater jetzt hier war und sie morgen gemeinsam nach Hause fliegen würden, musste sie ihrer Wut, die sie all die Monate zurückhalten musste, jetzt Luft machen. Und sie wollte endlich Antworten. Diesmal würde er sich nicht in Ausflüchte retten können.
„Weil ich es nicht mit ansehen konnte, wie man dich fortgebracht hat. Hätte ich mich nicht umgedreht, ich hätte die ganze Aktion abgeblasen. Aber das konnte ich nicht riskieren.“
„Und warum gab es in all den Monaten nicht ein Lebenszeichen von dir? Verdammt Dad! Du hättest tot sein können und ich hätte es nicht erfahren!“ Cathy konnte nicht verhindern das sich die ersten Tränen ihren Weg bahnten. Steve wollte dann auch seinen Arm um ihre Schultern legen, aber seine Tochter wehrte ihn ab. „Lass mich!“
„Hey, beruhig dich“, versuchte Steve sie ein wenig runter zubringen, aber sie wollte davon nichts hören. „Ich will mich nicht beruhigen. All die Monate warst du nicht greifbar, außer dein Bild, das einzige, an dem ich meine Wut auslassen konnte.“
„Ach deshalb ist der Rahmen kaputt.“
„Ich hab es gleich am ersten Tag vor lauter Wut gegen die Wand geworfen.“
„Gut, das es nur das Bild war.“ Steve hatte grade Mühe sich ein schmunzeln zu verkneifen. Aber es war auch typisch für seine Tochter. Sie hatte sich noch nicht so unter Kontrolle, sodass sie sich hin und wieder an tote Gegenstände vergriff. Er ließ ihr ein wenig Zeit, um sich halbwegs zu beruhigen.
„Wer sind diese Leute, die dich dazu veranlasst haben, mich fortzuschaffen. Wie gefährlich sind sie?“
„Es sind dieselben Leute, die meinen Vater getötet haben. Und sie sind sehr gefährlich.“ Steve sog die Luft ziemlich tief ein. Er wusste, dass die Stunde der Wahrheit gekommen war, nur wie weit er diese Wahrheit zulassen würde, konnte er jetzt noch nicht sagen.
„Du hast mir nie gesagt, dass dein Vater getötet wurde. Wie und weißt du warum?“ Cathy war schon ziemlich überrascht über das, was ihr Vater da gerade gesagt hatte, aber das sollte noch nicht alles sein.
„Ich hab es dir nicht erzählt, weil ich das alles von dir fernhalten wollte. Mein Vater wurde erschossen und ich habe es am Telefon mit angehört. Damals dachte ich, dass es Rache war.“
„Oh mein Gott, Dad.“ Cathy war das Entsetzen anzusehen. „Aber es war keine Rache!?“
„Nein.“ Und dann erzählte Steve seiner Tochter die ganze Wahrheit. Es sollte Cathy nicht so gehen wie ihm.
Cathy stand da und konnte kaum glauben, was ihr Dad erzählte. „Deine Mutter war eine Spionin? Und sie hat wirklich Leute gekillt?“
„Ja.“
„Und du und Mary, ihr habt davon nichts gewusst? Oh man das ist vielleicht abgefahren.“
Steve wünschte er hätte das alles mit Cathys leichter, jugendlicher Unbekümmertheit sehen können.
„Derselbe Mann, der den Auftrag zum Mord an meinen Vater gegeben und dessen Vater durch meine Mutter umgebracht wurde, ist nun hinter mir und wohl auch dir her. Ich bin ihm wohl schon zu nah gekommen und er glaubt, dass er durch dich an mich herankommen kann.“
„Weißt du, wer er ist. Ich meine kennst du seinen Namen?“
„Ja. Sein Name ist Wo Fat. Vor ein paar Tagen hätten wir ihn beinahe gehabt. Aber er ist uns wieder entwischt.“
Cathy überlegte kurz. Sie hatte den Namen schon einmal gehört. Dann fiel es ihr ein.
„Du hast den Namen gesagt, nachdem dein Auto in die Luft geflogen ist. Du sagtest, dass er dafür verantwortlich ist.“
„Du hast ein ziemlich gutes Gedächtnis.“ Konnte Steve nur anerkennen.
„Ich bin schließlich deine Tochter.“
„Hör zu. Ich weiß nicht, wie und ob ich dich auf Dauer beschützen kann, aber ich werde dafür alles in meiner Macht stehende tun, aber du musst dich genau an meine Anweisungen halten.“
Steve zog sie jetzt doch in seine Arme. „Hey Kleines, es tut mir alles so entsetzlich leid, aber ich verspreche dir, dass ich so etwas nie wieder zulassen werde.“
„Ich muss ich mich also nie wieder allein gegen sechs erwachsene Männer durchsetzen?“
„Oh ich bin sicher, dass du das ganz gut hin bekommen hast.“ Über Steves Gesicht zog sich ein breites Grinsen denn Mike hatte ihm bereits ein wenig über die Zeit mit seiner Tochter hier auf der Insel erzählt.
„Na ja. Aber ich hab eine ganze Menge von ihnen gelernt.“
„Ach und was?“
„Verrat ich jetzt noch nicht, aber vielleicht, haben wir ja heute noch Zeit und ich zeig´s dir.“ Auf Cathys Gesicht legte sich ein leicht schelmisches Grinsen.

Cathy kannte sich einigermaßen gut aus und sie steuerte mit ihrem Vater dann auch ein kleines Café an. Trotz ihrer dicken Winterjacke war ihr inzwischen doch etwas kalt geworden und so machte sie Steve den Vorschlag, sich in dieses Café zusetzen um sich eine heiße Schokolade zugönnen.
Sie hatten sich einen Platz am Fenster ausgesucht. Cathy eine Tasse mit heißer Schokolade vor sich und Steve einen Kaffee. Sie erzählte ihm dann auch, das sie irgendwann angefangen hatte mit den Jungs zu trainieren. Allerdings verschwieg sie ihm das Kampftraining. Nur, dass sie jeden Morgen mit Mike fast zwölf Kilometer lief. Steve erzählte ihr seinerseits einiges, was während ihrer Abwesenheit zu Hause passiert war, als plötzlich Dennis neben ihnen stand.
Über Cathys Gesicht huschte sofort ein erfreutes Lächeln, als Dennis lediglich, „Hi“ sagte.
Steve hingegen war alles anders als erfreut. „Entschuldigung, du hast dich wohl am Tisch geirrt“, wollte er den ungebetenen Störenfried schnell wieder loswerden. Allerdings hatte er nicht mit der Reaktion seiner Tochter gerechnet. „Ist schon gut,“ dabei ergriff sie Dennis Hand. „Das ist Dennis. Mein Freund. Dennis das ist mein Dad.“
BAMM – Steve fühlte sich gerade als hätte ihn eine Dampfwalze überrollt. Was hatte seine Kleine da gerade eben gesagt? Er brauchte einen Moment, bis er den ersten Schock überwunden hatte.
„Dein?“
Dennis hielt ihm seine Hand hin. „Freut mich Sie kennen zulernen. Cathy hat oft von Ihnen gesprochen.“
Steve starrte seine Tochter an. Seine Stirn hatte sich minimal in Falten gelegt, sein Mund stand halb auf, und seine Augenbrauen zogen sich nach oben, wobei die linke ein kleines Stück höher gezogen war. Geistesabwesend ergriff er Dennis angebotene Hand. „Ich wünschte, ich könnte das Gleiche sagen.“
Im Gegensatz zu Dennis wusste Cathy sofort, wie ihr Vater das gemeint hatte. Sie quittierte seine Aussage auch nur mit einem leicht verhaltenen Grinsen.
„Sehen wir uns heute noch?“ Wandte sich Dennis dann wieder an Cathy.
„Ich glaube nicht!“ Fiel Steve sofort dazwischen. Was ihm allerdings einen schiefen Blick seiner Tochter einbrachte.
„Ja, das wäre gut. Kannst du heute Abend vorbeikommen?“
„Sicher. Bin um sieben da. Ich muss weiter. Hab noch ne ganze Fuhre vom Inselkurier, die ich unter die Leute bringen muss.“
Jetzt beugte sich dieser Bengel auch noch ganz ungeniert zu Cathy und gab ihr hier vor seinen Augen einen Kuss mitten auf den Mund. Am liebsten wäre Steve dazwischen gegangen und hätte dieses Milchgesicht direkt durch das große Fenster nach draußen befördert.
„Auf Wiedersehen. Wir sehen uns ja dann heute Abend.“ Sagte Dennis noch zu Steve, bevor er sich entfernte. Steve nickte automatisch. Im gleichen Moment hätte er sich für diese Geste am liebsten selbst geohrfeigt.
„Dad? Jemand zu Hause?“ Wurde er von Cathy aus seiner Schockstarre gerissen, als er durch das große Schaufenster nach draußen schaute.
„Was? Ja. Ich brauch jetzt frische Luft. Lass uns gehen.“ Schon stand er auf, nahm seine Jacke von der Stuhllehne und zog sie sich über, als er schon auf dem Weg nach draußen war. Der belustigte Blick seiner Tochter folgte ihm dabei. Cathy ließ sich Zeit und zog sich ihre Jacke in Ruhe an, bevor sie ihrem Dad folgte.

Während sie zurück zum Haus fuhren, riskierte Cathy immer wieder einen Blick auf ihren Vater, der krampfhaft nach vorne auf die Straße sah. Er hatte noch nicht ein einziges Wort gesprochen seitdem sie das Café verlassen hatten. Aber sie wusste genau, was ihn gerade beschäftigte. Sie sah es an seinem mahlenden Kiefer und seiner Halsschlagader, die deutlich hervor getreten war.
„Na schön. Wenn du nicht von selber reden willst, sag ich es mal mit deinen Worten.“ Wurde es Cathy schließlich zu dumm. Immerhin war sie kein kleines Kind mehr, auch wenn ihr Vater das wohl gerade dachte. „Bevor du dran erstickst, lass es raus.“
Steves Blick ging kurz zu ihr. Seine Stirn kräuselte sich bedenklich, wobei die Augenbrauen ziemlich tief hingen. Die Augen zogen sich zu schmalen Schlitzen zusammen und seine Nasenflügel bebten leicht. Eigentlich sagte seine gesamte Mimik, dass es besser war, ihn jetzt nicht zu reizen aber Cathy konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen.
„Was? Was ist so lustig? Ich finde das Ganze nämlich gerade überhaupt nicht komisch.“
Natürlich wusste Cathy, dass ihr Vater damit ihre Freundschaft mit Dennis meinte. Allerdings reagierte er ihrer Meinung nach völlig über. Ihr Grinsen ging jetzt auch in ein Lachen über.
„Sorry. Aber du siehst gerade aus wie ein Grinch.“
Steve, der wieder nach vorn schaute, wandte sein Gesicht abrupt seiner Tochter zu.
„Wie ein Grinch?“
„Ja“, nickte Cathy. „Fehlt eigentlich nur noch das Fell. Die grüne Gesichtsfarbe hast du jedenfalls schon. Gut, du klaust wahrscheinlich keinem die Weihnachtsgeschenke, aber du bist gerade genauso miesepetrig.“
„Ach, sollte ich vielleicht einen Freudentanz aufführen, nachdem du mir dieses Milchgesicht als deinen Freund präsentiert hast?“
„Dennis ist kein Milchgesicht!“
„Ist dir schmieriger Jüngling lieber?“
„Er ist mein Freund und ich finde es ziemlich herablassend, wie du von ihm sprichst. Du kennst ihn ja noch nicht einmal.“
„Die kurze Begegnung hat mir gereicht. Diese Miniaturausgabe von Casanova wird dich jedenfalls nicht noch einmal begrapschen.“
„Dad bitte. Das hört sich wirklich an, als wäre Dennis ein perverser.“
„Ach und was ist das, wenn er dich in aller Öffentlichkeit vor meinen Augen abknutscht?“
„Das ist nicht pervers, sondern es zeigt nur, das er mich mag.“
Sie waren am Haus angekommen und Steve lenkte den Ford in die Garageneinfahrt. Bevor er noch etwas erwidern konnte, hatte sich seine Tochter bereits abgeschnallt und war ausgestiegen.
Cathy schloss die Tür auf, als Steve hinter ihr herkam.
„Du bist sechszehn! Viel zu jung, um mit irgendwelchen Typen herum zumachen!“
„In zwei Monaten werde ich siebzehn. Und ich mache nicht mit irgendwelchen Typen herum!“
„Siebzehn, immer noch nicht alt genug, um in der Öffentlichkeit einfach so rumzuknutschen.“
Cathy hatte sich inzwischen auch ihre Schuhe ausgezogen und wollte gerade in die Küche gehen.
„Solange es nur beim Knutschen bleibt.“
Seine Tochter schien ihn gerade noch mehr reizen zu wollen, als er ohnehin schon war.
„Moment was soll das heißen?“
„Das kannst du dir jetzt aussuchen.“
Mark, der die beiden gehört hatte, kam jetzt ebenfalls dazu und schaute nur erstaunt von einem zum anderen.
„Ist dir der Kerl etwa an die Wäsche gegangen? - Cathy gibt es irgendwas, worüber ich mir Sorgen machen müsste?“ Steves Gesichtsausdruck war dabei ziemlich eindeutig.
So langsam wurde es Cathy zu bunt und sie hatte Mühe nicht die Augen zu verdrehen.
„Dad! Du bist wirklich so was von peinlich!“
Mark stand nur dabei und in seinen Augen stand ein großes Fragezeichen.
„Wir haben Dennis getroffen“, erklärte Cathy nur, bevor sie jetzt endgültig in der Küche verschwand. Schließlich hatte sie heute Küchendienst und musste sehen, dass sie endlich mit dem Kochen anfing. Sonst würde hier heute wohl niemand etwas zu Essen bekommen.
„Aha,“ entwich es Mark nur und schon drehte er sich um und ging zurück ins Wohnzimmer.
Zurück blieb Steve, der zuerst seiner Tochter hinterher starrte und dann Mark.
Was ging hier eigentlich vor? Was hatten die Jungs eigentlich in dem halben Jahr gemacht? Die sollten doch auf seine Tochter aufpassen. Davon, dass sie sich so einen Knaben anlachte, war nicht die Rede gewesen.

