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buggie
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BeitragThema: AUSZEIT   Do Sep 26, 2013 11:53 am

Hallo Ihr lieben Mit-AOL-Virus-Infizierten! Das habt Ihr jetzt davon. Leider hatte mich wieder eine ganz profane Grippe gepackt, und was tut man (frau) da, wenn man schon im Bett liegt? Lesen, ganz viel Fanfiction lesen. Erst einmal ein ganz groβes Lob in die Runde - tolle Einfälle habt Ihr alle!
Na ja, und spontan kam mir da die Idee, ich könnt' ja auch mal.. Dies ist also der Auftakt meines Erstlingswerks. Eure Meinungen, Tipps und Anregungen sind selbstverständlich höchst willkommen. Alle Charaktere und eingeflochtenen Handlungen sind nur „geliehen“. Zeit zu Recherchen hatte ich noch nicht, verzeiht mir daher eventuelle Ungenauigkeiten, z.B. geografischer Art. *blush* 
Vor allem hoffe ich, dass es nicht zu chaotisch ist – wie schon gesagt, hab’ ich so was ja noch niemals nie gemacht. Wenn’s Euch gefällt, dann gibt’s sicher bald Nachschlag – im Moment schwirren mir so viele Szenarien durch den Kopf, dass ich eigentlich ein Diktiergerät und Sekretärin brauchen könnte um nicht was zu vergessen. *help* Kennt Ihr das Gefühl? Oder legt sich das mit steigender Übung?
Buggie
------------------------
AUSZEIT (die Erste)

„VERDAMMT! VERDAMMT! VERDAMMT!“
Niemand, der den Mann näher kannte, der da brüllte und wütend mit den Händen auf den Baumstamm einschlug , hätte wahrscheinlich eine solche Reaktion für möglich gehalten.
Lieutenant Commander Steven McGarrett, hoch dekorierter Ex-SEAL und seit ein paar Jahren der Leiter der Task Force des Gouverneurs von Hawaii, genannt „Five-O“, war zwar nicht gerade als geduldig bekannt, ja nicht selten waren seine Vorgehensweisen im Dienst von Five-O sogar als nicht ganz „gesetzeskonform“ kritisiert worden.
Dennoch strahlte er gewöhnlich Autorität aus, war selbst in höchst brisanten Einsätzen der Fels in der Brandung für alle Beteiligten. Die Einsätze bei der Navy, die Operationen als SEAL auf oft lebensgefährlichem Terrain, aber auch eine höchst brisante Familien-Geschichte hatten den Mann einer harten Schule unterzogen, sowohl physisch wie psychisch.
Es war daher ein geradezu unwirkliches Trauerspiel, dass er da bot.

Völlig verdreckt, die Jeans und das Hemd zerrissen, hockte er im Schlamm am Rande dessen, was vor kurzem noch eine Dschungelpiste gewesen war. Keine befestigte Strasse zwar, aber die hatte er mit seiner Geländemaschine ja auch nicht gebraucht.

„WIE KONNTE ICH NUR SO DÄMLICH SEIN. ICH MUSS JA VÖLLIG VERBLÖDET SEIN, MEIN BIKE DA STEHEN ZU LASSEN. VÖLLIG VERBLÖDET. UND JETZT ? ALLES WEG, EINFACH ALLES. BIKE. AUSRÜSTUNG. PROVIANT. TELEFON. EINFACH ALLES !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!“
Steve versuchte sich aufzurichten, lieβ sich aber dann wieder hintenüber kippen, weil er einen höllischen Schmerz in der Oberschenkelrückseite verspürte.
„WAS ZUM TEUFEL ....“
Blut – die Jeans war blutdurchtränkt und in der Mitte stach ein Aststück aus seinem Fleisch.
Wahrscheinlich von dem Baumstumpf, der ihn fast mitgerissen hätte. Nicht groβ waren dessen Äste, aber aus unwahrscheinlich hartem Holz. Und spitz abgebrochen als der Stumpf den Hang runtergerollt war. Jetzt hatte er ein Stück davon im Bein stecken.
Toll. Und das mitten im Dschungel, ohne seine Ausrüstung. Keine Möglichkeit zum Desinfizieren oder sauber Verbinden. Nicht mal zum Ausbrennen, wie man es ihnen für Notfälle in der Ausbildung beigebracht hatte, reichte es. Alles hier war nass und verschlammt. Aber das Ding musste raus, soviel war sicher. Über Infektionen würde er sich zu gegebener Zeit Gedanken machen. Der Ast war einfach zu tief in den Muskel gebohrt, als dass er damit hätte laufen können.
Als Steve den Kopf hob, um sich einen Überblick über seine Lage zu verschaffen, rannen ihm plötzlich Blutstropfen in den Nacken und sein Kopf dröhnte. Er unterdrückte ein Stöhnen und befühlte seinen Hinterkopf. Hier klaffte auch eine Wunde, das erklärte auch den Filmriss, den er hatte. Im Fallen mit dem Kopf auf einen Stein zu knallen, das konnte wirklich nur ihm passieren. Und nur nach den Vorkommnissen der letzten Zeit.

„Die Anderen haben wohl doch recht. Ich bin nicht in Form im Moment.“
Unter anderen Umständen wäre das alles nie geschehen, dessen war er sich sicher. Dazu war er doch viel zu gut ausgebildet. Überall war er mehr oder weniger heil raus gekommen. Wie viel Grauen hatte er gesehen und überlebt, Schmerzen ertragen, Strapazen und natürlich einfach nur Stress überstanden. Geliebte Menschen hatte er auf grausamste Weise verloren. Seine Mutter hatte er schon beerdigen müssen, als er noch ein halbes Kind war. Jedenfalls hatte er das über viele Jahre geglaubt – und als dann die feige Ermordung seines Vaters die alten Wunden wieder aufriss, da war Mom plötzlich wieder aufgetaucht.
So glücklich er auf der einen Seite darüber war, so sehr hatte ihm aber auch die Tatsache zugesetzt, sich betrogen zu fühlen. Betrogen um seine Kindheit.
Schluss mit Jammern, Steve. Du musst hier raus. Aber das war leichter gesagt als getan. Er holte tief Luft, biss auf die Zähne und zog das Aststück aus seinem Bein. Es tat verdammt weh, gleichzeitig überfiel ihn ein rasender Kopfschmerz. Die Wundeim Bein war klein aber tief, blutete jedoch kaum, so dass er sich wenigstens keine Sorgen wegen des Blutverlustes machen musste. Nur wurde der Dreck natürlich auch nicht ausgewaschen..
Langsam erhob sich Steve und nahm zum ersten Mal wahr, welch unglaubliches Glück er doch gehabt hatte.

Sein Freund Tom hatte ihn noch gewarnt, als er von dessen Berghütte früh morgens aufgebrochen war. Tom Thornbury war ein alter Freund aus Militärzeiten. Seine Frau Elaine war Biologin und er selbst hatte lange Jahre in der Forschung verbracht. Für Tom war das, was er selbst sein „Aussteiger-Ich“ nannte, wohl eine Art Heilmittel nach der manchmal traumatischen SEAL-Zeit geworden. Als man Elaine dann einen Forschungsauftrag in einem entlegenen Berggebiet hier auf der Insel anbot, schlugen sie sofort zu.
Tom’s Anruf kam genau zur richtigen Zeit, als Steve sich in einer fast depressiven Phase befand.

Die Ärzte hatten ihn zwar als körperlich soweit stabil aus dem Krankenhaus entlassen, aber seine Psyche war doch schwerer angeschlagen, als er sich selbst eingestehen wollte. Sie hatten ihn gewarnt, dass diese verhängnisvolle Nacht ihm noch zu schaffen machen würde, dass er das alles nicht auf die leichte Schulter nehmen sollte. Aber davon hatte er natürlich nichts hören wollen.
„Mir geht’s gut“ hatte er verkündet, nur um dann beim Anblick eines ausgebrannten alten Autowracks am Stadtrand fast in Tränen auszubrechen. „Dir geht es eben nicht gut, Steven!“ hatte Danno nur zu ihm gesagt und ihn besorgt und mit seinem typisch vorwurfsvollen Blick von der Seite angeschaut.
Danny, von Steve wie von seiner kleinen Tochter Danno genannt, das war sein Partner bei Five-O, eigentlich inzwischen sein bester Freund um nicht zu sagen Bruderersatz. Steven nannte Danny ihn im Regelfall,wenn er ihm Vorwuerfe machen wollte, z.B. weil Steve mal wieder nicht nach Polizei-Handbuch vorging, oder wenn er einfach ganz klar machen wollte, das er nun ueberhaupt nicht seiner  Ansicht sei. Wie in diesem Fall eben.  Danny sowie seine beiden anderen Mitarbeiter Chin Ho und Kono hatten in die gleiche Kerbe wie die Ärzte gehauen. Es sei sowieso nicht viel zu tun, da solle er mal schön zu Hause bleiben.

Er. Zuhause bleiben. Das war er nicht gewöhnt, und nun hielt er es wirklich nicht aus. Sport treiben hatte man ihm vorerst verboten, und wenn er auch nicht gerne Schwaechen zugab, so war er doch vernuenftig genug, nicht mit seiner Gesundheit zu scherzen.

„Noch mal glimpflich davon gekommen“ war wohl eine Untertreibung. Steve hasste es, seine eigenen Probleme offen zur Schau zustellen – aber dieses mal hatte er nicht so tun koennen, als sei alles halb so wild. Nicht, dass er ein unsensibler Mensch gewesen waere. Er hatte starke Beschuetzerinstinkte was seine Umwelt anging, und wenn er erst einmal die harte Schale abgelegt hatte,so kam oft ein ueberraschend weicher Kern zum Vorschein. Nur von sich selbst verlangte er ohne Ausnahme die maximale Leistung und tat  sich schwer dabei, Gefuehle zu zeigen. Das hatte sie der Drill in der Marine gelehrt, natuerlich. Aber wahrscheinlich war es eher der vermeintliche Tod seiner Mutter gewesen, der bei ihm zu einer Art „Starker-Mann-Komplex“ gefuehrt hatte. Der grosse Bruder zu sein, seinem Vater – der selbst seinen Gefuehlen nie freien Lauf liess -nicht zur Last fallen zu wollen, alles Gewichte, die schwer auf den Schulter eines Heranwachsenden lasteten.  
Und wer die Ausbildung zum SEAL ueberstanden hatte, der durfte doch nicht kleinzukriegen sein. Ein Indianer kennt keinen Scmerz.

Leider war es dieses Mal ganz anders abgelaufen. Der Schmerz kam,und das sehr sehr koerperlich. Und dann war da ploetzlich ein grosses Nichts gewesen. Auf einmal hatte Steve den Eindruck gehabt, in einem rosa Wattebausch zu sitzen. Schweinchenrosa – warum auch immer. Mal drangen von Ferne Wortfetzen zu ihm durch, dann das Piepsen der Geraete um ihn herum, dann  Geruch von Desinfektionsmitteln. Nur die Augenlider waren wie angeklebt. So sehr er sich auch bemuehte, er bekam die Dinger nicht auf. Dann wurde das  Piepsen neben ihm ploetzlich unrhythmisch, die Stimmen aufgeregt – und dann umfing ihn wieder die schweinchenrosarote Wattebauschwolke.
Als er es endlich schaffte, die Augen zu oeffnen, fuehlte er sich hundeelend. Alles tat weh, selbst das Morphin konnte nicht verhindern, dass seine Brust und  Schulter zu explodieren schienen. Er schaffte es nicht, die Haende aus eigener Kraft zu heben  um diese alberne Beatmungsmaske abzunehmen. Verkabelt war er auch rundherum, wie ein Christbaum mit ausgeschalteter Beleuchtung kam er sich vor.
Erst nach ein paar Tagen wurde ihm jedoch bewusst, dass es um ihn herum immer sehr still war, dass ihn seine Freunde nicht besuchen gekommen waren ?? In Wirklichkeit lag er jedoch auf der Intensivstation und tagelang hatte es keiner der Aerzte gewagt, Prognosen ueber seine Ueberlebenschancen zu stellen. Tatsache war ebenfalls, dass seine Kollegen und engsten Freunde zum Alptraum der Schwesternschaft geworden waren, weil sie sich einfach nicht mit einem „Sie sind kein Verwandter“ abspeisen lassen wollten. Danny hatte sogar den Rauswurf riskiert, weil er partout im Flur schlafen wollte, um ja fuer ihn da zu sein, wenn er denn endlich aufwachen wuerde. Es konnte ja gar nicht anders sein. Sein Freund Steve musste wieder aufwachen- wer sollte  denn sonst seinen Camaro fahren und mit ihm streiten?
All das bekam Steve natuerlich nicht mit. Als Besuch dann endlich zugelassen war, versuchte er den Gelassenen zu spielen. Nichts war passiert, es ging ihm gut, wozu ueberhaupt die Aufregung.
Der Einzige, dem er da etwas vorspielen konnte, war aber er selbst.
Ein einziges Mal bekam seine Maske einen kleinen Riss. Das war an dem Tag, als die kleine Gracie ihn besuchen kam. Grace war Dannys Tochter, und Steve war schon seit Langem wie ein Onkel fuer sie. Er freute sich sehr, als sie nun so freudig auf ihn zugeschossen kam. Was war sie doch gewachsen in der Zeit, die er sie kannte. Nicht mehr lange, und Danny wuerde sich beschweren, wie schwer doch eine Jugendliche zu beaufsichtigen sei. Jedenfalls war Gracie jetzt da, krabbelte halb auf sein Bett, streckte ihre Arme durch den Kabelwust um seinen Hals und seufzte nur „Onkel Steeeeve, Du musst bald hier rauskommen. Danno und Chin und Kono koennen ja gar nicht mehr schlafen, wenn Du noch laenger hier bleibst.“ Dann drehte Gracie sich kurz zur Tuer um, um sich zu vergewissern, dass sie keiner hoerte. Sofort blickte sie ihn wieder an, und fluesterte ihm hinter vorgehaltener Hand ins Ohr: „Danno hat sogar geweint, als Du aufwacht bist. Aber sag ihm bloss nicht,dass ich das gesehen haben. Sonst schaemt er sich. “
Damit liess sie sich wieder auf die Erde gleiten und rannte zu ihrem Dad auf den Flur.
In diesem Moment begriff Steve, dass es wohl doch nicht so gut um ihn bestellt gewesen war, und was er doch fuer tolle Freunde hatte. Jetzt hatte ER ein kleines Traenchen der Ruehrung im Augenwinkel, das er sich verstohlen wegwischte.

Nach der Klinik war dann die Reha-Phase gekommen, und dann sein Zwangsurlaub. Zwar war er der Leiter von Five-O, aber auch Gouverneur Denning hatte ihm zu verstehen gegeben, dass er ihn erst wieder im Dienst sehen wollte, wenn er einigermassen erholt von seinem schrecklichen Erlebnis waere.
Erholung – dabei musste er doch irgendetwas tun, um sich abzulenken, sonst wuerde er noch verrueckt werden.

In dieser Phase erreichte ihn also Tom's Anruf. Ob er nicht endlich mal Zeit finden wuerde, Elaine und ihn in ihrer „bescheidenen Arbeiterhuette“ am Hang des Vulkankraters zu besuchen. Ihr Projekt sei bald beendet, und dann wuessten sie nicht, wo sie als naechstes ihre Zelte aufschlagen wuerden. Amazonas? Madagaskar? Jedenfalls nicht mehr sozusagen in seinem Hinterzimmer.
Steve freute sich ungemein, er hatte die beiden lange nicht mehr gesehen und war neugierig, ihre Geschichten von Tarzan und Jane auf Oahu zu hoeren.

Er liess sich also den Weg beschreiben und packte das Noetigste auf seine Crossmaschine. Dann fuhr er in der Zentrale vorbei und gab kurz Bescheid, dass er vielleicht erst in 2 oder 3 Wochen zurueck sei und bis dahin „der Zivilisation abschwoeren“ wolle.
„Kein Bange, wir tun so, als gaebe es keine Handys und Satelitentelefone“ gaben die drei ihm zurueck. So einfach wollten sie ihn also loss werden. Na toll.

Die Fahrt zum Refugium war dann auch kein Zuckerschlecken. Zwar war es keine Crossstrecke, sondern eine gelegentlich von Trucks und Waldarbeiter-Fahrzeugen benutzte Trasse, aber die Schlagloecher waren doch nicht immer zu vermeiden gewesen, und dass hatte ihm doch einige ungeplante Schmerzen beschert.
Elaine schaute ihn besorgt an, als er endlich eintraf. „Alles OK“ wigelte er ab. „Bin nur etwas eingerostet“.

In den folgenden Tagen liess er es sich dann wirklich gutgehen. Elaine war eine Wucht, was die „Urwaldkueche“ anging. Natuerlich holten sich auch die beiden ihre Lebensmittel gelegentlich in der Stadt. Aber es gab einfach so Vieles, dass man auf dem Weg oder sogar im Wald finden und verwenden konnte. Steve bluehte zusehens auf. Er hatte furchtbar abgenommen in den vergangenen Wochen, aber jetzt kam auch der Appetit wieder. Schokoladentorte – wenn er wieder zuhause waere, wuerde er eine „Kranken-Ausstandsparty“ mit Schokoladentorte veranstalten.
Tom erinnerte sich daran, ihn schon einmal mit so hagerem Gesicht gesehen zu haben. „Damals hattest Du doch auch Probleme mit Deiner Schulter, oder nicht? Und – mit den Schmerzmitteln, oder?“ fragte er, als sie einmal alleine waren.
„Ja“ gab Steve zu, „aber damals war das etwas ganz Anderes. Damals waren wir hinter Victor Hesse her, und ich nahm Schmerztabletten, um weiterarbeiten zu koennen. Und ich habe trotzdem trainiert, war voll in Form. Habe sogar fuer eine Charity-Veranstaltung einen Kickbox-Kampf in der Blaisdel-Arena mitgemacht. Uhhhh – wenn ich dran denke tut mir jetzt noch die Wange weh. Der Typ hatte vielleicht 'nen rechten Haken...“ Beide lachten.

„Und – was ist diesmal passiert“ Tom hatte gemerkt, dass sein Freund versuchte, dem Thema aus dem Weg zu gehen. Elaine hatte versucht, mit weiblicher Tuecke vorsichtig nachzuhaken, aber Steve war jedesmal ausgewichen.

Auch jetzt blieb er stumm, sodass es Tom bereits leid tat, so  neugierig gewesen zu sein. Dann griff Steve jedoch an den Rand seines Shirts und zog es sich ueber den Kopf. Stumm schaute Tom auf den nackten Oberkoerper seinen Freundes. Er war Soldat gewesen. Es war nicht das erste Mal dass er derartige Verletzungen sah. Aber nach all den Jahren, und dann noch auf dem Koerper eines seiner besten Freunde, das schockte ihn doch.
„Wie ist das passiert“ fragte er nur leise.
„Familienstreit. Ich war wohl zur falschen Zeit am falschen Ort“. Mit diesen Worten zog sich Steve das Shirt wieder ueber den Kopf und stand auf. Tom nickte nur stumm. Er hatte verstanden, dass sein Gegenueber nicht weiter darueber sprechen wollte.

Keiner der beiden nahm das Thema in den naechsten Tagen nochmals auf.
Steve amuesierte sich blendend mit seinen Freunden, die Tage vergingen wie im Flug. Nach 2 Wochen bekam Elaine dann jedoch noch einen letzten Auftrag der Nationalparkverwaltung in „ihrem Dschungel“, wie sie es nannte. Dies hiess fuer sie und Tom, jeden Tag gewisse Strecken zu Fuss zu durchqueren, um die erforderlichen Daten zu sammeln.
Steve wollte den beiden nicht zur Last fallen, ausserdem spuerte er, dass er noch nicht wieder bei Kraeften war, um solche Wanderungen in bergigem Gelaende durchzustehen.
„Ich werde alt“, erklaerte er augenzwinkernd seiner Gastgeberin.
'Was ist er doch fuer ein gutaussehendes Kerlchen' dachte sich Elaine im Stillen. ' Wie der die Augenbraue hochzieht und die Stirn in Falten wirft -wenn mein Tom nicht waere, koennt' ich glatt zwei mal hinschauen.'  
„Grins nicht so frech, Du Charmebolzen“ feixte sie zurueck und boxte ihn freundschaftlich in die Seite. „Die Frauen muessen Dir doch reihenweise zu Fuessen liegen. Apropos – was ist eigentlich mit Catherine? Seid Ihr nicht mehr... ?“
Die Tatsache, dass er hier nach einem Krankenhausanfenthalt angeschlagen alleine erschienen war, gab ihr jetzt doch zu denken.
„Wir haben uns schon vor einiger Zeit getrennt.“ gab Steve zurueck. „Nicht im Streit – im Gegenteil. Wir haben uns immer noch unheimlich gern und werden sicher immer Freunde bleiben. Aber irgendwann haben wir festgestellt, das wir fast wie Geschwister geworden sind. Wir wollten uns nicht gegenseitig die Zukunft verbauen, weisst Du?“
Elaine wusste, was er meinte. Sie hatte selbst vor ihrer Ehe mit Tom eine solche Beziehung gefuehrt. Es war praktisch, es fuehlte sich irgendwie gut an – meistens jedenfalls - , man war nie alleine, die Freunde hielten einen fuer das Traumpaar schlechthin. Aber dann, wenn man wieder in der trauten Zweisamkeit war, dann - knisterte nichts mehr. Man machte sich nur etwas vor und irgendwann kam vielleicht der Tag, dass man sich gegenseitig vorwarf, sich anderen Beziehungen in den Weg gestellt zu haben. Das man doch etwas ganz anderes gewollt hatte. Kinder vielleicht usw. .Ja, Elaine wusste ganz genau, was Steve meinte.
„Schade“ meinte sie trotzdem.
„Keine Sorge, kommt vor Eurer Abreise zu mir, Cath wuerde sich sicher freuen,Euch mal wieder zu treffen.“

Am naechsten Morgen wollte Steve frueh aufbrechen.
„Ich weiss nicht, es waere moeglicherweise besser, nicht den gleichen Weg wie auf der Hinfahrt zu nehmen“ meinte Tom beim letzten gemeinsamen Fruehstueck. „Warum?“ „Es regnet ja immer wieder zwischendurch, aber fuer heute Morgen haben sie besonders starke Gewitter angesagt. “ „Ich bin doch nicht wasserscheu, und bei den hohen Baumkronen mach' ich mir ueber Blitzschlaege jetzt nicht zu viele Sorgen – da koennte ich auf dieser Insel ja nie das Haus verlassen!“
Tom schaute Elaine an, die dann fuer ihn antwortete: „Weisst Du, das Problem sind die Erdrutsche. Wir haben auf der Strecke schon mal fast den Pick-Up verloren, als uns eine Schlammlawine waehrend der Messungen ueberrascht hat. Es ging so schnell...“ Sie schuettelte sich bei dem Gedanken.

„Ok, ich werde mich vorsehen“ meinte Steve „Aber hinten herum zu fahren ist mir ehrlich gesagt im Moment doch zu viel. Die Trasse  ist einfach zu schlecht fuer meine ollen Knochen“

„Kann ich verstehen, aber bitte pass auf Dich auf“. Elaine drueckte ihn und Tom reckte ihm spielerisch seine Faust entgegen „Mach's gut Kumpel. Und pass auf Deine ollen Knochen gut auf. Bitte!“ Dabei warf er gedankenverloren einen Blick auf Steve's Schulter.

„Alles klar. Und meldet Euch, sobald Ihr hier abhaut. Ich freu mich wirklich auf Euren Besuch! Danke fuer alles!“
Steve wendete die Maschine, schaute dann noch einmal zurueck und nickte den beiden zu. „Bis die Tage“.

Zuerst ging alles gut. Doch bald sollte Tom Recht behalten, der Himmel zog sich immer staerker zu. Zwar war der Wind durch die Baeume ertraeglich, es war ja auch nicht kalt, aber der einsetzende Regen haette ruhig spaeter kommen koennen.
Dann fing es ploetzlich an, wie aus Kuebeln zu schuetten. Steve beschloss, nach der naechsten Kurve nach einem Unterschlupf Ausschau zu halten. Wenigstens eine etwas dichtere Stelle im Unterholz. Nach der naechsten Kurve – aber was war das? Er musste in die Eisen steigen und dann darum kaempfen, nicht die Gewalt ueber die Maschine zu verlieren. Er verzog das Gesicht vor Schmerz- diese Anstrengung haette nicht sein muessen. Genau vor ihm war tatsaechlich vor kurzem ein Erdrutsch runtergekommen. Die Trasse war kaum noch erkennbar, Aeste und Geroell lagen ueberall verstreut herum. Eigentlich war neben der alten Fahrspur noch etwa 4 Meter Platz bis zum Abgrund gewesen. Jetzt waren es noch wie viel? 2 Meter? Dann tat sich die gaehnende Leere neben  ihm auf.
Mit seinem Bike wuerde er zwar irgendwie durchkommen, das Unangenehme war nur, das alles noch nass und glitschig war.  
Fuer einen wahren Crossfahrer waere das sicher der Garten Eden gewesen. Aber er haette in seinem mitgenommenen Zustand gut und gerne drauf verzichten koennen.

Er spuerte ein Brennen auf der Brust und an der Schulter. 'Kleine Pause' dachte er sich, stieg ab, nahm die Flasche Wasser aus dem Rucksack, zog den Helm aus und legte ihn auf den Sitz. Dann schlenderte er kurz zurueck, um von einer kleinen Anhoehe aus das Ausmass des Erdrutsches besser abschaetzen zu koennen. Es regnete immer noch, vielleicht sollte er doch Schutz suchen ueberlegte er sich.

Auf dem Huegelchen angekommen, schaute er sich um. Gerade als er Richtung Tal schaute, hoerte er es. Erst ein seltsames fast schabendes Geraeusch, dann ein Knacken und dann ein beaengstigendes Getoese. Als er Richtung Hang schaute, blieb ihm fast das Herz stehen. EIN ERDRUTSCH KAM GENAU AUF IHN ZU.

Panik stieg in ihm auf -er schaute zur Stelle, wo das Motorad stand,wurde sich aber in dem Moment darueber klar,dass er es nicht schaffen wuerde, die Maschine rechtzeitig zu wenden und zurueck zu fahren. ER MUSSTE RENNEN. Zurueck rennen, sich nicht umsehen. Das war seine einzige Chance. Steve rannte um sein Leben. Aller Schmerz war vergessen, nichts zaehlte mehr. Dann wurde das Tosen fast unertraeglich.

Er hatte es fast geschafft, noch wenige Schritte und er war aus der direkten Gefahrenzone heraus. Dann sah er im Augenwinkel einen Baumstumpf, der schraeg zur Erdwelle abrutschte und unaufhoerlich auf ihn zurollte. In dem Moment verlor er den Halt unter den Fuessen. Die Erde war schneller als er, und der Baumstumpf noch schneller.
Er erwischte ihn schraeg von hinten und katapultierte ihn regelrecht weiter – und damit weg von dem unmittelbaren Erdrutsch, der sich wenige Meter weiter in die Tiefe ergoss. Steve stuerzte kopfueber und verlor fuer kurze Zeit das Bewusstsein.

Als er wieder zu sich kam,lag er direkt nebender einer Schlammlawine. Wie er dort hingekommen war, konnte er im Moment nicht sagen.  Er war voellig verdreckt, aber lebendig. Dann erinnerte er sich bruchstueckhaft an ein Motorrad. SEIN Motorrad. Er hob leicht den Kopf an und schaute in die Richtung, in der er sein Bike vermutete.

Nichts. NICHTS. NICHTS ??????

Das war doch nicht moeglich. Der Erdrutsch hatte seine Maschine mit den Abhang hinunter gerissen.

„VERDAMMT! VERDAMMT! VERDAMMT“  

….........
Fortsetzung folgt
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BeitragThema: Re: AUSZEIT   Di Okt 01, 2013 9:54 pm

So, nach dem mein lieber Kater sich als Co.-Autor versucht hat und die Datei zerschossen hatte:wutschimpf: , jetzt ein neuer Versuch. Das letzte Stueckchen muss noch neu geschrieben werden, aber fuer heute muesste es wohl reichen.



______________

Während Steve am Hang des erloschenen Vulkans noch allein mit seinem Schicksal haderte, herrschte im Hauptquartier von Five-O geradezu Hochbetrieb.

Nicht, dass etwa ein wichtiger Einsatz angestanden hätte. Steves Kollegen hatten zwar bei der Zerschlagung einer brutalen Bankräuberbande eine entscheidende Rolle gespielt, aber inzwischen waren die Verdächtigen verhaftet und dem HPD übergeben worden.
So hatte sich die ganze Truppe das erste Mal seit langem auf ein freies Wochenende gefreut.

Kono Kalakaua, ihres Zeichen das einzige weibliche Mitglied von 5-O, hatte vorgehabt, den Sonntagmorgen am Stand zu verbringen. Auf dem Surfbrett, wozu sie in letzter Zeit viel zu selten Zeit gehabt hatte. Dann hatte sie jedoch spontan beschlossen, vorher noch einmal in die Zentrale zu fahren, um ein paar Fallakten auf den neuesten Stand zu bringen. Nicht, dass sie eine überzeugte Schreibtisch-Täterin gewesen wäre. Wie ihr Vorgesetzter Steve war sie eigentlich mehr für die Feldarbeit zu haben. Aber seit sie immer häufiger von Gouverneur Denning bei Fällen mit zum Teil hochrangigen Persönlichkeiten eingesetzt wurden, wehte der Wind aus einer anderen Richtung. Steve hatte die Devise ausgegeben, dass alle Berichte und anderen Unterlagen zeitnah zu pflegen seien. Man konnte einfach nicht riskieren, der Ungenauigkeit bezichtigt zu werden.
Aber ein freies Wochenende stand ihnen ja auch einmal zu.

Um so erstaunter war Kono, als sie auf dem Parkplatz vor dem Hauptquartier den Wagen ihres Cousins Chin Ho entdeckte. Der hatte eigentlich verkündet gehabt, am Wochenende wegzufahren, falls nichts Besonderes anläge. Sie beschloss, Chin zu überraschen, und betrat das Büro von Five-O gewissermaβen auf Zehenspitzen. Plötzlich hörte sie Stimmen. Ihr Cousin war also nicht alleine - merkwürdig, wo doch gar kein Besuch angekündigt war.

Kono lauschte einen Augenblick. Die zweite Stimme war eindeutig weiblich. Auch wenn sie fast schon ein schlechtes Gewissen hatte, blieb sie noch einen Augenblick im Korridor stehen, wo die beiden sie nicht sehen konnte. Sie dagegen hatte einen besseren Einblick, daher linste sie ein paar mal verstohlen um die Ecke.
Die Unbekannte war zierlich, sehr wohlgeformt, sportlich schick gekleidet. Ihre langen brünetten Haare trug sie offen. Beim Lachen legte sie den Kopf schief, so dass ihr gelegentlich die Haare in die Stirn fielen, welche sie dann mit einer eleganten Geste aus dem Gesicht strich. Die Frau hier war zweifellos als schön zu bezeichnen. Neidlos musste Kono anerkennen, dass Mutter Natur hier groβzügig gewesen war.

Plötzlich hatte sie das Gefühl, bei etwas zu stören. Die Beiden machten einen so vertrauten Eindruck, sie scherzten und schienen sich über irgend etwas köstlich zu amüsieren. Da – hatte Chin nicht eben ganz „zufällig“ sanft über ihren Rücken gestrichen?
Sie verspürte einen kleinen Stich. Hatte ihr Cousin etwa plötzlich Geheimnisse vor ihr? Im Grunde ihres Herzens war sie jedoch froh. Es wurde auch Zeit, dass Chin wieder vom weiblichen Geschlecht Kenntnis nahm. Nach dem gewaltsamen Tod seiner Frau Maria hatte er sich sentimental so völlig zurückgezogen, dass es ihr schon Angst gemacht hatte. Es musste ja nicht gleich was Festes sein, aber ein kleiner Flirt würde ihm sicher gut tun.

Jetzt hatten die beiden sie doch entdeckt. „Hey Cousinchen, Du kennst wohl auch keinen Sonntag, was?“ „Das wollte ich Dich auch gerade fragen, aber ich sehe Du machst den Büroführer.“gab sie zurueck und schaute die fremde Frau fragend an.
„Sorry, gutes Benehmen ist auch nicht meine Stärke. Kono, das ist Linda, ihr Mann war ein Kollege von mir. “ 'Aha, so behandelt man also die Frauen seiner Exkollegen – na dass das mal nicht der Kollege sieht.'
„Ex-Mann, um genau zu sein.“ ergaenzte Linda. 'Ach so'
“Er und Chin sind immer in Kontakt geblieben, auch nachdem Ralph eine Stellein New York beim NYPD angetreten hatte.“
„Oh, New York, NYPD. Da muss es Dir doch bei uns fast wie auf dem Land vorkommen.“ erwiderte Kono mit einem leicht spoettischen Unterton, fuer den sie von Chin auch gleich einen vorwurfsvollen Blick kassierte. Linda fiel jedoch in ein sympatisches Lachen ein.
„Weisst Du, ich bin wirklich froh, wieder zurueck zu sein. Eigentlich bin ich ja auch wirklich ein Landei – und ein eingeborenes noch dazu.“ Das haette Kono nicht erwartet. Griechiche Vorfahren vielleicht, oder italienische. Sie hatte so klassische Linien.
„Wegen der Scheidung haben wir unser Haus in einem Vorort verkauft, Ralph wollte eigentlich immer schon lieber ein Loft in der Stadt. Wir haben zwar uns als Freunde getrennt, ich hatte also keinen Grund wegzuziehen. Aber die Insel hat mir gefehlt. Und meine Familie natuerlich, alle leben sie auf Oahu.“ Linda wurde Kono immer sympatischer.

„Hey, hast Du Hunger? Ich wollte eigentlich mit Linda zum Strand fahren und sie mit Kamekona bekannt machen!“ fiel nun Chin ein.
„Ich weiss nicht. Was wird wohl der Boss sagen, wenn ich bei seiner Rueckkehr immer noch den ganzen Papierkram auf dem Schreibtisch habe?“

„Der wird dann wohl 'ne Menge anderer Dinge zu tun haben, wenn er denn mal die Freundlichkeit besitzen sollte, hier wieder aufzukreuzen.“ Die Stimme war aus dem Korridor gekommen.

„Schoen,dann lernst Du also gleich auch das letzte Mitglied unseres „Schrumpfteams“ kennen.“ erklaerte Chin mit einem Grinsen.
„Linda, das ist Detective Daniel Williams, den Jersey Dialekt wirst Du ja schon bemerkt haben. Meine Bekannte Linda Phillips aus New York.“
„Danny, bitte nenn mich Danny. Und die beiden schoenen Frauen hier, das sind Grace, meine Tochter, und Gabby.“ Die beiden Frauen gaben sich die Hand.

„Was macht Ihr denn ueberhaupt hier?“ fragte Chin an Grace gewandt. „Hatte Ihr nicht einen Museumstag mit der Schule geplant?“
Gabby arbeitete im Museum und hatte einen „Schnuppertag“ fuer die Kinder organisiert.
„Doch, und es war super toll.“ Grace strahlte die Freundin ihres Vaters an.
„Wir haben ganz viele Fotos gemacht, und die wollte ich mal in ganz gross sehen. Daddy hat gesagt, das ist ok.“ Mit „ganz gross“ meinte sie die grossen Bildschirme in der Zentrale, auf die normalerweise die Verdaechtigen und Falldaten projeziert wurden.
„Na dann komm mal damit her.“ Forderte sie Kono auf.
„Ich kann dass selbst.“ erklaerte Grace mit selbstbewusster Stimme, was ihrem Vater ein Seufzen abrang. Das war ein kleiner Seitenhieb darauf, dass er normalerweise mit der Technik etwas auf Kriegsfuss stand. Und dann kam der auch noch von seiner eigenen Tochter.

Sekunden spaeter bewunderten sie alle die Fotos, die Grace mit ihrem Handy gemacht hatte. Ein bisschen ungelenk noch, manchmal unscharf oder mit etwas eigenwilligen Bildausschnitten.
Aber auf jeden Fall viele, sehr viele. Sie hatte alle ihre Freunde verewigt, aber auch Gabby in der Rolle der lustigen Museumsfuehrerin. Das letzte Foto zeigte Gabby und ihren Vater, wie sie sich nach der Fuehrung ein Eis genehmigten.

Grace schloss die Datei und klickte auf einige andere. Ploetzlich rief sie aus „Oh,das ist von Onkel Steve.“ Schon warf sie mit geschickten Handbewegungen ein Sammelsorium von Strandfotos auf die Bildschirme..
„Die sind ja witzig, sehen auch bald so aus, als hätten Kinder sie gemacht. Da fehlen ja fast immer die Füβe – hey und da sogar der halbe Kopf.“ bemerkte Linda.
Danny lachte „Hm, die haben wirklich Kinder gemacht. Genauer gesagt Grace und ein paar Freundinnen. Steve und ich haben mal eine Gruppe von Pfadfinderinnen begleitet, dabei sind wir doch tatsächlich auf einen Verbrecher gestoβen, der dann eines der Mädchen entführt hat! Steve hat sie befreit, und die Girls wollten zum Dank etwas Lustiges mit ihrem „Retter“ unternehmen. Da haben sie diese „Foto-Shooting“ organisiert.“
„Mensch, wie aufregend, was Grace?“ fragte Linda
„Ja, und meine Freundin hat gesagt, sie würde Onkel Steve heiraten wenn sie groβ ist. Und jetzt läuft sie immer diesem doofen Johnny aus der 8. Klasse hinterher“ maulte Grace „Die Frau weiβ einfach nicht was sie will“
Die umstehenden Erwachsenen brachen in schallendes Gelächter aus über diesen altklugen Ausspruch. Danny strubbelte Grace liebevoll in den Haaren herum, dann wandten sie sich alle wieder dem groβen Bildschirm zu.

