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 Der MacGarrett Clan oder Ohana auf Schottisch

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pewe1512
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BeitragThema: Der MacGarrett Clan oder Ohana auf Schottisch   Fr Dez 13, 2013 10:55 pm

Schottische Highlands = Highland 50 = H50! Wir katapultieren unsere Ohana mal in das 13. Jahrhundert und sehen was dabei herauskommt!

Eine etwas andere Reise, ich würde mich freuen wenn ihr mich begleitet!!


Keine der Figuren von H50 gehört mir, und ich verdiene kein Geld mit dieser FF




Prolog
 
Im Jahre des Herren 1273, 50 Kilometer von Akkon entfernt.
 
„Bitte, lass uns nicht zurück“, schrie sie verzweifelt und klammerte sich an sein Wams. Endlich war sie diesem grausamen Mann, der ihr Ehemann hätte werden sollen entkommen.  Und er wollte sie hier, in diesem kleinen Dorf mitten im Heiligen, Land zurück lassen. Es war noch nicht einmal ihre Heimat.
„Mädchen, wir müssen dem Ruf unseres Auftraggebers Folge leisten, sonst werden wir alle wegen Desertierens hingerichtet. Dann können wir dir auch nicht helfen. So versteh doch?! Bald läuft unser Vertrag aus und wir sind wieder frei“, der blonde Mann war genauso verzweifelt wie sie selbst. Hätte er und sein Freund vor einigen Monaten gewusst, für wen er sich verpflichtet hatten, wären sie niemals in dessen Dienste getreten. Sie wollten das große Abenteuer erleben, unabhängig sein von ihren Familien. Sie waren gut ausgebildete Ritter, verdingten sich als Söldner und Leibwächter, und sie konnten sich aussuchen für wen und für was sie kämpften. Hatten eherne Prinzipien und achteten sehr gewissenhaft darauf, dass niemand unschuldiges unter ihren Taten zu leiden hatte. Seit zehn Jahren waren sie unterwegs und irgendwann hier im Heiligen Land gelandet, aber sie waren keine Kreuzritter. Doch diesmal war alles schiefgegangen.
„Loriana, wir versprechen dir, dass wir zurückkommen“, eindringlich sprach sein Freund auf Lori ein. „Wir haben noch nie ein Versprechen gebrochen, das weißt du, sonst wärest du jetzt die Frau von diesem Schwein. Lass uns unsere Arbeit zu Ende bringen und er kann dir nie wieder zu nahe kommen.“
„Ich weiß!“, schluchzte sie jetzt. Ihre Leibwächterin zog sie in ihre Arme um sie zu trösten.
„Ich werde auf sie achten, als wäre sie mein Augapfel“, sagte Loris männlicher Leibwächter, ein gutaussehender asiatischer Mann.
„Das weiß ich. Und wir werden so schnell wie möglich zurückkommen und dann reisen wir in unsere  Heimat“, die Männer umarmten sich. Dann knieten die Ritter vor der schönen jungen Frau nieder.
Zogen ihre Schwerter und boten sie ihr dar.
„Wir versprechen Euch Hoheit, wir lassen euch nicht in diesem Land zurück.“
Loriana nickte unter Tränen, berührte kurz die Schwerter und die Schultern der Männer.
„So sei es!“
Wieder auf den Beinen verbeugten sie sich kurz und bestiegen ihre Streitrösser und ohne zurück zu blicken ritten sie davon. Es war ihnen schwer im Herzen, doch sie konnten nicht anders handeln, sonst wär ihr aller Leben verwirkt.

______________________________________________



Zuletzt von pewe1512 am Di Jan 28, 2014 2:38 pm bearbeitet; insgesamt 2-mal bearbeitet
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pewe1512
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BeitragThema: Re: Der MacGarrett Clan oder Ohana auf Schottisch   Fr Dez 13, 2013 11:40 pm

Der MacGarrett Clan  oder Ohana auf Schottisch


Quelle:fotocomunity. M Maindl



1.
 
Im Jahre des Herrn 1277, Nordwestliche Highlands/Dornie/Frühherbst
 
Die frühe Nachmittagssonne legte einen ganz besonderen Glanz auf das Land, sie schien über die Berggipfel und ließ mit ihren Strahlen die ersten bunten Herbstblätter im tiefdunklen Grün der Bäume golden und orange aufleuchten Die drei Flüsse, Loch Duich, Loch Alsh und Loch Long, trafen sich hier in diesem grünen Tal. Dornie selbst, lag an den Ufern dieser Flüsse, nicht wie üblich zusammen gekauerte kleine Häuser und ein Dorfkern. Nein, es erstreckte sich stolz über einige 100 Meter die Küste entlang. Und auf einer kleinen vorgelagerten Insel, verbunden durch eine steinerne Brücke, lag Eilean Donan Castle. Das Schloss reckte sich trutzig aber nicht schwerfällig in die Höhe.
Mit einem Lächeln auf den Lippen, sah der dunkelhaarige große Mann voller Stolz auf sein Land und ließ die letzten Tage Revue passieren.
Er,  Steven John MacGarrett, Earl of Dorrant and Skye, war drei Wochen auf seinem Land unterwegs gewesen. An seiner Seite, sein bester Freund und Ziehbruder, Sir Daniel Williams. Sie hatten mit den Pächtern geredet, Zwistigkeiten geschlichtet und mit angepackt wenn es sein musste. Die Ernte war in vollem Gange und MacGarrett war kein Laird der nur die Pacht kassierte. Er war für seine Leute zu jederzeit da und ansprechbar.
Außerdem drängte ihn nichts nach Hause solange seine Mutter bei ihm weilte. Gott sei Dank, würde sie bald wieder an den schottischen Hof reisen. Andauernd drängte sie ihn, sich endlich eine Frau zunehmen, am besten Lady Catherine Rollins, Tochter von Lord Rollins, dessen Ländereien im Norden an seine grenzten. Die Familien waren schon seit Generationen befreundet. Cath, Daniel und Steven hatten viele Sommer in ihrer Kindheit miteinander verbracht. Ihre Großväter waren zusammen im Heiligen Land auf Kreuzzug gewesen und das hatte die Familien zusammen geschweißt. Cath war zwei Jahre jünger als Steve und Daniel, aber da sie nie so zimperlich war  wie andere Mädchen in dem Alter, hatten die Jungs sie zu Anfang geduldet und später wurden sie die besten Freunde. Er mochte sie sehr, doch heiraten wollte er sie nicht. Steve wollte jemanden der ihn liebte und den er liebte. Die Ehe seiner Eltern war ihm ein abschreckendes Beispiel, eine arrangierte Ehe, von den Eltern nach der Geburt der Kinder vereinbart, sie hatten sich einmal in Kindertagen getroffen, bevor sie verheiratet wurden. Da waren seine Mutter 16 Jahre und sein Vater 18 Jahre alt. Nein, das kam für ihn auf keinen Fall in Frage.
„Steve? … Steven? Was zum … ? Wo bist du schon wieder mit deinen Gedanken, aye?“, unterbrach Danno, wie Steve seinen besten Freund nannte, seine abschweifenden Gedanken. Danny fuchtelte ihm dabei mit den Händen vor der Nase herum, wie es seine Art war. Daniel redete mit ganzem Körpereinsatz.
„Was ist denn schon wieder? Kann man nicht einmal in aller Ruhe ein bisschen vor sich hinträumen,  ohne das du einen unterbrichst, aye?“, raunzte er zurück. Genau wie Danny, das typische schottische Aye anhängend. Das Frage und Antwort bedeuten konnte.
„Doch mach ruhig. Ich kümmere mich in der Zeit um die herannahenden, nicht freundlich aussehenden Fremden“, kam die lakonische Antwort von Danny, der sein Schwert zurecht rückte und in Richtung Süden starrte, aus denen ca. sechs Männer im vollen Galopp auf sie zu ritten.
 
Sofort war Steve bei der Sache. Er gab seinen Rittern, die hinter ihnen ritten, Anweisung näher aufzurücken. Seine Augen glitzerten vor Freude, endlich passierte hier mal was. Danny der das sah, verdrehte die Augen und wusste im selben Augenblick, dass der Tag blutig enden würde. Nicht das er Angst um sich und seinen Freund gehabt hätte. Sechs Mann waren nichts gegen das was sie schon alles erlebt hatten, mit wesentlich weniger Ausrüstung. Aber Danny genoss es, nicht kämpfen zu müssen, den Tag ruhig zu beginnen, ein bisschen mit den Knappen trainieren, mit seiner Tochter spielen, oder einer schönen Frau hinterher steigen, ja das gefiel ihm nach den Jahren der Abenteuer.
„Danny? Danno? Träumst du jetzt? Welche, der Zofen meiner Mutter, verdreht dir gerade die Hirnwindungen?“, ein schmutziges Grinsen huschte über Steves Gesicht und ließ in noch attraktiver erscheinen.
„Lady Charlotte ist sehr interessiert!“, obwohl schwerbewaffnete Männer auf sie zu preschten, ging ihr Geplänkel weiter. Jetzt war die Horde höchstens noch drei oder vierhundert Meter entfernt. Steve zog die Augenbrauen zusammen, kleine Falten bildeten sich zwischen und über den Brauen.
„Lady Charlotte, sie hat goldenes Haar. Seit wann gefällt dir goldenes Haar?“
„Es ist weniger das Haar was mir gefällt, es sind eher die ausladenden…“, mit einer eindeutigen Geste hielt Danny beide Hände vor seine Brust. Die Männer ringsherum lachten amüsiert.
„Die verdammten Campbells! Ich frage mich, was dieser feige Haufen Kuhdiebe auf meinem Land zu suchen hat?“, spie der Laird aus, als er die Männer an den Farben ihres Tartans erkannte.
Die MacGarrett-Männer trieben jetzt auch ihre Pferde an und zogen ihre Schwerter. Plötzlich stoppten die Campbells.
Was zum Teufel ist hier los? dachte Steven.
„Haltet die Umgebung im Auge, aye!“, wies er seine Männer an. „Danno, wir reiten zwei Pferdelängen weiter und warten.“
Im Abstand von fünfzig Metern warteten sie dass sich einer der Campbells näherte. Weder Steve noch Danny erkannten einen der Reiter, da sie in dicke Plaids gehüllt waren. Für gestandene Highlander waren sie eigentlich ziemlich schmächtig, aber sie trugen die Farben der Campbells.
Was zum Teufel war hier los?, ging es Steve wieder durch den Kopf.
Jetzt löste sich einer der Reiter aus dem Pulk und kam auf sie zugeritten. Er war ziemlich schmal und klein, und aus der Nähe betrachtet kam die Gestalt Steve auf einmal sehr vertraut vor. Angestrengt suchte er in seiner Erinnerung, warf Danny einen kurzen Seitenblick zu, um festzustellen dass es ihm genau so ging. Erst als der Reiter vor ihnen stehen blieb und das Plaid vom Kopf streifte, erkannten die Männer dass es sich um eine Frau handelte. Eine Frau die sie sehr gut kannten.
„Loriana“, flüsterten beide geschockt wie aus einem Mund schockiert, hatten sie doch geglaubt sie sei in den Wirren des Krieges, im Heiligen Land umgekommen. Wochenlang hatten sie nach ihr gesucht, obwohl sie wussten dass das Dorf in dem sie sie in Sicherheit gewähnt hatten, dem Erdboden gleichgemacht wurde.
„Oh mein Gott, du lebst“, Steve und Danny waren gleichzeitig von ihren Schlachtrössern gesprungen und zerrten sie von ihrem Pferd, was ihr einen überraschten Ausruf und dann ein Lachen entlockte. Sie zerdrückten sie fast zwischen sich vor Freude.
„Bitte, Steven, Daniel, ich bekomme keine Luft mehr, ihr tut mir weh“, der sanfte Singsang ihrer Stimme ließ die Männer von ihr zurück treten, ließen sie aber nicht ganz los. Sie strahlten um die Wette, waren geschockt und erfreut. MacGarretts Ritter sahen ein bisschen irritiert zu, hatten sie doch noch nie beobachtet, dass ihr Laird so mit einer Frau umging.
 
Nun kamen auch die anderen Reiter näher. Steve sah ihnen entgegen und erkannte Lorianas Leibwächter. Beide sprangen leichtfüßig von ihren Pferden und kamen lächelnd auf sie zu.
„Chin Ho, Kono, ich bin so froh euch bei guter Gesundheit zu sehen.“
Mit einer festen Umarmung begrüßten sich die Freunde. Es waren Freunde, nicht nur die Leibwächter von Lori, Prinzessin Loriana, jüngste Tochter von Batu Khan, Enkel von Dschingis Khan und einer englischen Lady, die er geraubt hatte.
„Warum tragt ihr die Farben der Campbells, aye?“
„Warum tragt ihr nur eine Decke um den Körper?“, Loriana grinste sie frech an und sah auf die nackten Beine der Männer. Sie hatten sich ein Plaid, in den Farben der MacGarretts, um den Körper geschlungen, was mit einem Ledergürtel, an dem der Sporran (Geldbeutel aus Leder- oder Fell) befestigt war, zusammen gehalten wurde. Daniel und Steve schnaubten vernehmlich, ob dieser schnöden Bemerkung über ihren Breacan feil (gälisch für Plaid)
„Du bist immer noch so frech und respektlos edlen Rittern gegenüber, aye? Beantworte meine Frage“, verlangte Steve.
„Nun, das ist eine lange Geschichte und jetzt vielleicht nicht angebracht, wir sollten weiterreiten!“, Lori sah sich unauffällig auffällig um.
Steve hob seine linke Augenbraue und verschränkte die Arme vor der Brust. Was so viel bedeutete wie: Rede! Sie seufzte auf und verdrehte die Augen. Er war immer noch so halsstarrig und ungeduldig.
Chin griff ein und erzählte kurz das sie Gäste bei den Campbells gewesen waren, doch als sie erzählten, das ihr Ziel MacGarrettches Land sei, wurde die kleine Reisegruppe festgesetzt, und die Campbells wollten Lösegeld erpressen. Dem hatten sie einen Riegel vorgeschoben, in dem sie die Gastfreundschaft der Campbells vorzeitig beendet hatten.
„Es könnte also sein, das sie hier bald auftauchen“, erklärte Chin Ho grinsend.
„Aye, dann sollten wir die Prinzessin zu meiner Burg bringen“, Steve befahl zwei seiner Männer, das sie sich in den Wäldern verstecken sollten und beobachten ob die Campbells es wagten sein Land zu betreten. Dann saßen sie alle auf und ritten im vollen Galopp zur Burg.
 
Die Erde bebte ein wenig als sie durch die befestigte Straße an der Küste ritten, die Dorfleute sprangen zur Seite und riefen ihrem Herrn lachend eine gälische Verwünschung hinterher, die er grinsend erwiderte.
Die Wachen sahen ihren Herrn und seine Gruppe schon von weitem, als sie auf die Steinbrücke ritten, öffneten sie die schweren Tore.
In dem kleinen Burghof angekommen sprang Steve noch im Ritt vom Pferd und warf die Zügel einem herbeieilenden Stallburschen zu. Er drehte sich zu seinen Freunden und half Loriana vom Pferd, die ihn dankbar anlächelte. Sie gingen auf die Haustür zu, die von innen geöffnet wurde, die anderen folgten ihnen.
Als Steves Mutter, Lady Dorothy MacGarrett aus dem Haus trat, seufzte Steve innerlich laut auf, dann sah er noch Cath und am liebsten wäre er sofort wieder losgeritten. Musste das jetzt ausgerechnet sein? Er hätte sich gerne mit seinen Freunden zurückgezogen und über die Ereignisse der vergangenen  drei Jahre geredet.
„Steven, du hättest mir durch einen Boten mitteilen sollen, das du Gäste mitbringst, dann hätte ich anders planen können“, bemerkte Lady MacGarrett pikiert.
„Ihr braucht in meinem Haushalt keine Pflichten als Hausherrin zu übernehmen. Dafür habe ich eine Haushälterin, die das ausgezeichnet ausfüllt“, zischte er seiner Mutter zu. „Sei gegrüßt Cath, schön dich zusehen“, Steve umarmte sie kurz und lächelte ihr freundlich zu. „Lass uns in die Wohnhalle gehen, dann stelle ich dir meine Gäste vor“, sagte er zu Catherine. Er nickte noch seinen Männern zu, dass sie auch eingeladen waren. Wieder etwas das seine Mutter störte, sie mochte es nicht wenn seine Männer mit am Tisch saßen.
Seine Mutter ignorierte er weiterhin komplett, was eigentlich ein Affront war. Lady MacGarretts Gesicht war eine kühle lächelnde Maske, sie nickte den Neuankömmlingen zu und ging voraus in die große gemütliche Wohnhalle. An ihrer starren Körperhaltung konnte Steve ihre Wut erkennen, doch es war ihm egal. Jahre hatte sie nicht dieses Haus betreten, noch nicht einmal zur Beerdigung seines Vaters und jetzt brauchte sie nicht die Lady von Dorrant and Skye zu spielen.
Danny beobachtete dies alles mit Beunruhigung. Er war Lady MacGarrett ein Dorn im Auge, schon immer gewesen, diese Frau war unberechenbar und Steves Verhalten trug nicht dazu bei, den Hausfrieden zu wahren. Daniel ging ihr so gut er konnte aus dem Weg, doch die arme Anna, die Haushälterin, hatte nicht so viel Glück, und Steves Bemerkung, würde für sie wieder irgendwelche Konsequenzen haben. Eigentlich hatte sein Freund sich gut unter Kontrolle, was sein Gefühlsleben anging, doch bei seiner Mutter sah er rot.
 
Anna sah ihrem Herrn entgegen und senkte den Blick, als er sie lächelnd ansah. Er und Daniel, waren die freundlichsten, gütigsten Männer die sie in ihrem bisherigen Leben kennengelernt hatte. Und sie hatten einander viel zu verdanken.
„Anna, mein Sohn hat Gäste mitgebracht. Sorgen sie dafür dass sie bewirtet und Zimmer für sie hergerichtet werden. Am besten helfen sie, damit es schneller geht“, befahl Dorothy in harschem Ton und wedelte sie mit der Hand raus.
„Ja, Mylady“, antwortete Anna leise und begab sich in die Küche.
Steve warf seiner Mutter einen bösen Blick zu und ging dann weiter. Obwohl die Wohnhalle groß war, strahlte sie doch viel Gemütlichkeit aus. Unterteilt in drei Bereiche war es nicht die typische schottische Wohnhalle. Mit vier großen Kaminen ausgestattet, damit es in den strengen schottischen Winter gemütlich warm war, stand auf der rechten Seite, zwei lange Esstische mit Bänken, an denen gut vierzig Personen Platz fanden. Dem gegenüber befanden sich niedrige gepolsterte Stühle in einer Gruppe zusammen gestellt, mit kleinen Beistelltischchen. Keine übliche Sitzgelegenheit in den Highlands, das hatten die Männer von ihren Reisen mitgebracht. Ganz in einer Ecke verborgen, Regale mit schweren wertvollen Büchern, zwei dieser gepolsterten Stühle, dazwischen ein Tisch mit einem Schachspiel, auf dem Boden edle persische Teppiche und dicke bunte Kissen, auf denen man auch Platz nehmen konnte. Der Boden war mit Terrakottafließen ausgelegt die sie aus Italien hatten kommen lassen, nicht wie üblich, festgestampfter Lehmboden mit Binsen bestreut. Anna hatte darauf bestanden das sie einen Steinboden bekamen. Seitdem hatten sie viel weniger Ungeziefer im Haus.
 
„Das ist ja sehr gemütlich hier. Da fühlt man sich ja direkt zu Hause“, bemerkte Lori begeistert.
„Wir haben bestimmte Dinge schätzen gelernt, aye“, sagte Danny leise und freute sich das es Lori gefiel.
Die Jahre die Steven und Daniel in fernen Ländern verbracht hatten, spiegelte sich hier in den Unikaten die sie mit nach Hause gebracht hatten. Teppiche aus dem persischen Reich, Jadestatuen aus dem Reich der Mitte, Bilder auf Papyrus gemalt aus Ägypten, Keramik aus Kreta und vieles mehr. Beide Männer hatten in den zehn Jahren, in denen sie nicht zu Hause waren ein Vermögen mit ihren Diensten verdient. Und sie hatten es gut angelegt. Beide waren als sehr reiche Männer in ihre Heimat zurückgekommen.
Steve war zwar in dieser Burg geboren und aufgewachsen und als Erstgeborener war er der Laird, doch da Danny für ihn wie ein Bruder war, war dies genauso Dannys Heim. Sie hatten es gemeinsam in den  vergangenen Jahren, seit sie zurück in Schottland waren, wieder hoch gewirtschaftet. Das Gesinde, die MacGarrett Ritter und die Pächter nahmen von ihm genauso Befehle entgegen wie von Steve. Die Freunde vertrauten einander bedingungslos.  
Sir Daniel Williams, als zweiter Sohn eines zweiten Sohnes geboren, hatte nicht viel zu erwarten gehabt, in dieser Zeit erbte der erste Sohn alles, ohne Ausnahme. Doch er bekam eine erstklassige Ausbildung zusammen mit Steve. Sie hatten alles gemeinsam gemacht, und waren in ihrem Leben noch nie lange getrennt gewesen. Sie hatten sich ihre Ritterwürde zusammen verdient und waren für ihren König geritten.
Nachdem Steve sich mit seinem Vater überworfen hatte, waren sie ausgezogen um ihr Glück zu suchen. Sie waren junge Heißsporne und wollten Abenteuer erleben und Reich werden. Ihre Abenteuerlust hatte sie vom Okzident, Orient, über die Seidenstraße bis zum Reich der Mitte geführt. Sie hatten fremde Sprachen und Kampfkünste gelernt. Auch hatten sie gelernt andere Religionen, Bräuche und Sitten zu respektieren und anzuerkennen.
 
„Willkommen in unserem Heim, bitte nehmt es als euer Heim an“, begrüßte Steve noch einmal seine Freunde. Er bat sie an seiner Tafel platzt zu nehmen. Die ersten Diener brachten schon Speisen und Getränke, als alle Platz genommen hatten stellten Steve und Danny ihre Freunde vor.
„Catrìona, Dìorbhail – dies ist Lady Loriana, Tochter von Batu. Lady Kono, Tochter von Seijin und Sir Chin Ho, Sohn von Seijin. Wir haben uns im Heiligen Land kennengelernt und sind gute Freunde geworden“, als Dorothy ihren gälischen Namen hörte flammte ihr Zorn weiter auf. Steven erzählte nur ein Teil der Geschichte, doch mehr zu erzählen wäre zu gefährlich und ging die Frauen auch nichts an. Auf seine Männer zeigend stellte er sie auch vor.
„Du scheinst einige Freunde in fremden Ländern gefunden zu haben“, bemerkte Dorothy, ihr Mund lächelte freundlich, doch ihr Ton und ihre kalten Augen, straften ihre Worte Lügen. Steve wollte eine passende Bemerkung dazu machen, aber Catherine kam ihm zuvor.
„Es ist so schön Menschen zu finden denen man vertrauen kann. Gute Freunde zu haben ist so wichtig und nicht selbstverständlich“, sie lächelte Danny und Steve an, dankbar lächelte Steve zurück.
„Sie haben Recht Lady Catherine, Freunde können wichtiger als Familie sein“, antwortete Lori und warf Lady MacGarrett einen kurzen Blick zu.
Die Unterhaltung kam kurz zum Erliegen als die restlichen Speisen aufgetragen waren. Die drei Neuankömmlinge waren erstaunt, Gerichte zu entdecken die sie aus ihrer Heimat kannten. Hungrig griffen sie zu und ließen es sich schmecken.
„Steven, Daniel habt ihr einen Koch aus dem Orient entführt? Ich fühle mich wirklich wie zu Hause“, murmelte Kono und verdrehte genüsslich die Augen, als sie sich ein weiteres Stück einer klebrigen Süßigkeit in den Mund steckte. 
„Sie ist freiwillig mitgekommen und hat der hiesigen Köchin beigebracht, wie man bestimmte Speisen zubereitet“, gab Danny Auskunft. Die kleine Gesellschaft unterhielt sich weiter über belanglose Dinge, doch man konnte Steve und Danny anmerken, dass sie mit ihren Freunden alleine sein wollten. Catherine die die Männer gut kannte, zog ein kleines Spitzentaschentuch aus ihrem Ärmel und gähnte diskret.
„Es wird Zeit für mich, da ich Morgen sehr früh zu meinem Vater zurück möchte, sollte ich jetzt auf mein Zimmer gehen. Lady Dorothy begleitet ihr mich? Ich wollte euch noch um einen Rat fragen wegen meiner Stickerei die ich angefangen habe.“
Man konnte sehen dass Dorothy dies nicht passte, aber sie nickte Cath zu und die Frauen verabschiedeten sich. Auch MacGarretts Ritter standen auf und zogen sich zurück.
 
Kaum hatten die beiden Frauen den Raum verlassen kam Anna, die Hausdame, in die Wohnhalle, es schien fast als hätte sie gewartet das Lady MacGarrett sich zurück zog.
„Herr, die Zimmer für ihre Gäste sind gerichtet. Für Lady Loriana das Morgenzimmer, Lady Kono hat das Abendzimmer, die Verbindungstür ist geöffnet. Sir Chin Ho, ihnen habe ich das grüne Zimmer hergerichtet, was nicht weit von den Zimmer der Damen liegt. In jedem Gemach steht ein Badezuber, bitte sagen sie mir wann sie zu baden wünschen, dann lasse ich alles vorbereiten“, Anna hatte leise gesprochen und kaum die Augen von dem Boden gehoben. Schnell wollte sie sich wieder zurückziehen, doch Steve hielt sie sanft am Arm fest.
„Anna, bitte bleib. Ich möchte dich meinen Freunden vorstellen. Du bist doch auch ein Freund“, seit seine Mutter vor zwei Monaten hier hereingerauscht war, hatte Anna sich komplett verändert. Aus der kratzbürstigen Frau, mit der er sich so gerne Stritt, war eine in sich gekehrte Duckmäuserin geworden, die ihm aus dem Weg ging.  Und wenn er sie einmal alleine antraf, fauchte sie ihn wütend an, ohne dass er ein Wort gesagt hätte. Er verstand das nicht.
„Ich …, Herr bitte … ich“, sie schien fast in Panik zu verfallen. Danny kam ihr zu Hilfe.
„Anna, du wolltest mir noch die Liste geben, was du alles aus Inverness brauchst, aye.“
„Ja Dan … Herr“, sagte es und verschwand.
„Was ist denn auf einmal mit ihr los?“, fragte Steve jetzt gereizt als Anna die Halle verlassen hatte, er  warf Danny einen wütenden Blick zu, als ob es dessen Schuld sei. Denn mit Danny ging sie weiterhin normal um. Loriana beobachtete Steves verhalten und grinste innerlich. Steve mochte Anna, versuchte aber es sich nicht anmerken zulassen. Sie war neugierig und wollte wissen woher sie sich kannten. Aber nach dem reichhaltigen Essen und dem langen Ritt würde sie gerne Baden und sich etwas ausruhen.
„Steve, Danny. So gerne wir euch alles erzählen wollen was geschehen ist, so waren die letzten Tage doch sehr anstrengend. Ein Bad wäre jetzt wundervoll, und etwas Ruhe. Wir fünf waren so lange getrennt, da kommt es jetzt auf ein paar Stunden auch nicht an.“
„Natürlich, ich sage Anna Bescheid dass sie alles für euch richten lässt.“
„Ich kümmere mich schon darum, Steve“, bemerkte Danny, stand auf und folgte Anna. Steve grollte leise vor sich hin. Die drei Freunde grinsten, was ihnen böse Blicke einbrachte.
 
Obwohl nicht müde, zog auch Steve sich in seine Gemächer zurück, auch ihm wurde ein Bad bereitet und mit einem wohligen Seufzen, ließ er sich langsam in den Badezuber gleiten, der extra auf seine Größe angepasst war. Die Badekultur hatten sie im Muselmanichen Reich schätzen gelernt und hatten es in ihre Heimat mitgebracht. Steve genoss die Wärme des Wassers und seine verspannten Muskeln lockerten sich langsam. Gerne hätte er jetzt noch eine dieser Massagen gehabt, aber er wollte Anna nicht fragen. Sie ging ihm aus dem Weg und er wusste nicht warum, dabei verhielt sie sich Danno gegenüber ganz normal. Steve fragte sich ob seine Mutter irgendetwas getan hatte, das dieses Verhalten hervorgebrachte. Wütend schlug seine Hand auf den Rand des Badezubers. Diese Frau! Nicht aufregen, sagte er zu sich selbst und schloss wieder die Augen. Leise ging die Tür auf und jemand betrat den Raum.
„Brian, kannst du bitte noch etwas heißes Wasser nachgießen“, murmelte Steve seinem Leibdiener zu. Schritte bewegten sich zu dem großen Kamin, er hörte leises scheppern, als der Kessel mit dem Wasser angehoben wurde. Steve zog seine Beine näher an seinen Körper, damit Brian das Wasser eingießen konnte ohne ihn zu verbrennen. Wieder seufzte er zufrieden auf, als sich die Wärme ausbreitete.
„Ist es so angenehm, Herr?“, sagte eine weibliche lachende Stimme und eine andere Stimme lachte mit.
Erschrocken sprang Steve in die Höhe und riss die Augen auf, und ließ sich genauso schnell wieder ins Wasser plumpsen. Das verursachte eine Fontäne die sich auf die kreischenden Frauen ergoss.
„Ihr blöden Gänse, was habt ihr hier zu suchen?“, fuhr er Lori und Kono an. Dann musste er laut lachen als er sah dass die Frauen, ihn wütend, wie zwei nasse Katzen anfunkelten.
„Was? Ihr seid selbst schuld. Was habt ihr auch in dem Gemach eines Mannes zu suchen? Verdorbenes Weibsvolk. Wenn euch der Drachen sieht, ist hier die Hölle los …“, weiter kam er nicht weil sich Lori und Kono auf ihn stürzten und ihn unter Wasser drückten. Schreiend und lachend, rangelten die drei Menschen als seien sie Kinder auf einer Wiese und Steve nicht nackt und nass in der Badewanne. Ein Klopfen an der Tür ließ sie prustend auseinander fahren, dann steckte Danny den Kopf zur Türe rein.
Mit einem Blick erfasste er die Situation, trat schnell ein und verriegelte die Tür  von innen. Böse Blicke aus strahlendblauen Augen trafen die drei Kindsköpfe, die aus Unschuldsmienen zurück starrten.
„Also … ich …das ist … wirklich?“, diese Worte von heftigem gestikulieren begleitet stieß Danny hervor. „Was denkt ihr euch eigentlich? Antwortet nicht, ihr denkt nichts. Steven John MacGarrett, du schmeißt dich selbst deiner Erzeugerin zum Fraß vor die Füße. Mach so weiter …“, Steve hob an etwas zu sagen, mit einer Handbewegung wurde ihm das Wort abgeschnitten. „Und ihr zwei Weiber, wollt ihr auf dem Scheiterhaufen landen wegen unzüchtigem Verhalten? Nein, ich will eure Antwort nicht hören … Wir können uns hier nicht so ungezwungen verhalten. Ja, ich weiß wir sind Freunde und es hat nichts Erotisches … “, Danny seufzte und kniff sich in die Nasenwurzel, um sich zu beruhigen, bemerkte nicht, das sich die unzüchtigen Weiber an ihn ran geschlichen hatten und ihn mit zwei Schritten zu Steve in die Wanne beförderten.
„So schnell kanns gehen, Danno. Sie haben sich hier herein geschlichen als ich gemütlich in der Wanne lag.“
Entnervt schüttelte Danny den Kopf, wollte aufstehen und wurde von Kono wieder zurück befördert, dann verließen die Frauen lachend das Zimmer. Danny sah seinen Freund an und beide brachen in Gelächter aus.
„Sie haben sich nicht geändert, aye?“, bemerkte Steve leise.
„Nein, uns steht noch einiges bevor“, antwortete Danny und ahnte nicht wie recht er haben würde, aber ganz anders als er glaubte. Beide dachten sie an den Tag zurück als sie die Mädchen kennengelernt hatten …


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BeitragThema: Re: Der MacGarrett Clan oder Ohana auf Schottisch   Mi Dez 18, 2013 5:10 pm


2.
 
1267, Mongolisches Reich, zwei Tagesritte von Karakum entfernt
 
Seit drei Jahren waren sie nun in fremden Ländern unterwegs, verdingten sich als Söldner und Leibwächter, und verdienten dabei gutes Geld. Mittlerweile konnten sie sich die Aufträge aussuchen, und sie wählten sorgfältig. Immer bedacht darauf dass niemand Unschuldiges zu Schaden kam. Zuviel Leid hatten sie gesehen und erlebt, als das sie für jeden Herrn arbeiten würden. Seit einer Woche hielten sie sich im mongolischen Reich auf, sie begleiteten eine Karawane aus Konstantinopel, die mit teuren Stoffen, Gewürzen, und betörenden Düften Handel trieb. Unter dem Schutz der beiden jungen Männer und ihrer Krieger, war es noch keinem gelungen, eine Karawane zu überfallen und auszurauben. Ihr Ziel war Karakum, die erste Hauptstadt des mongolischen Reiches, gegründet von Ögedei Khan, war noch einige Tagesreisen entfernt.
„Es ist ja schon fast langweilig, wenn wir eine Karawane begleiten“, murrte Danny vor sich hin. Der hellhaarige, kleine und drahtige Mann, wäre einem kleinen Scharmützel nicht abgeneigt. Seine blauen Augen, die die Farbe des Himmels wiedergaben, suchten in der Ferne nach einer Staubwolke, die vielleicht Reiter zu ihnen trug. Steve sah ihn grinsend an. Er, das genaue Gegenteil seines Freundes, groß gewachsen mit dunklem lockigem Haar, und Augen die mal dunkelblau oder grün schimmerten, je nachdem wie seine Stimmung war, fand es auch viel zu ruhig. Außerdem machte das die Männer unaufmerksam. Auch er ließ seine Augen in die Ferne schweifen. Doch außer einem leichten Flimmern, das durch die Hitze entstand, war nichts zu sehen.
Dies war die sechste Karawane die sie beschützten, aber die Erste, die sie ins Reich der Mongolen führte. Die vorherigen hatten sie vom Abendland ins persische Reich, zu den Saraszenen und ins Land der Pharaonen geführt. So wehrhaft wie sie waren, so wissbegierig waren sie auch. Früher hatten sie schon an den Lippen ihres Lehrers gehangen, der ihnen das Lesen beigebracht hatte und Geschichten erzählte die die Augen von kleinen Jungen zum Strahlen brachte. Jetzt erlebten sie selbst diese Abenteuer, und würden sie irgendwann an ihre Enkelkinder weitergeben.
 
„Sir, ich habe ein ungutes Gefühl hier in der weiten Steppe. Meine Nackenhaare stehen zu Berge“, Angus Duncan, ein entfernter Verwandter, der zusammen mit Steven und Daniel auf Abenteuersuche gegangen war, hatte ein untrügliches Gespür für Gefahr.  Sechs Jahre Älter und um einige Kämpfe reicher an Erfahrung, war er ein guter Ratgeber. Steve gab viel auf seine Meinung, so auch diesmal.
„Wie oft soll ich dir noch sagen, du sollst das verdammte Sir sein lassen“, grummelte Steve bevor er seine Anweisungen gab. „Lasst die Karawane näher zusammenrücken, wir sprechen mit Isaak.“
Leicht stieß Steve seine Hacken mit den weichen Lederstiefeln in die Flanken seines Pferdes und ritt zu ihrem Auftraggeber, Isaak ibn Mahmoud. Danny folgte ihm etwas langsamer und beobachtete weiter die Gegend.
„Isaak“, sprach Steve den Kaufmann an als er sein Pferd neben das von Isaak lenkte. Isaak, ein fast Fünfzig Jähriger Mann, dessen Augen immer von kleinen Lachfalten umgeben waren und ihn viel jünger scheinen ließen als er war. Freundlich blickte er zu Steve hoch.
„Sir Steven, schön dass du dich etwas zu mir gesellst, diese Einöde und Weite kann einem etwas auf das Gemüt schlagen.“
„Ich bin nicht zum palieren zu euch gekommen. Vielleicht später“, fügte Steve hinzu als er den enttäuschten Gesichtsausdruck von Isaak sah, „Wir befürchten einen Hinterhalt und lassen die Karawane näher zusammenrücken, vielleicht sogar anhalten.“
„Aber weit und breit ist nichts außer ein paar Sträucher zusehen“, war die erstaunte Antwort.
„Eine Vorsichtsmaßnahme!“
„Wie du meinst, Sir Steven. Du weißt ich traue deinem Urteil.“
Die Karawane bestand aus 72 Menschen, 102 Kamelen und 65 Pferden. Von den 72 Menschen waren 57 Soldaten. Es war eine relativ kleine Karawane, doch Isaak hatte keine anderen Händler gefunden die sich ihm anschließen wollten. Die meisten Händler zog es in andere Gefilde.
 
Plötzlich kam Angus auf Steve zugeritten. „Steve, sieh Richtung Osten, eine Staubwolke, vielleicht drei oder vier Meilen entfernt.“
„In Kampfstellung gehen“, brüllte Steve seinen Männern zu, augenblicklich fingen seine Augen an zu glitzern und sein gestählter Körper straffte sich. Die gleiche Veränderung ging mit Danny vor.
Die Kamele wurden eng zusammengeführt und zu Boden gebracht, geschützt wurden sie durch lederne Schilde. Ein Teil der Bogenschützen und Speerwerfer verteilte sich um die Karawane. Steve, Danny und Angus führten jeweils einen Reitertrupp an. Die Männer trugen Kettenhemden und Helme und waren mit leicht zu Handhabenden Schwertern bewaffnet. Die großen schottischen Breitschwerter waren für einen Kampf zu Pferd nicht geeignet. Steve und seine Leute ritten der Staubwolke entgegen, Danny und Angus ritten in einem kleinen Bogen darauf zu. In der großen Staubwolke konnte man nicht sofort erkennen wie viele Reiter auf sie zukamen.
Plötzlich kristallisierten sich fünf Reiter aus der Wolke, die ihre Pferde bis zum äußersten antrieben, sie waren höchstens noch eine Meile entfernt. Steve mit seinen Adleraugen erkannte drei Männer und zwei Jungen, der Körpergröße nach. Alles deutete darauf hin dass sie verfolgt wurden. Er trieb sein Streitross an und preschte weiter, schnell kam er den Flüchtenden näher. Die Erde bebte unter dem Getrampel der Pferdehufe, wenn man genau hinsah, konnte man sehen wie sie kleine Steine bewegten, und ein Ohrenbetäubender Lärm war zu hören.
Einer der Männer der ihnen entgegen ritt, schrie etwas, doch sie konnten es nicht verstehen. Dann sahen sie hinter den fünf eine Horde bewaffneter, ungefähr 20 Krieger die mit gezogenen Waffen auf sie zu schossen. Auf einmal flogen Pfeile umher. Ohne, dass Steve einen Befehl geben, musste schossen seine Krieger zurück.
„Helft uns, helft uns … rettet die Kinder“, wurde er von einem der entgegenkommenden Reiter angeschrien.
„Reitet zur Karawane“, rief Steve zurück und mit einer leichten Kopfbewegung gab er einem seiner Männer ein Zeichen ihnen zu folgen. Er selbst ritt auf die Horde Krieger zu, das Schwert in der Hand. Es war beeindruckend zu sehen wie die Männer in vollem Galopp ritten, die Schwerter schwangen oder Pfeile abschossen. Es sah aus als seien sie mit den Pferden verwachsen, wie die legendären Zentauren. Steve warf einen Blick zu Danny der von der linken Flanke schräg auf die angreifenden Krieger zuritt. Auch Danny war hochkonzentriert, hatte eine Lanze in der Hand, die er angriffsbereit gehoben hatte. Er sah wieder nach vorne und gab seinem Ross noch einmal die Stiefel in die Flanken. Nun konnte er Einzelheiten erkennen. Die Gegner waren in einfache Kleidung gehüllt, sie trugen leichte Lederbrustpanzer und Lederhelme, ihre Gesichter waren flach und die Augen Mandelförmig, die Haut hatte eine gelbbräunliche Färbung. Mongolen! Sie hatten einen wilden Gesichtsausdruck und schrien ihnen entgegen. Das sollte den Gegner einschüchtern, doch Steve und seine Männer schrien noch lauter zurück. Sie waren Highlandkrieger, ihr Kriegsgeheul war berühmtberüchtigt.
Mit lautem Getöse prallten die Gegner aufeinander. Durch die Kettenhemden waren die Soldaten der Karawane besser geschützt, so prallten die meisten Pfeile der Mongolen an ihnen ab. Im Gegensatz zu den Pfeilen seiner Männer, bemerkte Steve. Ein Teil der Gegner war schon ausgeschaltet alleine durch diesen Angriff. Steve schwang sein Schwert in dem Gewühl aus Pferde-und Menschenleiber. Er hatte eine größer Reichweite als die kleinen gedrungenen Mongolen, die aber mit ihren Kurzschwertern unheimlich wendig waren.
Der ganze Kampf dauerte keine zehn Minuten, da war die Mongolenhorde niedergemacht. Danny kam zu Steve geritten, beide begutachteten sich gegenseitig und hielt nach Verletzungen Ausschau.
„Du blutest am Bein, Dànaidh. Wieder hast du den Schienbeinschutz nicht getragen“, Steves Stimme war Vorwurfsvoll, als er Danny mit seinem gälischen Namen ansprach. Das tat er immer wenn er besorgt war.
„Ach, nur ein Kratzer!“
„Das ist mein Spruch“, brummte Steve.
Ihre Männer waren dazu übergegangen um nach Überlebenden bei den Gegnern zu suchen. Angus Duncan begutachtete die eigenen Männer und wie viele verletzt waren auf ihrer Seite. Sie hatten einen Toten zu beklagen, ansonsten nur leichte Verletzungen. Hauptsächlich Quetschungen an den Beinen durch das Gedränge im Kampf.
„Wir sollten zur Karawane reiten und sehen was uns die Horde Angreifer beschert hat“, meinte Danny. Im leichten Trab ritten sie zurück.
 