Was die Männer während des halben Jahres getan hatten, sollte Steve dann nach dem gemeinsamen Essen erfahren. Vielmehr, was sie seiner Tochter beigebracht hatten.
Als Cathy, nachdem alle zusammen den Tisch abgeräumt hatten, mit Jason und Mike flüsterte, fragte er sich allerdings, was das nun wieder zu bedeuten hatte.
Auch als Mike zu ihm trat, mit den Worten, „ich nehme an, du hast keine Trainingssachen dabei“,
konnte er sich keinen Reim darauf machen.
„Nein. Natürlich nicht. Brauch ich die denn?“
„Ja. Wäre nicht schlecht. Cathy würde dir nämlich gerne etwas zeigen und Jeans sind dabei nicht wirklich bequem. Komm mit. Wir dürften wohl dieselbe Größe haben.“

Zehn Minuten später trug Steve eine Dunkel blaue Trainingshose und ein ebenfalls dunkel Blaues
T-Shirt mit dem Aufdruck der Navy SEALs und so langsam dämmerte es ihm, was hier lief.
Als er mit Mike nach unten in den Kellerbereich ging und dort die anderen Jungs zusammen mit seiner Tochter stehen sah, bestätigte sich seine Annahme.
Cathy trug ebenfalls Jogginghose und ein eng anliegendes T-Shirt. Ihre langen Haare hatte sie hinten zu einem Zopf gebunden. Jetzt drehte sie sich zu ihm herum und auf ihrem Gesicht lag ein ziemlich siegessicheres Grinsen.
„Wird es das, vor für Ich es grade halte?“, fragte er sogleich, als er vor ihr stand und auf sie hinunter schaute.
„Ja, sieht ganz danach aus. Du konntest dein Versprechen ja nicht einlösen, also haben die Jungs mein Training übernommen.“
Steve sah alle sechs der Reihe nach an. Dabei schaute er nur in grinsende Gesichter. Leicht verhalten grinste er zurück. Die Jungs hatten hier scheinbar ganze Arbeit geleistet. Dann wandte er sich wieder Cathy zu. „Und du bist sicher, dass du das willst?“ Er zeigte dabei auf den Bereich, der mit einer schwarzen Gummimatte ausgelegt war.
„Ja doch. Ich denke schon“, nickte Cathy eifrig und verschränkte die Arme vor der Brust. „Es sei denn, du willst dich davor drücken.“
Steve konnte sich ein leises Lachen nicht verkneifen. „Ich?“ Dann jedoch nahmen seine Gesichtszüge einen ernsthafteren Ausdruck an. „Aber eines sollte dir klar sein. Wenn du das jetzt wirklich durchziehen willst, glaub mir, ich werde dir garantiert nichts schenken.“
„Das will ich doch stark hoffen.“
„Also gut. Aber beschwer dich hinterher nicht.“ Warnte Steve. Allerdings hatte seine Tochter noch etwas im Petto, womit er nicht gerechnet hätte.
„Wie wäre es mit einem kleinen Einsatz?“
„Ein kleiner Einsatz?“ Steves Augenbrauen zogen sich nach unten und sein Kopf bewegte sich kaum sichtbar nach vorn.
Aber Cathy nickte wieder nur eifrig. „Ja ein kleiner Einsatz. Den der Verlierer einlösen muss.“
Nur kurz überlegte Steve, dann willigte er ein. „Gut. Also wie lautet deiner?“ Erst einmal wollte er hören, was seine Tochter sich da ausgedacht hatte, bevor er sich dann selber etwas überlegte. Doch Cathy brachte ihn mit ihrem Einsatz zunächst zum Schweigen.
„Also wenn ich gewinne, - erzählst du mir endlich von deinen Einsätzen als SEAL!“
Im Raum trat tödliche Stille ein. Jeder hielt für einen Augenblick den Atem an. Niemand konnte sagen, wie Steve darauf reagieren würde. Und der war wirklich für einige Sekunden sprachlos.
Er hätte mit vielem gerechnet, aber nicht damit. Seine Kleine war wirklich ziemlich gerissen und obendrein verdammt clever. Er war überzeugt, dass sie sich schon länger darüber Gedanken gemacht hatte. Was also sollte er tun? Ablehnen? Das würde Cathy ihm wohl nicht so schnell verzeihen. Er war sich zwar sicher, dass Cathy nicht gegen ihn gewinnen konnte, aber trotzdem wollte er die ganze Sache vorsichtshalber eindämmen.
„Okay. Aber nur unter einer Bedingung. Du darfst mir EINE Frage stellen. Nur eine. Und danach ist Schluss!“
Cathy hatte schon bei dem Wort „Okay“ triumphieren wollen, aber dann verzog sich ihre Mine.
Ihr Dad war nicht so schnell aufs Glatteis zuführen, aber sie musste einwilligen. Eine andere Chance hatte sie nicht. „Also gut. Und dein Einsatz?“ Sie konnte sich fast denken, was jetzt kam.
„Wenn ich gewinne, dann ist das Thema SEAL ein für alle Mal tabu!“
Cathy nickte. Damit hatte sie gerechnet. Also würde sie alles geben müssen. „Gut. Angenommen.“
Sie reichten sich beide noch die Hand und bewegten sich dann zur Mitte. Dort blieben sie einander gegenüberstehen.
Cathy warf den Jungs, die am Rand standen, noch schnell einen Blick zu. Jeder nickte ihr zu. Sie wussten, das ihr Schützling es dem gestanden SEAL nicht leicht machen würde aber auch, dass es für Cathy keine leichte Aufgabe werden würde.

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BeitragThema: Re: Ungewisse Zukunft - Eine H50 FanFiction (fertiggestellt)   Mo Sep 23, 2013 4:21 am

Kapitel 38


Zunächst sahen sie sich nur an. Jeder lauerte darauf, dass der andere begann.
Cathy begann nervös von einem auf den anderen Fuß zutänzeln. Für einen Augenblick war Steve dadurch abgelenkt, weil er nach unten schaute. Diesen kleinen Moment nutzte seine Tochter jedoch sofort aus und ließ beide Arme vorschnellen. Aber bevor Cathy einen Treffer landen konnte, reagierte Steve schon und verschränkte beide Arme in der Luft und wehrte somit Cathys Attacke ab.
Jetzt war es an ihm, immer wieder, in rasend schneller Abfolge, seine Arme vorschnellen zulassen.
Seine Tochter musste alle Konzentration aufbieten, um nicht einen angedeuteten Schlag zu kassieren. Bei der Schnelligkeit, mit der ihr Vater sich bewegte, war es für sie unmöglich, in die Angreiferposition zu wechseln. Ihr blieb nichts anderes übrig als zurück zuweichen.
Steve war schnell. Fast zu schnell. Plötzlich hatte er ihre Abwehrhaltung durchbrochen, aber er deutete keinen Schlag an, sondern wollte das hier schnell zu Ende bringen und so griffen seine Hände nach ihrem Hals, um sie mit dem Kopf nach unten zuziehen und so mit dem Knie einen Tritt in ihre Bauchgegend anzudeuten. Aber Cathy war ebenso schnell wie ihr Vater. Mit einem gezielten Rückwärtssprung konnte sie ihm in letzter Sekunde ausweichen und somit das vorzeitige Ende und ihre Niederlage verhindern. Die kleine Distanz, die nun zwischen ihnen lag, verschaffte Beiden eine winzig kleine Verschnaufpause, bevor Cathy zum Angriff überging.
Blitzschnell sprang sie hoch und streckte dabei ihr linkes Bein nach vorne. Sie hatte beabsichtigt, damit einen Treffer an Steves Brustkorb anzudeuten, dies würde einen Tritt gegen das Zwerchfell anzeigen, der ihn für einen Moment den Atem nehmen würde und sie dadurch die Gelegenheit für eine weitere Attacke bekommen, aber er war schneller und sah sofort, was sie vorhatte. Mit einem schnellen Griff packte er ihr Bein und riss sie dabei ein Stück vom Boden weg. Cathy konnte sich nicht halten und landete etwas unsanft auf dem Rücken. Ihr entwich dabei zwar ein leiser Aufschrei aber, bevor Steve ihr seinen Fuß auf den Körper stellen konnte und sie somit Kampfunfähig zu machen, kam sie wieder auf die Beine. Sie zog die Knie, so weit sie konnte an, holte dann Schwung, streckte dabei beide Beine geschlossen nach vorn und kam dadurch wieder zum stehen. Steve war von dieser Aktion ein wenig überrascht. Mit dieser äußerst schnellen Reaktion hatte er nicht gerechnet und kam ihr deshalb auch zu nahe. Cathy konnte den Schwung ihrer Beine nicht mehr abbremsen und traf ihn mit beiden Füßen in den Magen. Steve taumelte zurück und stöhnte auf. Die Jungs am Rand hielten die Luft an dann war ein Raunen von ihnen zu vernehmen. Cathy ließ sich dadurch jedoch nicht ablenken, sondern setzte sofort nach, ihr Vater hatte eine leicht nach vorn gebeugte Haltung eingenommen und sie holte zum Schlag in seinen Nacken aus. Aber sie machte die Rechnung ohne ihn. Steve ließ sich zu Boden fallen, rollte sich dort von ihr weg und kam dann wieder hoch.
Beiden war inzwischen anzusehen, dass sie dieser Trainingskampf bereits jetzt schon viel Kraft kostete. Cathys Atem ging ziemlich schnell und sie hoffte, dass ihr Vater einen Fehler begehen würde, denn lange reichte ihre Luft nicht mehr. Steve hingegen war überrascht, wie seine Tochter sich schlug. Damit hatte er nicht gerechnet. Er hatte gedacht, dass er diesen Kampf ziemlich schnell beenden könnte. Während er noch abschätzte, wie er Cathy so zu fall bringen konnte, dass sie keine Chance mehr hatte, hochzukommen, griff seine Tochter erneut an.
Cathy wusste, dass sie keine Schläge setzen konnte, die Steve im Gesicht oder am Hals treffen würden. Dafür war Steve zu groß für sie, also versuchte sie es mit Tritten. Aber ihr Vater konnte diesen immer wieder ausweichen. Sie drehte sich einmal halb um ihre eigene Achse und wollte dabei gleichzeitig mit dem linken Bein ausholen, doch bevor sie dazu kam, hatte Steve sie durchschaut und griff nun von hinten an. Dabei legte er ihr seinen rechten Unterarm um die Kehle und den linken drückte er ihr in den Bauch.
Die erste Reaktion von ihr wäre jetzt gewesen, zu versuchen, seinen Griff um ihre Kehle zulockern.
Das hatte sie im Training mit den Jungs auch immer zuerst getan. Aber inzwischen wusste sie, dass dies genau das verkehrte war. Dadurch würde Steve seine Griffe nur noch verstärken und sie zwangsläufig zu Boden gehen. Also griff sie nach seinem Unterarm, der um ihren Bauch gelegt war.
Er verstärkte zwar seinen Griff um ihre Kehle und für einen kurzen Augenblick blieb ihr die Luft weg, dann aber schaffte sie es, sein linkes Handgelenk mit ihrer rechten Hand zu umschließen und seinen Oberarm mit der anderen Hand zupacken, dadurch konnte sie seinen Griff um ihren Bauch lockern, gleichzeitig beugte sie sich mit aller Kraft nach vorn. Steve musste diese Bewegung zwangsläufig mitmachen, wenn er seinen Griff um ihren Hals nicht lockern wollte. Genau das war der Fehler, auf den seine Tochter gewartet hatte. Sie hielt seinen linken Arm mit beiden Händen umschlossen, wendete alle Kraft auf um ihn über ihren Rücken weiter nach vorn zuziehen.
Steve war von dieser Aktion so überrascht, dass er seinen Griff um ihren Hals lockerte und sich dabei auch ein Stück nach vorn beugte. Cathy zog ihn weiter nach vorn und mit Schwung landete er vor ihr auf dem Rücken. Fast gleichzeitig warf Cathy sich ebenfalls zu Boden und kam neben seinem Oberkörper zuliegen. Blitzschnell hatte sie dabei ihr linkes Bein so ausgestreckt, dass Steve nun mit seinem Nacken darauf lag. Das rechte Bein legte sie auf seine Kehle und zog die Beinschere an. Gleichzeitig deutete sie mit ihrem Ellbogengelenk einen Schlag in sein Gesicht an. Danach griff sie mit beiden Händen seinen rechten Arm und drückte diesen neben ihrem Kopf auf den Boden.
Die Jungs gröhlten, jubelten und applaudierten. Steve war kampfunfähig. Cathy hatte ihn tatsächlich auf die Bretter geschickt.