Es gab noch einige lustige Szenen, dann kam das letzte Bild. Jemand der Mädchen hatte Steve wohl gebeten, sich mit seinem Schulter-Tattoo in Pose zu stellen.
Das Foto war wirklich gut gelungen, es hätte ein Werbebild für “Men's Health“ oder so sein können, stellte Linda fest. Sie wollte das gerade laut aussprechen, als sie überrascht feststellte, dass es im Raum still geworden war. Gabby und Danno hatten sich an der Hand gefasst und Kono schaute auf ihre Schuhe. Fragend sah Linda zu Chin hinüber, der sie mit einem Blick ansah, der wohl bedeuten sollte 'ich erkläre es Dir später'.

„Ehi, mir knurrt der Magen. Sollen wir nicht endlich etwas essen gehen?“ fragte Kono bewusst fröhlich in die Gruppe und schloss schnell die Anwendungen auf dem Computer.
„Oh ja, lasst uns doch alle zu Kamekona fahren!“ schlug Chin vor, eh dass der Stimmungspegel wieder sinken konnte.

__________________

Steve fuehlte sich dagegen langsam schwach. Eine Weile war er schon marschiert, immer in der Hoffnung auf einen der seltenen Besucher des Parks zu treffen, der ihn haette mitnehmen koennen. Seit die Nationalparkverwaltung einige Regeln verschaerft hatte, kamen jedoch weniger Touristen hier herauf.
Er hatte morgens gut gefrühstückt und unterwegs seinen Durst so gut es ging mit Regenwassertropfen von Blättern gestillt, aber inzwischen war Mittag längst vorbei und sein Magen knurrte vernehmlich. Zudem fühlte sich sein Oberschenkel um die Wunde herum heiß an, die schien sich also tatsächlich zu entzünden. Das hatte ihm gerade noch gefehlt. Zwar hatte er unterwegs einige Kräuter gefunden, die die Einheimischen als Antiseptikum verwendeten, aber die Eintrittspforte war zu klein, als dass er ohne Hilfsmittel viel hätte ausrichten können.

Da – man musste nur Glück haben. Steve erspähte einen mit Beeren voll gehangenen Strauch, den Elaine „Diät-Killer“ genannt hatte. Essbar, sehr sehr kalorienreich, aber nur was für Liebhaber herber Speisen, da sie zum Schutz vor Fressfeinden Bitterstoffe ähnlich wie Grapefruit produziert, hatte sie gesagt, als sie ihm eine Reihe Pflanzen zeigte, an denen sie forschte. „Eine endemische Pflanze, die nur unter ganz bestimmten Bedingungen gedeiht, nur auf 2 Inseln hier wurde sie bisher gefunden“. Als sie das sagte, waren ihm dass schon viel zu viele Details gewesen. Aber wahrscheinlich wäre er ohne dieses Wissen jetzt daran vorbeigelaufen.
Er lieβ sich mit einem leisen Seufzen direkt neben der Pflanze nieder und streckte sein schmerzendes Bein aus. Dann streifte er einige der groβen saftigen Beeren ab und lieβ sie sich einzeln in den Mund fallen. „Hmmm“ köstlich, besonders wenn man so hungrig war. Er aβ noch eine ganze Menge davon und leckte sich über die Lippen, die inzwischen heidelbeerfarben waren.

Dann raffte er sich auf um weiterzulaufen.

Ein paar Stunden war Steve nun unterwegs, seine Hoffnung auf andere Besucher des Parks hatte er inzwischen aufgegeben und sich mit dem Gedanken vertraut gemacht, die Nacht hier drauβen zu verbringen. Lange würde er vermutlich nicht mehr durchhalten können. Er hatte begonnen zu schwitzen, wahrscheinlich begann seine Körpertemperatur aufgrund der Infektion bereits zu steigen. Was für einen Keim hatte er sich da überhaupt gefangen, dass sich so schnell eine Infektion hatte entwickeln können.. . Die kleine Wunde am Hinterkopf nässte auch ein bisschen, aber das war halb so wild.

Er musste weiter. Er musste einfach.

Es war eine Sache, marschierender Weise auf der Strasse aufgefunden zu werden, eine ganz andere wenn man fiebernd irgendwo hinter einem Busch lag.

Zähne zusammen beiβen Steve. Das war doch ein Spaziergang hier. Er versuchte sich mit vergangenen überstandenen Missionen Mut zu machen, aber er hatte einfach im Moment nicht die richtige Einstellung dazu. Da war sie wieder, die schreckliche Erinnerung, die er ein paar Tage hatte fernhalten können.

Gerade als er wieder in dumpfes Brüten verfallen wollte, fiel sein Blick auf ein verwittertes Holzschild am Wegesrand. „John's Paradise“ stand darauf, rechts und links eingerahmt von eingeschnitzten Hunden und Pferden.
Nach dem Aussehen des Schildes zu urteilen, war es wohl schon länger nicht mehr zu Etwas nutze. Steves geschultes Auge bemerkte jedoch sofort die relativ frischen Reifenspuren, die vom Hauptweg aus geradewegs in die Büsche zu führen schienen.

Er beschloss, sein Glück zu versuchen, und folgte den Spuren. Hinter den ersten Bäumen verbreiterte sich die Fahrrinne und rechts und links entdeckte Steve Reste von Koppelzäunen.
Jeder Schritt fiel ihm inzwischen schwer, Schweiβperlen standen ihm auf der Stirn. Dann machte der Weg eine Kurve und Steve nahm in der Ferne den Geruch von Pferdedung wahr.

Nach ein paar weiteren Metern eröffnete sich der Blick auf eine Lichtung. Schön war es hier, das war sein erster Gedanke. Oder, besser gesagt, schön war es wohl einmal gewesen, als die Anlage noch in Betrieb gewesen war. Von dem, was einmal das hölzerne „Haupthaus“ gewesen sein musste, war nur noch ein Haufen Asche übrig und ein Teil der Veranda davor, komplettiert durch einen halb verkohlten Schaukelstuhl.
Fünf kleinere Holzhäuschen in einfacher Bauweise waren um einen mit Latten eingezäunten Platz angelegt, schräg dahinter erkannte er einen kleinen Stall und eine weitere Einzäunung, in der sich zwei Pferde befanden. Vier, jetzt erkannte er auch die zwei Fohlen, die flach ausgestreckt auf dem Boden lagen und schliefen.

In dem zentralen Paddock arbeitete ein Mann. Nein- der Gröβe und Statur nach war es eine Frau, der Männerhut hatte ihn kurz verwirrt.
Noch hatte sie ihn nicht bemerkt, also gönnte er sich eine kurze Verschnaufpause, um sich vor allem auch darüber klar zu werden, was er sagen sollte. Natürlich, er brauchte ein Telefon, ein Auto, ein Antibiotikum wenn möglich. Das Dumme war, Autos sah er hier schon gar keine. Vielleicht war „John“, wie ihn das Schild genannt hatte, ja gerade unterwegs? Ein Grund mehr, sich halbwegs vernünftig vorzustellen, um der Ärmsten keinen Schrecken einzujagen.
'Tag Mam, ich bin Steve McGarrett, der Leiter von Five-O' ? Nicht sehr überzeugend in seinem derzeitigen abgerissenen Zustand. Zudem sein Dienstmarke mitsamt dem Motorrad entschwunden war. 'Sorry Mam, ich bin der Leiter von Five-O, leider hatte ich einen Unfall und benötige jetzt Ihr Telefon'? Wahr, aber nicht viel besser.

Wieder betrachtete er die junge Frau, die ganz in ihre Arbeit vertieft war. Sie trug Jeans, ein offenes kariertes Flanellhemd über dem T-Shirt und hatte ihre Haare offensichtlich unter den Hut gesteckt. Ganz Cowgirl, dachte er bei sich, während er ihr zuschaute.

Sie strahlte Energie und Zufriedenheit aus, irgendwie passend zur Umgebung, in der sie sich befanden. Ihre Aufgabe schien ihr Spaβ zu machen, zuerst besserte sie mit ein paar kräftigen Hammerschlägen einige Zaunlatten aus, dann griff sie zu Mistgabel und Schaufel und begann routiniert mit der Säuberung des Pferde-Unterstandes.
Fasziniert beobachtete Steve ihr Tun, wie sie ihre schlanken Beine nahezu in den Boden stemmte, um ein Gegengewicht zur schwer beladene Gabel zu bilden und den Mist dann mit einer geschmeidigen Bewegung auf eine Karre zu laden.

Er musste wirklich schwer krank sein. Kein gesunder Mann würde wohl professionelles Entfernen von Tierexkrementen mit erotischen Untertönen versehen. Keiner.... Zumal ER da nicht mal unter anderen Umständen zu neigte. Nie... Jedenfalls fast nie ...

Steve war so sehr in seine wirren Gedanken vertieft, dass er zuerst gar nicht bemerkte, dass die Frau auf ihn aufmerksam geworden war. Sie unterbrach ihre Arbeit und kam durch das geöffnete Gatter auf ihn zu. Im Vorbeigehen setzte sie den Hut auf einen Zaunpfosten, ihr halblanges dunkelblondes Haar fiel ihr jetzt locker auf die Schultern.

„Kann ich Ihnen helfen, Mr. …..?“
Was für eine sanfte Stimme sie hatte. Die Mistgabel trug sie allerdings wie zur Verteidigung vor sich, mit den Zinken nach oben.

„Steve, mein Name ist Steve McGarrett.“ murmelte er. Jetzt war es raus. „Ich hatte einen Unfall weiter oben auf dem Berg, mein Motorrad wurde weggeschwemmt vom Erdrutsch heute morgen. Ich bräuchte ein Telefon.“

„Aha“ Sie musterte ihn skeptisch, schien seine Erklärung an seiner schlammverkrusteten Erscheinung überprüfen zu wolle. „Ich bin Chris. Das Telefon gibt es leider nicht mehr.“ Das war’s. Sie zeigte nur über ihre Schulter zu dem verkohlten Haus.

Schweigend blickten sie sich an. Dann senkte sie langsam die Gabel.
Steve machte einen Schritt auf sie zu, was er jedoch sofort bereute. Durch das lange Stillstehen hatte er sein verletztes Bein völlig vergessen. Jetzt wollte es seinen Dienst versagen, im letzten Moment gelang es ihm, sich an einem Pfahl neben dem Weg festzuhalten, ehe er vollauf das Gleichgewicht verlor Ein Aufstöhnen konnte er gerade noch unterdrücken, die schmerzverzerrte Grimasse jedoch nicht.

Chris, die gerade noch darüber nachgedacht hatte, ob sie ihrem ungebetenen Gast wohl über den Weg trauen konnte, lieβ erschrocken die Mistgabel fallen.

In Sekundenbruchteilen war sie neben ihm und packte ihn am Arm. „Geht es Ihnen nicht gut? Kommen Sie, setzen Sie sich da auf die Bank, ich helfe Ihnen!“

Chris war fast einen Kopf kleiner als Steve, der sich jetzt auf ihrer Schulter abstützen musste, aber gemeinsam schafften sie die wenigen Schritte zu einer alten verwitterten Holzbank vor dem nächstgelegenen Häuschen.
Er lieβ sich schwer auf die Bank fallen und lehnte den Hinterkopf an die Wand an, nur um ihn sofort wieder wegzuziehen, weil dort genau die Platzwunde war. Dann begann er zu zittern.

Erst jetzt bemerkte Chris, dass sein T-Shirt völlig schweiβgetränkt war. Instinktiv legte sie ihre Hand auf seine Stirn.“ Sie haben ja Fieber Mr. McGarrett!“ meinte sie besorgt.
“Steve, bitte nenn' mich Steve“ flüsterte er mit heiserer Stimme. Es war, als hätte ihn das Zusammentreffen mit einem anderen Menschen seines Durchhaltevermögens völlig beraubt.
Plötzlich fühlte er sich unendlich müde.

„OK, Steve, ich glaube, Du solltest Dich dann mal etwas hinlegen.“
„Erst duschen“ begehrte er auf.
„Ich weiβ nicht, das scheint mir in Deinem jetzigen Zustand vielleicht nicht das Richtige zu sein.“
„Das schaff ich schon – zeig mir wo ich Wasser und Seife finde, dann bin ich fast wie neu“ Er schaute Chris mit einem schiefen Grinsen von unten her an.
Diese Augen – sie vermochte nicht zu sagen, wie sie die Farbe hätte definieren können. Grün-Blau, Grau-Grün, sie wusste es nicht. Was sie aber plötzlich wusste war, dass sie diesem Blick besser aus dem Wege ging. Er war so unergründlich, als ob er nicht nur von Anstrengung und Fieber verklärt sei, sondern von einer ganz ureigenen Traurigkeit, die sie spontan hätte wegzaubern wollen

Chris versuchte, sich zusammen zu raufen. Was zum Teufel tat sie da. Sie war allein, mit der Verantwortung für ein Grundstück, welches nicht ihr gehörte, sie musste für die Tiere sorgen, auch nicht die ihren. Und da stand sie hier herum, lieβ sich von einem hergelaufenen Fremden beschlagnahmen. Wer war er, und woher kam er wirklich? Hatte er wirklich nur einen Unfall gehabt? Man hörte doch immer wieder von Durchgeknallten, die sich im Wald einquartierten. Ganz zu schweigen von Dieben, Mördern und Vergewaltigern.
Ich bin allein, wiederholte sie zu sich selbst. Ich habe nicht mal ein funktionierendes Telefon.

Als könnte er ihre Gedanken lesen, kippte Steve plötzlich mit dem Kopf nach vorne, so dass sie die Wunde am Hinterkopf sah. Richtig, von irgendwas musste das Fieber ja ausgelöst worden sein, da hatte sie ja noch gar nicht drüber nachgedacht!
„Du bist ja am Kopf verletzt!“ Was für eine geniale Feststellung, schalt sie sich selbst.
„Das ist nur ein kleiner Kratzer. Das Loch im Bein macht ein bisschen mehr Ärger.“
Ah ja. Ein ganz harter Bursche also.
„Vorschlag: Wir schleppen Dich zu meiner Hütte, das ist die letzte neben dem Aschehaufen. Dort gibt es warmes Wasser, und wenn Du mir versprichst, nicht unter der Dusche zusammenzubrechen, besorge ich Dir in der Zwischenzeit etwas zu Essen und was Sauberes zum Anziehen. Naja, und dann sollten wir uns Deine Blessuren besser mal gemeinsam anschauen.“ 'wir...Blessuren...gemeinsam...' – was hatte sie sich jetzt dabei nur wieder gedacht. Auβerdem, vom Pferde verarzten verstand sie zwar ein Menge, aber bei Zweibeinern hatte sie höchstens mal Pflaster geklebt.
„OK.“
„OK???“
„OK“
Das war alles was Steve noch sagen konnte. Der Commander, der SEAL, waren irgendwo auf dem Weg hier hin im Schlamm stecken geblieben. Essen? Hatte er Hunger? Er wusste es wirklich nicht. Aber Dusche war gut. Kein Telefon und kein Auto? Auch gut.
„OK!“ Sagte er nochmals zur Bekräftigung.

Jetzt musste Chris doch lächeln. Was auch immer für einen komischen Vogel sie hier aufgelesen hatte, heute konnte der sicher keiner Fliege mehr was zu Leide tun. Morgen- ja soweit wollte sie jetzt nicht denken.

Mit ihrer Hilfe schleppte sich Steve dann bis zu ihrer Hütte. Da es die Einzige war, in der der Gasboiler und der Generator noch funktionierten, hielt sie es für besser, ihn bei sich einzuquartieren. Dann hatte sie ihn wenigstens im Auge.

„Kipp mir bloβ nicht um!“ beschwor sie ihn, nachdem sie die Wassertemperatur geregelt hatte.
„Ich werde Dir was zum Anziehen auf die Couch legen. Ruf mich, wenn Du fertig bist, ich bin drauβen im Gemüsegarten“
„OK“

Zum Glück hatte Johns Vorarbeiter Jeff seine Sachen noch nicht zum neuen Stall rüber gebracht. Beide waren mit den übrigen Pferden schon auf der anderen Seite der Insel, die beiden Stuten mit ihren Fohlen sollten aber erst folgen, wenn dort alles vorbereitet war. John war ihr Chef, und ein fürsorglicher dazu. Er hatte sie mindestens drei Mal gefragt, ob sie wirklich allein hier bleiben wollte, wo doch seit dem Brand nicht mal mehr das Satellitentelefon da war. Mit Handys kam man auf dieser Seite des Berges nicht weit. „Jetzt haut schon ab, Jeff nützt Dir doch viel mehr als ich! Auβerdem seid Ihr doch locker in einer Woche fertig“ hatte sie gesagt. Da konnte sie ja auch noch nicht ahnen, dass sie Besuch bekommen würde.....

Die Männer hatten seit dem Brand im Nebenhaus geschlafen. Dort suchte sie jetzt nach etwas Brauchbarem für Steve. Er war groβ und schlank, wenn auch scheinbar muskulös. Jeff hatte etwa seine Gröβe, war aber ein Bär von einem Mann. Nun gut, besser Schlabberlook als Fetzen, dachte sie sich. Jeff würde sicher nichts dagegen haben, es war ja praktisch ein Notfall.
Im Schrank fand Chris dann ein Paar zerschlissene Jeans, die ihr nicht ganz so weit vorkamen, T-Shirts sogar ohne Löcher, ein Hemd ähnlich dem ihren und – welch ein Triumph – ein Doppelpack noch eingeschweiβter Boxer-Shorts. Das Thema Unterwäsche hatte sie zugegebener Massen schon ein bisschen beunruhigt. Sie hätte Steve doch sehr ungern die getragenen Unterhosen eines anderen Mannes präsentiert. Wie feinfühlend sie doch sein konnte. Jetzt musste sie kichern.

Sie flitzte zurück zu ihrem Häuschen. Als auf ihr Klopfen keine Antwort kam, schlüpfte sie hinein und legte alles auf die Lehne des Sofas. Aus ihrem kleinen Bad kamen Geräusche, also schien Steve noch nicht ohnmächtig geworden zu sei. Sie schloss die Haustür hinter sich und pflückte schnell etwas Salat im kleinen Garten. Dann ging sie zu den Pferden, gab den beiden Stuten zu fressen, kontrollierte den Wasserbottich und unterzog anschlieβend den Medizinschrank einer genaueren Untersuchung. Warum hatte auch der Blitz in John's Haus einschlagen müssen. Dort hatten sie natürlich auch Antibiotika gehabt. Jetzt nahm sie, was ihr in den Sinn kam, aus der Stallapotheke.

Zurück am Haus, fand sie Steve im Türrahmen lehnend. Er trug ein dunkelgrünes zu weites Shirt, aus dem zwei muskulöse Arme hervorschauten – und die Ausläufer von Tattoos. Die waren ihr vorher gar nicht aufgefallen.
Sie musste sich bemühen, nicht gleich darauf zu starren. Eigentlich war das etwas, worauf sie überhaupt nicht stand – Tattoos. Und Fitnessstudio-Freaks.
Was war bloβ los mit ihr - worüber machte sie sich hier eigentlich Gedanken?

Steve ging es nach der Dusche etwas besser. Er wusste, dass das nicht lange anhalten würde, denn er spürte bereits die ersten Schweiβtropfen auf der Stirn. Der Oberschenkel war geschwollen, aber die kalte Brause gab ihm eine kleine Verschnaufpause. Etwas frische Luft würde ihm gut tun.
Als er sie flotten Schrittes auf sich zukommen sah, fiel ihm wieder die Energie auf, die sie ausstrahlte. Ihre Wangen waren leicht gerötet, das passte irgendwie zu ihrem Haar. Wieder spürte er ein eigenartiges Kribbeln bei ihrem Anblick.

„McGarrett, Sie sollten sich schonen!“ rief sie mit gespielter Empörung.
„Ich warte auf meine Krankenschwester“ Daher wehte also der Wind.

Schnell zauberte Chris erstmal einen bunten Salat aus den mitgebrachten frischen Zutaten. „Etwas Anderes hab' ich leider nicht.“ „Das ist doch mehr als genug, schlieβlich war ich ja nicht eingeplant. Auβerdem habe ich wirklich keinen groβen Appetit. Sorry.“ Inzwischen war er wieder blass um die Nase.

„Dann lass Dich mal anschauen.“

Zuerst nahm sie sich die Wunde am Hinterkopf vor. Es war eine kleine Platzwunde, die jetzt nach dem Duschen wieder leicht blutete. Sie sah nicht bedenklich aus, trotzdem war es vielleicht besser, die Haare drum herum vorsichtig mit der Klinge zu entfernen. Danach konnte man die desinfizierende Salbe besser auftragen und vorsichtig mit einem Pflaster abdecken „damit nicht alles aufs Kissen geht.“

Steve drehte sich anschlieβend zur gegenüber liegenden Wand um und öffnete die Jeans, die ihm mindestens eine Nummer zu groβ waren. Genau wusste er auch nicht, warum er sich umdrehte, aber irgendwie war es seltsam, sich so offen vor ihr die Hose aufzuknöpfen.
Chris wusste nicht, wohin sie blicken sollte, also schnappte sie sich das Verbandmaterial und sortierte es auf dem Tisch.
„So, und was jetzt?“ hörte sie seine Stimme. Ja, was jetzt. Als sie sich umdrehte, stand er ganz nah vor ihr, in schwarzen Boxershorts, die Jeff mit Sicherheit viel zu eng gewesen wären, denn für Steve waren sie – nun ja - perfekt. Schnell dreht sie den Kopf und versuchte ein möglichst gleichgültiges Gesicht aufzusetzen.
„Ich weiβ nicht, am Besten solltest Du Dich wohl bäuchlings auf die Couch legen.“ sagte sie zögernd. „Dann ist der Muskel entspannter und ich kann versuchen, die Wunde mit Wasserstoffperoxyd auszuspülen.“
Als Steve sich mit verzerrtem Gesicht anschickte hinzulegen, atmete sie tief durch. Sie zog die Spritze mit H2O2 auf und kniete sich neben ihn auf den Teppich. Der Muskel war rot und heiß, in der Mitte sah sie das kleine Loch. „Was war das?“
„Ein spitzer Ast.“ „Uh, muss das weh getan haben.“ Bei der Vorstellung wurde ihr ganz anders.
Jetzt wurde es ernst. Vorsichtig legte sie ihre Hand oberhalb der Wunde auf seine Haut. Sie spürte die kleinen Härchen, die Anspannung des Muskels, die übersteigerte Wärme. 'Reiβ Dich zusammen Chris' sagte sie zu sich selbst. Das war jedoch leichter als getan.
Sie hatte die Shorts ein wenig hoch schieben müssen, ihre Finger lagen jetzt genau unterhalb der sanften Rundung seines ….Allerwertesten. Wenn sie den kleinen Finger ein wenig abspreizte, konnte sie den Ansatz bereits erfühlen. Sie versuchte sich auf ihre Aufgabe zu konzentrieren.
”Das wird jetzt weh tun” warnte sie, bevor sie die Spritzenspitze in die Wundöffnung drückte. Sie spürte, wie Steve die Luft anhielt. Nachdem sie fertig war, beeilte sie sich mit dem Verbinden, denn inzwischen war ihr wohl nicht weniger heiβ als ihrem fiebrigen Patienten.

Langsam drehte Steve sich um und sah ihr in die Augen. In ein paar wunderschöne grüne Augen. “Katzenaugen” dachte er und lächelte sie matt an. Zum ersten Mal hatte Chris das sichere Gefühl, keinen Fehler gemacht zu haben, als sie ihn hier einquartierte. “Danke” sagte er nur leise und berührte ganz leicht mit dem Zeigefinger ihre Wange. “Wofür denn?” fragte sie ebenso leise zurück. “Dafür das Du da bist.”

Einen Augenblick schien die Zeit stillzustehen. Dann versuchte sie ganz resolut zu klingen. “Du solltest jetzt schlafen gehen.” “Ich liege doch schon.” “Nein, Du brauchst richtig Ruhe. Wir haben keine Antibiotika und Du hast Temperatur. Ich werde Dir jetzt einen Schlafanzug holen, und dann Abmarsch ins Bett.” “OK”
Er war wirklich nicht fit.

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BeitragThema: Re: AUSZEIT   Mo Okt 07, 2013 11:24 pm

So, was mein Herr Miezekater mit seinen Pfoetchen zerschossen hat, ist endlich neu geschrieben. Jetzt hat er Schreibtisch-Verbot. Hoffentlich haelt er sich dran...

Auszeit Teil III
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Steve blieb also auf der Couch, waehrend Chris ins Nachbarhaus hinueberging. Irgendwo hatte sie doch vorhin noch Mamas Liebling gesehen. Sie erinnerte sich noch zu gut, wie Jeff am letzten Weihnachten freudestrahlend das Paeckchen seiner Mutter ausgepackt hatte, um dann mit eingefrorenem Gesichtsausdruck und spitzen Fingern einen kleinkarierten Pyjama mit Knopfleiste  hervorzuzaubern, „Mamas Liebling“ eben. Nicht, dass er soooo schrecklich gewesen waere, aber allein die Tatsache, dass seine Mutter ihrem erwachsenen Sohn einen Schlafanzug schenkte, reichte natuerlich fuer den Spott seiner Kollegen. Er hatte ihn wohl nie angezogen, also war das jetzt die Praemiere. Stolz kam Chris mit ihrer Beute zurueck. Steve zog ein bisschen pikiert die Augenbraue hoch, stand aber dann langsam auf und ging ins Bad.
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Es war gegen vier Uhr morgens, als Chris endlich einschlief. Sie hatte ihren Gast in ihrem Schlafzimmer einquartiert und sich selbst aufs Sofa zurueckgezogen. Lange gruebelte sie noch ueber die verrueckte Situation nach. Zweimal stand sie auf, um nach Steve zu schauen, der furchtbar unruhig schlief. Er schien schlecht zu traeumen, aber sie wollte ihn nicht wieder wecken. Beim zweiten Mal fand sie ihn schweissnass und mit aufgedeckter Bettdecke, die sie ihm vorsichtig wieder ueberlegte.
Als ihr Wecker um 7.00 Uhr ging, fluchte sie innerlich. Sie machte sich leise fertig, versorgte die Pferde und deckte dann den Kaffeetisch. Es aber erst gegen 9.00, als Steves Gestalt im Tuerrahmen erschien.
„Guten Morgen! Mensch, was fuer ein Fruehstueck!“
„Tradition. Wo ich herkommen, ist das so ueblich. Wie fuehlst Du Dich?“
Steve suchte nach dem richtigen Wort. „Mittelmaessig. Ich meine, nicht mehr so schlapp wie gestern, dafuer kriege ich wohl einige blaue Flecken. Und diese Salbe, die Du mir da aufs Bein geschmiert hast, die ist echt phantastisch!!“
„Tja, sowas nennt man dann wohl „Rosskur“. Bei den Pferden wirkt sie auch immer sehr gut. Jetzt setz Dich doch endlich und iss' was.“ meinte Chris mit einem Schulterzucken.
„So so, bei den Pferden wirkt sie auch. Dann bin ich ja beruhigt.

Was meintest Du eigentlich eben mit „Tradition“? Also, Dein Englisch ist toll, aber doch wohl nicht Deine Muttersprache – wo kommst Du her?“ fragte Steve kurze Zeit spaeter, waehrend er genuesslich sein Ruehrei verdrueckte.
“Ich bin gebuertige Deutsche, aber das ist eine lange Geschichte. Jetzt moechte ich aber doch bitte erstmal wissen, mit wem ICH das Vergnuegen habe. Wer bist Du, Steve McGarrett ?“ entgegnete Chris mit ernstem Gesicht. Es wurde Zeit, vernuenftig zu werden.

Steve holte tief Luft, was sie doch zum Lachen brachte. Es sah aus, als muesste er erstmal seine Lebensgeschichte gedanklich sammeln.
Im Laufe der naechsten Stunde brachte er dann etwas Licht in das Dunkel seines ploetzlichen Erscheinens. Als Erstes schilderte er ihr nochmal den Hergang des Erdrutsches, der ihn Motorrad und Ausruestung gekostet hatte. Dann klaerte er sie aber ueber seine Funktion bei Five-O auf und erzaehlte ein wenig uber deren Aufgaben. Chris hatte zwar schon von ihnen gehoert, sich aber nie sehr  fuer Details interessiert hatte. Fuer sie hatte es sich einfach um eine scheinbar ziemlich effektive Spezialeinheit des HPD gehandelt. Jetzt lauschte sie gespannt den Worten ihres Gastes, der ihr in kurzen Worten von seiner Rekrutierung durch Gouverneur Jameson und der nachfolgenden Bildung der Gruppe berichtete,dabei kurz auch etwas zu den einzelnen Beteiligten und ihrer Herkunft erzaehlte.
Was ihn selbst betraf, so erklaerte er, dass er als Kind auf die Insel gekommen, dann aber Jahre wegen seiner Militaerkarriere bzw. Einsaetzen als Navy-SEAL von zuhause weg gewesen war. Sonst blieb er jedoch relativ wage, das spuerte sie sofort.

„Und wieso bist Du hier hinauf gekommen? Es gab doch sicher keinen Fall in der Naehe?“ fragte Chris, nachdem er geendet hatte.
„Fall? Nein. Um ehrlich zu sein, ich bin noch krankgeschrieben und konnte daher zum Glueck der Einladung von Freunden folgen, die oben auf dem Berg ein biologisches Forschungscamp eingerichtet haben. Da kam ich gerade her, als mir sozusagen der Boden unter den Fuessen wegbrach.“
„Forschungscamp? Du meinst sicher Elaine und Tom, stimmt's?“
„Klar, woher kennst Du sie denn?“ „Naja, ist schwierig, sich hier oben nicht zu kennen. Es gibt ja nur die beiden Zufahrtsstrassen, da begegnet man sich. Ausserdem haben wir oefter Touristen zu Pferd hoch gefuehrt, bis die Zone Sperrgebiet wurde. Ein paar Mal sind wir uns ueber den Weg gelaufen. Schienen mir sehr nett zu sein, die beiden.“
„Das sind sie. Mit Tom war ich bei der Navy, ich bin froh, dass er im Zivilleben so gut untergekommen ist.“
'Bei der Navy' .'ich war ein Navy SEAL'. Chris lief ein leichter Schauer den Ruecken hinunter. Mit einem Schlag wurde ihr deutlich klar, dass der Mann, der ihr da so sanft ueber sein belegtes Broetchen hinweg entgegenlaechelte, in Wirklichkeit eine regelrechte Kampfmaschine sein musste, oder wenigstens gewesen war. Sie wusste zuwenig ueber die Navy und die SEALs, aber dass es bei Five-O oft handfest und gefaehrlich zuging, dessen war sie sicher. Vor ihrem inneren Auge erschien ein ernster Steve mit schussfester Weste und Waffe in der Hand. Gefiel ihr das? Sie war sich nicht sicher. Zum Einen, weil sie ein sehr pazifistisches Gemuet war. Zum anderen, weil ihr die Idee, er koenne irgendwo im Kugelhagel landen, oder sonst wie in Gefahr geraten, ueberhaupt nicht zusagte.
Da – da war es wieder. Das Gefuehl, mit ihren Gedanken weit ueber die Gegenwart hinaus zu schiessen. Spaetestens, wenn John mit dem fahrbaren Untersatz zurueck kam, wuerde Steve aus ihrem Leben ein fuer alle mal verschwinden, dessen war sie sicher. Natuerlich, es sollte ihm trotzdem nichts passieren. Aber wenn, es wuerde sie zumindest nie direkt betreffen.
Jedenfalls erklaerte sein Job wahrscheinlich diesen durchtrainierten Koerper. Nicht, dass sie so viel davon gesehen hatte, aber die Arme, die aus dem T-Shirt herausschauten, und die muskuloesen Beine samt wohl proportionierter Hinteransicht liessen ja irgendwie auf den Mittelteil schliessen.

Auf einmal fiel ihr noch etwas ein, was er eben gesagt hatte. „Du sagtest Du bist krankgeschrieben. Ich will ja nicht aufdringlich sein, aber war es denn was Ernstes?“ Und sie setzte vorsichtig nach “Ich meine - irgendwie machst Du einen etwas mitgenommenen Eindruck, und das scheint mir nicht nur wegen des Erdrutsches.“
„oh, danke fuer die Blumen. Ach, ich hatte nur einen kleinen Unfall,ist schon wieder in Ordnung.“ Wieder war etwas Ausweichendes in der Art, wie er das sagte.

„Und was ist nun mit Dir? Was hat Dich nun hierher verschlagen?“ fragte Steve schnell, ehe sie nachhaken konnte.

„Ich? Ich bin eigentlich ein Fluechtlingskind.“ kicherte sie. Steve sah sie fragend an.
„Also, mein Vater ist Hollaender und seines Zeichens Ingenieur. Er war damals fuer einen interationalen Konzern in Bankok taetig, der ihm als Bonus die Anreise in Form einer Luxus-Kreuzfahrt gezahlt hatte. Meine Mutter, Deutsche, arbeitete an der Bar eben auf diesem Schiff. Naja, irgendwo zwischen dem 3.Caipirinha und Glaeserspuelen hat es dann gefunkt.“
„Wie romantisch. Und wieso Fluechtlingskind?“
„Och, meine Mutter hatte den Job nur angenommen, um endlich bei ihren Eltern rauszukommen. Und mein Vater – tja der hatte 'ne ziemlich eifersuechtige Ex auf den Fersen, die ihn unbedingt wieder haben wollte.“ Jetzt mussten beide lachen.
„Meine Schwester Petra und ich sind beide in Thailand geboren und aufgewachsen.  Zu Hause wurde Englisch gesprochen, mein Vater konnte damals auch nicht gut Deutsch. Und wir hatten eine thailaendische Nanny, die hat uns dann ihre Sprache beigebracht. Es war eine tolle Zeit.“Chris machte eine Pause, aber Steve sagte nichts, um ihre Erinnerung nicht zu stoeren. „Wir sind nach Deutschland gezogen, als ich so etwa 15 war. Petra ist zwei Jahre juenger als ich, ich glaube, deshalb hat sie sich auch leichter getan mit dem Umzug. Ich wollte eigentlich garnicht mit. Ich meine, Deutschland ist sehr schoen, und das Leben so geregelt. Aber wenn man mit den Fuessen im Sand aufgewachsen ist und sich die Baumhuette mit Palmen-Zweigen statt Tannen gedeckt hat...  Aber Weihnachten ist schon schoen, mit Schnee und so....“
„Ich glaub', ich verstehe was Du meinst.“ erwiderte Steve und schaute aus dem Fenster. „Und das hat Dich am Ende hergefuehrt? Aus dem kalten nassen Deutschland direkt ins Paradies, was ? “

Stille. Er sah zu Chris hinueber, die ihn mit weit aufgerissenen Augen anblickte. Bevor er noch etwas sagen konnte, sprang sie auf und riss dabei fast den Stuhl um, auf dem sie gesessen hatte.
„Ich muss die Pferde umtreiben.“ Sprachs und war draussen.
Steve blieb erstarrt zurueck.Was hatte er denn bloss Falsches gesagt? Er stand auf und ging ans Fenster. Es dauerte eine Weile, bis er sie erspaet hatte. Sie stand am hinteren Ende des Koppelgatters, die Stirn gegen die obere Latte gelehnt. Taeuschte er sich, oder zitterten ihre Schultern etwa. Sie weinte. Ja, er war sicher, sie weinte. Einem ersten Impuls folgend, ging er zur Tuer, um ihr nachzugehen. Was auch immer es war, er wollte sie troesten. Wollte ihr sagen, dass alles gut war, ihr die Traenen aus dem Gesicht wischen und sie in seinen Armen halten.

Er hielt inne. Das war das Problem. Er wollte sie in seinen Armen halten, aber das nicht erst seit jetzt. Hier ging es naemlich gar nicht ums Troesten, das nahm er sich doch selbst nur zum Vorwand.
Er wollte sie in seinen Armen halten, weil – ja, weil- weil – es klang irgendwie so billig – weil sie ihn irgendwie … anmachte. Das hatte er gleich im ersten Moment gespuert, gestern, als er da aus dem Gebuesch gehumpelt kam und sie sah. Dem Fieber hatte er die Schuld gegeben, auch gestern Abend, als er da so hilflos baeuchlings auf der Couch gelegen hatte. Aber vermutlich war das gut so  gewesen, das „baeuchlings“ jedenfalls, denn er erinnerte sich noch sehr genau an das Prickeln, dass ihre Hand auf seinem Oberschenkel hinterlassen hatte. Und wie er sich konzentrieren musste, nicht die Gesaessmuskeln jedesmal anzuspannen, wenn ihr kleiner Finger sich in der Naehe bewegte.
Okay, es hatte verdammt weh getan. Aber das war es irgendwie - Wert gewesen.