An der Karawane angekommen kam ihnen Isaak aufgeregt entgegen.
„Und, Sir Steven, Sir Daniel? Habt ihr die wilde Horde geschlagen? Ich war erschrocken als ich die Fremden auf uns zureiten sah, dann erkannte ich dass Kinder dabei sind. Mädchen!“, flüsterte er.
Überrascht sahen die Männer sich an. Mädchen, hier in dieser Einöde? Sie beschleunigten ihre Schritte und gingen zu der kleinen Gruppe die sich neugierig um die Fremden gestellt hatten. Doch traten alle schnell bei Seite, als ihre Anführer kamen. Der Asiate, der sie um Hilfe gebeten hatte trat auf sie zu und verbeugte sich respektvoll.
„Edle Herren, wir danken euch für eure selbstlose Hilfe. Ich bin Chin Ho, Sohn von Seijin. Dies sind meine Schülerinnen Kono und Loriana.“
„Woher kommt ihr, Chin Ho? Und warum war diese wilde Horde hinter euch her?“
„Wir sind aus Karakum und waren in der Steppe mit unseren Falken unterwegs …“
Plötzlich redete das rothaarige Mädchen, in einer unbekannten Sprache für Danny und Steve, dazwischen und sah böse zu  den Männern. Vorher hatten sie die Kinder nicht beachtet. Mit angehobener Augenbraue sah Steve die Kleine an. Als Chin in scharfen Ton antwortete, verstummte sie vorerst, man sah ihr aber an das sie wütend war.
„Was hat sie gesagt und warum sieht sie uns so wütend an?“, fragte Danny.
„Sie ist ein verwöhntes freches Kind, das sich und andere immer in Schwierigkeiten bringt“, wieder legte Loriana los, diesmal auf Chin gerichtet.
„Schweig jetzt, Mädchen!“, zischte Chin Ho. Kono, das dunkelhaarige Kind zog Loriana zurück und blickte sie eindringlich an.
„Sie versteht auch Französisch?“, bemerkte Steve, er hatte immer noch eine Augenbraue angehoben, man konnte meinen sie sei mitten auf der Stirn festgenäht.
„Ja, Herr!“
„Ich wette es war ihre Schuld das ihr angegriffen wurdet“, mit fragendem Gesichtsausdruck wandte Steve sich wieder Chin zu. Ein kleines Grinsen huschte über dessen Gesicht, dann hatte er sich wieder im Griff, antwortete aber nicht darauf. Doch Danny und Steve reichte das schon.
„Wie dem auch sei, wir danken euch sehr für eure Hilfe und bitten darum, mit euch reisen zu dürfen.“
„Haben wir noch mehr solcher Angriffe zu erwarten? Isaak ibn Mahmoud ist der Händler dem diese Karawane gehört, auf unsere Empfehlung gestattet er euch mitzureisen.“
„Nein, wir haben keine Angriffe mehr zu erwarten. Es sind noch zwei Tagesritte bis Karakum, dort haben die großen Markttage begonnen alles ist dort hingereist. Ich sorge dafür das die Kinder sich still verhalten.“
Chin schien ein ehrlicher und besonnener Mann zu sein. Steve sah zu Danny, der kaum merklich nickte, er schien das gleiche zu denken wie Steve. Sie konnten sich gegenseitig auf das Urteil des anderen verlassen. Beiden war aber auch klar, dass der Asiate nicht alles gesagt hatte. Nicht das er gelogen hatte, er hielt nur Informationen zurück. Vielleicht betraf es die Mädchen? Steve nickte Chin zu und ging zu Isaak, der neugierig in einiger Entfernung wartete.
Der Händler verließ sich auf das Urteil seines Hauptmannes und ließ die fünf Fremden mitreisen. Bat aber darum, dass sie im Auge gehalten wurden. Was Steve sowieso getan hätte.
 
Der Rest des Tages blieb alles ruhig, auch die kleine Rothaarige verhielt sich still, warf nur hin und wieder böse Blicke in Steves und Dannys Richtung, dann redete sie leise auf ihre Gefährtin ein. Steve und Danny beachteten die Kinder nicht, obwohl sie sie genau im Auge hatten.
Nachdem das Lager für die Nacht aufgeschlagen war und alle beim Essen saßen, ging Steve noch eine Runde und kontrollierte alles. Gab den Männern seine Anweisungen und machte sie nochmal darauf aufmerksam die Kinder im Auge zu behalten. Sollte sie irgendetwas im Schilde führen, wollte er sofort informiert werden. Diese kleine rothaarige Kröte führte irgendetwas im Schilde, er fühlte es in den Knochen. Erst als er sicher war, dass jeder auf seiner Position war, er sein Pferd versorgt hatte, holte er sich sein Abendessen. Er war ein Kontrollfanatiker und Danny zog ihn oft genug damit auf. Nicht das Danny schlampig war, im Gegenteil, auch er hatte gerne alles unter Kontrolle, doch Steve neigte zum Übertreiben.
Als er sein Essen vom Koch entgegen genommen hatte, setzte er sich zu Chin Ho und seinen Männern. Die Kinder lagen schon in Decken gehüllt bei den Kamelen, diese strahlten viel Wärme aus, da es nachts in der Steppe ungemütlich kalt wurde.
„Chin, ich denke Danny hat dir mittlerweile erzählt wer wir sind, im Eifer des Gefechtes heute, ist dies etwas untergegangen.“, sprach Steve ihn an als er sich gesetzt hatte.
„Ja, das hat er, Herr! Und wir sind sehr dankbar auf euch gestoßen zu sein.“
„Bitte, nenn mich Steve. Ich halte nicht viel von Förmlichkeiten.“
Eine Weile hörte man nur das Klappern der Holzlöffel in den Holzschalen und leises Schmatzen. Nach dem Essen sah Steve Chin direkt in die Augen, nun wollte er das hören was er ihm verschwiegen hatte. Der Asiate war ein sehr feinfühliger Mann und wusste sofort was Steve wollte, obwohl er noch kein Wort geredet hatte. Er wog das Für und Wieder ab, und entschied sich Steve die Wahrheit zu sagen. Chin sah in den Augen von Steve weder Falschheit noch Habgier. Hier vor ihm saß ein aufrechter ehrlicher Mann, der für das kämpfte an das er glaubte, und bevor Steve seine Frage stellen konnte fing Chin an zu reden.
„Ich sagte ja schon wer ich bin, und auch wie die Mädchen heißen. Doch damit ist nicht alles gesagt was wichtig ist. Loriana ist die Tochter von Batu Khan. Er war der Enkelsohn von Dschingis Khan.“
Steve wusste wer Dschingis Khan gewesen war. Er ließ sich seine Überraschung nicht anmerken.
„Loriana ist eine anerkannte Bastardtochter Batus, die eineinhalb Jahre vor seinem Tod geboren wurde. Sie wurde als Prinzessin anerkannt. Sie war Batus Liebling, weil sie sein letztes Kind war, gezeugt mit einer geraubten englischen Lady, die er sehr geliebt hatte und die im Kindbett starb. Nach seinem Tod, wurde Loriana meinem Vater Seijin anvertraut, ein entfernter Vetter. Sie sollte alle Vorteile und die Erziehung einer Prinzessin erhalten. Kono ist meine kleine Halbschwester, die Mädchen sind gleich alt und werden zusammen erzogen“, Chin machte eine kurze Pause und seufzte leise. Steve grinste vor sich hin, weil er Chin ansah, das die Erziehung der Mädchen wohl keine leichte Aufgabe war, doch er schwieg und wartete darauf das Chin weiter redete.
„Als ich alt genug war, wurde ich der Leibwächter der Prinzessin und bilde sie auch in der Kampfkunst aus. Kono wird ihre Leibwächterin werden wenn sie alt genug ist. Ich möchte euch warnen Steve, Loriana ist ein verwöhnter Satansbraten, und ich bin der einzige der sie meistens zur Räson bringen kann. Mein Vater, liebt sie wie ein eigenes Kind und gibt ihr alles und sieht ihr alles nach. Der jetzige Khan, Möngke, ein Vetter ersten Grades von Batu, verwöhnt sie genauso. Doch darunter leiden ihre Manieren, die der französische Lehrer versucht ihr einzutrichtern. Und Kono ist nicht viel besser. Alle springen wenn sie etwas sagt“, wieder seufzte er leise. „Lasst euch nichts von ihr gefallen, Herr. Sie sieht wie ein Engel aus, aber hinter den hübschen blauen Augen und den roten Locken, steckt der Teufel.“
„Wie alt sind die Teufel“, Steve konnte jetzt ein Lachen nicht mehr unterdrücken. Die Mädchen sahen noch sehr jung aus, beide hatten dünne Arme und Beine, die Haare zu Zöpfen geflochten, ihre Körper waren zierlich und man konnte noch keine weiblichen Rundungen an ihnen entdecken.
„Sie werden bald 14 Jahre alt. Normalerweise werden in diesem Alter bei uns Mädchen verheiratet.“
„Ja, bei uns ist das nicht anders. Dabei sind sie weder Fisch noch Fleisch.“
Chin lachte über diesen Vergleich und fand ihn sehr zutreffend. Die Männer waren sich sympathisch und erzählten noch eine Weile über die Länder die sie schon bereist hatten. Die Begleiter von Chin, sprachen nur gebrochen Französisch, versuchten sich aber an der Unterhaltung zu beteiligen. Sie waren Soldaten des Khan und auch für die Sicherheit der Prinzessin zuständig. Sie beteuerten, dass es nicht leicht war sie zu hüten. Irgendwann zogen sie sich alle zurück, um zu schlafen. Es war noch eine weite und anstrengende Reise bis Karakum.
 
Auch die nächsten Tage verliefen ruhig und ohne weitere Zwischenfälle. Loriana und Kono ritten immer wieder in Steves und Dannys Nähe, dann unterhielten sie sich laut, sahen die Männer an und lachten gehässig. Doch die Ritter ignorierten sie, das machte die frechen Gören noch wütender. Am letzten Morgen, saßen fast alle beim Morgenessen, außer Isaak der sein Morgengebet gen Mekka führte. Der Händler war ein freundlicher und geduldiger Mann, und die Mädchen hatten sich ihn auserkoren und spielten ihm andauernd Streiche. Denn sie trauten sich nicht an die Ritter ran, schon gar nicht an Danny oder Steve.
Jetzt bewarfen sie Isaak mit kleinen Steinen und lachten dabei gemein. Dieser ließ sich jedoch nicht stören und ignorierte die Kinder. Da platzte Danny der Kragen, Danny der immer viel Geduld mit Kindern hatte, sah rot.
„Jetzt reicht es aber, diese verdammten kleinen unerzogenen Biester bekommen jetzt das was sie verdienen“, er sprang auf und lief zu ihnen. Alarmiert lief Steve hinterher, so kannte er seinen Freund nicht. Er wollte ihn festhalten, doch Chin hielt ihn zurück.
„Lasst ihn Steve, sie haben es nicht besser verdient. Ich bin leider durch einen Eid gebunden und darf ihnen nicht das geben was sie verdient haben“, auf seinem Gesicht war ein erwartungsvolles Grinsen entstanden.
„Dann helfe ich ihm, sie haben gestern einen kleinen Stein unter meinen Sattel gelegt. Für die Verletzung meines Tieres haben sie auch eine Bestrafung verdient.“
Eilig lief Steve hinter Danny her, bei den Mädchen angekommen, die jetzt zu größeren Steinen gegriffen hatten, schnappte sich jeder eines der Kinder, die erschrocken aufschrien.
Die Männer knieten mit einem Bein im Sand, das andere aufgestellt und die Mädchen wurden im wahrsten Sinne des Wortes übers Knie gelegt. Sie schrien und stießen Verwünschungen aus, sie wehrten sich, doch gegen die erwachsenen Männer hatten sie keine Chance. Zehn Schläge bekam jede auf den Hintern, dann wurden sie in den Sand gesetzt.
Überrascht stellten Steve und Danny fest, dass sie nicht weinten, wütend und empört wurden sie angeschrien.
„Was wagt ihr Bauerntölpel euch, ich bin Prinzessin Loriana, Tochter des Batu Khan, dafür werdet ihr gevierteilt“, wurde ihnen in akzentfreiem Englisch entgegen gespien
„Du bist keine Prinzessin, du bist ein Bastard und benimmst dich schlimmer als jeder Gassenjunge von London. Ich habe schon Prinzessinnen kennengelernt. Sie sind Edel und Höflich, haben gute Manieren und respektieren andere Menschen. Doch du kleine Kröte hast vor nichts Respekt. Du kannst noch nicht mal einen Mann während seines Gebetes in Ruhe lassen und quälst unschuldige Tiere. Warum sollte dich jemand respektieren? Keiner deiner Leute respektiert dich, sie haben nur alle Angst vor deinem Onkel, sonst wärst du vielleicht schon längst tot. Hast du dir darüber mal Gedanken gemacht. Du bist nichts weiter als ein Bas …“, bevor Danny dieses Wort noch einmal aussprechen konnte zog Steve ihn zurück. Denn jetzt liefen Loriana und Kono die Tränen über die Wangen, die Worte hatten die Wirkung, die die Schläge nicht vermocht hatten.
„Geht jetzt und nehmt eure Morgenmahlzeit zu euch. Für den Rest des Tages werdet ihr am Ende der Karawane reiten. Habt ihr verstanden?“, die Mädchen nickten Steve zu und liefen davon.
„Mensch, Danno. Ich hoffe wir werden dafür nicht aufgeknüpft wenn wir in Karakum ankommen“, murmelte Steve. „Und seit wann sind Prinzessinnen Edel und Höflich, die einzige Prinzessin die wir kennen, hat sich erst von mir und dann von dir flach legen lassen, ohne dass wir voneinander wussten.“
„Prinzessin Mathilda, was für ein Weib! Nein, an der war nichts Edel und Höflich …“, mit breitem schmutzigen Grinsen sahen die Männer sich an und gingen zu ihrem Frühstück zurück.

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BeitragThema: Re: Der MacGarrett Clan oder Ohana auf Schottisch   So Dez 22, 2013 1:33 pm


Weil das Kapitel fertisch ist und weil ichs kann ... für arni und buggie  crazy  crazy 


3.
 
1277, nordwestliche Highlands, Dornie/Spätherbst
 
Seit sieben Wochen weilten Loriana, Kono und Chin jetzt in den Highlands. Sie fühlten sich wohl und kamen langsam zur Ruhe. Fast drei Jahre hatten sie gebraucht um nach Schottland zu kommen. Es war eine Reise voller Gefahren, Entbehrungen und Angst vor Entdeckung gewesen. In ihre Heimat hatten sie nicht zurückkehren können. Die Flucht vor dem Mann, mit dem Loriana hätte verheiratet werden sollen, hatte dies unmöglich gemacht. Ihr Onkel hatte sie in gutem Glauben einem Chinesischen Adeligen zur ersten Frau versprochen, um die Beziehungen zwischen ihren Ländern zu verbessern. Was ihr Onkel nicht wusste war, dass der Adelige, dem sie zur Frau gegeben werden sollte, von seinem eigen Verwandten enteignet und dann getötet wurde.  Dieser Verwandte war berüchtigt dafür, sich durch Gewalt und Terror, Ländereien und Macht anzueignen. Ihr Onkel hätte sie nie freiwillig mit diesem Mann verheiratet.
Steve und Danny waren nach drei Jahren Abwesenheit zurückgekommen um sie zu ihrem zukünftigen Mann zu bringen. Vier Jahre waren die beiden Ritter in der Mongolei hängen geblieben, hatten die Sprache, asiatische Kampf- und Schwertkunst gelernt und waren unteranderem die Leibwächter der Prinzessin gewesen. Doch hauptsächlich ritten sie für den Khan.
Loriana stand in dem kleinen Ausguck auf dem Dach des großen Hauses und sah über dieses wunderschöne Land, das so ganz anders war als ihre Heimat. Es war grün und waldreich, hügelig und hinter den Hügel gab es eine lange flache Gegend mit grünen saftigen Wiesen auf denen Schafe und Kühe grasten. Sie hatte sich in dieses Land verliebt und nicht nur in dieses Land. In den letzten beiden Wochen war ihr klar geworden, dass aus ihrer anfänglichen Mädchenschwärmerei, Liebe geworden war. Doch der Mann ihrer Träume zeigte kein Interesse an ihr, sie schien immer noch die freche Göre für ihn zu sein, die kleine Schwester … dabei hatte sie Gedacht … ach …! Mit einem wehmütigen Gesichtsausdruck wandte sie sich von dem wunderschönen Sonnenuntergang ab, der alles in ein warmes Orange tauchte, und lief in Anna hinein.
„Oh … entschuldigt Lady Loriana, ich dachte hier ist niemand um diese Zeit. Ich gehe sofort wieder!“
„Nein Anna bleibt. Ich wollte gerade gehen, der Ausguck gehört wieder euch.“
Etwas in Loris Stimme ließ Anna aufblicken. Selten sah sie jemandem in die Augen, doch wenn sie es tat, hielt derjenige kurz die Luft an, denn Annas Augen waren von einem grün, das die Wälder und Wiesen und die tiefen Lochs wiederspiegelte und man konnte sich darin verlieren.
„Ihr seht traurig aus, Lady Loriana. Vermisst ihr eure Heimat?“
„Nein, merkwürdiger Weise vermisse ich meine Heimat nicht. Entschuldigt mich, Anna“, Lori nickte ihr noch einmal freundlich zu und verschwand. Verwundert blickte Anna ihr nach und zuckte dann mit den Schultern. Vielleicht hatte sie auch nur einen Moment der Ruhe bedurft, so wie sie selbst.
Hierher verirrte sich selten jemand, darum war dies ein Ort der Ruhe für sie. Hier konnte sie ihre Gedanken schweifen lassen, träumen und Kraft sammeln für den nächsten Tag. Sie trat an die gemauerte Brüstung, zog ihre Spitzenhaube aus und löste die Flechten in ihrem Haar. Eine leichte Brise ließ ihre langen dunkelbraunen Locken in der warmen Abendluft flattern. Anna schloss die Augen und genoss den Wind in ihren Haaren. Sie hasste dieses Spitzending, doch Lady MacGarrett bestand darauf, dass sie es trug.
Oh, diese Frau … sie lässt den sanftesten Menschen zum Teufel werden, dachte Anna. Mit Gewalt zwang sie sich jetzt, nicht an diesen Drachen zu denken. Die wenige freie Zeit wollte sie genießen. Langsam ging die Sonne hinter einem der Berge unter. Auch für sie war dieses Land zur Heimat geworden. Es war ihrer eigenen Heimat nicht unähnlich, doch noch grüner als die Wälder von Germanien. Sie verdrängte den Gedanken an ihr zu Hause, denn auch das barg schmerzliche Erinnerungen. Erinnerungen an grausame Menschen die sie für Ruhm und Macht verkauft hatten. Von denen sie geglaubt hatte, sie wären ihre Familie und würden sie lieben. Und dann noch einmal verraten von ihrer engsten Vertrauten, ihrer Cousine. Nie wieder würde sie jemandem so sehr vertrauen, selbst Danny und Steve wussten nicht alles über sie, obwohl sie diesen beiden ungewöhnlichen Männern so viel Vertrauen geschenkt hatte und ihnen in ihre Heimat gefolgt war. Sie hatten sich gegenseitig vertrauen müssen, denn sonst wären sie alle vier gestorben. Anna verfing sich in ihren Gedanken an die Vergangenheit. Die letzten zweieinhalb Jahre waren die schönsten ihres Lebens gewesen, bis SIE hier erschien.
 
Von der Brücke aus, über die er geritten kam, hatte er Lori auf dem Ausguck gesehen. Schnell war er abgestiegen und die vielen Stufen und Gänge nach oben gelaufen. Er wollte sie fragen, ob sie morgen mit ihm und Anna nach Skye übersetzen wollte. Dort, in der kleinen Hauptstadt Kiltraglen fand alle drei Monate ein großer Markt statt. Leise betrat Steve den Ausguck und blieb wie angewurzelt stehen. Er glaubte eine Erscheinung zu haben, als er die Frau sah. Ihr langes Haar flatterte im Wind und die letzten Sonnenstrahlen zauberten wunderschöne dunkelrote Lichter darauf. Ein zarter Duft nach Blumen und Kräutern wehte ihm entgegen, kurz schloss er die Augen um den Duft in sich aufzunehmen.
Anna die sich auf einmal beobachtet fühlte drehte sich um und blickte direkt in Steves schöne Augen, sein Gesichtsausdruck war weich und ein Lächeln lag auf seinen Lippen. Sofort senkte sie den Blick und wandte sich wieder ab, sie spürte wie ihre Wangen heiß wurden und Wärme sich in ihrem Körper ausbreitete. NEIN! Rief sie sich in Gedanken zu. Mit fahrigen Fingern drehte sie ihre Haare zusammen und stopfte sie unter ihre Haube.
„Herr, kann ich etwas für euch tun?“, ihre Stimme klang fast unfreundlich und Steve zuckte leicht zusammen.
„Mich endliche wieder Steve nennen, wäre ein Anfang, aye? Mir nicht immer aus dem Weg gehen und wieder eine normale Unterhaltung mit mir führen“, schnaubte er. Steve wollte nicht wütend werden, doch Anna schaffte dies immer wieder.
„Tut mir Leid, Mylord. Ich weiß nicht was ihr meint. Wir reden jeden Tag miteinander und ihr seid der Laird. Also nenne ich euch Herr. Wir sind schließlich keine Freunde“, dieser letzte Satz war für Steve wie ein Schlag ins Gesicht. Er richtete sich zu seiner vollen Größe auf, der Soldat in ihm kam zum Vorschein. Da Anna ihn nicht ansah, konnte sie nicht sehen wie kurz Schmerz über sein gutaussehendes Gesicht huschte, bevor es sich verschloss. Doch sie spürte, dass sein Körper voller Anspannung war.
„Da habe ich mich wohl geirrt, Mistress. Aber von nun an werde ich mich so verhalten, wie es sich für einen Laird seinem Gesinde gegenüber geziemt, aye!“, seine Stimme klang eisig als er diese Worte aussprach und Anna bekam eine Gänsehaut. In diesem Ton sprach er nur mit seiner Mutter. Wahrscheinlich hatte er auch die Augenbrauen zusammengezogen, sie traute sich aber nicht zu ihm auf zusehen. Doch sie hatte es endlich geschafft, dass er sie wie eine Angestellte behandelte, dachte sie traurig. Hoffentlich würde seine Mutter sie jetzt endlich in Ruhe lassen.
„Ich dachte Lady Loriana hier oben gesehen zu haben, wisst ihr wo sie ist? Ich will mir ihr morgen nach Skye segeln, zum Markt.“
„Sie war hier und ist dann gegangen, Herr. Ich weiß nicht wo sie hin ist“, es gab ihr einen Stich als sie hörte, dass er mit Lady Loriana zum Markt fahren wollte. Sie hatten das sonst immer zusammen gemacht. Er fragte nicht einmal ob sie mitkam, aber das hatte sie wohl verdient und auch herausgefordert.
„Schreibt auf was ihr vom Markt braucht und gebt die Liste Angus, aye“, sagte er über die Schulter schon auf dem Weg ins Haus.
Endlich hatte sie es geschafft Steve loszuwerden. Sie hatte einen der liebenswertesten Menschen verletzt den sie kannte, Steve war immer freundlich und nie aufdringlich zu ihr. Sie hatten sich gegenseitig das Leben gerettet … sie würde nicht länger hier bleiben können. Es war für alle Beteiligten sicherer wenn sie sobald wie möglich ihre neue Heimat verließ.
 
Chin presste sich in die kleine Nische, die sich neben dem Aufgang zum Ausguck befand, als Steve in den Flur stürmte. Ein Blick in sein Gesicht sagte Chin, das er tief verletzt war. Er hatte nicht lauschen wollen, er war Steve nachgegangen, als dieser eilig die Stufen nach oben rannte und da er selbst noch nicht auf dem Ausguck gewesen war, wollte er sich diesen einmal anschauen. Dass er dann in so ein intimes Gespräch geriet hatte er nicht vermutet. Er löste sich aus der Nische und wollte in sein Gemach begeben, da kam Anna vom Ausguck. Sie war bleich und sah unendlich traurig aus. Sie nickte ihm knapp zu und ging weiter. Sonst hatte sie immer ein freundliches Wort übrig, für jeden in diesem Haushalt. Außer für Steve. Nachdenklich ging Chin in sein Zimmer, er legte Holz im Kamin nach und setzte sich mit einem Glas Wein auf den gepolsterten Stuhl um nachzudenken.
Er war ein sehr sensibler Mensch, der unterschwellige Gefühle spürte, der nicht viel redete aber beobachtete und dadurch manchmal mehr erfuhr, als bei so mancher Unterhaltung herauskam. Denn die Menschen sagten nicht immer alles mit Worten und oft sagten sie nicht die Wahrheit, aus den unterschiedlichsten Gründen. Manchmal logen sie aus Angst.
Er hatte Anna jetzt schon öfters in den Wald begleitet wenn sie Kräuter sammeln ging. Meistens gingen sie zu Fuß, obwohl es eine weite Strecke war, doch Anna hatte immer noch großen Respekt vor den Pferden, außer Trojan den mochte sie, Steves Schlachtross. Nur wenn es gar nicht anders ging ritt sie mit Mable aus, einem kräftiger gutmütiger Zelter.
Während ihrer Ausflüge veränderte sie sich, je weiter sie vom Schloss entfernt waren. Sie wurde lebhaft und erzählte kleine Anekdoten aus ihrem Alltag. Sie hatte viel Humor und war sehr intelligent, sprach mehrere Sprachen und war belesen. Genau wie Chin, kannte sie sich in der Heilkunst aus, sie disputierten welche Kräuter für welche Krankheiten am besten geeigneten seien oder wie man offene Wunden am besten behandelte. Sprachen über Methoden des Aderlasses und was sie davon hielten. Doch wenn es zurück zum Schloss ging, verwandelte sie sich wieder in einen anderen Menschen. Sie verschloss sich, redete nur noch das nötigste, das hübsche Lächeln verschwand aus ihrem schönen Gesicht und sie starrte nur auf den Boden.
Chin war sich sicher, dass es mit Lady MacGarrett zu tun hatte. Zu ihrer aller Verdruss war die Dame immer noch nicht abgereist. Sie behandelte Steves Freunde und Gefolgsleute, höflich, so höflich, das jeder wusste wie unwillkommen er auf diesem Schloss war. Steves Laune verschlechterte sich von Tag zu Tag. Da Danny immer noch in Inverness weilte und Lady Catherine abgereist war, gab es auch keinen Puffer zwischen Steve und seiner Mutter.
Chin nahm sich vor herauszufinden, was diese Frau im Schilde führte. Warum Anna sich so benahm und warum sie Steven so zurückgestoßen hatte.
 
Auf dem Rückweg von Inverness nach Dornie, musste Sir Daniel mit seinen Männern an der Grenze zu den Campbellchen Ländereien vorbei. Die Männer waren angespannt und Wachsam, zwei Späher waren voraus geritten.
Kono, die Daniel begleitet hatte, fand es spannend und aufregend. Inverness hatte ihr gutgefallen, sie wurde zwar wie ein zweiköpfiges Schaf angestiert, doch war niemand unhöflich zu ihr. Wahrscheinlich würde sich das auch niemand in der Gegenwart von Danny und seinen Rittern trauen. Drei Wochen waren sie unterwegs gewesen, davon zehn Tage nur für die Hin- und Rückreise. Sie hatten viele Waren gekauft, die teilweise mit dem Schiff angekommen waren. Übernachtet hatten sie bei Verwandten von Danny, die für sie ein Fest gegeben hatten. An dem Abend des Festes wurde sie von Daniels Cousine Bridget zu Recht gemacht. Sie hatte ein wunderschönes Kleid angezogen und ihre Haare hatte man aufgesteckt. Als sie in die polierte Messingplatte schaute, die als Spiegel diente, hatte sie sich erstaunt gemustert. Sie hatte so ganz anders ausgesehen, aber sie fand sich sehr weiblich und schön. Ganz in Gedanken versunken, dachte sie an dieses Fest zurück, sie hatte mehrmals mit einem von Dannys und Steves Rittern getanzt, ein Ritter der seine asiatische Herkunft auch nicht verleugnen konnte. Wie sie wusste, diente er schon seit sechs Jahren für ihre Freunde. Die Ritter des MacGarrett Clans waren so unterschiedlich in ihrer Herkunft, das es Kono wunderte das nie Streitigkeiten aufkamen. Doch die Jahre des Kampfes schien sie zusammengeschweißt zu haben. Sie ließ sich ein bisschen zurückfallen und landete wie zufällig neben Adam. Bevor sie eine Unterhaltung beginnen konnte, kamen die Späher zurück. Danny hob die Hand und der Tross hielt an.
Cullen stoppte im vollen Galopp vor Danny, sodass sein Pferd hochstieg. Er war noch in der Ausbildung zum Ritter und einer der jüngsten. Durch und durch Schotte und meistens hatte er immer ein blaues Auge, weil er so eine freche Klappe hatte.
„Sir, ungefähr 15 Campbells, in voller Kampfmontur, kommen in unsere Richtung. Es scheint als hätten sie schon seit Tagen auf uns gewartet, sie stinken drei Meilen gegen den Wind.“
„Fünfzehn Männer? Die trauen sich ja was, aye!“, Danny spie verächtlich aus. Sie waren zwar den Campbells an Mann und Ausrüstung überlegen. Die Campbells waren zwar faule Kuhdiebe aber nicht dumm, sie hatten sich eine gute Stelle ausgesucht um die Gruppe anzugreifen. Sie ritten gerade durch eine enge Schlucht, sodass sie nicht nach rechts und links ausweichen konnten. Wahrscheinlich würden auch hinter ihnen einige Campbells auftauchen. Von vorne würden sie angreifen und von hinten würden wie versuchen ihre Waren zu stehlen.
„Wir reiten in Kampfstellung weiter. Adam, du bist mir für Lady Konos Sicherheit verantwortlich, aye?“
„Aye, Sir!“
Kono schnaubte empört auf, sie war selbst ein Leibwächter und brauchte kein Kindermädchen. Gerade wollte sie widersprechen, doch die eisblauen Augen von Danny ließen sie jedes Wort innehalten. Immer wenn er sie so ansah, wollte ihre Hand über ihren Hintern fahren, sie hatte nie vergessen wie er ihr den Hintern gehauen hatte. Obwohl dies schon so viele Jahre her war.
„Hier kannst du nichts mit deiner Kampfkunst anfangen, hier sprechen die Schwerter. Große Schwerter. Verstanden?“, ergeben nickte Kono.
Cullen und der andere Späher Gavin, sowie Dougal, ein altgedienter Soldat, wurden an das Ende des Trosses geschickt.
Es dauerte keine zehn Minuten da kamen die Campbells mit lautem Kampfgeschrei auf sie zugeritten. Innerhalb von Sekunden verwandelte sich die vormals ruhige Schlucht in den Vorhof zur Hölle. So jedenfalls kam es Kono vor. Sie war noch nie wirklich im Kampfgeschehen gewesen, ausgebildet in asiatischer Kampfkunst, im Schwertkampf und Pfeil und Bogen, hatte das erlernte aber noch richtig in die Tat umsetzen können. Jetzt juckten ihr die Finger, Adrenalin schoss in ihren Körper und ihre Augen fingen wild an zu glitzern. Es war nicht so dass sie nicht bewaffnet war, zu ihrer Reitkleidung, bestehend aus einer Lederhose und Stiefeln, darüber ein langer enganliegender Mantel, der in der Mitte gegürtet wurde, trug sie ein Kurzschwert.  Das zog sie jetzt. Adam der eng an ihrer Seite ritt, sah sie misstrauisch an. Er versuchte nach den Zügeln ihres Pferdes zu greifen, im gleichen Moment gab Kono ihrem Pferd die Sporen. Adam stieß einen lästerlichen Fluch aus und Kono lachte laut. Schon stürzte sie sich ins Kampfgeschehen. Überrascht musste sie feststellen, dass ihre Angreifer fast noch Kinder waren. Dünne schlaksige Jungen, nicht weniger gefährlich, da sie unberechenbar kämpften.
Auch Danny war über die Angreifer mehr als erstaunt, er hatte erwartet das der alte Campbell und seine Gefolgsleute diesen Angriff führen würden, aber es schien als würden sie von den Knappen bedrängt. Für die gut ausgebildeten Ritter, waren sie leichte Beute. Danny rief seinen Männern zu, sie zu umkreisen und gefangen zunehmen. Wenn möglich keinen verletzten oder gar töten. Mit der flachen Seite ihrer Schwerter schlugen die erwachsenen Männer auf die Jungen ein. Holten sie damit vom Pferd und nach einigen Minuten hatten sie sie, alle in ihrer Mitte gefangen.
Wütend und gedemütigt sahen die jungen Männer zu Danny auf. Der Älteste von ihnen spie vor Dannys Füßen aus, was ihm eine Backpfeife von diesem einhandelte.
„Wo sind eure Väter?“, fragte Danny. Er bekam keine Antwort. „Ich frage noch einmal, Junge. Aye?“
Wieder keine Antwort. Nachdenklich musterte Danny seine Gefangenen, dann suchte er sich den Jüngsten und schmächtigsten aus. Ein Blick zu Dougal und dann zu dem Kind und der alte Soldat zerrte es nach vorne. Wütend schnaubte der Älteste von ihnen.
„Such dir, jemanden aus der es mit dir aufnehmen kann, Williams“, er wollte aufspringen doch Kono war auf ihn zugetreten und hielt ihm die scharfe Klinge ihres Schwertes an den Hals.
„Hier ist niemand der es mit mir aufnehmen kann, Junge. Ich frage jetzt nochmal, wo sind eure Väter? Und wenn die Antwort nicht befriedigend ist, wird dem Kleinen hier erst der Kopf rasiert und dann sehen wir weiter. Vielleicht kann er ja auch mit einer Hand Vieh stehlen.“
Dannys Worte lösten sofortige Panik in dem Gesicht des Kindes aus und Tränen wollten sich einen Weg aus den blauen Augen bahnen. Mühsam wurden sie zurück gedrängt.
„Lass sie in Ruhe, du Schwein“, genau das hatte Danny sich gedacht. Das jüngste Mitglied der Bande war ein Mädchen. Ein kurzes nicken zu Dougal und der Riss an dem langen verfilzten Haar des Mädchens, das nun laut und verzweifelt aufschrie.
„Wir wissen nicht wo unsere Väter sind, seit zwei vollen Monden sind sie verschwunden. Sie hatten vor zu den Inseln überzusetzten um Beute zumachen. Doch bisher sind sie nicht zurückgekehrt. Vielleicht sind sie in die Herbststürme gekommen und untergegangen. Keine Ahnung.“
„Wie heißt du, Junge?“
„Jamie Campbell“, presste der Junge raus.
„Jamie, du bist der jüngste Sohn des Laird“, stellte Danny fest. „Warum seid ihr auf Raubzug?“
Wieder schwieg Jamie, seinem Gesicht sah man den inneren Kampf an, doch erst als Dougal an den Haaren des Mädchens zog, gab er Antwort.
„Bitte, lasst meine kleine Schwester in Ruhe. Ich sage euch alles“, seine Stimme drückte Verzweiflung und Resignation aus. Wieder nur ein leichtes nicken mit dem Kopf und Dougal ließ von dem Kind ab.
„Bevor mein Vater und seine Männer auszogen, waren sie auf einem Beutezug auf den Ländereien eures Onkels, des Duke of Harrington. Sie eigneten sich einige Kühe und Schafe an und verschwanden wieder. Doch der Sohn des Dukes kam dahinter und einige Tage später, ritt er auf unser Land setzte die Felder mit dem reifen Hafer in Brand und nahm uns alles Vieh ab, das er finden konnte. Die Hütten unserer Pächter wurden gebrandschatzt und ein Teil der Männer getötet. Bis zum Schloss kam er nicht. Ließ nur eine Nachricht zurück, sollte nochmal jemand der Campbells nur einen Zeh auf Harrington Land setzen, würden sie uns ausrotten.“
Danny verlor alle Farbe aus dem Gesicht. Viehdiebe wurden hart bestraft, oft mit dem Tod. Eigentlich war es ein Geplänkel unter den Clans, du klaust mir was und ich klaue es mir wieder. Doch meistens nichts ernsthaftes, vorausgesetzt es gab keine Fehde unter den Familien. Er wusste, dass dies so war, nie hatte es wirklichen Streit zwischen den Williams und den Campbells gegeben. Genauso wenig mit den MacGarretts. Doch den Menschen die Lebensgrundlage zunehmen, die Ernte verbrennen, und auch noch zu brandschatzen, entbehrte jeder Grundlage. Aber so war sein Cousin Billy Williams, zukünftiger Duke of  Harrington. Danny glaubte noch nicht einmal, dass sein Onkel von diesem Überfall wusste. Wahrscheinlich war Billy mit seinen höfischen Rittern losgeritten und hatten sich die Langeweile vertrieben, denn meistens weilte Billy am Hof von Alexander III, und leckte dessen Stiefel.
„Euer Cousin … hat … hat dafür gesorgt, dass wir des Hungers sterben. Es sind nur noch Alte, Frauen und Kinder da. Jeden Tag beklagen wir Tote, die Mütter haben keine Milch mehr um die Babys zu stillen … wir …“, Jamie brach ab, dem jungen stolzen Mann, der höchsten dreizehn oder vierzehn war, liefen die Tränen über die eingefallenen Wangen. Auch die anderen Kinder sahen nicht besser aus.
Die Ritter waren fassungslos über das gehörte, jeder von ihnen hatte harte und schwere Zeiten hinter sich und schon Hunger gelitten. Sie konnten sich sehr gut in die Kinder versetzen. In Danny arbeitete es, er konnte es nicht zulassen das Unschuldige leiden mussten. Er hatte genug Leid für zwei Leben gesehen. Steve würde ihm zustimmen und so entstand ein Plan in seinem Kopf. Er nahm Dougal beiseite und sprach leise mit ihm. Kono hörte zu und war wieder einmal sehr stolz diesen Mann zu kennen.
„Dougal, sorge dafür dass die Kinder etwas zu essen bekommen. Aber nicht zu viel, wenn sie lange nichts gegessen haben tut ihnen zu viel Essen nicht gut. Erst werden wir sie mit nach Hause nehmen, dann werden wir einige Vorräte packen und zu den Campbells bringen, aye?“
„Aye, Danny Sir“, auch Dougal hatte schon viel in seinem Soldatenleben gesehen, aber noch nie Kinder die aus Hunger und Verzweiflung eine stark bewaffnete Ritterschar überfielen. Er wandte sich um und rief Cullen zu sich, mit ihm bereitete er kleine Rationen vor.
Danny wandte sich wieder an Jamie Campbell und sah ihn eindringlich an.
„Jamie, du bist im Moment das Oberhaupt deines Clans, ich mache dir jetzt einen Vorschlag. Entscheide weise und nicht aus falschem Stolz, aye?“, Jamie nickte. Danny erklärte ihm was er beabsichtige. „Ich will weder dein Land, noch deinen Lehnseid. Ich will nur meinen Nachbarn helfen. Verstanden? Und der Earl von Dorrant and Skye, Steve MacGarrett, wird mir zustimmen.“
Danny machte eine Geste, das Jamie aufstehen sollte. Obwohl er dünn wie eine Bohnenstange war überragte er Daniel um einen halben Kopf. Jamie drehte sich zu seinen Leuten und alle sahen sie ihn aus flehenden Augen an. Er schluckte schwer und drehte sich wieder zu Danny.
„Ich nehme euer Angebot an, Sir Williams.“
„Gut Junge. Dougal gibt euch jetzt etwas zu essen, nehmt es langsam zu euch, sonst bekommt ihr Magengrummeln, danach versorgt er eure Wunden“, damit drehte er sich von den Kindern weg und ging zu Kono.
„Was hast du nicht verstanden als ich sagte, du sollst dich aus dem Kampf raushalten? Verdammtes Weib!“, fuhr er sie an. Doch Kono drückte ihn an sich. Sie kannte ihn gut genug um zu wissen, dass seine schroffen Worte seine Gefühle verbergen sollten
„Du bist so ein guter Mensch, jeder andere hätte die Kinder niedergemetzelt. Ich wusste dass du dem Mädchen nicht die Haare abschneidest. Mein Danno, mein großer Bruder.“
„Ach, lass mich in Ruhe, du Hexe!“, brüsk und verlegen schob Danny Kono von sich.

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BeitragThema: Re: Der MacGarrett Clan oder Ohana auf Schottisch   Do Dez 26, 2013 11:05 pm


4.
 
Verdutzt sah Loriana Steve hinterher. Dieser rauschte an ihr vorbei und schien sie nicht zu bemerken, sie rief ihm noch hinterher er solle auf sie warten, doch er zeigte keinerlei Reaktion. Was war geschehen das er so aufgewühlt schien? Diesen Gesichtsausdruck titulierte Danny immer mit `komm mir nicht zu nahe, oder ich weide dich aus Gesicht´. Schnell ging sie ihm nach, vielleicht konnte sie etwas für ihn tun. Aber das einzige was sie noch von ihm zusehen bekam war, als er sich auf den ungesattelten Trojan schwang und Will, den schmächtigen Stallburschen, fast über den Haufen ritt.
 