Beide lagen schnaufend und lang ausgestreckt am Boden.
Cathy hielt immer noch Steves Arm fest und auch die Beinschere hatte sie geschlossen.
„Okay, ich gebe mich geschlagen. Du kannst loslassen.“ Immer noch schwer atmend kamen Steve die Worte über die Lippen. Er konnte es immer noch nicht so recht fassen, das seine eigene Tochter ihn am Boden hatte. Hätte ihm jemand vorher gesagt, das Cathy ihn wirklich an den Rand seiner Kräfte bringen und obendrein auch noch so austricksen würde, hätte er wohl laut aufgelacht. So aber musste er sich eingestehen, dass diese Jungs seine Kleine fast zur Kampfmaschine trainiert hatten und so schnell niemand mehr seine Tochter überwältigen würde.
„Tschuldigung.“ Cathy hatte überhaupt nicht bemerkt, dass sie ihren Vater noch immer umklammert hielt. Sie ließ seinen Arm los, löste die Beinschere und zog ihr linkes Bein unter seinem Nacken hervor. Auch Cathy musste erst einmal wieder zu Atem kommen. Sie hatte gewusst, dass es nicht leicht werden würde und auch gehofft, dass Steve keine Rücksicht nahm. Und zwischendurch hatte es auch wirklich so ausgesehen, als könne sie nicht gegen ihn gewinnen. Um so stolzer war sie jetzt, dass sie einen einzigen Fehler, den er begangen hatte, ausnutzen konnte und ihn somit zu Fall gebracht hatte.
Sie lagen jetzt nebeneinander und ihr Atem beruhigte sich wieder.
„Tut mir leid, dass ich dich getroffen habe. Das wollte ich nicht.“ Fiel Cathy dann der Tritt wieder ein, den sie Steve ungewollt in den Magen verpasst hatte.
„Schon Okay. Jetzt bin ich um eine Erfahrung reicher.“ Steve konnte immerhin schon wieder leicht lächeln.
Beide sahen jetzt nach oben und in die grinsenden Gesichter der SEALs.
„Was ist, könnt ihr alleine aufstehen, oder braucht einer von euch Hilfe?“ Mark grinste dabei wirklich von einem Ohr zum anderen. Er war jetzt wenigstens nicht mehr der Einzige, der von Cathy zu Boden geschickt worden war. Während Steve nun hochkam, hielt Mark ihr seine Hand hin, Cathy ergriff diese und zog sich mit seiner Hilfe ebenfalls hoch.

Sie brachen am nächsten Morgen sehr früh auf.
Am Abend war, wie abgesprochen, Dennis erschienen und die beiden hatten sich nach oben in ihr Zimmer zurückgezogen.
Beiden war der Abschied alles andere als leicht gefallen. Cathy hatte Dennis dann auch die Wahrheit über ihren Aufenthalt hier auf Sylt erzählt und wer ihr Vater in Wirklichkeit war.
Dass sie sich nun wohl für immer trennen mussten, brach ihr fast das Herz. Sie hatte bisher nicht gewusst, dass Liebe so schmerzhaft sein konnte. Aber dann hatte Dennis ihr versichert, dass sie sich wiedersehen würden.
Steve war davon, dass Cathy und Dennis allein auf ihrem Zimmer waren, alles andere als begeistert und wäre Mike nicht gewesen, hätte er auch etwas dagegen unternommen. So aber hielt dieser Steve zurück und sagte ihm nur, das er seiner Tochter einfach vertrauen sollte. Also hatte sich Steve zurückgehalten. Wohl war ihm dabei allerdings nicht.

Nachdem sie mit dem Hubschrauber in Ramstein gelandet waren, bestiegen sie gleich darauf die Militärmaschine, die sie zurück nach Hause bringen würde. Diesmal brauchten sie sich hier nicht länger aufhalten.
Anfangs hatten sie sich noch alle angeregt unterhalten. Die Jungs und Cathy erinnerten sich noch einmal an das vergangene halbe Jahr zurück. Dabei wurde auch das eine oder andere Mal gelacht.
Irgendwann war dann einer nach dem anderen verstummt. Jeder hing nun seinen eigenen Gedanken nach und freute sich, dass sie bald zu Hause bei ihren Familien waren, bevor sie zu ihrem nächsten Einsatz aufbrechen würden.
Cathy und Steve hatten sich ganz nach hinten in der Maschine zurückgezogen und saßen nebeneinander. Beide schwiegen eine Zeit lang, bis Cathy schließlich auf das nun unvermeidliche zu sprechen kam.
„Du solltest deinen Einsatz einlösen.“
Ihr Blick hing dabei auf ihren Vater, von dem erst nur ein Seufzen zuhören war.
„Ja. Das werd ich wohl müssen. Also lass hören. Aber denk dran. Nur eine Frage.“
Cathy nickte nur ganz leicht. Sie hatte sich das zwar anders vorgestellt und gestern Abend auch noch ziemlich lange nachgedacht, welche Frage sie so stellen konnte, dass ihr Dad doch einiges preisgeben musste, aber schließlich war es ihr eingefallen. Sie musste ihn dazu zwar ein wenig austricksen, aber das war ihr egal.
Cathy richtete sich jetzt auf ihrem Sitz auf und kniete sich dann hin. Mit dem Rücken lehnte sie sich gegen den Sitz vor ihr. Ihr Blick ruhte fest auf Steve. „Hast du Frauen und Kinder getötet?“
Sie wusste, dass ihr Dad bei seinen Einsätzen getötet haben musste. Das gehörte nun mal zum Krieg dazu. Egal in welchem Land. Dazu war er ausgebildet worden. Das allein hätte er wohl nicht verschwiegen. Also musste es etwas in seiner Vergangenheit geben, mit dem er nicht konfrontiert werden wollte und von dem er auch ihr nichts erzählen wollte. Von dem Er dachte, dass seine Tochter ihn dann mit ganz anderen Augen sehen würde. Vielleicht sogar verachten. Und sein Gesichtsausdruck verriet ihr, dass sie recht hatte.