'Was bist Du doch fuer ein egoistischer Idiot.' schalt er sich selbst. 'Geh zu ihr. Lenk sie irgendwie von ihrem Kummer ab.'
Ausserdem, er musste doch hier weg, musste irgendwie seine Leute wenigstens kontaktieren. Wahrscheinlich hatte sie irgendeinen verzwickten Fall zu loesen und konnten ein bisschen Aufsicht vertragen. Er war doch nicht in Ferien hier verdammt noch mal. Ach, sieh mal einer an- der „alte“ Steve Mc Garrett war wieder da. Jetzt, wo er sich gerade als Faulenzen und Geniessen gewoehnte, meldete sich sein schlechtes Gewissen.... Wobei, waere Steve ehrlich zu sich gewesen, haette er erkannt, dass der Grund dieses unerwarteten Wiederauferstehens seines „alten“ Ichs nicht das  „Faulenzen und Geniessen“waren. Aber  -wie meistens – war er nicht ehrlich zu sich.

Langsam ging er auf die Koppel zu. Chris stand immer noch gegen den Zaun gelehnt, aber jetzt ruhig. Eines der Fohlen knabberte spielerisch an ihrem Hosenbein, was sie aus ihrer Trance weckte.
„Trigger, hoer auf. Ehi. Lass das. Neiiiiiinnnnn...“ Jetzt quitschte sie vor Lachen, weil der Angesprochene ueberhaupt keine Lust hatte, aufzuhoeren. Er hatte den Aufschlag ihrer Jeans mit den Zaehnen gepackt und den Rueckwaertsgang eingelegt, so dass sie einbeinig, an den Zaun geklammert, gegen den Schelm kaempfen musste. Steve beeilte sich, zu ihr zu gelangen, und gab dem Kleinen einen Klapps auf die Kruppe. Der hatte ihn nicht kommen gehoert und machte einen Satz zur Seite, das Hosenbein im letzten Moment loslassend.

Chris verlor einen Augenblick das Gleichgewicht, als der Zug so ploetzlich nachliess. Bevor sie straucheln konnte, spuerte sie starke Arme, die sich wie ein Schraubstock um ihre Taille schlossen. In der naechsten Sekunde wurde sie sacht auf ihre beiden Fuesse gesetzt, ohne dass jedoch der Druck merklich nachgelassen haette.

Nur ihre Haende, die sie bei der schnellen Bewegung als Gegengewicht hochgerissen hatte, verhinderten, dass sie sich vollstaendig mit ihren Oberkoerpern beruehrten. Jetzt spuerte sie die Muskeln, die sie sich heute Morgen noch vorgestellt hatte, deutlich durch den duennen Stoff seines T-Shirts. Es fuehlte sich irgendwie gut an. So stark, so maennlich. Und die Tatsache, dass er nach „ihrem“ Duschgel roch, aenderte nichts daran. Eher im Gegenteil. Der Gedanke, dass er unter ihrer Dusche ...

Steve hielt die Luft an. Waehrend des Zugreifens hatte sich ihre Hemdbluse ein wenig hoch geschoben, sodass er mit der Hand darunter geraten war. Er spuerte den Bund ihrer Jeans, den Guertel, aber vor allem ihre warme Haut. Ihre nackte Haut.

Einen Augenblick lang sah sie ihm in die Augen. Da sie so viel kleiner war als er, musste sie dazu den Kopf  fast in den Nacken legen. Sie hatte tatsaechlich geweint, er sah es an ihren geroeteten Augen. Dann riss sie sich praktisch los. „Danke.“ sagte sie nur.

„Sag mal, gibt es hier denn wirklich kein Telefon?“ wechselte er das Thema. „Oder ein Moped, einen alten Trecker – irgendein fahrbarer Untersatz?“
Chris erstarrte. Warum wollte er das auf einmal wissen – er hatte doch bisher keine Anzeichen gemacht, so dringend weg zu muessen.
„Nein, tut mir leid.“ sagte sie mit gepresster Stimme. „Das Satellitentelefon war im Haus, Du hast ja gesehen, was der Blitz da angerichtet hat. Und alle Fahrzeuge sind schon im Sueden. John und Jeff haben sie bereits in den neuen Stall gebracht.“
„John ist Dein...?“
„Mein Boss.“  
„Jeff...?“
„Mein Kollege. Unser Vorarbeiter.“ Steve atmete hoerbar aus.
„Eigentlich sind mit den Fuehrern etwa so 7-8 Leute notwendig, die anderen sind schon damit beschaeftigt, alles fuer die Touristen herzurichten. Ich bin sozusagen die Nachhut.“
„Aber wie konnten sie Dich denn so ohne Verbindung zur Aussenwelt hier lassen. Wenn etwas passiert,auch mit den Tieren....“
„Die Mobilfunknetze sind nicht gerade der Hit hier. Und nur wegen des Telefons zurueck zu kommen, das habe ich den Jungs zum Glueck ausreden koennen. Sollte ja nur fuer 'ne Woche etwa sein.“
„Trotzdem. Eine Frau hier allein zu lassen im Nirgendwo.“
„Du denkst, falls irgendein Irrer in zerrissenen Klamotten hier auftaucht?“ meinte sie grinsend.
Steve schluckte ob der Anspielung. „Egal, jetzt habe ich ja Dich, mein mutiger, starker Navy SEAL.“  Sprachs und lies ihn stehen.
Sie ging in die kleine Sattelkammer, kam dann mit einem Sattel ueber dem Arm wieder und steuerte auf eine der beiden Stuten zu. Er beeilte sich, sie einzuholen.
„Die Pferde – koennte man denn nicht mit den Pferden -“
„Was – zum naechsten Dorf reiten? Dazu sind die Fohlen noch zu klein, Steve. Natuerlich, wenn es ein Notfall waere, wenn Du zum Beispiel einen Doc gebraucht haettest, waere ich ohne Fohlen gegangen... . Aber so – nein, tut mir leid, das kann ich nicht riskieren in den Gelaende da draussen. Denk an die Erdrutsche.“
„Verstehe.“

Auf einmal war Steve unruhig, Chris spuerte es ganz deutlich.Um ihn ein bisschen abzulenken, erklaerte sie „Ich wollte die vier hier aber umstellen, weiter im Wald haben wir eine eingezaeunte Lichtung, da ist noch viel Gras.  Es gibt auch einen kleinen See. Siehst Du den kleinen Steg da hinten – das ist ein Auslaeufer davon. Manchmal sind wir mit dem Schlauchboot zum Angeln da draussen gewesen, es ist echt schoen da. Normalerweise nehme ich die zweite Stute als Handpferd mit, aber das braeuchte ich ja nicht, falls Du Lust hast mitzukommen. Falls Du Dich aufs Pferd traust natuerlich......!“ Sie beendete den Satz nicht.

„Klar, gerne.“
„Boah – wirklich?“ entfuhr es ihr. Es passierte ja nicht alle Tage, dass Maenner freiwillig aufs Pferd stiegen. Zumindest nicht, wenn es nicht irgendwas zu gewinnen gab.
„Wirklich. Nur..“ er schaute pruefend den Sattel an. „Wahrscheinlich sollte ich besser ohne Sattel reiten. Ich glaube mein Oberschenkel ist noch nicht bereit fuer hartes Leder.“
Ohne Sattel? Sie schaute ihn skeptisch an, das war ihr dann doch ein bisschen unheimlich jetzt. Wollte er etwa Eindruck bei ihr schinden? Sie hatte nun wirklich keine Lust, ihn unterwegs aufsammeln zu muessen, mit gebrochenem Schluesselbein womoeglich.

„Also, wann soll's losgehen?“ fragte er froehlich und sah sie fragend an.
„Aeh... von mir aus jetzt...“ Sie war immer noch perplex. Wie auch immer die Sache ausgehen sollte, wenigstens hatte er erstmal Spass dabei. Sie brachte ihren Sattel zurueck in die Kammer und kam mit zwei Kopfstuecken zurueck.
„Okay, dann also ohne Saettel.“ bestimmte sie, zog den Stuten die Trensen an, gab Steve die  Zuegel in die Hand und ging zum Gatter, um es schonmal zu oeffnen. Als sie sich umdreht, blieb ihr fast der Mund offen stehen. Steve sass schon auf dem Pferd, er musste ueber eine Zaunlatte aufgestiegen sein. Irgendwie klappte ihr das alles zu gut.
Sie stieg selbst auf, dann ritten sie nebeneinander los. Es war nicht sehr weit, zum eingezaeunten Gelaende waren es etwa 10 Minuten im Schritt, das Seeufer begann aber schon direkt hinter der Kurve. „See“ war etwas uebertrieben, eher ein langgezogener, mit klarem Bergwasser gefuellter Schlauch, der sich entlang des Berges auf einem Plateau gebildet hatte. Der Wald drumherum war noch relativ jung, aber dicht genug, um sich geradezu beschuetzt zu fuehlen.
Er sass wirklich laessig auf dem Pferd, das musste sie zugeben. Die langen Beine entspannt baumelnd, aber am richtigen Platz, so als waere er jederzeit bereit, sie anlegen zu muessen.
„Wie weit ist es?“ fragte er.
„Zum Gatter noch knapp10 Minuten. Im Schritt. Sonst lasse ich sie hier auch schonmal kurz galoppieren.“
„Worauf warten wir dann noch?“ fragte er und sah sie an.
„Ich weiss nicht, Du ohne Sattel, das ist keine gute I..-“ sie kam nicht dazu, den Satz zu beenden, da hatte er schon die Beine zugedrueckt und seine Stute zu einem langsamen Galopp angespornt.
Chris blieb vor Ueberraschung ein paar Meter zurueck, dann wurde ihr Pferd unruhig und sie galoppierte ebenfalls an. Sie konnte es nicht fassen. Sie hatte ihm absichtlich Tess gegeben, gewoehnlich die Faulheit in Person und daher besonders fuer die Anfaenger geeignet.
Und jetzt schoss die in immer flotter werdendem Galopp durch den Wald, ihr vor Uebermut buckelndes Fohlen neben sich. Wenn Tess jetzt auch damit anfing, wuerde er im hohen Bogen...

Nein, wuerde er nicht. Das wurde ihr langsam bewusst. Sie hielt Meggy auf Hoehe von Tess' Hinterhand und schaute zu Steve hinueber. Der lachte ueber das ganze Gesicht, gelegentlich musste er den Kopf einziehen wegen tief haengender Zweige. Er schien mit Tess verwachsen zu sein. Sein Oberkoerper und die Haende gingen in der Bewegung mit, seine Beine waren jetzt fest angelegt. Und sein Becken- sie starrte fasziniert auf sein Becken, das sich im Rhythmus des Galopps mitbewegte. Vor – zurueck – vor – zurueck – vor  …...
Fast waere sie vom Pferd gefallen. „Meg!“ schimpfte sie, weil ihre Stute ueber einen kleinen Baumstumpf gehuepft war, den sie nicht hatte kommen sehen. Sie schaffte es mit Muehe und Not, sich auszubalancieren. Steve parierte sofort durch und sie gingen im Schritt weiter.
„Alles klar?“ fragte er. „Ja. Mist. Man sollte nicht traeumen auf dem Pferd.“ brummte sie.
„Kommt vielleicht drauf an – war der Traum denn schoen?“ fragte er sie neckend.

Oh Gott, er hatte doch wohl hoffentlich nicht bemerkt, wie sie ihn angestarrt hatte?
Sie versuchte, einen gleichgueltigen Gesichtsausdruck aufzusetzen. Dabei war sie sich sicher, jetzt   hatte sie die Farbe einer reifen Tomate angenommen, das spuerte sie geradezu. Wohl nicht, denn er schaute schon wieder geradeaus. Dann waren sie auch schon da. Sie brachten die Pferde in die Umzaeunung, nahmen die Trensen ab und begaben sich zu Fuss auf den Rueckweg.

„Wo zum Geier hast Du bloss so reiten gelernt?“ platzte es aus ihr auf einmal aus ihr heraus. Steve brachte in schallendes Gelaechter aus. „Meine Schwester Mary wollte immer ein Pony. Meine Eltern natuerlich nicht, deshalb brachten sie uns zu einem Typen noerdlich von Honolulu, der hatte jede Menge Viechzeug und brachte allen Kindern gerne bei, wo man sich am Besten festklammert, um nicht runterzurutschen. Reiten konnte man das wohl nicht nennen.Naja, und spaeter auf dem Festland hatte ich dann eine mal eine Freundin, die haette keinen Typen ins Bett gelassen, der nicht ab und zu nach Pferd stank..“ Er grinste frech. „Bei 5-O hatten wir sogar mal einen Fall, da habe ich einen Entfuehrer mit dem Pferd verfolgen muessen, weil wir keine andere Moeglichkeit hatten. Das war irgendwie cool. Um ehrlich zu sein, habe ich aber seit Jahren keinen Ausritt mehr gemacht. Es war zwar heute, kurz aber sehr schoen.“ sagte er und beruehrte wie zufaellig ihre Hand.
Sie sah ihn an und laechelte. „Halt still“ sagte sie. Er schaute sie fragend an, dann stellte sie sich auf die Zehenspitzen und zupfte ihm ein paar kleine weisse Baum-Blueten aus dem Haar.

Beim Weitergehen stellte Chris fest, dass Steve noch ein klein wenig humpelte. Vor allem aber bewegte er einige Male seine linke Schulter in einer eigenartigen Art und Weise. Es schien ihr irgendwie so, als habe er Schmerzen. Sie wollte gerade nachfragen, als sie ihn sagen hoerte „Wie bist Du denn eigentlich an den Job hier bei den Pferden gekommen?“

Schweigen.

Er wollte die Frage gerade wiederholen, weil er annahm, sie habe sie nicht gehoert, da sagte sie leise mit einem seltsamen Unterton „Das war nicht geplant.“

„Das heisst?“ hakte er vorsichtig nach.

„Das heisst, eigentlich bin ich als Urlauberin mit meinem Verlobten hier her gekommen. Und dann stand ich am Abreisetag am Flughafen, ohne Ticket, ohne Geld, ohne Pass und ohne Verlobten. Der einzige, den ich kannte war John, der hat mich netterweise aufgenommen. Offiziell existiere ich auf dieser Insel also nicht.“

Die Antwort war wie aus der Pistole geschossen gekommen, ihre Stimme schien sich bei den letzten Worten fast zu ueberschlagen.
Steve verstand nur Bahnhof. Erst nach einer gefuehlten Ewigkeit wagte er es, nachzufragen.
„Wie – wie meinst Du dass – offiziell existierst Du nicht ?“
„Mein Verlobter, nein, das Dreckstueck, das vorgegeben hat mich zu lieben, ist am letzten Tag mit allem abgehauen. Sogar meinen Pass hat er verschwinden lassen.  Mit meinem Ticket ist so eine Schlampe geflogen, die er hier an der Hotelbar aufgerissen hat.“
„Wie konnte sie denn mit Deinem Ticket fliegen, so kurzfristig?“ Steve fuehlte sich ueberfordert mit der Vorstellung, wie alles abgelaufen war.
Wieder Schweigen.

Dann platzte es aus ihr heraus.
„Der Mistkerl arbeitet in der Reisebranche. Auf  Hawaii war er ausserdem schon ein paar Mal. Der kennt seine Pappenheimer, auch am Flughafen. Hat mir immer von der Kultur der Einheimischen vorgeschwaert, und den tollen Straenden. Dabei ging es ihm doch nur um die heissen Bikini-Tussen.
… Mut hat er sich ansaufen muessen....  dann war er der starke Mann …  haette auf Petra hoeren sollen.... Ich war so dumm...getan hat er es.. . er waere geliefert..... hat es  kaputtgemacht.... .“

Ihr Stimme war immer schneller und leiser geworden, am Schluss fast unhoerbar.
Er wollte ihr die Hand beruhigend auf den Arm legen, doch sie riss sich praktisch los, trat einen Schritt zurueck und sah ihn mit weit aufgerissenen Augen an. Es schien so, als wuerde sie erst jetzt bemerken, dass er ihr so nahe gekommen war. Traenen traten ihr in die Augen, doch dann hob sie trotzig das Kinn und meinte gespielt froehlich, so als ob nichts geschehen sei, „Hey, da sind wir wieder. Ich mach uns was zu Essen.“ Ehe dass er etwas erwidern konnte, verschwand sie schnellen Schrittes Richtung Haus.

Steve blieb wortlos zurueck und sah ihr nach. Dann erinnerte er sich an ihre merkwuerdige „Flucht“ nach dem Fruehstuck. Ihre Worte waren zwar fuer ihn zusammenhanglos, aber sein Instinkt sagte ihm, dass damals irgend etwas passiert war. Chris war fuer einen Augenblick nicht sie selbst gewesen. Er hatte ein Gefuehl unendlicher Traurigkeit gespuert, aber auch Angst. Vor was konnte er nicht sagen, aber er wollte es herausfinden. Er musste es herausfinden.
Er wusste zwar nicht einmal, wie er die eigenen inneren Daemonen bekaempfen sollte, die ihn seit jener Nacht immer wieder plagten. Aber er wuerde auch gegen ihre kaempfen.
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BeitragThema: Re: AUSZEIT   Do Okt 10, 2013 6:18 am

Der Rest des Tages war ereignislos verlaufen. Nach dem Mittagessen hatten sie zusammen die kleine Kueche aufgeraeumt, dann hatte Steve sich in den Schatten eines Baumes zurueckgezogen,um ein bisschen zu doesen. Sein Bein tat inzwischen doch wieder mehr weh, was ja eigentlich auch zu erwarten gewesen war. Danach hatten Chris und er noch eine Weile draussen zusammengesessen und geplaudert.
Plaudern, das war das richtige Wort. Kein Wort ueber die Arbeit, ueber Probleme. Beide genossen die friedliche Stimmung des Ortes, den Duft des Waldes, die letzten Sonnenstahlen auf der Haut. Es war, als sei die „Aussenwelt“ mit ihrer Hektik und ihren Verpflichtungen Lichtjahre weit weg.

Jetzt war er unterwegs zu der kleinen Lichtung, auf der sie morgens die Pferde gelassen hatte. Chris war schon vorgegangen. Steve konnte sich nicht erinnern, wann er das letzte Mal so entspannt gewesen war. Doch, er dachte manchmal an die Arbeit, an die Kollegen. Aber irgend etwas hatte sich geaendert in den letzten Monaten. Oder vielleicht hatte er sich geaendert? Er war immer ein Kontrollfreak gewesen, hatte alles planen, klaeren, loesen koennen muessen. Verantwortung zu uebernehmen, fuer eine Sache oder Personen einzustehen, sich mit Leib und Seele seinem Job zu widmen, der eben genau das eigentlich nicht war - „nur“ ein Job, so hatte er seine Prioritaeten gesetzt.

All' das schien Steve im Moment wie ein Schuh, der nicht mehr passte. Dinge die er so nicht mehr wollte. Mehr Zeit fuer Freunde wollte er aufbringen, eine Partnerschaft, die offen fuer ein „Mehr“ war. Den Kontakt zu seiner Schwester wieder aufleben lassen. Ploetzlich schien ihm das ein lohnenderes Ziel, als alle berufliche Anerkennung der Welt je wuerde sein koennen. Er konnte sich selbst nicht erklaeren, warum er gerade jetzt sein bisheriges Leben so in Frage stellte. Es war, als haette ihm die durch die Verletzung bedingte Zwangspause die Augen geoeffnet.
Das war es, was er wahrscheinlich schon seit Langem gebraucht hatte. Eine Auszeit.

Klar, da hatte es Catherine gegeben. Sie war eine starke Frau, sie hatte ihn verstanden und unterstuetzt in so vielem. Sie hatten eine gemeinsame Vergangenheit bei der Marine, das unterschied sie eigentlich von allen anderen Frauen, die er kannte. Sie hatten auch ihre „wilden“ Zeiten gehabt, in der sie das fuehrten,was die meisten wohl eine „offene Beziehung“ nennen wuerden. Nein, keine anderen Partner, jedenfalls nicht, dass er wusste. Aber auch keine Verpflichtungen, jeder kam und ging, wann es ihm in den Kram passte. Guten Sex, wenn's gerade beider Terminkalender erlaubte. Dann hatten sie irgendwann die Kurve zu einer „normalen“ Beziehung gekriegt. Aber an dem Tag, als Steve auf der Taufe das Baby eines Freundes in seinen Armen hielt, war ihm bewusst geworden, dass er sich eine eigene Familie mit ihr nicht vorstellen konnte. Es brach ihm fast das Herz, weil er sie wahnsinnig gern hatte, aber sie war im Begriff, seine beste Freundin zu werden statt einer Geliebten. Drei Tage spaeter hatten sie  sich getrennt, und sie schien erleichtert zu sein, dass er den ersten Schritt dazu getan hatte.

„Erde an Steve, Erde an Steve“ Eine sanfte Stimme riss ihn aus seiner Gruebelei. Ohne sich dessen bewusst zu sein, hatte er die ganze Strecke bereits hinter sich gebracht.
Chris lehnte mit dem Ruecken am Gatter, die Arme rechts und links laessig mit den Ellbogen auf die Zaunlatten aufgestuetzt, die Beine gekreuzt, einen Fuss auf der Spitze aufgestellt. Sie trug ein duennes schwarzes Langaermel-Shirt und ausgewaschene Jeans, die  ihre Rundungen perfekt unterstrichen. Ihr Blick hatte irgendwie etwas Herausforderndes, als wollte sie sagen 'Ach, ist der Herr also auch schon da!'
Gerade, als er eine laue Entschuldigung fuer sein Zuspaetkommen loslassen wollte, schenkte sie ihm ein bezauberndes Laecheln.
Himmel, ob dieser Frau klar war, wie sexy sie sein konnte? Steve musste an die spitze Bemerkung denken, die eine Bekannte mal losgelassen hatte 'Maenner haben zwei Gehirne, eins im Kopf und eins in der Hose. Aber wenn sie versuchen, die gleichzeitig zu benutzen, gibt’s meistens Kurzschluss'. Kluges Maedchen.

Die Pferde waren bereits aufgetrenst. Chris fragte ihn nicht, wo er mit seinen Gedanken gewesen war, und er war ihr dankbar dafuer. Schweigend ritten sie zurueck.
Sie hatte ihm urspruenglich vorgeschlagen gehabt, des schmerzenden Beines wegen auf dem Hof zu bleiben. Das hatte er aber  abgelehnt, es sei ja schon fast wieder okay. Die Wahrheit war, er fuehlte sich gut in ihrer Gesellschaft. Chris war intelligent, spontan, witzig, und er hatte irgendwie das Gefuehl, sie koenne bis in seine Seele schauen. 10 Sekunden in ihrer Naehe und er fuehlte ein seltsames Prickeln im Bauch.
Er dachte an seinen Freund Danno. Der wuerde ihn jetzt anschauen, von unten herauf, weil er ein ganzes Stueck kleiner war als er, ihn mit dem Zeigefinger auf die Brust tippen und sagen „Du hast Dich verliebt Steven“. Konnte er da wiedersprechen?

Chris machte sich ein wenig Sorgen um Steve. Koerperlich war er wieder ziemlich fit, die Wunden heilten gut. Nur gruebelte er so viel. Wenn er wollte, war er eine sprudelnde Quelle spritziger Unterhaltung, dann wieder der personifizierte Schwermut. Nun bestand er auch noch darauf, ab heute Nacht auf dem Sofa zu schlafen, statt entspannt in einem Bett.

Was hatte er gerade gesagt? Sie schrak zusammen. „Was denkst Du, wann werden Deine Kollegen wohl wiederkommen?“
„Du must bald weg, stimmt's? Tut mir leid,dass Du hier mit mir festsitzt“
„Hey, was soll das denn heissen? Ich koennte noch 'ne ganze Weile mit Dir hier „festsitzen“,wenn's nach mir ginge.“
„Ach ja, und wer faengt dann die ganzen Verbrecher? Und der Steuerzahler zahlt! Tztz, Commander McGarrett, das habe ich jetzt nicht gehoert.“ Sie prusteten beide vor Lachen.
„Im Ernst, ich denke, ein paar Tage wirst Du wohl noch mit meiner alleinigen Gesellschaft vornehmen muessen.“
„Das ist gut“
„Was heisst 'das ist gut'?“
„Na was ich sagte. 'Das ist gut'.“

Sie versorgten die Pferde, duschten beide und assen noch eine Kleinigkeit. Dann erklaerte Chris, sie sei muede und muesse ins Bett.
„Ich bin auch platt. Die Couch ruft.“ grinste Steve. Chris nickte und verschwand in ihrem Zimmer.

Steve versuchte, eine halbwegs bequeme Schlafpostion zu finden. Es lag nicht am Sofa. Es gingen ihm nur so viele Dinge durch den Kopf. Langsam erwachte sein Pflichtbewusstsein wieder. Er begann, gedanklich die ungeloesten Faelle der letzten Monate durchzugehen. Was er als Erstes tun musste, wenn er wieder im Einsatz war. Er musste auch zum Gouverneur, da war einiges zu besprechen. Davor fuerchtete Steve sich am meisten. Wuerde Denning ihn fragen, ob er sich inzwischen erinnerte? Oder wuerde er die Sache auf sich beruhen lassen? Ein fuer allemal?

Eine halbe Stunde spaeter war er immer noch wach. Wie sollte er sich Chris gegenueber verhalten? Das Knistern zwischen ihnen konnte er sich doch nicht nur einbilden, oder? Aber, was war, wenn das hier vorbei war? Sie wuerde ja nicht so weit von ihm weg sein, sie koennten sich ausserhalb seiner Dienstzeit sehen. Sich kennenlernen, wie man das gewoehnlich so machte. Kino, Essen gehen, wie alle anderen auch. Andererseits – sie hatte noch nichts getan, was irgendwie darauf hingedeutet hatte, dass sie auch an ihm interessiert war. Was, wenn sie einfach nur nett zu ihm war, wie zu einem verletzten Voegelchen? Am liebsten waere er aufgestanden und zu ihr gegangen. Um sie zu fragen. Um ihr nahe zu sein. Und wenn sie schon schlief? Ob sie wohl traeumte, von ihm womoeglich? Ueber den Gedanken schlief er endlich ein.

Es war weit nach Mitternacht, als Chris wach wurde. Sie musste ins Bad, aber sie hatte das Gefuehl, dass es nicht das war, was sie geweckt hatte. Da – jetzt hoerte sie es wieder. Das musste Steve sein, der im Schlaf murmelte. Sie stand auf, huschte leise ins Bad, und ging dann auf Zehenspitzen in die Wohnkueche. Steve musste wieder sehr unruhig geschlafen haben, die Haelfte des Bettzeuges lag auf dem Boden. Sie war im Begriff, es ihm wieder ueberzulegen, als er sich im Schlaf in ihre Richtung umdrehte. Ploetzlich fiel ein Lichtstrahl auf sein Gesicht. Sie brauchte eine Moment, dann verstand sie. Ein Wolke hatte bisher den Mond verdunkelt.
Chris folgte dem Lichtstrahl mit dem Blick. Was fuer ein schoenes Gesicht er doch hatte. Die leicht krumme Nase, das markante Kinn. Der Dreitagebart stand ihm. Sie erkannte, dass er unter den geschlossenen Lidern mit den Augen rollte. Sein Kiefer spannte sich an, die Hand, die er neben sich  auf dem Kissen liegen hatte, ballte sich zur Faust und er begann wieder, etwas Unverstaendliches zu  murmeln. Dann drehte er sich mit dem Oberkoerper in ihre Richtung und die Faust rutschte vom Kissen ab, so dass der Arm vom Sofa herunter hing und die Hand fast den Boden beruehrte. Fasziniert betrachtete sie, was nun geschah. Er hatte den Pyjama nicht zugeknoepft, und die linke Haelfte rutschte nun, ebenfalls der Schwerkraft folgend, von seiner Brust und lies den Blick bis auf die Schulter und den Bizeps zu. Ihr Blick wanderte von den definierten Bauchmuskeln bis hoch zum Hals. Gott, machte sie das an. Sie spuerte Waerme in einer sehr bestimmten Zone ihres Koerpers aufsteigen. Sie, die bisher der Meinung gewesen war, entweder man hatte Hirn oder Sixpack. Sie machte einen kleinen Schritt auf das Sofa zu, legte das heruntergefallene Bettzeug vorsichtig davor ab und kniete sich neben Steve.
Chris konnte nicht anders, es war staerker als sie. Ihr Hand bewegte sich wie von Geisterhand gefuert auf seinen Oberkoerper zu. Sie wollte ihn beruehren, wenigstens mit den Fingerspitzen, wie um sich zu vergewissern, dass er nicht nur ein schoener Traum war.

Ihr blieb fast das Herz stehen. Durch ihren Schritt nach vorne fiel das Mondlicht nun auch auf seine Brust. Auf der linken Seite, knapp unter seinem Herzen, war ein roter Punkt. Oder, besser gesagt, in dieser ueberdehnten  Position war es eher ein Kuhle. Ein kreisrundes Loch.
Chris' Herz begann wie wild zu pochen, und in ihrem Kopf fuhr jemand Achterbahn. Er war Polizist. Auf Polizisten wurde geschossen. War es das? War das der „Unfall“ gewesen, von dem er nicht sprechen wollte? Aber – Polizisten trugen doch kugelsichere Westen. Sie wurden nicht von Kugeln in die Brust getroffen. Das konnte nicht sein.
Ihr Blick wanderte hoeher, zur Schulter- und sie wurde bleich. Er hatte eine grosse Taetowierung auf der Schulter, deren Auslaeufer man sah, wenn er T-Shirts trug. Aber hier fehlte mittendrin ein Stueck des Motivs. Vom Schluesselbein bis hinauf auf die Woelbung der Schulter verlief dafuer ein breiter Streifen gelb-braeunlicher Haut. Heller als die gebraeunte Haut seines Oberkoerpers. Wie ein Flicken. Ein Flicken. „Oh Steve, was ist Dir nur Furchtbares passiert.“ murmelte sie.

Wie in Trance legte sie den Finger auf den roten Fleck auf seiner Brust.

Dann passierte es.

Urploetzlich fuhr Steve hoch, die Augen riesig weit aufgerissen, die Gesichtszuege zu einer Grimasse verzerrt. Seine rechte Hand umfasste ihre Kehle und sie merkte, wie ihr die Luft wegblieb.
Sie taumelte zurueck, schaffte es, sich seinem Griff zu entziehen, landete auf dem Hosenboden und rutschte panisch rueckwaerts von ihm weg. Sie stiess mit dem Ruecken gegen einen Stuhl, rappelte sich daran auf und floh aus dem Haus. Sie rannte. Rannte bis zum See, wo sie schluchzend zusammenbrach.

Diese Augen – am schlimmsten war der Blick gewesen. Sowas hatte sie schonmal gesehen. Nicht auch er, bitte nicht. ER nicht.
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BeitragThema: Re: AUSZEIT   So Okt 13, 2013 4:51 pm

AUSZEIT - die 5.

Steve tat in der Nacht kein Auge mehr zu. Wie konnte er auch. Eigentlich wusste er ja nicht mal genau, was eigentlich geschehen war.
Er hatte getraeumt, bruchstueckhaft erinnerte er sich. Ein Kampf, er kaempfte mit jemandem im Wald, der ihm koerperlich ebenbuerdig war, womoeglich sogar ueberlegen wenn er nicht auf der Hut war. Wo Fat? Sein Gegner hatte kein Gesicht gehabt, vielleicht stand er auch nur stellvertretend fuer diejenigen, die er zu bekaempfen suchte. Es war ein unglaublich realer Traum gewesen, er hatte sogar das Gefuehl gehabt, die Waldluft zu atmen, bevor ihm der Andere sein Messer auf die Brust setzte und er die Luft anhielt. Noch hatte er den Oberkoerper vom Boden abgehoben, also liess er sich blitzschnell zurueck fallen, um Abstand zur Messerspitze zu gewinnen. Dann fuhr er herum, packte sein Gegenueber an der Kehle und drueckte zu.

In dem Moment war Steve aufgewacht. Seine rechte Hand hielt er erhoben und drueckte tatsaechlich zu. Aber es war nicht Wo Fats Kehle, die er da zuschnuerte – es war die von Chris!

Ihren Gesichtsausdruck wuerde er so schnell nicht wieder vergessen. Panik, nackte Panik, spiegelte sich im gruenen Meer ihrer Augen wieder. Eher er ueberhaupt begriff, was er getan hatte, war sie schon zur Tuer hinausgerannt.
Wie kam sie ueberhaupt hierhin? Wieso hatte sie neben ihm gekniet und ihn beruehrt? Steve war sicher, dass die gefuehlte Messerspitze in Wirklichkeit ihre Hand gewesen war. Aber was zum Teufel hatte sie hier gemacht????

Es hatte einige Sekunden gedauert, bis er ueberhaupt reagieren konnte, so perplex war er. Noch barfuss war er zur Tuer gestuerzt, nur um festzustellen, dass sie in der Dunkelheit verschwunden war. Die Solarlichter um den Hof brannten schwach, aber einmal deren Lichtkegel verlassen, herrschte Finsternis. Das menschliche Auge gewoehnte sich rasch an die Dunkelheit, das wusste er aus Erfahrung. Nur, wo haette er sie suchen sollen? Sie kannte sich hier aus wie in ihrer Westentasche, er nicht.  

Steve stellte sich mitten auf den Hof und rief nach ihr. Der spitze Schotter bohrte sich in seine nackten Fusssohlen, aber er spuerte es kaum. Er waere barfuss einen Marathon gelaufen, haette er damit seine Reaktion ungeschehen machen koennen.

„Chris, es tut mir so leid. Ich wollte Dich doch nicht erschrecken!“ Er lauschte. Keine Reaktion.
„Bitte komm her. Ich wollte Dir nicht wehtun. Verzeih mir.“ Er ging langsam um die Umzaeunung herum und starrte in die Dunkelheit, versuchte, jedes Geraeusch seinem Ursprung zuzuordnen.
„Sag mir, was ich tun muss. Soll ich gehen? Bitte Chris, Du kannst doch nicht den Rest der Nacht hier draussen bleiben!“
Seine Stimme wurde leiser, die Worte flehender, doch nichts geschah. Nach einer Weile ging er zum Haus zurueck, loeschte das Licht und blieb bei offener Tuer im Dunkeln auf dem Sofa sitzen, in die Bettdecke gewickelt. Wenn ihr bloss nichts geschehen war. Sie konnte gestolpert sein, sich verletzt haben. Womoeglich lag sie mit aufgeschlagenem Kopf irgendwo auf dem Weg, waehrend er hier dumm rum sass. Eine Taschenlampe – hatte er nicht irgendwo hier eine Taschenlampe gesehen?
Gerade wollte er das Licht wieder anschalten, als er den Riegel der Stalltuer hoerte.

Er lauschte einen Augenblick, zog sich dann seine Schuhe an und ging hinueber.
Durch die Fenster fiel ein schwacher, sich bewegender Lichtschein. Chris hatte also im Gegensatz zu ihm eine Taschenlampe.
Ein leichter Druck auf die Klinke – von innen verriegelt.
Steve stand vor der grossen Tuer und lehnte seine Stirn gegen das Holz.
Sie wollte ihn nicht sehen. Was hatte er da bloss getan. Er wusste zwar nicht, warum sie so heftig reagierte, sie musste ihn doch inzwischen kennen, wissen das es nicht wegen ihr gewesen war. Aber es war eindeutig, sie wollte allein sein.

Es hatte wohl heute Nacht keinen Sinn mehr, hier rumzustehen,sagte er sich und ging zurueck zum Haus.Er liess die Haustuer einen Spalt breit offen und strecke sich auf dem Sofa aus, obwohl an Schlaf nicht zu denken war.

Waehrend dessen hatte Chris sich bei den Heuballen ein provisorisches Nachtlager zurecht gemacht. In ein paar Pferdedecken gewickelt starrte sie in die Dunkelheit, wo sie die Umrisse ihrer Schuetzlinge ausmachen konnte. Normalerweise war sie abends doch froh, den Pferdegeruch unter der Dusche lassen zu koennen. Aber jetzt war sie irgendwie froh darueber. Er gab ihr ein Gefuehl von Sicherheit, von etwas Bekanntem, klar Definiertem in ihrem Leben. Dazu das leise Schnauben und das Schmatzen der Fohlen wenn sie am Euter ihrer Mutter tranken. Sie zog die Decke fester um ihre Schulter. Langsam wich die Spannung aus ihrem Koerper.

Sie dachte an Steve. Was er wohl jetzt tat? Sie wollte ihn im Moment nicht sehen, er hatte sie zu sehr geschockt. Tief in ihrem Herzen wusste Chris wohl, dass es ihre eigene Schuld gewesen war. Er hatte offensichtlich schlecht getraeumt, war aufgewuehlt gewesen. Wenn sie ihn nicht angefasst haette, saesse sie womoeglich noch jetzt neben ihm und betrachtete das sanfte Heben und Senken seiner Brust. War sie ungerecht zu ihm? Er hatte offenbar Schlimmes durchgemacht, und jetzt strafte sie ihn auch noch dafuer mit ihrer Reaktion.