Erst als ihm von Trojan Schweißflocken entgegen flogen und seine enge hirschlederne Hose feucht an seinen Beinen klebte, verlangsamte Steve das Tempo. Er ritt noch einige Meter und hielt dann an einer flachen Stelle des Loch Duich an. Trojan schnaubte etwas beleidigt, hatten sie doch schon einen scharfen Ritt heute hinter sich. Doch das Tier spürte auch das sein sonst so ausgeglichener Herr voller Aufruhr war. Steve schwang ein Bein über Trojan und ließ sich langsam zu Boden gleiten, blieb in Kopfhöhe von Trojan stehen und blickte, wie sein Ross, über den dunklen Loch. Beide gaben ein lautes Schnauben von sich. Er fühlte einen ungewohnten Druck in seiner Brust und ein Schrei, geboren aus Schmerz und Wut, entrang sich seiner Kehle.
Hätte ihn, in diesem Moment, einer seiner Freunde oder Soldaten gesehen, würden sie nicht glauben, Steven John MacGarrett, Earl of Dorrant and Skye, Herrscher über große Ländereien, vor sich zu haben. Ein Mann der in jungen Jahren seine Heimat verließ um Abenteuer zu bestehen. Der schöne und grauenvolle  Jahre hinter sich gebracht hatte. Hart geworden im Kampf und mit den Erinnerungen an unendliches Leid. Ritter und Soldat, den nichts mehr so schnell aus der Fassung bringen konnte, war vollkommen aufgelöst. Denn auch er war nur ein Mann der verliebt war und die Frau die er schon so lange liebte, obwohl er sich das selbst erst vor einigen Monaten eingestanden hatte, hatte ihm soeben das Herz aus der Brust gerissen.
„Tut mir leid, mein Großer“, sprach er zu seinem treuen Begleiter. „Doch ich musste aus dem Haus raus. Du bist auch meiner Meinung, dass Frauen für nichts gut sind. Sie machen nur Ärger. Ich dachte wirklich Anna und ich … ach …!“, Steve stieß einen gälischen Fluch aus, der das Gras hätte in Flammen setzen können und verstummte dann. Trojan wieherte zur Bestätigung des Fluches.
„Dir ist es mit Mable doch auch nicht anders gegangen, oder? Erst zeigen die Damen Interesse und dann die kalte Schulter. Weiber!“, redete Steve mit seinem Pferd weiter, das ihn genau zu verstehen schien. Zwischen ihnen bestand eine ganz besondere Verbindung. Steve hatte dieses Tier vom Khan geschenkt bekommen, als es noch ein Fohlen war. Hatte ihn selbst trainiert und zu einem der besten Streitrösser gemacht, das er je geritten war. Beide hatten zu Anfang eine Zeit gebraucht, bis sie sich aneinander gewöhnten, denn beide hatten einen starken Willen. Doch nun war es tiefe Liebe die sie verband, immer noch hatte Trojan seinen eigenen Kopf und tat noch lang nicht alles was Steve wollte und umgekehrt. Doch in der Schlacht waren sie Eins.
„Erinnerst du dich noch an unsere Reise hierher? Anna, hatte so große Angst vor dir, eigentlich vor jedem Pferd, das sie partout nicht auf einem Pferd reisen wollte. Mit Engelszungen haben Danny und ich auf sie eingeredet. Wir konnten doch nicht in einem Karren reisen, dann wären wir wahrscheinlich jetzt noch unterwegs. Doch du hast es geschafft sie zu überzeugen“, Steve lachte leise als er daran zurück dachte:
 
Anna hatte um einen Apfel gebeten und war dann um Trojan herumgeschlichen, traute sich aber nicht näher. Er war auch ein ungewöhnlich großes Pferd, sein Stockmaß bis zur Schulter betrug 5,5 Fuß (ca. 170cm) und Anna war nur knapp 5,2 Fuß groß (ca. 159cm), dazu noch fast schwarzes Fell ohne irgendeine Blesse, ließen ihn gefährlich erscheinen. Irgendwann war Trojan langsam auf sie zugegangen, denn er wollte diesen verdammten Apfel haben, blieb direkt vor ihr stehen und schaute sie nur an. Anna war wie erstarrt, den Apfel hielt sie krampfhaft an ihre Brust gepresst, als ob er sie beschützen könnte, die Augen weit aufgerissen, starrte sie Trojan an. Als sie immer noch keine Anstalten machte ihm den Apfel zu geben, schnaubte er ihr entrüstet ins Gesicht. Ihre Haare flatterten leicht und seine weichen Nüstern berührten ihr Gesicht. Anna fing an zu kichern und das Eis war gebrochen. Mit zitternden Fingern hielt sie Trojan den Apfel hin und er nahm ihn vorsichtig aus ihrer Hand, kaute gemächlich und verlangte danach eine Streicheleinheit, indem er sie an schubste. Steve war so stolz auf beide gewesen.
 
Trojan stupste jetzt Steve sanft mit seiner Nase ans Ohr, schnaubte leise, sodass Steves seinen Atem spürte. Woraufhin er seine Hand hob und sanft über das weiche Maul strich.
„Wir haben so viel zusammen durchgemacht …“, wie zur Bestätigung nickte Trojan mit dem Kopf, senkte diesen und schnüffelte an Steves Sporran, in dem immer eine Leckerei für ihn versteckt war. Aber der dunkelhaarige Mann war so mit seinen schweren Gedanken beschäftigt das er es nicht bemerkte, er bückte sich und wollte nach einem Stein greifen um ihn über das Wasser hüpfen zulassen, da stieß Trojan ihn mit dem Kopf feste gegen den Hintern, und Steve landete im feuchten Gras. Entrüstet drehte er sich zu seinem Pferd. Doch das hatte sich rumgedreht und zeigte ihm seinen Allerwertesten. Wenn Steve nicht wüsste das es unmöglich war, hätte er geschworen das Trojan lachte.
„Echt jetzt? Blöder Ackergaul! Wenn du so weiter machst kommst du doch noch auf einen  Spieß“, schimpfte Steve mit ihm, musste aber dennoch lachen.
„Wenn Mable das nächste Mal rossig ist, lass ich dich nicht in ihre Nähe.“
Plötzlich hob das edle Pferd den Kopf und schien in die Nacht hinein zu lauschen. Seine Ohren bewegten sich in alle Richtungen und seine Nüstern blähten sich. Steve schritt auf ihn zu und konzentrierte sich selbst auf die Geräusche der Nacht. Die Nachttiere waren verstummt und man hörte nur das leise Rauschen der Bäume im Wind und des Wassers. Er hörte noch nichts, Trojan schon!
„Was ist los, mein Großer? Nähert sich Gefahr?“, flüsterte Steve. Kurz darauf hörte er es auch. Eine große Reitergruppe näherte sich, sie schienen es eilig zu haben. Steve schwang sich auf Trojans ungesattelten Rücken und ritt in den Schatten der Bäume, er musste wissen wer auf seinem Land unterwegs war, wollte aber nicht sofort entdeckt werden, denn er war unbewaffnet vom Schloss weggeritten.
Es dauerte noch einige Minuten als er die ersten Reiter entdeckte, um dann festzustellen dass es seine Leute waren. Danny war zurück! Endlich!
 
Das Abendessen schien nicht enden zu wollen und war eine Qual für alle. Außer für Lady MacGarrett! Sie bestritt die Unterhaltung, und diesmal ließ ihre Höflichkeit zu wünschen übrig. Selbst ihre Hofdamen, schauten betreten auf ihre Teller.
„Lady Loriana, Sir Chin … wie lange gedenken sie noch auf Kosten meines Sohnes hier zu verweilen?“
In Loriana wollte die Prinzessin hervor preschen und dieser arroganten Frau endlich einmal die Meinung sagen. Bevor sie loslegen konnte spürte sie einen tritt unter dem Tisch.
„Lady MacGarrett, so lange er uns hier haben möchte. Und sie?“, die letzten beiden Worte waren dem bedächtigen Chin aus dem Mund geschlüpft, bevor er etwas dagegen tun konnte.
Zwei der anwesenden Ritter husteten vernehmlich, Loriana grunzte leise und trat Chin unter dem Tisch zurück.
„Ihr unverschämter asiatischer Bastard …“, Lady Dorothy war aufgesprungen und sah wütend auf Chin. In diesem Moment wurde die Tür aufgerissen und Steve, Danny und Kono betraten die kleine Halle. Die letzten Worte seiner Mutter hatte Steve noch vernommen. Mit flammendem Blick starrte er seine Mutter an.
„Was geht hier vor? Warum beschimpfst ihr meinen Freund, Dorothy?“, Lady Dorothy wollte gerade ihre Tirade loslassen, aber Steve hob die Hand.
„Vergesst es, ich will nicht wissen was in eurem Kopf vorgeht. Zieht euch in eure Gemächer zurück, ich habe mit meinen Leuten wichtiges zu besprechen“, damit drehte er sich von ihr weg.
„Du wagst es in solch einem Ton, vor diesen Speichelleckern und Schnorrer mit mir zu sprechen …“, keifte sie auf. Die ganze vornehme Fassade bröckelte von ihr ab und sie ließ eine Schimpftirade auf Steve los, die seines gleichen suchte.
„Du bist wie dein erbärmlicher Vater, glaubst du wirklich das sind deine Freunde? Oder diese kleine Hure Anna, der du nachstierst wie ein liebeskranker Ochse, aber ihr habe ich den Zahn gezogen, das sie dich jemals erhört.“, mit einer ausholenden Handbewegung zeigte sie auf die Menschen die in der kleinen Halle standen. „Auch dein Vater hat alles durchgefüttert, was hier auf den Hof gekrochen kam. Hat den Pächtern ihre Schulden erlassen, anstatt sich das zu holen was ihm zustand. Zum Schluss hatte er so viele Schulden, das ich noch nicht einmal am Hofe bleiben konnte. Er war ein Rückgratloser Schlappschwanz und du ...“, bevor sie den Satz beenden konnte war Steve bedrohlich nahe auf sie zugetreten und schnitt ihr das Wort ab. Kein Laut war in der Halle zu hören, die Anwesenden hielten vor Empörung die Luft an.
„Mein Vater, hat nur einen Fehler gemacht“, Steves Stimme war gefährlich ruhig, als er seiner Mutter antwortete, „und zwar den, euch nicht schon vor vielen Jahren verstoßen zu haben. Denn die Schulden, die ihr gerade erwähntet, Mutter“, er spie dieses Wort geradezu heraus, „habt ihr ihm mit eurem ausschweifenden Leben am Hofe beschert. Ihr wart weder eine gute Mutter noch eine gute Ehefrau oder Hausherrin. Ihr habt nur an euren Vorteil gedacht und uns ohne schlechtes Gewissen zurückgelassen. Meine Schwester habt ihr an einen Fremden verheiratet, zu eurem eigen Vorteil. Meine Männer suchen weiterhin nach ihr und wenn ich sie finde, Gnade euch Gott. Ihr seid nur hierher zurückgekommen um mich genauso zu schröpfen, wie ihr es mit meinem Vater getan habt. Doch das ist jetzt vorbei. Ihr werdet morgen mit Angus und Dougal nach Skye aufbrechen und auf Dunscaith Castle verweilen. Mein dortiger Verwalter, wird dafür sorgen das ihre alles bekommt was ihr zum Leben braucht, nicht mehr und nicht weniger. Fangt an zu packen, Mylady. Mit der Flut werdet ihr auslaufen. Und jetzt geht mir aus den Augen.“
„Du kannst mich nicht so einfach abschieben, und ich lasse mir von dir nichts vorschreiben.“
„Ihr vergesst, dass ihr Witwe seid und so unter meinen Haushalt fallt. Ich kann nach eigenem Gutdünken handeln“, sein ganzer Körper drückte Zorn, ja fasst Hass aus. Nur mit Mühe beherrschte er sich. Dannys Hand legte sich auf seinen Rücken, was ihm half nicht auf seine Mutter loszugehen.
Diese warf ihm noch einen letzten Blick zu, und rauschte hocherhobenen Hauptes aus dem Raum, gefolgt von ihren Hofdamen.
„Wo ist Anna?“, knurrte Steve leise. Die Worte seiner Mutter hatten sich in seinen Kopf gebrannt und auf einmal wurde ihm so einiges klar. Doch durch die ungewohnten und neuen Gefühle die durch seinen Körper rasten, hatte er es vollkommen übersehen.
„Wo ist sie?“, schrie er jetzt Chin und Loriana an. Sein Atem ging schwer, als sei er gerannt. Die Beherrschung nicht zu verlieren hatte einiges von ihm abverlangt.
„Ich habe sie auf dem Ausguck das letzte Mal gesehen“, antwortete Lori leise und Chin bestätigte dies mit einem Nicken.
Wütend stapfte Steve aus der Halle und Danny folgte ihm, er wollte nicht dass Steve sich doch noch zu einer unbedachten Handlung hinreißen ließ.
„Steven, beruhige dich erst einmal!“
„Ich bin die Ruhe selbst“, schrie er seinen Freund an, rannte jetzt die Treppe zu den Schlafgemächern hoch. Danny verdrehte die Augen, er wusste wenn Steve in diesem Zustand war, konnte man kein  vernünftiges Wort mit ihm reden. Was ihn nicht davon abhielt es  trotzdem zutun.
„Du hast wieder dieses Gesicht aufgesetzt, für das man kaum Worte findet. Kannst du mir jetzt sagen was du von Anna willst? Außer sie zu erschrecken?“, wie immer seiner Worte mit heftigem Gestikulieren begleitend, lief er rückwärts vor Steve her.
Vor Annas Tür angekommen hieb Steve mit der Faust gegen die schwere Holztür, die daraufhin aufsprang.
„Anna?“, mit einem unguten Gefühl in der Bauchgegend betrat Steve Annas Schlafzimmer. Aufmerksam sah er sich um und eine furchtbare Ahnung setzte sich in seinem Kopf fest. Ihre Kleidertruhen stand offen, das Feuer war heruntergebrannt, ihr Abendmahl stand auf dem Tisch und war nicht angerührt. Daneben lag ein Brief aus wertvollem handgeschöpften Papier, versiegelt mit einem ihm unbekannten Siegel. Mit zittrigen Fingern nahm er den Brief zu Hand, unsicher ob er den Inhalt wirklich lesen wollte.
„Steven, kannst du mir sagen was in meiner Abwesenheit geschehen ist?“, fragte Danny sanft. Ihm war auch klar, was der Brief und die halbleere Kleidertruhe zu bedeuten hatte. Langsam ließ Steve sich in Annas Lieblingssessel sinken. Hier nahm sie Platz um zu lesen oder Handarbeiten zu verrichten. Er hatte ihn für sie angefertigt, denn in den anderen großen Sesseln verschwand sie fast und kam nicht mit den Füßen auf die Erde. Dieser war genau auf ihre zierliche Gestalt angepasst. Mit einem kleinen Hocker, auf den sie immer ihre kleinen Füße gelegt hatte. Auf diesen setze sich jetzt Danny und musterte Steve eindringlich an. Steve wich seinem Blick aus.
„Steven?“
„Ach Dànaidh …“, seufzte Steve verzweifelt auf und erzählte ihm was vor Stunden vorgefallen war.
 
Sie wusste nicht mehr wie sie es geschafft unbemerkt das Schloss zu verlassen. In den Stallungen, die sich auf dem Festland gegenüber dem Schloss befanden, dürfte um diese Zeit niemand sein. Denn alle fanden sich zum Abendmahl auf der Insel ein. Meistens hielt sich nur einer der Stallburschen dort auf. So auch jetzt. Als Will Mistress Anna entdeckte war er überrascht sie zu sehen, doch er sagte nichts. Schließlich ging es ihn nichts an was die Herrschaften taten. Vermutlich musste sie ins Dorf um einem Kranken zu helfen und ihre Worte bestätigten Wills Gedankengang.
„Guten Abend Will, würdest du mir bitte Mable satteln, ich muss zu den Kincaids, eines der Kinde ist krank“, sagte sie mit fester Stimme, so das erst gar keine Fragen aufkamen warum sie alleine ritt und keiner der Soldaten bei ihr war. Nur wenige Minuten später saß sie mit klopfendem Herzen auf Mable, die brav wie ein Lämmchen war, es sei denn der hübsche Trojan war in ihrer Nähe.
Ihre Flucht war jetzt drei Stunden her, bald würden sie und der alte Tavish Nostie Bay erreichen. Von dort aus würde sie weiter nach Kyle of Lochalsh, das war eine kleine Hafenstadt und dort konnte sie das nächste Schiff nehmen das Auslaufen würde. In ihrer Panik  bedachte sie nicht, wie gefährlich es war für eine Frau alleine zu reisen. Sie wollte nur weg, damit die Menschen die sie über alles liebte, nicht länger in Gefahr schwebten. Mit dem Gedanken an Steven traten ihr wieder Tränen in die Augen. Ihre letzte Kraft aufbietend verdrängte sie die Tränen und dachte an die Tage zurück, als sie sich kennengelernt hatten und wie sich dadurch ihr aller Leben verändert hatte.

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Zuletzt von pewe1512 am So Feb 02, 2014 4:46 pm bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: Der MacGarrett Clan oder Ohana auf Schottisch   So Dez 29, 2013 10:30 am


5.
 
Im Jahre des Herrn 1272, Alexandretta, Frühling
 
Noch herrschte eine angenehme Luft im Zentrum von Alexandretta, da die Gassen noch leer waren, konnte eine sanfte Brise durch die Straßen wehen. Auch der Marktplatz war fast noch leer in diesen frühen Morgenstunden, die Händler bauten gerade erst ihre Stände auf und nur leises Gemurmel kam aus verschiedenen Ecken des großen Platzes. Spätestens in zwei Stunden würde sich das ändern, dann würden sich hier die Menschen drängen, die Händler würden lauthals ihre Waren feilbieten und mit den Kunden um jeden Dinar feilschen. Die Kunden waren dabei genauso laut wie die Händler. Auf dem Marktplatz und in dem Gedränge der kleinen Gassen musste man auf seine Habseligkeiten achten, denn schneller als das bloße Auge es mitbekam, wurde man bestohlen.
Die Stadt, direkt am Mittelmeer gelegen, war Dreh- und Angelpunkt für Händler, Reisende und der Hafen für Aleppo.
Heute war kein üblicher Markttag, denn heute wurde zusätzlich eine ganz besondere Ware angeboten: Menschen. Eigentlich gab es in Alexandretta keinen Sklavenmarkt. Doch wegen Scharmützel zwischen verfeindeten Stämmen war der Hafen von Famagusta auf Cypern gesperrt. Das Schiff mit den Sklaven hatte schon in der Nacht angelegt. Nun kauerten die menschlichen Güter aneinander gekettet auf einem Podest und warteten auf ihr Schicksal. Schmutzig, hungrig und ohne Hoffnung hatten sie mit ihrem alten Leben abgeschlossen. Ihre Herkunft war so unterschiedlich, wie die streunenden Hunde in den Gassen von Byzanz. Nubier mit ebenholzfarbener Haut, mamelukische Kriegersklaven, hellhäutige Kaukasier, gelbhäutige Asiaten und aus dem Abendland versklavte Frauen und Kinder.
 
Entspannt liefen die beiden Ritter zu dieser frühen Morgenstunde über den Marktplatz von Alexandretta. Vor einer Stunde hatte ihr Schiff angelegt, das sie von Byzanz bis hierher gebracht hatte. Endlich konnten sie ihre Beine auf festem Boden bewegen. Es war nicht so, dass sie Seekrank wurden, doch auf einem Pferderücken fühlten sie sich wesentlich wohler.
Der große dunkelhaarige Mann hatte sein Schulterlanges Haar mit einem Lederstreifen im Nacken zusammengebunden, wo es sich in kleinen Löckchen kringelte. Er trug Lederhosen, Reitstiefel  und ein weißes Leinenhemd, darüber das für seine Herkunft übliche Tartanplaid (Wolltuch aus Karostoff), das mit einer Fibel zusammengehalten wurde. Sein Gesicht war gebräunt und während er dem kleineren blonden Mann etwas erzählte, bewegten sich seine Augenbrauen in schnellem Rhythmus auf und ab, zogen sich zusammen wodurch kleine Falten entstanden, hin und wieder schnellte auch nur eine Augenbraue in die Höhe. Das alles wurde begleitet von einem strahlenden Lächeln, das seine weißen Zähne nur so blitzten. Der blonde Mann hörte zu und brach dann in gackerndes Gelächter aus. Als dieser Anfing zu erzählen sprach sein Gesicht zwar keine Bände, so wie bei dem Dunkelhaarigen, aber dafür sprach er mit ganzem Körpereinsatz, er gestikulierte wild, dabei warfen sein azurblauen Augen funken. Sein Blondes Haupthaar lag glatt an seinem Kopf, selbst im Wind bewegte sich nicht das kleinste Haar. Genau wie sein Freund trug er lederne Hosen, Reitstiefel und ein weißes Leinenhemd und ein Tartanplaid in den gleichen Farben.
 
Sie bemerkten nicht, wie grüne Augen jedem Schritt und jeder Geste, die die Männer machten folgten, teilweise sprachen sie englisch, mit einem leicht rollenden Akzent, dann wechselten sie ins Französische und dann in eine Sprache die sie fremd für die meisten Ohren Klang. Die junge Frau die sie beobachtete, saß zusammengekauert und gefesselt auf dem Podest des Sklavenhändlers. Ihr dunkelbraunes lockiges Haar, sowie ihr Körper starrten vor Schmutz. Seit Wochen war sie von einem Sklavenmarkt zum anderen gezerrt worden und keiner interessierte sich für sie. Sie wurde begutachtet wie ein Pferd, musste den Mund öffnen damit man ihre Zähne sah, wurde in die Brüste und in den Hintern gekniffen, ihr wurde zwischen die Beine gefasst und sie wurde nackt vorgeführt. Schrie sie anfangs verzweifelt auf, versuchte sich zu wehren und ihre Blöße zu verdecken, so ließ sie dies mittlerweile stumpf über sich ergehen. Sie war abgemagert und das war auch ein Grund, warum man kein Interesse an ihr zeigte. Dieser Frau traute keiner zu schwere Arbeit im Haus oder auf dem Feld zu übernehmen. Und da keiner sich die Mühe machte hinter den Schmutz und Gestank den sie ausströmte zu sehen, erkannte keiner der Männer ihr wahres Gesicht. Ob dies nun Glück oder Unglück für sie bedeutete, wusste sie selbst nicht zu beantworten. Gerade als sie ihre Augen niederschlagen wollte, sah der schöne dunkelhaarige Mann zu ihr herüber. Ihre Augen trafen sich. Grün traf auf dunkelblau, kurz flammte eine Verbindung auf, beide schienen irritiert, blinzelten und sahen dann schnell weg.
 
„Du kennst doch Berta, aye? Sie war meine Amme und hat mich auch großgezogen, sie hat mich erwischt als ich das erste Mal mit Bonnie, unserer Magd, im Stall verschwand. Gerade hatte ich Bonnies Röcke hochgeschoben und meine Bruche (altertümliche Unterhose für Männer) runtergezogen, da kam sie in den Stall …“ Steve, der Danny erklärte warum er sicher war, das es nirgendwo einen Bastard von ihm gab, stockte mitten in seiner Erzählung und blinzelte irritiert.
„Aye, du kannst doch nicht mitten drin aufhören zu erzählen, ich hoffe das Beste kommt jetzt noch …“, Danny verstummte, als er den verwirrten Gesichtsausdruck musterte. „Was ist los, Steven?“, fragte er alarmiert.
„Diese Augen …“, murmelte Steve so leise das sein Freund ihn kaum verstehen konnte. Dann schüttelte er den Kopf, als wolle er ihn von unangenehmen Gedanken befreien. Er wandte sich wieder Danny zu.
„Wie? Was? Welche Augen?“, hektisch sah Danny sich um.
„Es ist nichts, Danno … also Berta kam in den Stall, zog mich am Ohr von Bonnie weg und sagte etwas zu mir, das sich mir für immer eingeprägt hat“, unbewusst griff er sich in den Schritt.
„Was? Was hat sie gesagt, nun spann mich doch nicht so auf die Folter, Steven. Also das mit den Geschichten erzählen und zum Punkt kommen, musst du wirklich nochmal üben … Was hat sie gesagt?“, Dannys Gesicht zeigte unverhohlene Neugier und Belustigung.
„Sie sagte: Du weißt, wenn du dich in einem Mädchen verströmst, mit dem du nicht verheiratet bist, fault ER dir ab.“
Danny starrte ihn erst mit offenem Mund an, dann erscholl sein gackerndes Lachen über dem gesamten Marktplatz. Steve stimmte in sein Lachen ein.
„Und das hast du geglaubt?“, Danny wischte sich die Lachtränen von den Wangen.
„He, ich war dreizehn. Natürlich hab ich das geglaubt, nicht lange, aber es hat dafür gesorgt, dass ich, wenn ich bei einer Frau liege, mich nicht bis zum äußersten gehen lasse. Ich will nicht in allen Ländern, die wir bereist haben, Kinder von mir zurücklassen, aye. Kinder sind etwas Besonderes und sollten in einer liebevollen Familie aufwachsen und sich geliebt fühlen“, verlegen sah Steve zu seinem Freund.
Der schlug ihm verstehend auf die Schulter, es bedurfte nicht vieler Worte unter den Freunden, um die Gefühle des anderen zu verstehen.
Danny der in einer liebevollen Familie aufgewachsen war, und das von seinen Eltern und Geschwistern erhalten hatte, was Steve so sehr vermisste, verstand seinen Freund wie kein anderer. Wenn Steve in Dannys Elternhaus zu Besuch gewesen war, blühte er regelrecht auf. Dannys Mom und Dad waren liebevolle Menschen, die Steve behandelten wie ein eigenes Kind.
„Aye, also mein Pa und meine Ma haben zu mir gesagt, wenn ich ein Kind zeuge, mit irgendeiner Frau mit der ich nicht verheiratet bin, kommt mich die Baobhan-Sith (schottisches Fabelwesen, Vampirin die schönen Jünglingen den Tod bringt) holen.“
Jetzt war es an Steve in lautes Gelächter auszubrechen. „Was werden wir unseren Söhnen erzählen, damit sie nicht einfach ihren Samen in der Gegend verbreiten?“, sagte er lachend.
 
Einige Stunden später standen sie wieder auf dem Marktplatz. Die Sonne stand im Zenit und es war sehr heiß und stickig. Ihr Auftraggeber, Jacob ben Meir, ein jüdischer Händler und Geldverleiher, sah aufgebracht von Steve zu Danny, die ihn wütend anstarrten. Gerade hatten sie ihm gesagt, dass sie nicht weiter für ihn arbeiten würden. Sie warfen ihm vor Sklavenhandel zu betreiben und das sie dies nicht unterstützen würden, indem sie seine Karawane beschützten.
Sie waren wieder auf dem Marktplatz gelandet, irgendetwas hatte Steven hierher zurückgezogen er wusste aber nicht was. Sie entdeckten Jacob, welcher vor dem Podest des venezianischen Sklavenhändler stand und mit bot. Die jungen Männer waren empört darüber, das der Jude Sklaven kaufte. Sie wussten, dass sie nichts gegen den Handel mit Menschen ausrichten konnten, doch würden sie niemanden darin unterstützen, sei es auch nur um seine Güter zu beschützen.
„Ich betreibe keinen Sklavenhandel, ich kaufe hin und wieder einen Sklaven, der dann für mich arbeitet und entlohnt wird. Ich verpflichte sie nur, mindestens drei Jahre für mich zu arbeiten und dann dürfen sie ihrer Wege gehen“, entrüstet sah der kleine Mann sie an.
„Warum tut ihr das?“, fragte Danny noch nicht ganz besänftigt. Er blickte kurz zu Steve der plötzlich steif neben ihm stand und das Geschöpf anstarrte, dass Jacob sich ausgesucht hatte. Irgendetwas irritierte ihn an Steves Haltung, doch er wandte sich wieder dem Juden zu.
„Ich kann nichts gegen den Sklavenhandel tun, aber ich kann hin und wieder eine Seele retten. Meine verstorbene Frau, war einstmals eine Sklavin und sie hat mir die schönsten Jahre meines Lebens geschenkt, und meinen Augenstern Rahel“, stolz, mit hocherhobenem Haupt sah der Jude Danny in die Augen. „Ihr seid ehrenwerte Männer, Sir Daniel, Sir Steven. Glaubt mir ich nutze keinen dieser Menschen aus.“
„Es tut uns leid, dass wir euch so vorschnell verurteilt haben, Sir Jacob. Warum habt ihr sie ausgewählt?“, fragte Steve neugierig, immer wieder zu der Sklavin hinschauend.
„Habt ihr ihre Augen gesehen? Sie sind voller Schmerz und Leid, und doch ist noch ein Funke Widerstand gegen ihr Schicksal in ihnen.“
Steve nickte abwesend. Ihm fiel wieder ein wie er heute Morgen in diese Augen gesehen. Ein merkwürdiges Gefühl hatte sich seiner bemächtigt und er hatte es abgeschüttelt, weil es ihm unangenehm war. Er war gut darin alles auszublenden was ihm unangenehm oder störend für seine Kontrolle war.
 
Am nächsten Morgen waren sie auf dem Weg nach Aleppo. Sie würden nicht so schnell vorankommen wie eigentlich geplant, denn Jacobs neue Errungenschaft, hatte sich schreiend und kratzend dagegen gewehrt auf ein Kamel oder gar ein Pferd gesetzt zu werden. Steven der sie hochheben wollte, hatte es abbekommen. Wie eine bean sìth (schottische Todesfee), hatte sie geschrien, ihn gebissen, gekratzt und getreten. Danny und die Soldaten wären fast von ihren Pferden gekippt vor Lachen. Dieses kleine Persönchen war nicht zu bändigen und Jacob hatte sich dann für einen Karren entschieden, damit die beiden sich nicht gegenseitig umbrachten, wie er schmunzelnd sagte.Immer wenn Steve an dem Karren vorbei Ritt, warfen er und Anna, wie die junge Frau laut des venezianischen Sklavenhändlers hieß, sich wütende Blicke zu.
Aleppo zeigte immer noch die Spuren der Zerstörung durch die Mongolen, die 1260 die Stadt erobert und zerstört hatten. Doch sie war wieder eine aufstrebende Stadt. Jacob ben Meirs Anwesen lag in der ehemaligen Altstadt. Sie ritten durch enge Gassen, die Häuser waren weiß gekalkt und hatten nur kleine Fenster, damit die Hitze des Tages nicht eindringen konnte. Vor einem Tor hielt die Reisegruppe an. Jacob rief etwas zu einem Fenster hoch und nur wenige Sekunden später wurde das Tor von innen geöffnet. Jacob und Steve ritten als erstes in den Hof. Überrascht sah der Ritter sich um. Das Anwesen war wesentlich größer als es von außen den Anschein hatte. Ein weitläufiger Hof, in dessen Mitte ein kleiner Springbrunnen stand. Verschiedene Terrakottakübel mit exotischen Blumen und Pflanzen, die einen betörenden Duft verströmten. Eilig kamen Diener angelaufen, die die Kamele und Pferde der Ankömmlinge in Empfang nahmen. Es dauerte ein paar Minuten bis sich alle innerhalb des Grundstückes befanden.
Auf einmal brandete ein freudiges kreischen auf. „Vater, Vater … endlich bist du zurück.“
Ein kleiner dunkelhaariger Wirbelwind stürzte auf Jacob zu und fiel freudig in seine Arme. Jacob lachte glücklich auf und schwang das kleine dunkelhaarige Mädchen rum.
„Mein Augenstern, ich bin auch froh dich endlich wieder in die Arme nehmen zu können. Aber jetzt benimm dich wie es sich für eine junge Dame geziemt und begrüße unsere Gäste.“
Verlegen strich sich die Tochter des Hauses eine Haarsträhne aus dem Gesicht. Erst da konnte man erkennen, dass es sich nicht um ein Kind, sondern um eine junge Frau handelte.
„Willkommen in unserem Heim, möget ihr euch wie zu Hause fühlen und unser Haus mit eurer Anwesenheit zieren.“
Die Ritter verbeugten sich außer Danny, der die junge Frau anstarrte. Erst als Steve ihn gegen den Arm schlug murmelte er eine Entschuldigung und verbeugte sich auch.
„Dies ist meine Tochter Rahel, sie ist das Beste in meinem Leben“, mit einem warmen Lächeln sah Jacob seine Tochter an. Genauso warm lächelte seine Tochter zurück, dann drehte sie sich wieder zu den Männern und wurde leicht verlegen, weil Danny sie immer noch mit offenem Mund anstarrte.
„Wenn du weiter so starrst krabbeln noch Fliegen in deinen Mund“, zischte Steve ihm zu.
Schnell überwog Rahels Neugier und sie spähte in den Karren, in dem sich Anna in eine Ecke gedrückt hatte. Ängstlich schaute sie sich um, nur wenn sie Steve sah, blitzte es in ihren Augen. Bisher hatte sie noch nicht ein einziges Wort gesprochen, und man wusste immer noch nicht welche Sprache sie sprach.
„Hallo ich bin Rahel und ich freue mich dich in deinem neuen Heim begrüßen zu dürfen“, sagte sie freundlich und streckte Anna ihre Hände entgegen.
„Seid vorsichtig, Mademoiselle Rahel. ES kratzt, beißt und spuckt. Und ist stumm UND hat Läuse“, brummte Steve auf Französisch, dabei kratzte er sich selbst den Kopf. Dieses Biest hatte ihm nämlich ein paar davon abgegeben.
Ein aufgebrachtes Schnauben kam aus der Ecke des Karrens. Mit einem selbstgefälligen Grinsen ging Steve wieder zu Danny. Französisch verstand sie schon mal.
„Kannst du mir sagen warum du wie eine Liebeskranke Kuh aussiehst?“, zog er seinen Freund nun auf.
„Liebes… Liebeskranke Kuh? Danke, mein Freund. Kannst du mir sagen, warum du so ein kleines Persönchen nicht gebändigt bekommen hast?“
„Hätte ich schon, ich wollte ihr aber nicht wehtun. Lenk nicht von meiner Frage ab. Warum gaffst du die Tochter unseres Auftraggebers so an?“, flüsterte Steve
„Ts… tu ich doch gar nicht“, murrte Danny und wandte sich Jacob zu, der sie jetzt ins Haus bat.
 
Im Haus herrschte eine angenehme Kühle. Neugierig sahen sich die Ritter um, sie gingen durch einen kleinen Flur und landeten wieder im Freien. Diesmal in einem kleinen Garten um den sich ein Laubengang wand, von dort aus führten Türen und Treppen in Zimmer und auf weitere Etagen. Alles war mit Mosaiken aus bunten Glassteinen verkleidet und sah wunderschön aus. Kübel mit Farnen und duftenden Blumen rundeten das Bild ab.
„Ihr habt ein wunderschönes Haus, Jacob. Es muss euch doch schwer fallen, immer wieder in die Ferne zu reisen?“, bemerkte Danny und sah dabei immer noch unverwandt Rahel an, sodass Steve ihn wieder auf den Arm boxte.
„Es ist nicht einfach, da gebe ich euch Recht, Daniel. Doch ich tue das alles für meinen Augenstern, damit es ihr an nichts fehlt.“
„Durch einen Boten hat mir Vater, mitteilen lassen wie viele Gäste kommen. Die Zimmer sind vorbereitet und das Hamam steht euch Herren offen. Sollte es euch noch an irgendetwas mangeln, so sagt es einem der Diener. Ich werde mich jetzt um unser neues Familienmitglied kümmern, ihr entschuldigt mich bitte. Wir sehen uns beim Abendmahl“, freundlich lächelte Rahel ihnen nochmal zu und verschwand dann hinter einer der vielen Türen.
 
Ihre Zimmer waren üppig ausgestattet, mit Teppichen und Seidenstoffen verkleidet und einem Bett, das so bequem aussah, das man wahrscheinlich wie auf Wolken schlafen würde.
Steve kleidete sich gerade aus, als es an seiner Tür klopfte. Er zog sich sein Leinenhemd wieder über den Kopf und öffnete die Tür. Vor ihm stand eine wunderschöne arabische Frau.
„Herr, ich bin Saida und für euer Wohl verantwortlich. Ich soll euch ins Hamam führen“, sagte sie auf Englisch mit einem entzückenden Akzent.
„Saida, das ist sehr nett. Ich nehme mir nur noch frische Kleidung und dann können wir gehen“, strahlte Steve sie an. „Wäre es möglich das ihr mir die Haare durchkämmt, leider habe ich mir etwas Ungeziefer eingefangen“, nochmal alles gebend, ließ er seinen ganzen Charme sprühen.
„Es wäre mir ein Vergnügen, Herr!“
„Nennt mich Steve.“
 
Während Steve und seine Männer die Freuden des Hamams genossen. Redete Rahel sanft auf Anna ein. Es hatte eine Zeit gedauert bis sie aus dem Karren geklettert war und mit Rahel ins Haus ging. Im Frauen-Hamam half sie Anna, beim Ausziehen der Lumpen, die sie trug. Abwechselnd auf Französisch, Englisch und Latein, sprach Rahel mit Anna.
„Ihr könnt die Sprache wählen, die euch am liebsten ist, Herrin“, kam es ganz leise aus Annas Mund. Rahel freute sich sie etwas aus der Reserve gelockt zu haben.
„Oh, mir ist es egal. Ich spreche diese Sprachen fließend. Und nenn mich Rahel, bitte. Du bist jetzt hier zu Hause und wie du feststellen wirst, alles andere als eine Sklavin. Wir werden sehen was dir liegt und darin wirst du weiter ausgebildet. Du musst arbeiten aber du wirst auch dafür entlohnt.“
„Warum tut ihr das?“, Anna zweifelte immer noch, das sie es so gut getroffen haben sollte.
„Mein Vater ist der beste Mensch der Welt, er weiß, das er nicht jedem helfen kann der in Not ist. Doch er tut was er kann um ein paar von ihnen zu helfen. Er sagt immer, tu was in deiner Macht steht, Gott wird es sehen.“
„Danke!“, sagte Anna leise.
„Komm jetzt und gehe in das warme Bad, du muffelst ganz schön. Ich hoffe wir bekommen deine Haare sauber und die Läuse da raus“, kicherte Rahel. Daraufhin konnte sich sogar Anna nicht ein Zucken der Mundwinkel verkneifen.
„Hast du Sir Steven so zugerichtet und ihm von den Läusen abgegeben?“, fragte Rahel neugierig. Woraufhin sich Annas Gesicht sofort wieder verschloss. „Du musst mir nicht antworten, Anna. Sir Daniel macht einen etwas dummen Eindruck. Er starrt einen so merkwürdig an. Findest du nicht auch?“, plapperte die junge Frau weiter, damit Anna sich entspannen konnte. Rahel wollte gar nicht wissen was man Anna angetan hatte. Sie hoffte nur, dass sie sich hier einleben würde und sie vielleicht Freundinnen werden konnten.
Sie brauchten fast zwei Stunden um Annas Haare, die verfilzt und verlaust waren, wieder in einen normalen Zustand zu bekommen. Rahel hatte kurz erwähnt das man es vielleicht abschneiden müsse, da war Anna in lautes Schluchzen ausgebrochen. Schnell hatte Rahel ihr dann versichert dass sie es auch so hinbekommen würde, dass dies aber sicher schmerzhaft werden würde. Doch der Schmerz und die Arbeit hatten sich gelohnt. Sprachlos sah Rahel die junge Frau an, die unter dem Schmutz und Gestank hervor gekommen war.
 
Das Bad und die anschließende Massage war eine Wohltat für ihre verspannten Körper gewesen. Jetzt waren sie auf dem Weg zum Essen. Steve und Danny hatten sich schon zweimal verlaufen, ehe ihnen einer der Diener über den Weg gelaufen war und sie in den Speiseraum brachte. Wie im Orient üblich, gab es einen niedrigen Tisch um den rundherum Kissen verteilt waren. Ein Teil ihrer Männer hatte schon Platz genommen und unterhielten sich leise. Sie lebten schon so lange fern der Heimat, das diese Art zu Speisen und auch die Speisen an sich, ihrem Leben mehr entsprach als die Gewohnheiten ihrer Heimat. Große Platten mit duftenden orientalischen Köstlichkeiten, helles warmes Brot, Früchte und Getränke wurden gebracht. Es war üblich dass man mit den Fingern aß und von den Platten nahm. Kleine Schälchen mit Zitronenwasser, standen an jedem Platz um sich die Finger zu reinigen.
Die Männer waren etwas überrascht das sie solche Speisen vorgesetzt bekamen, und kein koscheres Essen. Obwohl, in den letzten Wochen hatten sie schon festgestellt, das Jacob ben Meir nicht wie die meisten Juden war.
Bis auf Rahel waren jetzt alle anwesend, was Danny dazu veranlasste immer wieder zur Tür zu schauen.
„Was ist denn nur los mit dir, Danny“, zischte  ihm jetzt Angus zu, dem auch schon aufgefallen war das dieser sich merkwürdig benahm. Doch eine Antwort blieb aus, denn die Türe öffnete sich und zwei Frauen betraten den Raum.
„Ah, da seid ihr ja. Nicht so schüchtern, sei herzlich Willkommen in deinem neuen zu Hause, Anna“, begrüßte Jacob eine der Frauen. Alle Augen wandten sich in ihre Richtung und ein leises Raunen und ungläubiges Staunen entstand.
Steve saß stocksteif auf dem Kissen und starrte Anna an. Das sie klein und zierlich war, hatte er ja schon mitbekommen, doch das sie so schön war hätte er niemals geglaubt.
Ihre Haut war so zart und durchscheinend, dass man die feinen Äderchen sehen konnte, ihr dunkles Haar schimmerte seidig und fiel in weichen Locken bis zur Taille. Durch die helle Haut fielen die grünen Augen noch einmal so auf.
Annas Blick wurde von Steves Augen magisch angezogen, beide starrten sich an, diesmal ohne Zorn. Irgendetwas passierte hier und jeder konnte es sehen. Doch dann sahen beide schnell zur Seite und der Zauber war vergangen. Beide verdrängten vehement, was versuchte sich einen Weg an die Oberfläche zu bahnen. Im Verdrängen und nicht zulassen von Gefühlen waren beide wahre Meister.

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BeitragThema: Re: Der MacGarrett Clan oder Ohana auf Schottisch   Di Dez 31, 2013 10:39 pm


6.
 
1277, nordwestliche Highlands/Dornie/Spätherbst
 
In dem Brief stand nichts:
 
Steven,
die letzten Jahre waren eine gute Zeit, doch nun ist es für mich
an der Zeit zu neuen Ufern aufzubrechen. Bitte folgt mir nicht.
Anna
 
Dies machte Steve umso wütender. Er und Danny hatten Annas Gemach wieder verlassen und standen mit den Männern, Loriana und Kono in der kleinen Halle. Die Campbellkinder, waren notdürftig versorgt. Danny hatte schon Anweisungen gegeben, Nahrung, Kleidung und von jedem Tier ein Paar zusammen zu tragen und auf die Pferde zu verpacken, damit sie bald losreiten konnten. Jede Minute zählte.
„Chin, geh in Annas Kräuterzimmer und suche alles zusammen was du brauchst um den Kranken zu helfen. Für uns lass nur das nötigste hier. Loriana, du hilfst ihm bei der Versorgung der Kranken. Angus, Dougal ihr seid dafür verantwortlich, das meine Mutter nach Skye gebracht wird. Wählt einige der Männer aus die ihr braucht und die für einige Wochen dort bleiben können, vor allem Männer die sich nicht von ihr einschüchtern lassen“, durchdringend blickte er beide Männer an.
„Aye, Laird!“
„Adam und Kono, ihr reitet mit mir. Wir werden Anna suchen und nach Hause bringen. Los wir haben keine Zeit zu verlieren. Wer weiß wie weit sie schon gekommen ist.“
Er nickte Danny zu und verließ das Haus. Jeder wusste was zu tun war, es bedurfte keiner weiteren Worte zwischen Danny, Steve und den Männer. Sie waren alle aufeinander eingespielt.
 