Steve war von dieser Frage völlig überrascht. Er hatte an vieles gedacht. Daran nicht. Seine Tochter musste sich das sehr genau überlegt haben. Und er fragte sich, wie sie ausgerechnet darauf kam. Wie würde sie reagieren, wenn er darauf eine ehrliche Antwort gab? Einen Augenblick haderte er mit sich. Er hatte nie wieder darüber reden wollen. Aber er hatte eingewilligt, ihr eine einzige Frage zubeantworten. Lautlos atmete er tief ein dann kam ihm nur ein einziges Wort über die Lippen.
„Ja.“
Beide sahen sich stumm in die Augen. Steve hätte nicht sagen können, was der Blick seiner Tochter aussagte. War es Entsetzen? Überrascht? Oder hatte sie mit dieser Antwort sogar gerechnet?
Cathy schluckte. Eigentlich war sie auf diese Antwort gefasst gewesen, aber dennoch versetzte ihr diese einen kleinen Schock. Aber sie gab sich auch nicht mit diesem Einfachen, „ja“, zufrieden.
„Wann und warum?“, hakte sie deshalb nach.
Steve schüttelte den Kopf. „Eine Frage. Du hattest eine Frage und die hab ich dir beantwortet.“
„Komm schon Dad. Ein simples Ja kann man wohl kaum als Antwort gelten lassen. Willst du wirklich, dass ich mir irgendein Horrorszenario zusammenreime?“
Steve war anzusehen, dass er innerlich mit sich kämpfte. Seine Körperhaltung war angespannt.
Für den Bruchteil einer Sekunde schloss er die Augen. Cathy war ohne Zweifel seine Tochter.
Genau so hartnäckig wie er. Aber sie hatte recht. Er hatte eingewilligt und konnte sie jetzt nicht nur mit diesem einen Wort abspeisen. Er öffnete die Augen und sah in ihren wartenden Blick.
„Du bist nicht nur clever und gerissen, sondern auch verdammt stur.“
„Wundert dich das? Ich bin deine Tochter.“
„Stimmt,“ er konnte sich sogar ein kleines Lächeln abringen, bevor er sehr ernst wurde.
„Aber das ist keine gute Nacht Geschichte.“
„Hab ich auch nicht erwartet.“
Steve brauchte einen kleinen Moment. Er fuhr sich mit beiden Händen über die Stirn und holte tief Luft, bevor er begann.
„Afghanistan 2005. Irgendwo zwischen Dschalalabad und Bazrak. Guerilla-Gruppen, die auch Neo-Taliban genannt werden, verübten immer wieder Anschläge auf die Zentralregierung Afghanistans sowie auf Truppen der ISAF (International Security Assistance Force) und begangen Gräueltaten gegen die Zivilbevölkerung. Man hatte Wochen dafür aufgewendet, um sie aufzuspüren und ihre Unterschlüpfe ausfindig zu machen.
Dann eines Tages hatten Aufklärer ein Haus ausgemacht. Es hieß, das sich dort nicht nur die Anhänger der Neo-Taliban aufhalten würden, sondern auch reguläre Taliban Kämpfer. Also wurde ein Angriffsplan entwickelt. Mein Team sollte etwas entfernt abgesetzt werden und wir würden uns dann zu Fuß dem Ziel nähern. Dort sind fast alle Häuser oder Bauten mit hohen Mauern umgeben.
Meist gelangt man durch ein Tor hinein. Wir mussten über offenes Gelände und konnten unser Ziel aus einiger Entfernung schon ausmachen. Es lag alles völlig im Dunkeln. Wir wunderten uns zunächst das nirgends Wachen zu sehen waren, aber es gab auf der anderen Seite auch noch zwei weitere Häuser und wir gingen davon aus, dass es Absicht von den Taliban war, um keine unnötige Aufmerksamkeit auf sich zuziehen und von den ISAF-Truppen entdeckt zuwerden. Wir konnten das Grundstück ohne Gegenwehr einnehmen. Auch im Innenhof war alles ruhig. Inzwischen war es Nacht und wir gingen davon aus, dass wir sie im Schlaf überraschten. Unser Auftrag lautete keine Gefangenen. Also entsicherten wir unsere MGs und zogen die Granaten. Die ersten warfen wir direkt durch die Fenster, die sich links und rechts vom Hauseingang befanden. Dann stürmten wir das Haus. Nur kurz hatten wir Stimmen vernommen, konnten sie aber nicht zuordnen. Niemand stellte sich uns in den Weg und so zogen wir immer nur die Sicherungsstifte, stießen die Türen auf und warfen die Granaten blind in die Räume. Die MGs hatten wir weiter im Anschlag, wollten sie aber nur bei Gegenwehr einsetzen. Bis mir die Granaten ausgingen, ich die letzte Tür aufstieß und das Magazin meines MG's leerte. Wir hatten zwar alle Nachtsichtgeräte auf, aber es blieb keine Zeit genauer hinzusehen. Niemand wusste, was uns hinter den Türen erwartete. Also schoss ich einfach blind in den Raum. Bis ich sah, auf was ich geschossen hatte.“
Steve unterbrach. Die Erinnerung an diese Nacht übermannte ihn. Er sah die entsetzlichen Bilder wieder vor seinen Augen. Seinen Blick hatte er geradeaus auf die Rückenlehne vor ihm gerichtet. Er konnte seiner Tochter nicht in die Augen sehen, hatte Angst, dass ihm Verachtung entgegenschlug.
Cathy war zunächst geschockt und deshalb fiel es ihr auch schwer ihre Gedanken in Worte zufassen. Die ganze Zeit, in der ihr Vater redete, hatte sie ihn genau beobachtet. Sie hatte seinen inneren Kampf gesehen. Registriert, wie er zeitweise mit den Tränen kämpfte und dabei war, von seinen Gefühlen überrollt zuwerden.
„Es waren keine Taliban Kämpfer in dem Haus.“ Brachte sie dann leise hervor. Noch immer ruhte ihr Blick fest auf ihm, auch wenn Steve sie nicht ansah.
„Nein. Nicht einer. Wir haben in dieser Nacht elf Frauen und vierzehn Kinder getötet. Darunter ein Baby, das noch an der Brust seiner Mutter lag. In diesem Haus hatten sich nie Taliban Kämpfer oder Guerilla Krieger aufgehalten. Es war eine Zuflucht für Frauen und Mütter mit ihren Kindern, die vor der Gewalt ihrer Ehemänner geflohen waren oder von ihren Familien ausgestoßen wurden. Sie fanden den Tod ausgerechnet durch uns, die eigentlich zu ihrem Schutz beitragen sollten.“
Eine schon fast beängstigende Stille legte sich über Cathy und Steve. Keiner von beiden brachte auch nur ein Wort über die Lippen. Steve hatte ohnehin alles gesagt und Cathy war einfach nur fassungslos. Aber sie schien das Ganze auch nüchterner und natürlich mit Abstand zu betrachten.
„Und was haben die gesagt, die den Befehl gegeben haben?“
„Es war ein bedauerlicher Irrtum. Der aber im Krieg nie ganz verhindert werden könne.“
Steve sah seiner Tochter an, dass sie geschockt war. Er wusste, warum er ihr Dies alles nicht hatte erzählen wollen. Sie würde ihn ab heute wohl mit anderen Augen sehen. Aber Cathy reagierte so ganz anders, als er erwartete.
„So schrecklich das Ganze auch gewesen ist und noch immer ist, du konntest nichts dafür. Ihr habt nur einen Befehl ausgeführt. Hättest du gewusst, dass sich dort Frauen und Kinder aufhalten, wärst du niemals mit deinen Leuten da reingegangen.“
Sie beugte sich vor und schlang einfach ihre Arme um seinen Hals.
Nur ganz langsam legten sich seine Arme um ihren zierlichen Körper. Seine Tochter überraschte ihn immer wieder aufs Neue. Vielleicht war sie doch viel stärker als er glaubte. Sie hatte sich in diesem halben Jahr verändert. Wirkte in ihrem Wesen auf einmal so viel erwachsener. Vielleicht hätte Cathy sich vorher von ihm abgewendet, jetzt aber gab sie Steve das Gefühl, das sie ihn trotzdem liebte.
Und genau in dem Moment kamen ihr exakt diese Worte über die Lippen.
„Ich hab dich lieb.“
„Ich dich auch mein Schatz.“ Seufzte er und strich ihr langsam über ihren Haarschopf.
Es vergingen einige Minuten, in denen sie sich gegenseitig einfach nur festhielten.
Schließlich löste Cathy sich von Steve. „Irgendwie bin ich total müde.“ Sie setzte sich jetzt wieder auf ihren Sitz und ihr Kopf lehnte gegen Steve's Schulter. Bald darauf war sie eingeschlafen.

Dann war es soweit.
Sie befanden sich im Landeanflug auf Coronado. Den Navy SEAL Stützpunkt in Kalifornien.
Hier hieß es Abschied nehmen, von Sam, Rob, Andy, Mark, Jason und von Mike. Sie waren zwar auf Hawaii stationiert aber ihre Familien lebten alle in Kalifornien. Daher würden sie ihren Urlaub auch hier auf dem Festland verbringen.
Cathy standen die Tränen in den Augen, als sie sich nacheinander von den Jungs verabschiedete.
„Ihr werdet mir fehlen.“
„Du uns auch.“ Kam es von Andy, als er sie umarmte.
„Es war eine tolle Zeit, an die wir uns immer gerne erinnern werden.“ Rob war der Nächste, der sie in die Arme schloss.
„Du bist ein großartiges Mädchen. Lass dir bloß von niemandem, was anderes einreden.“ Auch Mark fiel der Abschied schwer.
„Das Puzzle bekommt einen Ehrenplatz. Ich versprechs.“ Der große bullige Sam musste doch tatsächlich eine Träne wegdrücken.
„Hey, wenn du mal irgendwann etwas brauchst. Oder dir einer zu nahe rückt. Hier stehen von jedem die Handynummern drauf. Ruf an, wann immer du uns brauchst.“ Jason gab ihr einen Zettel, auf den sie kurz schaute und dann nur stumm nicken konnte. Sie musste wirklich schlucken.
Sie würde jeden einzeln vermissen. Auch wenn es zu Anfang nicht danach ausgesehen hatte. Sie waren wirklich Freunde geworden.
Als Letzter verabschiedete sich Mike von ihr. Als er sie zum Abschied in seine Arme nahm, konnte sie dann auch ihre Tränen nicht mehr zurückhalten.
„Machs gut und pass auf dich auf. Auch wenn es am Anfang von keinem für uns leicht war, aber glaub mir, wir alle haben dich in unser Herz geschlossen und wir werden dich nie vergessen.“ Er ließ Cathy jetzt los und reichte ihr ein flaches Paket. „Wir haben noch etwas für dich. Damit du uns auch ganz sicher nicht vergisst.“
Cathy war ein wenig überrascht, aber natürlich auch neugierig. „Darf ich es aufmachen?“
„Ja, klar.“
Schnell hatte sie das Papier herunter gerissen und hielt ein gerahmtes Foto in den Händen. Alle sechs SEALs lächelten ihr entgegen und zeigten sogar den Aloha Gruß. Außerdem hatte jeder unterschrieben. Cathy war im ersten Augenblick sprachlos, so sehr freute sie sich darüber dann umarmte sie Mike ein weiteres Mal. Die anderen hatten das Flugzeug bereits verlassen.
„Danke. Es wird mich jeden Tag an euch erinnern.“
Als dann auch Mike die Maschine verließ, schaute Cathy noch einige Zeit auf den Ausgang. Bis Steve ihr schließlich sagte, dass sie sich wieder hinsetzen sollte, da das Flugzeug jeden Moment wieder zur Startbahn rollen würde.

Vier einhalb Stunden später landeten sie erneut. Diesmal in  Honolulu.
Sie waren zu Hause.
Als Steve die kleine Gangway hinunter schritt, Cathy ging dabei hinter ihm, sah er schon in einigen Metern Entfernung Joe auf sie warten. Er lehnte mit dem Rücken gegen seinen Wagen, als er jetzt Steve erblickte, trat er zwei Schritte nach vorne.
Auf Joes Gesicht lag ein kleines Lächeln als Steve vor ihm stehen blieb. „Hey Joe,“ grüßte Steve nur kurz. Dann stand auch Cathy vor ihm.
„Das ist Commander Joe White“, stellte Steve ihn Cathy vor. Etwas überrascht ergriff sie seine ausgestreckte Hand. „Hi.“ Mehr brachte sie nicht heraus.
„Hallo“, erwiderte Joe. Ihm entging dabei nicht, das Cathy ihn musterte. Aber er überspielte es gekonnt. Er wandte sich wieder an Steve. „Ich dachte es ist besser, wenn ich euch abhole und nach Hause fahre.“
Steve verstand sofort. Schließlich parkte sein neuer Pick up zu Hause in der Garage und sie hätten sich ein Taxi nehmen müssen. Joe wollte scheinbar kein Risiko eingehen. Er nickte daher nur kurz.
Schnell hatten sie ihr Gepäck im Kofferraum verstaut und saßen im Auto.
Ohne größere Kontrolle verließen sie die Hickam Air Base und Joe lenkte das Fahrzeug sicher über den Freeway.
Steve saß auf dem Beifahrersitz, während Cathy hinten saß und nun zum Fenster hinaus sah. Die Häuser links und rechts strahlten fast alle im weihnachtlichen Glanz. Mal mehr, mal weniger kitschig. In Deutschland hatten die Bewohner zwar auch zum Teil ihre Häuser beleuchtet aber nicht so wie hier. Den Amerikanern, insbesondere hier auf Hawaii, konnte es nicht bunt genug sein. In Deutschland war es eher dezent. Eine Lichterkette im Baum. Eine Tannengirlande an der Haustür und das war es meistens auch schon. Sie hatte Dennis erzählt wie in Amerika zur Weihnachtszeit die Straßen und Häuser geschmückt und beleuchtet waren. Er fand das zu viel Kitsch. Er mochte es eher unauffällig. Dass ihre Gedanken ausgerechnet jetzt wieder zu Dennis gingen, zeigte, dass sie ihn wirklich jetzt schon vermisste. Aber Dennis hatte ihr versprochen, dass sie sich wiedersehen würden. Nur wusste sie noch nicht, wie sie das ihrem Dad beibringen sollte.
Steve hatte sie durch den Rückspiegel beobachtet. „Tut mir leid. Aber wir werden unser Haus im Dunkeln vorfinden. Also keine Weihnachtsbeleuchtung. Nicht einmal einen Tannenbaum. Aber ich verspreche dir, im nächsten Jahr wird alles um so größer.“
Wann hätte er sich auch darum kümmern sollen? Bis vor vier Tagen hatte er nicht einmal daran gedacht, dass er und Cathy das Weihnachtsfest zusammen verbringen würden. Also hatte er auch keinen Gedanken an irgendeine Deko verschwendet. Er hatte lediglich Joe den Auftrag erteilen können, sich um ein Weihnachtsgeschenk für seine Tochter zukümmern. Steve musste einfach darauf vertrauen, dass Joe wenigstens halbwegs das Richtige ausgesucht hatte.
Er fühlte, wie sich Cathys Arme jetzt von hinten um seinen Hals legten.
„Ist nicht weiter schlimm. Hauptsache wir sind zu Hause. Das ist Weihnachten genug für mich.“
Joe konzentrierte sich weiter auf die Straße vor ihm.
Sie hatten eine Strecke von knapp dreißig Minuten zurück zulegen, bis sie an ihrem Ziel waren.
Als Joe jedoch seinen Wagen vor dem McGarrettschen Haus hielt, staunten beide, Vater und Tochter, nicht schlecht.
„Hattest du nicht gesagt, es gibt keine Weihnachtsbeleuchtung?“, fragte Cathy dann auch erstaunt, als sie schon dabei waren, aus dem Auto auszusteigen.
Steve war nicht weniger überrascht und schaute zu Joe, der gerade dabei war, um das Auto herum zugehen und den Kofferraum zu öffnen.
„Ich hatte dir doch gesagt, dass du Freunde hast.“ Joe hob schon die erste Tasche heraus und reichte sie Steve. Die von Cathy nahm er selbst und betätigte die Türverrieglung.
„Dad?“ Cathy wartete immer noch auf eine Antwort denn sie konnte sich darauf jetzt gerade keinen Reim machen. Doch Joe kam Steve zuvor.
„Ich denke wir sollten hineingehen.“