Nein. Nein, jetzt tat sie es schon wieder. Sie verteidigte einen Mann, der sich offensichtlich nicht unter Kontrolle hatte.
Okay, dieser hier hatte getraeumt, er hatte nicht getrunken, er hatte sie nicht im wachen Zustand angegriffen, sie geschlagen, und dann... Sie schauderte. Wie oft hatte sie das Gesicht ihres Ex in den letzten Monaten nachts vor sich gesehen, aufgedunsen, die Augen rot unterlaufen. Am hellichten Tag sturzbesoffen, wie sooft in den Wochen davor.

Acht Monate war es jetzt her, aber es schien Chris, als sei es gestern gewesen:
Es haette ihr letzter Tag auf Hawaii sein sollen.
Um 13.00 ging der Flieger, wo blieb er bloss? Sie wollte nur noch nach Hause. Sie wuerde sich von ihm trennen, sie konnte nicht mehr. Hatte sie ihn ueberhaupt geliebt? Und vor allem, hatte er sie jemals geliebt?
Ihre Schwester Petra hatte sie mehrfach gewarnt. „Der Kerl liebt Dich nicht wirklich, Chris. Der braucht nur ein Vorzeige-Frauchen. Der gutaussehende Besitzer des bestgehendsten Reisecenters der Stadt, mit den exklusivsten Angeboten in den aussergewohnlichsten Winkeln dieser Erde braucht Statussymbole. Und Du bist eins. Du bist SEINS, Chris. Er will Dich besitzen, Chris, wie den Porsche, den Helicopter... Ich bitte Dich, pass auf  Dich auf, Liebes!“  
Petra hatte recht behalten, und aus irgend einem kuehlen Grunde hatte er hier auf Oahu dann auch endgueltig seine Maske fallen gelassen. Hatte versucht, sie vom Strand fernzuhalten, weil er die Blicke anderer Maenner auf ihrem Koerper nicht ertrug. Auf SEINEM Koerper, so hatte er sich ausgedrueckt. Sie hatte das alles durchgehalten, weil sie merkte, dass er immer agressiver reagierte,  je mehr sie ihm Widerstand entgegen setzte. Wieder in Deutschland, waere sie frei.
Dann hatte sie eines Tages begriffen, dass da noch jemand war. Blonde lange Haare auf dem Jackett, ein aufdringliches Parfuem, das seinen Hemden anhaftete, die Ausrede abendlicher Geschaeftsbesprechungen, die er ihr „ersparen wollte“. Sie war seine Rechte Hand, das war doch ihr Job??
Ein paar Tage hatte sie ihn kaum gesehen, zum Glueck, und auch am letzten Abend kam er spaet-und hatte  getrunken. Trotzdem war er heute morgen nicht im Bett gewesen, als sie aufwachte.
Ploetzlich hoerte sie die Tuer. Da stand er im Rahmen- oder besser gesagt, hing halb.
„Mensch, wo warst Du denn bloss, um 13.00 geht der Flieger ..“. Zu mehr kam Chris nicht.
„Ich war mir bei Sylvie das holen, was Du mir ja nicht mehr geben willst!“ lallte er, offensichtlich stark betrunken. Sie ging nicht auf seine Worte ein, wollte nach ihrem Koffer greifen. Auf einmal kam er auf sie zu, die Schnelligkeit hatte sie ihm in diesem Zustand gar nicht zugetraut. Er ergriff ihre Arme, schuettelte sie wuetend.
Dann sprach er ganz leise, fast zischend, einzelne Worte betonend, soweit seine Zunge ihm das zugestand. „Was Du mir nicht mehr GEBEN willst, hab ich recht? Was haeltst Du davon, wenn ich es mir jetzt einfach HOLE? Na, wuerde Dir das gefallen, mein Taeubchen? Mich macht die Idee ganz schoen heiß, merkst Du das?“ Mit der einen Hand hielt er ihren rechten Arm fest, mit der anderen ergriff er ihre linke Hand und presste sie auf seinen Schritt. Er hatte doch tatsaechlich einen Staender.
Chris versuchte sich angeekelt aus seinem Griff zu befreien, da holte er aus und ohrfeigte sie. Dann warf er sie ruecklings aufs Bett. Sie knallte mit dem Kopf auf einen Eckpfosten und verlor das Bewusstsein.....

Chris kehrte wieder mit ihren Gedanken in die Gegenwart zurueck. Sie weinte still in die Decken. Fuer Monate hatte sie versucht, jenen Morgen zu vertraengen, sich in die Arbeit gestuerzt, die man ihr spaeter angeboten hatte. Mit ihren maennlichen Kollegen kam sie gut aus, solange sie ihr nicht zu nahe kamen. Ein paar Mal hatte ihr jemand Avancen gemacht, aber sie hatte deutlich klargemacht, dass sie nichts von Maennern wollte. Sie war so gut darin, dass schon das Geruecht umging, sie sei lesbisch.

Der Gedanke heiterte sie ein wenig auf. Wie einfach gestrickt doch manche waren. Schwarz oder weiss. Sie fand nichts dabei, wenn jemand zu seinen Gefuehlen stand, „auch wenn“ sie gleichgeschlechtlicher Natur waren. Zumal so manche, der etwas Aehnliches wie ihr widerfahren war, sicher die Geborgenheit in den Armen einer anderen Frau gefunden hatte.
Aber das war nicht ihr Weg. Ihr gefielen nun mal immer noch Maenner.
Im Besonderen einer.

__________________________


Kono und Danny waren beide in ihre Arbeit vertieft, als Chin am spaeten Vormittag in der Zentrale von Five-O eintraf. Er kam aus der Kriminaltechnik, wo ihm Fong einige Proben ausgehaendigt hatte.
Danny winkte ihn in sein Buero.
„Also?“
„Du hattest Recht, die Maske koennte tatsaechlich einem der „Daltons“ gehoert haben. Die DNA-Analyse ist noch nicht abgeschlossen, aber sie scheint aus der gleichen Serie zu stammen wie die bei dem Fall in Jersey. „Dalton Brueder“ - dass sich echt 'ne Gang so nennt. Ich fass' es nicht.“
„Serie ist gut, Chin. Fuenf Stueck, ganze fuenf Stueck gab es angeblich davon. Handgenaeht, fuer irgend so einen Spinner, der Sturmmasken wie in 'nem bstimmten Film  wollte. 'Fuer seinen privaten Kostuemfundus'. Wir konnten ihm aber damals keine Verbindung zu den Entfuehrungsfaellen nachweisen.“
Danny stuetzte die Ellbogen auf den Tisch und legte sein Kinn auf die gefalteten Haende.
„Die Frage ist bloss, wenn es wirklich die „Daltons“ sind, was wollen die hier auf der Insel? Ich meine, das sind Profis. Die haben reiche Industrielle abgezockt, Filmstars. Waere nicht damals die  Loesegeld-Uebergabe fuer den Football-Spieler schiefgegangen, weil ein Streifenpolizist zu seinem Unglueck im falschen Moment am falschen Ort war, dann waeren die wahrscheinlich heute noch da oben taetig,ohne dass wir was davon mitgekriegt haetten.“
„Zuletzt haben sie sich mit den Promis in Hollywood versucht, nicht wahr?“ „Yep“
Kono steckte ihren Kopf zur Tuer rein. „Neuigkeiten, Jungs?“
Chin drehte sich zu ihr um. „Sie koennten es sein.“
„Wow, die erfolgreichste Entfuehrerbande der letzten Jahre auf unserem Eiland – welch eine Ehre.“ entgegnete seine Cousine schnippisch. „Und jetzt?“
„Und jetzt, und jetzt...Gute Frage.“ sagte Danny.
„Wenn sie es wirklich sind, dann sollten wir uns schon mal auf die Suche nach potenziellen Opfern machen. Preventivmassnahmen sozusagen.“ schlug Chin vor.

Danny war es nicht wohl in seiner Haut.
Diese Leute waren keine 'simplen' Entfuehrer. Sie waren knallhart, und wenn jemand gegen ihre   'Regeln' verstiess, waren sie nicht zimperlich. Der erwaehnte Streifenpolizist hatte seine beruflich bedingte Neugier mit dem Leben bezahlt, es hatte in New Jersey und Kalifornien ausserdem ungeklaerte 'Unfaelle' gegeben, die im Nachhinein der Bande zugeschrieben werden konnten. Niemand wusste, wie viele Opfer -Misshandelte oder sogar Tote – es wirklich gab, da man viel mehr prominente Opferfamilien vermutete. Wer Geld hatte, war oft bereit zu zahlen, ohne die Polizei einzuschalten, vor allem aus Angst um seine Familie. Das war hinreichend bekannt.

„Nun gut, bisher haben wir nur einen fast ausgebrannten Transporter in einer Schlucht, und darin eine Maske, die vielleicht – ich sage 'vielleicht' von den Daltons benutzt wurde. Wir koennen schlecht durch Honolulu marschieren und jedem mit einem dickeren Portemonaie raten, sich nicht entfuehren zu lassen. Ach, vielleicht koennten wir es mit einem Lautsprecherwagen versuchen.“

Kono seufzte. Danny hatte manchmal einen eigenartigen Humor.

“Okay Leute, was haltet Ihr davon, wenn wir erstmal die DNA-Auswertung abwarten?” fragte Chin.”Wenn sonst jetzt nichts ansteht, wuerde ich erst mal essen gehen, und danach beim Labor nachhoeren, wie weit sie sind.”
Danny gab sein Einverstaendnis und blieb mit Kono im Buero zurueck.

“Ich glaub', er trifft sich mit Linda.” hoerte er sie sagen.
“Es sei ihm gegoennt.”
“Hey, was ist los?” fragte ihn seine junge Kollegin und legte dabei den Kopf schief. “Es ist wegen McGarrett, stimmt's?”
Er schob den Stuhl zurueck und sah sie an. Dann nickte er wortlos.
“Sorry, wenn ich Dich das frage, aber – ist es wegen der Dalton Brueder, oder weil er sich nicht  meldet?” Ihr Gegenueber zoegerte.  
“Beides. Ich mein', ich hab' 'ne Menge Faelle allein bearbeitet, und mit den Daltons hatte ich ja schon meine Freude. Aber das hier ist Steve's Team, Kono. Er ist der Kopf des Ganzen, er haelt uns zusammen. Der Gouverneur vertraut ihm, auch wenn er es sich nicht immer anmerken laesst. Die Presse zerreisst uns nicht, wenn mal was schief laeuft, weil Steve sich vor uns stellt und den Menschen das Gefuehl der Sicherheit gibt. Er ist der Commander.”
Kono hoerte ihm stumm zu. Sie wusste nur zu gut, was Danny meinte. Sie waren ein Team, Steve selbst betrachtete sie alle als gleichwertige Partner. Aber trotzdem- ER war Five-O. Ohne ihn waeren sie nie zusammen gekommen, und ohne ihn wuerden sie frueher oder spaeter auseinander driften. Als er schwer verletzt im Krankenhaus lag, hatte sie sich ein paar Mal gefragt, wie es wohl ohne ihn weiterginge falls er nicht mehr zurueck kommen konnte. Sie hatte keine Antwort gefunden.
“Was mich wirklich beunruhigt ist, dass er sich nicht meldet. Schoen und gut, es ging ihm dreckig, aber hat ihn das jemals von was abgehalten? Wenn wir mal damals die Sache mit Wo Fat aussen vor lassen, meine ich.”

Damals war Steve ohne weitere Erklaerungen fuer eine Weile untergetaucht.

“Mensch, Danny, der Boss ist doch nicht spurlos verschwunden! Er hat gesagt, er bleibt wahrscheinlich 2-3 Wochen bei seinen Freunden. Steve brauchte einfach Abstand!”
“Ich weiss, ich weiss. Gabby meint, es sei ein Glueck, dass er sich dazu durchgerungen hat. Trotzdem, es ist doch nicht Steve, wenn er sich nicht ab und zu meldet und uns gehoerig auf die Nerven geht! Da ist doch was im Busch, Kono. Ich werde heute Abend versuchen, ihn anzurufen. Und sei es nur wegen der Daltons.”
“Womoeglich hast Du Recht.”
“Ich hab' ganz sicher Recht.”

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Nach der durchwachten Nacht stand Steve lange unter der Dusche, um halbwegs wach zu werden. Er hatte Chris bei den Pferden gesehen, aber sie machte keinerlei Anstalten, zum Haus zu kommen. Veruebeln konnte er ihr das nicht wirklich, aber es machte ihn traurig.

War er so problematisch? Die Beziehung mit Catherine war gescheitert,weil er sich zurueckgezogen hatte. Jetzt hatte er ganz unverhofft eine so tolle Frau kennengelernt, dass er es selbst kaum fassen konnte. Sie regte ihn an, geistig wie koerperlich. Und was machte er daraus? Er erwuergte sie fast.

Fruehstueck ohne sie? Er hatte wirklich keinen Appetit. Es war unglaublich, sie hatten nur einmal zuammen gefruehstueckt, und schon hatte er das Gefuehl, dabei ihre kleinen Gewohnheiten zu kennen. Verrueckt.
Als sie von ihrem Leben in Thailand erzaehlte und dabei traeumerisch den Marmeladenloeffel ableckte, hatte er den Blick kaum von ihren sinnlichen Lippen wenden koennen.
Dann hatte ihre Zunge kurz hervorgeblitzt. Jetzt ertappte er sich dabei, sich die Begegnung ihrer beider Zungen vorzustellen. Ein erotischer Tanz, umrahmt von ihren Lippen, die sich zu einem endlosen Kuss fanden.
Es war nur ein fluechtiger Augenblick gewesen, aber allein der Gedanke daran erregte ihn.

Er ging hinueber in die Huette, die von John un Jeff bewohnt wurde, und fand schliesslich, was er suchte: ein Badetuch und ein Paar Bermudas. Die waren ihm zu gross, wie fast alles, aber wenigstens hatte er so nach dem Schwimmen etwas zum Wechseln.

Zum See wollte er, und ausprobierern, was seine Schulter von ein paar Schwimmzuegen hielt.
Steve wusste, das beste Rezept fuer seinen Kopf hiess 'auspowern', aber diesmal war das leider nicht moeglich.
Wenigstens hatte Chris so eine Moeglichkeit, sich ungestoert in ihrem eigenen Haus aufzuhalten.

Spaeter wuerden sie weitersehen. Steve konnte nicht mehr zurueck. Er musste mit Chris reden, ihr sagen, wie gern er sie hatte und dass er sie naeher kennenlernen wollte. Selbst wenn sein Verstand nicht dafuer ausgereicht haette, es zu bemerken, sein Koerper sandte ihm eindeutige Zeichen. Er wollte sie.

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Linda wartete schon bei Kamekona auf ihn. Irgendwie war es fuer Chin ein Dejà-Vu, auch seine verstorbene Frau Malia hatte das oft getan. Aber es war okay, es tat nicht mehr weh.

Das Essen kam schnell, so dass ihnen noch Zeit fuer einen Strandspaziergang blieb, bevor er wieder los musste. Es tat gut, wieder mit jemandem so etwas unternehmen zu koennen, hoffentlich klingelte nicht gleich wieder sein Handy mit einer Einsatzmeldung. Linda haette es sicher verstanden, als Ex-Polizisten-Gattin. Trotzdem, er hoffte auf eine ungestoerte Mittagspause,wenn sie schon mal die Einladung angenommen hatte.
“Sag mal, haettest Du nicht Lust, mal mit mir ins Kino zu gehen?” fragte sie in die Stille hinein. “Gerne aber Du weisst, das muessten wir kurzfristig entscheiden... Der Dienst....”
“Klar weiss ich das..” antworte sie, und Chin meinte ein “Du Dummerchen” aus ihrer Tonlage herauszuhoeren.
Schweigend gingen sie weiter. Dann blieb Linda stehen und fasste ihn am Arm.
Chin schaute sie verbluefft an.
“Jetzt spuck es schon aus, was ist los?” fragte sie ihn gerade heraus.
“Was meinst Du?”
“Du kannst mir doch nichts vormachen. Irgendwas bedrueckt Dich doch. Stimmt was bei Five-O nicht?”
Er antwortete nicht sofort. Frauen. Sie hatten echt einen guten Riecher.
“Ist es wegen Deinem Boss?” Er nickte.
“Er ist schon fast drei Wochen weg und hat sich noch kein einziges Mal gemeldet. Dabei kann er sonst nicht gut zwei Minuten ohne Five-O auskommen. Das Hauptquartier war eigentlich sein 2. Zuhause.”
“Du hattest aber doch gesagt, er war lange im Krankenhaus und brauchte mal eine Auszeit. Willst Du mir nicht erzaehlen, was mit ihm los ist? Ihr habt so eigenartig reagiert neulich. Was ist denn eigentlich passiert?”

“Tja, da liegt eben das Problem. Keiner weiss genau, was passiert ist, und Steve behauptet, sich nicht erinnern zu koennen.” Chin machte eine Pause, dann wies er auf ein umgedrehtes Ruderboot, welches in ihrer Naehe lag, und bedeutete Linda sich darauf zu setzen. Sie sah ihn auffordernd an.

“Eines Abends waren Danny und ich noch bis spaet im Hauptquartier. Steve hatte nachmittags Termine, beim Gouverneur und so weiter, Kono war schon weg. Da geht ploetzlich Danny's Telefon, jemand vom HPD. Wir sollten ganz schnell zum Krankenhaus kommen, Steve sei unterwegs dorthin im Rettungswagen. Mehr wusste der Polizist auch nicht, nur, dass wir uns beeilen sollten.” Er schaute einen Moment abwesend einem Surfer zu.

“Du kannst Dir vorstellen, wir direkt los, Danny hat den Camaro fast um einen Ampelmast gewickelt. Ich hab versucht Kono zu erreichen, die war aber schon benachrichtigt und fast da.  
Als wir bei der Notaufahme eintrafen, kam uns Kono weinend entgegen.” Pause
“Und Ihr dachtet....”
“Natuerlich dachten wir das... Aber sie war nur voellig schockiert. Man hatte Kono erst gar keine Auskunft geben wollen, und dann waren ploetzlich Aerzte und Schwestern aufgeregt rumgerannt, hatten fahrbare Geraete vor sich hergeschoben, unter anderem einen Defibrilator. Irgendeiner meinte dann im Vorbeirennen zu ihr 'Der Commander hat einen Herzstillstand erlitten.'   .“ Wieder machte Chin eine Pause, um sich zu sammeln. Dann sah er Linda an.
“Wir sind das Gesetz, Linda. Wir halten unsere verdammten Marken hoch, und die Leute lassen sich von uns ohne Widerstand bis auf's Klo folgen. Aber da – es war, als ginge es um ein Militaergeheimnis. Weisst Du, Malia's Tod war furchtbar fuer mich. Aber das war, ich weiss nicht wie ich es ausdruecken soll, eine klare Sache. Eine schreckliche Tatsache.  
Diese Geschichte mit Steve, die war so -unrealistisch.Was war ihm passiert? Wie ging es ihm? Hatte er wirklich einen Herzstillstand gehabt und – lebte er noch????? Es gab nur Fragen, aber keine Antworten.”
“Und sie haben Euch keine Auskunft erteilt?”
“Zuerst nicht. Dann ist der Gouverneur im Krankenhaus eingetroffen, und auf einmal ging es.”
“Aber warum erst dann???”
“Wegen der sonderbaren Umstaende.” Er seufzte. “Das HPD wurde anonym zu einem brennenden Minivan auf  einem Parkplatz gerufen. Daneben fanden sie – Steve. Sein Auto und die Dienstwaffe fehlten. Er war mit seinen eigenen Handschellen gefesselt, bewusstlos, und die alte Bomberjacke, die er trug, hatte durch den Funkenflug Feuer gefangen. Der Stoff des Aermels brannte. Die Polizisten loeschten das Feuer, und als sie ihn vorsichtig umdrehten, sahen sie die Schusswunde.”
“Du liebe Guete, man hat auf ihn geschossen, obwohl er gefesselt war?” Linda war geschockt.
“Lungenschuss. Kleines Kaliber. Herz knapp verfehlt. Der Schuetze war nicht geuebt, denn der Schuss kam aus der Naehe, trotzdem hat er das Herz verfehlt.”
Wenn das gerade die trockene Bestandsaufnahme eines Polizisten gewesen war, so folgte danach die Beschreibung eines Menschen, der gefuerchtet hatte, eine ihm teure Person zu verlieren.
“Der Beamte, der ihn umgedreht hat, meinte, er werde dieses ekelhafte Geraeusch aus der Wunde nie vergessen.”
“Pneumothorax?” Chin nickte und schuettelte sich bei dem Gedanken.

Linda verstand. Ihr Exmann hatte mal von einer Messerstecherei erzaehlt, bei der einer der Kontrahenten von einem Messerstich in die Lunge verletzt worden war. Man hatte ein Geraeusch gehoert, als durch den Ventilmechanismus des Spannungspneumothorax immer mehr Luft beim Einatmen in den Brustkorb drang, und dort die inneren Organe komprimierte. Das Opfer war ihrem Mann unter den Haenden weggestorben.

“Ich weiss, dass diese Verletzungen lebensgefaehrlich sind. Dein Boss hat unglaubliches Glueck gehabt.”
“Er ist ein starker Mann, er war immer super durchtrainiert. Du hast die Fotos ja gesehen. Einer der Aerzte meinte, dass habe ihm wahrscheinlich das Leben gerettet.
Sein Herz hat durchgehalten bis in den Eingang zur Notaufnahme. Erst dann hat es ausgesetzt. Ich glaube, meine Pumpe haette das nicht mitgemacht.”
“Also hatte Kono richtig verstanden.” fluesterte Linda.
Chin sah sie an. “Ja. Sein Herz hat aufgehoert zu schlagen, als sie die Bahre in den Flur schoben. Du musst Dir das vorstellen, sie mussten ihn wiederbeleben, ohne schon eine Idee davon zu haben, wie es wirklich in seinem Brustkorb aussah.”
Er rutschte unruhig auf dem Kiel des Ruderbootes herum.
“Ausserdem war seine Schulter voellig verbrannt. Ich erinnere mich noch an die Jacke, die war uralt, er trug sie manchmal zum Basteln am alten Auto. Weisst Du, diese Bomberjacken mit den Schulterstreifen aus Kunstleder. Der war regelrecht mit seiner Haut verschmolzen.”
“Mein Gott, was fuer Schmerzen muss er ausgestanden haben!”
“Ich glaube, das zum Glueck nicht. Er hat nach dem Schuss wahrscheinlich schnell das Bewusstsein verloren. Die Jacke hat wohl erst spaeter angefangen zu brennen, und eigenartiger Weise – zum Glueck- erstmal nur an der einen Stelle. Sonst.... “ Er ueberliess den Rest ihrer Vorstellungskraft.

“Der Gouverneur und ein paar einflussreiche Freunde von Steve bei der Navy haben dafuer gesorgt, dass ein Militaerarzt eingeflogen wurden, der auf Brandwunden spezialisiert ist. Steve war ja nicht transportfaehig.
Wir wussten fuer Tage ja nicht mal, ob er es schafft.” Chin stockte und starrte auf den Boden, zeichnete Kreise mit den Zehen in den Sand.

“Mary war erst nicht erreichtbar, dann hat sie natuerlich den naechsten Flieger genommen. Die Schwestern haben sie auch nach Hause geschickt wie uns alle. Sie hat dann bei Catherine geschlafen, da war sie wenigstens nicht allein, das arme Ding.”
“Mary?”
“Steve's juengere Schwester. Sie lebt zur Zeit in Los Angeles.”
Chin erinnerte sich zu gut an die arme Mary. Sie hatte immer etwas Verlorenes an sich, aber dieses Mal war sie sichtlich ueberfordert mit der Situation. Sie und Steve sahen sich zwar nicht oft, aber sie liebten sich doch sehr.
Ihren grossen Bruder dort irgendwo zwischen Leben und Tod zu sehen, angeschlossen an Beatmungsmaschiene, Infusionen und tausend Schlaeuche, das machte ihr doch sehr zu schaffen.
Es war auch bemerkenswert zu sehen, wie jeder Mensch seine eigene Methode hatte, mit den Umstaenden umzugehen. Oder auch nicht. Viele haetten sich vielleicht in sich zurueckgezogen, waeren in Weinkraempfe ausgebrochen. Mary dagegen wanderte wie ein Zombie durch die Gaenge, nahm von den auf sie einstroehmenden Informationen immer gerade soviel wahr, wie sie verarbeiten konnte. Einmal war sie ihm auf dem Flur des Krankenhauses begegnet, nachdem Steve nochmals zu einer Not-OP gebracht werden musste. Sie war kreidebleich, das Haar zerzaust. Sie sah ihn aus glasigen Augen an und meinte nur “Herzbeuteltamponade. Was weiss ich denn, was eine Herzbeuteltamponade ist.” Sprachs und ging an ihm vorbei.

“Weiss man denn nun, wie Steve ueberhaupt in die Schiesserei verwickelt wurde? Das Auto, was ist mit dem Auto?” Linda lenkte seinen Gedanken wieder zurueck.

“Ein Minivan, der Besitzer, ist ein bisher unbescholtener Familienvater. Steve's Auto wurde in der Naehe einer Bushaltestelle gefunden, die Fingerabdruecke des Mannes waren auf dem Lenkrad.
Der Mann ist spurlos verschwunden, es wird ueberall nach ihm gefahndet, aber er ist einfach nicht aufzufinden.”
“Naja, mit einer Anzeige wegen versuchten Mordes ist ja nicht zu spassen. Ihr habt doch sicher auch irgendwelche Kontakte zur Unterwelt, nehme ich mal an?” Linda wusste aus Erfahrung, wie sowas lief.
“Klar, wir haben alle Fuehler ausgestreckt. Ausserdem, so abwertend das klingt, aber hier geht es weniger um den versuchten Mord an McGarrett. Hier geht es um Mord.”
“Mord?” Linda sah ihn verstaendnislos an.
“Im Van waren drei Leichen.”
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BeitragThema: Re: AUSZEIT   Fr Okt 18, 2013 8:02 am

Chris stand unschlüssig im Türrahmen. Sie hatte Steve am Morgen zum See schlendern gesehen. Es war ihr fast ein bisschen demonstrativ vorgekommen, so als wolle er ihr zeigen 'So, die Luft ist rein'. Natürlich hatte sie die Gelegenheit beim Schopf ergriffen und war ins Haus gegangen. Schlieβlich war es ja immer noch IHR zuhause, hatte sie sich ein bisschen trotzig gedacht.

In der Küche war alles aufgeräumt gewesen. Das Frühstück hatte sie ausfallen lassen, war nur kurz unter die Dusche gesprungen, die offensichtlich vor ihr schon jemand benutzt hatte. 'Der verrückte Kerl' war es ihr durch den Kopf gegangen. 'Erst duschen, dann schwimmen gehen. Auf das man(n) sich auflöst. '

Sie dachte auch jetzt an Steve, nachdem sie das Haus verlassen hatte. Von hier aus konnte sie ihn nicht sehen.

Den kleinen Dachboden des Stalles wollte sie doch schon länger ausmisten, für den Fall, dass da noch etwas Brauchbares für den Umzug zu finden war. Jetzt wäre doch die passende Gelegenheit, ermunterte sie sich selbst. Sie stieg also die Leiter hinauf und schaute aus dem Fensterchen.
Von oben hatte man einen guten Blick auf einen Grossteil des Sees.
Eine Weile tat sich nichts, worauf sich ein Gefühl der Enttäuschung in ihrer Magengrube einstellte, wie sie zu ihrer Schande gestehen musste. Dann tauchte Steves Kopf plötzlich aus dem Wasser unweit des Steges auf. Dort in der Nähe gab es eine kleine Lichtung im Röhricht, auf der sie sich auch schon mal gesonnt hatte. 'Gut gewählt' dachte sie.
Mit kräftigen Zügen durchpflügte Steve das Wasser. Er hatte zwar offensichtlich Probleme mit dem Vorführen des linken Armes, dadurch war die Bewegung unrund, aber der geübte Schwimmer war unverkennbar.
Mit einem Mal fühlte Chris sich ein klein wenig wie ein Teenager, der den gröβeren Jungs nachspioniert. Das war es, was sie in Wirklichkeit hier hinauf gelockt hatte. Die Möglichkeit, ihn beobachten zu können, ohne dass er es merkte.

Eine Weile blieb sie auf ihrem Posten, dann hielt sie es nicht mehr aus. Sie konnte einfach nicht so tun, als sei er ihr gleichgültig. Das war kindisch. Zum ersten Mal seit der Geschichte mit Sven hatte ein Mann sie wirklich fasziniert. Vielleicht sogar zum ersten Mal in ihrem Leben, setzte sie in Gedanken hinzu.
Sein Verhalten letzte Nacht hatte sie geschockt, aber jetzt war sie bereit, darüber zu reden. Er hoffentlich auch. Entschieden stieg sie die Leiter wieder hinunter, verlieβ den Stall und wandte sich Richtung Steg.

Steve hatte gerade begonnen, sich abzutrocknen, als er ihre Schritte auf dem Kies hörte. Jetzt beeilte er sich, die Bermudas überzuziehen. Durchs Schilf verdeckt, sah er sie kommen und sein ein Herz machte einen kleinen Hüpfer. Sie trug wie meistens Jeans, darüber ein Top und eine weite offene Bluse mit luftigem Blumendruck. Zu gerne hätte er sie mal in einem Kleid gesehen, einfach nur so, dachte er sich. Er packte seine Habseligkeiten und machte sich auf den Weg.
'Tief Luft holen, Junge!' ermunterte er sich selbst. 'Das muss jetzt sein.'

Langsam ging Chris auf den Trampelpfad neben dem Steg zu. 'Wie soll ich bloβ anfangen?' Auch sie war unschlüssig, was diese Begegnung bringen würde. Sie fühlte sich flau. Nein, sie hatte nichts, wofür sie sich hätte entschuldigen müssen. Trotzdem, die Aufregung zog wie kleine Wellen durch ihren Körper. Wie würde er reagieren?

Dann sah sie ihn. Er kam genau von dort aus dem Schilf, wo sie seinen Liegeplatz vermutet hatte.
Er trug zu weite Bermudas, sein Oberkörper war nackt. In der einen Hand trug er ein Handtuch, in der anderen nur T-Shirt und Flip-Flops. 'Ob er wohl nackt geschwommen ist?' ging es ihr urplötzlich durch den Kopf. Wie sonst konnten die Bermudas trocken sein? Bei dem verbotenen Gedanken fühlte sie die Röte in ihrem Gesicht aufsteigen. Zum Glück war sie nicht früher gekommen. 'Zum Glück? Sicher?' fragte da eine zaghafte Stimme in ihrem Innern. Uhhhh.

Sie versuchte, einen gleichgültigen Gesichtsausdruck aufzusetzen.
“Hey”
“Hey”
“Es tut mir lei...” “Es tut...” Sie begannen den Satz fast gleichzeitig, dann lachten beide nervös auf.

Chris bemühte sich, Steve in die Augen zu sehen. Aber etwas hinderte sie daran.
Seine Haare waren feucht und strubbelig. Ein einzelner Wassertropfen bahnte sich seinen Weg, den Hals entlang, über das Schlüsselbein, um dann irgendwo über dem Brustbein im Flaum zu versickern. Langsam glitt ihr Blick tiefer.

Es war das erste Mal, dass sie Steve ohne T-Shirt sah. Sie versuchte, jede Einzelheit in sich aufzunehmen. Die breite Brust, die starken Schultern mit den muskulösen Armen, die trainierten Bauchmuskeln. Er war jedoch so groβ und schlank, dass es nicht massig wirkte. Er sah nicht aus wie jemand, der täglich Gewichte im Fitnessraum stemmte. Irgendwie wirkte alles so natürlich an ihm. Man sah ihm seine Sportlichkeit an, aber man sah auch, dass er im Moment pausierte.

Der Atem stockte Chris. Da war sie, diese kreisrunde Stelle auf seiner Brust, die sie in der Nacht so geschockt hatte. Jetzt, bei Tageslicht, sah sie sogar noch eine zweite. Sie war kleiner, blasser und befand sich etwas höher am Rande einer kleinen Narbe, die sich Richtung Brustbein zog. Aber das war noch nicht alles, es gab noch eine weitere kleine Narbe am linken Brustkorbrand. Und dann war da diese fürchterlich zugerichtete Schulter.
Ihr Magen krampfte sich zusammen und sie schüttelte sich unwillkürlich.
Im Fernsehen brachten sie ja manchmal Berichte über Unfallopfer, aber sie hatte noch nie mehr als eine Blinddarmnarbe in natura gesehen.

Steve stand nur da und beobachtete ihre Reaktion. Er hatte sie nicht erschrecken wollen, aber er musste sich den Tatsachen stellen. In den letzten Wochen hatte er gelernt, nicht ständig über die Verunstaltungen nachzudenken. Narben brauchen Zeit zum Heilen, seelische wie körperliche. Das hatte ihm auch die Polizeipsychologin versucht einzubläuen, die der Gouverneur ihm unbedingt hatte schicken wollen.

“Halloween brauche ich wohl dieses Jahr kein Kostüm. ” versuchte er die Stimmung etwas aufzuheitern, aber vergeblich.
Chris war wie gebannt weiter auf ihn zugekommen. Jetzt hob sie, ohne weiter darüber nachzudenken, die Hand und berührte sanft mit der Kuppe des Zeigefingers den gröβeren roten Punkt.
“Was war das?” fragte sie leise.
Steve hatte das Gefühl, unter ihrem fragenden Blick zu verbrennen. Ihre Nähe verursachte ihm beinahe eine Gänsehaut, so angespannt war er.
“Das ist von einem Drainage-Schlauch. Ist leider nicht so gut abgeheilt wie die anderen.”
“Und das hier?”
“Auch Drainage”
“Ich hatte gedacht.. Na ja, es sei ein...”Sie beendete den Satz nicht.
“Ein Einschussloch?” er schmunzelte ein wenig. “Nein, das saβ hier” meinte er und zeigte auf die kleine Narbe an der Seite. “Da haben sie schon ein bisschen mehr Platz zum Rangieren gebraucht” Er versuchte, betont lässig zu klingen, aber Chris fand das überhaupt nicht so lustig.
Dann zeigte sie auf die Schulter. Die Worte klangen hohl, als sie ihren Mund verlieβen.
“Was ist denn passiert?”
“Ich war wohl zur falschen Zeit am falschen Ort.” Die Worte, die er auch Tom gegenüber benutzt hatte.

Jetzt wurde Chris Stimme lauter. Sie wollte es wirklich nicht, aber seine lapidare Antwort machte sie auf einmal wütend. “Zur falschen Zeit am falschen Ort? Ist das alles, was Du dazu sagen kannst? Ich meine, Du platzt hier herein, bringst mir mein Leben durcheinander, Du siehst aus wie Frankensteins Monster..” Sie brach abrupt ab und schlug die Hand vor den Mund. Das hatte sie nicht sagen wollen. “Es...es tut mir so leid, das wollte ich nicht.” flüsterte sie.

Steve reagierte erst nicht. Er war bei ihren Worten zusammen gezuckt, aber im Grunde hatte sie ja recht. ”Schon gut.”

“Es ist nur – ich bin doch nicht blind! Dein Schulter macht Dir Probleme, das könnte ein Blinder sehen. Du weichst Fragen aus, und nachts flippst Du aus. Und was ist Deine einzige Erklärung? Falsche Zeit – falscher Ort....” Jetzt hatte sie sich wieder in Rage geredet, aber dieses Mal blieb Steve nicht still.
“Das Eine hat nichts mit dem Anderen zu tun. Was wolltest Du auch neben mir wenn ich schlafe? Auβerdem, wenn hier einer ausweicht, bist das doch wohl Du! DU haust doch sofort ab, wenn Dir einer näher kommen will!”

Das saβ. Chris starrte ihn mit offenem Mund an. Langsam füllten sich ihre Augen mit Tränen.
„Was tun wir hier eigentlich?“ murmelte sie, ohne selbst eine Antwort geben zu können.

Etwas an Steve zog sie wie magisch an, aber sie hatte das Gefühl, auf einem Hochseil zu stehen. Konnte sie auf ihn zugehen, ohne in den Abgrund zu schauen und das Gleichgewicht zu verlieren?
Da – jetzt machte Steve den ersten Schritt auf sie zu und streckte die Hand nach ihr aus.
Ihr imaginäres Drahtseil begann bedenklich zu schwanken, so dass sie unwillkürlich zurückwich.
Dann spürte sie ganz real seine Hand, die sich fest um die ihre schloss.

„Bitte Chris – bitte nicht wieder wegrennen. Vielleicht sind wir ja beide hoffnungslose Fälle, aber bitte, bitte lass es uns versuchen, ja? Lass uns darüber reden, okay?“
Steve suchte verzweifelt nach den richtigen Worten.
„Ich mach’ Dir einen Vorschlag: ich erzähle Dir was Du wissen möchtest, und wenn Du Dich danach fühlst, erzählst Du mir, was Dich so quält, dass Du immerzu fort rennen möchtest. Was hältst Du davon?“

„Klingt gut.“ sagte sie leise.
Steve hielt ihre Hand fest, so als hätte er Angst, sie könne es sich wieder anders überlegen.