Auf dem Hof wurden die Pferde von den Stallknechten mit Stroh abgerieben. Doch eine großartige Pause konnte sich keiner gönnen. Weder Reiter noch Pferde. Steve fragte sich gerade wie Anna von hier weggekommen war, als Will der Stallbursche, schüchtern auf ihn zu trat.
„Herr?“, sagte er zaghaft. Er wusste dass er keine Angst vor seinem Laird haben brauchte, doch er hatte seinen Herrn noch nie mit so einer finsteren Miene gesehen.
„Aye, Junge?“, brummte Steve, beachtete ihn aber nicht weiter.
„Lady Anna ist vor einigen Stunden mit Mable weggeritten und noch nicht zurück …“, als Steve sich ruckartig zu ihm drehte, zuckte der schmächtige Kerl erschrocken zurück.
„Was hast du gesagt?“
„L-Lady Anna … ist … weg geritten, S-Sir!“
„Wann genau und wohin?“
„Während des Abendessens, sie sagte sie wolle zu den Kincaids, da eines der Kinder krank sei. Doch es war gar kein Bote gekommen, und sie ist in die andere Richtung weggeritten, alleine Herr!“
„Warum hast du das niemandem gesagt, Will?“, Steve hatte Mühe sich zu beherrschen.
„D-das habe ich, Sir! Ich habe es einer der Hofdamen eurer Mutter gesagt. Es tut mir leid“, die Unterlippe des Jungen zitterte verdächtig. Adam stupste Steve an, der dies nicht bemerkt hatte. Mit einer leichten Bewegung seines Kopfes, deutete er ihm an, dass er sich etwas zusammennehmen sollte.
„Es ist in Ordnung, Will. Du hast nichts falsch gemacht, aye“, Steve strubbelte ihm das Haar. „Du sagst sie ist in die andere Richtung geritten? Wo könnte sie denn dahin“, er sprach mehr zu sich selbst als das er eine Antwort erwartete.
„Vielleicht ist sie zu einem der Fischer? Sie reitet doch nicht gerne, Sir. Tavish und seine Frau haben doch ein größeres Boot.“
„Sehr gut, Junge.“
Wenige Minuten später hatten die drei Menschen aufgesattelt und ritten in die Nacht hinein. Steve tätschelte Trojans Hals und sprach wieder zu seinem Pferd.
„Ich weiß, du würdest jetzt gerne im warmen Stall stehen, doch wir müssen Anna finden. Das verstehst du doch, oder?“, wie um zu bestätigen lief er schneller. „Danke mein Großer.“
Kono und Adam die Steves Worte gehört hatten, grinsten sich an. Beide wussten um die besondere  Beziehung zwischen Steve und Trojan. Kono mochte diesen Hengst auch sehr, sie hatte ihn auch schon als Fohlen gekannt und so oft über die Beiden gelacht. Und Adam ritt schon seit vielen Jahren mit Steve und Danny.
Sie galoppierten durch die Straßen von Dornie und erreichten die Fischersiedlung in dem Moment als ein Schiff am Steg anlegte. Steve sprang vom Pferd und eilte auf den Steg zu. Tavish hob überrascht den Kopf als er die schweren Schritte von Stiefel auf den Holzplanken hörte.
„Aye, was machst du so spät hier? Kann ich dir helfen, Junge?“, fragte er arglos.
„Wo kommst du her, Tavish?“, Steve versuchte seine Stimme neutral klingen zu lassen, denn der alte Fischer konnte nichts für die Geschehnisse.
„Ich habe Mistress Anna nach Nostie Bay gebracht, Steven. Es wunderte mich schon dass sie alleine reist, dazu noch auf einem Pferd. Doch ich konnte nicht ablehnen. Du weißt doch das sie meiner Frau das Leben gerettet hat“, Tavish war der einzige der Dorfbewohner der Steve nicht mir Herr oder Laird ansprach.
„Schon gut, Tavish. Ich mache dir keinen Vorwurf.“
„Ich habe sie noch in eine der besseren Herbergen untergebracht und ihr das Versprechen abgenommen, nicht alleine weiterzureisen. Weiß aber nicht ob das Mädel es auch tut.“
Tavish sah seinem Herrn offen in die Augen, kannte ihn schon seit er auf die Welt gekommen war, er hatte den kleinen Steven oft mit zum Angeln genommen.
„Junge, sie hat versucht es zu verbergen aber sie hat die ganze Zeit geweint. Was ist nur geschehen?“
„Wenn du mich und meine Freunde rüberbringst, erzähl ich es dir.“
„Aye, mit Pferden? Dann müssen wir noch die Fangkörbe vom Deck räumen, packt mit an, Jungs. Gott sei Dank haben wir Vollmond“, kommandierte Tavish die Ritter. Innerhalb von wenigen Minuten war das Deck leergeräumt und die Pferde wurden vorsichtig über Planken an Deck geführt.
„Stoß uns mit dem Stecken ab, Junge“, Tavish hatte das Kommando übernommen und setzte die Segel. „Gut Junge, jetzt über nimm das Ruder, du brauchst mal wieder was Übung, aye!“ Steve unterdrückte ein Grinsen und tat wie ihm geheißen.
„Ich mag wie ihr ihn rumkommandiert, Sir!“, grinste Kono und schlug Tavish mit der Faust leicht auf den Oberarm. Ein Lachen, das an einen erstickenden Ziegenbock erinnerte, kam über Tavishs Lippen.
„Aye Mädel, ich hab ihm schon die Rotze aus dem Gesicht gewischt.“
 
Die Grenzen zu den Ländereien der Campbells waren gut eine Stunde von den MacGarrettchen Ländereien entfernt, bis zu deren Burg noch einmal fast zwei Stunden. Der Tross ritt so schnell die Nacht und ihre Pferde es zuließen. Danny dachte an seinen Freund und wie gern er ihm jetzt zu Seite stehen würde. Er wusste schon lange das Steve und Anna sich liebten, doch die Beiden waren so stur und starrköpfig. Dann kam noch Dorothy MacGarrett dazu. Er fragte sich womit diese Frau Anna bedrohte, dass sie solche Angst hatte und Steve noch nicht mal mehr ansah. Dass Steves Mutter ihn, Daniel, nicht mochte und schon lange nach einer Möglichkeit suchte um ihn loszuwerden, wusste er. Das sie Grace, seine kleine Tochter, genauso hasste wie ihn, auch. Danny fragte sich wie man ein Kind von vier Jahren hassen konnte. Vielleicht weil Steve sein Äffchen so sehr liebte, wie er selbst und dies auch zeigte.
Chin kam an seine Seite geritten und unterbrach seine Gedanken.
„Daniel, was bedeutet es in deinem Land wenn man jemanden als Zauberische bei einem Pfarrer anschwärzt?“
Aufgeschreckt durch diese Frage, starrte Danny Chin an. „Nichts Gutes. Warum stellst du mir so eine Frage?“, doch Danny glaubte die Antwort schon zu kennen.
„Berta, die alte Frau hat mir in der Kräuterkammer geholfen, sie erzählte mir das die Hofdamen schlecht über Anna redeten, und das Lady MacGarrett sie doch endlich beim Pfarrer als Hexe anzeigen und nicht nur damit drohen sollte.“
„Ich habe geahnt dass dieser Drachen irgendwas im Schilde führt. Sie hat sich das schwächste Glied in der Kette ausgesucht. Verdammt! Warum kommt Anna, nicht zu uns mit solch einer Drohung?“
„Meinst du wirklich dass dies alles ist? Ich kann mir vorstellen das da noch viel mehr hinter steckt.“
Danny seufzte und nickte bestätigend. „Hoffen wir nur dass Steve das Mädel schnell findet. Denn wenn ihr etwas zustößt, findet sich seine Mutter im Kerker wieder.“
„Wie lange sind die beiden eigentlich schon ineinander verliebt? Jeder sieht es doch?“, fragte Chin lächelnd.
„Seit dem Tag, als ich mich in meine Frau verliebt habe, aber im Gegensatz zu mir, haben sie es immer wieder verdrängt und nicht wahr haben wollen.“
Loriana hatte dem Gespräch der beiden Männer zugehört ohne etwas dazu zusagen. Ihr Herz wurde schwer und sie fragte sich ob er jemals eine andere Frau lieben könnte.
 
Mitten in der Nacht erreichten sie die Campbellche Burg. Danny und die Kinder ritten voran um sich anzumelden, denn die Tore waren geschlossen und sie wollten nicht dass man Pfeile auf sie abschoss. Obwohl Daniel nicht glaubte das noch irgendwer dazu in der Lage wäre, so wie Jamie die Situation beschrieben hatte.
„Munro, hier ist Jamie. Öffne das Tor“, rief der Junge laut zum Turm der Mauer hoch. In der Mondhellen Nacht konnte man eine Bewegung auf der Wehrmauer ausmachen. Es dauerte fast fünf Minuten bis sich das schwere Tor langsam öffnete. Langsam ritten sie in den Burghof ein.
Danny konnte den Verfall und die Verwahrlosung überall erkennen. Dafür brauchte man kein Tageslicht. Auch roch es hier unangenehm. Dieser Geruch erinnerte ihn daran, als er und Steven aus dem Morgenland zurück kamen und in die Burg der MacGarretts geritten waren. Damals ging es den Menschen dort fast genauso schlecht wie den Campbells jetzt.
„Wen bringst du mit, Junge?“, hörten sie eine kratzige Stimme. „Und wo wart ihr? Deine Mutter ist krank vor Sorge um euch.“
„Dies ist Sir Daniel Williams …“, antwortete Jamie kam aber nicht weiter als er schroff unterbrochen wurde.
„Du bringst einen vom Harrington-Clan mit?“, kam die entrüstete Frage.
„Er gehört zum MacGarett-Clan, sie haben uns das Leben gerettet und werden uns helfen …“
„Wir wollen keine …
„Schweig Munro, ich habe beschlossen dass wir ihre Hilfe annehmen. Oder willst du weiter zusehen wie deine Kinder sterben? Sie helfen uns als Nachbarn ohne eine Gegenleistung. Jetzt hol meine Mutter!“, Jamie und Munro fochten noch einen Kampf mit den Augen aus, doch dann senkte Munro ergeben die Augen und schlurfte in die Burg. Er hatte kaum noch Kraft, stellte Danny fest.
Mittlerweile waren noch mehr Menschen in den Burghof getreten und schauten Daniel aus riesigen Augen an. Die Gesichter ausgezehrt und ohne Hoffnung, standen sie mit herunterhängenden Armen da.
„Jamie, wir sollten jetzt meine Leute herein lassen.“
„Ja Sir … Danny“, mit einer Kopfbewegung gab er an seine Schwester das Zeichen, zu den anderen Rittern zu reiten.
Plötzlich hörte man lautes gälisches Schimpfen. Jamie und Danny zuckten leicht zusammen.
„Aye, das ist meine Ma“, Jamie schluckte einen Kloß hinunter und sah Danny etwas verzweifelt an.
„Ich gehe davon aus sie weiß nicht was du mit deiner Schwester und Cousins angestellt hast?“
Der Junge schüttelte den Kopf und seufzte ergeben auf. Danny sah einer hübschen Frau entgegen, er schätze sie auf sein Alter, Anfang oder Mitte Dreißig. Unter ihrer Haube blitzten blonde Locken hervor, sie trug nur ein Nachtgewand und ein Schultertuch, dabei strahlte sie eine hoheitsvolle Würde aus und sie war hochschwanger. Daniel wusste, dass sie die Tochter eines Herzogs war und weit unter ihrem Stand geheiratet hatte.
„James Ian Gavin Campbell, ich hoffe für dich das du eine gute Erklärung hast für euer  verschwinden!“
Wütend stand Lady Campbell vor ihrem Sohn. Der schien grade zu schrumpfen und warf seiner Ma ängstliche Blicke zu. Bevor der Junge etwas sagen konnte sprang Danny in die breche.
„Lady Campbell“, Danny verbeugte dich vor ihr. „Mein Name ist Sir Daniel Williams und ihr Sohn Jamie, hat uns heute mit seinen Leuten aus einer Notlage geholfen“
„Sir Daniel Williams? Seid ihr nicht der Sohn von Lord Duncan Williams, Bruder des Duke of Harrington, dessen Sohn uns unserer Lebensgrundlage beraubt hat“, ihre Stimme wurde immer lauter, sie war einen Schritt näher auf Danny zugetreten und sah ihn mit blitzenden Augen an. Doch Danny blieb ruhig, konnte er ihre Wut doch verstehen, er selbst empfand ja genauso. Bevor sie weiter reden konnte, fing Danny an zureden.
„Mylady, bitte hört mich an. Was mein Cousin getan hat, verachte ich aus tiefstem Herzen, und ich glaube nicht, dass mein Onkel davon weiß. Ihr könnt versichert sein, ich werde dem auf den Grund gehen. Doch was jetzt im Moment am wichtigsten ist, das den Menschen hier geholfen wird. Wie gesagt, Jamie hat uns aus einer Notlage geholfen. Er hat, obwohl unsere Familien nicht immer im Einklang sind, sich nicht gescheut uns gegen gefährliche Wegelagerer behilflich zu sein“, Jamie versuchte nicht seiner Mutter in die Augen zu sehen. Er konnte kaum glauben was Sir Danny da von sich gab. Und dem Gesichtsausdruck seiner Mutter zufolge, diese auch nicht. Aber Danny spann seine Geschichte mit großer Gestik weiter, redete und redete bis Lady Campbell ihm Einhalt gebot.
„Nun, das führte dann dazu das ihr Sohn uns erzählte was eurem Clan wiederfahren ist. Wir sind hier als Nachbarn und wollen nur helfen“, endete er schließlich.
„Und das soll ich euch jetzt glauben, Sir? Wo ist denn euer Laird? Weiß er davon?“, die Dame war immer noch misstrauisch.
„Bei meiner Ehre als Ritter, Mylady, ist dies die Wahrheit. Dies soll ich euch von Steven MacGarrett, Earl of Dorrant and Skye überreichen“, Danny hielt ihr einen versiegelten Brief hin. Den hatte Steve noch in der Eile geschrieben um sich für seine Abwesenheit zu entschuldigen und das Daniel in seinem Namen handelte. Mit einem „Pff“, nahm die Lady den Umschlag entgegen und las ihn.
Mittlerweile waren alle Ritter des MacGarrett-Clans angekommen und waren von ihren Pferden gestiegen. Mit großen Augen wurden sie von den Bewohnern der Burg betrachtet, die es nun alle aus ihren Betten getrieben hatte. Die Ritter von Steve und Danny waren auch eine ansehnliche und so unterschiedliche Truppe, das selbst Danny manchmal erstaunt war, wie gut sie harmonierten. Denn es waren Menschen verschiedenster Herkunft, Rasse und Schicksale.
„Warum seid ihr mit so vielen Rittern hier?“, Lady Campbell versuchte es sich nicht anmerken zu lassen, doch jetzt stieg Panik beim Anblick der vielen Männer in ihr auf.
Loriana trat auf sie zu und versuchte als Frau, der anderen Frau die Angst zu nehmen. Auch war ihr aufgefallen das diese sich unbewusst an den vorgewölbten Bauch gefasst hatte und dabei das Gesicht verzog.
„Mylady, ich bin Lady Loriana und gehöre seit einiger Zeit auch zum Clan der MacGarretts, bitte seid versichert das Daniel die Wahrheit spricht. Wir sollten vielleicht ins Haus gehen, damit ihr euch setzen könnt. Die Männer können derweil, die Pferde entpacken und dafür Sorgen das alles in die Vorratskammern gebracht wird.“
Loriana hatte einfach einen Arm um die schwangere Frau gelegt und führte sie mit sanfter Gewalt ins Innere des Hauses.
 
Wie hatte sie nur so dumm sein können? Sie trieb Mable an und das arme Pferd versuchte der Horde Wegelagerer zu entkommen. Aber Anna war nicht sicher im Sattel, wenn sie alleine geritten war, dann immer nur in der langsamsten Gangart. Sie war noch nie alleine Galoppiert. Jetzt hatte sie Mühe sich auf dem verängstigten Tier festzuhalten. Die Steigbügel waren ihr schon von den Füßen gerutscht und sie hielt sich nur noch krampfhaft mit den Händen in Mables Mähne fest.
Sie hatte so überstürzt gehandelt. Ja, sie wollte so weit weg von Eilean Donan Castle wie sie konnte. Der Schmerz in ihrer Brust war überwältigend und sie hatte gehofft, das es besser wurde durch jede Meile die sie sich von IHM entfernte. Doch dem war nicht so, der Schmerz wurde schlimmer.
„Mable halte noch ein bisschen durch, bitte. Du bekommst auch einen besonders leckeren Apfel“, rief sie dem Tier zu. Sie drehte den Kopf nach hinten um zu sehen ob sie noch verfolgt wurde, in dem Moment scheute Mable und stieg leicht auf. Mit einem Aufschrei viel Anna vom Pferd, sie schlug hart auf, rollte in den Graben. Erst ein Felsblock bremste ihren Fall, mit dem Kopf knallte sie auf und verlor augenblicklich das Bewusstsein.
Sie bekam nicht mehr mit wie Mable sie vorsichtig mit ihrem weichen Maul an ihr schnüffelte und ein leises Wiehern ausstieß. Auch bekam sie nicht mit, wie die sanfte Mabel versuchte die Wegelagerer zu vertreiben in dem sie Aufstieg und versuchte mit den Hufen nach den Männern zu treten. Doch es half nichts. Bevor jemand nach den Zügeln greifen konnte, drehte sich das Tier weg und lief den Weg zurück, den sie gekommen waren.
 
 
Tavish hörte Steve aufmerksam zu, nickte zwischendurch und gab ein ´Aye` als Kommentar. Der Schotte war kein Mann vieler Worte, doch wenn er etwas zu sagen hatte, tat er dies Bedächtig und Ehrlich, da nahm er auch kein Blatt vor den Mund, egal wer vor ihm stand. Steves Vater hatte dies immer geschätzt und der junge Laird hielt es genauso.
„Weißt du, Junge“, fing er ruhig an, spuckte dabei über die Reling. „Im Dorf wird verbreitet, das unsere Annag (gälische Koseform für Anna) eine Hexe sein soll, aye! Glaub mir, keiner unseres Clans glaubt das. Doch du weißt wie schnell solche Gerüchte gefährlich werden können. Unser Pfarrer ist Gott sei Dank ein besonnener Mann, doch diese Gerüchte brauchen nur ein Dorf weiter zu gelangen und schon steckt das Mädel in Schwierigkeiten.“
Entsetzt hatten die Männer Tavishs Worte vernommen. Obwohl Adam nicht aus dem Abendland stammte, kannte er den Aberglauben der Menschen schon und wusste auch, dass viele Frauen die der Heilkunst mächtig waren, ängstlich beäugt wurden. Kono, die die Gebräuche und den Aberglauben ihrer neuen Heimat noch nicht kannte, sah nun besorgt von einem zum anderen.
„Könnt ihr mir das bitte erklären?“, Kono sah von Steve zu Tavish zu Adam.
„Obwohl, gerade hier in den Highlands, noch die alten Feste gefeiert werden, wie Beltane, Samhain, Imbolg und Lugnasadh zu den verschiedenen Jahreszeiten, werden die Menschen immer abergläubischer. Die christlichen Pfarrer versuchen den alten Glauben auszurotten. Man will sie nicht nebeneinander existieren lassen. Meistens sind Frauen Heilkundige, leben oft einsam im Wald und dann wird ihnen Zauberei und Buhlschaft mit dem Teufel vorgeworfen.“
Entsetzt sah Kono die Männer an. „Die Frauen helfen den Menschen und werden dann dafür bestraft? Bei uns sind solche Frauen oder auch Männer hochangesehen.“
„Es gab und gibt immer wieder Menschen die Angst vor ihrem eigenen Schatten haben, die andere für ihr Schicksal verantwortlich machen, auch wenn sie selbst schuld daran tragen. Menschen die ihren Nachbarn nicht leiden können, weil er mehr hat als man selbst …“, Tavish hob die Schultern und verstummte.
Steve stand an der Reling und schaute über den Loch Ash, den sie jetzt überquerten, bald würden sie in Nostie Bay ankommen. In ihm brodelte es. Warum hatte Anna ihm oder Danny nicht genug vertraut? Sie hatten sich doch immer alles erzählt, oder? Nein, nicht ganz. Er wusste dass Anna, ihre Herkunft betreffend, nicht die Wahrheit gesagt hatte, doch es war ihm nicht wichtig gewesen. Nur weil seine Mutter ihr drohte Gerüchte über sie zu verbreiten, zog sie sich so von ihm zurück? Da musste noch mehr hinter stecken. Er würde dem auf den Grund gehen.
Der Vollmond beschien sein angespanntes Gesicht, seine Kieferknochen malten. Kono die ihn beobachtete trat auf ihn zu und schob sich unter seinen Arm, so wie sie es oft als Kind getan hatte, wenn sie Trost brauchte. Automatisch legte Steve ihr einen Arm um die zarten Schultern. Ihre Nähe hatte etwas Tröstendes für ihn und er seufzte leise.
„Wie lange liebst du Anna schon?“, fragte Kono leise.
„Seit ich sie das erste Mal sah! Doch ich erkannte es nicht oder ich war zu feige es zu zulassen. Du hast mich doch gut genug kennengelernt, Kono. Ich glaube an die Liebe, aber nicht daran das ich sie auch finden kann.“
Kono erinnerte sich an die Zeit in, der Steve und Daniel bei ihnen gelebt hatten.

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BeitragThema: Re: Der MacGarrett Clan oder Ohana auf Schottisch   So Jan 05, 2014 2:34 pm


7.
 
1267 – 1269, Mongolei, Karakum
 
Die Stadt Karakum war von einem durch vier Tore durchbrochenen Lehmwall umgeben, an denen sich unterschiedliche Märkte befanden. Es gab ein Sarazenenviertel, an dem direkt einer der Märkte angeschlossen war. Dann gab es noch ein Viertel, der hauptsächlich handwerklich tätigen Cathai (Nordchinesen), und ein Viertel in dem die Sekretäre des Hofes wohnten. Es gab zwölf Götzentempel, zwei Moscheen und eine nestorianische Kirche. Nicht zu vergessen der beeindruckende Palast, aus Holz und Lehm gefertigt und vor dem Eingang, ein Brunnen aus Silber in der Form eines Baumes, der jedem französischen Schloss alle Ehre gemacht hätte. Entworfen und gefertigt von einem französischen Goldschmidt.
Das Ziel der Karawane war das Sarazenenviertel, doch vor den Toren wurden sie aufgehalten und Isaak musste die Zölle für die Waren entrichten. Damit sie nicht zu lange warten mussten, legte Chin ein gutes Wort für sie ein. Auch konnten sie nicht mit den ganzen Kamelen in die Stadt einreiten, so wurden die Waren auf mehrere Karren verladen und dann konnten sie endlich in die Stadt.
In der Stadt angekommen trennten sich die Wege von Chin und seinem Gefolge und der Karawane.
„Ich werde jetzt die Mädchen in den Palast bringen und meinem Onkel mitteilen was vorgefallen ist. Ich danke euch noch einmal für die Hilfe und entschuldige mich für die Unannehmlichkeiten, die meine Cousine und meine Schwester verursacht haben“, der gutaussehende Asiate verbeugte sich vor Steve und Danny.
„Es war uns eine Ehre dir bei den kleinen Biestern beizustehen“, grinste Steve und sah zu den Mädchen rüber. Loriana und Kono streckten ihm gleichzeitig die Zungen raus und gaben ihren Pferden die Sporen. Er lachte laut heraus und schüttelte nur den Kopf.
„Wenn du eine neue, weniger gefährliche Aufgabe suchst, würden wir uns freuen dich bei uns willkommen zu heißen“, bot Danny ihm ebenso lachend an.
„Danke für dieses Angebot, es ist sehr verlockend. Doch wenn ich ehrlich bin, liebe ich diese Biester viel zu sehr, um ihre Sicherheit jemand anderem zu überlassen. In den nächsten Tagen werde ich euch einen Boten schicken, für eine Einladung in den Palast“, Chin neigte den Kopf und verabschiedete sich.
Sie würden einige Tage hier verbringen bevor sie den nächsten Auftrag, in welche Richtung auch immer er sie führen würde, annahmen. In der Regel vergingen nur wenige Tage und es sprach sich herum wie gut ihre Truppe war.
Nach einiger Suche hatten sie eine Herberge gefunden die alle Männer aufnehmen konnte. Isaak ibn Mahmoud war schon des Öfteren hier in Karakum gewesen und hatte sich ein kleines Haus mit einem entsprechenden Lagerraum gemietet. Steve stellte zwei Männer als Wache ab, kontrollierte selbst noch einmal die Gegebenheiten und machte sich dann auch auf in die Herberge. Er freute sich auf ein Bad und nach weiblicher Gesellschaft war ihm auch zumute. Mit einem Grinsen im Gesicht ritt er gemächlich durch die Gassen. Er war sicher, seine Männer hatten schon das entsprechende Etablissement ausgemacht, wo Mann in angenehmer und sauberer Gesellschaft entspannen konnte.
 
Gerade als sich Langeweile bei den Männern einstellte, denn sie waren es nicht gewohnt mehr als eine Woche nichts zu tun, kam ein Bote und überbrachte einen versiegelten Brief. Der mongolische Bote verbeugte sich tief und sagte in gebrochenem Französisch das er auf Antwort warten sollte. Steve der mit Angus alleine im Gastraum der Herberge saß, nahm den Brief aus feinstem Bütten entgegen und nickte dem Boten zu, dann gab er der Schankmagd ein Zeichen, damit dem Boten etwas zu trinken gebracht wurde. Erst dann erbrach er das Siegel und faltete das teure Papier auseinander.
Angus beugte sich neugierig über den Tisch und hing fast mit seinem Wams in seinem Teller. Steve kannte Angus grenzenlose Neugier und lehnte sich etwas zurück, sodass sein Gegenüber schon den Hintern von der Bank heben musste um etwas sehen zu können.
„Hm … aha … wie interessant … na das ist ja … aha!“, murmelte Steve leise vor sich hin und beobachtete das Gesicht von Angus unter halb geschlossenen Lidern. Der schien versucht, Steve den Brief aus der Hand zu reißen, konnte sich aber gerade noch beherrschen. Als Steve den Brief dann zusammenfaltete und in seinen Sporran steckte, dem Boten mit einem Ja antwortete und aufstand, fiel ihm die Kinnlade runter. Steve war schon fast draußen und versuchte sich ein Lachen zu verkneifen als er Angus´ empörtes Schnauben hörte.
„Steven!“, hörte er noch seinen Namen und verschwand schnell um die nächste Ecke.
 
Loriana stand wütend vor ihrem Onkel, dem Khan, dieser sah sie genauso wütend an. Er war eine beeindruckende Erscheinung. Sein rotes Gewand aus bestickter Seide schimmerte im Licht der Kerzen die seinen Raum beleuchteten, darunter trug er Lederne Hosen und Reitstiefel.
„Es reicht jetzt Loriana, ich habe lange genug deinen Launen nachgegeben. Du hast dich und meine Leute in Gefahr gebracht. Dein loses Mundwerk hat nicht zum ersten Mal dazu geführt, das du dich in Gefahr bringst“, ihr Onkel ging wütend auf und ab. Als sie etwas sagen wollte, brachte er sie mit einer unwirschen Handbewegung zum Schweigen. „Du bist eine Prinzessin und benimmst dich schlimmer als ein Bauernweib. Du kannst von Glück sagen das du meine Nichte bist, ansonsten hätte jeder Mann, dir schon längst den Hals umgedreht.“
Auf Lorianas Gesicht breitete sich entsetzen aus. Sprach ihr geliebter Onkel doch fast die gleichen Worte aus, die dieser Blonde Ritter benutzt hatte.
Möngke Khan bereute schon fast, solch harschen Worte gesagt zu haben, aber diesmal musste er hart bleiben. Beinahe hätte er sie verloren, durch ihre eigene Schuld. Er liebte dieses Kind genauso sehr wie seine eigenen, merkwürdigerweise ließ er seinen Kindern nicht so viel durchgehen. Wahrscheinlich lag es daran das sie ohne Eltern aufwachsen musste. Er seufzte leise und wandte sich ihr wieder zu.
„Ich erwarte von dir, dass du heute Abend deine besten Manieren zeigst und unsere Gäste, die euer Leben gerettet haben, zuvorkommend behandelst. Habe ich mich klar ausgedrückt?“, seine Stimme ließ keine Widerrede zu.
„Ja, Hoheit!“
„Geh jetzt und lasst euch von euren Zofen zurecht machen“, mit einer Handbewegung scheuchte er sie hinaus. „Und Kono! Das gleiche gilt für dich auch. Verstanden?“, ein leises Fluchen kam aus einer dunklen Ecke des Zimmers und er musste sich ein Lachen verkneifen.
„Ja, Hoheit!“
Schnell verschwanden die beiden Mädchen und der Khan sah ihnen Kopfschüttelnd nach. Chin tat ihm wirklich leid. Er war gespannt auf die Ritter die sich getraut hatten Hand an die beiden zu legen. Seine erste Reaktion darauf war, dass er ihre Köpfe haben wollte. Chin konnte ihn letztendlich überzeugen, dass dies genau die richtige Lektion gewesen war. Loriana hatte ihm nämlich nicht erzählt was sie zuvor alles angestellt hatten.
 
Obwohl sie herausgeputzt waren wie erwachsene Frauen, sah man ihnen immer noch das kindliche an. Ihre Zofen hatten ganze Arbeit geleistet. Loriana trug ein grünes besticktes Seidengewand in mongolischer Tradition, das lange Haar geflochten und um den Kopfgesteckt. Die braune Haut hell gepudert, denn eigentlich hatte eine Prinzessin vornehme Blässe zu tragen, keine gesunde Bräune. Kono trug ein gelbes Seidengewand, nicht ganz so aufwendig wie das von Lori, ihr dunkles Haar war ähnlich aufgesteckt, doch ihre Haut war nicht gepudert. Jetzt gingen die Mädchen mit hocherhobenem Haupt durch die Gänge des Palastes zum Empfangssaal. Keine von ihnen sprach ein Wort. Jede für sich, hatte die Worte von Daniel und die des Khans, noch einmal überdacht. Der Gedanke, dass keiner sie mochte und sie nur noch lebten, weil sie dem Khan nahe standen, hatte sie sehr erschrocken.
Die Ritter waren schon eingetroffen und wurden von Chin und Seijin begrüßt. Seijin war erst genauso wütend gewesen wie der Khan, dass seine kleinen Mädchen gezüchtigt worden waren. Doch auch ihm wurde schnell klar, dass er sie zu sehr verwöhnt hatte. Chin hatte ihm anschaulich erklärt was sich die Beiden in den letzten Tagen geleistet hatten. Sein Sohn hatte ihm auch gesagt, das, wenn er nicht an seinen Eid gebunden wäre, ihnen schon längst selbst den Hintern versohlt hätte. Auch sollten er und der Khan ein bisschen mehr Strenge walten lassen.
Der alte Mongole beobachtete die fremden Ritter aufmerksam. Besonders Sir Steven und Sir Daniel, sie machten einen guten Eindruck auf ihn. Sie schienen stolze und aufrechte Männer zu sein. Auch ihre Männer von unterschiedlichster Herkunft, was ihn sehr verwunderte, hatten alle einen offenen und stolzen Blick.
Mit einem starken Akzent behafteten Französisch unterhielt sich Seijin mit Sir Angus.
„Sir Angus, erzählen sie mir von ihrem Heimatland. Es muss kein schönes Land sein, wenn sie wo anders Abenteuer suchen.“
„Nein, im Gegenteil, Herr. Die schottischen Highlands sind das schönste was ich kenne und in den letzten Jahren habe ich viele Länder kennengelernt“, anschaulich erzählte er Seijin von den Highlands. Dieser musste ein Lächeln unterdrücken, weil der junge Mann nicht enden wollte.
„Warum haben sie ihre Heimat verlassen wenn sie so schön ist?“
„Nun, bis auf Sir Steven, sind wir alle Zweite Söhne. Ich weiß nicht wie es bei ihnen ist, aber bei uns erbt der zweite Sohn nichts. Man muss sich alles alleine verdienen oder von der Gnade seines Vaters oder Bruders abhängig sein.“
„Ich verstehe, bei uns ist es ähnlich. Leider führt das dazu, das man als erstgeborener Sohn sich nicht immer seines Lebens sicher sein kann.“
Bevor Angus darauf antworten konnte ertönte ein Gong und es wurde ruhig im Raum, alle Männer drehten sich zu der großen Tür die sich leise öffnete. Herein kamen zwei Frauen, die von den Rittern erst auf den zweiten Blick erkannt wurden. Überrascht schauten sie die Mädchen an, die jetzt wie Prinzessinnen ausschauten. Die Gäste verbeugten sich vor den Damen und lächelten sie höflich an.
„Das Beste was man in der Welt haben kann, ist daheim zu sein, ihr, edle Herren, habt dazu beigetragen, das wir unser Heim wiedersehen durften. Fühlt euch hier willkommen und zu Hause“, sprach Loriana mit leiser Stimme in perfektem Französisch. Steve trat vor und nahm ihre kleine Hand in seine. Mit einem vollendeten Handkuss bedankte er sich.
„Prinzessin, es ist uns eine Ehre gewesen und wir bedanken uns für das freundliche Willkommen“, Steve lächelte Loriana und Kono freundlich und offen entgegen, nichts in seinen Augen sagte den jungen Damen, das er einen Groll gegen sie hegte. Schüchtern lächelten sie zurück.
 
Fast zwei Jahre später waren sie immer noch in Karakum und sie lebten gerne hier. Der Khan, Seijin und Chin konnten sie überzeugen für sie zu reiten. Sie lebten in dem großen Palastgelände, hatten ihre eigenen Räume und Diener, wurden von jedem respektiert und reichlich entlohnt. Sie wurden in die asiatische Kampfkunst eingewiesen, dafür gab Lehrer aus dem Reich der Mitte. Im Gegenzug brachten die schottischen Ritter, ihren Gastgebern alles bei was sie gelernt hatten, besonders den Schwerkampf mit einem schottischen zweihändigen Claymore (Langschwert). Was nicht einfach war, da diese Schwerter bis zu 5,1 Fuß maßen und fast 2,5 Kilo wiegen konnten. Eine ungewohnte Waffe für die kleinen gedrungenen Mongolen, die meistens mit Kurzschwertern kämpften. Auch in Sachen der Kriegsführung lernten sie voneinander. Es war ein Geben und Nehmen. Die Geschichten die sie als Kinder von den wilden Mongolen gehört hatten, stimmten nur zum Teil. Ja, sie waren wild und versuchten zu erobern was sie konnten. Andererseits waren sie anderen Gebräuchen und Religionen gegenüber sehr aufgeschlossen.
Steves und Dannys Armee bestand aus 25 Soldaten, mit denen sie seit drei Jahren Ritten. Davon waren 13 Schotten, und in jedem Land das sie bereist hatten, kamen ein paar dazu. Aus unterschiedlichen Motiven waren sie zu ihnen gestoßen und geblieben. Saraszenen, Nubier, Venezianer und Deutsche. Ihnen wurde von Anfang an klargemacht, das Steve und Danny keinerlei Streitereien untereinander duldeten, und das sie bestimmte Werte zu achten hatten. Bis auf einige wenige, die sich nicht daran hielten und aus dieser kleinen Gemeinschaft ausgestoßen wurden, waren sie eine fest zusammenhaltende Truppe. Ihnen wurde freigestellt ob sie hier im mongolischen Reich bleiben, oder weiterziehen wollten. Alle blieben.
 
Seit einigen Tagen, gingen Steve und Danny den Mädchen aus dem Weg. Die schlaksigen jungen Dinger hatten sich in wunderschöne Frauen verwandelt und entdeckten gerade ihre Weiblichkeit. Die Damen wurden nicht nur in der Kampfkunst unterrichtet, unter anderem, rein theoretisch natürlich, in der Liebeskunst. Jetzt versuchten sie ihre Verführungskünste an Steve und Danny zu erproben.
Zwischen ihnen hatte sich ein herzliches Verhältnis entwickelt, die Mädchen hatten sich zu Herzen genommen, was Daniel und der Khan zu ihnen gesagt hatten. Die beiden Ritter waren für sie wie Brüder, eigentlich. Doch das was man ihnen gerade beibrachte, machte aus ihnen gefährliche Sirenen. Für die Männer wurde es immer schwieriger ihnen auszuweichen, und Steve suchte Seijin auf um mit ihm ein ernstes Wort zu reden.
„Seijin, Herr. Ich weiß nicht genau wie ich anfangen soll, es ist mir etwas unangenehm“, fing er an.
„Sir Steve, sprecht es direkt aus, das tut ihr doch sonst auch. Diplomatie war doch noch nie eure Stärke“, lachte der alte Mann.
„Also gut. Die Prinzessin und eure Tochter werden seit einiger Zeit in einem bestimmten Fach unterrichtet … hm … also … wie soll ich sagen, nun versuchen sie das Erlernte an Daniel und mir auszuprobieren“, Steve machte einen Gesichtsausdruck als hätte er ein faules Ei gegessen.
„Welches Fach meint ihr?“
„Die Liebeskunst!“, stieß Steve aus.
Womit er nicht gerechnet hatte war, das Seijin in lautes Gelächter ausbrach. Der Mongole konnte sich kaum beruhigen.
„Ich vertraue euch vollkommen, Steve. Ich weiß das ihr den Mädchen nie zu nahe treten würdet.“
„Da habt ihr vollkommen Recht, doch was ist wenn sie ihre Künste an jemand anderem ausprobieren wollen? Sie sind unschuldig und naiv, weil sie so behütet hier aufwachsen.“
„Ihr sprecht weise. Habt ihr einen Plan?“
„Ja, Herr. Hört zu.“
 
Die Sirenen ließen sich nicht abschütteln und ihr Gesang wurde immer eindringlicher. Steve hatte einen Plan entwickelt und versuchte ihn Daniel zu erklären. Dieser hatte ihn ungläubig angeschaut und ihm dann mit heftigem Gestikulieren erklärt was er davon hielt.
„Du bist wahnsinnig geworden. Wenn man uns dabei erwischt werden wir gehäutet und dann gevierteilt …“
„Hör mir bis zum Ende zu, Danno“, unterbrach Steve ihn ungeduldig. Erst als er zu Ende gesprochen hatte erschien ein gemeines Grinsen auf seinem Gesicht.
„Das könnte funktionieren.“
„Ja, ich weiß.“
Ab sofort gaben sie dem Sirenengesang nach, mit kleinen Gesten und Blicken. Ein Streicheln über die Wange, den Arm um die  zarten Schultern gelegt, oder einer gepflückten Blume. Ein strahlendes Lächeln der beiden gutaussehenden Ritter und Loriana und Kono strahlten um die Wette. Die Männer hatten kaum noch eine ruhige Minute. Ihnen wurde in jeder einsamen Ecke aufgelauert. Loriana hatte sich auf Daniel fixiert und Kono auf Steve. Es war nur noch eine Frage der Zeit bis sie angreifen würden. Mittlerweile war Steve nicht mehr so sicher ob sein Plan eine gute Idee gewesen war.
Kono war in ihrem Bemühen, seine Aufmerksamkeit zu erlangen, so bezaubernd unschuldig und Steve befürchtete dass sie in ihn verliebt war. Er wollte sie nicht verletzten, denn er liebte sie ja auch, wie eine kleine Schwester zwar, aber immerhin bedeutete sie ihm etwas. Sie erinnerte ihn an Mary, seine leibliche Schwester, die er so lange nicht gesehen hatte und vermisste. Andererseits, wenn sie diese Lektion nicht lernten … Steve seufzte leise, er war sicher heute Nacht würden die Sirenen angreifen.
Danno verfolgten die gleichen quälenden Gedanken. Er fragte sich wie man unschuldigen Mädchen solchen Unterricht erteilen konnte. Natürlich wusste er, dass hier andere Sitten herrschten, und die Frauen auf das vorbereitet wurden was sie in einer Ehe zu erwarten hatten. Nämlich ihrem zukünftigen Mann Freude zu schenken. Nichts anderes. Wenn sie Glück hatten, wurden sie die Hauptfrau eines Mannes. Wenn er daran dachte, dass die jungen Mädchen in seinem Land ohne irgendein Wissen in die Ehe gestoßen wurden, fand er dieses Vorgehen gar nicht so schlecht. Nur nicht ganz durchdacht.
Loriana war süß in ihrem unschuldigen Vorgehen, irgendetwas tief in seinem Inneren wurde berührt. Was er sofort wieder wegschloss, denn schließlich war sie für ihn wie eine kleine Schwester.
 
Es war ruhig. Zu ruhig. Steve starrte in die Dunkelheit und wartete. Seine Lederhose war das einzige was er noch trug. Er wollte sich nicht nackt vor Kono zeigen, das Kind würde schon genug zu verarbeiten haben. Als er schon glaubte das heute Nacht nichts mehr geschah und er kurz davor war einzuschlafen, öffnete sich die Tür zu seinem Gemach. Im Dämmerlicht der beiden Kerzen die er angelassen hatte sah er eine zierliche Gestalt näherkommen. Unter halb geschlossenen Lidern beobachtete er Kono, und als sie fast an seinem Bett stand, mit den Kerzen im Rücken, fielen im fast die Augen aus dem Kopf. Kono trug ein hauchdünnes Seidengewand das die Silhouette ihres nackten Körpers durchscheinen ließ. Er wurde wütend. Hatten diese kleinen verdammten Weiber denn nur Hafergrütze im Kopf? Was bekamen sie denn in diesem verdammten Unterricht beigebracht? Bestimmt nicht wie Männer auf so einen Anblick reagierten. Dann wurde er wütend auf sich selbst, weil sein Körper unerwartet reagierte und seine Lederhose an einer bestimmten Stelle zu eng wurde. Sein sorgfältig zu Recht gelegter Plan, Kono in Ruhe zu erklären was sie mit ihrem Verhalten bewirkte war dahin. Schon lange war er nicht mehr so wütend gewesen, sein rationales Denken setzte aus und er handelte nur noch, als Kono sich zu ihm ins Bett legte und ihn auf den Mund küsste.
 