Als Steve die Tür öffnete, schlug ihnen ein lautes, „Meli Kalikimaka“ entgegen. Nur eine Stimme war dazwischen die „Frohe Weihnachten“ ausrief. Gleich darauf schallte es auch noch, „Herzlich Willkommen zu Hause.“
Steve und Cathy sahen mit offenem Mund zu Chin, Danny, der kleinen Grace, Kono und Kamekona, während sich Joe an ihnen vorbei schob und Cathys Tasche abstellte.
Kurz fing er dabei Steves Blick auf.
Die Überraschung war ihnen gelungen.
Gleich, nachdem Joe Steve nach Hause geschickt und sie davon unterrichtet hatte, dass Steve seine Tochter nach Hause holen würde, stand für das Team fest, dass man gemeinsam das Haus für Weihnachten herrichten musste und auch für alles andere hatten seine Kollegen und Freunde gesorgt.
Nachdem Joe Cathys Tasche abgestellt hatte, schaute er sich zufrieden um. Der Tisch war bereits für alle gedeckt. Auch der Weihnachtsbaum erstrahlte in hellem Licht. Allerdings vermisste er eine Person. Doch im gleichen Augenblick wie Steve entdeckte er sie.
Catherine war durch die massige Gestalt von Kamekona verdeckt gewesen. Als der Dicke jetzt auf Cathy zuging, um die Kleine in seine Arme zuschließen, sah er sie. Unauffällig schaute er von der Seite zu Steve. In dessen Augen lag Überraschung, aber auch so etwas wie Unsicherheit und leichte
Verwirrung. Wenn Joe diesen Blick richtig deutete, hatte Steve seiner Tochter nichts von seiner Beziehung zu Catherine erzählt.
Doch zunächst begrüßten sich jetzt erst alle herzlichst.
„Schön, dass du wieder hier bist,“ kam es von Herzen aus dem Mund von Kono und Chin, als sie nacheinander Cathy umarmten.
Danny wartete, bis alle anderen fertig waren. Dann fiel seine Begrüßung um so herzlicher aus, als er seine Arme ausbreitete und Cathy umschloss.
„Ich hätte nicht gedacht, dass ich dich so sehr vermissen würde. Erinnere mich daran, wenn du mir das nächste Mal auf die Nerven gehst.“
„Ich werd es mir merken.“
Beide, Cathy und Danny konnten sich ein Lachen nicht verkneifen.
Steve war, während die anderen Cathy begrüßten, auf Catherine zugegangen.
„Tut mir leid. Ich wollte nicht kommen aber die anderen haben darauf bestanden. Sie meinten, ich würde dazugehören. Ich werde auch nicht lange bleiben.“ Catherine war die Situation sichtbar unangenehm. Noch immer wusste sie nicht genau, wie Steve ihre Beziehung sah und ob er bereit war, seiner Tochter von ihnen zu erzählen oder ob er es schon getan hatte. Auch wenn sie sich ihrer Gefühle für Steve ziemlich sicher war, hatte Steve nie ein Wort darüber erwähnt, wie er zu ihr stand.
Nervös schaute sie zu Cathy, die sich gerade aus Dannys Umarmung löste und ihre Blicke begegneten sich. Man konnte die Fragezeichen in ihren Augen sehen, als sie den Blick von ihrem Vater auffing. Wie würde Steve jetzt reagieren? Dieser sah sich durch Catherines Anwesenheit in eine Situation gedrängt, die er lieber vermieden hätte. Aber irgendwas musste er seiner Tochter jetzt sagen.
„Hey Schatz. Komm her.“
Über den Raum legte sich Stille. Alle waren gespannt, was nun kam. Hatte ihr Freund seiner Tochter von Catherine erzählt? Anhand seiner Reaktion konnten sie davon ausgehen, das dem nicht so wahr. Sie kannten Steve inzwischen gut genug, um zu sehen, dass dieser gerade ziemlich nervös und unsicher wirkte. Einen Zustand, den man nur äußerst selten bei ihm beobachten konnte. In den nächsten Sekunden sollte er sie jedoch alle überraschen.
„Ich möchte dir jemanden vorstellen. Das ist Catherine. Eine … meine Freundin. Ich weiß, dass ich vorher mit dir darüber hätte reden sollen, aber es hat sich einfach in der Kürze der Zeit nicht ergeben.“
Noch immer unsicher schaute Steve gespannt auf seine Tochter. Wie würde Cathy auf diese Neuigkeit reagieren?
Nach kurzem Zögern reichte Cathy jedoch Catherine ihre rechte Hand. „Hi, ich bin Cathy. Aber das weißt du ja wohl bereits. Zumindest hoffe ich, dass er nicht verschwiegen hat, dass er eine Tochter hat.“ Cathys Lächeln dabei war noch etwas verhalten. Noch wusste sie nicht genau, was sie von Catherine halten sollte und sie hoffte inständig, dass ihr Dad ihr sehr bald mehr über seine Beziehung zu dieser Frau erzählen würde.
Auch Catherine blieb noch ein wenig auf Abstand. Man sah ihr an, dass ihr die ganze Sache etwas peinlich war, auch wenn sie durchaus überrascht war, dass Steve sie nicht nur als eine, sondern als seine Freundin vorgestellt hatte. Damit hatte sie zu diesem Zeitpunkt am allerwenigsten gerechnet.
Zumindest schien die erste Hürde genommen.
„Oh Steve hat viel von dir erzählt und ich freue mich, dass wir uns endlich kennenlernen.“
„Da bin ich aber mal gespannt, was er so erzählt hat.“ Cathy schaute ihren Dad jetzt genau an. Inzwischen war seine Haltung nicht mehr ganz so steif. Doch bevor er etwas erwidern konnte, fiel ihm Joe ins Wort.
„Also ich weiß ja nicht, wie es mit euch steht. Aber ich hab einen Mordshunger.“
Alle stimmten ihm zu und inzwischen hatte Kamekona mit Hilfe von Kono auch schon das Essen aufgetragen.
Es herrschte eine entspannte Atmosphäre und es wurde viel gelacht. Schließlich wollten doch alle wissen, wo Cathy das letzte halbe Jahr verbracht hatte, aber gerade, als sie antworten wollte, kam ihr Joe zuvor.
„Ich glaube es ist besser, wenn dies auch weiterhin geheim bleibt.“
Cathy verstummte und schaute für einige Sekunden Joe genauer an und dann wusste sie, wo sie diesen Mann schon einmal gesehen und warum ihr sein Name so bekannt vorkam.
„Joe White. - Commander Joe White. - Sie haben das alles in die Wege geleitet und sie waren auch an dem Abend dabei, als ich nach Hickham gebracht wurde. Sie haben den Wagen gefahren.“
Joe konnte nur nicken. „Richtig. Ich hätte mir zwar gewünscht, dass wir uns zu einem erfreulicheren Zeitpunkt begegnet wären, aber ich hoffe, dass wir trotzdem so was wie Freunde werden. Schließlich kenne ich deinen Dad schon einige Jahre.“
„Wie lange genau?“ Wollte Cathy wissen.
„Oh da war er ungefähr so groß.“ Joe hielt die Hand etwa einen Meter über den Boden. „Außerdem habe ich ihn bei der Navy ausgebildet.“
Cathy schaute jetzt erst zu Steve und dann mit einem ziemlich breiten und zufriedenem Grinsen wieder zu Joe.
„Das dürfte interessant werden. Sie müssen mir unbedingt mehr von meinem Dad erzählen. Er ist nämlich, was seine Vergangenheit angeht, nicht sehr gesprächig und man muss ihm jedes Wort aus der Nase ziehen.“
„Gerne,“ nickte Joe und sah dabei zu Steve, dessen Gesichtsmimik gerade einzufrieren schien.
„Das habe ich befürchtet.“

Sie saßen noch lange zusammen. Lachten und erzählten.
Irgendwann allerdings war Cathy einfach eingeschlafen, nachdem sie sich in Steves Arm gekuschelt hatte. Er hatte sie dann, als seine Freunde gegangen waren, nach oben in ihr Zimmer getragen. Von all dem bekam sie nichts mit. Auch, dass Catherine die Nacht bei ihrem Dad verbrachte, nicht.
Aber es schien, als würde sie sich ganz gut mit der Freundin ihres Vaters verstehen.

Joe hatte ihm das versprochene Weihnachtsgeschenk für Cathy gegeben. Als Steve sah, was Joe da organisiert hatte, war er im ersten Augenblick mehr als überrascht. Daran hätte selbst er nicht gedacht. Joe hatte alles innerhalb kurzer Zeit mit Hilfe von Catherine in die Wege geleitet.
Steve war einigermaßen gespannt, was seine Tochter dazu sagen würde. Er wollte ihr sein Geschenk allerdings erst beim gemeinsamen Frühstück überreichen.