Es tat gut, seine Nähe zu spüren. Sie war ja eigentlich ein fröhlicher, selbstbewusster Typ, hatte sich in den letzten Monaten ganz gut mit ihrer veränderten Lebenssituation und ihren Mitmenschen arrangiert - jedenfalls meinte sie das. Aber sie fühlte sich schon manchmal einsam, ein Gefühl, dass sie seit seiner Ankunft seltsamer Weise nicht ein einziges Mal mehr gehabt hatte.
Und trotzdem - da war schon wieder dieser fiese Zweifel, der an ihr nagte. Sie hatte ihn schon viel zu nah an sich heran gelassen. Wie sollte sie jemandem erklären, dass sie keine Angst hatte, einen wildfremden Mann in ihrem Haus wohnen zu lassen, aber davor, hier mit ihm zusammen zu sein um zu reden?

Steve gab ihr keine Zeit, eine Antwort auf diese Frage zu suchen. Er zog sie einfach mit sich bis zum Ende des Anlegesteges, erst dort lieβ er ihre Hand los und setzte sich mit baumelnden Beinen an die Kante. Chris folgte seinem Beispiel, wohl bedacht auf einen gewissen Abstand.

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Zur gleichen Zeit versuchte Danny, Steve anzurufen. Störsignal. Zuerst dachte er, er habe sich verwählt. Unmöglich, die Nummer war ja gespeichert. Er probierte die zweite Nummer. Auch gestört. Jetzt wurde er doch nervös. Was hatte der Kerl bloβ angestellt, dass beide Linien tot waren? Wo konnte er nur stecken?
Danny ging geradewegs in Chins Büro, der ihn fragend ansah.
„Tot. Beide Nummern tot.“
„Ich versteh nicht, Danny!?“
„Na, McGarrett. Wollte ihn anrufen, aber beide Leitungen sind tot!
„Das gibt es doch nicht. Gib schon her, ich versuche ihn zu orten.“
Chin ging in den Computerraum und versuchte, die Nummern zu orten.
Erste Nummer: Fehlanzeige.
Zweite Nummer: Ein schwaches Signal, dass er nicht verstärken konnte.
„Seltsam!“ „Was ist seltsam?“ „Na der Ort, von dem gesendet wird – das müsste eine Schlucht sein!“
Beide sahen sich an.

_______________________________

Eine Weile schwiegen sie, dann ergriff Steve das Wort.
„Du willst also wissen, was passiert ist?“ Chris nickte stumm.

„Ich war laufen an dem Nachmittag. Es war ein bisschen stressig gewesen, ein Termin nach dem anderen. Dann muss ich mich manchmal einfach auspowern. Es dämmerte schon, als ich mich auf den Rückweg gemacht hab. Richtig fertig war ich, total entspannt. Hab nur das Shirt getauscht und dachte an Dusche, ein Bier vorm Fernseher, Bett, nix weiter.
Dann kam da dieser Parkplatz. Da parkt selten jemand, es sind zwar Häuser in der Nähe, aber keiner lässt dort gerne den Wagen stehen. Gilt nicht als besonders sicher.
Ein Minivan stand da, eine dieser Familienkutschen, weiβt Du, und ein Mann davor, der hin und her lief. Ich dachte noch 'was für eine Gegend für 'ne der Panne' und bin auf den Platz gefahren, um zu sehen, ob ich helfen kann.
Ich hab ihn angesprochen, er wirkte irgendwie furchtbar nervös. Bin ausgestiegen, hab mir 'ne alte Jacke übergezogen, die zufällig im Wagen lag, und hab ihm meine Marke gezeigt. Aber das schien ihn nicht zu beruhigen, im Gegenteil, er wollte mich offensichtlich loswerden. Er hantierte da mit einem Kanister, das hat mich zwar ein bisschen gewundert, aber dann meinte er 'Alles ok, Officer, bin auf Reserve.' . Ich wollte schon weiterfahren.“
Steve machte eine Pause, um seine Gedanken zu sammeln.
„Dann hab ich die Frau gesehen. Sie saβ auf dem Beifahrersitz. Die Position war so – so unnatürlich, Chris!“ Er sah sie an, und sie bemerkte die Anspannung in seinen Zügen.

„Sie – na ja, sie hing mehr als sie saβ. Der Sicherheitsgurt hielt sie an ihrem Platz, würd' ich sagen. 'Geht es Ihrer Frau nicht gut?' hab ich gefragt oder so. 'Doch doch, alles Bestens.' aber ich bin weiter auf die Tür zugegangen, irgendwas stimmte da nicht. Dann bekam ich von hinten auf einmal eins übergezogen.“
Unwillkürlich hielt Chris die Luft an.
„Ich war wohl nicht lange bewusstlos, aber als ich aufgewacht bin, dachte ich erstmal, der Schädel platzt mir. Benzin. Da war Benzingeruch. Überall. In dem Moment hab ich es kapiert, er wollte das Auto anzünden! Hab' versucht, mich aufzurappeln, aber ich war ziemlich bedröhnt, und er hatte mir meine Handschellen aus dem Handschuhfach angelegt. Die Waffe hatte ich zum Glück hinten eingeschlossen. Bin erst auf die Knie, und dann langsam hochgekommen.
Er stand einfach da, sah mich mit versteinertem Blick an.“
Steve hatte das Gefühl, wieder auf diesem verfluchten Parkplatz zu sein. Er roch das Benzin, spürte förmlich den Hass des Mannes, der neben der offenen Beifahrertür stand. Seine Gedanken liefen im Kreis. Ja, das hier würde immer eine Endlosschleife in seinem Gedächtnis bleiben. Sein Schädel schien wieder zu platzen, wie in dem Moment, als er noch versuchte, Ruhe zu bewahren, und den Mann von seinem tun abzuhalten.

Chris schaute ihn schweigend an. Sein schönes Profil, das sich in diesem Moment in eine steinerne Maske zu verwandeln schien. Sie wusste zwar nicht, was er gerade vor seinem geistigen Auge sah, aber es musste schrecklich sein. Sein Körper war aufs Äuβerste angespannt. Die Kiefer begannen zu mahlen, dann schloss er für einen Moment die Augen und schüttelte sich.
Sie war versucht, ihre Hand auf die seine zu legen, tat es dann aber doch nicht.

„Er stand an der geöffneten Beifahrertür. Ich vielleicht 2 m entfernt vom Wagen. Dann hatte er wie aus dem Nichts ein Feuerzeug in der linken Hand. Mit der rechten drehte er das Kinn der Frau herum zu mir. Ihre Augen waren geöffnet, ganz starr. Sie war tot.“

Chris fröstelte es auf einmal.

‚Ich habe sie geliebt, und das tu’ ich immer noch.’ sagte er. ‚Aber sie wollte gehen. Sie hat mich weggeworfen!’ Steve sprach leise. „Das hat er gesagt. ‚Sie hat mich weggeworfen!’. Ich hab’ auf ihn eingeredet, es nicht zu tun. Hab ihm gesagt, es sei vorbei, jetzt könne sie ihm nicht mehr wehtun. Wollte, dass die Ärmste wenigstens ein vernünftiges Begräbnis bekommt, wenn ich ihr schon nicht mehr helfen konnte.
Er hat nur gelacht. Dann hat er das Feuerzeug an ihre Bluse gehalten. Plötzlich war sie ein Feuerball. Er muss das Benzin auch über sie geschüttet haben.“ Steves Stimme versagte für einen Moment.

Chris wollte etwas erwidern, aber da schaute Steve sie an. Etwas in diesem Blick traf sie bis ins Herz. Da war etwas so Verzweifeltes und Trauriges in seinen Augen, dass es ihr die Sprache verschlug. Dann senkte er den Blick .

„Dann hab’ ich das Weinen der Kinder gehört.“ Steves Stimme war nur noch ein heiseres Flüstern.
Chris starrte ihn an, ohne ein Wort herauszubekommen.
Er hob den Kopf wieder. Jetzt waren Tränen in seinen Augen. „Zwillinge.“ Er stockte.
„Etwa zwei Jahre alt. Ein Mädchen und ein Junge. Sie haben auf der Rückbank geschlafen. Vielleicht hatte er sie auch betäubt. Ich weiβ es nicht. Plötzlich waren sie da, wach, auf dem Sitz.
Sie hatten Angst. Sie fingen an zu schreien, Chris. Riefen nach ihrer Mam. Streckten die Händchen nach ihrem Vater aus. Aber der starrte sie nur an.“ Steve musste eine Pause machen, überwältigt von der Erinnerung.
„Ich bin zu den hinteren Tür gerannt, aber sie waren verschlossen. Ich habe ihn angebrüllt, er solle die Kinder rauslassen. Das Schwein hat nur gelacht. Auf einmal hatte er eine Waffe in der Hand. Klein. Zuerst hab ich sie gar nicht bemerkt. War zu konzentriert auf dieses Fenster. 'Ich muss es einschlagen und sie da rausholen', an mehr hab ich nicht gedacht. Er schlug die Beifahrertür zu und drückte einfach ab, in dem Moment, als ich die Arme gehoben hatte, um Schwung zu holen.“


„Oh mein Gott“ entfuhr es Chris. „Er hat Dich voll getroffen?“
„Ich weiβ nicht mal, ob ich den Treffer überhaupt direkt gespürt habe. Da waren diese Gesichtchen am Fenster, diese aufgerissenen Augen. Sie hatten furchtbare Angst und ich hab sie nicht da raus geholt. Ich hab sie nicht gerettet....“ seine Stimme versagte wieder, den Blick starr auf das Wasser zu seinen Füssen gerichtet.
„Wie furchtbar – sind sie ….?“
„Erstickt. Ja. Das HPD hat ihre kleinen Körper auf dem Rücksitz gefunden.“
Das Wort 'Leichen' wollte ihm nicht über die Lippen. Er hatte schon Kinderleichen gesehen, ja. Aber das hier war irgendwie anders. Er hatte ihre Schreie noch in den Ohren, meinte den Brandgeruch zu riechen. Er fühlte sich verantwortlich für ihren Tod. Tränen stiegen ihm in die Augen. „Ich habe sie nicht gerettet.“ wiederholte er tonlos.
„Aber das ist doch nicht Deine Schuld!“ Chris war völlig aufgewühlt. “Du warst doch verletzt. Hat er Dir sehr weh getan?“ Sie rang immer noch nach Fassung.
„Am Anfang habe ich keinen Schmerz gespürt. Ich wollte nur das Fenster aufbrechen, sonst zahlte nichts. Aber dann, ja, dann hat es weh getan. Wie soll ich Dir das erklären – der Schmerz wurde immer heftiger, und je schlimmer er wurde, desto weniger konnte ich atmen. Es war, als ob jemand meine Brust in einen Schraubstock geklemmt hatte.“
Jetzt, wo es nur noch um ihn selbst ging, wurde Steve wieder ruhiger. Chris dagegen malte sich die Szene aus, ihr war zum Weinen zumute.
„Es war – ja, als ob mich zwei riesige Hände gepackt hätten. Erst an der Hüfte, und dann immer weiter oben. Ich hab mir schon mal Streifschüsse gefangen, auch 'ne Kugel früher, aber das hier.... Ich dachte, mir zerspringt der Brustkorb. Je mehr ich Luft holen, desto weniger ging rein. Ich hab' angefangen zu japsen glaub ich.“ Chris spürte förmlich, wie sich sein Körper langsam wieder verkrampfte, je weiter er in die Welt dieser verdrängten Erinnerung vordrang.
„Mein Herz fing an zu rasen, ich konnte meinen Puls in den Ohren klopfen hören. Diese verdammten Lungen – ich kriegte einfach keine Luft mehr. Bist Du schon mal bei Eiseskälte gerannt?“ fragte er sie urplötzlich
„Gejoggt, ja.“ antwortete sie mehr mechanisch, als gedanklich bei der Sache.
„Dann weiβt Du, wie sich das anfühlt, ja?“ .Sie nickte.
„Tausend Nadelstiche, wenn die kalte Luft in Deine Lungen dringt, nicht wahr? Okay, und das hier fühlte sich an wie tausend Rasierklingen.“
Wie zur Verdeutlichung legte er seine Hand auf die Brust.
Chris sah, dass sie zitterte, und verstand. Dieser Mann hier mochte zwar ein extrem hart ausgebildeter und voll durchtrainierter Ex-Soldat und Ermittler sein, aber in dem Moment, den er ihr gerade versuchte zu schildern, hatte ihn die Todesangst gepackt. Die nackte Panik war in seinem Körper aufgestiegen, die Angst, zu ersticken hatte sich von Atemzug zu Atemzug verstärkt, obwohl ihm ja gleichzeitig wiederum Atmen die einzige Rettung erschien.
„Und die Schulter?“ fragte sie, als sie merkte, dass er auch jetzt unwillkürlich die Luft anhielt.
Er atmete hörbar aus. „Je weniger Luft ich bekam, desto merkwürdiger fühlte ich mich. Benebelt. Alles verschwamm mir vor den Augen. Sogar dieses Auto. Ich stand daneben, ich fühlte die Hitze, aber ich hatte keine Kraft, mich zu rühren. Sie schrieen nicht. Nicht mehr. Irgendwie fühlte sich alles falsch an, verdreht, und ich spürte dieses Herzklopfen. Im Hals, im Kopf.“ Pause.
„Mir wurde schwarz vor Augen. Schwindelig. Dann waren die Beine auf einmal wie Pudding. Ich bin zusammengesackt wie ein Mehlsack glaub' ich. Es war heiß da. Überall. Die Luft, das Auto, alles. Auch mein Arm. Aber der gehörte irgendwie nicht mehr zu mir. Ich hab' einen Schmerz gespürt, aber nur kurz. Und eine Sirene gehört. Dann weiβ ich nichts mehr.“ Steves Stimme war immer leiser geworden, sein Blick verloren.
Chris fühlte sich furchtbar zerrissen. Ein Teil ihres Verstandes und auch ihr Körpers spürten deutlich, dass Steve ihnen gerade sein Innerstes bloβgelegt hatte. Er war so verwundbar in diesem Moment, aber es hatte sich gleichzeitig auf wundersamen Weise eine schmale Brücke zwischen ihnen aufgetan. Sie brauchte nur darauf weiter zu gehen, langsam zwar, aber stetig.
Der Teil ihres Ichs, der das erkannte, wollte aufstehen und ihn trösten.
War es Mitleid? War es vielleicht nur Mitleid? Nein. Es war da ein Verlangen in ihr, dass sie nicht in Worte fassen konnte. Sie wollte diese Lippen zärtlich berühren, die gerade so schreckliche Dinge hatten aussprechen müssen. Die Wärme seines Körpers spüren und diese Narben auf seiner Haut und in seiner Seele unter ihren Küssen verblassen lassen. Seine Hände auf ihrer Haut spüren, überall.
Nein, sie konnte es nicht zulassen. Da war diese andere Stimme in ihrem Kopf, die ihr deutlich sagte ‚Du bist nicht dazu bereit, Chris. Noch nicht.’

Steve drehte sich zu ihr um. In seinem Blick stand die Frage deutlich geschrieben. „Was nun?“

Sie war der erste Mensch, dem er alles erzählt hatte, woran er sich erinnerte. Fast alles jedenfalls. Nicht, dass es ein Geheimnis gewesen wäre, aber er hatte sich einfach nie stark genug gefühlt, darüber zu sprechen. Er empfand sich immer noch als Versager, auch wenn ihm jeder beteuerte, er habe sich nichts vorzuwerfen.
Vielleicht, wenn er sich nicht von der Panik hätte überrollen lassen, hätte er es doch geschafft? Diese beiden winzigen Kreaturen retten können?
Chris hatte ihm nur durch ihre Anwesenheit die Kraft gegeben, sich mit diesem Teil seines Lebens auseinanderzusetzen. Sie war eine auβergewöhnliche Frau. Er wollte ertrinken in ihren wunderschönen grünen Augen.

Er streckte seine Hand nach ihr aus. Streichelte ihre Schulter sanft mit den Fingerspitzen. Für einen Moment hielt sie still. Dann erschien wieder dieses Misstrauen in ihrem Blick. Sie löste seine Berührung mit der anderen Hand und hielt einfach seine Hand in der ihren.
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BeitragThema: Re: AUSZEIT   So Okt 20, 2013 8:18 pm

Kapitel 7

Kono sah die beiden Maenner stumm am Bildschirmtisch stehen. Auf dem Monitor war eine Peilung in einem Waldgelaende zu sehen. Neugierig verliess sie ihr Buero.
“Hey Jungs, Neuigkeiten von den Daltons?” Sie verwies mit dem Kinn auf den Monitor.
Danny schuettelte nur stumm den Kopf.
“Steve – sein Signal kommt aus einer Schlucht, in der es eigentlich keine Strasse geben kann.” Chin antwortete an Dannys Stelle.

“Ja sagt mal, spinnt Ihr? Ich finde auch, der Boss koennte bald wieder auftauchen, aber Ihr koennt ihn doch deshalb nicht ausspionieren!” Kono war fassungslos. So sehr auch sie sich inzwischen McGarrets Angewohnheit zu eigen gemacht hatte, Absprachen schon mal etwas grosszuegig auszulegen, ihm selbst gegenueber fuehlte sie sich irgendwie verpflichtet.
“Was heisst hier ueberhaupt Schlucht ohne Strassen? Er hat a)eine Gelaendemaschine und ist b)in einer biologischen Forschungsstation eingeladen. Die nehmen doch keine Proben auf der Autobahn!”

“Du hast ja Recht, Kono!” meldete sich jetzt Danny zu Wort. “Sagen wir einfach, mein grosser Zeh juckt, und das ist ein ziemlich verlaessliches Zeichen dafuer, das etwas nicht so laeuft, wie es soll.”

“Vorschlag an Sherlock Holmes und Dr. Watson: Heute Abend muesste ich eigentlich Catherine bei Emily's sehen, dann frag ich sie, was sie von der Sache haelt, und ob sie womoeglich die Telefon-Nummer seiner Feunde hat. Falls die denn in der Gegend da erreichbar sind.”

 ___________________________________

Steve zog seine Hand wieder weg. Er war wuetend, aber er wusste selbst nicht so recht, ob auf Chris, oder auf sich selbst.
Sie hatte ihn zurueckgewiesen. Oder jedenfalls fast. Es war nur halbherzig gewesen, und sie hatte seine Hand ja nicht ganz fallen lassen. Vielleicht lag es an ihrem Blick, dass er sich trotzdem abgewiesen fuehlte?

Langsam erhob sie sich. Er blickte nicht auf, hoerte nur auf ihre sich entfernenden Tritte.

“Bitte, geh nicht.” Steve war sich nicht einmal bewusst, laut ausgesprochen zu haben, was er dachte.

Chris zoegerte.

“Bleib. Bitte.” Zwei kleine Worte, die soviel aussagten. Der sanfte, flehende Klang seiner Stimme verursachte ihr ein Kribbeln im ganzen Koerper.
Mit zoegernden Schritten kam Chris zurueck.  Ein Laecheln ueberzog Steves Gesicht, dann erhob er sich.
Sie schaute zu ihm auf und hatte das Gefuehl, die Waerme, die in seinen Augen lag, auf ihrer Haut spueren zu koennen.
“Sie sind schoen!” sagte sie nur, als sich ihren Blicke trafen. Er hob eine Augenbraue und sah sie fragen an. “Deine Augen. Sie sind so...so geheimnisvoll. Immer anders. Wunderschoen.”
“Geheimnisvoll? Und ich dachte, sie verraten alles. Auf den ersten Blick.” Sein Laecheln bekam etwas Verfuehrerisches.

Chris hob ganz langsam ihren Arm. In dem Moment, als sie seinen Unterarm beruehrte, hatten beide das Gefuehl, Feuer zu fangen. Sie streichelte vorsichtig seine warme Haut, fuehlte, wie sich die Haerchen unter ihrer Beruehrung aufstellten.
Steves Blick war inzwischen wieder ernst geworden. Er streckte seine rechte Hand aus und beruehrte sanft ihren Hals. Dann beugte er sich langsam vor. Er fing kurz ihren Blick auf, dann neigte er seinen Kopf. Sie spuerte seinen Atem auf ihrem Gesicht, dann die hauchzarte Beruehrung seiner Lippen auf den ihren. Ihr Herz schlug schneller und schneller. Vorsichtig erwiderte sie seinen schuechternen Kuss.

Seine Finger spielten mit den Haaren in ihrem Nacken. Noch immer trennten sich ihre Lippen nicht, auch nicht, als seine Hand ihren Hals losliess und langsam ueber ihre Schulter streichelte. Seine Finger fanden wie von Geisterhand ihren Weg unter den duennen Stoff ihrer Bluse. Er hob sie leicht an und spuerte, wie das leichte Material abglitt und ihren Arm hinabrutschte. Sie zog ganz automatisch die Hand aus dem Aermel und schuettelte ein wenig den anderen Arm, so dass die Bluse gaenzlich zu Boden glitt.
Steves Mund loeste sich von ihrem und er schaute ihr tief in die Augen. Ihrer beider Atmung war schneller geworden, aber Chris meinte, auch seinen beschleunigten Puls wahrnehmen zu koennen. Sein Blick war nicht mehr einfach sanft, wie am Anfang, sondern verklaerte sich langsam. Seine Beruehrung wurde fester, bestimmter. Die Stimme war rauher als sonst, als er sagte “Ich bin froh, dass Du nicht gegangen bist, Chris.”

Es schien ihr fuer einen Moment, als haette ihr Koerper endlich die Herrschaft ueber ihre Angst uebernommen. Ihr Hand bewegte sich wie von sebst ueber seinen freien Arm, hinauf zum Bizeps. Sie schloss fuer eine Sekunde die Augen, um die Muskeln unter ihren Fingern bewusster zu spueren.

Er hatte bisher nur ihren Hals liebkost, ihre Schulter. Nun begann er, mit seinem Zeigefinger ihr Schluesselbein entlang zu streicheln, und weiter zur Mitte.
Sie spuerte, wie sich ihr Puls beschleunigte, aber ploetzlich wurde ihr klar, warum. Langsam kam die Gaensehaut auf. Seine Fingerspitz glitt auf dem Top vorsichtig durch die Furche zwischen ihren Bruesten. Da begann sie zu zittern. “Fass mich nicht an. Bitte.”

Steve zuckte zurueck. Das Gefuehl, einen Schlag in den Magen bekommen zu haben, nahm ihm den Atem. Sie hatte es doch auch gewollt, er hatte ihre steigende Erregung gespuert, so wie die eigene. Er drehte sich wortlos wieder zum See um und setzte sich. Sie ansehen war nicht mehr moeglich, sonst haette er sie an sich gerissen.

“Was hat er Dir angetan?” fragte er mit angespannter Stimme. Sie antwortete nicht. “Was zum Teufel hat dieses Schwein Dir nur getan, Chris. Sag es mir. Er hat Dir wehgetan, nicht wahr? Bitte, Du darfst nicht zulassen, dass er das hier zerstoert! Ich will Dich, Chris, ich will Dich so sehr – und Du mich doch auch. Sag mir, dass ich Recht habe!”

Jetzt sah er zu ihr hoch. Es war ihm anzusehen, dass ihre Reaktion ihn verletzt hatte. Sie fuehlte sich wie eine Verraeterin. Nein, sie durfte nicht zulassen, dass die Erinnerung an das, was Sven ihr angetan hatte, ihr Leben weiter beeinflusste. Sie musste dagegen ankaempfen. Und Steve hatte Recht. Sie wollte ihn auch. Bei Gott, sie wollte ihn auch. Wenn er ihr nur die Zeit liesse, Stueck fuer Stueck koennte sie es vielleicht schaffen.

Sie sah in seine Augen, die gerade so unglaublich traurig waren. Er nahm sein T-Shirt, das er vorhin auf den Steg gelegt hatte, und begann, es anzuziehen.
Da liess sie sich neben ihm auf ihre Knie hinab und setzte sich auf die Fersen. Ganz nah bei ihm, umrahmte sie praktisch seine Huefte mit ihren Beinen. Er konnte die Waerme ihrer Oberschenkel durch den Stoff spueren, an seinem linken Bein und an seinem Gesaess. Das Gefuehl war irgendwie beunruhigend.
Dann packte sie den Saum des Shirts, noch bevor er es ganz herunter ziehen konnte, und zog es vorsichtig wieder hoch. Wie im Reflex hob er die Arme und liess es sich ueber den Kopf ziehen.

Was um alles in der Welt hatte sie jetzt vor? Er war doch keine Feder, die man immer wieder bis zum Aeussersten spannen und dann flitschen lassen konnte! Diese Frau machte ihn noch wahnsinnig.
Steve hielt den Atem an.

“Bitte, verzeih mir!” fluesterte sie. “Gib mir etwas Zeit, okay?”
Steve nickte stumm und schaute geradeaus aufs Wasser hinaus.

Er fuehlte, wie sie seine Schulter beruehrte. Mit den Fingerspitzen ihrer Linken begann sie, vorsichtig die Konturen der Transplantation nachzuzeichen. “Spuerst Du einen Unterschied?” fragte sie sanft.
“Ein wenig. Am Anfang, als es noch nicht so eingeheilt war,  war es ein seltsames Gefuehl. Manchmal spannt und brennt es noch sehr. Aber eigentlich spuer' ich auch die anderen Narben ab und zu. Wird wohl das Alter sein.” meinte Steve mit einem ironischen Unterton in der Stimme.
“Schade um das Tattoo.” kam es von ihr.
“Gefaellt es Dir?”  
“Nee – ich mag Maenner mit Tatowierungen nicht.” meinte Chris mit gespielter Abscheu, und beruehrte mit ihren Lippen den unversehrten Teil.
Er konnte es kaum fassen- sie kuesste seine Schulter, einfach so aus dem Nichts heraus.
“Dann haben wir ein Problem.” meinte er neckend.
“Ich kann ja die Augen zumachen, wenn ich es nicht mehr ertrage.” stellte Chris klar,  nur um sich dann anschliessend mit zarten Kuessen bis zur neuen Haut vorzuarbeiten. “Wobei das eigentlich schade waere, bei so einem Prachtkoerper.” Darauf fiel ihm nun nichts mehr ein.  

Langsam begann Steve, sich zu entspannen und ihre Naehe bewusster wahrzunehmen.

Ihre rechte Hand lag still auf ihrem Oberschenkel, aber er konnte sie an der blanken Haut seines Rueckens spueren.
Waehrend ihre Lippen noch seine Schulter liebkosten, bewegte sich ihre Hand ueber seinen Oberarm, um dann auf seine Brust zu wandern. Als sie die Schusswunde ertastete erschauerte sie, was sich auch auf ihn uebertrug.
Waehrend sie Zentimeter um Zentimeter unbekanntes Terrain erkundeten, waren Chris' Finger aufs Auesserste gestreckt. Sie beruehrten seine Haut so vorsichtig, dass Steve sie mehr erahnte als fuehlte. Er fokussierte sich so auf diese Wanderung, dass er darueber fast das Atmen vergass. “Luftholen!” gebot sie ihm mit spielerischem Befehlston.
Ihre Fingerkuppen spielten mit dem Flaum auf seinem Oberkoerper und erreichten dann sein Brustbein.

Chris spuerte, wie Waerme in ihr aufstieg und ihr Atem flacher wurde. Ihre Stirn hatte sie inzwischen gegen Steves Schulter gepresst. Sie wollte sich ganz auf ihn konzentrieren, auf diesen Koerper, den es zu entdecken galt wie einen fremden Kontinent. Das war vielleicht  weder der “richtige Ort”, noch die “uebliche” Art und Weise, aber sie hatte Angst, ihn nochmals gehen zu lassen.
Sie wollte ihm ein fuer alle Mal klarmachen, wie sehr sie ihn mochte, ja, ihn begehrte. Wenn er nur nicht ungeduldig wurde. Wenn er ihr die Chance gab, ihre Angst vor seinen Beruehrungen abzubauen.
Seine nackte Haut zu spueren,war ein Anfang. Sie liess ihre Fingerspitzen langsam weiter nach unten gleiten, bis zu dem Punkt, wo sie seinen Brustkorb geoeffnet hatten, um sein Leben zu retten. Wieviel davon mochte er mitbekommen haben?
Jetzt waren auch seine Atemzuege flacher geworden, im Gegenzug konnte sie sein Herz deutlich schlagen fuehlen. Es schien ihr, als sei es im Gleichklang mit ihrem eigenen. Fuer einen Moment verhielt sie ihre Hand so.

Steve konnte sich nicht erinnern, jemals eine aehnliche Erfahrung mit einer Frau gemacht zu haben.
Obwohl die  Bewegungen ihrer Hand etwas Unschuldiges hatten, begann sein Herz schneller zu schlagen und sein Blutdruck zu steigen. Sie hatte jetzt die Narben erreicht und streichelte sanft seinen geschundenen Oberkoerper, behandelte die Verletzungen mit unendlicher Zaertlichkeit.
Schliesslich rutschte ihre Hand weiter ueber den Rippenbogen auf seinen Bauch.
Der Effekt liess nicht auf sich warten. War er eben noch entspannt gewesen, so spuerte er jetzt die unwillkuerliche Kontraktion seiner Muskeln. Sein Bauch machte ploetzlich dem Begriff Waschbrettbauch alle Ehre.  

Auch fuer Chris begann Neuland. Es war das erste Mal, dass sie einen solch sportlichen Koerper anfasste. Sie spuerte, wie sich Steves Bauchmuskeln beim Kontakt mit ihrer Hand anspannten. Langsam, fast im Zeitlupentempo, umrundete sie jedes der jetzt deutlich hervortretenden Muskelbuendel mit ihrem Zeigefinger. “Du bist so sexy, weisst Du das?” wisperte sie mit einer Stimme, die sie selbst nicht wiedererkannte. Ihre Feststellung veranlasste ihn zu einem leisen Seufzer.
Dann wiederholte sie die kreisende Bewegung um seinen Bauchnabel herum. Steve hatte sich jetzt mit beiden Armen fest auf dem Steg abgestuetzt und hielt die Augen geschlossen. Sein Sixpack war noch immer angespannt. Die Vorstellung, dass es allein ihre Beruehrungen waren, die seinen Koerper reagieren liessen, begann auch wundersame Reaktionen in Chris Koerper hervorzurufen. Sie loeste ihre Stirn von seiner Schulter.

“Bitte, schau mich an. Nur anschauen!” fluesterte sie. Steve tat wie geheissen, oeffnete die Augen  und drehte den Kopf. Sein Atem ging jetzt stossweise, wie ihr eigener. Chris beugte sich etwas weiter vor, ihre Blicke trafen sich, bevor sie ihre Augen schloss und ihn kuesste.

Auch er schloss die seinen und hatte ploetzlich das Gefuehl, in einen Strudel geraten zu sein.
Ihre Hand begann wieder zu wandern, er spuerte deutlich, wie ihre Finger die Haare in der Mitte seines Bauches streichelten und dann entlang des Gummibundes seiner Shorts trippelten.
Trippelten, wie die Fuesse eines Joggers, den den Strandsaum entlang lief und sich nicht ins Wasser  wagte.
Dann wagten sie es doch. Zeitgleich mit ihrer Zungenspitze, die sich neugierig aus ihrem Versteck in Chris suessem Mund wagte, begannen auch ihre Fingerspitzen ihren Erkundungsausflug.
Zuerst der kleine Finger, dann der Ringfinger, und dann die anderen. Sie schoben sich unter den Gummibund und verlassten sein Becken dazu, sich ihnen entgegen zu recken. Es war eine ganz  automatische Bewegung, Steve spuerte, wie er immer mehr die Kontrolle ueber die Reaktionen seines Koerpers verlor.
Chris' Kuss raubte ihm den Verstand, ihre Hand alles Uebrige. Als sich ihre Lippen letztendlich von seinen loesten, stoehnte er leise auf. Ihren Kopf an seine Brust gelehnt, waehrend er sein Kinn darauf aufgestuetzt hatte, liebkoste sie seinen empfindlichsten Bereich mit unendlicher Vorsicht. Ja, sie war vorsichtig, aber auch bestimmt. Steves Haende krampften sich in sein T-Shirt. Jede Faser seines Koerpers schrie danach, nach Chris zu greifen, ihre Zaertlichkeiten zu erwidern, die Kleider abzustreifen und ihre nackte warme Haut auf der seinen zu spueren.
Es kostete ihn schon Selbstbeherrschung, sich nicht zu ihr umzudrehen. Aber mit jeder Sekunde, die er das Blut laenger in seinem Unterleib pulsieren fuehlte und sie weiter gewaehren liess, wusste er auch, das es bald um diesen Teil seiner Selbstbeherrschung geschehen sein wuerde. “Oh bitte nicht, ahhhhh... Nicht....” stiess er gepresst hervor. “Schscht... nicht....sprechen...” Gab sie atemlos zurueck, um nichts langsamer werdend in den zaertlichen Bewegungen ihrer Finger. Sie hielt ihn umfasst, wie im Ganzen jetzt mit ihrer freien Hand auf seinem Ruecken, so mit ihren sanften Fingern um das Zentrum seiner Erregung. Steve fuehlte, dass sich seine Muskeln wie auf einen geheimen Befehl anspannten, von seiner Koerpermitte breitete sich ein wohliges Zittern aus, bevor er das Gefuehl hatte, von einer gigantischen Welle erfasst und dann auf einem einsamen Strand angespuelt zu werden.

Er rang nach Atem, aber auch nach Fassung.
Es waere eine Luege gewesen, zu behaupten, es habe ihm nicht gefallen. Er wollte, dass es nicht dabei blieb, wollte ihr all' das geben, was sie ihm gerade gegeben hatte, und noch viel viel mehr. Aber – es war gut gewesen. Verdammt gut.
Chris schien, ebenfalls schwer atmend, nur damit beschaeftigt zu sein, ihre blutleeren Beine aus der ungesunden Position zu befreien. Sie streckte sich vorsichtig auf dem Steeg aus, um wieder Gefuehl hinein zu bekommen.
Seinen gequetschten Kniekehlen zuliebe zog er ebenfalls die Beine hoch. Tja, er wuerde sich wohl umziehen muessen.

Steve ertappte Chris dabei, ueber seinen kritischen Kontrollblick auf seine Shorts zu schmunzeln. Ihre gruenen Augen blitzten frech auf.
“Du kleines Biest. Meine kleine Wildkatze.” Dann grinste er ploetzlich auf eine merkwuerdige Art und Weise, die Chris fragen liess “Was denn ???”
“Mmhhh.....”
“Was 'mmhhh'???”
“Bist Du eigentlich Linkshaenderin?”
“Nein, wieso fragst Du?”
“Na ja, wenn nicht, dann frag' ich mich, was denn Deine Rechte so kann.......???”
Chris' Gesicht wechselte die Farbe, dann fing sie sich und fluesterte nur “Find' es doch einfach heraus.......!!!!”


Zuletzt von buggie am Mi Apr 09, 2014 11:11 am bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: AUSZEIT   Mo Nov 04, 2013 10:41 pm

Kapitel 8

“Heiβt Du eigentlich wirklich Chris?“ Steve hatte sich neben ihr ausgestreckt und eine Weile nur die ziehenden Wolken am Himmel betrachtet.

„Christina, Christina Carmen ist mein Taufname.“

„Hübsch.“  Die unerwartete Intimität hatte eine so wohlige Stimmung in ihm ausgelöst, Steve fühlte sich aufgekratzt und zutiefst entspannt im gleichen Moment. Aber so gern er ihr das sagen wollte, er fand nicht die richtigen Worte, also blieb er einsilbig.Und nachdenklich.

„Es ist verrückt!“ Chris schaute ihn fragend von der Seite her an. „Seit ich hier bin, hab‘ ich alles andere verdrängt.  Meinen Job meine ich, Five-O, Danny und die anderen. Das bin einfach nicht ich – und was müssen erst die anderen von mir denken.“
Seine Worte klangen eigentlich eher nach Verwunderung über sich selbst denn nach Vorwurf. Chris stützte sich auf den Ellenbogen auf und betrachtete ihn. Dann streckte sie eine Hand aus und legte sie auf eine seiner Narben, was Steve zum Erschauern brachte. Er legte seine Hand auf die ihre und verschränkte ihre Finger miteinander, dann sah er ihr tief in die Augen.

„Es war ein schlimmes Erlebnis, da ist es doch normal, dass Du einmal aus Allem ausbrechen musstest.“ meinte Chris. „Man kann halt nicht immer alles so wegstecken, ohne dass etwas zurück bleibt.“ Sanft streichelte sie mit ihrem Daumen über die Narbe. Steve mochte ihre Art, wie sie darüber dachte, und noch mehr ihre zärtliche Berührung. Er hatte jedoch das eigenartige Gefühl, dass es bei dieser Bemerkung gar nicht so sehr um ihn ging, deshalb antwortete er nicht, sondern drückte nur fester ihre Hand.

Chris lieβ sich wieder auf die Holzbretter zurückfallen und fixierte stumm einen Ast über ihr.
„Mein Ex hatte getrunken,“ begann sie dann unvermittelt „das machte er schon eine Weile wenn er in Partystimmung war. Danach war er oft unberechenbar. Er konnte lieb und nett und furchtbar zerknirscht wirken, oder völlig ausflippen. Man konnte es nie vorher abschätzen. Meine Schwester hat mich gewarnt, sie meinte, er würde mich als sein Eigentum sehen, und meinen eigenen Willen, meine Interessen irgendwann ersticken. Am Anfang war ich zu verliebt, zu naiv, ich wollte es nicht wahr haben. Dann, mit der Zeit, hab‘ ich mich irgendwie damit arrangiert. Aber so was geht nicht bis ins Unendliche. Er wurde immer beherrschender, war eifersüchtig auf alles und jeden. Ich kann Eifersucht nicht vertragen.“  Sie schaute Steve offen ins Gesicht. „Man muss sich doch vertrauen können – wenn ich Dir sage, dass ich Dich liebe, dann meine ich das auch so, und erwarte, dass Du mir glaubst.“
Sie hatte das nur so dahin gesagt, aber Steve fühlte bei ihren Worten eine Wärme in sich aufsteigen, die ganz neu und unbekannt war. Er nickte nur.