Kono küsste behutsam Steves Lippen, die weich und nachgiebig waren. Sanft erwiderte er den Kuss und sie fühlte ein merkwürdiges Kribbeln in ihrem Bauch und Schoß. Dieses Gefühl hatte sie die letzten Tage öfters gespürt, immer dann, wenn Steve sie angelächelt hatte. Dann machte ihr Herz einen Satz und das Gefühl von Ameisen auf ihrer Haut verstärkte sich in seiner Nähe.
Vorsichtig strich sie über seine nackte Brust, mit den weichen Haaren, die sie durch ihr dünnes Seidengewand kitzelten. Sie fühlte sich wohl und wusste dass Steve der Richtige war. An die Konsequenzen für ihn, sollte er ihr die Unschuld nehmen, dachte sie nicht.
„Steve“, hauchte sie.
Auf einmal veränderten sich die zarten Küsse und wurden drängender und ungeduldiger. Erst gefiel Kono das, doch als sie Steves Hände auf ihrem Körper spürte wurde sie unruhig. Und als er sich so mit ihr drehte das er auf ihr lag und sie bewegungsunfähig war, machte sich ein unangenehmes Gefühl in ihr breit.
„Du kleines Luder hast es endlich geschafft, bist du jetzt zufrieden mit dir?“, keuchte Steve ihr entgegen. Seine Hände berührten grob ihre Brüste und er schob ihre Beine mit dem Knie auseinander. Panik machte sich in ihr breit und sie versuchte sich zu wehren. Steve nahm ihre Hände und hielt sie mit einer Hand über ihrem Kopf zusammen, mit der anderen Hand machte er sich, zu ihrem Entsetzen, an seiner Hose zu schaffen.
Kono wand sich unter ihm und wollte schreien, ein harter Kuss von ihm erstickte den Schrei im Keim. Warum tat er das? Sie hatte gedacht er wäre auch in sie verliebt. Tränen liefen aus ihren Augen und sie fing bitterlich an zu weinen. Sie merkte gar nicht wie er von ihr abließ, sich setzte und sie auf seinen Schoß zog.
Sanft wiegte er sie in seinen Armen, auch er hatte Tränen in den Augen. Er hasste sich für das was er gerade getan hatte.
„Schch … alles ist gut mein kleiner Liebling. Ich tu dir nichts, hab keine Angst mehr.“
„Warum bist du so gemein?“, schluchzte Kono verzweifelt. „Ich dachte du liebst mich?“
Steve schloss die Augen und seufzte leise und versuchte sich selbst zu beruhigen.
„Weißt du eigentlich was du die letzten Tage herausgefordert hast?“, stellte er eine Gegenfrage.
„Ich weiß nicht was du meinst? Ich liebe dich doch und wollte bei dir sein“, kam es mit weinerlicher Stimme.
„Nein Kono, du liebst mich nicht. Du und Loriana werdet in der Liebeskunst unterrichtet, weiß der Teufel warum. Ihr wolltet nur ausprobieren wie es sich anfühlt, diese Dinge zu tun, ohne an die Konsequenzen zu denken.“
„Was für Konsequenzen? Von dem bisschen Küssen und streicheln?“
Steve war fassungslos und wurde schon wieder wütend. Doch diesmal nicht auf Kono. Was bekamen die Kinder in diesem verdammten Unterricht beigebracht? Aufgebracht setzte er sie auf das Bett und stand auf. Vor ihr blieb er stehen, mit zwei Fingern umfasste er ihr Gesicht und hob es, damit sie ihm in die Augen sehen konnte. Die schönen dunkelbraunen Augen blickten ihn traurig und vorwurfsvoll an.
„Weist du nicht zu was das führt was du mit mir versucht hast? Kono, wenn ich ein anderer Mann wäre, hättest du jetzt deine Unschuld verloren, ohne Rücksicht darauf ob es dir gefiele oder nicht. Und ich würde mein Leben verlieren und das zu Recht.“
Wieder fing sie an zu weinen. Steve fuhr sich überfordert mit dieser Situation durch die Haare. Was hatte er sich nur dabei gedacht. Toller Plan den er da gehabt hatte. In der Theorie war er perfekt gewesen.
„Aber ich liebe dich doch“, flüsterte sie leise vor sich hin. Steve zog sie vom Bett hoch in seine Arme.
„Nein, tust du nicht. Du bist nur ein bisschen verliebt und das ist nicht das gleiche. Vor einem Monat war ich ein großer Bruder für dich, du bist zu mir gekommen, mit deinen kleinen und größeren Sorgen oder wenn du dich mit Lori gestritten hast. Erst dieser verdammte Unterricht hat dich auf dumme Gedanken gebracht. Du solltest deine Jungfräulichkeit deinem zukünftigen Mann schenken. Der dich ehren und lieben wird“, den letzten Satz glaubte er nicht selbst, da Frauen hier, genauso wie bei ihm zu Hause, meistens aus politischen Gründen verheiratet wurden.
Kono löste sich aus seinen Armen und sah ihm lange in die Augen, dann erzählte sie ihm was ihr vorbestimmt war.
„Steven, ich werde niemals heiraten. Ich bin dazu bestimmt Prinzessin Lorianas Leibwächterin und engste Vertraute zu sein. Wo sie hingeht werde ich auch hingehen, ohne je die Hoffnung auf eine eigene Familie zu haben“, ihre Worte klangen nüchtern und ohne jeden Groll für ihre Bestimmung.
„Ach, mein kleiner Liebling. Das tut mir leid.“
„Das braucht es nicht, Steve. Ich habe mein Schicksal schon vor langer Zeit angenommen und bin stolz darauf. Aber du hast Recht, ich habe nicht an die Konsequenzen gedacht, die das Ganze haben könnte. Mir tut es auch leid. Darf ich nur einen Wunsch äußern? Ich verspreche dir, dann werde ich nie wieder so etwas wie heute Nacht tun.“
Die dunkelbraunen Augen sahen ihn hoffnungsvoll und zugleich ängstlich an. Wie hätte er ihr widerstehen können. Steve nickte unsicher und mit einem Kloß im Hals.
„Bitte küss mich einmal so, wie du eine Frau küssen würdest die du liebst“, entsetzt sah er sie an, damit hatte er nicht gerechnet.
„Kono …“, krächzte er.
„Bitte Steven, ich werde nie die Liebe eines Mannes kennenlernen, ich möchte nur wissen wie es sich anfühlt … ich … ich vertraue dir.“
Widerstreitende Gefühle zeigten sich in Steves Gesicht. Kono beobachtete ihn aufmerksam. Einerseits wollte er ihren Wunsch erfüllen, andererseits wusste er dass es falsch war. Unerwartet trat er auf sie zu und hob sie auf seine Arme, legte sie sanft auf sein Bett und legte sich zu ihr. Einen Arm unter ihrem Kopf den anderen um ihre schmale Hüfte geschlungen sah er sie lange an. Seine Augen schimmerten dunkelblau und voller Gefühl, aber es war keine Liebe für sie als Frau, wie sie erkannte. Doch als er seine Lippen auf ihre legte und mit einer Hand zärtlich ihr Gesicht umfasste konnte sie es sich wenigstens einbilden. Nach einer gefühlten Ewigkeit löste Steve sich von ihr. Immer noch hatte sie die Augen geschlossen und war noch verwirrter als vorher.
„Bitte geh jetzt, Kono!“, Steves leise Stimme holte sie in die Gegenwart zurück. Langsam stand sie auf und verließ sein Schlafzimmer.
Am nächsten Tag wollte sie sich bei Steve für alles entschuldigen. Doch er, Daniel und ein Teil seiner Männer waren für den Khan mit einer Armee abgereist um die Grenzen des Reiches zu sichern. Erst vier Monate später kamen sie wieder, aber auch nur weil Steve schwerverletzt war.

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BeitragThema: Re: Der MacGarrett Clan oder Ohana auf Schottisch   Fr Jan 10, 2014 4:39 pm

8.
 
Im Jahre des Herrn 1277, Nostie Bay und Umgebung
 
Allen war eigentlich klar gewesen das Anna nicht mehr in der Herberge war. Wieder stieg Wut in Steve auf. Auf seine Mutter, aber auch auf Anna. Warum ging sie so leichtsinnig mit ihrem Leben um? Er verstand ja dass sie Angst hatte und von seiner Mutter weg wollte, doch nicht auf solch überstürzte Weise. Sie war eine intelligente Frau, im Moment zweifelte er aber an ihrem Verstand. Fluchend verließ er die Herberge, seine Freunde hatten draußen gewartet. Seinem verschlossenen Gesicht konnten sie sofort ansehen, das sie nicht mehr hier war.
Tavish schüttelte betrübt den Kopf, dieses dumme Mädchen. Es waren ungefähr drei Stunden vergangen, seit er sie hier abgesetzt hatte. Sehr weit konnte sie nicht gekommen sein. Wenn sie nach Kyle of Lochalsh wollte musste sie die Küstenstraße entlang reiten. Was nachts ein gefährliches Unterfangen war. Selbst gestandene Männer reisten wenn, nur in großen und stark bewaffneten Gruppen.
„Tavish, geh zu Hamish Ferguson, ich weiß das der Händler morgen auch nach Skye wollte, er hat bestimmt ein paar Söldner angeheuert, er soll sie uns für ein paar Stunden überlassen, er wird gut dafür bezahlt. Ich habe gehört, die Geächteten,  die hier die Gegend unsicher machen, haben sich um Seamus McDonald versammelt und gehen skrupellos vor. Wenn Anna Glück hat, lassen sie sie am Leben und versuchen Lösegeld zu bekommen.“
Der alte Mann hatte nicht so weit denken wollen, doch Steven hatte Recht. Sie mussten mit dem schlimmsten rechnen und zu Dritt, die junge Frau rechnete er nicht dazu, hatten sie gegen den McDonald keine Chance.
 
Steve ging wieder in die Herberge, die auch eine Schankstube hatte und sah sich um, er hatte vorhin Männer gesehen die er genau unter die Lupe nehmen wollte. Adam und Kono waren ihm gefolgt. Mitternacht war überschritten, trotzdem tummelten sich hier noch einige zwielichtige Gestalten. In einer Ecke saß die kleine Gruppe von Männern, die einen recht gepflegten Eindruck machten. Obwohl es in dem Schankraum nach abgestandenem Bier und Kohlsuppe roch, war sie ungewöhnlich sauber. Die Herbergswirtin schien ein strenges Regiment zu führen, auch die Mägde waren sauber und züchtig gekleidet. Sie setzten sich an einen der freien Tische, sodass sie die Männer beobachten konnten.
„Die Männer dort, gehörten zum Clan von Seamus McDonald, der jetzt als Geächteter sein Unwesen treibt. Er hat die Kirche um den Zehnten und den König um Steuern betrogen und die Steuereintreiber wahrscheinlich getötet, doch das konnte man ihm nicht nachweisen, weil sie nicht gefunden wurden“, sagte Steve leise und lächelte dabei Kono und Adam an.
„Wird normalerweise nicht der ganze Clan geächtet?“, fragte Adam der sich für die Gesetzte seiner neuen Heimat interessierte
„Nein, nur wenn man einem Geächteten Zuflucht, Essen oder eine andere Art der Hilfe zukommen lässt, kann dies auch mit Ächtung bestraft werden. Aber es gibt noch einen anderen Zweig McDonalds, nicht weniger verkommen. Man munkelt das sie Seamus helfen, bisher konnte das aber keinem nachgewiesen werden.“
Einer der Schankmägde stellte ihnen drei Humpen mit dunklem Bier auf den Tisch. Steve fragte ob es noch eine Mahlzeit gab, denn weder er noch Adam und Kono hatten gegessen. Obwohl ihm nicht wirklich nach essen zu Mute war. Jede Minute die sie hier verbrachten, brachte Anna in größere Gefahr. Aber einfach drauf losreiten brachte auch nichts.
„Wirham nur nochen Rest Suppe un Brot, aye“, teilte die Magd, in einem breiten schottischen Akzent mit, und sah sie aus müden Augen an.
„Das reicht uns, danke.“
Während sie auf das Essen warteten, kam Tavish in die Schankstube. Er wollte schon von der Tür aus Steve Bescheid geben, erkannte dann aber auch die McDonald-Männer und setzte sich schweigend zu ihnen. Kono schob ihm ihren Humpen Bier zu und er lächelte sie dankbar an.
„Zu stark für dich, Mädel?“, grinste er schelmich, wartete nicht auf Antwort sondern redete gleich leise weiter. „Hamish stellt uns fünf Männer zur Verfügung. Er sagt sie sind sehr zuverlässig, haben schon öfters für ihn gearbeitet. Außerdem schon schlechte Erfahrungen mit den Wegelagerern gemacht. Sie satteln auf und warten auf uns bei Hamish.“
„Aye, setzt dich alter Mann.“
Das Essen wurde serviert und Steve schob seinen Teller Tavish zu, nahm sich selbst nur ein Stück Brot, das etwas altbacken aber von kräftigem und guten Geschmack war. Er stibitzte sich ein Stück Fleisch aus Konos Schale und grinste sie frech an.
 
„Flirte ein bisschen mit dem blonden Kerl im roten Wams, er schaut die ganze rüber und kann kaum die Augen von dir lassen, Kono. Locke ihn raus und bleib draußen.“
Entrüstet sahen Adam und Tavish zu Steve. Der hob nur eine Augenbraue und grinste wieder.
„Ihr beide habt keine Ahnung zu was dieses kleine Persönchen fähig ist, schaut zu und lernt.“
Wenn Kono an zu lächeln fing, konnte sich kein Mann ihrem Charme widersetzten, selbst Steve viel es schwer und oft genug hatte sie ihn um den Finger gewickelt um ihren Willen durchzusetzen. Er beobachtete Tavish und Adam die sie fasziniert anschauten. Das Adam eine Schwäche für Kono hatte, war ihm schon vor einiger Zeit aufgefallen. Doch ganz Edelmann, hatte er sich nie ungebührlich ihr gegenüber verhalten. Und Tavish verfiel ihr auch gerade mit Haut und Haaren. Er grinste vor sich hin und warf Kono einen Seitenblick zu. Ihre dunkelbraunen Augen strahlten wie dunkle Sterne, auf ihren zarten Wangen entstanden kleine niedliche Grübchen und der Mund mit den vollen Lippen versprach alle Sünden der Welt. Seine kleine Sirene war der Traum eines jeden Mannes, und doch war sie ein unschuldiges Kind, er, Steve, war bisher der einzige der diese Lippen geküsst hatte, welches ihm immer noch ein schlechtes Gewissen bereitete.
„Ich brauche ein wenig frische Luft“, Kono stand auf und ging mit wiegenden Hüften zur Tür. Ihr langer Ledermantel schmiegte sich eng an ihre zierliche Gestalt, durch die Schlitze an den Seiten, vorne und hinten, konnte man die langen schlanken Beine erahnen die in Lederhosen steckten. Ein ungewohntes Kleidungsstück für eine Frau, Kono mochte die Kleider die Frauen trugen, aber zum Reiten waren sie unpraktisch. Jetzt warf sie noch einen verlockenden Blick über die Schulter zu dem McDonald und verließ den Schankraum.
Es dauerte keine zwei Minuten und der blonde Mann folgte Kono. Steve ließ einige Minuten verstreichen, beobachtete die anderen McDonalds, die sich mit dreckigem Grinsen unterhielten und dabei obszöne Handzeichen machten. Adam und Tavish starrten Steve an und warteten darauf dass er einen Befehl gab, welchen auch immer. Genüsslich trank er sein Bier aus, dann nickte er Adam zu und raunte leise: „Geh ruhig raus, Adam. Es soll nicht so aussehen als würdest du ihr hinterher gehen.“
 
Ihr Körper fühlte sich an als sei er mehrmals von einer Klippe geworfen worden, ihr Kopf dröhnte und sie hatte keine Ahnung warum. Sie wollte die Augen öffnen doch sie vermochte es nicht. Leise Stimmen in ihrer Nähe ließen sie aufhorchen, doch sie konnte die Worte nicht verstehen und je mehr sie sich anstrengte umso größer wurde der Schmerz in ihrem Kopf. Ihr Körper wurde angehoben und irgendwo achtlos drüber geworfen, sie verlor wieder das Bewusstsein.
„Was sollen wir mit der Frau machen, Seamus?“, der kleine gedrungene Mann sah seinen Herr unterwürfig an. Die Kleidung die er trug, konnte man nur noch als Lumpen bezeichnen, um die Füße hatte er Lappen gebunden, gehalten durch Hanfseile und er starrte vor Schmutz und strömte einen unheimlichen Gestank aus. Auch die anderen Männer, einschließlich dieses Seamus, sahen nicht besser aus. Ihre Gesichter waren ausgezehrt und man sah ihnen den Hunger regelrecht an.
„Weißt du nicht wer das ist? Dies ist die Haushälterin und wahrscheinlich auch die Hure des MacGarrett. Für sie bekommen wir sicher eine Menge Lösegeld und in der Zwischenzeit können wir uns ein bisschen mit ihr Vergnügen“, ein hinterhältiges und gemeines Lachen folgte diesen Worten.
„Aber Seamus, der MacGarrett wird uns jagen, wir sollten sie hier liegen lassen“, nahm einer der Männer seinen ganzen Mut zusammen. Ansatzlos bekam er von Seamus McDonald die Faust ins Gesicht gerammt, es knackte laut und Blut spritzte, der schmächtige Mann brach auf die Knie.
„Du wagst es mir zu widersprechen? Sonst noch jemand?“, als sich keiner rührte ging der McDonald, der groß wie ein Hüne war, auf den Waldrand zu in der Gewissheit das die Männer ihm mit der Frau folgen würden.
 Die anderen Männer sahen Seamus ängstlich hinterher. Sie wussten wer MacGarrett war, und er würde sich nicht einfach damit zufrieden geben, ein Lösegeld für die Frau zu zahlen. Nein, er würde sie jagen und töten. Da sie Geächtete waren konnte er sie ohne Gerichtsverhandlung an den nächsten Baum knüpfen. Der kräftigste von ihnen hatte Anna schon über der Schulter und langsam folgten sie Seamus.
 
 
Langsam legte sich die Aufregung in der Burg der Campbells. Danny und Chin überwachten die Lagerung der Lebensmittel, zeigten der Köchin was sie alles mitgebracht hatten. Die ältere Frau brach in Tränen aus und umarmte Chin, der ihr unbeholfen den Rücken tätschelte. Vorsichtig löste Daniel ihn aus ihrer Umklammerung.
„Mistress Isobel. Ich weiß es ist mitten in der Nacht, aber es wäre gut wenn ihr eine kräftige Gemüsesuppe aufsetzten würdet. Das würden den Menschen gut tun und meine Männer sind heute schon von Inverness her geritten und könnten auch eine Stärkung vertragen. Ich würde euch auch beim Schnippeln des Gemüses helfen, aye“, zwinkerte er ihr schelmich zu.
„So weit kommt es noch, Sir Danny. Ich kenne euch noch da wart, ihr ein Kind und nur in der Küche wenn ihr naschen wolltet“, mit einem Kochlöffel scheuchte sie die Männer aus der Küche.
„Du kennst die Dame?“, fragte Chin lachend.
„Aye, sie war bei meinen Eltern als junge Magd angestellt, dann hat sie ihren Mann kennengelernt und ist mit ihm weggezogen. Hin und wieder schickt sie meiner Mutter selbstgemachte Kräutertinkturen.“
Jamie hatte Chin eine Kammer gezeigt in dem er die mitgebrachte Medizin und andere Utensilien unterbringen konnte, um die Kranken zu behandeln. Danny half ihm auch hier, er hatte keine Eile ins Haupthaus zu gehen. Lady Campbell hatte sich schon genug aufgeregt in ihrem Zustand, sein Anblick sollte nicht noch weiterhin dazu beitragen. Bei Loriana war sie in guten Händen.
 
„Ihr sagtet, dass ihr seit einiger Zeit zum Clan der MacGarretts gehört. Woher kommt ihr, Lady Loriana?“, sie waren im Gemach von Lady Campbell die in ihrem Sessel saß und sich den geschwollenen Leib rieb. Hin und wieder verzog sie leicht das Gesicht. Loriana vermutete dass sie Wehen hatte, es sich aber nicht anmerken lassen wollte, denn dies machte sie noch angreifbarer.
„Aus dem mongolischen Reich, Mylady. Wir lernten Sir Steven und Sir Daniel vor ungefähr zehn Jahren kennen. Sie retteten mir und meiner Familie das Leben.“
„Sehen Mongolen so aus wie ihr?“, fragte sie überrascht, dann überzog eine sanfte Röte ihre Wangen. „Entschuldigt, das war unhöflich. Wie soll ich wissen wie Mongolen aussehen, ich habe noch nie einen kennengelernt.“
Loriana lachte leise. „Meine Mutter war Engländerin, eine Sassenach, wie man die Engländer hier abfällig nennt, sie wurde von meinem Vater geraubt, und ich soll meiner Mutter sehr ähnlich sehen. Leider habe ich sie nicht kennengelernt da sie bei meiner Geburt starb. Sie haben Sir Chin gesehen, er ist ein entfernter Cousin, aber er ist auch kein reiner Mongole, seine Mutter war eine Dame aus dem Reich der Mitte, oder China, wie man hier auch sagt.“
Lady Campbell hörte ihren Erzählungen aufmerksam zu, wie sie quer durch die Länder gereist waren um hierher zu gelangen. Natürlich erzählte sie nicht die wahren Hintergründe. Loriana konnte zusehen wie sie sich etwas entspannte.
„Jetzt leben wir seit einigen Wochen hier und ich muss sagen ich habe mich in ihr schönes Land verliebt.“
„Und in den Laird?“
„Nein. Nicht in den Laird. Darf ich euch jetzt eine Frage stellen, Mylady?“, fragte Loriana, bevor sie noch mehr Fragen beantworten musste.
„Bitte!“
„Wer wohnt in dem kleinen Herrenhaus einige Meilen von hier?“, Lady Campbell zog überrascht die Augenbrauen zusammen bevor sie antwortete.
„Der nichtsnutzige Bruder meines Mannes, dem wir zu verdanken haben, dass dieser, genauso nichtsnutzige Harrington Balg, unsere Ländereien überfallen hat. Der meinen Mann immer wieder zu Taten zwang, die er sonst nicht getan hätte. Immer wieder hat mein Mann dessen Spielschulden gezahlt, bis wir selbst nichts mehr hatten“, stieß sie wütend hervor, dann legte sie ihre Hand auf den Mund. Wie konnte sie einer Fremden solch intimen Familienangelegenheiten erzählen, dachte sie erschrocken.
„Warum fragt ihr, Lady Loriana?“, ihre Stimme zitterte leicht und sie hatte Schmerzen, erkannte Loriana. Sie ärgerte sich das sie von diesem Thema angefangen hatte.
„Bevor wir MacGarrett-Land erreichten, überraschte uns heftiger Regen. Steve und Daniel hatten uns von der großen Gastfreundschaft der Highlander erzählt und ohne Argwohn, baten wir in diesem Haus um Obdach für die Nacht. Doch als wir erwähnten, was unser Ziel ist, beraubte er uns all unserer Habe. In den frühen Morgenstunden konnten wir fliehen, aber ohne unser Habe. Das hätte ich gerne wieder.“
Das war zu viel für die schwangere Frau, sie brach in Tränen aus und dann platzte auch noch ihre Fruchtblase.
 
 
Tavish schaute immer wieder zu Kono und schüttelte den Kopf. Er mochte das Mädel und er hatte jetzt einen Höllenrespekt vor ihr. Sie hatte die drei McDonalds alleine erledigt, ohne mit der Wimper zu zucken. Der McDonald der ihr gefolgt war, hatte Kono Adam gefesselt und geknebelt übergeben und ihn weiter in die Gasse geschickt. Sie wusste dass die beiden anderen ihnen auch folgen würden. Es dauerte auch nur wenige Minuten als sie hörte wie die Schanktür aufging und sich leise Schritte näherten. Kono ging ihnen entgegen und als sie im Mondlicht stand lächelte sie die Männer an. Steve und Tavish waren ihnen Sekunden später gefolgt. Als Tavish sich einer der Männer schnappen wollte, hielt Steve ihn grinsend am Arm fest und legte einen Finger auf den Mund. Was dann geschah hatte ihn, den nichts so schnell aus der Fassung brachte, fast aus seinen Stiefel gehauen.
Die beiden McDonalds gingen auf Kono zu und lachten dreckig, dann sah Tavish nur noch Beine und Arme umherwirbeln und die Männer lagen bewusstlos auf dem Boden. Einer Frau, die asiatische Kampfkunst beherrschte, hatten sie nichts entgegen zu setzen.
Trotz der angespannten Situation und der Mission die sie zu erfüllen hatte, war Steve in Gelächter ausgebrochen als er Tavishs Gesicht gesehen hatte.
„Jetzt weißt du warum ich sie mitgenommen habe. Denkst du wirklich ich würde jemand einer Gefahr aussetzen der sich nicht zu wehren weiß, aye?“, sagte Steve immer noch lachend. Denn Tavish hatte auf der Herfahrt mit ihm geschimpft dieses Mädel mitgenommen zu haben.
„Aye, wer konnte denn ahnen, dass solch ein Satansbraten in dem Mädel steckt?“, brummte er vor sich hin.
Dann hatten sie die McDonalds zu Hamish Ferguson gebracht, der schon mit seinen Soldaten auf sie wartete. Dort unterzogen sie die Drei einem Verhör, denn sie waren sich sicher, dass sie wussten wo Seamus McDonalds versteck war und wie viele Leute zu ihm gehörten. Natürlich wollten sie nicht reden, doch Steve hatte ohne Gnade gehandelt und einige Zeit später hatten sie alles gestanden. Kono hatte ihn noch nie so hart und gnadenlos gesehen und ihr wurde klar dass er, wenn sie Anna gefunden hatten, kein Erbarmen mit den Geächteten haben würde. Nach dem Verhör wurden zwei Männer dem Büttel (Ordnungshüter) des Dorfes übergeben und eingesperrt. Einen nahmen sie mit, damit er ihnen den richtigen Weg wies.
Einige Meilen ritten sie die Küstenstraße lang, bis sie irgendwann in einen kleine Waldweg einbogen und tief in den Wald eindrangen. Trotz des Spätherbstes, waren die Bäume noch voller Blätter, und so drang das Mondlicht nicht bis zu den Reitern durch. Es würde nicht einfach werden das Lager der Geächteten zu finden. Mittlerweile war der Wald so dicht, das sie von den Pferden steigen mussten. Unsanft zerrte Steve ihren Gefangen von Trojan runter, er hatte ihn Bäuchlings vor sich im Sattel gehabt.
„Ich mache dir jetzt den Knebel raus und solltest du versuchen deine Leute zu warnen, hast du in der nächsten Sekunde meinen Dolch im Hals. Verstanden?“, mit schreckgeweiteten Augen nickte der Mann Steve zu. „Los, zeig uns in welche Richtung wir müssen“, unsanft schubste Steve ihn vorwärts.
Sie ließen die Pferde zurück und schlichen durch den dunklen Wald. Kurz darauf sahen sie Lichtschein durch die Bäume und Sträucher flackern. Vermutlich von einem Lagerfeuer. Steve gab mit den leise Anweisungen sich zu verteilen.
 
Ein stechender Schmerz durchfuhr Anna Kopf, als sie schließlich benommen die Augen aufschlug. Sie blinzelte, um zu sehen wo sie sich befand. Flackerndes Licht und gedämpfte Stimmen, in einer Sprache die sie nicht, verstand irritierten sie. Der Geruch nach Holz, Moos und Laub trug auch nicht dazu bei, ihr zu sagen was passiert sein könnte. Kälte kroch in ihren Körper und sie fing an zu zittern. Als schon sie an das flackernde Licht gewöhnt hatte, traf ihr Blick auf ein paar nackte, behaarte Unterschenkel, die Füße steckten in einer Art zusammengebundener Lumpen und ein widerlicher Geruch strömte ihr entgegen.
„Na mein Täubchen, endlich aufgewacht?“, hörte sie eine ihr fremde Stimme. Ihre Blick wanderte langsam die Beine hoch, blieben an einer Art zerlumpten Rock hängen und glitt dann über ein ehemals weißes Leinenhemd, bis sie in ein schmutziges, hartes Gesicht sah. Augen die einen harten und grausamen Ausdruck hatten, sahen sie unter verfilzten Haaren, in denen Kletten und Blätter hingen, an. Ihr Magen zog sich krampfartig zusammen und Angst stieg in ihr hoch. Flüchtige Erinnerungsfetzen, von zerlumpten, ausgemergelten Gestalten schossen durch ihren Kopf.
„Was ist passiert?“, fragte sie mit zitternder Stimme. Ein lautes schreckliches Lachen entrang sich aus der Kehle des Mannes und ließ verfaulte Zähne sichtbar werden.
„Ich weiß nicht. Sag du es mir, Täubchen. Was macht MacGarretts Hure, mitten in der Nacht auf der Küstenstraße, alleine?“, er hatte sich zu ihr runtergebeugt und sein Gesicht war ihrem ganz nahe. Der Geruch nach Fäulnis verstärkte sich und Anna musste würgen. Sie wollte sich aufsetzen, da stellte sie fest, dass sie gefesselt war. Entsetzt sah sie wieder zu dem Mann, der wieder gemein lachte. Ängstlich bewegten sich ihre Augen hin und her, am Feuer saßen noch mehr Männer, in der gleichen Verfassung wie der Mann vor ihr.
Eine furchtbare Angst ergriff sie, sie öffnete den Mund und wollte schreien, da legte sich seine schmutzige, stinkende Hand auf ihren Mund. Die andere Hand landete grob auf ihren Brüsten und befühlte sie.
„Schöne pralle Dinger, kein Wunder das dich MacGarrett in sein Bett geholt hat, mal sehen wie gut der Rest von dir ist.“
Anna versuchte sich zu wehren, doch der Mann war stark und sie war gefesselt. Eine Hand schob ihre Röcke hoch und fasste ihr rücksichtslos zwischen die Beine. Vor Verzweiflung rannen Tränen in ihre Wangen hinab. Jetzt hätte sie schreien können, ihr Mund war immer noch aufgerissen, doch kein Ton kam aus ihrer Kehle, sie war wie erstarrt. Ihre Beine wurden auseinander gerissen und dieser widerliche Mann hob seinen Rock hoch und legte sich auf sie.
Steve wusste das er nicht schnell genug bei Anna sein würde um diesen Kerl davon abzuhalten, sie zu Vergewaltigen. Im Lauf bremste er, seine kleine Axt schon in der Hand, konzentrierte sich und warf.

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BeitragThema: Re: Der MacGarrett Clan oder Ohana auf Schottisch   So Jan 19, 2014 11:52 am

9.
 
Lady Campbell ließ sich kaum beruhigen. Lori ging aus dem Gemach und rief laut nach Hilfe, dann wieder zurück und half der schwangeren Frau auf ihr Bett.
„Lady Campbell, Jane, beruhigen sie sich. Ihnen wird nichts geschehen, ich schwöre es ihnen, niemand will ihnen und ihren Leuten etwas Böses. Wir möchten nur helfen. Denken sie an ihr Kind, je mehr sie sich aufregen umso anstrengender wird es für sie und das Ungeborene.“ Jane Campbell blinzelte und atmete ein paarmal tief durch, nickte dann Loriana zu und versuchte sich zu entspannen.
Lori redete weiter beruhigend auf sie ein. Kurz darauf ging die Tür auf und Jamie kam reingestürmt.
„Langsam junger Mann“, tadelte Lori in sanft. „Dein Geschwisterchen will auf die Welt, hol die Hebamme und sag in der Küche Bescheid damit Wasser aufgesetzt wird“, Jamie verlor alle Farbe und seine Augen füllten sich mit Tränen.
„Die Hebamme ist gestorben“, antwortete er mit zitternder Stimme.
„Geh zu Danny und Chin, sie wissen schon was zu tun ist. Es sind doch auch sonst noch Frauen hier, jemand wird sich doch mit einer Geburt auskennen“, Lorianas Stimme klang fest und zuversichtlich, dabei sah es ganz anders in ihr aus. Im Palast von Karakum waren andauernd Kinder zur Welt gekommen, denn der Harem des Khans war groß gewesen. Bei einigen Geburten war sie auch dabei, aber das war schon Jahre her und die Schreie der Frauen hatten ihr Angst gemacht.
Eilig verließ Jamie das Zimmer und rannte die Treppe runter, in der Halle wäre er fast mit Danny zusammengestoßen, der Lorianas Hilferuf auch gehört hatte, aber nicht wusste wo er hergekommen war.
„Jamie … Jamie was ist los?“, er hielt den aufgeregten Jungen an den Armen fest.
„D-das Kind kommt!“
„Dann hol die Hebamme“, sagte Danny und nahm die Hände von Jamie.
„Ich habe schon Lady Loriana gesagt, dass sie gestorben ist. Sie sagte ich soll euch holen. Könnt ihr meiner Ma helfen?“, voller Vertrauen sah der Junge Danny an. Der schluckte, aber blieb ganz ruhig. Er verdrängte den Gedanken an die letzte Geburt bei der er Anwesend gewesen war.
„Geh in die Küche schick Mistress Isobel zu mir, dann soll einer der Mägde Wasser aufsetzen. Ahmed, der dunkelhäutige Ritter von mir, soll weiter kochen. Alles verstanden?“, mit offenem Mund starrte Jamie den Ritter an und bewunderte ihn. „Mach Junge, wir haben keine Zeit zu verlieren.“
Mit schweren Schritten nahm er die Treppe von der Jamie ihm entgegen gekommen war und rief nach Lori. Danny kniff sich in die Nasenwurzel, was würde heute noch alles geschehen? Und was war mit seinem Freund und Anna? Hatte er sie rechtzeitig finden können?
 
Diese Frage stellte sich Steve gerade auch als er zu Anna rannte. Anna schrie und schrie bis ihre Stimme versagte. Seamus McDonald war tot auf ihr zusammengebrochen, Blut drang aus der grauenhaften Wunde, die seinen Kopf fast in zwei Hälften spaltete, und besudelte sie. Sie versuchte sich zu befreien, doch der Mann war zu schwer.
Als Steve bei ihr ankam, stieß er die Leiche von Anna runter und versuchte ihr mit dem Ärmel seines weißen Leinenhemdes das Blut aus dem Gesicht zu wischen. Sie werte sich heftig, denn sie glaubte der nächste Mann würde sich auf sie stürzen.
„Anna, Liebste. Ich bin es Steven. Hör auf dich zu wehren es kann dir nichts mehr geschehen, du bist in Sicherheit“, beruhigend versuchte er auf sie einzureden.
Doch sie konnte nicht aufhören, obwohl ihre Stimme schön heiser war, schrie sie immer weiter und wehrte sich gegen ihn. Kono kam dazu und versuchte Steve wegzuschieben, er warf ihr wütende Blicke zu.
„Steven, lass sie los. Du bist ein Mann, verstehst du denn nicht? Ich übernehme sie, kümmere dich um die anderen“, behutsam nahm Kono Anna in die Arme. Anna starrte Kono aus weit  aufgerissenen Augen an, hörte aber auf sich zu wehren und zu schreien. Kono sprach leise mit ihr, belanglose Worte, die langsam ihre Wirkung zeigten.
Während Steven sich auf Anna und Seamus konzentriert hatte, kämpfte der Rest der Gruppe mit den Geächteten. Dafür, dass dies eine so gefährliche Bande sein sollte, hatten sie sich kaum gewehrt, als sie Seamus tot zusammenbrechen sahen. Bis auf einen, der versuchte Adam mit einer Keule anzugreifen und der dessen Schwert zu spüren bekommen hatte und verblutend neben dem Lagerfeuer lag. Sie lagen mit dem Gesicht auf der Erde, als Steve zu ihnen trat.
Er kniete sich zu einem von ihnen, griff in sein Haar und hob ruckartig dessen Kopf hoch. In seinen Augen lag ein kalter und harter Ausdruck, den Adam nur  selten an ihm gesehen hatte, er wusste, noch bevor die Sonne aufging, würde der neue Tag mit dem Tod dieser Männer beginnen.
„Wo ist der Rest von euch?“, zischte er, seine Zähne waren gebleckt und seine Lippen nur schmale Streifen, er hatte Mühe sich unter Kontrolle zu halten und diesen Kerl nicht sofort zu töten. Da nicht sofort Antwort kam, riss er den Mann wütend an den Haaren auf die Füße und hielt ihm seinen Sgian  dhub (kleiner, meistens verzierter Dolch, den jeder Schotte bei sich trägt) an die Kehle. „Wo ist der Rest von euch? Ich frage nicht nochmal.“
„E-Es gibt nicht mehr …“, der Dolch wurde so feste an seine Haut gedrückt das ein kleines Blutfaden am Hals entlang lief. „Ich schwöre … Herr, ich schwöre bei meiner Ehre es gibt keine Männer mehr.“
„Bei deiner Ehre? Das sagt ein Geächteter zu mir? Wo war deine Ehre als ihr diese Frau überfallen habt, aye? Wo war deine Ehre, als du für das geächtet wurdest, was auch immer du getan hast?“
„Was wisst ihr schon von uns MacGarrett? Ihr seid wohlbehütet aufgewachsen und habt nie Hunger leiden müssen“, wütend sah der Mann ihn an, seine Angst war verschwunden er würde sowieso sterben, da konnte er dem hochwohlgeborenen Earl auch die Wahrheit ins Gesicht sagen.
„Ich wurde geächtet weil ich meine Pachtschulden nicht bezahlen konnte, weil die Kirche und der König uns das letzte genommen hatten, meine Kinder und meine Frau hungerten schon seit Wochen und trotzdem wollte der Sohn des Duke of Harrington die Pacht eintreiben. Er ist nicht wie sein Vater, er ist skrupellos und gefährlich, und ihnen ging es nicht besser,“ er blickte zu den anderen g
Geächteten.
Das war heute schon das zweite Mal das Steve Billys Namen im Zusammenhang mit unehrenhaften Taten gehört hatte.
„Ihr gehörtet alle zum Harrington Clan? Warum seid ihr nicht zum Duke gegangen?“
„Das haben wir versucht, doch Sir Billy hat einen Pächter und seine Familie getötet und uns gedroht, dass uns das gleiche Schicksal wiederfahren würde, wenn wir seinen kranken Vater belästigen würden. Wir haben alles versucht um das Geld aufzutreiben doch … dann hat er uns ächten lassen.“
„Warum habt ihr euch dem McDonald angeschlossen, er ist zu Recht geächtet worden?“
„Er und Ian“, mit dem Finger zeigte er auf den Mann den Adam getötet hatte. „haben sich uns angeschlossen und sofort die Macht an sich gerissen, er bedrohte uns und unsere Familien, wir hatten keine Wahl sonst …“, als ob er schon zu viel gesagt hätte verstummte der Mann. Steve sah ihn misstrauisch an, doch warum sollte er im Angesicht des Todes lügen. Die Geächteten wussten dass sie den Morgen nicht erleben würden. Wo ihre Familien wohl waren? Wie er schon Adam gesagt hatte, wurde nicht die ganze Familie geächtet, doch konnten die Frauen mit ihren Kindern alleine selten überleben. Das hieß sie gingen mit ihren Männern.
„Wo sind eure Familien‘?“, seine Stimme war immer noch hart und er würde keine Gnade mit ihnen haben.
„Wollt ihr diese auch töten, MacGarrett, Sir?“, wütend wurde die Frage auf Steve abgeschossen.
„Ich töte keine unschuldigen Frauen und Kinder. Also wo sind sie?“
„Sag ihm wo sie sind, Junge. Wir werden uns um sie kümmern“, mischte sich Tavish ein. Er kannte seinen Herrn und wusste was dieser tun würde, ohne dass er es aussprach. Steve warf ihm trotzdem einen wütenden Blick zu, Tavish nickte ihm nur zu. Der Junge hatte ein gutes Herz.
Nachdem die Männer das Versteck ihrer Familie verraten hatten, wussten sie was ihnen blühte. Aber in der Gewissheit, das es ihren Lieben gut gehen würde, Tavish hatte ihnen versichert das der Laird ein aufrechter Mann war und zu seinem Wort stand, ergaben sie sich in ihr Schicksal.
„Tavish, du bleibst bei den Frauen“, befahl Steve. Dann befahl er die Leichen zu nehmen und sie gingen mit den Geächteten in den Wald. Die Frauen sollten nicht sehen was jetzt geschah. Steve fiel es schwer das zu tun, doch er hatte keine andere Wahl. Mochten diese Männer auch unschuldig in diese Situation gekommen sein, dann hatten sie Reisende überfallen, selbst wenn sie keinen getötet hatten, so hatten sie es doch zugelassen das Seamus McDonald es getan hatte, und sie hatten in Ruhe am Feuer gesessen während dieses Schwein, seine Anna vergewaltigen wollte. Nichts hatten sie getan und das konnte er nicht verzeihen. Nachdem sie den Schein des Lagerfeuer nicht mehr sehen konnten hielten sie an. Sie sahen sich nach geeigneten Bäumen um und knüpften vier Schlingen. Einer hatte die Pferde geholt auf die die Männer jetzt gesetzt wurden. Keiner sprach ein Wort.
 