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BeitragThema: Re: Ungewisse Zukunft - Eine H50 FanFiction (fertiggestellt)   Do Sep 26, 2013 9:22 am

Kapitel 39


Während in Cathys Zimmer noch alles ruhig war, hatten Steve und Catherine bereits alles für das gemeinsame Frühstück hergerichtet.
„Und du bist sicher, dass es für dich wirklich in Ordnung ist, wenn ich die nächsten drei Tage nicht hier bin“?; fragte Steve, immer noch unsicher, zum hundertsten Mal seit gestern Abend.
Catherine trat nah an ihn heran und umfasste seine Hüften mit beiden Händen. „Ja. Du hast deine Tochter seit einem halben Jahr nicht gesehen. Ich denke die paar Tage miteinander werden euch beide gut tun.“
Mit einem tiefen, gefühlvollen Blick, den man bei Steve nur selten sah, schaute er auf Catherine hinunter. „Du bist … .“ Irgendwie fiel ihm das passende Wort nicht ein.
„Großartig“?, fragte Catherine nach und ein Lächeln legte sich auf ihr Gesicht.
„Ja“, nickte Steve. „Du bist einfach großartig. Ich weiß nicht, ob eine andere Frau, damit klar kommen würde, wenn der Partner, eine fast erwachsene Tochter hat.“
„Na ja. Cathy ist ein wirklich liebenswertes junges Mädchen. Sie macht es einem leicht.“
„Ich hoffe, du musst deine Meinung eines Tages nicht doch noch ändern. Glaub mir, sie kann auch anders.“
„Dann sollten wir die friedliche Zeit genießen.“
Catherine zog Steves Kopf ein wenig zu sich hinunter und küsste ihn sanft auf die Lippen.
„So und jetzt solltest du sie wecken. Sonst wird das heute nichts mehr mit dem Frühstück.“
Steve gab Catherine frei und ging nach oben.
Langsam drückte er die Türklinke zu Cathys Zimmer hinunter und trat leise ein.
Doch das Bett war leer. Cathy in ihrem Zimmer nicht zu sehen.
Noch machte er sich keine Gedanken. Wahrscheinlich war sie bereits im Bad und sie hatten unten davon nichts mitbekommen. Als Steve allerdings an die Badezimmertür klopfte und fragte, „Cathy?", er keine Antwort bekam und daraufhin die Klinke herunterdrückte, beschlich ihn leise Panik. Wo verdammt war seine Tochter?
„Cathy ist nicht da!“, teilte er dann auch gleich, als er wieder unten war, Catherine mit. Auch auf ihr Gesicht legte sich sofort Besorgnis. Steve überlegte schon, ob er seine Kollegen und das HPD verständigen sollte, als die Terrassentür aufgeschoben wurde und Cathy, im Badeanzug und einem Handtuch in der Hand, hereinkam.
Steve wirbelte herum, als er hörte, wie die Tür aufgeschoben wurde. Entgeistert blickte er in das völlig entspannte Gesicht seiner Tochter.
„Verdammt Cathy! Wo zum Teufel bist du gewesen?“ Steve konnte nicht anders, als seiner Sorge Luft zu machen. Dass er dabei ziemlich laut wurde, dessen war er sich in diesem Moment nicht bewusst.
„Ich war schwimmen. Ihr habt noch geschlafen und ich wollte euch nicht wecken. Was ist denn daran so schlimm?“ Cathy hatte überhaupt nicht bedacht, dass sie mit ihrer Aktion ihrem Vater einen gewaltigen Schrecken eingejagt hatte.
„Tu das nie wieder!“ Steve war noch immer außer sich und konnte sich nur schwer beruhigen.
Catherine hingegen entging nicht, dass Cathy sich völlig zu unrecht angegriffen fühlte. Sie verstand überhaupt nicht, warum ihr Vater so aufgebracht war.
„Mein Gott Dad! Jetzt mach doch kein Drama daraus. Ich war schwimmen. Mehr nicht!“ Wutentbrannt ging Cathy nach oben und es trat genau das ein, was Steve in all den Monaten schon fast vermisst hatte. Oben knallte eine Tür zu.
Steve strich sich mit den Händen durch das Gesicht und stieß einen Seufzer aus. Das konnte ja lustig werden. Er schaute Catherine an. Doch seine Freundin schüttelte nur den Kopf. Ihrer Meinung war Steve weit über das Ziel hinausgeschossen.
„Meinst du nicht, dass du ein wenig zu dick aufgetragen hast?“
„Catherine. Weißt du, was mir alles durch den Kopf gegangen ist? Ich meine, hast du auch nur die geringste Vorstellung davon, dass ich mir gerade wahnsinnige Sorgen gemacht habe?“
„Doch aber du warst auch ziemlich laut.“
Jetzt erst kam ihm in den Sinn, das er wohl doch ein wenig überzogen reagiert hatte. Er schenkte Catherine einen letzten Blick, bevor er die Treppe nach oben ging.
Vorsichtig klopfte er an Cathys Zimmertür, als keine Antwort kam, drückte er die Klinke herunter und betrat das Zimmer.
Seine Tochter saß auf dem Bett. Mit angezogenen Knien, den Händen darum geschlungen und den Kopf auf den Knien liegend, sah er sofort, dass sie weinte.
„Hey, es tut mir leid, wenn ich eben etwas laut war“, begann er leise, als er sich neben sie auf das Bett setzte.
„Wird es jetzt immer so sein?“, fragte Cathy, als sie den Kopf hob und ihre verweinten Augen Steve anschauten. „Muss ich bei jedem Schritt, den ich tue, vorher um Erlaubnis fragen?“
„Ich weiß, dass es nicht einfach sein wird. Aber ich muss einfach wissen, wohin du gehst. Ich kann sonst für deine Sicherheit nicht garantieren.“
„Ich wollte euch doch nur nicht wecken.“ Cathys Stimme war leise, aber auch ein wenig schuldbewusst. Erst jetzt schob sich der Gedanke, dass Steve sich nur Sorgen um sie gemacht hatte, in ihr Bewusstsein.
„Ja ich weiß. Das nächste Mal legst du einfach einen Zettel hin, okay?“ Steve zog seine Tochter einfach an sich. Wie sie so den Kopf an seiner Schulter liegen hatte, spürte er, wie sie langsam nickte. „Können wir dann frühstücken? Außerdem wartet noch eine Überraschung auf dich.“
Der letzte Satz ließ Cathy sofort aufhorchen. „Was für eine Überraschung?“
„Wenn ich es dir jetzt sage, ist es ja keine mehr.“ Steves Mundwinkel zogen sich leicht nach oben.
„Okay. Ich dusch mich nur schnell und zieh mir was an.“ Schon sprang sie auf, holte sich frische Sachen aus ihrem Schrank und war schon auf dem Weg ins Bad.

Schließlich saßen sie am Frühstückstisch.
Allerdings war Cathy zapplig wie ein kleines Kind. Sie brachte kaum einen Bissen hinunter.
Steve beobachtete leicht amüsiert die sichtbare Ungeduld seiner Tochter. Immer wieder schaute sie sich um und suchte mit den Augen das Esszimmer und das angrenzende Wohnzimmer ab. Aber sie konnte nichts entdecken, das nach einer Überraschung für sie aussah. Schließlich hielt sie es nicht mehr aus.
„Komm schon Dad. Was ist es?“
„Was ist was?“ Steve tat völlig ahnungslos und unwissend.
„Daaaaaad! Du weißt ganz genau, was ich meine. Also was ist das für eine Überraschung?“
„Ach so. Das meinst du.“ Nur schwer konnte er sich ein Lachen verkneifen und gerne hätte er es auch noch hinausgezögert. Es war einfach nur entspannt und auch belustigend für ihn zu sehen, dass Cathy sich wenigstens in dieser Hinsicht nicht geändert hatte. Und natürlich waren ihm Cathys suchende Blicke nicht entgangen. Allerdings lag die Überraschung, sicher in einem Umschlag, unter seinem Teller versteckt. Jetzt nahm er jedoch den Teller ein wenig hoch, nahm den Umschlag und reichte ihn über den Tisch an Cathy.
Zuerst schaute sie ihn fragend an. Wusste nicht, was das nun sollte. Ein Umschlag? Das war alles?
„Was ist das?“, fragte sie deshalb auch erstaunt.
„Mach auf!“, war alles, was Steve sagte. Er schaute kurz zu Catherine, als Cathy den Umschlag öffnete. Gespannt wartete er dann auf ihre Reaktion, als sie voller Neugier jetzt den Umschlag aufmachte.
Doch alles, was Cathy aus dem Umschlag zog, war ein Blatt Papier. Sie faltete es auseinander und konnte nichts damit anfangen.
„Das ist eine Hotelreservierung“, kam es dann von ihr, als sie das Blatt überflog.
„Genau,“ Steve nickte zufrieden. Er wusste, dass Joe und Catherine das Richtige ausgesucht hatten. Dessen war er sich jetzt sicher, als er weiter erklärte: „Drei Tage auf Maui. Du und ich. Ganz allein.“
Cathy kam ihr Bootsausflug vor fast einem Jahr in den Sinn. Damals waren sie auch auf dem Weg nach Maui gewesen. Allerdings endete diese Tour so ganz anders, als sie sich das vorgestellt hatten.
Steve schien ihre Gedanken zu erraten. „Ich hatte dir versprochen, dass wir unseren ins Wasser gefallenen Ausflug nachholen. Nur ist bisher immer etwas dazwischen gekommen. Allerdings muss ich gestehen, dass dies nicht meine Idee war. Ich hatte es irgendwann Joe erzählt und als ich ihn bat sich nach einem Weihnachtsgeschenk für dich umzusehen, wie ich auf dem Weg nach Deutschland war, dachte er wohl, dass jetzt der richtige Zeitpunkt dafür wäre. Catherine hat ihm übrigens dabei geholfen.“
Cathy konnte es irgendwie noch nicht so richtig glauben. „Und wann?“, fragte sie dann auch etwas vorsichtig. Immerhin konnte ihr Dad nicht, so ohne weiteres, für ein paar Tage einfach die Insel verlassen. Allerdings war seine Antwort gleich eine weitere Überraschung, mit der sie nun gar nicht gerechnet hätte.
„Heute. In drei Stunden brechen wir auf.“
„Heute? Wir fahren heute schon?“
„Nein. Wir fahren nicht. Wir fliegen!“
Cathy musste erst einmal nach Luft schnappen. Damit hätte sie nie im Leben gerechnet. Es kam einem Wunder gleich, das sie nicht direkt vor Freude über den Tisch auf ihren Dad zusprang. Dafür kippte ihr Stuhl nach hinten über, als sie aufsprang und schnell um den Tisch herum war und Steve nun um den Hals fiel.
Aber sie vergaß auch Catherine nicht. „Danke“, sagte sie nur, als sie die Freundin ihres Vaters umarmte.

Steve fuhr den Pick up drei Stunden später zum Dillingham Airfield. Zurück würde Catherine fahren, denn dann befanden sich er und Cathy bereits auf dem Weg nach Maui.
Allerdings hatte er seiner Tochter bisher verschwiegen, dass sie mit dem Hubschrauber fliegen würden. Möglich gemacht hatte das Catherine. Sie hatte einen guten Bekannten, der Inhaber einer Firma für Inselrundflüge war. Er konnte ihr schlecht etwas abschlagen und darum hatte er einen seiner Hubschrauber für die nächsten drei Tage zur Verfügung gestellt.
Cathy glaubte also, dass sie mit einem kleinen Propellerflugzeug nach Maui fliegen würden. Umso überraschter war sie, als Steve den Pick up in der Nähe von einem Hubschrauberlandeplatz hielt.
„Wir fliegen mit einem Hubschrauber?“
Steve nickte nur, als er ihre Taschen von der Ladefläche nahm und Cathy ihre Tasche reichte.
Zusammen mit Catherine gingen sie zum Hubschrauber. Der Mann, der auf sie wartete, trug einen dunkelgrauen Overall, weshalb Cathy ihn auch für den Piloten hielt.
Er und Steve begrüßten sich. „Hallo, es ist alles gecheckt. Der Tank ist voll. Sie wissen ja, wie man so ein Teil fliegt.“ Denn natürlich hatte Catherine gesagt, dass Steve im Besitz einer Helikopter Fluglizenz war.
Der vermeintliche Pilot nahm Cathy noch ihre Tasche ab und verstaute sie im hinteren Laderaum des Hubschraubers. Dann verabschiedete er sich auch schon. „Guten Flug und wir sehen uns dann am Montag.“
Cathy kam aus dem Staunen dagegen nicht mehr heraus. Steve und Catherine verabschiedeten sich bereits. „Ich wünsch euch viel Spaß.“
„Danke. Ich ruf dich an.“
„Nein, das wirst du nicht. Die nächsten Tage gehören dir und Cathy.“
Steve hörte aus ihren Worten heraus, dass Widerspruch zwecklos war, deshalb blieb ihm nichts weiter übrig, als sich mit einem Kuss von ihr zu verabschieden.
Anschließend verabschiedeten sich auch Cathy und Catherine.