„Du hast keine Kinder, oder?“ Steve schüttelte den Kopf. „Ich wollte immer Kinder. Eins, zwei, drei – ganz egal, hab ich früher mal gedacht“
'Eins, zwei,drei – ganz egal' ? Na so egal war das ja nun auch nicht, oder? Steve schluckte unmerklich.
Sie fuhr fort „Aber Sven wollte keine Familie. Er wollte Statussymbole, auch lebendige – das nette Frauchen, den gut geratenen Erben usw. Man muss schlieβlich was zum Vorzeigen haben. Wir haben angefangen zu streiten, uns endgültig zu entzweien, und ich habe heimlich die Pille weiter genommen. Kein Kind sollte in eine solche Situation hineingeboren werden.“ Chris Stimme verebbte, sie starrte wieder zum Himmel.

„Warum seid Ihr dann hergekommen?“ fragte Steve leise.

„Er wollte hier ein paar Luxusobjekte für seine Agentur auswählen. Ich war seine Assistentin, also musste ich mit. Ich wollte nicht, weil mir klar war, dass unsere Beziehung am Ende war. Er hat mich überredet, wieder mal. Als wir eine Weile hier waren, hat er dann angefangen, mich immer weiter abzukapseln, von Bekannten,  sogar vor seinen Geschäftspartnern. Dabei war ich seine rechte Hand, habe immer die Vertragsentwürfe, die Fototermine und was weiβ ich sonst noch organisiert! Es war einfach lächerlich. Er hätte mich am liebsten im Hotelzimmer eingeschlossen. Einmal hat er mir eine riesige Szene im Foyer gemacht, weil ich dann allein an den Strand gegangen bin‚ seiner Meinung nach nur ‚um in diesem Stofffetzen die Männer anzumachen‘. Dabei hatte er mir den Bikini selbst geschenkt…“ Chris seufzte leise.

Steve hatte sich auf die Seite gerollt und schaute sie nur schweigend an, während er weiter ihre Hand hielt. Er spürte, wie Chris sich langsam immer mehr verspannte, je weiter sie sich den verdrängten Erinnerungen zu nähern schien, er wusste ja selbst, wie schwer dieser Weg war. Ihm hatte man über viele Jahre systematisch beigebracht, wie man so etwas machte, das Verdrängen, immer mit dem zweifelhaften Anspruch, seinen Verstand gesund und sein Gewissen halbwegs mit sich im Reinen zu halten. Es gab ja schlieβlich schon genug seelische Wracks unter den Ex-Soldaten, da versuchte man sich natürlich in den oberen Etagen  an Schadensbegrenzung. Aber dieses zarte Wesen hier neben ihm hatte es scheinbar in ganz kurzer Zeit auch ‚lernen‘ müssen, und das ganz ohne ‚Hilfe‘.
Wieder kam das Verlangen in ihm auf, sie einfach festzuhalten und ihr zu zeigen, dass sie sich IHM anvertrauen konnte. Ja, dass sie ihm sogar ihr Herz anvertrauen konnte. Nachdem SIE ihm geholfen hatte, sein eigenes wieder zu finden, das zu haben er für viele Jahre fast verdrängt hatte.

„Dann hab‘ ich einfach gemerkt, da war eine andere.“ Chris‘ Stimme klang hohl. „All‘ diese Ausreden, er kam immer später… trank … und wurde immer aggressiver mir gegenueber. Ich habe sie zusammen gesehen, im Market Place. Sven dachte, ich sei bei einem Kunden, er hat mich nicht bemerkt zum Glück. Ich war so froh, Steve!“

„Froh?“ Steve verstand nicht ganz.

„Na ja, ich wollte ihn ja verlassen, aber irgendwie hatte ich nie die Kraft, mir fehlte der richtige Grund. Ich bin nicht so der selbstbewusste Typ in Beziehungsfragen, weiβt Du.“ Ihre Augen schimmerten feucht. „Es tat schon weh, aber eher wie verletzte Eitelkeit. Ich liebte ihn einfach nicht mehr.“

Er hätte es ja nie zugegeben, aber irgendwo in Steves Innern tanzte ein Teufelchen Samba. Oder war's Lambada?

„Ich habe einfach beschlossen, so zu tun, als hätte ich nichts gemerkt. Er hatte mich ja 3 Wochen lang fast ignoriert, verleumdet, getan als wär’ ich Luft, bis auf seine Eifersucht natürlich.“ Chris entzog ihm die Hand und setzte sich auf, was Steve dazu bewog, das auch zu tun. Etwas in ihrer Stimme machte ihn hellhörig.

„Nur noch zwei Tage… Dann ab nach Deutschland, meine Sachen in seiner Wohnung zusammen packen und fortgehen, an dem Gedanken hab ich mich festgekrallt. Er war ja meistens abends  nur kurz ins Hotelzimmer gekommen, oft leicht beschwipst, hatte sich umgezogen und war wieder abgerauscht. ‚Termine, Schatz..‘ . Also hatte ich ja meine Ruhe...Ist dann spät wiedergekommen, betrunken meistens, oder ist gar nicht  aufgekreuzt.“ Die Vibration in ihrer Stimme nahm zu.

„Was ist dann passiert?“ fragte Steve sanft. Sie durfte jetzt nicht aufgeben, sie war so nah dran, das sagte ihm sein kriminalistischer Spürsinn. Er konnte – nein er wollte - nicht zulassen, dass dieser Kerl, was immer er ihr angetan hatte, sie weiter wie ein böser Geist von ihm fernhielt.

Chris spürte, dass der Commander McGarrett ihr helfen wollte, aber sie war nicht sicher, ob der Steve McGarrett, der da neben ihr saβ, mit der Wahrheit umgehen konnte.
„Ich wollte gerade in die Bar gehen, da kam er an, reichlich angeheitert. Wollte nicht, dass ich runter gehe. Hat rum geschriehen, ich wäre seine Frau, ich hätte bei ihm zu bleiben. Dann hat er angefangen, mich wie wild zu begrapschen, da hab ich mich im Bad eingeschlossen, in der Hoffnun, dass er sich beruhigt. Als ich nach einer Weile wieder raus kam, war er weg.“

„Dann ist er aber doch wiedergekommen?“
Chris atmete hörbar schneller. „Am nächsten Morgen. Ich hab‘ meinen Koffer gepackt, wäre auch ohne ihn geflogen. Da steht er plötzlich im Türrahmen, sturzbesoffen.“ Stille „Hat gesagt, dass er bei ihr war. Dass er sich jetzt holen werde, was ich ihm nicht freiwillig geben wolle.“ Sie begann zu weinen, schaemte sich, die Worte auszusprechen. Wollte einfach nicht, dass Steve DAS über sie erfuhr. Der wusste selbst nicht, ob er wirklich mehr wissen wollte, hatte Angst vor seiner eigenen Reaktion – seinen eigenen Gefühlen.
„Er hat mich auf ’s Bett geworfen, ich bin gegen den Pfosten geknallt und ohnmächtig geworden.“ Sie schluchzte leise weiter.
‚Bitte, lass es das gewesen sein‘ hoffte Steve inbrünstig, obwohl er die Wahrheit erahnte.
Chris rang nach Worten. „Als ich wieder aufgewacht bin, war der Koffer war weg, meine Papiere, alles. Nur zwei drei Sachen im Bad hat er gelassen, das Kleid, das ich auf der Reise anziehen wollte. Er war wohl sicher … dass ich mich zu sehr schäme, um ….den Mund aufzumachen….“ Das Weinen wurde lauter.
„Hat er … Dir... wehgetan?“ fragte Steve letztendlich doch leise.
Chris zitterte „Meine Sachen waren zerrissen. Ich war voll Blut und… und voll…“ Sie konnte einfach nicht mehr, ekelte sich vor sich selbst. Er hätte es nie erfahren dürfen. Wie konnte Steve sie jetzt noch…mögen ....  
Der war geschockt, obwohl er geglaubt hatte, darauf vorbereitet zu sein.
Dann besann er sich eines Besseren und griff nach ihrer Hand, aber sie wich ihm blitzschnell aus und stand auf, ohne ihn ansehen zu können. Sie ging einfach, wortlos, alles was ihm von ihr blieb war ihre Bluse auf dem Steg, die er packte und verkrampft festhielt, als könne er  ihre Traegerin damit zur Umkehr bewegen.Diesmal versuchte er aber nicht, sie aufzuhalten, verstand, dass sie das mit sich selbst ausmachen musste.

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Kono betrat das Restaurant fast eine Viertestunde zu frueh. Da der Vorschlag von Catherine gekommen war, hatte sie auf deren fruehzeitiges Eintreffen gehofft, und, siehe da, da stand Cath und plauderte mit dem Restaurantbesitzer.
„Hi, Kono !“ „Hi, Catherine !“ Die Frauen umarmten sich ueberschwenglich.
„Frauenabend?“ fragte der Wirt amuesiert. „Ja, Maenner verboten!“ antwortete Kono mit gespieltem Ernst und tat so, als wolle sie ihn wegschicken. Er lachte und wies auf eine Tisch in der Ecke, der schon fuer vier eingedeckt war. „Die anderen Maedels kommen sicher gleich, wir warten mit der Bestellung.“ teilte Catherine ihm mit.

Dann sah sie Kono pruefend an. „Was ist los?“ fragte sie ihre Freundin.“Stress mit Adam?“
„Nein, da ist alles im Lot.“ antwortete die Angesprochene.
„Aber?“
„Steve!“
„Was ist mit ihm?“ Catherine sah sie gespannt an. Obwohl sie nicht mehr zusammen waren, hatten sie sich doch immer noch sehr gerne. Dementsprechend hatte sie sein Unfall auch mitgenommen und sie machte sich Gedanken um ihn, auch wenn er das ja nicht wollte, typischer Dickschaedel der er war.

„Er meldet sich nicht. Es sind jetzt praktisch 3 Wochen, dass wir nichts von ihm gehoert haben, und Danny wird ungeduldig.“
„Verstehe.“ Catherine grinste bei der Vorstellung des ungeduldigen Danny. Der war einfach goldig, wenn er vorgab, auf Steve wuetend zu sein, in Wirklichkeit aber besorgt um Steves Wohlergehen war.  

„Hatte Steve nicht sowieso vor, 2-3 Wochen wegzubleiben? Angekuendigt, meine ich?“
„Hab ich ja auch gesagt. Aber er hat auf Dannys Anrufe nicht reagiert, deshalb haben sie versucht, ihn anzupeilen.“
„Sie haben waaas? Oh oh, das wird ihm nicht gefallen!! Da koennen sie sich ja auf was gefasst machen....“
„Ich weiss, aber die Jungs koennen irgendwie nicht ohne ihn. Jetzt sind sie besorgt, weil das Signal schwach und fix bleibt, in einer sehr unwirtlichen Zone. Um ehrlich zu sein, ein bisschen komisch finde ich das auch.“

„Hhm.“ Catherine war unschluessig. „Und Du meinst, ich sollte mal meine Kontakte spielen lassen? Ich weiss nicht, ob unser Seal das so gerne haette! Oh, hi Susan!“ begruesste sie nebenbei den Neuankoemmling am Tisch.
„Hi Susan!“ Kono trommelte mit den Fingerspitzen auf der Tischplatte herum. Catherine hatte durch ihren Job beim Militaer die besten Moeglichkeiten, um jemanden aufzuspueren.
„Nein, nein, soweit sind wir ja nun noch nicht!“ entgegnete sie. „Ich hatte nur gehofft, Du haettest vielleicht die Nummer von seinem Freund Tom?? Dann wuerde ich versuchen, ihn so zu kontaktieren, einfach mit 'ner Ausrede, keine Ahnung, dass ich seinen Rat beim Fall der Daltons brauche, oder so.“
„Und Danny waer' beruhigt.“
„Ja, und Danny waere beruhigt.“

„Ich hab' die Nummer von Tom nicht, aber warte, ich schicke eine Message an jemanden, der hat sie bestimmt.“ Sprachs und tippte schon. „Fertig. Ach, Gabby kommt uebrigens vielleicht spaeter noch nach. Freut mich, dass es zwischen ihr und Danny so gut zu klappen scheint. Wann muss Grace denn wieder nach Hause?“
„Naechstes Wochenende, denk' ich. Ach ja, Chin trifft sich uebrigens auch mit jemanden...“
„Ach nee - uebrigens, wo ist Susi hin?“ Sie schauten sich um. „Aha, am Tresen ist sie. Vielleicht sollten wir uns ein bisschen mehr um sie kuemmern?“ kicherte Catherine, die um Susans Angst wusste, das fuenfte Rad am Wagen zu sein.

Nachdem auch Trisha eingetroffen war, bestellten sie sich etwas zu Essen und genossen den Abend 'unter Weibern'.
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Steve kramte im Kuechenschank und versuchte, mit den bescheidenen verbliebenen Vorraeten etwas Essbares auf den Tisch zu zaubern. Er hatte angeboten, das zu uebernehmen, waehrend Chris duschte.
'Christina'. Oder gefiel ihm 'Carmen' besser? Das klang so feurig,olè! Er griemelte bei dem Gedanken- wenn sie wuetend wurde, wuerde sie sich sicher gleich in einen feurigen Drachen verwandeln, dann war's aus mit 'olè'.

Wo sie bloss blieb? Er wollte ja auch noch schnell unter die Dusche vorm Essen.

Steve war muede und verdreckt, schliesslich hatten sie den ganzen Nachmittag Kisten gepackt und alles, was in der neuen Anlage nuetzlich sein konnte, zusammengeraeumt.
Das war so ganz anders, als sein gewohnter Tagesablauf. War ihm langweilig? Nicht, solange er mit Chris zusammen arbeiten konnte.
Die hatte getan, als sei nichts geschehen, war witzig wie immer, auch wenn beide wussten, dass alles nur Fassade war.

Salat? Auch wenn's schwer fiel, wenn er Eindruck schinden wollte, musste er sich wohl oder uebel noch mal nach draussen aufmachen. Hier wurde man echt an Leib und Seele kuriert, da gab es wohl keinen Zweifel. Seufzend nahm er das Kuechenmesser und marschierte zur Tuer hinaus.
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„Habt Ihr eigentlich schon von den Dreharbeiten gehoert?“ fragte Susan. Sie war immer auf dem Laufenden, was Spektakel, Prominenz und so weiter auf den Inseln anging.
Die anderen sahen sie fragend an.

„Na, die Dreharbeiten zu dieser neuen Serie! Den Titel weiss ich jetzt echt nicht, aber der Hauptdarsteller soll suess sein!“ Allgemeines Seufzen in der Runde. Daher wehte also der Wind. Susan kannte eine Menge Leute, da war sicher, dass sie Mittel und Wege fand, den “Suessen” mal naeher unter die Lupe zu nehmen.

“Erinnert Ihr Euch noch an Magnum? So was in der Art muss er wohl darstellen. Schnueffler oder Cop, oder so. Jedenfalls soll die Serie mit 'ner Menge Action, heissen Autoverfolungen usw.sein, und das alles auf unserer schoenen Insel! Sie werden wohl auch mit dem HPD zusammen arbeiten” Sie schaute beifallheischend in die Runde. “Da werden dann sicher auch noch ein paar prominente Schauspieler hier einfliegen. Endlich ist mal wieder was los hier.”
“Na fantastisch!” Kono konnte es kaum glauben, die Begeisterung triefte geradezu aus ihren Worten. “Das erklaert dann wahrscheinlich die Daltons.”
“Die wer ?”
“Ach nichts.”
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“Hey Chris, bist Du fertig?” Keine Antwort.
“ Ich wuerd' auch gern noch.... “ Der Rest des Satzes blieb ihm im Halse stecken.

Das Bad war leer, dafuer stand die Tuer zu Chris' Schlafzimmer einen guten Spalt breit offen.
Steves Blick fiel auf ihr Abbild im grossen Standspiegel. Dieses Abbild zog ihn geradezu magisch an, ob er wollte oder nicht.

Langsam oeffnete er die Tuer noch ein wenig weiter und blieb an den Tuerrahmen gelehnt stehen, um sich den ihm bietenden Anblick zu verinnerlichen.
Chris stand vor dem Spiegel, bekleidet mit einem schwarzen Slip und ihrem Bademantel, den Guertel offen. Ihre Haare waren zerzaust, sie hatte sie wohl mit dem Handtuch trocken gerieben. In der Hand hielt sie eine kleine Schachtel, Steve konnte nicht erkennen, was es war.
Im Hintergrund spielte leise Musik.Er musste schlucken, als sie die Augen schloss und begann, sich mit langsamen, geradezu lasziven Bewegungen im Takt der Musik zu wiegen und ihre Haende hinter den Kopf in den strubbeligen Haaren verschraenkte. Der Bademantel hing locker herab und gab die Aussicht auf ihren Bauchnabel frei. Es schien,als ob nur ihre sanften Rundungen den weichen Frotteestoff halbwegs an seinem Platz hielten.

Was zum Teufel sollte das werden ??? Steve war sich sicher, dass Chris seine Anwesenheit bemerkt hatte, auch wenn sie sich nichts anmerken lies.  
Wollte sie sich selbst etwas beweisen? Ihn verfuehren, eh ihr selbst wieder Zweifel kamen?

Er hielt es einfach nicht mehr aus. Es war ihm ploetzlich so heiss, dass er am liebsten eine kalte Dusche genommen haette. Sein Koerper reagierte so heftig auf ihren Anblick, dass er ihm nicht mehr ueber den Weg traute. Entschlossen trat er auf sie zu.
Genau hinter ihr blieb er stehen, was sie dazu veranlasste, sich an ihn zu lehnen. Sie spuerte genau, welche Wirkung ihr notduerftig bekleideter Koerper auf den seinen hatte -und seiner auf ihren.
Als sie ihr Gewicht noch weiter nach hinten verlagerte, spuerte sie seinen heissen Atem an ihrer Schlaefe. Sie griff hinter sich und schlag ihm die Arme um den Hals.
“Christina.”Seine Stimme hatte jetzt genau dieses rauchige Timbre, welches ihr Zwerchfell zur Erschuetterung brachte,und noch ganz Anderes in ihr.
Langsam schlossen sich seine Arme um ihre Taille, bis sie seine Fingerspitzen auf ihrem Bauch spuerte. Die Beruehrung ihrer glatten Haut lies Steve heftiger atmen.

Das hier musste aufhoeren. Steve war sich sicher, wie es enden wuerde, falls er jetzt die Beherrschung verlor. Worueber er aber nicht sicher war, war die Frage, ob Chris wirklich dazu bereit war. Es musste von ihr ausgehen, aber nicht so.

Seine warmen Finger glitten an den Raendern des Bademantels aufwaerts. Chris stoehnte leise auf, als die Kuppen auch die weiche Haut ihrer Brueste streiften. Doch sie machten nicht Halt, was sofort ein leichtes Gefuehl von Enttaeschung in ihr aufkommen lies.
Sie spuerte eine kurze zaertliche Beruehrung an ihren Schluesselbeinen, dann wurden der Stoff straff gezogen, vor ihrem Koerper gekreuzt und der Guertel sorgfaeltig verknotet.
Chris liess ihre Arme neben den Koerper sinken.

“Gefalle ich D.....”    “Scht!” unterbrach Steve sie sofort. Sanft begann er, ihre zerzauselten Haare mit den Fingerspitzen durchzukaemmen und zu ordnen. Dann fasste er sie als Pferdeschwanz in einer Hand zusammen und hielt sie so, dass Chris' Nacken ihm ungeschuetzt ausgeliefert war.
Er beugte sich zu ihr hinunter und kuesste ihren Hals, rieb seine Bartstoppeln an ihrer zarten Haut.

“Komm, zieh Dich an, das Abendessen ist fertig!” fluesterte er und liess ihre Haare wieder los.
Dann trat er einen Schritt zurueck und lies sie schiesslich alleine  um es sich bloss ja nicht noch einmal anders zu ueberlegen.

______________________

Catherines Handy piepste. Sie las die Nachricht und zeigte sie Kono. Die zueckte ihr Handy und waehlte.
“Empfang?” fragte Cath.
“Glaub' schon..” Konos Gesicht erhellte sich.
“Oh, ja, hi, sorry fuer die Stoerung. Mein Name ist Kono Kalakaua von der Five-O Nur eine Bitte.
Steve antwortet nicht auf seinem Handy, deshalb haben wir gedacht - … Waass?? Aehem, nein, ist er nicht... Okay, ich verstehe. Ich melde mich so schnell wie moeglich wieder... Danke!”
Kono starrte auf ihr Handy. Catherine schubste sie an. “Was ist los ????”

“Sein Freund sagt, er sei schon vor Tagen aufgebrochen!!!!”


Zuletzt von buggie am Mi Apr 09, 2014 11:12 am bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: AUSZEIT   Do Nov 14, 2013 7:01 am


„Ich muss raus, mit Danny telefonieren.“ Kono sprang auf.

„Stop! Jetzt lass uns erst mal nachdenken!“ Catherine packte Kono am Arm und zog sie wieder auf ihren Stuhl. „Lass uns ueberlegen, bevor wir die Pferde scheu machen. Jetzt im Dunkeln koennen wir eh‘ nichts ausrichten, das ist Dir doch wohl klar.“ Ihre Stimme verriet, dass sie keineswegs so ruhig war, wie ihre Worte vermuten liessen.

„Mensch, Cath, wir koennen doch hier nicht so rumsitzen. Vielleicht hat Danny recht, und ihm ist wirklich was passiert! Sein Freund Tom sagte, er wollte direkt zu uns, er hatte nix Anderes geplant.“

„Das kann man bei Steve nie wissen.“ Sie sprach aus Erfahrung. „Okay, ruf Du Danny an, ich versuche, ueber die Satelliten mit dem Handysignal weiterzukommen. Trish, Susi, ich glaube, wir beide muessen uns wohl verabschieden.“

Die beiden Frauen nickten verstaendnisvoll. Beide kannten sie natuerlich Steve und waren nun ebenfalls besorgt. „Wir uebernehmen das mit der Rechnung, haltet uns auf dem Laufenden.“ meinte Trisha und stand wie Susan auf, um ihre Freundinnen nochmal aufmunternd zu druecken.
„Danke!“

Vor der Tuer sah Catherine an sich herab. „Ich wuerd‘ vorschlagen, wir fahren beide nach Hause und ziehen uns um. Dann sehen wir uns bei Euch im Hauptquartier, ich nehme doch an, Danny und Chin werden es auch nicht zuhause aushalten.“ Kono nickte und beide Frauen stiegen in ihre Autos.

Als Catherine kurze Zeit spaeter im Five-O Headquarter eintraf, waren die anderen schon da. Ausserdem war Kamekona bei ihnen, gekleidet in einen riesigen, oder besser gesagt, seiner Sumoringer-Figur angepassten, schwarzen Fliegeranzug. Er machte ein unglueckliches Gesicht und schuettelte immer wieder mit dem Kopf. „Ich hab‘ ihm ja gesagt ‚ich flieg Dich hin‘, aber nein, McGarrett musste unbedingt das Motorrad nehmen. So’n Ding is‘ doch gefaehrlich, Mann.“

Catherine laechelte ihm aufmunternd zu. „Nun komm schon, ihm wird schon nichts passiert sein.“ Wieder strafte sie ihre Stimme luegen.

„Und ob ihm was passiert ist!“ das war Dannys Stimme, die sie hinter sich vernahm. „Glaubst Du, er hat seine Handys einfach weggeworfen, haeh?“ Er klang fast feindselig. Irgendwie hatte Catherine das Gefuehl, dass er ihr zumindest eine Mitschuld an Steves Verschwinden gab. Und tatsaechlich setzte er nach „Wenn Ihr zusammen da raus gefahren waeret….“ Er liess den Satz unvollendet.
Noch bevor Catherine entgegnen konnte, dass sie nun einmal nicht mehr zusammen waren, raeusperte sich Chin. Sie sah ihn dankbar an.

„Lasst uns mal zusammenstellen, was wir bisher wissen.“

Kono rief eine Karte der fraglichen Gegend auf einen der grossen Bildschirme. „Also, sein Freund Tom sagt, Steve habe die suedliche Route fahren wollen, weil da die Strassenverhaeltnisse besser waren. Toms Camp ist ungefaehr hier.“ Sie markierte die Stelle. „Und das Handysignal kommt von hier.“ Chin ergaenzte die Daten.

„Laut meiner Kollegen aus der Satelliten-Ueberwachung sind hier-„ Catherine setzte ebenfalls Markierungen „hier und – hier in den letzten Tagen Erdrutsche runtergekommen.“ Sie sah in die Runde. „Die Trasse ist zwar nirgendwo komplett unterbrochen, aber ein Durchkommen duerfte zumindest sehr erschwert sein. Der Regen hat ja vor Tagen alles aufgeweicht.“

„Wahrscheinlich liegt Steve irgendwo unter Geroell begraben, waehrend wir hier uebers Wetter fachsimpeln.“ Danny marschierte gestikulierend auf und ab.

„Dann nichts wie los, ich mach‘ den Heli startklar!“ warf nun Kamekona ein.

„Halt!“ Chins Stimme klang aussergewoehnlich autoritaer, so dass alle ihn anschauten. „Es wird Nacht, wo bitte willst Du jetzt hin? Und ausserdem, wo willst Du denn da landen? Nein, lasst uns erst mal die Gegend naeher unter die Lupe nehmen. Cath, weisst Du sonst noch was ueber die Zone?“

„Kaum. Aber eine Landung duerfte da unmoeglich sein. Hoechstens weiter oben, und Ihr lasst Euch von Tom runterfahren.“ Pause. „Oder wir fahren jetzt gleich von hier los.“ Schweigen in der Runde. Selbstverstaendlich hatten sie daran alle gedacht, aber war es wirklich sinnvoll, so ueberstuerzt aufzubrechen? Und wenn Steve wirklich nur seine Tasche verloren hatte bzw. aus irgendeinem, fuer sie alle nicht nachvollziehbaren, Grund allein sein wollte? Er war dazu ausgebildet, in Extremsituationen zu ueberleben. Da war ihm , wahrscheinlich auch noch ausgeruestet mit Proviant, vor einem Berg auf Hawaii sicher nicht bange.

„Sagt mal, schlagt mich nicht, aber – bei aller Sorge - habt Ihr McGarrett eigentlich geschrieben, dass er sich melden soll? Ich meine, ist ihm das klar?“ Meldete sich Kamekona.

„Ja, ich hab‘ ihn zig mal angerufen, was eigentlich ja reichen sollte, und SMS geschickt.“antwortete Danny fast schon beleidigt.

„Apropos anrufen, Tom, den sollten wir schnellstens zurueck rufen!“ mahnte Kono und waehlte gleichzeitig schon die Nummer.
„Thornbury“ meldete sich eine tiefe Stimme bereits nach dem 1.Klingeln, als habe er in der Naehe des Telefons gewartet. Kono stellte auf Lautsprecher, liess dann aber Catherine mit ihm sprechen.

„Hi Tom, ich bin’s, Cath.“

„Hi Kleine, schoen, Deine Stimme mal wieder zu hoeren!“ Catherine grinste. „Aber jetzt im Ernst – gibt es was Neues von McGarrett?? Auch Toms Stimme verriet jetzt eine gewisse Anspannung.

„Leider nein! Er ist wie vom Erdboden verschluckt. Wir haben nur – ein ganz schwaches Handysignal. Und wir wissen, dass es auf seiner Strecke Erdrutsche gegeben hat.“ Sie versuchte, sich ihre Besorgnis nicht anmerken zu lassen, war aber sicher, dass Tom verstand, worauf sie hinaus wollte. Der schien nachzudenken, jedenfalls blieb er erst einmal stumm.
„Das mit dem Handyempfang ist hier so eine Sache. Aber ich wuesste nicht, was er hier oben alleine sollte. Er war ja schon gut angeschlagen, aber als er los fuhr, schien er mir guter Dinge. Nicht – sagen wir mal – auf der Suche nach Einsamkeit. Wir haben ihn im Uebrigen noch vor den Erdrutschen gewarnt – und kurz nach seinem Aufbruch hat es wieder angefangen zu regnen. Aber, ich kann mir nicht denken, dass er ….“ Er sprach es nicht aus. „Nein, dafuer ist er viel zu erfahren..“

„Viel zu erfahren, viel zu erfahren…So ein Bloedsinn!“ Danny war ausser sich. „Wir reden hier von Erdrutschen – E R D R U T S C H E N. Was haben die mit Erfahrung zu tun ?? Wir muessen los und Steve suchen, wie oft muss ich das denn noch sagen?“

„Hi, ich bin Chin von der Five-O. Wir haben hier einen Heli mit Piloten, gibt es eine vernuenftige Landemoeglichkeit in der Naehe?“ schaltete sich jetzt auch Konos Cousin ein, damit die Unterredung sachlich blieb.

„Also, vernuenftig ist relativ. Der Baumbewuchs ist dicht, oberhalb unseres Camps koenntet Ihr gut landen, aber weiter runter wird es schwierig werden. Ich mach‘ Euch einen Vorschlag: Ihr landet hier bei uns im Morgengrauen und wir fahren die Strecke mit dem Jeep zusammen ab. Euer Pilot wartet beim Heli, und falls wir ihn doch brauchen sollten…. Bringt Ausruestung zum Abseilen usw. mit….“ Tom brauchte nicht zu erlaeutern, wie er das meinte. In dem von ihm angedeuteten und von allen inzwischen befuerchteten Fall wuerden sie wahrscheinlich eher einen Rettungshubschrauber benoetigen – wenn nicht Schlimmeres.

„Okay, dann gib mir mal genau durch, wo wir landen sollen.“ Chin uebernahm jetzt das Gespraech und verabredete das Treffen mit Tom.

Cathrine erschauerte allein bei dem Gedanken, dass Steve etwas zugestossen sein koennte. Danny bereute seinen Vorwurf von vorhin und nahm sie fuersorglich in den Arm. „Der Kerl ist zaeh, Du wirst sehen, der lacht uns alle aus, weil wir uns hier in die Hosen machen.“

„Das ist lieb von Dir, Danny.“ Cath schaute ihm in die Augen. „Es ist nur so merkwuerdig. Als wir noch zusammen waren, haben wir uns nie richtig sagen koennen, was wir uns bedeuten. Und jetzt, wo wir „nur noch“ gute Freunde sind, ist es nicht besser geworden. Man sollte es einfach ab und zu tun, man kann ja nie wissen..“

„Jetzt reicht es aber mit der Schwarzmalerei!“ unterbrach Kono ihre Freundin.

„Ja, McGarrett is‘ n zaeher Brocken, Unkraut vergeht nicht so leicht!!“ pflichtete ihr auch Kamekona bei.

„So, das reicht jetzt fuer heute, wuerd‘ ich sagen.“ Chin hatte sich Notizen gemacht waehrend des Telefonates und schaute jetzt auf seine Uhr. „Ich schlage vor, Danny, Kamekona und ich beratschlagen uns noch kurz bezueglich der Ausruestung, ihr Maedels verschwindet schon mal nach Hause, wir drei hauen uns dann auch schnellstens ‘ne Runde aufs Ohr. Es hat ja keinen Sinn, uns nochmals hier zu treffen, wir rufen Euch dann von Unterwegs aus an.“

Schweigend loeste die Versammlung sich auf.
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Chris konnte nicht mehr schlafen. Sie fuehlte sich so aufgewuehlt, wie schon lange nicht mehr.

Der Abend mit Steve war schoen gewesen. Nach ihrer kleinen -nun ja, wie sollte man das nennen? Verfuehrungsshow ?- hatte sie sich angezogen und sie hatten zusammen gegessen. Er hatte den Tisch so liebevoll gedeckt, dass es gar nicht nach kargem Resteessen ausgesehen hatte. Sogar ein paar Blumen hatte er gepflueckt. Wie viele unerwartete Seiten dieser auf den ersten Blick fast sproede scheinende Mann doch hatte. Die Vorraete gingen langsam zur Neige, bemerkte sie nur ganz nebenbei.

Keiner von ihnen hatte ueber ihr „merkwuerdiges“ Verhalten da eben gesprochen, aber irgendwie war die Luft elektrisiert gewesen. Sie hatten beide Anekdoten von ihren Kollegen erzaehlt, zusammen gelacht, aufgeraeumt, alles schien laessig zu sein. Aber beide vermieden es, dem anderen „zu“ nahe zu kommen. Sich jetzt bloss nicht versehentlich beruehren – sonst gab es womoeglich einen Flaechenbrand. Deswegen hatte sie sich auch frueh ins Bett verabschiedet.

Es gab ihn trotzdem, den Flaechenbrand. Auf ihren Haut. Einfach so. Chris spuerte ihn ganz deutlich. Ihre Haende wanderten unruhig hierhin und dorthin, als koennten sie die Brandherde loeschen, aber das war inzwischen unmoeglich. Nur einer konnte das, und der lag da draussen, und schlief sicher ganz fest auf seiner Couch. Er wuerde es schaffen, wuerde Feuer mit Feuer bekaempfen. Sie stellte sich vor, wie er Schneisen auf ihrem Koerper anlegte, um ihr inneres Verbrennen zu stoppen. Mit seinen sanften Haenden, den sinnlichen Lippen, der kessen Zunge. Mit seinem durchtrainierten Koerper wuerde er Flammen auf ihr und in ihr erzeugen, so dass der Brand, der sie jetzt versengen wollte, keine Nahrung mehr finden wuerde.

Sie nahm die kleine Schachtel in die Hand, die sie heute Nachmittag in ihrer Kosmetiktasche gefunden hatte, und beschrieb mit ihr kleine Kreise um ihre von einem T-Shirt bedeckten Brueste. Abgelaufen, laengst abgelaufen. Trotzdem hatte sie eine genommen. Weiter bewegte sich ihre Hand, die Ecke des Kartoenchens schabte ueber ihren Bauch, rund herum um ihren Bauchnabel. Bis hier war das Shirt herauf gerutscht im Schlaf. Ein leises Kitzeln, das zum aufregenden Prickeln wurde, je tiefer sie kam. Es war nicht sicher. Sowieso nicht so schnell, und schon gar nicht abgelaufen. Egal. Es wuerde nichts passieren. Aber wenn doch? Sie waren doch erwachsen, vernuenftig. DAS konnten sie nicht riskieren. Konnten sie nicht? Doch. Chris Hand fuhr noch tiefer hinunter, ueber ihren Slip, dort, wo sich das Prickeln langsam in ein Brennen verwandeln wuerde. Doch, mit ihm zusammen wuerde sie es riskieren, es schien ihr ploetzlich gar kein Risiko, sondern eine schicksalshafte Begegnung. IHR Risiko, wenn ueberhaupt. Und ausserdem, so schnell – nie und nimmer…

Entschlossen stand Chris auf.
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Steve sass auf der Treppenstufe vorm Haus. Es war noch dunkel draussen, aber im fahlen Mondlicht erkannte Chris, dass er nur die Pyjamahose trug. Die Umrisse seines muskuloesen Oberkoerpers trugen nicht gerade dazu bei, ihre Aufregung zu mindern. Dann bemerkte sie, dass er verschwitzt war, von Schweissperlen nur so uebersaeht. Warum bloss? Es war weiss Gott nicht mehr so schwuel warm wie noch vor kurzem, sie zitterte sogar ein bisschen in ihrem T-Thirt. Eine Hose hatte sie nicht uebergezogen. Das hatte sie eigenartiger Weise gar nicht in Betracht gezogen .

Steves Haltung beunruhigte Chris irgendwie. Vorn uebergebeugt, die Knie mit den Armen umfangen, das Kinn auf die Knie gestuetzt, so starrte er in die Dunkelheit hinaus.

Als eine Holzbohle hinter ihm knarrte, hob er den Kopf, aber drehte sich nicht um.

„Was ist los, kannst Du auch nicht schlafen?“ fragte Chris mit sanfter Stimme. Er schuettelte den Kopf, immer noch, ohne sich umzudrehen.

Einen Augenblick nur zoegerte Chris, dann tat sie das, was ihr spontan in den Sinn gekommen war, als sie ihn da sitzen gesehen hatte. Sie trat hinter ihn und setzte sich auf die Veranda direkt ueber ihm, die Beine rechts und links von ihm. Sie rueckte so nah wie moeglich an ihn heran und schob ihre Arme unter den seinen hindurch, bis ihre Haende auf seiner Brust zu liegen kamen. Mit dem Oberkoerper draengte sie sich an ihn, bis die Schweissperlen auf seinem Ruecken ihr T-Shirt durchtraenkten. Es war ein aufregendes Gefuehl.
Chris spuerte, wie ihr Herzschlag sich beschleunigte und ihre Atmung flacher wurde. Sie konnte nichts dagegen tun, obwohl sie gerne noch ein wenig verborgen gehalten haette, wie es in ihr aussah.

Steve war ueberrascht, aber dann nahm er ihre Initiative freudig an. Er hob den Kopf und lehnte sich an sie.