Der Laird schluckte, dann sah er den Männern einer nach dem anderen in die Augen.
„Ich verspreche, dass ich mich um eure Familien kümmern werde, sie werden in meinem Clan aufgenommen, als gehörten sie dazu.“
„Danke“, mehr gab es nicht zu sagen. Ein Blick zu Adam und der sorgte dafür dass die Pferde losgingen. Mit einem Ruck wurden die Geächteten von den Sätteln gerissen. Da der Fall nicht sehr tief war, brach nicht das Genick. Sie würden dem Erstickungstod anheimfallen. Kurz zappelten sie mit Armen und Beinen, doch nach wenigen Sekunden wurden sie bewusstlos. Die Zungen traten blau aus den Mündern hervor, die Schließmuskeln gaben nach, Kot und Urin lief ihre nackten Beine herunter. Es war ein furchtbarer Anblick, nichts für schwache Nerven. Doch jeder der Männer hatte schon Hinrichtungen erlebt, es war nichts Neues für sie, aber auch nichts was sie gerne mit ansahen. Steve sprach ein kurzes Gebet und bekreuzigte sich.
„Was machen wir mit den Leichen?“, fragte Adam.
„Normalerweise ist es üblich dass sie hängen bleiben, als Mahnmal für andere Wegelagerer. Doch wir werden die nächsten Tage zurückkommen und sie hier im Wald ordentlich begraben. Jetzt kümmern wir uns um ihre Familien.“
 
Kono wunderte sich als die Männer im Wald verschwanden, da sie aber immer noch die weinende Anna im Arm hielt konnte sie nicht hinterher und fragen. Sie konzentrierte sich wieder auf die Frau und versuchte sie zu säubern. Leise und beruhigend sprach Kono die ganze Zeit mit ihr.
„Anna, ist dieser Mann in dich …?“, Kono schluckte. „… hat er dich …?“
„Ich weiß nicht, es ging alles so schnell“, kam es unter heftigem Schluchzen, durch ihr Schreien war es ein kaum verständliches Krächzen. Kono konnte sie kaum verstehen, darum hob Anna die Schultern. Kono schluckte wieder, diesmal wollten Tränen mit an die Oberfläche dringen.
„Hast du Schmerzen im Unterleib?“
„Mein ganzer Körper schmerzt, ich kann keinen bestimmten Schmerz ausmachen“, wisperte sie.
Anna war verwirrt, sie wusste nicht was geschehen war und warum dieser Mann über sie hergefallen war. Aber wer waren diese Menschen? Anscheinend hieß sie Anna, die fremdartig aussehende Frau nannte sie jedenfalls so. Sie verstand auch die Sprache, doch irgendwie wusste sie, dass dies nicht ihre Muttersprache war. Entsetzliche Kopfschmerzen machten sich breit, je mehr sie nachdachte. Der große dunkelhaarige Mann, der sie ihn den Arm genommen hatte, schien sie auch zu kennen. Er kam ihr vertraut vor und doch hatte sie Angst vor ihm. Was war nur geschehen?
Ganz langsam beruhigte sie sich, sie sah sich um und da fiel ihr erst auf, das, bis auf einen älteren Mann, alle verschwunden waren. Dieser hielt sich im Hintergrund und beobachtete sie und Kono, hin und wieder hielt er die Umgebung im Auge. Er schien angespannt und hatte die Hand auf seinem Schwertgriff liegen, sodass er es sofort kampfbereit schien. Dann betrachtete sie wieder die Frau die sich freundlich um sie kümmerte. Sie nahm ihren ganzen Mut zusammen und sprach sie an.
„Könnt ihr mir sagen wer ihr seid und was geschehen ist?“, krächzte sie. Kono glaubte erst sie nicht richtig verstanden haben, doch die fragenden Augen bestätigten die Frage.
„Du kannst dich nicht erinnern?“, Anna schüttelte den Kopf. Das wird ja immer schlimmer, dachte Kono.
„Mein Name ist Kono, das ist Tavish“, sie zeigte auf den Fischer, der ihr freundlich zulächelte. „Wir sind in Schottland und du bist überfallen worden.“
„In Schottland? Ich spreche die Sprache, aber ich bin nicht von hier, oder?“
„Nein, aber Steve kann dir besser erklären wo du herkommst. Er kann dir sicher alle Fragen beantworten, die du hast.“
„Ich habe Angst vor ihm“, flüsterte Anna, den Tränen wieder nahe, sie verbarg ihr Gesicht in den Händen, weil sie sich schämte.
„Du brauchst keine Angst vor ihm zu haben. Er lie… er ist ein sehr netter Mensch, und hat alles daran gesetzt dich zu finden. Du kannst ihm vertrauen“, beruhigend strich Kono ihr über die Arme. Die Frauen saßen immer noch auf dem Waldboden, Tavish hatte Anna noch sein Plaid gegeben damit sie nicht fror. Denn die Nacht war kühl und Feuchtigkeit stieg vom Boden hoch. Im Unterholz raschelte es und beide Frauen zuckten leicht zusammen und Tavish zog sein Schwert halb aus der Scheide. Ihre Nerven waren alle zum Zerreißen gespannt. Da traten die Männer wieder auf die Lichtung und Tavish schob das Schwert zurück.
Steve winkte ihm zu. „Tavish, wir reiten jetzt nach Nostie Bay zurück, dann setzt du mit den Frauen nach Dornie über und sorgst dafür das sie ins Schloss kommen, aye! Wir“, dabei zeigte er auf die anderen Männer, „besorgen uns einen Karren und suchen dann die Frauen und Kinder.“
Langsam ging er zu Kono und Anna und kniete sich vor die Frauen. Dieser ängstliche Blick, den Anna ihm zuwarf, schnitt in sein Herz, weckte sein Mitleid und seinen Beschützerinstinkt. Doch ein kleiner Funke Wut auf Anna war auch vorhanden.
Behutsam nahm er ihre kleinen Hände in seine. „Anna, wir reiten jetzt nach Hause, hab keine Angst vor mir, ich will dir nichts Böses“, seine tiefe und leicht raue Stimme bereitete ihr eine leichte Gänsehaut, irritiert blinzelte Anna. Sie zitterte und das übertrug sich auf Steves Hände.
Weinend nickte sie und Steve half ihr vorsichtig auf sie Beine. Den Kopf in Richtung Trojan drehend, stieß Steve einen leisen Pfiff aus. Langsam kam das große Streitross auf ihn zu. Anna die vor ihm stand blieb plötzlich stehen und versuchte einen Schritt nach hinten zu machen und prallte mit Steve zusammen.
„Was ist los Anna?“
„Pferd …“, als würde dieses eine Wort alles erklären, sie war starr vor Schreck.
„Du liebst doch Trojan und er dich …“, da er noch nicht wusste dass sie keine Erinnerung hatte wunderte er sich über ihr Verhalten. Er wollte sie weiter nach vorne schieben, doch das kleine Persönchen, stemmte, trotz der Schmerzen in ihrem ganzen Körper, ihre Füße in den weichen Waldboden.
„Anna, verdammt. Dieses Theater hatten wir doch schon …“
„Hör auf Steve, sie kann sich an nichts erinnern. Sie weiß nicht wer wir sind, ich glaube sie weiß noch nicht einmal wer sie selbst ist“, flüsterte Kono ihm zu.
„Aber sie weiß dass sie Angst vor Pferden hat?“, schnaubte der Laird. Wieder kämpften Beschützerinstinkt und Wut in ihm. Tief einatmend wendete er sich der Frau zu, die sein Pferd anstarrte. Er stellte sich vor sie und zwang sie ihn anzusehen.
„Sieh mich an, Annag. Bitte vertrau mir und Trojan. Dieses große dumme Pferd …“, ein leises empörtes schnauben unterbrach kurz seine Worte, „… dieses schöne stolze Ross tut keiner Fliege etwas zu leide.“
Anna sah in die Augen des großen fremden Mannes und versank darin. Die Angst vor ihm schwand dahin, doch ein anderes beunruhigendes Gefühl stellte sich ein, das sie nicht erklären konnte.
Ohne dass sie es gemerkt hatte, hatte Steve sie näher zu Trojan gezogen und eine ihrer Hände auf seine weichen Nüstern gelegt. Er hielt ganz still und betrachte Anna aus seinen dunklen Augen, stupste ihre Hand an, damit sie ihn streichelte, was sie automatisch tat. Ein leises „Oh“, war zu hören und Steve spürte wie sie ruhiger wurde. Dann hob er sie vorsichtig hoch um sie auf Trojans Rücken zu setzen, als seine Hände sich um ihre Taille legten und er sie anhob, verzog sie das Gesicht im Schmerz und stöhnte laut auf.
„Was ist, Anna?“
„Ich weiß nich genau, alles tut mir hier weh“, zeigte dabei auf ihren Oberkörper.
„Das müssen wir später untersuchen, beiß die Zähne zusammen du musst jetzt auf das Pferd, aye!“
Sie nickte und Steve hob sie wieder an und setzte sie auf Trojans Rücken, stieg dann selbst hoch und zog sie nah zu sich, sodass sie sich an ihn lehnen konnte. Steve vermutete dass sie entweder Rippen gebrochen oder angebrochen hatte. Der Ritt bis nach Nostie Bay würde hart für sie werden, aber sie konnten nicht langsam Reiten. Er musste zurück und die Familien der Gehängten suchen. Er vermutete dass sie schon halb verhungert waren, so wie die Männer ausgesehen hatten.
Durch den Wald konnten sie nicht schnell reiten, trotzdem, verzog Anna bei jedem Schritt das Gesicht, beklagte sich aber nicht. Nachdem sie die Küstenstraße erreicht hatten gaben sie den Pferden die Sporen.
„Es tut mir leid, Liebste“, flüsterte Steve in Annas Haar, als sie ihn entsetzt ansah und in eine schützende Ohnmacht fiel.
Steve zog sie näher an seinen Körper um sie etwas zu schützen. Er erinnerte sich an die Zeit, in der er immer glaubte, wütend auf sie zu sein. Jetzt wusste er es besser.

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BeitragThema: Re: Der MacGarrett Clan oder Ohana auf Schottisch   Mo Jan 20, 2014 6:13 pm

10.
 
Im Jahre des Herrn 1273/Aleppo/Januar
 
Nun lebten sie schon ein Jahr in Aleppo und arbeiteten fast ausschließlich für Jacob ben Meir. Sie genossen die relativ ruhige Zeit. Steve, Daniel und seine Männer hatten sich ein Haus gemietet, unweit von Jacobs Anwesen. Es war nicht so luxuriös ausgestattet, doch es bot viel Komfort. Mehr als sie auf ihren bisherigen Reisen gehabt hatten. Daniel hatte fast ein Jahr lang um Rahel geworben, bis sie ihn erhört hatte. Jacob, hatte ihm erlaubt um sie zu werben, vorausgesetzt seine Tochter war einverstanden, denn er wollte dass sein Augenstern glücklich war, nur das zählte für ihn.
Nun, morgen würde die Hochzeit stattfinden.
Steve war fast so aufgeregt wie Danno und Anna fauchte ihn an er solle endlich still halten, damit sie ihm die zu langen Haare schneiden konnte. Da Saida, die sonst für ihn und seine Leute sorgte, auf Jacobs Anwesen war und die Vorbereitungen für die Hochzeitsspeisen überwachte, hatte Anna sich bereit erklärt den Männern die Haare zu schneiden. Das sie auch Steve die Haare schneiden musste hatte sie nicht bedacht, sonst hätte sie sich geweigert. Die beiden konnten sich nicht ausstehen und jede Kleinigkeit nahmen sie zum Anlass um sich zu streiten. Ihr Umfeld schüttelte nur den Kopf über die Zwei. Und beschwerte sich einer über den anderen bei ihren Freunden, wurde nur abgewunken.
Doch für Rahel und Danny nahmen sie sich heute zusammen und schluckten ihre bissigen Bemerkungen hinunter. Annas Finger zitterten leicht als sie in Steves feuchtes Haar griff. Er war vorher im Hamam gewesen und roch nach der Sandelholzseife die sie zusammen mit Saida hergestellt hatte. Kleine Löckchen kringelten sich in seinem Nacken, zurzeit trug er sein Haar immer kurz, nicht mehr zu einem Zopf im Nacken zusammengefasst. Sie erwischte sich dabei wie sie auf seinen, von der Sonne gebräunten Nacken starrte, sich dabei ertappte als sie ihn in Gedanken küssen wollte. Wütend über sich selbst, fuhr sie ihm heftiger mit dem Kamm durch die Haare als sie eigentlich vorhatte.
„Aua! Daingead!“, mit einem gälischen Fluch, der so viel bedeutete wie Verdammt nochmal, war Steve aufgesprungen und warf Anna einen vernichtenden Blick zu. Kaum merklich zuckte sie zusammen. „Was ist nur los mit dir? Bin ich dir so zuwider, das du noch nicht einmal wenige Augenblicke so tun kannst, als könnten wir uns leiden?“, wütend starrte er sie an. Ihre großen grünen Augen waren weit aufgerissen, ob seiner Wut, und er glaubte kurz Angst in ihnen zu sehen. Sie standen sich gegenüber und starrten sich weiterhin an, wie zwei Gegner und keiner schien nachgeben zu wollen.
Plötzlich änderte sich die Atmosphäre im Raum, sprühte auf einmal Funken. Die beiden Menschen standen sich so nahe, Steve schaute auf die kleine Anna runter, sie hatte den Kopf in den Nacken gelegt damit sie ihn ansehen konnte. Ohne darüber nachzudenken legte Steve seine Hände um ihr schönes Gesicht und beugte sich zu ihr, als sei dies das normalste auf der Welt. Seine Lippen berührten sanft die Ihren. Der Duft nach Blumen und Kräutern stieg in seine Nase. Annas Duft! Seufzend schloss er die Augen und vertiefte den Kuss, legte einen Arm um ihre Taille und zog sie an sich. Ohne Widerstand ließ Anna es geschehen, öffnete bereitwillig ihre Lippen als seine Zunge sanft um Einlass bat.
Steve fühlte sein Herz rasen und ein wohliger Schauer rieselte über seinen breiten Rücken. Ihr zierlicher Körper in seinen Armen fühlte sich richtig an.
Anna hatte das Gefühl ihr Herz würde jeden Moment aussetzen. Das fühlte sich so gut und richtig an.
Ein Geräusch vor der Tür ließ sie auseinander fahren, fassungslos sahen sie sich in die Augen. Mit zitternden Fingern strich Anna sich über die, von Steves Kuss, geschwollenen Lippen. Noch nie in ihrem Leben war sie so geküsst worden, eigentlich war sie noch nie von einem Mann geküsst worden.
„Es tut mir leid, das hätte ich nicht tun sollen. Das war ein Fehler. Du bist eine …“, Steve war so durcheinander, als er die Worte aussprach. Er sah noch wie sie zusammenzuckte, diesmal glaubte er Schmerz in ihren Augen aufblitzen zu sehen, doch das ging so schnell vorbei und Zorn schlug ihm entgegen.
„Was bin ich? Eine Sklavin?“, ihre kleine Hand landete auf seiner Wange und sie rauschte aus dem Zimmer.
„Nein, eine schöne und anständige Frau, die einen guten Mann verdient, keinen Söldner wie mich“, murmelte er leise und rieb sich seine Wange.
 
Heute wurde er wohl nicht mehr die Haare geschnitten bekommen, seufzend ging er in seine Gemächer und zog sich für die Hochzeit um. Ein weißes Leinenhemd lag auf seinem Bett, Saida hatte es für ihn bereit gelegt, dann legte er  seinen Breacan feil um seine Hüften faltete ihn nach alter schottischer Tradition, mit einem schwarzen, silberverzierten Gürtel wurde das große Plaid auf den Hüften zum Halten gebracht. Daran hingen der Sporran und ein reich verziertes Schwert. Das Ende des Plaids wurde über die Schulter geworfen und mit einer silbernen Fibel befestigt. Vor einem polierten Kupferblech begutachtete er sein Äußeres. Strich sich über die Haare, sein Gesicht und seine Finger blieben auf den Lippen liegen. Immer noch spürte er ihre weichen Lippen auf seinen, erinnerte sich an ihren Geschmack. Wieder fing sein Herz an zu rasen. Er wusste nicht mehr warum er sie geküsst hatte. Sie stritten doch immer, trotzdem hatte sie ihn auf einmal magisch angezogen. Steve war gründlich verwirrt und ärgerte sich dann über sich selbst. Entschlossen straffte er die Schultern und verdrängte seine Gedanken, die sowieso zu nichts führten. Anna sollte ihm egal sein, sie konnten sich nicht leiden. Er hatte lange keine Frau mehr gehabt, das war der Grund des Kusses gewesen. Genau das war es, redete er sich ein. Vielleicht würde er heute Nacht endlich die schöne Saida erhören, die ihm schon seit einem Jahr deutlich zu verstehen gab, das sie nicht abgeneigt war sein Bett zu teilen.
 
Der Zorn, der so schnell aufgeflackert war, war genauso schnell wieder verraucht. Anna lief schnell durch die kleine Gasse nach Hause. Er hatte verletzt ausgesehen, als sie ihn geschlagen hatte, doch sie wollte nicht, dass er aussprach was sie dachte, dass er hatte sagen wollen. Oh verdammt! Vielleicht hatte er auch etwas ganz anderes sagen wollen. Dieser Kuss war schön gewesen, er war so sanft, so ganz anders als er sich ihr sonst gegenüber gab. Aber seine Worte `Das war ein Fehler´ hatten sie verletzt. Was war sie in seinen Augen? Diese Frage hatte sie sich oft gestellt. Und warum konnten sie sich nicht leiden? Direkt von der ersten Minute an waren sie beide in Kampfstellung gegangen. Sie seufzte leise und verdrängte diese unnützen Gedanken. Zu Hause angekommen eilte sie in ihr Gemach und zog sich für die Hochzeit um, eine der Mägde hatte ihr schon das Kleid bereit gelegt. Ein zart grünes Seidengewand das die Farbe ihrer Augen hervorhob. Enganliegend an den Armen und Brüsten um dann in weiten weichen Lagen um ihren Körper fließend. Hinten musste es geschürt werden, dafür brauchte sie Hilfe. Da Saidas Zimmer unweit von ihrem war, begab sie sich dorthin und klopfte an deren Tür.
„Anna, mein Kätzchen. Was kann ich für dich tun?“, Saida liebte Anna, als wäre sie ihre eigenes Kind. Sie war zwar nur zehn Jahre älter als sie, doch hatte sie sich von Anfang ihrer angenommen. Jetzt musterte sie Anna neugierig. Diese hatte zartrosa Wangen und sah verwirrt aus.
„Komm rein meine Kleine. Ist irgendetwas geschehen?“
„Nein.“, antwortete Anna einsilbig. Schnell drehte sie der älteren Frau den Rücken zu.
„Hast du den Männern die Haare geschnitten?“
„Ja.“
„Hm“, irgendetwas war vorgefallen. Saida kannte ihr Kätzchen zu gut. Anfangs war sie spröde wie eine ägyptische Tempelkatze, fauchte jeden an und warf ihnen misstrauische Blicke mit ihren grünen Katzenaugen zu. Doch Saida und Rahel hatten sich dadurch nie abhalten lassen. Sie wussten, dass eine tiefverängstigte Frau hinter dieser spröden Schale steckte. Es dauerte einige Monate bis sie ihnen so viel vertraute um zu erzählen, wie sie in die Hände der Sklavenhändler gekommen war. Saida selbst war einst auch eine Sklavin gewesen, und konnte nachempfinden wie die junge Frau sich fühlte.
Mit raschen Griffen schloss sie Anna das Kleid, dann drehte sie zu sich um und betrachtete sie. Wahrscheinlich hatte sie sich wieder mit Steven gestritten. Leise seufzte die ältere Frau. Warum konnten die beiden nicht normal miteinander umgehen. Saida war sicher dass sie sich eigentlich mochten. Sogar sehr mochten, doch es gab immer Streit zwischen ihnen. Sie selbst versuchte schon lange diesen gutaussehenden Ritter in ihr Bett zu bekommen, zu Anfang schien er auch nicht abgeneigt zu sein. Doch dann zog er sich komplett zurück. Wie sie von den anderen Dienern wusste ging er auch nie mit seinen Männern, in die entsprechenden Häuser um sich zu entspannen. Dabei wusste sie von Angus, seinem Hauptmann, dass er nie ein Kostverächter gewesen war. Ob dies mit Anna zu tun hatte, und er sich dessen noch nicht einmal bewusst war?
„Mein Kätzchen, irgendetwas ist vorgefallen. Du bist ganz durcheinander, erzähl es mir“, mit samtiger Stimme redete sie auf Anna ein, während sie ihr die Kastanienbraunen Locken hoch steckte.
Erst verschloss sich das Gesicht von Anna, dann fing ihre Unterlippe an zu zittern und dicke Tränen liefen die zarten Wangen hinunter.
„Er hat mich geküsst und dann hat er gesagt das es ein Fehler war“, schluchzte sie auf und drückte ihr Gesicht an Saidas Busen. Obwohl sie sich denken konnte wer gemeint war, fragte sie nach.
„Wer hat dich geküsst?“, zärtlich strich sie Anna über die Haare. Sie wusste gerade nicht ob sie wütend sein sollte oder erleichtert, dass es mit den beiden endlich voran ging.
„Erst haben wir gestritten und dann hat er mich geküsst. Ich bin noch nie vorher geküsst worden. Dann hat er gesagt, dass es ihm leid tut und dass es ein Fehler war, und ich eine Sklavin sei. Ich habe ihm eine Ohrfeige gegeben und dann habe ich das Zimmer verlassen, weil ich so zornig war. Dabei hat sich der Kuss doch so gut, so richtig angefühlt. Aber wir können uns doch überhaupt nicht leiden. Ich mag ihn nicht und er mag mich nicht. Nur warum bin ich dann so durcheinander?“, die Worte stürzten jetzt nur so aus Anna heraus.
Saida konnte sich nicht vorstellen, dass Steven, solche Standesdünkel hatte. Er war ein loyaler und offener Mensch, allen gegenüber. Behandelte alle gleich. Warum sollte er so etwas zu der jungen Frau sagen? Sie würde ein ernstes Wort mit ihm reden.
„Anna, vielleicht war er genauso erschrocken über den Kuss wie du.“
„Pfff… er ist ein erwachsener, erfahrener Mann und wird schon viele Frauen geküsst haben. Schließlich ist er kein Eunuch.“
„Hat er dich bedrängt oder sonst noch belästigt, dann kratze ich ihm die Augen aus?“
„Nein, hat er nicht.“
„Gut, jetzt wasch dir das Gesicht und leg neuen Kajal auf, das steht dir so gut, wir müssen zu Rahel um sie anzukleiden.“
 
In Daniels Gemach versuchte Steve den Bräutigam zu beruhigen. Der konnte kaum stillhalten während Steve ihm dabei half sein Breacan feil anzulegen. Das einzige was bisher perfekt saß, waren Dannys Haare. Steven fragte sich immer wie er das machte und hatte auch schon versucht ihn darüber auszuhorchen, doch Danny schwieg darüber und lächelte nur.
„Jetzt halt endlich Still, Danno. Oder willst du das, während der Zeremonie, dein Plaid runterfällt und die anwesenden Damen vor Lachen in Ohnmacht fallen, aye?“
„Was? Wie vor Lachen? Also wirklich … wenn dann fallen sie um weil sie so etwas noch nie gesehen haben“, behauptete er von sich überzeugt.
„Du meinst das Leinenhemd das dir bis zu den Knien reicht? Ja, so was hab ich auch noch nicht gesehen. Wo hast du das her?“
„Meine Braut hat es für mich genäht, aye. Ja, es ist ein bisschen lang geraten …“
„Das war bestimmt Absicht, damit sie nicht sofort das Elend sieht was sich darunter versteckt“, grinsend wich Steve dem Kissen aus, das Danny nach ihm warf.
„Warum sind eigentlich deine Haare nicht geschnitten? Anna ist doch extra zu euch gekommen?“, Dannys blaue Augen sahen ihn mit einem mal durchdringend an. Steves Ohren nahmen einen leichten Rotton an und sein Blick wich dem von Danny aus.
„Dazu war keine Zeit mehr weil …“, murmelte er leise vor sich hin. Doch seinem Freund konnte er so schnell nichts vormachen.
„Ihr habt wieder gestritten?“
„Nun … vielleicht?“
„Worüber diesmal?“
„Nichts was jetzt wichtig wäre. Bist du endlich fertig“, Steve ging in Verteidigungsstellung. Das machte Danny noch misstrauischer. Er ging auf Steve zu und drückte bei jedem Wort seinen Zeigefinger in dessen Brust. Danny wusste, dass Steve dies nicht leiden konnte, er aber durch diese Methode meistens eine wütende und ehrliche Antwort bekam.
„Ich will jetzt wissen was vorgefallen ist?“
„Ich habe sie geküsst, verdammt nochmal! Und dann habe ich gesagt dass es mir leid tut und dass es ein Fehler war, dann hat sie mich geohrfeigt. Bist du jetzt zufrieden?“, wütend starrte er seinen Freund an, die Hände zu Fäusten geballt.
Endlich, dachte Danny. Obwohl sein Freund nicht glücklich aussah. Er verstand nicht warum Steve nicht um Anna warb. Er verstand nicht warum er die Gefühle für diese Frau verdrängte, die beiden würden wundervoll zusammenpassen. Jeder, außer den Beiden sah wie viel Feuer zwischen ihnen hin und her sprang.
„Warum hast du sie geküsst wenn du glaubst, dass dies ein Fehler war und warum glaubst du es war ein Fehler?“
„Was bin ich denn? Ein Mann mit einer verkorksten Familie. Ein Söldner. Wer will das schon“, murmelte er leise.
„Nun, ich bin auch ein Söldner und ich habe eine Frau gefunden die mich liebt.“
„Ja, aber ich bin anders“, war die trotzige Antwort. Danny schüttelte traurig den Kopf, sein Freund hatte nie viel Liebe erfahren und glaubte nun, dass er sie nicht verdiente und nicht geben konnte. Dabei war er einer der fürsorglichsten Menschen die Danny kannte und wünschte sich eigentlich nur die Liebe zu finden.
„Es wird Zeit, Danno“, sagte Steve bevor Danny noch etwas dazu sagen konnte.
 
Die Hochzeit fand im Haus von Jacob statt. Dafür war der schöne Garten in der Mitte des Hauses geschmückt worden. Anwesend waren einige Geschäftsfreunde von Jacob, die komplette Dienerschaft, einige Nachbarn und Danny und Steves Männer. Sie alle hatten sich schon versammelt und warteten. Ein jüdischer Rabbi nahm die Trauung vor, obwohl Danny kein Jude war. Steve stand neben Danny und Anna neben Rahel. Beide sahen sich nicht einmal an. Die Zeremonie dauerte nicht ganz eine Stunde und dann wurde zum Festmahl gerufen und die Feier zog sich bis in die frühen Morgenstunden hin.
Das Brautpaar war schon lange verschwunden, als Steve sich auf den Weg in sein Haus machte. Vorher suchte er nach Saida, er fand sie in der Küche, wo sie Anweisungen für den nächsten Tag gab.
„Was macht ihr hier, Sir Steven?“, fragte sie schroffer als er es von ihr gewohnt war.
„Seit wann bin ich wieder Sir Steven für dich?“, fragte er überrascht, wartete aber keine Antwort ab und redete gleich weiter, „Ich wollte mit dir zusammen rübergehen, damit du nicht alleine durch die dunkle Gasse gehen musst.“
Fast schwarze Augen sahen ihn an. Saida wusste sofort was er eigentlich wollte. Fast ein Jahr hatte sie sich um ihn bemüht und er hatte sie nicht erhört. Jetzt wollte er vergessen finden in den Armen einer anderen Frau. Dabei sah sie in seinen Augen, dass er ihr Kätzchen liebte. Kaum merklich seufzte sie. Was war nur mit diesem Mann los? Er traute sich nicht zu lieben.
„Komm mit, Steven“, sie nahm seine Hand und zog ihn hinter sich her, er stolperte mehrmals da er dem Wein gut zu gesprochen hatte. Saida zog ihn in ihr Zimmer schubste ihn auf ihr Bett und sah ihn dann wütend an.
„Hör mir gut zu, Steven. Erstens, bin ich keine Frau die man als zweite Wahl benutzt. Zweitens, würde ich es meinem Kätzchen nicht antun, mit dir ins Bett zu steigen, nachdem du sie geküsst hast. Drittens, will ich wissen warum du sie geküsst hast und es dann als Fehler bezeichnet hast, weil sie eine Sklavin ist? Viertens, … gut ich hab kein viertens. Warum erkennst du nicht das ihr beiden zusammengehört?“
Mit hochroten Ohren saß er vor der Frau und konnte ihr keine Antwort geben ohne sich ihr zu öffnen. Aber er wollte diese Gefühle nicht an die Oberfläche lassen. Danny war er auch schon ausgewichen.
„Ich muss gehen. Entschuldige bitte, falls ich dir zu nahe getreten bin“, er sprang auf und war mit wenigen Schritten aus dem Zimmer verschwunden.
 
Die nächsten Monate bekam man Steve kaum noch zu Gesicht. Er nahm verschiedene Aufträge an, bei denen er alleine als Leibwächter unterwegs war.
Danny und Rahel genossen das Eheleben, wobei Danny mit in die Geschäfte von Jacob integriert  wurde. Zu Anfang hatte er das nicht gewollt, dabei käme er sich wie ein Mitgiftjäger vor, hatte er gesagt. Schließlich hatte er Rahel nicht geheiratet wegen dem Reichtum ihres Vaters. Er und Steven hatten selbst genug Geld verdient und waren keine armen Männer. Sein Freund hatte Jacob unterstützt und Danny gut zugeredet, auch wenn das bedeutete, dass sie nicht mehr so viel Zeit miteinander verbringen konnten. Steve hatte gesagt, dass er nun eine Ehefrau hätte und sicher bald auch ein Kind unterwegs sein würde, eine Familie die sich Danny immer gewünscht hatte. Danno hatte dann nachgegeben und eigentlich machte ihm der Handel mit den Waren spaß.
Doch als die Boten des Khans erschienen und ihnen den Auftrag erteilten Loriana zu ihrem zukünftigen Mann zu bringen, konnte keiner der Männer ablehnen. Sie hatten dem Khan vieles zu verdanken und gute Jahre dort verbracht. Also machten sie sich auf den Weg, zurück in die Mongolei. Sie freuten sich die Mädchen wieder zusehen.

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BeitragThema: Re: Der MacGarrett Clan oder Ohana auf Schottisch   Fr Jan 24, 2014 11:12 am

11.
 
Im Jahre des Herrn, 1277, schottische Highlands
 
Langsam erhob sich die Sonne hinter den Bergen und sandte ihr rötliches Licht auf die Männer die am Ufer des Loch Alsh standen und dem großen Fischerboot nach sahen, bis es im leichten Morgennebel verschwunden war. Besorgnis stand in ihren Gesichtern geschrieben. Sie dachten an die junge Frau die schwerer verletzt war als sie gedacht hatten. Anna war nur noch einmal kurz aufgewacht und dann in einen tiefen Schlaf gesunken. Steve machte sich jetzt Vorwürfe, dass er mit ihr im vollen Galopp nach Nostie Bay zurück geritten war. Seufzend wandte er sich an Adam.
„Sorgen wir dafür, dass wir die Frauen und Kinder zu uns nach Hause bringen, aye.“
Bei Hamish Ferguson hatten sie sich zwei Karren geliehen um die die Frauen und Kinder transportieren zu können. Der Herbergswirtin hatte er aufgetragen eine kräftige Suppe zu kochen, dann waren sie losgeritten. Die zwei Knechte die auf den Karren saßen würden nachkommen. Sie waren keine zwei Meilen geritten, da hielt Trojan im vollen Galopp an. Wäre Steve nicht so ein guter Reiter, wäre er in hohem Bogen von ihm runtergefallen.
„Sag mal du blöder Gaul, was ist denn jetzt schon wieder in dich gefahren?“, meckerte er mit dem Pferd. Trojan schnaubte ihn an und schien zu horchen und zu wittern. Auch Adam und die Söldner hielten an und sahen fragend in Steves Richtung. Der hob die Schultern und verdrehte die Augen. Unerwartet verließ Trojan die Straße und ritt auf den Wald zu. Steve der sein Pferd gut kannte überließ ihm die Führung. Sie waren erst wenige Meter in das Dickicht eingedrungen, da hörte auch Steve etwas und zwischen den Bäumen sah er einen hellen Fleck. Er sprang von Trojans Rücken und näherte sich langsam dem leisen Schnauben und Scharren. Trojan, direkt hinter Steve, pustete ihm in den Nacken.
„Na, wen haben wir denn da. Mable!“, sein Pferd schubste ihn beiseite und lief auf die schöne und sanfte Stute zu. Das sonst so ruhige Tier, schien aufgeregt und ängstlich, wich zurück als Trojan auf sie zukam. Der hielt an und wartete und Steven auch, beobachtete die Pferde.
Mable zog sich erst etwas zurück und horchte, Trojan verhielt sich ganz ruhig, erst nach einigen Minuten war Mable so ruhig das sie sich vorsichtig dem großen Hengst näherte. Er stieß ein leises Schnauben aus als Mable ihren Kopf an seinem rieb.
Steve lächelte und näherte sich ihnen, sanft tätschelte er erst Mables Hals und dann Trojans.
„Das hast du gut gemacht mein Junge, doch sag deiner Liebsten dass wir weiter müssen.“
 
Die kleine Gruppe hielt sich genau an die Wegbeschreibung des Geächteten, trotzdem brauchten sie einige Zeit bis sie das einfache Lager der Frauen und Kinder fanden. Sie waren schon vorher von den Pferden gestiegen um sie nicht noch mehr zu erschrecken, als sie es sowieso schon tun würden. Sieben schwer bewaffnete Männer machten jetzt nicht unbedingt den Eindruck, dass sie helfen wollten. Steve und einer der Söldner, der nicht ganz so bedrohlich aussah wie die anderen, betraten ruhig die Lichtung. Ein kleines Mädchen entdeckte sie als erstes und stieß einen spitzen Schrei aus, der in den Ohren wehtat.  Sofort brach Panik im Lager aus, alle liefen hektisch durcheinander, die Frauen schnappten sich die kleinsten Kinder um in den Wald zu flüchten. Ein etwa zwölfjähriger Junge kam brüllend mit einem großen Stock auf die Männer zugelaufen.
Steve war erstaunt wie viel Mut er aufbrachte um seine Familie zu schützen, er zollte dem Jungen Respekt in dem er ihn nicht einfach beiseite stieß, was er mühelos gekonnt hätte, nein er zog sein Schwert und tat so als wolle er sich verteidigen.  der blonde Söldner, hob fragend eine Augenbraue, verstand dann worum es Steve ging und zog auch sein Schwert.
Der schmächtige kleine Kerl, holte weit aus und schlug mit dem Stock nach Steve, der hielt mit der flachen Seite seines Schwertes dagegen. Wieder war Steve überrascht welch eine Kraft hinter dem Hieb steckte, doch Angst brachte viel Kraft hervor, das wusste er aus eigener Erfahrung. Nochmal holte der Junge aus, doch bevor den Stock runtersausen lassen konnte fühlte das Kind die Schwertspitze an seiner Kehle und erstarrte. Ein markerschütternder Schrei hallte über die Lichtung und die Männer sahen eine Frau die auf die Knie sank und ihnen flehend die Hände entgegenstreckte.
„Bitte ihr Herren, tut meinem Sohn nichts, er wollte doch nur seine kleine Schwester beschützen.“
„Ruft ihn zurück, Mistress!“
„Jonas, komm her zu mir, bitte!“, flehte sie. Steve sah den Jungen, aus dessen Augen sprühte ihm Hass, Angst und Verzweiflung entgegen. Es berührte ihn immer tief, wenn Kinder leiden mussten.
„Wer von euch ist Rose Murdock?“, fragte Steve laut, sodass ihn auch die Frauen hörten die sich im Wald versteckt hatten.
„Wer will das wissen?“, sprach die Frau die jetzt ängstlich ihren Jungen im Arm hielt.
„Ich bin Steven John MacGarrett, Earl von Dorrant and Skye.“
Mit weit aufgerissenen Augen blickte die Frau Steve an, nicht sicher was es bedeuten sollte, das ein Edelmann nach Rose Murdock suchte. Bedeutete es den Tod von allen? Dann nahm sie ihren ganzen Mut zusammen, straffte die Schultern und sah Steve feste in die Augen. Sie würden nicht Kampflos sterben.
„Ich bin Rosemarie Murdock, geborene Williams, eine entfernte Cousine eures Freundes Daniel Williams“, mit vorgerecktem Kinn hatte sie gesprochen und ihre Hände dabei bewegt.
Obwohl die Situation nichts komisches an sich hatte, zuckten Steves Mundwinkel. Nun war ihm klar warum diese Frau ihm so merkwürdig bekannt vorgekommen war. Zuerst nur die blauen Augen, die fast allen Williams zu eigen war, nun auch ihre Gestik. Er kannte sie aus Kindertagen, wenn er bei den Williams zu Besuch war, sie war etwas jünger als er und Danny, oft war sie ihnen hinterher gelaufen.
„Ich erinnere mich an dich Rosimosi mit den roten Zöpfen“, mit diesem Spitznamen hatten sie sie immer geärgert, wenn sie ihnen auf die Nerven ging. Ihr Haar war immer noch feuerrot, starrte jetzt allerdings vor Schmutz.
„Was wollt ihr, Sir!“, sie war noch nicht bereit ihm zu vertrauen, bemerkte Steve, würde sie vielleicht auch nie, wenn sie erfuhr dass er ihren Mann getötet hatte.
„Ich möchte euch, und auch die anderen Frauen mit nach Dornie nehmen und euch ein neues zu Hause geben“, war die schlichte Antwort.
„Wo sind unsere Männer?“, kam es leise aus ihrem Mund, obwohl sie die Antwort sofort in Steves Augen lesen konnte. Sie keuchte auf und schlug die Hand vor den Mund. „Wo ist mein Mann?“, flüsterte sie noch einmal.
„Dein Mann und die anderen Geächteten wurden gehängt, nach dem sie eine Frau überfallen haben und sie dabei zu schauten wie Seamus McDonald sie vergewaltigen wollte“, antwortete Steve hart. Wieder sah er vor seinem geistigen Auge dieses widerliche Schwein auf Anna liegen.
Ein entsetzter laut kam über ihre Lippen und auch aus dem Wald war weinen zuhören.
„Willst du jetzt dein schlechtes Gewissen beruhigen, indem du uns in den Clan aufnimmst?“, ihre Stimme klang plötzlich erschöpft und hoffnungslos. Dann sackte sie zusammen.
„Ma?“, Jonas griff nach seiner Mutter konnte aber nicht verhindern dass sie auf dem Boden aufschlug. Mit zwei Schritten war Steve bei ihr. „Hol Wasser“, wies er Ralph an. Dann kniete er sich zu Rose und bettete ihren Kopf auf seinem Knie. Erst als sie auf dem Rücken lag, sah er dass sie einen kleinen runden Bauch hatte. Sie war schwanger!
„Hört zu ihr Frauen. Ja, ich habe eure Männer gehängt. Mögen sie unschuldig geächtet worden sein, so haben sie danach genug Leute überfallen und getötet, das sie genug Schuld auf sich geladen haben um am Galgen zu enden. Auch wenn sie es aus reinem Überlebensinstinkt getan haben. Doch ich habe versprochen mich um euch und eure Kinder zu kümmern und ich tue es nicht aus schlechtem Gewissen, sondern weil ich es möchte. Es ist letztendlich eure Entscheidung, doch bedenkt alle Konsequenzen wenn ihr mir nicht folgen wollt.“
Eine Weile geschah nichts, außer das Ralph mit dem Wasser wieder kam und Steve eins seiner Taschentücher nass machte und Rose damit über das Gesicht strich. Ihre Augenlider flatterten und Erwachte dann aus ihrer Ohnmacht. Vorsichtig hielt Steve ihr den Ziegenlederschlauch mit dem Wasser an die Lippen. „Langsam“, murmelte er. Aus den Augenwinkeln sah er wie die Frauen und Kinder aus dem Gebüsch kamen und sich zögerlich näherten. Steve hoffte, dass er die richtigen Worte gefunden hatte. Er betrachtete die zerlumpten Gestalten, sie waren alle so abgemagert und ausgezehrt. Mit Rose waren es vier Frauen und er glaubte neun Kinder zu zählen und eines Unterwegs. Er und seine Leute würden sich gut um sie kümmern. Dann würde er sich um Billy kümmern. Ein leises Grollen kam aus seiner Kehle.
 
Lady Dorothy MacGarrett sah mit verkniffenen Blicken nach Eilean Donan Castle zurück, das sich langsam entfernte und im morgendlichen Nebel verschwand. Sie hatte dieses Schloss immer gehasst, doch ihr Sohn hatte eine Schönheit daraus gemacht. Er musste unheimlich viel Geld in den Jahren seiner Abwesenheit verdient haben. Und sie wollte daran teilhaben, und war wütend das sie sich nicht besser beherrscht hatte. Steve hatte noch nie etwas über seine Freunde kommen lassen. Anna hatte sie wunderbar manipuliert, sie hatte noch gestern das Schloss verlassen, nachdem sie ihr nochmal damit gedroht hatte, dafür zu sorgen, das Daniel und Steven sich vor dem König verantworten mussten, weil so viele Ungetaufte bei ihm in Diensten standen und er sich der Ketzerei schuldig machte. Dadurch auch die kleine Grace in Gefahr war. Sie war aus dem Weg geräumt, doch leider war sie vorerst auch aus dem Schloss verbannt, sodass sie keinen Einfluss nehmen konnte, weder auf ihren Sohn, noch auf die Angestellten. Und dieser grobschlächtige Hauptmann Angus soundso, der schon für ihren Mann gearbeitet hatte, ließ sich von ihr nicht manipulieren. Sie würde schon noch einen Weg finden, Steven die Macht über sein Vermögen und seine Leute zu nehmen, da war sie sicher. Bisher hatte sie alles geschafft was sie sich vorgenommen hatte, außerdem stand sie dem König nahe, sie brauchte nur ein paar Bemerkungen in einem Brief fallen zu lassen und er würde sich des Problems annehmen. Grimmig lächelte sie und verließ das Deck des Seglers und begab sich in ihre Kabine, dies war nur ein kleiner Rückschlag. Jetzt hatte sie Zeit um ihren vernichtenden Schlag zu planen und wieder als Herrin von Dorrant und Skye zurückzukehren.
 
„Stirbt meine Ma?“, angstvoll schaute Jamie Daniel an. Es war das erste Mal das er eine Geburt so hautnah mitbekam, er durfte zwar nicht in das Zimmer seiner Mutter aber er lief wie ein werdender Vater vor der Tür hin und her.
„Nein, deine Ma stirbt nicht, aber eine Geburt verursacht starke Schmerzen“, versuchte Danny ihn und sich zu beruhigen. Mistress Isobel war die einzige Frau in diesem Haushalt die Kinder geboren hatte und die Jane Campbell leidlich helfen konnte. Aber ihre Angst die Hausherrin zu verlieren war groß. Loriana bemühte sich nach Kräften sie zu unterstützen, und ließ sich ihre Angst nicht anmerken. Danny bewunderte sie dafür, da kam wieder die Prinzessin in ihr zum Vorschein. Die Mägde hatten heißes Wasser und saubere Leintücher angeschleppt, waren aber zu mehr nicht in der Lage und machten Isobel nur noch nervöser.
„Und, wie sieht es aus?“, Chin war dazu gekommen und hörte die Schmerzensschreie der Frau. Daniel war weiß wie die Wand, sein Blick war unstet. Schreckliche Erinnerungen suchten ihn heim, denen er sich nicht entziehen konnte. „Danny?“, Chins leise Stimme und seine Hand die sich auf Dannys Schulter legte, brachte ihn wieder in die Gegenwart zurück.
„Was?“
Chin deutete auf die Tür. „Wie weit ist sie?“, fragte er wieder.
„Ich weiß es nicht“, Danny raufte sich die Haare. Wenn die Situation nicht so ernst gewesen wäre, hatte Chin jetzt gelacht. Die sonst immer so wohlgeordneten Haare standen in alle Richtungen ab.
„Was ist denn nur mit dir los Daniel? Babys kommen jeden Tag auf die Welt.“
Aus weit aufgerissenen Augen sah Danny seinen Freund an, dann brach es aus ihm heraus. Außer Steve, Anna und ein paar seiner Männer wusste niemand was vor fast vier Jahren geschehen war. Es war zu schmerzhaft gewesen um darüber zureden.
 