„Du fliegst das Teil wirklich selbst?“ Cathy konnte es noch immer nicht glauben. Sie wusste natürlich, dass ihr Vater eine Fluglizenz besaß, trotzdem war es schwer vorstellbar, das sie nun mit ihm fliegen würde.
„Ja,“ nickte Steve nur. Er zeigte auf den großen Kopfhörer, der vor Cathy am Cockpit hing. „Den musst du aufsetzen. Das Mikro richtest du so aus, das du bequem hineinsprechen kannst.“
Cathy tat, wie ihr Vater sagte.
„Alles klar?“, fragte er dann.
Cathy nickte nur stumm.
„Angst?“
„Nein.“ Was hätte sie auch sagen sollen? Dass ihr ganz flau im Magen war? Dass sie lieber mit dem Boot gefahren wäre? Im Notfall sogar geschwommen?
Aber schon bald, nachdem Steve abgehoben hatte, entspannte sie sich. Er flog den Helikopter absolut ruhig. Noch nie hatte sie O'ahu aus der Vogelperspektive gesehen. Steve erklärte ihr zwischendurch, was rechts oder links von ihnen lag. So auch, als sie über Kailua flogen. Noch musste Steve sich an die vorgeschriebene Höhe von 500 Metern über bewohntem Gebiet halten. Sobald sie sich aber über dem Pazifik befanden, ging er runter auf 300 Meter.
„Da vorne liegt Moloka'i,“ zeigte Steve nach vorn. Cathy sah die Landspitze und schon bald überflogen sie die Klippen aus massivem Vulkangestein.
Da Moloka'i nur dünn besiedelt ist, behielt Steve die Flughöhe bei und Cathy sah deutlich, wie die Lava sich ihren Weg ins Meer gebahnt hatte. Es sah aus, als hätten sich Gesteinsschichten immer wieder übereinander geschoben. Es war faszinierend sich vorzustellen, wie die Natur dies zustande gebracht hatte. Was für ein Anblick musste es sein, glühende fließende Lava zubeobachten.
Sie hatten Moloka'i noch nicht ganz überflogen, als auch schon die Küste von Maui in ihr Sichtfeld kam. Zwar noch in einiger Entfernung, aber es waren nur noch wenige Meilen, die sie über das offene Meer flogen.
Noch einmal ging Steve tiefer, auf nun knapp 200 Meter, denn er hatte gesehen, was seiner Tochter bisher entgangen war, weil ihr Blick auf die Küste von Maui gerichtet lag.
„Siehst du das?“, fragte er sie und zeigte dabei nach schräg links.
Cathy folgte seinem Fingerzeig und brachte nicht mehr als ein: „Wahnsinn“ heraus. Links vor ihnen schwamm eine große Anzahl von Buckelwalen. Es mussten mindestens zwanzig dieser gigantischen Tiere sein, die sich dort tummelten. Sie erinnerte sich, wie sie diese Meeresbewohner zum ersten Mal vom Boot aus gesehen hatte. Irgendwie bedauerte Cathy es gerade, das sie nicht mit dem Boot gefahren waren.
Als sie die Küste von Maui erreichten, zog Steve den Helikopter wieder hoch und stieg auf 500 Meter.
Wenige Minuten später hatten sie den Flugplatz von Maui erreicht und Steve setzte sicher auf dem Landeplatz auf.

Joe und Catherine hatten sogar an einen Mietwagen gedacht und diesen reserviert.
Steve brauchte nur die Papiere und den Schlüssel am Schalter abholen.
Sie mussten einmal quer über die Insel fahren, bis sie das Hotel erreichten, dass Joe gebucht hatte.
Als sie dann endlich das Apartment betraten, in diesem Hotel gab es nur Apartments, fiel Cathys Blick zuerst auf die großen Panoramafenster und den großen Balkon.
Die Hotelanlage lag auf einer Klippe an der Westküste Mauis. Von jedem Balkon oder Terrasse hatte man einen unverbauten Blick auf den Pazifik.
Cathy schob gleich die Balkontür auf und trat auf den Balkon. „Das ist ja irre. Dad guck doch mal. Man kann meilenweit aufs Meer schauen.“ Sie war ganz außer sich und Steve konnte nur schmunzeln, als er jetzt ebenfalls nach draußen trat. Aber er musste seiner Tochter recht gaben. Joe hatte hier voll ins Schwarze getroffen. Und doch drängte Steve darauf, dass sie ihre Taschen auspackten und sich dann zunächst die Hotelanlage anschauen wollten.

Die Anlage war weitläufig und irgendwann gelangten sie an den weißen Sandstrand. Wie von selbst und ohne darüber nachzudenken, entfernten sie sich von der Hotelanlage. Cathy erzählte von der Zeit in Deutschland und Steve von den Dingen, die hier während ihrer Abwesenheit geschehen waren. Er ließ kein Detail aus und antwortete bereitwillig auf Cathys Fragen bezüglich seiner Gefangennahme durch Wo Fat. Zum allerersten Mal war er wirklich ehrlich. Wohl auch, weil er selbst erfahren hatte, wie sehr es schmerzte, wenn man jahrelang mit einer Lüge leben musste.
Überrascht war er, als Cathy auf Catherine zu sprechen kam.
„Was ist das zwischen dir und Catherine? Ich meine, ist es was ernstes?“
Obwohl er mit dieser Frage nicht wirklich gerechnet hatte, fiel ihm die Antwort erstaunlich leicht.
„Ja. Ich denke, dass es ernst ist.“
Cathy nickte. Sie wusste bereits, dass Catherine und ihr Dad sich seit vielen Jahren kannten.
„Also liebst du sie.“
„Ob ich sie ...“? Steve war so erstaunt über die Offenheit seiner Tochter, dass er mitten im Satz abbrach.
„Ja. Liebst du Catherine“?
„Doch. Ich glaube schon.“
„Glaubst du oder weißt du?“
„Du willst es genau wissen, was?“
„Natürlich. Immerhin habt ihr die Nacht zusammen verbracht. Und ich glaube nicht, dass dies das erste Mal war.“
Steve spürte wie er verlegen und auch leicht rot wurde. „Wieso? Ich meine, hast du …“?
Cathy prustete los, angesichts des stotternden Versuchs ihres Vaters. Doch dann schüttelte sie den Kopf. „Nein. Ich hab nichts gehört, falls du das meinst.“ Aus den Augenwinkeln sah sie wie Steve erleichtert aufatmete. „Also was ist jetzt? Liebst du Catherine?“
„Ja“, nickte Steve. „Ich liebe sie.“
„Und hast du ihr das auch schon mal gesagt?“
„Nein.“
„Dann solltest du das aber schleunigst nachholen!“
„Ach meinst du?“
„Ja meine ich!“

Cathys große Beichte kam dann, während sie beim Essen saßen. Wie beiläufig platzte sie damit heraus. „Dennis will mich übrigens im April für drei Wochen besuchen kommen.“
Beinahe hätte Steve sich verschluckt. Gott sei Dank blieb ihm das Stück von seinem Steak im Hals stecken. Ein kurzes Husten, und er brachte es wieder nach oben.
„Ich weiß, du kannst ihn nicht leiden“, seufzte Cathy.
„Das stimmt nicht. Ich mag ihn sogar. Am liebsten, wenn er Tausende von Meilen weit weg ist.“
Seine Tochter fand diese Bemerkung überhaupt nicht lustig. Aber auch Steve war nicht zum Lachen zumute. „Hör zu Schatz. Ich hab nichts dagegen, wenn du einen Freund hast. Irgendwann. Aber warum ausgerechnet dieser Junge? Ihr seit so weit voneinander getrennt. Du weißt doch gar nicht was er macht, wenn du nicht in seiner Nähe bist.“
„Woher weißt du was Catherine macht, wenn ihr nicht zusammen seit?“
„Ich vertraue ihr eben. Genau so, wie sie mir vertraut.“
„Siehst du und ich vertraue Dennis.“
Steve sah ein, dass er so nicht weiterkommen würde. „Wo nimmt er eigentlich das Geld für so einen Urlaub her? Hast du nicht erzählt, dass er noch zur Schule geht und in zwei Jahren studieren will?“
„Ja. Seine Großeltern haben für ihn ein Sparbuch angelegt. Schon als er ganz klein war. Eigentlich wollte Dennis sich davon ein Auto kaufen.“
Steve verschlug es vorerst die Sprache. Damit hätte er nicht gerechnet.
Cathy nutzte die Gelegenheit. „Würde er das tun, wenn er nicht wirklich was für mich empfinden würde?“
„Nein. Vermutlich nicht“, kapitulierte Steve. Aber er schob auch gleich hinterher: „Pass auf. Wir reden noch mal darüber, wenn es so weit ist, Okay?“ Insgeheim hoffte Steve, dass sich bis April das Thema Dennis erledigt haben würde.