„Was machst Du bloss hier draussen, Du wirst ja ganz kalt, so verschwitzt wie Du bist.“ Ihre Haende glitten jetzt ueber seinen Oberkoerper und von vorne ueber die Schultern, wie um den Schweissfilm abzutrocknen.

„Ich habe getraeumt“ Sie hoerte ihn kaum, so leise sprach er.
“Von Deinem Unfall?“
„Ich habe wieder ihre Augen vor mir gesehen….“ Seine Stimme versagte.

„Schau mich an!“ Chris beugte sich ueber seine Schulter nach Vorne. Als er nicht reagierte drehte sie vorsichtig sein Kinn. Im Augenwinkel erkannte sie eine Traene. Sanft kuesste sie die Traene weg, dann glitten ihre Lippen ueber den Wangenknochen bis zu seinem Mundwinkel.

Jetzt drehte Steve den Oberkoerper zu ihr. Es war noch zu dunkel, um sicher zu sein, aber Chris meinte Ueberraschung in seinen Augen zu lesen. Ueberraschung - und Begehren.

Begehren war ein gutes Stichwort. Ihn so nah zwischen ihren gespreizten Beinen zu spueren, war schon prickelnd genug. Aber jetzt liess der leichte Nachtwind sie auch noch in ihrem nun feuchten Shirt erzittern. Ob er das spueren konnte, wie sie darauf unwillkuerlich unter ihrem Shirt reagierte?

Steve war immer noch halb zu ihr umgedreht, jetzt laechelte er. Wieder naeherte sich ihr Mund dem seinen, jetzt erwiderte er ihren Kuss, soweit die Position das zuliess. Chris‘ Haende wanderten auf und ab auf seiner Brust, rieben seine Schultern und Arme, die langsam wirklich kalt wurden. Im Gegenzug begann er, vorsichtig ihre nackten Beine zu streicheln. Als er die Kniekehlen erreichte und langsam die Innenseiten ihrer Oberschenkel zu erkunden begann, drueckte Chris unwillkuerlich ihr Becken gegen ihn und seufzte leise. Wieder kuessten sie sich.

„Lass uns reingehen“ fluesterte sie.
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BeitragThema: Re: AUSZEIT   Fr Nov 22, 2013 7:15 am

Hand in Hand gingen sie ins Haus.

Im Wohnzimmer hielt Steve inne. Er spuerte, wie Nervositaet in ihm aufstieg. Es war verrueckt, irgendwie war er fast aufgeregter als bei seinem ersten „richtigen“ Date.
Na ja, wo auch immer diese Nacht sie noch hinfuehren wuerde, vielleicht war es ja auch eine Art „erstes Mal“.
Steve hatte sich noch nie so reif gefuehlt, jedenfalls im Bezug auf eine Frau. Die Beziehungen hatte er gehabt, natuerlich, aber das hier war anders als bisher. Hier ging es nicht bloss einfach um Sex, ums Zeit miteinander verbringen, zum ersten Mal in seinem Leben war er so regelrecht magnetisch angezogen von  jemandem, dass er sich spontan gefragt hatte, wie ein Zusammenleben wohl aussehen koennte. Und das, obwohl sie sich ja eigentlich gar nicht kannten. War das die sprichwoertliche Liebe auf den ersten Blick?  In Chris‘ Gegenwart fuehlte er sich verstanden, angeregt, stimuliert. Sie war einfach eine Wucht.

Und wie sie so da stand, ihre Hand noch immer in der seinen, abwartend, ein wenig verunsichert durch sein Stehenbleiben, war sie einfach suess. So natuerlich und sexy.
Er laechelte und schloss zu ihr auf.

Einen Augenblick hatte Chris geglaubt, einen Fehler begangen und sein Verhalten falsch eingeschaetzt zu haben. Ganz flau war ihr geworden bei dem ploetzlichen Gedanken, dass er ihr im Wohnzimmer „danke“ sagen und eine gute Restnacht wuenschen koennte.
Als er ihr jetzt laechelnd nachkam, machte ihr Herz einen Freudenhuepfer.

Chris ging voran. Noch im Eintreten gab Steve der Tuer einen Schubs mit dem Fuss, so dass sie leise ins Schloss fiel. Da waren sie also wieder, in ihrem Schlafzimmer. Chris liess seine Hand los und ging zu einer Kommode, aus der sie ein Handtuch hervor holte. Damit kam sie auf ihn zu, bleib ganz dicht vor ihm stehen und sah zu ihm auf. Dann zog sie ihn fast bestimmend zu ihrem Bett, zeigte darauf und sagte: „Setz Dich!“ Sie musste sich zusammennehmen, um ein aufgeregtes Zittern in der Stimme zu unterdruecken.

Steve tat wie geheissen, setzte sich auf die Bettkante und stuetzte sich mit den Haenden locker auf. „Weiter nach hinten!“ wies sie ihn an. War das ein merkwuerdiges Gefuehl! Sich so leiten zu lassen, das war ungewohnt… aber er wollte diesmal ‚alles richtig machen‘ fuer sie.
Er rutschte nach hinten, bis seine Waden das Bett beruehrten. Gespannt schaute er zu Chris auf. Die kam zu ihm heran und setzte sich dann mit einer geschmeidigen Bewegung rittlings auf seinen Schoss, die Beine links und rechts von ihm auf der Matratze.
Oh Mann, sie so in dieser Position vor sich zu haben – in ihm regten sich alle Sinne, und noch etwas anderes.

Vorsichtig rieb Chris Steves Oberkoerper und Stirn mit dem Handtuch ab. Eigentlich war der Schweiss ja laengst getrocknet, aber so hatte sie noch eine kleine Galgenfrist, in der sie ihm ganz unverfaenglich nah sein konnte.
Nur sein Haaransatz war noch leicht feucht, also legte sie ihm das Handtuch um den Nacken und rubbelte sanft die entsprechenden Stellen. Bei allem vermied sie es, Steve direkt anzusehen.

Der stoehnte leise auf. Schien die Behandlung, die sie mit ihren Haenden ausuebte, fast muetterlich zu sein, die ihres Beckens war es in keinster Weise. Jede Bewegung im oberen Bereich uebertrug sich unweigerlich  
in ihre Huefte und damit auf ihn.
 
Dann hielt er es einfach nicht mehr aus. Langsam griff er nach ihrer Rechten, nahm ihr das Handtuch ab und warf es aufs Bett.

„Schau mich an!“ fluesterte er. Ihre Blicke trafen sich.

Weiter geht’s im FSK 18

Eng umschlungen lagen sie da. Nach und nach beruhigte sich ihr Atem.
Chris hatte ihren Kopf auf Steves Brust gebettet und streichelte sanft ueber seine Bauchmuskeln.
Steve beobachtete ihre Hand. „Eigentlich hab ich ja keine grossen Probleme mehr. Ich sollte wohl mal wieder oefter trainieren.“
Chris kicherte in sich hinein. „Was gibt’s da zu kichern?“ er nahm sanft ihr Kinn und drehte ihren Kopf in seine Richtung.
„Och, nix.“ Kichern
„Spuck den Frosch aus!“ Er drohte ihr gespielt mit dem Finger.
„Na ja… Also wenn’s wegen dem Waschbrettbauch ist… Der is‘  MIR egal….“ Sie beugte sich hinunter und gab ihm einen Kuss auf eben diesen Bauch. „Und ansonsten denke ich…“ Dieses Mal gab es einen auf den Bauchnabel, was Steve erschauern lies. „ fuer den Rest stehe ich Dir als Trainingspartner sozusagen Full Time zur Verfuegung…“ Ihr Zunge kreiste sanft um seinen Nabel.
„Na dann lass uns mal einen Trainingsplan aufstellen….“ Steve zog sie an sich und grinste in sich hinein.
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BeitragThema: Re: AUSZEIT   Mo Dez 02, 2013 12:51 pm

Uiuiui, habe noch mal alles von Vorne gelesen und festgestellt, dass ich mich tausendmal in den Formulierungen wiederholt haben. :tüte: Und keiner jammert - Ihr seid echt geduldig mit so einem Autoren-Anfaenger. knutsch 
Ich versuch' mich auch zu bessern...

Und weiter geht's:
_____________________________________________________________

Chris wachte auf, weil etwas sie an der Nase kitzelte. Ein sich regelmäβig hebender und senkender Brustkorb unter ihrer Wange, weiche Haare, die mit jedem Atemzug  an ihrer Nase kribbelten, ein ganz leichter männlicher Duft, gepaart mit ihrem Duschbad – nur ganz langsam wurde Chris sich bewusst, dass das hier kein Traum war, sondern Steves ganz reale Brust da unter ihrem Kopf.
Sie hatten sich geliebt, ein zweites Mal, ganz zärtlich, und waren dann dicht aneinander gekuschelt eingeschlafen. Sie hatte Panik gehabt, sie könne ihn wieder zurück stoβen. Aber als dann der entscheidende Augenblick kam, schien es ihr das Selbstverständlichste auf der Welt, sich ihm hinzugeben. Beide hatten sie ihre körperlichen und seelischen Wunden in diesem wunderbaren Moment vergessen.

Steve war immer noch im Land der Träume, seine Mundwinkel zuckten ganz leicht und ein zufriedenes Lächeln stahl sich in sein Gesicht. Dann spürte sie seinen Arm, der sich unter der Decke wieder um ihre Taille schloss. Ganz vorsichtig drehte sie sich in seiner Umarmung und versuchte, sich ein bisschen daraus zu befreien, im Zeitlupentempo, um ihn bloβ nicht zu wecken.
Liebevoll schaute sie auf ihn herab, betrachtete seine entspannten Züge. Sie beneidete ihn um die langen Wimpern, irgendwann würde sie ihm das auch noch beichten.

Ihr Blick fiel auf seine Narben. In den wenigen Tagen, die sie sich kannten, hatte sie so viel Schreckliches aus Steves Leben erfahren. Was für ein Glück, dass er ein solch wunderbarer Mensch geblieben war. Oder vielleicht hatte ihn erst das Erlebte so geformt? Sicher kannte sie ihn kaum, auβerdem war er im täglichen Leben kein einfacher Charakter, das hatte er ihr klar zu verstehen gegeben. Aber sie wollte nicht glauben, dass das in ihrer Beziehung zu einem Problem werden konnte.
Beziehung? Grosses Wort.  Aber, ja das war es, was sie eigentlich für die Zukunft erträumte. Mehr und mehr wurde ihr das klar. Die Idee, sich über dieses kleine Abenteuer hier hinaus zu wagen, war verlockend.

Dabei sollte sie doch realistisch bleiben. Es gab zu vieles, was sie trennte. Steve verkörperte das Gesetz, sie war eine Illegale.  Er hatte Aufträge auf höchster Ebene, sie war ein Niemand. Sie durfte ihn nicht in Schwierigkeiten bringen. Und John auch nicht, der sie so herzlich aufgenommen hatte als sie vor dem sprichwörtlichen Nichts stand.
Zumal in dessen Unternehmen auch nicht immer alles so streng nach Gesetz ablief. Keine groβen Sachen, ein bisschen schwarze Kasse, ein paar nicht angemeldete Mitarbeiter, aber die Einwanderungsbehörde konnte er definitiv nicht gebrauchen.

Wie sollte sowas funktionieren? Kaum wieder im Einsatz, wäre sie für Steve doch nur ein Klotz am Bein. Er hatte seinen Job, seine Kollegen, seine Freunde. Er würde sich sicher nicht mit ihr irgendwo  halbwegs verstecken wollen. Und sie würde es nicht ertragen, sollte ihretwegen seine Integrität in Frage gestellt werden. Es war einfach aussichtslos.

Eine plötzliche Traurigkeit überfiel Chris. Was hatte sie bloβ verbrochen, dass sie offensichtlich nicht glücklich sein durfte?

„Alles in Ordnung mit Dir?“ Steve war aufgewacht und musterte sie besorgt. Ihr trauriger Gesichtsausdruck verwirrte ihn.

„Ja ja. Ich hab‘ nur nachgedacht. Wie es weitergeht.“
„Mit uns meinst Du??“ Chris nickte. Steve schaute ihr so direkt in die Augen, dass es ihr im Herzen weh tat.
„Ja. Wenn das hier vorbei ist, meine ich. Was wird sein ?“
‚Che sarà, sarà? What ever will be, will be….‘ Steve summte diese alte Melodie und lächelte nur. Dann zog er sie fest in seine Arme. „Dann werde ich als Erstes  lernen, wie man pünktlich Feierabend macht.“  
Chris sah ihn fragend an.
„Na, dann werde ich so viele Verabredungen mit einer gewissen jungen Dame haben, dass für Überstunden keine Zeit mehr ist! Danny wird sich vielleicht wundern. Der wird meinen, man hätte mich einer Gehirnwäsche unterzogen…“

Steve brach ab und begann, ihre Halsbeuge mit wilden Küssen zu verwöhnen und sie dabei auch  noch zu kitzeln. Beide mussten sie lachen. Seine gute Laune war so ansteckend. Wie sollte sie ihm nur klarmachen, dass sie sich bald besser nicht mehr sahen? Dabei wollte sie ihn doch sehen. Jeden Tag. Wenn sie am Morgen ihre Augen aufschlug, wollte sie ihn neben sich liegen haben. Sie seufzte leise.

„Was hältst Du von Schwimmen gehen?“ meinte er plötzlich.
„Wie meinst Du das?“
„Na Schwimmen. Im See. Noch ist es ein bisschen zu dunkel, aber vielleicht schaffen wir eine Runde vor dem Frühstück???“ Geradezu kindliche Begeisterung über die eigene Idee lag in seiner Stimme.
„Brrr – das Wasser ist doch bestimmt eisig um die Zeit!!!“ schon der Gedanke verursachte ihr Gänsehaut.
„Ach quatsch. Ist mein Schmusekätzchen etwa wasserscheu???“
Sie imitierte ein Fauchen und formte ihre Hände zu Krallen. Gute Ausrede! „Eben, ich bin ein Kätzchen und kein SEAL. Wobei das ja echt niedliche Tierchen sind…“

„Niedlich? Sagtest Du eben niedlich??“ Wieder stürzte er sich lachend und küssend auf sie. „Iiiihhh, lass mich, neiiinnn .“ Chris musste doch glatt alle Kraft aufbringen, um sich ein bisschen Luft zu verschaffen.

„Ich verbessere mich. Seelöwe, nicht Seehund….“ Dabei schaute sie ihn provozierend an. „Du bist ja viel gefährlicher, als ich dachte…“
Steve grinste und verschloss dann ihren frechen Mund mit einem ungestümen Kuss. Von ihm aus konnte dieses entspannte Rumalbern noch eine Ewigkeit dauern.

                           -------------------------------------------------

Sie trafen wie abgesprochen im Morgengrauen ein.
Tom hatte bereits alles in den Jeep geladen, was ihm von seiner eigenen Ausrüstung nützlich erschien.

Weder Danny noch Chin kannten ihn und seine Frau, doch sie mochten sich vom ersten Augenblick an . Elaine schaute besorgt aus. „Ich will gar nicht daran denken, dass Steve etwas passiert sein könnte.“ Ihre Augen füllten sich mit Tränen.
„Is‘ bestimmt nicht, Mam!“ meldete sich eine Stimme aus dem Halbdunkel.
„Darf ich Euch Kamekona vorstellen- unser Freund und Piloten! “ergänzte Danny. Kamekona würde auf Abruf im Camp bleiben. Sie luden alles Mitgebrachte in den Jeep und nach einem gemeinsamen Kaffee im Stehen brachen die drei Männer auf.

Niemand sprach auf der Fahrt. Sie hatten die Koordinaten des Signals im Camp auf der Karte kontrolliert, Tom kannte den Weg. Was hätte es auch zu sagen gegeben. Jeder der Drei hing seinen eigenen Gedanken nach.

Langsam wurde es heller, was noch kurz vorher reiner Schatten waren, nahm jetzt vor ihnen Gestalt an. Wäre der Grund ihres Besuches ein anderer gewesen, sie hätten es sicher schön hier gefunden. Danny dachte daran, wie froh Steve über Toms Einladung gewesen  war. Jetzt verstand er. Steve hatte gehofft, hier oben sowas wie inneren Frieden zu finden.

„Seht nur!“ Tom zeigte den Hang hinauf. Weiter oben zwischen den Bäumen hindurch erkannte man vereinzelt freie schlammbedeckte Felder, entwurzelte Stämme.

„Es ist nicht mehr weit.“ Er hatte leise gesprochen, aber in den Ohren seiner Mitfahrer klang es wie Donnergrollen.

                                            ------------------------------

Steve schlug die Bettdecke zurück. „Hmpf“ war alles, was Chris ins Kissen murmelte. Sie hatte sich auf den Bauch gedreht, und der Anblick ihres süβen nackten Hinterns hätte ihn fast von seinem  Vorhaben abgebracht. Er beugte sich hinunter und gab ihr einen Kuss auf den Allerwertesten. Jetzt aber schnell raus aus den Federn, ehe er es sich noch anders überlegte.

„Aufstehen! Katzenwäsche gilt nicht als Ausrede heute!“
„Lass mich!“ brummelte sie und zog sich die Bettdecke wieder über.
„Nichts da Du kleiner Faulpelz.“ Mit den Worten sprang Steve aus dem Bett, schlüpfte in seine Flip-Flops, klappte die Decke wieder weg, zog Chris zu sich heran und nahm sie auf seine Arme.

„Ehi Du Rüpel, wirst Du mich wohl runterlassen!“ protestierte sie lachend. Steve lieβ sich nicht beirren, drückte mit dem Ellbogen die Türklinke herunter und kurze Zeit später standen sie im Freien.
„Hey, ich will, dass Du mich auf der Stelle ins Haus zurück trägst. Falls Du es noch nicht gemerkt hast, ich bin splitterfasernackt!!“ Sie strampelte mit den Beiden .
„Falls DU es noch nicht gemerkt haben solltest – ich auch! Aber ich wette, den Fischen ist es völlig schnurz.“ Er packte sie noch fester.

Beide prusteten vor Lachen, während Steve Chris zum Seeufer trug.

--------------------------------------------------------

Alle drei Männer konzentrierten sich auf die Strasse vor ihnen. Chin Ho hatte sich vorgebeugt und schaute zwischen den Vordersitzen hindurch.

Wie schon Steve, trafen auch sie schlieβlich unvorbereitet auf den Erdrutsch, weil die Kurve ihn verdeckte.
Tom bremste hart und ratterte noch ein paar Meter über getrockneten Schlamm und mitgerissene Steine, dann kam der Jeep zum Stehen.

Es gab keinen Zweifel, das musste der Ort sein. Sie stiegen aus.

Keiner sagte einen Ton. Die Verwüstung der Strasse an dieser Stelle war verheeren, man konnte den Verlauf der Schlammlawine genau erkennen. Seit dem Tag war kein Fahrzeug mehr hier durch gekommen, der Boden war noch jungfräulich.

Ein Leises Piepsen war zu hören, während sie auf den Abgrund zugingen. Dort angekommen blieben sie stehen.

Sie starrten in die Tiefe auf ein Meer aus Schlamm und mitgerissenem Material. Äste stachen wie hilfesuchend ausgestreckte Arme daraus hervor.
Das Peilgerät in Dannys Hand blinkte frenetisch aber er schaute nicht darauf. Alle wussten sie, was es bedeutete. Der Signalgeber war irgendwo dort unten begraben.
Danny hatte plötzlich das Gefühl, sich übergeben zu müssen.

Fassungslosigkeit machte sich breit.
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BeitragThema: Re: AUSZEIT   Do Dez 12, 2013 1:10 pm

Ein Telefon klingelte.

„Danny, du musst antworten! Das ist sicher Catherine, Du musst ihr etwas sagen!“ Chin Ho redete leise auf seinen Freund ein.

Der saβ auf einem Felsblock am Rande des Abgrunds und ignorierte ihn einfach. Eine Serie von Flashbacks zog gerade an Dannys innerem Auge vorbei….. Ihre erste unerfreuliche Begegnung in Steves Haus / er und Steve bei der Überwachung von Rachels Nachbarn / Steve, als er den Verdächtigen in den Hai-Beobachtungskäfig warf / Steve, der ihm am Strand mit dem Bier zuprostete / Steve im Gefängnis / Steve Weihnachten mit Grace / beim Hochseeangeln mit diesem albernen Hut / Zuletzt Steve im Krankenhaus, bewusstlos, an ein Beatmungsgerät angeschlossen.

War es das etwa jetzt gewesen? Sie waren doch Freunde, ja fast wie Brüder. Nach dem, was er selbst nur als seinen „Unfall“ betitelte, hatte Steve sich sehr zurück gezogen, auch vor ihm. Das hatte weh getan, aber Danny hatte versucht, es zu verstehen. Sich sogar schuldig gefühlt, weil er nicht wusste, wie er seinem besten Freund beistehen sollte. Und jetzt? Eine plötzliche Leere stieg in ihm auf. Sollte er ihn wirklich verloren haben?

Das Klingeln blieb penetrant. Langsam zog Danny sein Telefon aus der Tasche und starrte auf das Display.
Als er weiter nichts tat, nahm Chin es ihm vorsichtig aus der Hand. Auch er fühlte sich schrecklich.

„Kelly“ Am anderen Ende rauschte es nur. „Catherine? Hörst Du mich?“ Wieder nur Rauschen. Chin ging Stück für Stück weiter, bis endlich Wortfetzen an sein Ohr drangen. „Hallo, hörst Du mich jetzt?.... Hallo?.....Ja, wir sind an der Stelle..….Es ist definitiv dort unten….. nein, keine Spur….. hey, hey, bitte beruhig Dich doch…..warte, bitte….. Kamekona kommt gleich, Tom wird sich abseilen….. nein, kein Bergungsteam im Moment, wir wollen sicher sein, ….. bitte Catherine, nicht weinen, wir wissen doch gar ni….. Hallo?? Hallo??....“ Die Verbindung brach wieder ab.
Chin kam zurück, drückte Danny das Handy in die Hand und legte ihm die Hand auf die Schulter.

„Wart’s ab, ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass er….“ Die Schatten um seine Augen enttarnten ihn als Lügner. Das Geräusch des herannahenden Helikopters unterbrach ihn.

Danny schaute Chin in die Augen, beiden war klar, dass alle Indizien eine deutliche Sprache sprachen. Steves Telefon war da unten auf dem Felsplateau, und sollte er es selbst auch sein, dann würde wohl jede Hilfe zu spät kommen. Chins Magen krampfte sich unwillkürlich zusammen.

„Ich geh‘ runter und suche nach ihm!“ Danny sprang auf und lies ihn erst gar nicht zu Wort kommen.
Kamekona konnte nicht richtig landen, er hielt den Helikopter mit einer Kufe über dem festen Boden, so dass Tom sicher rein springen konnte. An dessen Gesichtsausdruck konnte Kamekona ablesen, wie die Dinge standen, und murmelte nur „Scheiβe!“
Danny folgte Tom auf dem Fuβ.

„Was machst Du?“
„Ich komme mit!“ Seine Tonlage verbot jeden Widerspruch.
__________________________________

Natürlich konnte Steve nicht ahnen, dass ganz in der Nähe die Stimmung seiner Freunde auf dem Nullpunkt war. Ihm hätte es kaum besser gehen können. Er fühlte sich so leicht und ungezwungen, wie selten zuvor in seinem Leben.

Konnte man an einer Überdosis von Endorphinen sterben? Langsam wurde ihm Angst und Bange vor sich selbst.

Dieser Ort hatte etwas Magisches an sich. Der Morgen war kaum angebrochen, doch die Natur schlief schon lange nicht mehr. Vögel zwitscherten, auch sonst drangen einige Geräusche zu ihnen.

Das klare Wasser des kleinen Bergsees war kühl, aber nicht zu kalt. Fand er jedenfalls. Okay, Chris hätte es vielleicht 2-3 Grad wärmer gemocht, sie bewegte sich frenetisch, um warm zu bleiben.

Sie hatte mit ihm um die Wette schwimmen wollen, aber da hatte sie einfach keine Chance. Steve schwamm jetzt in Rückenlage vor ihr, nur genau so weit entfernt, dass sie seine Zehen nicht mehr packen konnte. Das hatte sie schon versucht, aber jedes Mal legte er einen Zahn zu. Langsam wurde es ihr zu bunt. Jetzt grinste er schon wieder so…. „Jetzt mach Dich auch noch lustig über mich!“ keuchte sie, bevor sie für den nächsten Zug mit dem Kopf unter Wasser verschwand.

Als sie wieder zum Atmen hoch kam, hatte das Grinsen in seinem Gesicht einem sanften Lächeln Platz gemacht. Er wollte sich nicht lustig über sie machen, er genoss es einfach nur, ihr zuzuschauen. Dieser schlanke Hals, die Schultern, die bei jedem Schwimmzug bis zu den Schlüsselbeinen, ja manchmal sogar bis zum Ansatz ihrer festen Brüste auftauchten – er konnte sich kaum daran satt sehen.

Dazu noch dieser durch und durch konzentrierte Blick - der war einfach zu niedlich.
Doch was tat sie jetzt? Urplötzlich hielt Chris in ihren Schwimmzügen inne, dann änderte sie unvermittelt die Richtung und steuerte auf das nahe liegende Ufer zu. Er trieb auf der Stelle und beobachtete sie. Jetzt hatte sie Grund unter den Füssen. Langsam tauchte ihr wundervoller Körper aus dem Wasser auf, Tropfen rannen über ihre zarte Haut und spiegelten sich im frühen Morgenlicht.

Steve beeilte sich, die glitzernde Gestalt einzuholen.
__________________________________

Tom hatte sich bereits die Haltegurte angelegt und half nun Danny beim Anschnallen. Er musste schreien, um gegen das Dröhnen der Rotoren anzukommen. „Ich habe ein paar Ortungsgeräte und –stäbe, mit denen man Sand usw. durchsuchen kann. Wenn wir über der Stelle sind, seilen wir das zuerst ab.“

Danny signalisierte sein OK. So schwer es ihm fiel, es zuzugeben, aber Tom hatte Recht. Sie mussten professionell vorgehen, sich nicht von ihren Gefühlen leiten lassen. Das würde nur sie selbst auch in Gefahr bringen.

Während Kamekona den Helikopter knapp über dem Boden hielt, befestigte Chin kräftige Gurte an den Kufen. Daran wollten sie ggf. Steves Motorrad bergen, sie konnten auch nützlich sein, um Baumstämme zu bewegen oder Ähnliches. Er würde jedenfalls auf der Erde bleiben und ggf. Verstärkung anfordern.

Sie waren alle mit Funkgeräten ausgerüstet, die Qualität der Verbindung blieb noch abzuwarten.
Er hob den Daumen und ihr Pilot drehte die Maschine Richtung Abgrund ab. Chin beobachtete sie nachdenklich.
_____________________________

Chris hörte das Platschen hinter sich und wusste, dass Steve sie fast eingeholt hatte. Also gut, wenn er fangen spielen wollte – hier war er wenigstens nicht mehr in seinem Element, und sie hatte Vorsprung. Sie lief lachend los, als ihr das Wasser bis zu den Knien reichte, es spritzte nur so in alle Richtungen. Aber Steve war ihr schnell dicht auf den Fersen, mit seinen langen Beinen hatte er sie schon fast eingeholt. „Na warte, ich krieg Dich doch!“ rief er lachend und streckte den Arm nach ihr aus.

Sie versuchte im letzten Moment, einen Haken zu schlagen – das war ihr Fehler. Eine Bodenwelle lieβ sie straucheln, sie versuchte noch, den Sturz zu vermeiden, bekam aber die Füβe nicht schnell genug voreinander. Steve war fast neben ihr, aber auch er schaffte es nicht, sie festzuhalten, sondern verlor durch die abrupte Bremsung selbst das Gleichgewicht.

Als er merkte, dass Chris sich nicht länger auf den Beinen halten konnte, lieβ er sich selbst auch prustend ins flache Wasser fallen. Der Boden war sandig, der Aufprall dementsprechend weich.

Chris landete auf der Seite und versuchte krampfhaft, ihren Kopf über Wasser zu halten. Steve stützte sich mit Knien und einer Hand ab, umfasste ihre Taille und versuchte, sie weiter ins Flache zu schieben. Ein kleines Stückchen gelang ihm das, aber beim zweiten Versuch schlang Chris plötzlich ihre Arme um seine Schultern und ehe er sich’s versah, hatte sie sich auf den Rücken gedreht und zog ihn schwer zu sich hinunter.

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Sie bleiben noch eine Weile schweigend und aneinandergepresst im seichten Wasser liegen.

Chris hob den Kopf und schaute zu ihm auf. Ein leichter Anflug von Traurigkeit erschien auf ihrem Gesicht. „Es tut mir leid!“ flüsterte sie.

„Leid? Was denn?“ er sah sie liebevoll an.

„Na, ich hab‘ gespürt, dass es für Dich nicht so schön war wie für mich. Es ist nur…. Ich wollte Dich so unbedingt, ich konnte irgendwie nicht mehr warten. Es war wie ein Rausch….“

Steve schüttelte den Kopf, strich ihr zärtlich eine Strähne feuchten Haares aus dem Gesicht und küsste sie sanft auf die Lippen. „Das holte ich schon wieder auf, keine Bange. Jetzt lass uns zusehen, dass wir aus dem Wasser kommen, ehe Du einen Krampf im Nacken bekommst.“ Vorsichtig richtete er seinen Oberkörper auf und zog sie an sich hoch. Ihre Lippen berührten sich nochmals zu einem gefühlvollen Kuss, dann standen sie langsam auf und schlenderten Hand in Hand bis zum Sandstreifen, welcher das Ufer bildete.

Handtücher hatten sie zwar keine, aber das war auch egal. Sie streckten sich unter den ersten schwachen Sonnenstrahlen des Tages eng aneinander geschmiegt aus.

Chris nahm Steves Gesicht zwischen ihre Hände und sah ihm ernst in die Augen.
„Stimmt was nicht?“ fragte er sie leicht beunruhigt.

Ein Lächeln überzog ihr Gesicht. „Nein. Ich dachte nur, wie gut, dass uns keiner gesehen hat. So eine Show sollte verboten werden!“ Sie küsste ihn innig, doch er löste sich von ihren Lippen.

„Wenn das der Gouverneur wüsste, würde ich entlassen. Nein, wer weiβ, vielleicht sogar eingesperrt!“

„Eingesperrt??“ Chris schaute ihn fragend an.

„Na ja, Five-O soll doch für Recht und Ordnung sorgen, oder nicht?“ Sie nickte zustimmend. „Was würden wohl die Medien sagen – da bekämpfen wir scheinbar Drogen und Prostitution“ er hob ermahnend den Zeigefinger „ und dann macht der Leiter von Five-O doch tatsächlich Sex-Urlaub mit einer Thailänderin!“ Spielerisch zeigte er mit seinem Finger auf sie.

Beide mussten sie lachen und begannen zu balgen, zwei Minuten später lagen sie schwer atmend und sandverkrustet nebeneinander und betrachteten den Himmel, lauschten dem leisen Konzert eines Vogels.

Plötzlich zerriss ein lautes blechernes Hupen die Stille. Chris fuhr hoch. Da – ein zweites Mal!

„Das darf doch nicht wahr sein!“

„Was ist los?“

„Na, das ist der Jeep.“ Sie schaute zuerst an sich, dann an Steves nackter sandverkrusteter Gestalt hinab.

„John ist zurück! Ausgerechnet jetzt!“
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BeitragThema: Re: AUSZEIT   Fr Dez 27, 2013 8:31 am

“John? Dein Boss? “ Steve setzte sich schlagartig auf.
„Genau. Mein Boss!“
„Heilige Scheisse – und was machen wir jetzt? Wir koennen ja schlecht…. Also, ich mein‘ …. Ich wuerd‘ mich ungerne SO bei jemanden vorstellen…“

Chris versuchte, einen voellig unschuldigen Gesichtsausdruck hinzubekommen. „Nicht???“ Zuerst erschienen verraeterische Lachfaeltchen um ihre Mundwinkel, dann prustete sie los.

„Wie kommen wir denn jetzt zurueck und ungesehen an unsere Klamotten?“ Steve schaute sich um. Offensichtlich gab dem sonst so kuehlen Strategen dieses kleine Problem echt zu knabbern, konstatierte Chris nicht ohne eine klitzekleine Prise Schadenfreude. Doch schon hatte er einen Loesungsvorschlag: „Wir koennten natuerlich schwimmen, am Schilfrand entlang, und eventuell tauchen wo das zu offensichtlich ist.“
„Auauau, Mr. SEAL, immer im Einsatz, alles klar… Also es gibt einen Trampelpfad zwischen den Baeumen auf der anderen Seite des Weges. Das Gebuesch ist recht dicht. Ich denke, wenn es nur John ist, muesste es klappen. Wenn er mich nicht findet, wird er schon irgendwann hier her kommen. Wir warten einfach im Gebuesch, bis er an uns vorrueber ist, und schleichen dann weiter.“
Ihr Plan gefiel ihr richtig gut. Das war ja noch besser, als Verstecken spielen in Kindertagen. „Die Frage ist bloss, ob Jeff gleich mitgekommen ist. Falls der auch da ist, wird es wohl schwieriger. Du weisst schon - zwei Augenpaare….“ Steve nickte nur.

„Los, komm!“ Chris trippelte unruhig auf der Stelle. „Lass uns rueber gehen! Wenn er um die Ecke da kommt kann er uns schon sehen.“ Steve stand auf und folgte ihr ins Gebuesch. Da war tatsaechlich ein Pfad, wahrscheinlich sonst von irgendwelchen Tieren benutzt. Langsam bewegten sie sich Richtung Haus.

„Chriis, wo steckst Du?“ hoerten sie eine Maennerstimme. Abwartende Stille.
„Hey – ich bin zurueck, hast Du mich nicht gehoert?“ Die Stimme kam naeher.
„Mensch, wo steckt die denn bloss?“ hoerten sie die Stimme leise vor sich hin murmeln.

Johns kleine drahtige Gestalt schimmerte durchs Blattwerk. „Chris! Nun komm schon! Bist Du baden gegangen?“ Der Ton wurde langsam ungeduldiger.
„Wenn der wuesste…“ kicherte Chris. Dann verschwand der bunte Fleck hinter der Kurve und sie hastete los.
„Ehi, warte auf mich!“
„Mach schon, der kann jeden Moment zurueck kommen!“
Am Waldrand angekommen blieb Chris abrupt stehen und sondierte die Lage. Nur der Jeep mit dem kleinen Anhaenger. Kein Bus, kein Pferdeanhaenger. Das hiess, Jeff war noch nicht da. Und damit die Luft erst mal rein.
Sie warf einen pruefenden Blick in die Richtung, aus der ihr Chef zurueck kommen musste, dann startete sie erneut. Steve blieb ihr auf den Fersen, als sie auf der gegenueber liegenden Seite den Zaun umrundete. Die Steine des Bodenbelags schnitten in die Fuesse, deshalb verlangsamte sie ihren Lauf. „Mist“ sie rieb sich eine Fusssohle, dann hatte sie ihre Veranda erreicht.
Steve beobachtete jede ihrer Bewegungen amuesiert, jedes Mal, wenn sie besonders konzentriert auf ein Vorhaben war, hatte sie scheinbar „diesen“ Gesichtsausdruck.

„Schnell rein!“ sie flitzte die Stufen hinauf und drueckte die unverschlossene Tuer auf. Schnell schluepfte Steve hinterher.
Drinnen angekommen, packte er sie am Ellbogen, worauf sie sich irritiert zu ihm umdrehte. Er nutzte genau diesen Moment der Unachtsamkeit und klemmte sie sanft zwischen der Tuer und seinem eigenen Koerper ein. Chris schaute sprachlos zu ihm auf. Er beugte sich zu ihr hinunter und fluesterte ihr ins Ohr „Ich konnte einfach nicht mehr widerstehen….“. Der raue Kuss, der nun folgte, war eigentlich eine deutliche Einladung, John einfach draussen seinem Schicksal zu ueberlassen und stattdessen der Dusche einen gemeinsamen Besuch abzustatten. Zumal Steve sich mit Absicht an ihrem Koerper rieb, was durch den Sand eine im wahrsten Sinne des Wortes prickelnde Note hatte.

Sie musste sich schwer konzentrieren, gewisse ‚Veraenderungen‘ an seinem Koerper einfach zu ignorieren und schaffte es mit Muehe und Not, ihre Lippen von den seinen zu loesen. Dann legte sie lachend ihre Fingerkuppen zum Zeichen des Schweigens auf seinen Mund und fluesterte „Du bist verrueckt! Komm mit, wir muessen uns was anziehen. Wenn John uns so entdeckt, macht er Dich gleich einen Kopf kuerzer.“ Sprachs und machte die Geste des Halsabschneidens.
„Na, das sind ja phantastische Aussichten!“ bemerkte Steve mit gespielt beleidigter Stimme.

Ihn hinter sich herziehend, verschwand Chris in ihrem Schlafzimmer. Dort drueckte sie ihm ein Badetuch in die Hand. „Schnell, Dusche gibt’s nachher. Vielleicht schaffen wir es ja noch nach Draussen, dann tun wir so, als waeren wir spazieren gewesen.“

In Rekordzeit versuchten sie den Sand aus allen nur erdenklichen Poren zu bekommen, trockneten und frisierten ihre Haare notduerftig , suchten ihre im Zimmer verstreuten Klamotten zusammen – kurz, versuchten sich einen voellig unauffaelligen Touch zu geben. „Ich geh‘ mal nach draussen.“ Verkuendete Chris.