Kono und Tavish hatten Anna in sein Haus gebracht, wo sich seine Frau jetzt liebevoll um sie kümmerte. Kono ritt zum Schloss und wollte weitere Hilfe holen, denn Tavishs Frau hatte keine Ahnung von Heilkunde, aber Berta, Steves ehemalige Amme. Sie war schon alt aber immer noch sehr rüstig und sie mochte Anna sehr gerne. Im Schloss angekommen fragte sie den wachhabenden Soldaten ob es schon Neuigkeiten von Daniel gegeben hatte, er verneinte und fragte seinerseits was geschehen war. Kono gab ihm einen kurzen Bericht, dann suchte sie die alte Berta. Sie fand sie in der Kräuterkammer. Auch ihr gab sie einen kurzen Bericht und bat sie mitzukommen.
„Warum bringt ihr Anna nicht hierher? Hier kann ich sie viel besser behandeln.“
„Sie ist nicht mehr aufgewacht und schwer verletzt, es wäre nicht gut sie noch mehr durchzuschütteln, als wir schon getan haben.“
„Gut mein Kind, lass einen Wagen anspannen, mit meinen alten Knochen komme ich nicht mehr auf einen Gaul drauf, aye!“
Eine Stunde später kamen sie im Haus des Fischers an. Der war wieder, mit noch zwei anderen Fischern und ihren Booten, nach Nostie Bay unterwegs.
Die Fischersfrau hatte schon angefangen Anna zu waschen als Kono und Berta eintrafen. Mit Konos Hilfe untersuchte Berta die junge Frau.
„Berta, ich weiß nicht ob dieser McDonald es geschafft hat sie zu vergewaltigen, kannst du sie auch daraufhin untersuchen?“, Kono wurde rot. Berta nickte nur und setzte ihre Untersuchung fort.
Eine gebrochene Rippe, zahlreiche Blutergüsse, ein verrenktes Handgelenk und eine riesige Beule an ihrer Schläfe hatten diesen zarten Körper ganz schön mitgenommen. Nach dem Berta fertig war sah sie Kono an.
„Sie ist unversehrt“, erleichtert schloss Kono die Augen.
„Warum wacht sie nicht auf?“
„Diese riesige Beule an ihrem Kopf ist schuld. Sie brauch jetzt viel Ruhe und sollte auch nicht zu viel bewegt werden. Es braucht seine Zeit bis das alles heilt, dann wird sie sich auch wieder erinnern. Dieses dumme Kind. Warum hat sie nicht mit dem Laird gesprochen, anstatt einfach wegzulaufen“, betrübt schüttelte Berta den Kopf.
 
Einige Stunden später wurde die Türe fast aus den Angeln gerissen und Steve kam herein gestürmt. Wild sah er sich in der Stube um und drei Augenpaare sahen ihm erschrocken entgegen.
„Wo ist sie?“, herrschte er die Frauen an. Berta zeigte mit dem Finger zur Treppe und grinste. Mit wenigen Schritten war er oben und betrat das kleine Schlafzimmer. Das dunkle Haar hob sich von dem hellen Bezug des Kopfkissens ab, ihre Haut schimmerte durchsichtig. Jetzt erst erkannte er die dicke Beule an ihrer Schläfe und sein Gesicht verzog sich, als müsste er die Schmerzen ertragen.
„Annag, meine Liebste bitte erinnere dich an uns. Ich weiß doch das du mich auch liebst“, flüsterte er. Er hatte ihre kleine Hand in seine genommen und berührte zart die Fingerspitzen mit seinen Lippen. Die kleine Hand, die ihm eine schmerzhafte Ohrfeige verpasst hatte, die Hand die ihn im Fieber gestreichelt hatte, als sie glaubte er würde es nicht mitbekommen. Er erinnerte sich an die schlimmste Zeit in seinem und Dannys Leben. Anna war ihr Anker gewesen.

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BeitragThema: Re: Der MacGarrett Clan oder Ohana auf Schottisch   So Jan 26, 2014 2:44 pm


12.
 
Im Jahre des Herrn 1274, Aleppo/Februar
 
Sieben Monate waren sie weg gewesen. Jetzt ritt die große Gruppe Soldaten langsam durch die nächtlichen Gassen von Aleppo. Wer ihnen begegnete erschrak bei ihrem Anblick und sprang beiseite um ja nicht ihren Blick auf sich zu ziehen. Ihre Gesichter sahen grimmig und ausgezehrt aus, sie starrten vor Schmutz und Blut, als seien sie gerade aus einem Kampf gekommen. Dabei lag dieser schon einige Tage zurück, sie waren, ohne sich oder den Pferden eine Verschnaufpause zu gönnen, von Akkon bis Aleppo durchgeritten. Keiner von ihnen wollte wahrhaben was geschehen war. Nicht nur Steve und Danny hatten die Mädchen und Chin in ihr Herz geschlossen, nein, jeder einzelne der harten Soldaten vermisste sie schmerzlich. Denn sie hatten alle eine gute Zeit mit ihnen verlebt.
 
Vor Jacob ben Meirs Haus angekommen, verabschiedete sich Danny. Er wollte nur noch seine Frau in die Arme schließen und an nichts mehr denken. Da sie einen Boten voraus geschickt hatten wurde er erwartet, doch nicht wie erhofft von seiner Frau oder seinem Schwiegervater, sondern von Idris, dem ersten Diener Jacobs. Danny runzelte die Stirn und wunderte sich, jetzt nahm er auch den merkwürdigen Geruch wahr, der hier in der Luft lag. Brandgeruch!
„Wo ist meine Frau und mein Schwiegervater?“, fragte er schroff, ein ungutes Gefühl breitete sich in ihm aus.
„Herr, nur ich bin noch hier. Saida hat mich geschickt als euer Bote kam. Sie mussten fliehen! …“, ihm brach die Stimme. Danny begriff nicht was er meinte und fasste ihn an den Armen und schüttelte ihn leicht.
„Was soll das bedeuten, fliehen? Wieso fliehen? Und warum riecht es hier verbrannt?“
„Eines Nachts wurden wir überfallen, mein Herr würde getötet …“, Tränen liefen jetzt seine dunklen runzligen Wangen hinunter, er holte tief Luft und erzählte weiter. „ … alles wurde geplündert und dann in Brand gesteckt.  Mademoiselle Rahel und Mademoiselle Anna konnten mir der Hilfe von mir und den anderen Dienern fliehen. Sie haben die alte Fatima getötet, eine alte blinde Frau, die nie einem Lebewesen Leid zugefügt hat …“
Danny ging auf die Gasse und schrie so laut er konnte Stevens Namen. Ging dann wieder zu Idris, mit aller Gewalt versuchte er ruhig zu bleiben.
„Wohin sind meine Frau und die Anderen geflohen?“, nur seine Stimme sprach von der Aufruhr die in seinem Inneren herrschte.
„Auf das Landgut, doch weiß ich nicht wie lange sie da sicher sind, Sir Daniel“, Idris flüsterte als hätte er Angst dass ihn jemand hörte.
„Weißt du wer sie überfallen hat?“
Bevor Idris ihm antworten konnte kamen seine Männer mit Steve an der Spitze mit gezogenen Schwertern hereingestürmt. Sofort verteilten sie sich im Hof und gingen in Kampfstellung. Steve war fast das Herz stehen geblieben als er Dannos Schrei gehört hatte.
„Was ist los?“, verlangte er zu wissen, da es keine offensichtliche Bedrohung gab. Mit knappen Worten erzählte Danny was geschehen war. Steve erkannte an seinem Verhalten, das seinem nicht unähnlich war, das sein Freund, nur den Soldaten an die Oberfläche ließ. Er selbst verdrängte auch den Gedanken an …
„Wer ist dafür verantwortlich, Idris?“, fragte Steve jetzt den alten Mann.
„Das was ich herausgefunden habe ist nicht viel, Sir Steven“, er sprach so leise, das Steve sich zu ihm beugen musste. „Wir sollten uns auch nicht lange hier aufhalten, denn ich glaube euch ist man auch nicht wohlgesonnen“, Steve nickte.
„Ist mein Haus sicher?“
„Nein, aber ich habe selbst ein Haus, dort ist Platz genug für alle. Auch habe ich alle eure Güter und Habseligkeiten dahin schaffen lassen. Unauffällig.“
„Gut, sag uns die Adresse. Wir trennen uns und kommen einzeln dort hin.“
Dann rief er seine Männer zusammen und klärte sie über die Lage auf. Einer nach dem anderen verließ die Gasse, in unterschiedliche Richtungen. Einzeln würden sie nicht auffallen, wenn sie wollten konnten sie sich unsichtbar machen. Steve und Daniel waren die letzten.
„Daniel, komm!“, sagte er leise.
„Wir müssen noch einmal ins Haus, es ist wichtig“, antwortete er genauso leise.
 
Das Ausmaß der Zerstörung konnten sie erst sehen als sie durch den Raum gingen, den sie auch an ihrem ersten Tag hier durchquert hatten, um dann in dem schönen Garten zu landen. Nichts war davon übrig geblieben, die schönen Tontöpfe mit den Pflanzen und der Springbrunnen waren ausnahmslos zerstört. Das Haus das darum erbaut war nur noch eine Ruine. Die  Fenster starrten ihnen entgegen wie leeren Augenhöhlen eines Totenschädels. Beide Männer mussten hart schlucken und ihre Schultern straffen um sich nicht ihren Gefühlen zu ergeben.
„Was müssen wir noch machen?“, Steve flüsterte weil er das Gefühl hatte beobachtet zu werden. Seine Nackenhaare hatten sich aufgestellt. „Ich glaube wir sind nicht alleine hier.“
Danny hatte auch diese Gänsehaut auf dem Rücken, die er immer bekam wenn Gefahr drohte. Mit einem Nicken bestätigte er Stevens Verdacht.
„Ich muss hier etwas rausholen, von dem nur Jacob und ich wissen, aber erst schnappen wir uns die Kerle.“
Danny betrat wahllos einen der ausgebrannten Räume, Steve blieb vor der Tür stehen. Man hörte scheppern und rumoren, leises Fluchen und dann ein lautes: „Ich habe es, Steven“, der so angesprochene ging auch in den Raum hinein. Mit gezogenen Schwertern warteten sie in dem dunklen Raum. Es dauerte nur wenige Minuten bis sie etwas hörten.
Zwei dunkel gekleidete Gestalten huschten in das Zimmer. Danny der direkt neben der Tür an der Wand stand ließ den Ersten eintreten und dem Zweiten schlug er mit viel Kraft die Breitseite seines Schwertes vor die Brust. Zischend entwisch seinem Gegner die Luft aus den Lungen und Danny setzte sofort nach. Er wollte ihn nicht töten, denn er brauchte Antworten, deshalb zielte er auf sein Bein. Aber sein Gegenüber war schnell, sprang hoch zog die Beine an und konnte so dem Hieb ausweichen, gleichzeitig streckte er sein Bein und streifte Dannys Kopf.
„Das sind Asiaten!“, rief Steve. Der blonde Ritter hatte dies aber selbst schon festgestellt. Denn er kannte kaum Araber oder Europäer die der asiatischen Kampfkunst mächtig waren. Es entstand ein erbitterter Kampf zwischen den Männern und die Ritter kamen in arge Bedrängnis. Und plötzlich hatten sie vier Gegner. In dem Raum wurde es ziemlich eng. Eine der vermummten Gestalten hatte Steve von hinten umfangen und versuchte ihm die die Luft abzudrücken, ein anderer versuchte ihn von vorne anzugreifen, schlug zweimal feste auf Steves Brust. Die wenige Luft die ihm noch geblieben war entwich aus seinen Lungen. Trotzdem hatte er noch so viel Kraft den Mann der hinter ihm Stand gegen die Wand zu drücken, dadurch musste dieser seinen Klammergriff lockern, mit etwas Schwung hob Steve seine Beine und klammerte diese dem Gegner vor ihm um den Hals und drückte zu.
Danny ging es nicht viel besser, er lag auf dem Boden sein Schwert war ihm aus der Hand getreten worden, halb unter ihm ein Gegner dem er mit voller Wucht den Ellbogen in den Körper rammte. Der Andere über ihm mit einem Dolch in der Hand, bereit es Danny ins Herz zu rammen. Als wieder jemand in den Raum stürmte, waren Steve und Danny der Verzweiflung nahe, sie mobilisierten ihre letzten Kraftreserven. Danny zog in letzter Sekunde seinen Sgian Dhub, aus dem Schaft seines Reitstiefels und rammte diesen seinem Gegner in den Hals. Während Steve immer noch in der Waagerechten hing, mit einem Ruck brach er seinem Gegenüber das Genick.
Dann hörten sie einen gälischen Fluch und eine japanische Verwünschung. Angus und Adam standen im Raum und griffen sofort an. In dem Zimmer war es jetzt so eng das man sich kaum noch bewegen konnte.
„Lasst einen am Leben, wir brauchen Antworten“, rief Danny über den Kampflärm hinweg. Einige Flüche und Hiebe später standen die Ritter keuchend und sich auf ihre Knie abstützend da und rangen um Atem. Acht Gegner zählten sie, drei davon lebten noch.
„Ihr habt euch ganz schön Zeit gelassen“, murrte Steve.
„Ihr hattet doch alles gut im Griff“, grinste Adam und Angus kicherte wie ein Mädchen.
„Woher habt ihr es gewusst?“, fragte Danny.
„Angus hat sich, als wir im Hof standen, andauernd den Nacken gerieben. Das ist ein Zeichen dafür dass etwas nicht stimmt. Dadurch habe ich mich etwas genauer umgesehen und hab zweimal Bewegung auf dem Dach bemerkt“, antwortete Adam. Steve schlug ihm anerkennend auf die Schulter.
„Danny wir sollten nicht länger hier verweilen als nötig.“
„Angus sieh nach ob es noch einen Karren hier gibt. Wenn ja, spannt mein Pferd davor und verfrachtet die Gefangenen darauf. Adam, Steve fesselt sie so, dass sie sich nicht bewegen können und wenn sie es tun ihnen die Luft abgeschnürt wird. Ich bin gleich wieder da.“
Danny verschwand in der Dunkelheit der Ruine, es dauerte einige Zeit bis er wieder kam. Dabei hatte er eine Truhe die er auf seiner Schulter trug und ziemlich schwer schien. Keiner stellte fragen, dafür war später noch Zeit. Die Truhe wurde auch auf den Karren verfrachtet, dann wurden Decken über die Gefangenen gelegt und sie verschwanden in verschiedene Richtungen.
                                                                                                                                                      
 
Seit dem Verhör fühlte Steve sich nicht wohl, in seinem Hals kratzte und brannte es und er fühlte eine leichte Übelkeit. Sie hatten keine Gnade gekannt um an Informationen zu kommen, warum die Asiaten Dannys Familie angegriffen hatten. Sie hatten nur einen Namen erfahren, dann hatten sich die Gefangenen selbst getötet. Doch dieser Name hatte sie erschüttert.
Wo Fat! Der Mann, der Lorianas Ehemann hätte werden sollen und den sie durchschaut hatten, noch bevor die Hochzeit stattfinden konnte, steckte dahinter. Sie mussten sofort das Land verlassen. Sie waren keine Feiglinge und normalerweise hätten sie sich der Herausforderung gestellt. Doch wie sie erfahren hatten, stand Rahel kurz vor der Niederkunft, jetzt galt es sie und das Baby zu beschützen.
 
„Steven? Ist alles in Ordnung mit dir?“, besorgt betrachtete Adam seinen Anführer und Freund. Sein Gesicht war unnatürlich Rot und er schien Schmerzen und Fieber zu haben. Während des Verhörs hatten sie die Gefangenen teilweise losgebunden, damit sie etwas trinken konnten und da war es geschehen. In den Ärmeln ihrer Kleidung hatten sie ein Pulver versteckt gehabt und es zu sich genommen. Steve hatte noch versucht es einem von ihnen aus dem Mund zu nehmen. Doch dieser hatte ihm einen Teil davon absichtlich ins Gesicht geblasen. Sofort hatte Steve sich das Gesicht gewaschen und hatte, außer ein leichtes brennen auf der Haut auch nichts gespürt. Jetzt vermutete Adam, dass er einiges eingeatmet hatte. Nochmal sprach er ihn an, aber er reagierte nicht, Steve starrte nur mit glasigen Augen vor sich hin.
„Daniel“, rief er laut, da dieser weit vor ihnen ritt, denn Steve fiel immer mehr zurück. Trojan schien zu spüren dass es seinem Herrn nicht gut ging und wurde langsamer. Adam ritt so nah wie möglich an Steve ran und griff nach den Zügeln. Er versuchte Trojan zu beruhigen der nervös Schnaubte.
„Ruhig Trojan, ich will Steve doch nur helfen“, murmelte er beruhigend auf das Pferd ein. Er ritt so nah an Steve das er ihn am Arm fassen konnte, damit er nicht vom Pferd rutschte.
Daniel und Angus kamen auf sie zugeritten. Mit einem Blick erfasste Danny die Situation und ritt an die andere Seite um Steve von dort zu stützen.
„Glaubst du er ist doch vergiftet worden?“, Adam nickte. „Es ist nicht mehr weit bis zum Landgut, versuchen wir ihn bis dahin auf Trojan zu halten.“
 
Verzweifelt schlug Danny die Hände vors Gesicht. Er hatte sich in den Garten zurückgezogen um kurz seinen Gefühlen freien Lauf lassen zu können. Er hatte sein entsetzen kaum verbergen können als er seine Frau nach diesen vielen Monaten wiedergesehen hatte. Sie war nur noch ein Schatten ihrer Selbst. Mit dunklen Ringen unter den Augen und für eine Schwangere viel zu Mager, hatte sie in ihrem Bett gelegen und ihm schwach entgegen gelächelt. Anna hatte ihm erzählt dass die Schwangerschaft stark an ihrem Körper zehrte, Rahel aber alles tat damit es dem Kind gut ging. Die meiste Zeit lag sie, zwang sich alles zu essen was man ihr vorsetzte, trank jeden Kräutertee, selbst wenn er noch so bitter schmeckte. Leider blieb nicht immer jede Mahlzeit in ihrem Körper. Obwohl die  Übelkeit normalerweise nur in den ersten Monaten der Schwangerschaft auftrat, begleitete sie die arme Rahel bis jetzt. Hoffentlich war sie stark genug die Geburt zu überstehen. Saida sagte das es wohl nicht mehr lange dauern würde.
Hinzu kam noch Steven. Sie hatten es gerade so geschafft ihn bis zum Landgut auf dem Pferd zu halten. Seit fast zwei Tagen lag er im Fieber, hatte Krämpfe, Brechdurchfall und war kaum ansprechbar. Anna kümmerte sich aufopferungsvoll um ihn und wich kaum von seiner Seite.
Danny wusste nicht ob er es ertragen könnte noch einen Menschen zu verlieren den er liebte. Loriana, Kono und Chin war schon schrecklich gewesen. Der Gedanke an seine Frau, die er so sehr liebte oder Steven, nahm ihm all seine Kraft.
Ohne sich anmerken zu lassen, welche Angst sie hatte Steven zu verlieren, ging sie ihrer Arbeit nach. Anna ließ niemanden an ihn ran, fütterte ihn, wusch ihn und versuchte seine Schmerzen zu lindern. Wenn die Krämpfe unerträglich wurden und er in seiner Bewusstlosigkeit weinte, legte sie sich zu ihm und sprach mit ihrer sanften Stimme auf ihn ein, streichelte seinen Bauch, wie bei einem Kleinkind, wenn es Bauchweh hatte. Auch wenn ihm das nicht die Schmerzen nahm, so wurde er doch ruhiger. Ab und zu flüsterte er ihren Namen und sprach in einer Sprache die sie nicht verstand. Angus der mindestens einmal am Tag reinschaute, sagte das wäre Gälisch, die Sprache ihrer Heimat.
Aber als sie ihn fragte was er sagen würde, hatte er gemeint es nicht richtig verstanden zu haben, dabei aber wissend gegrinst. Danny lief zwischen dem Zimmer von Rahel und Steve hin und her. Auch er war mit seinen Nerven am Ende, das sah Anna. Adam und Angus hatten ihr erzählt was die letzten Monate geschehen war und ihr Herz zog sich zusammen. Sie fragte sich ob Steve eines dieser Mädchen geliebt hatte, als Mann geliebt hatte, dann verdrängte sie den Gedanken. Sie hatte kein recht solche Gedanken zu haben.
In der Nacht vom zweiten auf den dritten Tag der Vergiftung, glaubte sie, ihn zu verlieren. Er glühte so sehr, seine Atmung war ganz flach und sein Herz schlug so langsam, das sie Angst hatte es würde jeden Moment aussetzen. Immer wieder flößte sie ihm Flüssigkeit ein, damit er nicht austrocknete. Es schien vergeblich zu sein. Anna verzweifelte fast, sie schimpfte und verfluchte ihn, dann streichelte und küsste sie ihn wieder. Am frühen Vormittag flehte sie ihn an.
„Bitte, du sturer schottischer Idiot, lass mich nicht alleine zurück. Mit wem soll ich mich denn streiten? Die anderen sind viel zu nett, im Gegensatz zu dir“, sie hatte sein Gesicht in ihre Hände genommen. Steves Wangen waren eingefallen, seine Augen lagen tief in den Höhlen, die sonst so braune Haut war grau und stumpf. Vorsichtig küsste sie seine rissigen Lippen. Als sie ihren Mund von seinem löste und die Augen wieder öffnete, erschrak sie so heftig das sie auf ihrem Hinterteil landete. Steve hatte die Augen geöffnet und sah sie aus fiebrigen Augen an.
„Tha gaol agam ort“, wisperte Steve. Anna verstand die Worte nicht doch sie brannten sich in ihren Kopf, dann flüchtete aus dem Krankenzimmer und schickte Saida zu ihm.
Fünf Tage waren seitdem vergangen und Steven ging es langsam besser. Er war immer mal kurz wach, dann konnte sie ihm etwas kräftige Brühe einflößen, die jetzt auch drin blieb. Die Krämpfe ließen nach und das Fieber war auch gesunken. Anna hoffte einfach, dass er sich nicht an den Kuss erinnerte und pflegte ihn als sei nichts gewesen. Jeden Tag ging es ihm etwas besser und sie bereitete ihm im Garten ein Lager, damit er etwas Sonne ab bekam. Und als sie sich das erste Mal wieder stritten, weil er den bitteren Kräutertee nicht zu sich nehmen wollte, wussten alle im Haus das Steve wieder gesund wurde.
 
Daniel war so froh dass es seinem Freund wieder besser ging, so hatte er nur noch eine Sorge. Seine Frau. Saida hatte ihn beiseite genommen und gesagt das sie die Geburt vorantreiben sollten, da Rahel immer schwächer wurde. Er hatte sich auf ihr Urteil verlassen und dem zugestimmt. Jetzt musste sie Tee mit Gewürzen wie Ingwer, Zimt und Nelken zu sich nehmen, da dies Wehen fördernd war.
Nun lag sie schon seit Stunden in den Wehen und man konnte zusehen wie die Kraft aus ihrem Körper schwand. Danny wich nicht von ihrer Seite und keiner sagte etwa, obwohl ein Mann nichts im Geburtszimmer zu suchen hatte. Alle wussten, dass dies Rahels letzte Stunden waren. Als die Presswehen einsetzten hatte Rahel kaum noch Kraft. Danny redete ihr gut zu feuerte sie an, schimpfte mit ihr und tat was in seiner Macht stand. Saida und Anna mussten das Baby von oben rausdrücken. Rahel schrie vor Schmerzen und als das Kind endlich das Licht der Welt erblickte, wurde sie bewusstlos.
Danny, der hinter Rahel gesessen hatte, um sie zu unterstützen, hielt seine ohnmächtige Frau umklammert. So viel Blut um ihn herum, das war doch sicher nicht richtig. So viel Blut! Das Leben floss aus seiner Frau und keiner tat etwas.
„Warum blutet sie so stark, Saida? Unternimm etwas, bitte, bitte, bitte … tu doch was!“, schrie er verzweifelt und unter Tränen.
Dabei taten die Frauen alles was sie konnten, aber ihre Möglichkeiten waren begrenzt. Sie konnten nichts mehr für Rahel tun. Noch einmal öffnete sie kurz die schönen braunen Augen und lächelte Daniel an. Anna legte ihr das kleine Mädchen auf die Brust und zog sich mit den anderen Frauen in eine Ecke des Zimmers zurück.
„Danny, mein geliebter Mann. Pass auf unser Kind auf und erzähle ihr von mir wenn sie größer ist. Sie soll Grace heißen, wie deine Großmutter und mit zweitem Namen Jacobina, nach meinem Vater. Tust du das?“
„Natürlich mein Engel“, flüsterte er und drückte sein Gesicht in ihr weiches Haar.
„Ich liebe dich“, kam es mit dem letzten Atemzug.
„Nein, nein … Rahel … bitte verlass mich nicht. Anna nimm das Kind weg.“
Anna beeilte sich, da es so aussah als würde Daniel das Neugeborene runterstoßen. Danny zog seine Frau ganz zu sich und wiegte sie in seinen Armen, dabei schrie er seinen Schmerz hinaus.
 
Die Männer standen vor der Tür und hörten mit Entsetzen Dannys Schreie. Steve hielt es nicht länger aus und wollte das Zimmer stürmen um seinem Freund beizustehen, da kam Anna mit dem Baby heraus.
Da das Kind ganz in ein Leintuch gewickelt war und Anna weinte, glaubte er das Baby sei tot.
„Anna, ist es … ist es, lebt das Kind?“, erst jetzt sah er das sie voller Blut war.
„Ja, sie lebt, aber Rahel ist tot“, sie fing schrecklich an zu weinen und Steve nahm sie und das Baby behutsam in seine starke Arme. „Ich muss sie versorgen und der Amme geben“, sagte sie leise.
„Darf ich sie sehen?“
Anna schlug vorsichtig das Tuch zurück und gab den Blick auf das Baby frei. Sie war noch voller Blut und dieser weißen Schmiere die Neugeborene am Körper hatten. Sehr klein und zierlich mit vielen dunklen Haaren, auch auf den Wangen.
„Sie sieht wie ein niedliches zerknautschtes Äffchen aus“, Steve schluckte gerührt und strich mit der Fingerspitze über die zarte Wange des Kindes, dann ließ er Anna gehen.
Der große dunkelhaarige Ritter machte sich große Sorgen um seinen Freund. Rahel war die erste Frau für die sich Daniel wirklich interessiert hatte und sie hatten nur wenige Monate gemeinsam verbringen dürfen. In diesem Moment schwor sich Steve, niemals so viel für eine Frau zu empfinden oder ein Kind in die Welt zu setzen, bei dem die Frau sterben könnte. Dass er diese Frau schon längst gefunden hatte, verdrängte er ein weiteres Mal in die hinterste Ecke seiner Gedanken. Nein, niemals wollte er so leiden wie Danny es in diesem Augenblick tat und seinen ganzen Schmerz dabei hinaus schrie. Steve zögerte nicht länger und ging in das Schlafzimmer. Bei dem Anblick der sich ihm bot, schossen Tränen in seine Augen.
Alles war voller Blut, Saida hockte vor dem Bett und weinte, die Hebamme versuchte etwas Ordnung zu schaffen, lief aber nur wie ein aufgescheuchtes Huhn hin und her. Und Danny! Er hatte sich mit Rahel in die äußerste Ecke des Zimmers zurückgezogen und wiegte sie auf seinem Schoß hin und her. Beide voller Blut. Da er nicht wusste was er tun sollte, half er erst einmal Saida auf die Beine und schickte sie und die Hebamme hinaus. Langsam ging er auf Danny zu, doch er schien ihn nicht zu bemerken. Er hatte aufgehört zu schreien und murmelte seiner Frau zärtliche Worte zu. Steve ging in die Hocke und berührte ihn vorsichtig an der Schulter.
„Danno, du musst sie auf das Bett legen, damit wir … entsprechende Vorbereitungen treffen können.“
„Geh weg und lass uns alleine“, war alles was Danny sagte und wiegte Rahel weiter in seinen Armen.
„Danno …“
„GEH WEG!“, Steve zuckte leicht zusammen als er diesen wilden Ausdruck in Dannys blauen Augen sah. Wie ein verletztes Tier. Er schluckte mühsam. Als sich eine Hand auf seine Schulter legte, sah er hoch und Anna gab ihm zu verstehen mit rauszukommen.
„Was sollen wir nur tun?“, Steve war das erste Mal mit einer Situation überfordert. Er der für alles eine Antwort oder eine Lösung hatte, wusste nicht was er tun sollte. Hier konnte er nicht sein Schwert ziehen und bis zum letzten Tropfen Blut kämpfen. Im Moment wünschte er gegen eine Horde Wilder zu kämpfen zu können. Er sah seine Männer an, die genauso ratlos schienen, dann fiel sein Blick wieder auf Anna.
Ihre Augen waren rotgeweint, doch plötzlich straffte sie die Schultern und fing an Anweisungen zu geben und keiner der Soldaten einschließlich Steven, wagte dem zu widersprechen.
„Angus und Ahmed, ihr beiden seid die einzigen, die ich habe beten gesehen, da wir keinen Menschen jüdischen Glaubens hier haben, möchte ich euch bitten das ihr für den rechten Glauben sorgt wenn wir Rahel beerdigen. Wir konnten Vater Jacob schon nicht ordentlich beerdigen. Könnt ihr das mit eurem Glauben vereinbaren diese Zeremonie gemeinsam abzuhalten?“, die Männer nickten einträchtig ohne zu zögern.
„Idris, zeig Joshi und Brian die Stelle in dem kleinen Pinienhain, in dem sich Rahel so gerne ausgeruht hat, dort hebt ihr ein Grab aus“, die Männer schlugen fast die Hacken zusammen und gingen mit dem alten Diener raus. Anna wandte sich an Steve.
„Wir brauchen Nahrung, die Vorratskammer ist fast leer. Ich weiß, dass dein Ritter Phuong kochen kann, er könnte nach Kumlu reiten und dort einkaufen. Sefir kann mit ihm reiten, ich weiß nicht ob man in Kumlu Englisch oder Französisch spricht. Vielleicht sollte noch einer der Soldaten mitreiten, da ich auch nicht weiß wie sicher diese Gegend ist.“
So machte sie weiter bis alle, außer Steve, Adam und eine Magd, eine Aufgabe hatte. Mit offenem Mund starrte Steve sie an. Sie kannte seine Männer so gut wie er selbst und auch jeden mit Namen. Kannte ihre Fähigkeiten und wofür sie am besten eingesetzt wurden. Während sie die Befehle gab, strahlte sie so viel Würde aus, als ob sie noch nie etwas anderes getan hätte, als Befehle zu erteilen.
„Was sollen Adam und ich tun?“
„Wir gehen jetzt wieder in dieses Zimmer, und sorgen dafür dass Danny uns Rahel übergibt. Ihr wisst wie wichtig es ist, dass sie schnell beerdigt wird. Es ist zu warm. Adam alles was voller Blut ist muss verbrannt werden. Dann brauchen wir Wasser und einen Holztisch, damit ich Rahel waschen und anziehen kann. Steve, wir müssen unnachgiebig sein, auch wenn er uns jetzt dafür hasst. Schaffst du das?“, leicht legte sie ihre kleine Hand auf Steves Arm.
„Ja, Anna!“, kam die feste Antwort. Sie nickte den Männern noch einmal zu, straffte wieder ihre Schultern und öffnete die Tür.
Daniel hatte sich nicht aus der Ecke fortbewegt. Doch er hob den Kopf und warf ihnen böse Blicke zu. Mit festen Schritten gingen Steve und Anna auf ihn zu, Während Adam und das Mädchen alles zusammen rafften was an Laken und Tüchern rum lag. Selbst das Federbett und die Strohunterlage wurden rausgeschafft.
„Danno“, Anna benutzte seinen Spitznamen um seine Aufmerksamkeit zu erlangen, nur kurz sah er auf. „Danno, ich weiß wie sehr du sie liebst und jetzt leidest. Erweise ihr die Ehre in dem du mir dabei hilfst sie für die letzte Ruhe vorzubereiten“, ihre sanfte Stimme strahlte mehr Ruhe aus als sie fühlte.
„Geht! Ich will mit meiner Frau alleine sein“, jammerte er.
„Das geht nicht Danny und du weißt das auch. Bitte, übergib mir Rahel, ich passe gut auf sie auf, bis du dich gewaschen und umgezogen hast“, bat Steve ihn.
Doch all die sanften Worte nutzen nichts. Danny gab sie nicht frei, er war so in seinem Schmerz gefangen das er für kein vernünftiges Argument zugänglich war. Steve fürchtete sich vor dem was sie jetzt tun mussten. Anna hatte Adam und Angus dazu geholt, sie waren die engsten Vertrauten von Daniel und Steve. Mit Gewalt wurde Daniels Arme von Rahel gelöst, während Steve die kleine zierliche Frau auf seine Arme hob, brachten Angus und Adam Daniel aus dem Zimmer. Er tobte und schrie wie ein verletztes Tier, bis er keine Kraft mehr hatte.
Behutsam legte Steve den Leichnam auf den Tisch den Adam bereitgestellt hatte. Ahmed hatte dafür gesorgt das warmes Wasser vorbereitet wurde. In seinem Glauben wurde der Tote erst mit Lotus Wasser, dann mit Kampfer versetztes Wasser und zum Schluss mit klarem Wasser gereinigt. Dabei wurden bestimmte Gebete gesprochen. Bevor Anna anfing ging sie zu Daniel.
Wütend sah er ihr entgegen, schien sich doch beruhigt zu haben und wieder klar zu denken, soweit dies möglich war.
„Wir haben die rituelle Waschung vorbereitet. Möchtest du mir dabei helfen? Ahmed spricht die Gebete.“, Danny sagte keine Wort nickte aber und ging mit ihr in das Totenzimmer.
Rahel lag auf dem Holztisch, überall standen Kerzen. Die anwesend Ritter standen stramm. Anna bat sie sich rumzudrehen während sie Rahel wuschen. Es dauerte seine Zeit bis sie alles erledigt hatten und Rahel in ihrem schönsten Kleid auf dem Tisch lag. Sie sah aus als schliefe sie nur. Dann wurde sie von Ahmed und Anna nach muslimischer Tradition in Leintücher gewickelt.
Mit versteinerter Miene trug Daniel seine Frau bis zu dem ausgehobenen Grab. Übergab sie kurz an Steve, kletterte in das Loch und nahm sie wieder entgegen und bettete sie vorsichtig auf den steinigen Boden. Erst Steve Berührung an der Schulter ließ ihn wieder aus dem Grab steigen. Angus sprach einige Worte aus der Bibel, während Ahmed leise Gebete murmelte.

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BeitragThema: Re: Der MacGarrett Clan oder Ohana auf Schottisch   So Feb 02, 2014 3:50 pm


13.
 
„Was sollen wir nur tun, Steve? Er hat Grace noch nicht einmal angesehen, geschweige denn sie auf den Arm genommen“, Annas verzweifelte Stimme bohrte sich in sein Herz. Das kleine Mädchen war jetzt drei Wochen alt und Zuckersüß. Keiner der harten Soldaten konnte sich diesem Baby entziehen. Am allerwenigsten Steve, der gerade ungeschickt versuchte, Grace Ziegenmilch aus einem kleinen Schlauch einzuflößen. Sie würden bald aufbrechen, je länger sie hier blieben, umso gefährlicher war es, das Wo Fat wieder auf ihre Spur kam. Darum wurde Gracie abwechselnd von der Amme und mit dem Schlauch gefüttert. Was ihr nicht gefiel und sie aus Leibeskräften schreien ließ. Wie konnte aus so einem kleinen Körper, so ein Krach rauskomme?, fragte Steven sich zum hundertsten mal.
„Danny liebt Kinder über alles und kann es nicht ertragen wenn eins leidet. Ich kann mir sein Verhalten nur so erklären, das er Gracie die Schuld am Tod ihrer Mom gibt. Ich hätte da eine Idee. Aber sie ist sehr gewagt. Hör zu.“
 
Sie hatten alles vorbereitet, während Danny an Rahels Grab war. Jetzt mussten sie nur noch warten bis er sich in sein Gemach zurückzog.
„Er kommt!“, kam es von Phuong, der Wache gehalten hatte. Schnell huschte Anna in Dannys Zimmer und legte Grace auf das weiche Bett und huschte genauso schnell wieder raus. Sie verteilten sich in den Zimmern und im Wohnraum, damit er keinen Verdacht schöpfen konnte.
Meistens nahm Danny die Mahlzeiten alleine in seiner Kammer ein, nur selten setzte er sich zu seinen Freunden und unterhielt sich mit ihnen. Mit Steve und Anna redete er überhaupt nicht. Alle hofften das Stevens Plan erfolgreich war, sonst wussten sie nicht wie es mit Danny weitergehen sollte.
Kaum war er in seinem Zimmer verschwunden gingen Adam und Steve hin und verriegelten die Tür, sodass Danny nicht mehr heraus kam. Die Fenster hatten sie auch verrammelt. Er hatte dort alles, was er für sich und Grace die nächsten Stunden brauchte. Steve hoffte sein Plan würde funktionieren.
 
Danny wusste nicht wie er aus diesem tiefen Tal der Trauer rauskommen sollte. Er gab sich die Schuld, dass seine Frau tot war. Wäre er nicht mit Steve dem Ruf des Khan gefolgt, hätte er sich um Rahel kümmern können, redete er sich ein. Er spürte die mitleidigen Blicke seiner Freunde und wollte ihnen zuschreien, sie sollten kein Mitleid mit einem Mann haben, der seine Frau im Stich gelassen hatten. Dabei war es normal, dass die Männer oft Monate oder Jahre von zu Hause weg waren, wenn sie nicht gerade Bauern waren. Aber als Ritter oder Soldat folgte man seinem Lehnsherrn oder König. Er hatte nicht damit gerechnet die Liebe soweit entfernt der Heimat zu finden und sie wieder zu verlieren. Leise seufzend legte er noch eine Blume auf Rahels Grab und ging er wieder zum Haus. Aus dem Augenwinkel sah er Steven im Wohnraum sitzen. Natürlich gab er seinem Freund und Anna keine Schuld an all dem. Doch er konnte ihnen noch nicht verzeihen wie sie ihm Rahel aus den Armen gerissen hatten, obwohl er wusste dass sie richtig gehandelt hatten. An seine Tochter versuchte er nicht zu denken, manchmal hörte er sie weinen, aber Danny wusste das man gut für sie sorgte. Er hatte gehört wie Steve sie beschrieben hatte, als dieser sie auf dem Arm hatte. Sie hatte dunkles Haar, und offensichtlich hatte sie auch dunklen Flaum auf den Wangen. Sie sah wohl wie ein kleines Äffchen aus, laut Steves Worten. Er brauchte einfach noch etwas Zeit.
Leise schloss er die Tür zu seinem Zimmer und wunderte sich das es dunkel war. Jemand hatte wohl von außen die Läden geschlossen, dann hörte er Geräusche vor der Tür. Stirnrunzelnd ging er die zwei Schritte wieder zurück und versuchte sie zu öffnen. Das ging nicht. Er rüttelte daran doch sie gab nicht nach.
„He, was soll das? Warum schließt ihr mich ein?“, rief er aufgebracht und drehte sich abrupt um als er ein leises Quengeln hörte. Sie hatten doch nicht …?
Doch sie hatten! Sie hatten DAS KIND zu ihm ins Zimmer gebracht und ihn mit IHR eingeschlossen.
Er tobte, zeterte, verfluchte sie alle.
Irgendwann hörte man wie Grace anfing zu weinen, erst nur ein leichtes quengeln, was sich schnell zu lautem Gebrüll steigerte. Steve grinste. Wenn das kleine Mädchen Hunger hatte verstand sie keinen Spaß bei Verzögerungen.
Danny hatte ein paar Kerzen angezündet, sich in eine Ecke des Zimmers verzogen und hielt sich die Ohren zu. Warum taten seine angeblichen Freunde  das ihm und dem Kind an? Sie weinte jetzt schon eine ganze Weile, das war sicher nicht gut. Seine Ma und sein Pa hatten nie ein Baby weinen lassen. War er ein schlechter Mensch? Sie war doch erst drei Wochen alt. Aber durch sie war seine Frau gestorben … was dachte er da eigentlich? Er war schließlich Schuld dass seine Frau schwanger geworden war. Mühsam erhob er sich und trat an das Bett. Dafür, dass sie so winzig ist, kann sie ziemlich laut schreien, dachte er nicht ohne Stolz. Steve hat recht. Sie sieht wie ein kleines Äffchen aus. Ein wunderschönes kleines Äffchen. Mein Äffchen! Plötzlich liefen Tränen seine Wangen hinab, er beugte sich über das Bett und nahm sie hoch in seine Arme. Ihr Köpfchen drehte sich zu ihm und sie suchte, verzweifelt, mit offenem Mäulchen nach Essen. Wenn Steve diesen Plan ausgeheckt hatte, dann gab es hier auch etwas zu Futtern für die Kleine. Danny sah sich um und entdeckte den kleinen Ziegenlederschlauch, öffnete den schmalen Verschluss und probierte daran. Lauwarme Ziegenmilch. Er tröpfelte dem Baby etwas davon in den Mund, sie schmatzte leise und bevor sie wieder aus Leibeskräften schrie, steckte er ihr den Schlauch in den Mund.
 