Sie waren beide am nächsten Morgen sehr früh wach, weshalb sie auch fast allein beim Frühstück saßen.
Den Tag verbrachten sie am Strand. Oder besser gesagt im Wasser.
Steve hatte seine Schnorchelausrüstung inklusive Schwimmflossen bereits zu Hause eingepackt. Seiner Tochter musste er allerdings erst eine kaufen.
Zum Glück wurden sie schnell fündig und Cathys erstem Tauchgang stand nichts mehr im Weg.
Zu Beginn blieben sie noch an der Wasseroberfläche, sodass Cathy durch das Mundstück atmen konnte. Doch schon bald zeigte Steve ihr, wie sie weiter hinuntertauchen konnte. Er führte sie behutsam ans Freediving heran. Anfangs gelang ihr das nur für einige Sekunden und ihr Vater erklärte ihr immer wieder, wie sie sich am besten die Luft einteilte. Zum Schluss schaffte sie es immerhin für fast anderthalb Minuten zutauchen.
Die Unterwasserwelt vor Maui ist faszinierend. Schwärme von Fischen, die in den buntesten Farben schillern, sah sie ebenso, wie große Schildkröten. Sie hätte stundenlang tauchen können, so viel Spaß hatte sie daran.
Aber Steve drängte recht früh darauf, dass sie sich duschten und umzogen.
Er wollte heute Abend einigermaßen früh zu Bett, denn morgen früh würden sie in aller Herrgottsfrühe zum Haleakala aufbrechen.
Er hatte sich kurzfristig dazu entschlossen, zusammen mit seiner Tochter, dort oben in einer Höhe von fast 3000 Metern den Sonnenaufgang zu beobachten.
Auch wenn Cathy ein wenig maulte, weil Ihr Vater sie morgens um 3:30 Uhr aus dem Bett warf, genossen sie ein farbenprächtiges Spiel, das sich vor ihnen am Himmel auftat.
Steve hatte ihr auf der Fahrt hier her schon erzählt, dass es sich bei dem Haleakala um einen nicht mehr aktiven Vulkan handelt und das seine Name „Haus der Sonne“ bedeutete. Eine alte Sage erzählte, dass der Gott Maui dort die Sonne eingefangen hat, damit sie länger schien.
Aber Steve war mit seiner Tochter nicht nur hier rauf gefahren, um den Sonnenaufgang zu beobachten. Sie unternahmen anschließend eine mehrstündige Wanderung, bei der sie in den Krater hinabstiegen. Teils war es mühsam und sie mussten dabei über schwarzes Lavagestein steigen. Aber die Vielzahl der Farben, in denen die Erde und die Gebirge rings um sie erstrahlten, entschädigte sie für ihre Mühe. Von Gelb über Rot, Braun bis hin zu Schwarztönen war alles vertreten.
Während der Wanderung redeten sie über alles Mögliche und Cathy erfuhr so einiges, dass sie bisher über ihren Vater nicht gewusst hatte. So zum Beispiel, dass sein Vater ihn oft zu Wanderungen auf O'ahu mitgenommen hatte. Er hatte dadurch erst die Schönheit dieser Insel entdeckt. Hatte Orte gesehen, die oft nur Einheimische kannten.
Als sie auf dem Weg Reitern mit ihren Pferden Platz machen mussten, entglitt Cathy ein kleiner Seufzer.
„Was ist“?, fragte Steve nach, als sie weitergingen.
„Nichts. Ich hab nur grad dran gedacht, das man auch hätte reiten können und dabei die Füße schonen.“
Steve verzog leicht die Mundwinkel. „Machst du etwa schlapp? Ich dachte, dass du einigermaßen gut zu Fuß wärst. Außerdem kannst du nicht reiten.“
„Stimmt ich kann genau so wenig reiten wie du.“
„Ich kann es.“
„Was? Du kannst reiten? Warum erzählst du mir das nicht?“
„Du hast mich nie gefragt.“
„Kannst du es mir beibringen“?
„Sicher“, nickte Steve.
„Und wenn du schon mal dabei bist, kannst du mir auch gleich das Autofahren beibringen.“ Cathy sah gerade ihre Chance. Immerhin wurde sie bald siebzehn und sicherlich konnten viele in ihrem Alter bereits Auto fahren.
Steve musste erstmal Luft holen. Er sah einiges auf sich zukommen, denn wenn seine Tochter erst einmal den Führerschein besaß, würde es wohl Streit um den Pick up geben.
„Also ich weiß nicht. Muss das wirklich sein?“
Doch Cathy beharrte darauf. „Ja. Komm schon Dad. Ich will wieder in die Schule gehen. Wenn ich selber fahren kann, musst du mich nicht jeden Morgen hinbringen oder ich muss mit dem Bus fahren.“
„Du hättest zwar den Führerschein aber noch kein Auto.“  
„Kommt Führerschein, kommt Auto“, grinste Cathy ihn an. Zum Glück bemerkte sie nicht, dass Steve gedanklich gerade ganz wo anders war. Denn ihn beschäftigte auch noch etwas anderes. Wenn seine Tochter wieder die Schule besuchte, musste er auch dort für ihre Sicherheit sorgen. Nur konnte er dies schlecht selbst übernehmen. Immerhin hatte er noch seinen Job bei Five-0. Er würde sich etwas einfallen lassen müssen.
Nach fast sieben Stunden kamen sie wieder an ihrem Ausgangspunkt, dem Haleakala Besucher Zentrum, an.
Wieder zurück im Hotel aßen sie etwas und verbrachten den Rest des Tages am Strand. Erneut zeigte Steve Cathy, wie sie ihre Luft beim Freediving am besten einteilte.
Seine Tochter stellte sich als gelehrige Schülerin heraus und so konnten sie immerhin etwa zehn Meter tief und fast zwei Minuten ohne Sauerstoff abtauchen.
Am nächsten Morgen hüllte Steve sich dann in Schweigen als Cathy fragte, ob sie den Tag nicht wieder am Strand verbringen konnten. Sie wollte sich gerne weiter im Freediving üben.
Doch Steve hatte den Tag schon verplant. Beziehungsweise hatten Joe und Catherine diesen Tagesausflug organisiert.
Wiederum war es Catherine, die ihnen den heutigen Ausflug ermöglicht hatte. Sie kannte jemanden, der seinerseits jemanden von der Whale Foundation in Lahaina kannte.
Bevor sie aufbrachen, packten sie ihre Taschen, denn heute Abend ging es zurück nach Honolulu.
Natürlich war Cathy die Ungeduld in Person und fragte immer wieder, wo Steve mit ihr hin wollte.
Als Antwort erhielt sie nur ein verschwiegenes Grinsen.
Schließlich stoppte Steve den Wagen direkt am Hafen von Lahaina.
Cathy dachte dann auch, dass ihr Vater mit ihr einen Bootsausflug machen wollte. „Wir fahren mit einem Boot raus?“
„Ja, aber nicht so, wie du denkst. Diesmal fahre ich nicht selbst.“
Steve nahm ihre Taschen, in denen sie ihre Schnorchelausrüstung und was sie sonst noch brauchten, verstaut hatten. Er reichte Cathy ihre Tasche und steuerte dann mit ihr auf einen weißen lang gezogenen Bau zu. Als sie das Schild las, schaute sie überrascht ihren Dad an. „Whale Foundation“?
„Ja“, lächelte Steve ihr entgegen, als sie auch schon von einem jungen Hawaiianer begrüßt wurden.
„Ihr müsst Cathy und Steve sein. Wir haben schon auf euch gewartet. Ich bin Alani.“
Zwanzig Minuten später fanden sie sich auf dem Boot der Whale Foundation wieder. Außer Alani waren auch noch drei weitere Mitglieder der Foundation an Bord. Unter ihnen John. Ein Amerikaner. Er war gerade mal fünfundzwanzig Jahre alt, in etwa so groß wie Steve und seine Blonden, etwas längeren, Haare fielen ihm ständig ins Gesicht. Er stand mit ihnen an Deck und hielt Ausschau. Sie brauchten auch nicht lange warten, bis John nach vorne zeigte.
„Da sind schon die Ersten, aber wir fahren noch ein Stück weiter raus.“
Steve und Cathy sahen die Buckelwale ebenfalls. Allein das war für Cathy schon Erlebnis genug, aber es sollte noch besser kommen. Etwa vier Meilen weiter wurde das Boot gestoppt. Während der Fahrt hatten sie weitere Tiere gesehen.
John öffnete jetzt eine große Box, die auf dem Deck fest verankert war, und holte nacheinander drei Taucheranzüge heraus. Den kleineren reichte er Cathy. „Ich denke der sollte passen.“
Cathy verstand nicht und schaute ihren Dad an, doch der nickte nur eifrig und grinsend.
Steve nahm den Taucheranzug entgegen und streifte sich bereits das T-Shirt über den Kopf. Gleich darauf schlüpfte er aus seiner Hose. Die Badeshorts hatte er bereits im Hotel angezogen. Genau, wie er Cathy gesagt hatte, dass sie ihren Badeanzug unter ihren Sachen anziehen sollte.
Seine Tochter stand noch immer regungslos da und hielt den Taucheranzug in den Händen, als nun auch Brenda, die einzige Frau unter den anderen Mitgliedern der Foundation an Bord, zu ihnen trat.
Sie trug ebenfalls einen Taucheranzug.
Langsam begriff Cathy, was hier vor sich ging, aber so recht glauben konnte sie es nicht.
„Heißt das, wir gehen hier ins Wasser?“
„Ja, genau das.“ Steve zog gekonnt die Beine des Tauchanzugs an sich hoch. Schnell hatte er auch den Rest hochgezogen und schloss den Reißverschluss. „Und wenn du nicht von hier aus zusehen willst, dann solltest du dich jetzt auch langsam umziehen.“ Er konnte sich das breite Grinsen nicht verkneifen, wie er jetzt seine sprachlose Tochter vor sich stehen sah.
Endlich kam Bewegung in Cathy und schnell hatte sie sich ihrer Jeansshorts und dem T-Shirt entledigt. Nur mit dem Anziehen, des recht engen, Taucheranzuges hatte sie Schwierigkeiten und Steve musste ihr dabei helfen.
John erklärte ihnen dann, wie sie sich im Wasser zuverhalten hatten.
„Wenn wir jetzt gleich ins Wasser gehen, schwimmt langsam. Macht keine heftigen Bewegungen.
Wenn einer der Wale auf euch zu schwimmt, bleibt ruhig. Schwimmt nicht auf den Wal zu sondern wartet, bis er näher kommt. Jungwale sind meist sehr neugierig und kommen sehr nahe heran. Kommt auf keinen Fall einer der beiden großen Flossen oder gar der Fluke zu nah. Brenda und ich werden immer neben euch sein. Wenn euch die Luft ausgeht und ihr auftauchen bist, zeigt mit dem Daumen nach oben, dann steigt ihr langsam auf zur Oberfläche. Daumen und Zeigefinger zu einem O geformt, zeigt, dass alles Okay ist. Habt ihr noch fragen?“
Steve schüttelte den Kopf, während Cathy jetzt doch etwas unsicher wirkte. „Kann da auch nichts passieren? Ich meine greifen die Wale uns nicht an?“
„Keine Angst. Bisher ist noch nie etwas passiert. Buckelwale sind sehr friedlich. Oft kommen sie einem sehr nahe und man kann sie sogar berühren“, beruhigte Brenda.
Dann war es soweit. Über die Plattform am Heck des Bootes glitten sie langsam ins Wasser.
Mehrere Wale hatten sie in der Nähe gesichtet und schwammen langsam vom Boot weg.
Trotzdem verstrichen einige Minuten bis John ihnen ein Zeichen gab. Ein Muttertier mit seinem Kalb kam immer näher. John nahm Cathy bei der Hand und zeigte ihr, dass er mit ihr nun abtauchen würde. Brenda brauchte Steve zwar nicht an die Hand nehmen, schließlich hatte er Erfahrung im Freediving, aber sie blieb dicht neben ihm.
Zunächst tauchte John mit Cathy nur etwa zwei Meter tief. Der Pazifik war so klar, dass sie meterweit freie Sicht hatten. Dann tauchten vor ihnen die Silhouetten der beiden Wale auf.
Als sie immer näher kamen und in ihrer vollen Größe sichtbar wurden, schreckte Cathy kurz zurück. Dann musste sie John das Zeichen zum Auftauchen geben.
Oben an der Wasseroberfläche behielt John die Tiere im Auge, bevor Cathy bereit war wieder hinunterzutauchen.
Sie war so fasziniert, dass sie gar nicht genug bekam. Die beiden Wale schwammen um sie herum.
Das Kalb war dann mutig und kam ihnen so nahe, dass sie ihre Hände ausstrecken und es berühren konnten.
Fast eine halbe Stunde schwammen die Wale um sie herum, bis sie schließlich abdrehten und aus ihrem Sichtfeld verschwanden.
Im Wasser hatte Cathy keine Zeit gefunden nach ihrem Vater zusehen. Als sie jetzt zurück zum Boot schwammen, waren er und Brenda hinter ihnen. Sie kletterten auf die Plattform und zogen sich dort ihre Schwimmflossen von den Füßen. Cathy und John waren bereits wieder auf dem Bootsdeck als auch Steve und Brenda ihre Schwimmflossen auszogen und aufs Deck stiegen.
Steve stand gerade als Cathy ihm auch schon um den Hals fiel. „Danke. Das war einfach großartig. Der absolute Oberhammer.“ Sie bekam sich gar nicht mehr ein. „Ich hab ihn sogar angefasst. Oh man Dad, das war einfach toll.“
„Schön, dass es dir gefallen hat. Aber bedanken musst du dich bei Catherine. Sie hat das möglich gemacht.“
Während der gesamten Rückfahrt hörte Cathy nicht auf, zu erzählen.
Als sie zurück im Hafen von Lahaina waren, zogen sie sich um und bedankten sich noch einmal bei den Leuten von der Whale Foundation.
Anschließend unternahmen sie noch eine kleine Bummeltour durch Lahaina, der alten Walfängergemeinde, bevor sie dann gegen Spätnachmittag wieder zum Flugplatz fuhren und zurück nach Hause flogen, wo sie bereits von Catherine erwartet wurden.
Cathy versäumte es auch nicht, sich noch einmal bei Catherine zu bedanken.
Im Augenblick war sie das glücklichste Mädchen auf der Welt.
Ihr größter Traum war in Erfüllung gegangen und, sie war wieder zu Hause.



Ende


Abschluss Video Ungewisse Zukunft3 from Diana Vosen on Vimeo.


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