Sie schaute erst durchs Fenster in den Hof, dann oeffnete sie die Tuer. Von John keine Spur. „Kannst rauskommen, die Luft ist rein.“ wisperte sie Steve zu.“Da ist er!“ hoerte sie ihn antworten. „Da – bei den Pferden!“ Jetzt sah sie ihn auch. Er kontrollierte gerade Tess‘ Euter. Ploetzlich sah er auf, dann wirkte er und kam zu ihnen herueber.

„Hey Chrissie – geht’s Dir gut?? Lass Dich anschauen.“ Er musterte sie genau, wartete ihre Antwort aber gar nicht erst ab, sondern nahm sie in seine Arme und presste sie herzlich an sich. Sie verschwand fast in seinem grauen Bart. Ueber ihre Schulter hinweg warf er Steve einen kritischen Blick zu.
Der hatte gerade noch belustigt das wettergegerbte Gesicht des aelteren Mannes betrachtet, dessen Holzfaellerbart und Lachfalten um die Augen ihn an einen Helden aus seinen Kindertagen erinnerten, den „Mann aus den Bergen“. Doch der bohrende Blick aus diesen stahlblauen Augen liess Steve das Grinsen vergehen.

„Wen haben wir denn da? Einen neuen Gast? Sie sind ein bisschen spaet dran, Mister. Hier ist nix mehr los…“
Chris, die sich inzwischen aus seinem Klammergriff befreit hatte, fiel ihm ins Wort „Das ist Steve, John. Er hatte einen Motorradunfall auf dem Rueckweg von Tom, und ist hier sozusagen gestrandet.“
„Motorradunfall, soso.“ Er musterte Steve von Kopf bis Fuss. Der fuehlte sich auf einmal gar nicht mehr wohl in seiner Haut. Es gab einfach aeltere Menschen, die liessen selbst einen gestandenen Mann wie ihn wieder zu einem kleinen Jungen werden, der sich eine Strafpredigt abholen musste. Dies war besonders bemerkenswert, da Steve fast einen Kopf groesser und viel kraeftiger gebaut als sein Gegenueber war.

Angriff ist die beste Verteidigung, dachte er sich und streckte die Hand aus „Commander Steven McGarrett von des Gouverneurs Task Force ‚Five-O‘, Sir. Chris hat recht, ich bin hier sozusagen gestrandet. Ich hoffe, ich habe ihr nicht zu viele Unannehmlichkeiten bereitet. Sie war wirklich sehr nett zu mir.“

‚Sehr nett? Das sehe ich, mein Junge.‘ John musste sich zusammen reissen, um seine Gedanken nicht versehentlich laut auszusprechen. Er hatte sofort gemerkt, dass hier etwas ablief, das man ihm lieber verschweigen wollte. John konnte sich zwar nicht erklaeren, was da genau in ein paar Tagen passiert sein sollte, aber es lag spuerbar etwas in der Luft.
Und dieses ‚Etwas‘ gefiel ihm irgendwie ueberhaupt nicht.

Chris war fuer ihn inzwischen wie eine Tochter geworden und nach dem, was sie durchgemacht hatte, wuerde er alles daran setzen, zu verhindern, dass irgendein hergelaufener Schoenling ihr wieder weh tat. Sie war doch sonst so misstrauisch und verschlossen gegenueber Maennern. Irgendwie hatte dieser gutaussehende Kerl hier Chris um den Finger gewickelt, aber das hiess ja noch lange nicht, dass das auch mit ihm, dem alten John, funktionierte. Beileibe nicht.

„Nenn mich John.“ Unterdruecktes doppeltes Ausatmen war zu hoeren. „Ja, meine Chrissie ist eine gute Gastgeberin, sie hat ein Haendchen fuer Leute. Und was treibt die Five-O hier in unsere schoene Gegend, Steven?“ John wollte doch lieber sichergehen, ob er seine Buchhaltung schnell noch ein bisschen frisieren musste.

„Steve, bitte einfach Steve. Ich bin privat unterwegs. Tom Thornbury und seine Frau sind Freunde von mir.“ Sie setzten sich alle drei auf die Veranda, dann berichtete Chris ueber die Vorkommnisse der letzten Tage.

„Bitte entschuldigt mich einen Augenblick!“ Steve konnte ein dringendes Beduerfnis nicht mehr laenger unterdruecken und verschwand im Haus.

„Was ist hier eigentlich los?“ Johns Tonfall klang fast wuetend, als er Chris bei den Schulter packte und leicht schuettelte.
„Es tut mir leid John, nicht boese sein, wenn ich Steve ohne Deine Erlaubnis hier einquartiert habe. Ich konnte ihn doch nicht verletzt da stehen lassen. Und erreichen konnte ich Dich auch nicht!“ Chris war den Traenen nahe. Die letzten Tage waren so traumhaft gewesen, und jetzt das. Sie haette nicht erwartet, dass John so reagierte.

Der alte Mann merkte, dass er sie tief getroffen hatte, und nahm ihr Gesicht liebevoll in seine Haende.
„Nicht doch, Kindchen!“ Er wischte eine Traenen weg, die langsam ihre Wange hinunter kullerte.
„Dich hat’s ganz schoen erwischt, was?“ fragte er mit deutlich weicherer Stimme. Sie schaute ihm nur schweigend in die Augen. Dann liess er seine Haende sinken, an denen jetzt ein wenig Sand haftete, ein Ueberbleibsel aus ihren Haaren.

Er schaute gedankenverloren seine Haende an. Sand? Den hatte er auch auf Steves Nacken gesehen. Chris war das ploetzlich irgendwie peinlich, sie wurde rot und blickte zu Boden. Hatten sie sich doch so geschrubbt. Und ausserdem, was bedeutete schon ein bisschen Sand?
„Hier ist es wohl ganz schoen heiss hergegangen, was? Habt Ihr etwa schon…..?“ John bereute die Worte in dem Moment, als sie seinen Mund verliessen. Er wusste, das ging ihn gar nichts an. Und sein Ton machte die Sache nicht besser.

Chris schluckte nur. Was sollte das ganze hier? Sollte er wuetend wegen eines ungebetenen Gastes sein, aber was sie und Steve trieben, das hatte ihn wohl nicht zu interessieren. Ueberhaupt, was hiess hier ‚trieben‘. Schliesslich war sie eine erwachsene Frau. Wuetend funkelte sie ihn an, beschloss dann aber, nicht auf die Provokation einzugehen.

„Es tut mir leid! Ich weiss, es geht mich nichts an.“ John lenkte auch sofort ein. Schweigen.

„Es ist nur – mir gefaellt die Sache irgendwie nicht. OK, seine Geschichte klingt ja ganz plausibel. Aber, Chris, sei mal ehrlich – wenn er wirklich der waere, fuer den er sich ausgibt, glaubst Du, er wuerde dann tagelang still hier oben hocken koennen? Und es wuerde ihn auch keiner vermissen??“ John schuettelte unglaeubig den Kopf.

„Steve hat es Dir doch erklaert. Er hat sich bei seinem Team abgemeldet. Und er brauchte einfach eine Pause nach seinem Unfall! Du muesstest die Schulter mal sehen! Sie sieht furchtbar aus! Und ausserdem waren wir hier ohne Kontakt zur Aussenwelt!“ Chris redete sich geradezu in Rage, was ihr Gegenueber trotz allem zum Schmunzeln brachte. Hier war jemand auf dem besten Wege, sich schwer zu verlieben.

„Gut, gut. Das bezweifle ich ja alles nicht. Aber – jetzt bin ich da. Hier steht ein Auto, ich habe ein Telefon. Wie lange bin ich jetzt schon hier? Eine Stunde, zwei? Meinst Du nicht, irgendwann muesste er mich danach fragen?“ John schuettelte wieder den Kopf. Das gefiel ihm nicht. Ganz und gar nicht. Er konnte doch nicht zulassen, dass dieser Steve seinem kleinen Maedchen den Kopf verdrehte.


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Kono war genauso beunruhigt wie Catherine, doch sie versuchte, es nicht nach aussen dringen zu lassen. Cath war schon so fertig genug mit den Nerven. Auch wenn sie kein Liebespaar mehr waren, so ging ihr doch diese Ungewissheit um Steves Schicksal ganz schoen an die Nieren.
„Es ist doch absurd, dass wir wie bloede Gaense hier rumsitzen muessen!“ Catherine hielt die Tatenlosigkeit kaum noch aus. Unentwegt marschierte sie im Hauptquartier der Five-O auf und ab.
„Gaense“, bezog sich auf die Tatsache, dass Chin und Danny die Frauen nicht hatten mitnehmen wollen. „Also, ich denke, Danny hat recht. Sie sind bereits zu dritt bei der Suche, und ausserdem mussten sie ja Platz fuer Steve einkalkulieren.“ Kono legte ihr eine Hand auf den Arm. „Jetzt setz Dich doch mal hin.“

Die Tuer ging auf und Gabby kam herein. Natuerlich hatte Danny sie eingeweiht, und nachdem er sich immer noch nicht gemeldet hatte, hielt sie es zu Hause einfach nicht mehr aus.
Ein fragender Blick zu Kono genuegte. „Nichts. Immer noch nichts!“
„Hoffen wir, dass das ein gutes Zeichen ist. Ich meine, dass sie nicht melden, heisst doch wohl, dass sie ihn nicht gefunden haben – nach der Zeit?“ Sie sprach laut aus, woran sie sich natuerlich alle klammerten. Einen Strohhalm.

In Dannys Buero ging das Telefon. Kono oeffnete die Tuer und ging an den Apparat.
Die Anderen konnten nicht verstehen, was sie antwortete, aber ihr Gesicht verfinsterte sich Zusehens.

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Zur gleichen Zeit hatte Tom wieder festen Boden unter den Fuessen. Sie hatten Steves Motorrad geborgen, das nun voellig verbogen und schlammbedeckt vor Chin lag, zusammen mit seinem Helm und Rucksack. „Da sind die Handys. Eins ist zerquetscht, das andere ist das, wovon wir das Signal haben.“ Er hielt es hoch. „Der Empfang ist gleich Null. Das haette ihm nichts gebracht.“
Tom setzte sich auf einen Baumstumpf und fuhr sich durch das verschwitzte Haar. Er war abgekaempft, der Schlamm war nur oberflaechlich angetrocknet und jeder Schritt dort unten war eine Qual gewesen.
„Danny wollte nicht mitkommen. Er ist wie besessen – er hat glaube ich hoechstens drei Worte in der ganzen Zeit gesprochen da unten. Schaufelt und schaufelt nur schweigend vor sich hin….“ Tom schaute nachdenklich zu Chin hoch.
„Was denkst Du?“ fragte der ihn geradeaus.

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Als Steve wieder aus dem Haus trat, war Chris verschwunden. Nur ein gruebelnder John war zurueckgeblieben, der ihn schweigend musterte. Natuerlich musste der sich eingestehen, dass Steve vermutlich die Wahrheit sagte. Aber….

„Sie ist kurz zu den Pferden rueber…“

Waehrend Steve sich wieder setzte, stand John auf und lehnte sich an die Veranda. Er schaute Steve durchdringend an, der seinem Blick standhielt. „Du magst mich nicht, was?“ stellte Steve trocken fest.
„Darum geht es hier nicht.“ war erst einmal alles, was John darauf erwiderte. „Und - im Gegenteil, eigentlich bist Du mir ganz sympatisch.“
„Aber?“ fragte Steve, und hob dabei fragend eine Augenbraue.
„Aber???? Hat Chris Dir erzaehlt, was dieses Schwein von ihrem Ex ihr angetan hat???“
„Ja“
„OK.“ John hatte sich umgedreht und schaute auf den Hof, die Ellbogen auf die Bruestung gelehnt. „Wir hatten uns kurz vorher zufaellig kennen gelernt, ich hatte gerade den neuen Stall gekauft. Zwischen uns war sofort so etwas wie – nennen wir es Seelenverwandtschaft. Ihre Liebe zur Natur, zum einfachen Leben. Das Gegenteil von diesem Sven. Ich hab‘ nie verstanden, was sie an dem fand. Aber jedenfalls hatte der sie zu uns gefuehrt. Chris und ich, wir hatten uns fest versprochen, in Kontakt zu bleiben. Mein Projekt, die Menschen zumindest kurzfristig aus dem modernen Hi-Tech-Dschungel zwischen Mega-Plasmafernsehern, Facebook, I-Pads, Twitter und was weiss ich noch fuer Teufelszeug wieder zurueck in den ‚echten‘ Dschungel, zurueck zum einfachen Leben, zu fuehren, gefiel ihr.“ Er machte eine Pause.
„Und dann steht sie da eines Tages ploetzlich wieder vor mir auf der Baustelle.“ Sein Blick schweifte ab, als wuerde er sie wieder vor sich sehen. „Ein Taxi hatte sie gebracht, ohne Gepaeck, nur mit dem, was sie am Leib trug. Sie hatte nicht mal das Geld fuer die Fahrt. Sie war voellig fertig, meines Erachtens nach stand sie unter Schock.“

Steve schauderte. „Hast Du sie ins Krankenhaus gebracht?“

„Das wollte sie nicht. Hatte Angst. Ich habe sie dann mit hierher genommen. Aufgepaeppelt, koennte man sagen.“ Er schaute Steve ueber die Schulter hinweg an. Dann drehte er sich langsam um und fixierte Steve mit seinen stahlblauen Augen.

„Ich will sie nicht verlieren, sie ist wie das Kind, das ich nie hatte. Aber sie hat sich in Dich verliebt, und das ist gut so.“ ergaenzte er mit sanfter Stimme.
Ein leichtes Laecheln ueberzog Steves Gesicht, er sagte jedoch kein Wort.

„Aber Eines schwoere ich Dir:“ Johns Stimme wurde wieder ernst. „Solltest Du ihr jemals auch nur ein Haerchen kruemmen, oder ihr sonst irgendwie wehtun, sie leiden lassen – b r i n g i c h D i c h u m.“

Steve schwieg. Jemand anderes an seiner Stelle haette auf eine so unverhohlene Drohung wahrscheinlich heftig reagiert. Schliesslich vertrat ER das Gesetz. Steve jedoch verstand. Er verstand die Beweggruende und den tieferen Sinn hinter Johns Worten.
Und auch der begriff Steves Beweggruende. Der offene Blick, mit dem Steve dem seinen standhielt, ueberzeugte ihn.

„Uh – was fuer ernste Mienen hier!“ Chris‘ Stimme schreckte die beiden Maenner auf.

Sie stieg die Stufen hinauf und blieb stehen. Was ging hier vor? Chris spuerte eine gewisse Anspannung in Steves Haltung. Sie blickte zu John, der sie daraufhin anlaechelte. Das verwirrte sie noch mehr, also schaute sie wieder fragend zu Steve auf.

Der sah in ihre Augen und hatte ploetzlich nur noch einen Wunsch. Einen kleinen Schritt nach vorne tretend, zog er sie fest in seine Arme. Einen Augenblick blieb sie steif, ueberrascht von seinem Tun. Doch als er sich schliesslich zu ihr hinunter beugte und sie kuesste, verlor sie alle Zurueckhaltung. John loeste sich gewissermassen in Luft auf – sie vergass seine Anwesenheit, draengte ihren Koerper fordernd an Steves, schlang ihre Arme um dessen Nacken, erwiderte seinen Kuss voll Leidenschaft.

Haette John sich nicht geraeuspert, wer weiss, was sie noch angestellt haetten. Aber dieses Geraeusch lies die beiden dann doch ein bisschen peinlich beruehrt zusammenfahren. John betrachtete die beiden amuesiert.

Ploetzlich hoerten sie alle drei Motorengeraeusch. Mit lautem Gerumpel rollte ein alter Bus samt Pferdeanhaenger auf den Hof. Jeff war zurueck.

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Kono kam mit einem wuetenden Kopfschuetteln zurueck.
„Was ist los?“ fragte Gabby.
„Das war das HPD. Jemand hat dem Kind einer reichen Familie aus Honolulu an der Schule aufgelauert. Sie wollten den Jungen gerade in einen Van zerren, als ein Mitglied der Hundestaffel zufaellig vorbeikam. Er hat den Hund losgelassen und die Typen sind ohne ihr Opfer abgebraust. Und das alles ausgerechnet jetzt.“
„Oh“
„Oh ist gut.“ Kono stuetzte die Haende auf den Bildschirmtisch und atmete tief durch. „Der Gouverneur laesst ausrichten, dass wir uns darum kuemmern sollen.“

„Verdammt!“ entfuhr es Catherine. Sie hatten dem Gouverneur Steves Verschwinden bisher verschwiegen. Zum einen, weil sie emotional viel zu hochgepuscht waren, zum anderen, weil Steve nicht gewollt haette, dass sie blinden Alarm gaben. Aber jetzt? Sie wechselte den Blick zwischen ihren Freundinnen.

„Was wirst Du tun?“ fragte sie Kono.
„Ich fahre alleine da raus und lass mir unterwegs eine Ausrede fuer Danny und Chin einfallen. Haltet mich auf dem Laufenden.“
Sie kontrollierte ueberfluessigerweise ihre Waffe – ein sicheres Zeichen, dass sie mit ihren Gedanken gar nicht recht bei der Sache war. Bevor noch jemand etwas erwidern konnte, hatte sie das Hauptquartier schon verlassen.

Catherine fuelte sich noch unwohler als vorher. Sie kannte sich hier aus, klar, aber eigentlich gehoerte sie nun mal nicht hier hin. Sie stiess einen leisen Seufzer aus und dachte wieder an Steve.

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An den dachte auch Danny. Wie lange suchten sie nun schon? Er hatte jegliches Zeitgefuehl verloren. Wieder und wieder stiess er seinen Spaten mit Wucht in den Klumpen zu seinen Fuessen, bis der sich in ein trauriges Haeufchen Erde verwandelt hatte. Der Schweiss ran ihm aus allen Poren.

Er blickte sich um, liess das Bild der Zerstoerung um sich herum zum ersten Mal bewusst auf sich wirken.

Tom hatte ihm genau erklaert, wie er vorgehen musste, mit dem Stab, den Messgeraeten. Sie hatten sich mit aeusserster Vorsicht Stueck fuer Stueck vorangearbeitet. Er wusste, dass jeder Baumstumpf, jeder grosse Ast waehrend einer solchen Lawine todbringend sein konnte, aber im Gegenzug auch Leben retten konnte, wenn darunter Hohlraeume blieben, die noch Sauerstoff zum Atmen enthielten.

Bei jeder kleinen Aufwoelbung im Schlamm hatten sie gefuerchtet, um dann aufzuatmen, weil es wieder falscher Alarm war. Eines wusste Danny jetzt genau. Katastrophenhelfer wollte er nie sein muessen – diese dauernde Anspannung, die Idee, die Stange wuerde ploetzlich auf etwas Weiches treffen….

Das brachte seine Gedanken wieder zu Steve zurueck. Sie hatten das Schlammfeld systematisch durchkaemmt. Sein Motorrad geborgen, die Ausruestung. Von ihm keine Spur. Gott sei Dank. Kein Kleidungsstueck. Nichts. Aber wo war Steve dann? Es ergab einfach alles keinen Sinn. Steve war sein bester Freund. Er wuerde nicht einfach verschwinden.

Er konnte verletzt worden sein, aber dann haette man ihn gefunden. Steve haette genau gewusst, dass er sich nicht vom Hauptweg entfernen durfte. Tom hatte noch in der Nacht Kontakt zu einem befreundeten Forstbeamten aufgenommen. Die hatten die Trasse in den letzten Tagen mehrfach genommen, waren aber Niemandem begegnet. Und sonst jemand? Steve haette eine Moeglichkeit gefunden, sich bei ihm zu melden. Davon war Danny ueberzeugt.

Es gab keine vernuenftige Erklaerung. Er beschloss, noch einmal von Vorne mit der Suche zu beginnen. Um ganz sicher zu sein.

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Chin wiederholte seine Frage.
„Was ich denke? Ehrlich?“ Tom schaute wieder auf seine verdreckten Stiefel, bevor er antwortete, jedes Wort sorgsam abwaegend. „Ich denke, der Teufelskerl hat es irgendwie geschafft, hier weg zu kommen. Jemand hat ihn mitgenommen. Keine Ahnung.“

Der Asiate nickte wie zur Bestaetigung. Er hatte gehofft, dass Tom das sagte.
„Aber Danny ist nicht Deiner Meinung?“ „Ich weiss es nicht. Ich weiss ueberhaupt nichts mehr.“ Tom war einfach geschafft.

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Die Tuer des Busses ging auf, und ein grosser kraeftiger Mann kam mit entschiedenen Schritten auf sie zu.

Chris entzog sich Steves Armen und huepfte freudestrahlend die Stufen hinunter. „Jeff, schoen Dich zu sehen!!!“ Der Mann hob sie muehelos hoch. „Christina, Kleines. Was bist Du gewachsen seit dem letzten Mal!“ neckte er sie. Steve spuerte einen klitzekleinen Stich der Eifersucht in seiner Brust.

„John!“ Die Maenner begruessten sich mit Handschlag. Dabei beaeugte der Ankoemmling Steve mit deutlicher Neugier. „Ein Neuzugang? Und dann noch mit aeusserst fragwuerdigem Geschmack, was die Kleidung anbelangt!“ Natuerlich erkannte er seine Sachen wieder.

„Hi, ich bin Steve. Entschuldige die Dreistigkeit, leider hatte ich einen kleinen Unfall, dabei ist mein Gepaeck mit drauf gegangen. Chris meinte, Du haettest sicher nichts dagegen…“ Steve blickte hilfesuchend zu Chris, die sich daraufhin an ihn schmiegte und einen Arm um seine Taille schlang. „Es war sozusagen ein Notfall“ pflichtete sie ihm bei.

Jeff schaute ueberrascht zu John, der seines Zeichens ein schmutziges Grinsen aufsetzte. „Aha“ mehr fiel ihm dazu nicht ein.

„Ach, habt Ihr eigentlich den Helikopter gehoert?“
„Was fuer einen Helikopter?“
„Na, da kreist schon eine Weile ein grosser schwarzer Helikopter weiter oben ueber dem Berg. Ich hab ihn ein paar Mal aufsteigen sehen, waehrend ich hier rauf fuhr.“
„Schwarz, sagtest Du?“ Steve war hellhoerig geworden.
„Ziemlich dunkel jedenfalls, mit ein paar orangen Streifen oder so.“

„Kamekona“ sagte Steve mehr zu sich selbst. Ob sie ihn suchten? Verflucht, er hatte hier voellig den Sinn fuer die Realitaet verloren. Natuerlich war er inzwischen wirklich ueberfaellig. Nervositaet stieg in ihm auf. Und ein Anflug von Schuldbewusstsein.

Chris ergriff seine Haende „Meinst Du, die sind fuer Dich da?“ „Keine Ahnung, gut moeglich.“

„Das kann man ja rausfinden!“ John zog den Schluessel des Jeeps aus der Tasche. „Fahren wir rauf“ schlug er vor.

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Chin zog das Telefon aus der Tasche und waehlte Catherine an.
Die hob ab, ohne etwas zu sagen.
„Wir brechen ab. Keine Spur von Steve.“ Er hoerte das Schluchzen am anderen Ende.
„Hey, Kopf hoch. Wir reden spaeter drueber, okay? Gibst Du mir mal Kono?“
„Die ist unterwegs, ein Anruf vom HPD wegen der Daltons.“
„Verdammt. Das auch noch. OK, ich ruf sie ueber Handy an. Ich meld mich spaeter wieder.“

Er legte auf und drehte sich zu Tom um „Lass uns Danny raufholen.“ Der war schon angeschnallt und wartete nur noch darauf, dass Kamekona ihn mit samt der restlichen Ausruestung raufzog.

Im gleichen Augenblick bog ein Jeep aus dem Wald und hielt neben dem von Tom.

Ueberrascht musterten die beide Maenner das Fahrzeug. Sie erwarteten ja niemanden, es war auch nicht von der Forstbehoerde. Die Sonne reflektierte auf den Scheiben.

Zuerst oeffnete sich die Fahrertuer und Tom erkannte den baertigen John, der frueher Touristen hier herauf gefuehrt hatte.

Dann ging die Beifahrertuer auf. Fuer einen Moment dachte er, eine Halluzination zu haben. Steve.

Er erwachte aus seinem Trancezustand, als Chin ihm einen Schlag in die Rippen gab.

Der starrte auch wortlos die Maenner an, die auf sie zuschritten. Dann erschien ein breites Grinsen auf seinem Gesicht und er trat auf Steve zu.

„Steve!“ Mehr brachte er nicht ueber die Lippen, zu sehr freute er sich. Die beiden Freunde umarmten sich herzlich.

Dann war Tom an der Reihe „Oh Mann, gut, Dich zu sehen. Wir dachten, Du waerst….“ Er zeigte stumm Richtung Schlucht.

Steves Antwort wurde vom Droehnen der Rotoren ueberlagert. Kamekonas rundes Gesicht tauchte aus der Tiefe auf. Als er McGarrett da leibhaftig stehen und ihm winken sah, verlor er vor Freude fast einen Moment die Kontrolle ueber seine Instrumente.

Schnell hatte er sich gefangen und drehte den Heli bei, sodass Danny herausspringen konnte. Der war so sehr mit der Ausruestung beschaeftigt, dass er garnicht mitbekommen hatte, was geschehen war. Chin eilte mit eingezogenem Kopf auf ihn zu, half ihm, sich abzuschnallen und bedeutete ihm dann, sich umzudrehen.

Als Danny das tat, musste Chin ihn herunterreissen, denn er haette fast vergessen, sich unter den Rotorblaettern zu ducken. Zu gross war die Ueberraschung.

Da stand Steve. Leibhaftig. Lebendig. Unversehrt. Und grinste, wie nur Steve grinsen konnte.

Jetzt war Danny aus dem Sog der Fluegel heraus und ging aufrecht auf Steve zu. Der breitete seine Arme aus und begruesste ihn mit einem herzlichen „Danno“.

Im naechsten Moment fand sich Steve auf dem Erdboden wieder. Er rieb sein Kinn, welches hoellisch schmerzte.
Es war so schnell gegangen, er hatte Dannys Faust nicht kommen sehen.
Nun sass er da, und konnte seinem Freund nur hinterher blicken.

Der rauschte auf Toms Wagen zu, sprang hinein, fluchte ob des fehlenden Schluessels, sprang wieder heraus und stapfte Richtung Wald.

Danno war sauer. Verdammt sauer.
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BeitragThema: Re: AUSZEIT   Mi Jan 01, 2014 3:09 am

Chris hatte die Szene aus dem Auto verfolgt. Irgendetwas hatte sie davon abgehalten, den beiden Maennern zu folgen.
Sie sah Steve da im Dreck sitzen, einen verbluefften Ausdruck im Gesicht, der unter anderen Umstaenden wahrscheinlich urkomisch gewesen waere. Ihr hingegen war nicht zum Lachen zu Mute.
Das da war nicht nur Ueberraschung ueber Dannys heftige Reaktion. Das war die Selbsterkenntnis, dass er es zu weit getrieben hatte, das tiefe Bedauern, seinen Freunden, allen voran natuerlich Danny, am Ende sogar echte Sorgen bereitet zu haben.
 
Und sie war daran mit Schuld. Jedenfalls irgendwie moralisch. Natuerlich konnte keiner etwas fuer Steves Unfall und alles was danach passiert war. Aber sie beide hatten in einer Seifenblase gelebt in den letzten Tagen. In einer wunderschoenen, schillernden und wabbelnden Seifenblase. Und die war jetzt zerplatzt.
 
Der asiatisch anmutende Mann, nach dem Aussehen zu urteilen sein Kollege Chin, hielt Steve die Hand hin und zog ihn  hoch. Er klopfte ihm aufmunternd auf die Schulter, waehrend Tom der Biologe eindringlich auf ihn einsprach.
Steve begann zu gestikulieren, eine Angewohnheit, wegen der sie ihn bereits ein paar Mal auf den Arm genommen hatte. Jede seiner Bewegungen schien ihr so vertraut, und doch auf einmal so anders. Sie waren nicht mehr fuer sie bestimmt, diese Bewegungen, gehoerten ihr nicht mehr. Sie konnte nicht nach seinen starken Armen greifen, ihre Finger mit den seinen verschraenken, um ihn zur Ruhe zu bringen.
 
Jetzt reichte dieser Chin Steve sein Handy. Der drueckte wohl Kurzwahl, denn sein Gespraechspartner war  sofort dran.
Er entfernte sich von dem kleinen Grueppchen und begann ein intensives Telefonat. Wieder drueckte seine ganze Koerperhaltung eine gewisse Reue aus.
 
Waehrend dessen unterhielt sich John angeregt mit Tom und dem anderen Mann. Vom Berg naeherte sich ein weiterer kleiner Gelaendewagen. Dem entstiegen eine lachende Elaine und ein unglaublich fuelliger Einheimischer. Der zerdrueckte Steve fast, als der sein Telefonat beendet hatte.
 
Ploetzlich fuehlte Chris sich furchtbar ueberfluessig. Ohana, so nannten sie das hier. Aber sie war nicht Teil davon.
 
Dann kam John zurueck zum Wagen. Er wollte etwas sagen, doch Chris schnitt ihm das Wort ab. „Fahr! Bitte!“
Er war ueberrascht, doch als er ihre traurigen Augen sah, stieg er wortlos ein und fuhr los. Kein sehr hoefliches Verhalten den anderen gegeueber, aber egal.
 
Eine Weile fuhren sie schweigend, dann sagte er leise „Moechtest Du darueber sprechen?“ Chris schuettelte wortlos den Kopf und starrte weiter aus dem Fenster.  
 
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Catherines Haende zitterten. Sie beendete das Gespraech und drehte sich zu Gabby um, die alles mit angehoert hatte. Steve lebte. Es ging ihm gut. Ploetzlich lies Cath einen Jubelschrei los und stuerzte sich geradezu auf Gabby.
„Er lebt! Er lebt! Er lebt!“ Alle Spannung fiel von ihr ab.
 
Im selben Moment kam eine telefonierende Kono zur Tuer herein. Ihrem Honigkuchenpferd-Grinsen nach wusste sie auch schon Bescheid. Sie bestaetigte die Vermutung auch gleich mit einem hochgereckten Daumen.
 
„Toll. Ich bin so froh. Oh Chin, drueck ihn von mir……. Und sonst? Seine Verletzungen?...... Dacht‘ ich’s mir …. Stur wie immer………  Nein, Ihr muesst so schnell wie moeglich zurueck kommen….. Nein Chin! Wir haben eine versuchte Entfuehrung und der Gouverneur ist maechtig sauer …… Natuerlich nicht! Ich habe gesagt, Ihr geht ein paar Hinweisen nach und seid bald zurueck. …… Denning will bis morgen frueh einen ersten Bericht, also beeilt Euch!...... OK. Ach – und bringt bloss Steve mit. Ich denke, der Gouverneur will ihn bald sehen….“ Kono stoehnte gespielt auf und rollte theatralisch mit den Augen „Ja,Cous', mach ich. Bis spaeter!“
 
Sekunden spaeter lagen auch sie und Catherine sich lachend in den Armen, bevor sie austauschten, was sie bisher wussten.
 
Danny war derweil schon ein Stueck stramm marschiert ohne sich umzudrehen.
Er lief einfach querfeldein, achtete nicht auf die Aeste, die ihm entgegenschlugen. Er war wuetend.
Also, eigentlich war er natuerlich schon froh. Gluecklich, ja, das Wort traf es vielleicht noch besser. Steve lebte, war allen Anschein nach auch ziemlich unversehrt. Aber das war jetzt das zweite Mal in kurzer Zeit, dass sie um sein Leben gebangt hatten. Es wurde langsam anstrengend.
Und dann stand der Kerl einfach da, als waere nichts geschehen. Und sagte einfach nur „Danno“. Als waere der gerade bei Steve zu Hause auf ein Bier eingetroffen. „Danno“.
 
Den Kopf schuettelnd verlangsamte Danny seine Schritte. So sehr er sich bemuehte, er konnte Steve nie lange boese sein. Und ausserdem war er ja eigentlich viel zu neugierig.
 
Was war hier wirklich abgelaufen, und wo hatte er bitteschoen die ganze Zeit gesteckt? Es war wohl an der Zeit, umzukehren und sich die Antworten zu holen, die ihm zustanden.
 
Jetzt tat es ihm schon fast leid, so aggressiv gehandelt zu haben. Steve hatte es ja nicht mit boeser Absicht gemacht. Wenn er nur nicht immer den coolen Typen raushaengen lassen wuerde.
 
Kamekona sah ihn zuerst. Wohl wissend, warum Danny verschwunden war, versuchte er auf seine flapsige Art den Aerger gleich im Keim zu ersticken.„Hey, da bist Du ja. Na, hat Dich der Dschungel wieder ausgespuckt?“
 
Steve, der bisher mit dem Ruecken zum Wald gestanden hatte, drehte sich um und kam dann geradewegs auf Danny zu. Sein Kinn war inzwischen angeschwollen, aber das schien ihn nicht weiter zu stoeren. Dicht voreinander blieben die beiden Maenner stehen und musterten den anderen, ohne recht zu wissen, wie sie beginnen sollte.
Schliesslich machte Danny den Anfang „Gut, Dich zu sehen!“   Das reichte, um das Eis zu brechen. Sie fielen beide in ein entspannendes Lachen ein und umarmten sich.
Dann schaute Steve auf den kleineren Danny hinunter. „Also, eins moecht‘ ich doch wissen“ fragte er mit einem Grinsen „Wann hattest Du eigentlich Zeit, so an Deinem rechten Haken zu arbeiten, hm?“
Jetzt brachen auch die Umstehenden in Gelaechter aus.
 
So, das war geschafft. Jetzt war es aber Zeit, ihnen allen Chris – Chris? – wo war die denn jetzt abgeblieben?
„Chris?“ Er schaute sich um, doch sein Blick traf nur auf altbekannte Gesichter. „John?“ er drehte sich nochmals im Kreis. Und der Jeep, wo war der ???
Tom raeusperte sich. „Also ich glaube, Chris und John sind zurueck zum ‚Paradise‘ gefahren. Jedenfalls in die Richtung.“
 
Das war jetzt nicht wahr, dass er sie ganz vergessen hatte in seinem Ueberschwang. Wie konnte er nur so ein Depp sein. Du Hornochse, da musste sie sich ja voellig fehl am Platze vorkommen. „Oh Chris, das gibt’s doch nicht!“
 
Danny blickte irritiert von  einem sichtlich aufgewuehlten Steve zu Tom und wieder zu Steve zurueck. „Hab ich was verpasst? Wer ist dieser Chris denn ueberhaupt?“
 
„Diese!“  berichtigte Elaine. „Diese Chris!“ Jetzt guckten sich auch Chin und Kamekona perplex an.
 
„Und was hat es mit dieser Chris auf sich ?“
 
„Sie hat mich bei sich wohnen lassen die letzten Tage.“
 
„Aha, verstehe.“ Danny musste sich zusammen nehmen, um nicht wieder wuetend zu werden. „Sie hat Dich also bei sich wohnen lassen. Und ich nehme an, es war so nett und heimelig bei ihr, dass unser kleiner Steve Schwerenoeter darueber das Nachhause gehen glatt vergessen hat. Kann ja mal passieren….“
„Ach Danny, das ist eine lange Geschichte.“
„Na dann fang mal an. Wir haben Zeit!“ Er verschraenkte die Arme und sah Steve auffordernd an.
„Haben wir nicht, Danny“ meldete sich Chin zu Wort. „Steve kann auf dem Flug erzaehlen. Wir muessen zurueck, und das weisst Du genau!“
 
Elaine hatte Steve derweil beobachtet, wie der sich immer wieder unruhig von der Gruppe abwandte. Sie ging zu ihm und legte ihm die Hand auf den Arm. Er schaute sie nur abwesend an. „Ich muss zu ihr.“ war alles, was er sagte. Elaine laechelte. Chris war ein nettes Maedchen, und offensichtlich hatte sie Steve schwer beeindruckt. Wie schnell doch sowas manchmal ging. „Komm, ich fahr Dich hin.“
 
„Wir muessen zurueck, Steve! Kono meinte, der Gouverneur draengt wegen der Daltons!“ Chin hatte sie offensichtlich gehoert.
 
Steve ueberlegte. Noch vor ein paar Monaten haette es da nichts zu ueberlegen gegeben, er haette schon laengst im Helikopter gesessen und Kamekona den Pilotensitz streitig gemacht. Aber es hatte sich viel veraendert in den letzten Wochen. Es wurde Zeit, das Steuern herum zu reissen.
 
„Ich komme nicht mit Euch!“ erklaerte er mit einer Stimme, die eigentlich keinen Widerspruch duldeten sollte. Trotzdem setzte Danny zum Protest an, aber Steve fuhr ihm gleich ueber den Mund.
„Morgen werde ich eine Moeglichkeit finden, nachzukommen, aber jetzt nicht. Jetzt noch nicht.“
 
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Anmerkung der Autorin:

Tja, die "Auszeit" fuer Steve ist wohl leider endgueltig vorbei, jetzt, wo ihn seine Freunde gefunden haben. Ist nun wieder "Alles im Lot?" Wir werden es bald wissen....
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