Vor der Tür lauschten die Freunde angespannt was in dem Zimmer geschah. Nachdem Grace so lange geweint hatte ohne dass etwas geschah, wollte Anna das Zimmer stürmen und Danny verprügeln. Steve hielt sie zurück, dafür bekam er ihre Tritte gegen die Schienbeine ab. Böse funkelten die beiden sich an. Adam und Angus verdrehten nur die Augen. Als es dann plötzlich ruhig wurde hielten alle den Atem an. Der Plan funktionierte, auch wenn Gracie bitterlich geweint hatte. Erst Stunden später öffneten sie vorsichtig die Tür. Was sie vorfanden ließ alle erleichtert aufseufzen. Daniel lag im Bett, auf seiner nackten Brust lag seine Tochter die an ihrer kleinen Faust nuckelte und friedlich schlief, genau wie Danny. Sie verließen das Zimmer wieder und schlossen diesmal nicht mehr ab.
 
Mit vor Schreck aufgerissenen Augen beobachtete Anna, wie Danny nach seinem Freund schlug und diesen Schmerzhaft an den Rippen traf. Bevor er ein weiteres Mal ausholen konnte, drückte Steve ihn an sich.
„Danno, Danno, hör auf … i-ich … ich wünschte ich wäre gestorben, damit Rahel leben könnte“, wisperte Steve mit Tränen in den Augen und hielt seinen Freund feste in den Armen. Daniel sackte in sich zusammen und weinte ein letztes Mal um seine Frau. Anna schluchzte auf bei diesen Worten und drückte Grace an ihre Brust. Steve zog sie mit einem Arm zu sich und Danny. In diesem Moment wurden diese drei Menschen eins. Sie verbanden ihren Schmerz um ihn besser ertragen zu können.
„Es tut mir leid, Steven!“, Danny war am Morgen aus dem Zimmer gestürmt und hatte nach ihm gebrüllt. Steve wusch sich gerade am Brunnen in der Morgensonne, als sein Freund auf ihn losstürmte und sofort nach ihm schlug.
„Danno, ich glaube es ist Zeit in die Heimat zurückzukehren“, war das einzige was Steve antwortete.
„Ja, das ist es. Mich hält nichts mehr in diesem Land.“
„Kommst du mit uns Anna?“, fragte Steve leise und hielt die Luft an.
„Dies hier ist auch nicht meine Heimat, ihr seid die einzige Familie die ich habe und mit wem sollte ich streiten, wenn du nicht mehr hier bist?“, erleichtert stieß Steve jetzt die Luft wieder aus und schenkte ihr ein strahlendes Lächeln.
„Na, toll. Muss ich mit jetzt bis ans Ende meiner Tage anhören wie ihr streitet? Ich fände es viel besser wenn ihr eure Kraft für andere Dinge einsetzen würdet, Küssen zum Beispiel“, kurz blitzte der alte Danny durch, er nahm Anna Grace ab und ging ins Haus. Ein kurzer Blick über die Schulter bestätigte ihm, dass beide rot angelaufen waren und sich schnell in verschiedene Richtungen davon bewegten.
 
Auf den Schiffen die unter byzantinischer Flagge fuhren, herrschte reges Treiben. Die Ritter beobachteten das Laden der Waren mit Argusaugen, ihnen entging nichts. Es wurde gezählt, geprüft und kontrolliert ob die Ware unversehrt war. Steve und Danny hatten fünf Koggen gechartert, denn sie hatten einiges zu transportieren. Keiner wollte sich von den Dingen trennen, die sie im Laufe der Jahre angesammelt hatten. Hinzu kam, dass sie auch für die Pferde genug Platz brauchten. Mit den Schiffen würden sie bis nach Italien reisen. Dann würden die Schiffe weiter, unter Bewachung einiger Ritter, weiterreisen. Steven und Daniel hatten in der Toskana noch Geschäfte zu erledigen. Geschäfte die Jacobs Erbe betrafen.
In der Truhe befanden sich außer Gold und Edelsteinen auch noch Schuldscheine, Besitzurkunden von Häusern und Gütern, die der Jude in vielen Ländern besaß. Nach der Eheschließung hatte er seinen Besitz an Rahel und Daniel überschrieben. Nun war Daniel der alleinige Eigentümer von allem was Jacob ben Meir, besessen hatte. Daniel wollte nichts davon für sich haben, so hatte er allen Dienern eine großzügige Summe überlassen. Der größte Teil würde aber Grace gehören wenn sie in das entsprechende Alter kam. Er würde dafür Sorgen das sie das alleinige Verfügungsrecht über ihr Erbe hatte. Was nicht üblich war, denn sobald eine Frau heiratete, hatte ihr Mann die Verfügungsgewalt über alle Besitztümer.
Bevor sie vom Landgut abgereist waren, hatten die beiden schottischen Ritter sich mit ihren Männern zusammengesetzt und ihnen die Wahl gelassen, ob sie mit nach Schottland kamen oder hier blieben. Auch hatten sie beschlossen alle großzügig auszuzahlen, denn schließlich war der Erfolg ihrer Truppe von allen abhängig gewesen. Keiner würde als armer Mann heimkehren, egal wo die Heimat auch war. Ihre Männer hatten sie dann überrascht, bis auf Brian Smith, ein Engländer und der Jüngste unter ihnen, würden alle mit in die schottische Heimat reisen. Sefir und Ahmed, die einzigen die Familie hatten baten darum diese mitnehmen zu dürfen. Was selbstverständlich war. Sie hatten sich gleich auf den Weg gemacht sie zu holen und würden dann nach Alexandretta kommen. Sie waren eine große Reisegesellschaft, unterschiedlichster Herkunft. Es würde für die Männer, die nicht aus Schottland kamen nicht leicht werden. Besonders diejenigen die einer anderen Rasse abstammten, doch Steve war zuversichtlich das sie das hinbekommen würden.
Von den Dienern hatte sich Saida und Idris entschlossen mit den Rittern zu reisen. Was diese sehr gefreut hatte.
In der Woche in der sie in Alexandretta ankamen, fand der Sklavenmarkt statt. Seitdem war Anna nicht mehr aus ihrem Zimmer in der Herberge gekommen. Sie kümmerte sich liebevoll um Grace, weigerte sich aber strickt, das Haus zu verlassen. Gutes zu reden von Danny und Angus half nichts, Steve brauchte es erst gar nicht anzufangen, sie würde die Nachtschüssel nach ihm werfen. Beide waren wieder auf Distanz zueinander gegangen und wie immer wütend aufeinander.
 
Nach dreieinhalb Wochen auf See erreichten sie Neapel. Da sie immer in Küstennähe gesegelt waren, konnten sie den Frühjahrsstürmen meistens entkommen. Auf den Seereisen war es besser auf der Brücke als unter Deck zu schlafen, wo die Wärme und der Gestank unerträglich waren. Die Passagiere hatten so gut wie keine Wechselkleidung dabei und litten zusätzlich unter Läusen. Und in den Latrinen schlugen die Wellen ein. Anna und Saida waren so schlecht gelaunt, das sich keiner wagte sie anzusprechen. Obwohl die Damen versucht hatten sich mit Meerwasser sauber zu halten, war ihnen das nicht gelungen. Die Krieger waren es gewohnt, nicht das es ihnen gefiel, aber wenn man wochenlang durch die Wüste ritt, wurde Wasser nicht für die Körperpflege verwendet. Am besten roch noch das jüngste Mitglied ihrer Reisegruppe, Gracie. Dannys Äffchen, wie er sie jetzt liebevoll nannte, hatte die Reise erstaunlich gut überstanden. Sie hofften dass dies auch so blieb, denn die weitere Reise zu Pferd wurde um einiges anstrengender. Nachdem die Schiffe angelegt hatten, wurden als erstes die Pferde von Bord geführt. Die wertvollen Tiere würden noch vor den Menschen versorgt werden.  
Steve half Angus, der Seekrank geworden war, vorsichtig vom Schiff. Er konnte sich kaum auf den Beinen halten und war ziemlich abgemagert. Adam, der mit dem ersten Schiff etwas früher gelandet war, hatte schon eine entsprechende Herberge und Stall gefunden. Er nahm Steve Angus ab und brachte ihn, Grace und die Frauen zur Herberge. Nachdem die Pferde versorgt waren und Steve auch sonst alles doppelt kontrolliert hatte begab er sich auch in die Unterkunft.
„Wie lange bleiben wir in Neapel, bevor die Schiffe wieder ablegen? Wir haben doch Zeit unsere Kleider zu waschen und zu Baden, oder?“, hoffnungsvoll sah Anna Danny an. Danny sah Steve an, in dessen Augen Panik erschien. Ein unterdrücktes Lachen, das in Husten endete kam von Phuong, dem chinesischen Ritter. Ein vorwurfsvoller Blick von Saida, ließ Steve zusammenzucken.
„Ihr habt Zeit zum Baden und Waschen“, murmelte er bevor ganz leise hinten dran hängte: „bevor wir weiter reiten“, schnell versuchte er in seinem Zimmer zu verschwinden. Doch Anna hatte ihn verstanden und lief ihm fluchend hinterher, er beschleunigte seine Schritte schaffte es aber nicht ihr die Tür vor der Nase zu zuschlagen. Gackerndes Gelächter folgte ihnen.
„Was heißt das, bevor wir weiterreiten?“, schrie sie ihn an. Hastig zog er sie in den Raum, es musste ja nicht jeder mitbekommen wie sie ihn, wieder einmal, runterputzte.
„Brüllt nicht so rum, das gehört sich nicht für eine Lady!“, schrie er zurück.
„Und es gehört sich nicht für einen Ritter eine Lady an zuschreien“, keifte sie zurück. Wie zwei Kampfhähne standen sie sich gegenüber. Sie bekamen nicht mit, das ihre Freunde vor der Tür standen und lauschten, immer in der Hoffnung, das die Streitereien in Küsserei endete.
„Wir haben Geschäfte zu erledigen und müssen deshalb den Rest des Weges zu Pferd weiterreisen.“
„Dann erledigt doch eure Geschäfte. Was hab ich damit zu tun? Ich kann auf dem Schiff weiterreisen.“
„Das kommt überhaupt nicht in Frage. Ihr werdet an meiner Seite bleiben“, hochmütig hatte er den Kopf gehoben und sah sie finster an.
„Oh, der Ritter befiehlt und alle müssen gehorchen. Ich bin keine Sklavin mehr. Ich werde mich auf keinen Fall auf solch ein Ungetüm setzen“, genauso hochmütig blickte sie zurück, das Kinn angriffslustig vorgeschoben. Steve bezwang den Drang der in ihm Aufstieg, sie küssen zu wollen. Sie war so schön wenn sie wütend war … Verdammt, was dachte er sich eigentlich?
„Ja, ich gebe die Befehle. Das habt ihr richtig erkannt, Mylady!“
„Nennt mir einen vernünftigen Grund warum ich mit euch zu Land weiterreisen soll?“, sein Gesicht verschloss sich, keine Regung war zu erkennen, seine Augen auf sie gerichtet, schienen sie zu durchbohren.
„Weil mir deine Sicherheit das wichtigste ist und ich sie niemand anderem anvertraue“, war die leise Antwort.
„Oh“, lange sahen sie sich an, ohne dass sich einer von ihnen bewegte. Nur wenige Zentimeter trennten sie. Anna hob ihre rechte Hand, kurz vor seiner Wange stoppte sie mit zitternden Fingern, dann berührte sie ganz sanft mit der Fingerkuppe die stoppelige Haut. Kurz schloss Steve die Augen, trat dann einen Schritt zurück und Annas Hand fiel kraftlos runter. Ein letzter Blick und sie drehte sich um, über die Schulter sagte sie noch:
„Gut, dann soll es so sein.“
 
Am nächsten Tag ging sie mit Steve zum Stall, schwatzte ihm den Apfel ab in den er gerade beißen wollte und schloss mit Trojan Freundschaft. Doch noch saß sie nicht auf einem Pferd. Als der Tag der Abreise kam, stand Anna vor der kleinen gutmütigen Stute, die Steve ihr ausgesucht hatte. Sie atmete panisch ein und aus und drohte ohnmächtig zu werden.
„Ich dachte ich reite auf Trojan, ich mag Trojan, Trojan mag mich. Wo ist das Problem?“, ihre Stimme klang ein bisschen jammerig, sogar in ihren Ohren.
„Trojan ist mein Pferd.“
„Warum hast du gewollt, dass ich ihm näher komme?“
„Damit du siehst das Pferde keine Höllengeschöpfe sind. Diese Stute ist noch sanfter als Trojan jemals sein könnte“, er sprach wie mit einem Kleinkind, doch langsam verließ ihn seine Geduld. Das alles wurde verfolgt von seinen Leuten. Sie versuchten nicht zu lachen, aber es misslang ihnen gründlich. Also hörten Steve und Anna hinter sich immer wieder Grunzen und Husten, dass das Lachen verbergen sollte. Selbst Saida, die Anna immer unterstützte verdrehte die Augen.
„Dann nimm du doch die Stute, wenn sie so toll ist. Ich reite Trojan, ansonsten gehe ich zu Fuß!“
„Du verdammtes, stures … Weib … gut dann reite Trojan.“
Mit großzügiger Geste zeigte Steven zu Trojan, der sie neugierig beobachtete. Steve glaubte er grinste hinterhältig. Mit entschlossenen Schritten ging Anna auf Trojan zu, verfolgt von  20 Augenpaaren. Eins davon wütend zusammengekniffen.
Sie legte eine Hand auf seine weichen Nüstern und flüsterte: „Du tust mir doch nichts, oder?“, ein leises wiehern und das reiben seines Kopfes an ihrer Schulter beruhigte sie. „Und willst du mir nicht raufhelfen?“, hochnäsig sah sie den dunkelhaarigen Ritter an.
„Wenn du ihn reiten willst, musst du auch alleine raufkommen“, bei diesem Weib vergaß er seine gute Erziehung. Wenn Berta ihn jetzt hörte, würde sie ihn ohne Essen ins Bett schicken. Ein gemeines Grinsen erschien auf seinem Gesicht. Seine Ritter wurden unruhig, weil Anna sie auffordernd ansah, sie hätten Anna sofort geholfen, eisige Blicke hielten sie zurück.
„Pfff … ich schaff das schon“, murmelte sie vor sich hin. Dabei hatte sie keine Ahnung wie sie auf dieses riesige Pferd kommen sollte. Sie versuchte sich zu erinnern wie die Männer aufstiegen. Aber sie trugen auch Hosen. Obwohl sie extra Reisekleidung hatte schneidern lassen, war es immer noch ein Rock. Mit einer Hand griff sie nach dem Sattel, den Fuß versuchte sie in den Steigbügel zu stellen, was nicht sofort gelang. Also ließ sie den Sattel los und nahm den Steigbügel in die Hand, hüpfte etwas unsicher auf einem Fuß herum bis sie den anderen endlich im Steigbügel hatte, streckte sich nach dem Sattel und versuchte sich hochzuziehen und dabei das andere Bein über den Sattel zu schwingen. Doch das einzige was sie schaffte, bäuchlings auf dem Sattel zu landen und mit baumelnden Armen und Beinen wie ein Sack darüber zu hängen, dabei ragte ihr kleiner fester Po in die Höhe. Steven schluckte.
 Trojan, ungewöhnlich ruhig schnaubte nur leise. Steve war natürlich froh dass er still hielt, damit Anna sich nicht verletzte, gleichzeitig nahm er es seinem tierischen Freund übel.
Unter fluchen und keuchen, schaffte sie es doch letztendlich auf dem Pferd zu sitzen. Annas Gesicht war erhitzt und leicht gerötet, sie blies sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht und sah Steve triumphierend an. Sie hatte nie schöner ausgesehen.
„Die Steigbügel sind zu lang!“
„Dann musst du sie kürzen.“
Keiner von ihnen hatte gemerkt dass sie alleine waren. Die Anderen waren aufgesessen und losgeritten.
„Du arroganter, eingebildeter …“
„Du bist störrischer als ein …“, redeten sie gleichzeitig.
„Schluss jetzt!“, zischte eine Männerstimme. Erschrocken drehten sie sich in die Richtung und stellten erstaunt fest dass keiner mehr in der kleinen Gasse neben dem Mietstall war. Außer Danny der sie wütend von oben herab ansah.
„Ihr beiden geht mir gehörig auf den Sack. Wegen euch hat sich unsere Abreise schon eine Stunde verzögert …“
„Es ist ihre Schuld“, empörtes Schnauben von Anna.
„Sie hat Angst vor Pferden und kann nicht reiten. Anstatt sie mit Trojan schmusen zu lassen, hättest du ihr Reitstunden und sie mit der kleinen Stute vertraut machen sollen, du ach so schlauer Earl!“, ein gehässiges Kichern war zu hören.
„Und du Lady, brauchst gar nicht so selbstgefällig zu lachen. Wie kommst du auf die Idee ein Streitross ohne jegliche Erfahrung reiten zu können? Trojan mag dich zwar, das heißt aber nicht das du in der Lage bist in zu reiten. Entweder reißt ihr beiden euch jetzt zusammen oder ich sorge persönlich dafür, dass ihr beide gefesselt und geknebelt mit dem Kopf nach unten reist. Verstanden?“
Verlegen, mit roten Ohren starrten sie zu Boden und nickten. Danny drehte sein Pferd und ritt davon. Er grinste vor sich hin. Wie sich das wohl entwickeln würde? Irgendwie ahnte er, dass sein Freund Angst hatte Gefühle zu zulassen.
 
„Es tut mir leid“, murmelte Steve und hob den Kopf zu Anna.
„Mir tut es auch leid.“
„Ich mache dir einen Vorschlag, wir reiten zusammen auf Trojan. Du freundest dich mit der Stute an und reitest jeden Tag eine kleine Strecke auf ihr. Wie hört sich das an?“, erwartungsvoll schaute Steve sie an.
„Das hört sich vernünftig an. Wird das für Trojan nicht zu schwer?“
„Nein, er futtert mehr als du wiegst. Und seine Panzerung für die Schlacht ist viel schwerer. Stimmts mein Junge?“, zärtlich klopfte Steve Trojan auf den Hals und rieb seine Wange an ihm.
Anna beobachtete ihn, sie wusste nicht warum sie immer das Bedürfnis hatte sich mit Steve zu streiten. Doch, eigentlich wusste sie es schon, sie hatte Angst vor ihren Gefühlen für ihn. Sie war schon einmal tief enttäuscht worden und als Sklavin geendet. Trotzdem vertraute sie Steve, aber alles andere durfte nicht sein.
„Rutsch etwas nach vorne, ich setzte mich hinter dich.“
Sie tat was er sagte und Steve schwang sich mühelos auf sein Pferd. Unbewusst schmiegte sie sich an ihn um halt zu finden. Sie wusste wie sein Körper sich anfühlte, schließlich hatte sie ihn gepflegt und gewaschen. Ihn doch so nah an sich zu spüren war noch einmal etwas anderes. Trotz der kühlen Morgenluft, war ihr sehr warm. Sie rutschte hin und her und versuchte sich etwas von ihm zurückzuziehen.
„Kannst du bitte ruhig sitzen bleiben“, stieß Steve hervor und unterdrückte ein stöhnen als sie ihren Po an seinen Schritt rieb. Er fragte sich ob er das überleben würde? Es war ja nicht für immer redete er sich dann ein. Schließlich musste er nicht bis Schottland mit ihr auf dem Schoß reiten. Doch das Schicksal hatte andere Pläne.
Der erste Streckenabschnitt der von Neapel nach Capua, führte durch ein großes Waldgebiet. Von Capua aus würden sie auf der Via Appia und der Via Casilina, die alten Römerstraßen, bis Rom reißen. Circa zwei Wochen würden sie dafür brauchen. Nicht immer würden sie in einer Herberge übernachten können. Obwohl meistens die Sonne am Himmel zu sehen war, gab es in der Nacht oft genug Minusgrade. Für Anna, Saida und das Baby hatten sie extra ein kleines Zelt angeschafft, das schnell auf und abgebaut werden konnte.
Steve hatte sie nicht an ihrem ersten Tag zu Pferde gedrängt auf ihr eigenes Pferd zu steigen. Erst als sie von Capua am nächsten Tag abreisten und sich auf der Via Appia befanden, machte er den Vorschlag, das sie es einmal versuchen sollte.
Geduldig zeigte Steve ihr wie sie zu sitzen hatte und wie sie den Bewegungen des Pferdes folgen sollte. Trotz ihrer Angst versuchte sie ruhig zu bleiben. Steve ritt neben ihr und korrigierte ihre Haltung. Anna entspannte zusehends und lächelte Steve an. Sie unterhielten sich ohne zu streiten und alle atmeten erleichtert auf. Da geschah es.
Irgend ein Tier raste durch die Gruppe Reiter, die Streitrosse der Krieger scheuten ein bisschen, doch sie ließen sich nicht so schnell aus der Ruhe bringen. Doch die kleine Stute, der Anna den Namen Rosa gegeben hatte, scheute auf und ging durch. Steve fluchte laut und gab Trojan die Sporen, er konnte sehen wie Anna die Steigbügel von den Füßen rutschte und sie den Halt verlor. Er brachte Trojan neben das aufgebrachte Pferd und beugte sich zu Anna runter.
„Anna, ich hab dich gleich. Halt dich fest“, rief er laut, damit er das Geklapper der Hufe übertönte. Im letzten Moment schlang er seinen starken Arm um Annas schmale Taille und zog sie zu sich. Trojan wurde langsamer und hielt an. Einer seiner Ritter jagte hinter Rosa her und versuchte sie einzufangen.
Anna hatte ihre Arme um Steves Hals geschlungen und zitterte am ganzen Körper. Feste hielt er sie an sich gepresst. Genauso vor Schreck zitternd wie die kleine zierliche Frau in seinen Armen.
„Ich schwöre, du brauchst nie wieder alleine auf ein Pferd zu steigen. Ich schwöre es, bei meiner Ehre!“, flüsterte er in ihr Haar.

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BeitragThema: Re: Der MacGarrett Clan oder Ohana auf Schottisch   Mi Feb 05, 2014 3:11 pm


14.
 
Im Jahre des Herrn 1277, schottische Highlands
 
Es wurde Zeit wieder zurückzureiten. Sie hatten für die Campbells alles getan was möglich war. Fünf seiner Ritter würde Danny hier lassen um die wenigen Campbellchen Männer zu unterstützen die noch übrig waren. Loriana wollte auch noch hier bleiben, sie und Jane Campbell hatten sich angefreundet, und die Prinzessin wollte sie noch ein wenig unterstützen. Was zur Folge hatte das auch Chin hier blieb. Schließlich war er ihr Leibwächter. Danny gefiel das nicht, seit er Lori, Kono und Chin wieder hatte, wollte er sie nicht gerne aus den Augen lassen.
„Mir wäre es lieber wenn du mit mir zurück reitest, aye. Dieser Bruder von Lord Campbell wohnt nicht weit von hier und ich traue ihm nicht.“
„Chin und fünf deiner Ritter sind hier und ich weiß mir ausgezeichnet selbst zu helfen“, mürrisch sah sie Danny an. „Außerdem merkst du sowieso nicht ob ich auf Eilean Donan Castle weile oder hier. Du hast die letzten Wochen kaum mit mir geredet, mich noch nicht einmal gefragt ob ich mit nach Inverness kommen möchte. Warum sollte es dich jetzt interessieren?“, angriffslustig stand sie vor ihm. Chin hatte sich aus der Wohnhalle entfernt und überließ die beiden sich selbst. Nichts hatte sich zwischen ihnen geändert.
„Es interessiert mich auch nicht“, log Daniel. „Bei uns bist du nur sicherer.“
Tief verletzt drehte sich Lori um und verließ die Halle ohne ein weiteres Wort. Verblüfft sah Danny ihr nach. Sie ging ohne mit ihm zu streiten. Was war denn nun los? Ihm kam nicht der Gedanke das Loriana Gefühle für ihn haben könnte. Da er genauso ein Meister im Verdrängen von Gefühlen war, wie sein Freund Steve, drehte er sich wütend um und ging.
„Sende einen Boten, wenn es der Prinzessin beliebt nach Hause zu kommen. Ihr bekommt dann Begleitschutz“, bevor Chin antworten konnte, war sein Freund verschwunden. Das konnte ja heiter werden dachte sich Chin. Eine Prinzessin mit Liebeskummer und ein Ritter, der seine Gefühle für die Prinzessin leugnete. Er hoffte, dass es mit Steve und Anna besser lief. Vor allem, das Anna nichts geschehen war.
 
Anna war nach mehr als zwei Tagen erst aufgewacht und konnte sich immer noch nicht erinnern wer sie war und wie sie nach Schottland gekommen war. Steve hatte sich kaum eine Minute von ihrer Seite weggerührt. Nur wenn Berta und Saida ihn rauswarfen, damit sie Anna waschen konnten oder er sich selbst waschen und essen sollte, hatte er, nicht ohne Widerworte zu geben, das Gemach verlassen. Er hatte nach Saida schicken lassen die einige Meilen entfernt wohnte. Sie hatte einen seiner Ritter geheiratet und zur Hochzeit hatte er ihr ein Stück Land mit einem kleinen Gutshaus geschenkt. Idris der alte Diener wohnte bei ihr. Saida war die eigentliche Heilerin, alles was Anna wusste, hatte ihr die Araberin beigebracht.
Jetzt half Steve Anna sich aufrecht hinzusetzten, schüttelte die Kopfkissen auf und las ihr jeden Wunsch von den Augen ab. Kono kam regelmäßig rein um nach Anna zu sehen, dabei wollte er alleine mit ihr sein. Sie betrachten, für sie da sein, sie pflegen so wie sie es für ihn getan hatte. Doch die Weiber ließen ihn nicht. Sie sagten es gehörte sich nicht, dass ein Mann mit einer unverheirateten Frau alleine war.
Schüchtern sah sie ihn an, als er mit dem Teller Suppe vor ihr saß und ihr den Löffel an den Mund hielt.
„Ich kann alleine Essen, Sir Steven“, murmelte sie verlegen. Sie hatte keine Angst mehr vor ihm, nur vor den Gefühlen die er in ihr auslöste. Besonders wenn er sie ansah, als sei sie das Wertvollste auf der Welt. Seine Augen hatten einen warmen Schimmer, wechselten zwischen grün und blau oder die Farben vermischten sich, was besonders faszinierend war.
„Aye, ich halte dir den Teller“, er legte den Löffel in den Teller und hielt ihn etwas näher zu ihr. Nach wenigen Löffeln war sie satt und ließ sich erschöpft in die Kissen sinken.
„Danke, das hat gut getan.“
Es klopfte leise an der Tür und kurz darauf trat Kono ein, Steve brummte ihr unfreundlich zu das Anna Ruhe brauche.
„Ich wollte dir mitteilen das Danny zurück ist, du alter Brummbär“, lachend schlug sie ihm auf die Schulter und ging dann wieder.
„Wer ist Danny?“, kam es leise von Anna.
„Unser bester Freund und der Vater von Grace, der kleine Wirbelwind der heute hier reingestürmt kam“, der kleine Wirbelwind hatte so lange geschrien bis, Kono erbarmen hatte und sie in Annas Zimmer ließ. Anna, die erst wenige Stunden die Augen auf hatte, war etwas überfordert wegen dem Geplapper des kleinen Mädchens. Und als sie zu ihr aufs Bett klettern wollte hatte Steve sie sanft zurück gehalten und auf seinen Schoß gesetzt, und in Ruhe erklärt das Anna krank war und noch viel Ruhe brauchte. Sie hatte gedacht Grace, wäre seine Tochter, so liebevoll wie er mit ihr umgegangen war.
„Ich gehe ihn begrüßen und komme später wieder. Vielleicht solltest du ein wenig schlafen, aye!“
„Ja, das werde ich.“
 
Mit großen Schritten eilte der dunkelhaarige Ritter zu den Gemächern seines Freundes. Ohne anzuklopfen trat er ein.
„Gott sei Dank habe ich dich schon hierher trampeln hören, sonst wäre jetzt mein Herz stehen geblieben vor Schreck. Wann lernst du anzuklopfen, aye?“
„Dann, wenn du es auch lernst“, Steve grinste und umarmte Danny. „Schön, dass du wieder da bist, jetzt erzähl.“
„Nein, erst will ich wissen wie es Anna geht und hast du ihr endlich gesagt dass du sie liebst, aye?“
„Nein, ich …“
„Das darf doch wohl nicht wahr sein. Ihr seid, seit zwei Tagen wieder hier und du bist nicht in der Lage diese drei Worte auszusprechen“, fuhr Danny ihm über den Mund. Bevor Steve antworten konnte, redete er schon weiter und gestikulierte vor seiner Nase rum.
„Du liebst sie doch, oder? Dann musst du es auch endlich sagen, Steven. Du unterdrückst und verdrängst deine Gefühle schon so lange. Anna liebt dich genauso, es wird nicht das gleiche geschehen wie mit Catherine. Hab ein bisschen vertrauen, aye?“
„Bist du jetzt fertig, Klugscheißer? Anna kann sich nicht erinnern wer sie ist, oder wer wir sind. Das ist der einzige Grund warum ich es ihr noch nicht gesagt habe. Willst du nun hören was geschehen ist, oder weiterhin kluge Sprüche von dir geben?“, fragte Steve mürrisch.
„Das heißt sie wurde verletzt?“, Angst erschien auf Dannys Gesicht.
Nun erzählte Steve die ganze Geschichte. Als er an die Stelle kam wo Seamus McDonald auf Anna lag, wurde Daniel blass.
„Hat er sie …?“
„Nein, Gott sei Dank nicht, wir sind in letzter Sekunde dazu gekommen.“
„Verdammt Steven, wie konnte es deine Mutter schaffen, sie so unter Druck zu setzten, das sie lieber fortläuft, anstatt mit uns zu reden?“, verständnislos schüttelte Danny den Kopf.
Steve erzählte weiter, auch von den Gerüchten die über Anna in Umlauf waren. Von den Familien der Geächteten und das Rosi Williams darunter war.
„Rosimosi mit den langen Zöpfen? Wo ist sie?“, der blonde Ritter war aufgesprungen. Rosi war immer einer seiner Lieblingscousinen gewesen.
„Die Frauen und Kinder sind im Nebenhaus untergebracht, wo sie liebevoll von Berta und Saida aufgepäppelt werden. Rosi ist schwanger und es geht ihr im Moment nicht so gut. Sie freut sich bestimmt wenn du sie später besuchst. Ich bin nicht mehr zu ihnen gegangen, da ich es war der ihre Männer und Väter getötet hat.“
Daniel sah seinen Freund an und wusste, dass ihm diese Entscheidung, auch wenn sie in diesem Moment aus Zorn gefällt wurde, nicht leicht gefallen war. Steve würde niemals leichtfertig das Leben eines anderen Menschen nehmen, es war gerechtfertigt. Er, Danny, hätte genauso gehandelt. Dann dachte er an seinen Cousin, es wurde Zeit das er zur Rechenschaft gezogen wurde für seine Taten. Es hatte schon in ihrer Kindheit angefangen, Billy Williams, der zukünftige Duke of Harrington, war ein Sadistisches Schwein mit Charme und gutem Aussehen. Er hatte Danny, genauso wie Steve Leid zu gefügt. Und besonders Cath!
„Was denkt Saida, wird es lange dauern bis Anna ihr Gedächtnis wieder findet?“
„Sie weiß es nicht, aber wir sollen sie nicht bedrängen. Jetzt erzähl wie es den Campbells geht.“ Daniel setzte sich hin und fuhr sich über das Gesicht, holte tief Luft und berichtete was sie vorgefunden hatten. Als Danny von der Geburt des jüngsten Campbells erzählte, ahnte Steve was in seinem Freund vorgegangen sein musste.
„Es ist alles gut gegangen, Lady Campbell und die Kleine Emma, sind wohlauf. Wie man mir sagte ist die Geburt vollkommen normal und ohne Komplikationen abgelaufen. Trotzdem ist das etwas was ich nicht mehr erleben möchte“, murmelte er und ein Gesicht tauchte vor seinem inneren Auge auf, umrahmt von roten Haaren. Er schüttelte den Kopf um diese Bilder loszuwerden.
„Loriana wollte unbedingt dort bleiben, dieses sture Weib. Sie ist nicht besser wie mit 14 Jahren, immer noch so stur und frech und arrogant!“, fluchte Danny. Steve musste sich ein Grinsen verkneifen. Danno verdrängte auch so einiges, bis heute hatte er ihm nicht erzählt was in seinem Schlafzimmer vorgefallen war, als sie den Mädchen eine Lektion erteilen wollten. Er hatte nur sofort zugestimmt, mit der Armee des Khans zu reiten.
„Du solltest Anna den Hof machen, um sie werben, das kommt bei den Ladys gut an“, bemerkte Danny plötzlich.
„Ich mach mich doch nicht zum Affen. Soll ich Blümchen pflücken, oder was?“, empört schnaubte Steve.
„Ja Blumen, hört sich gut an. Du könntest Minnegesang vortragen“, ernst sah Danny ihn an.
„Soll ich auch noch selbstgeschriebene Liebesgedichte unter ihrem Fenster vorlesen?“
„Das ist eine gute Idee, ich wusste doch, dass du in deinem Herzen ein romantischer Kerl bist.“
Steve wollte nach seinem Freund greifen und ihn verprügeln, Danny wich geschickt aus und verließ lachend sein Zimmer. Brummend folgte Steve ihm. Minnegesang!? So ein Blödmann!
 
Ein paar Tage später durfte Anna das erste Mal das Bett verlassen. Sie nahm am Mittagessen teil und fühlte sich wohl unter den Menschen die hier lebten. Dies war wohl ihre selbstgewählte Familie. In ihren Träumen blitzten Erinnerungen auf, nicht zusammenhängend, sodass es schwer fiel diese zu sortieren. Steve war sehr liebevoll, einen Tag hatte er ihr frische Blumen mitgebracht. Er hatte ganz rote Ohren bekommen als er ihr sie überreicht hatte. Kono, die bei ihr im Zimmer war, hatte breit gegrinst aber nichts gesagt. Danny besuchte sie mindestens einmal am Tag und brachte die kleine Gracie mit. Jetzt wo es ihr besser ging, verspürte Anna eine tiefe Bindung zu dem Kind, das sie vertrauensvoll umarmte und beteuerte sie zu vermissen. War es ihr Kind? Nein, das konnte nicht sein. Das hieße ja, sie wäre mit Danny verheiratet? Doch Steve war immer an ihrer Seite? Wenn sie zu lange überlegte und versuchte die Nebel in ihrem Kopf zu lichten, schmerzte ihr Kopf nach einiger Zeit und sie wurde sehr müde. Deswegen schlief sie beim Mittagessen an Steves Schulter ein, sie wachte erst wieder auf als er langsam mit ihr die Stufen zu ihrem Gemach hochstieg.
„Das war anstrengend für dich, hm?“, murmelte er zärtlich als sie sich seinen Armen regte.
„Nein, nicht das Essen. Ich denke zu viel nach und das macht mich müde. Tut mir leid“, verlegen drückte sie ihr Gesicht an sein Leinenhemd. Sein männlicher Duft, nach Sandelholz, Leder, Pferd und frischer Luft, ließ sie leise seufzen. Eine Erinnerung blitzte auf … schaukelnde Bewegungen hatten sie müde gemacht, sie lehnte an einem warmen Körper … Trojan …!
„Wer ist Trojan?“
Verwundert schaute Steve sie an. „Trojan ist mein Pferd.“
„Oh! Ich habe Angst vor Pferden. Warum?“, fragend sah sie zu Steve auf, der sie aufs Bett gelegt hatte.
„Das weiß ich nicht, Annag. Du hast panische Angst vor Pferden. Den Grund dafür kenne ich nicht. Aber du magst Trojan, er ist das einzige Pferd, vor dem du keine Angst hast.“
„Warum weißt du das denn nicht? Ich dachte wir sind Freunde und du kennst mich?“, ihr Stirn war gerunzelt und sie versuchte die Erinnerungen einzufangen.
„Hör auf so angestrengt nachzudenken“, mit dem Daumen strich er sanft über ihre Stirn. „Du hattest schon Angst vor Pferden, als ich dich kennenlernte und hast mir nie gesagt warum.“
„Können wir zu Trojan gehen?“
„Später, jetzt schlaf etwas“, Steve beugte sich zu ihr, wollte sie auf die Wange küssen, im gleichen Moment drehte Anna sich um bequemer zu liegen und ihre Lippen trafen sich. Beide rissen erschrocken die Augen auf, um sie dann seufzend zu schließen und den Kuss fortzusetzen. Steve schloss seine Arme um sie und zog sie an sich. Halb auf dem Bett und halb auf Steves Schoß liegend, gab Anna sich ganz diesem wundervollen Gefühl hin. Steve zitterte leicht vor Aufregung, er kam sich vor wie ein verliebter Knappe. Er war ein verliebter Knappe!
Lautes Klopfen an der Tür, die fast im gleichen Moment aufgerissen wurde, ließ beide auseinander fahren. Steve schubste Anna von sich, sprang auf, stieß seinen Kopf am Baldachin des Bettes, ging dämlich grinsend rückwärts, stolperte über den kleinen Fußschemel und fiel fast hin. Kono stützte ihn, Steve stolperte weiter, immer noch Anna angrinsend, blickte kurz zu Kono drehte sich um und knallte mit der Stirn voll gegen die Türkante. Die Frauen verzogen wie im Schmerz das Gesicht. Von Steve kam nur: „Uff … alles gut … alles gut“, dann war er verschwunden. Kono und Anna sahen sich an und brachen in Gelächter aus.
„Wie es aussieht geht es dir besser, Mylady!“
 
„Wie lange willst du noch vor deinen Gefühlen davonlaufen?“, Chin war hinter Loriana getreten und legte einen Arm um seine Prinzessin und Cousine.
„Ich weiß nicht was du meinst!“, hochmütig reckte sie das Kinn.
„Hör auf Lori. Du vergisst mit wem du sprichst. Ich kenne dich seit deiner Geburt und habe dich mit aufgezogen. Erziehen konnte ich dich leider nicht“, lachte er leise.
„Am liebsten würde ich dieses wunderschöne Land wieder verlassen. Doch wo sollen wir hin? Wir sind Heimatlose und Wo Fat wird nicht aufgeben uns zu jagen.“
„Wir sind nicht mehr Heimatlos. Hier ist unser zu Hause, und Steve und Daniel sind jetzt unsere Familie. Du weißt das auch. Du liebst Daniel schon so lange. Sag es ihm endlich. Ihr beide benehmt euch wie Steve und Anna. Die beiden könnten schon Kinder haben.“
„Danny liebt mich nicht. Er sieht in mir immer noch den verzogenen Bastard, dem er Mal den Hintern versohlt hat“, sagte sie empört.
„Das ist nicht war. Er hat wirklich schlimmes erlebt, Loriana. Du musst den ersten Schritt tun. Er wird es nicht tun aus Angst dich zu verlieren, wie er Rahel verloren hat. Außerdem hat er geglaubt dich schon einmal verloren zu haben und hat sich dafür die Schuld gegeben.“
Chin wollte dieses Land nicht verlassen, er fühlte sich hier zu Hause, die Menschen vom MacGarrett Clan, waren aufgeschlossen und neugierig auf alles was nicht von hier kam. Das war ungewöhnlich, denn sie hatten durch ihre lange und beschwerliche Reise viele schlimme Erfahrungen machen müssen. Sie waren hier in Sicherheit, selbst wenn Wo Fat sie finden würde, hatten sie eine Familie die für sie kämpfte, sie nicht im Stich ließ. Chin hätte gerne gewusst was vorgefallen war, in der Nacht, als Steve und Danny den Mädchen eine Lektion erteilt hatten. Steve hatte es seinem Vater erzählt. Danny hatte nie ein Wort darüber verloren, sein Vater hatte Daniel lange angeschaut und es dann akzeptiert. Genau wie sein Vater war sich sicher, dass er sich ehrenhaft verhalten hatte. Beide waren Edelmänner durch und durch.
Auch Loriana dachte an diese Nacht zurück und den Tag danach, an denen beide Männer mit der Armee des Khans verschwunden waren, für so viele Monate.

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BeitragThema: Re: Der MacGarrett Clan oder Ohana auf Schottisch   Di Feb 18, 2014 11:14 pm


15.
 
Im Jahre des Herrn 1269-1271, Mongolei/Karakum
 
Loriana starrte an die Decke ihres Zimmer, Tränen liefen ununterbrochen aus ihren rotgeränderten Augen. Was hatte sie nur getan? Sie hatte Danny doch nur etwas provozieren wollen? Jetzt hatte sie das Schicksal eines seiner Ritter besiegelt, obwohl der Mann nur seinen Gelüsten gefolgt war, die sie herausgefordert hatte. Durch eine Dienerin hatte sie Danny eine Nachricht zukommen lassen, er solle in ihre Gemächer kommen. Ein paar Minuten früher  hatte sie Frederic, einer der Ritter von Danny und Steve, zu sich gebeten. Sie hatte sich an ihn rangeschmissen, denn sie wollte Danny eifersüchtig machen.
Obwohl sie wusste, dass Danny sie mochte, reichte Loriana das nicht. Sie hatte sich verliebt und wollte ihn haben. Daniel kam aus gutem Haus und es sprach nichts dagegen, dass sie seine Frau werden konnte. Ihr kam nicht der Gedanke, dass der Khan schon andere Pläne mit ihr hatte. Frauen in dieser Zeit, hatten keine Möglichkeit ihr Schicksal selbst zu bestimmen. Außerdem hatte ihr Onkel ihr bisher jeden Wunsch erfüllt. Sobald sie Danny verführt hätte, wollte sie ihn dazu bringen um ihre Hand anzuhalten. So war der Plan gewesen! Doch Pläne sind tückisch, wenn nicht alle Mitspieler eingeweiht sind, und so war alles schief gegangen.
 
Wütend stapfte Daniel durch die Gänge des Palastes. Es war Nacht und bis auf ein paar Wachen, die an strategischen Positionen standen, war kein Mensch auf. Er dachte über Steves Plan nach und hatte ein ungutes Gefühl. Das hatte er von Anfang an gehabt, doch Steve hatte Recht, sie mussten dem Sirenengesang ein Ende setzten. Da er einer der Leibwächter der Prinzessin war, wurde er nicht aufgehalten, als er zu ihren Gemächern kam. Er betrat den Empfangsraum und wunderte sich das Loriana nicht hier war, doch dann rief er sich ins Gedächtnis um was es hier ging und wurde vorsichtig. Seine Sinne waren geschärft und er horchte ob er irgendetwas hörte. Die Schlafzimmertür war nicht ganz geschlossen und er hörte Flüstern und das leise, tiefe Lachen eines Mannes. Sofort war er in Alarmbereitschaft, zog sein Schwert und schlich leise auf die angelehnte Tür zu. Bereit die Ehre der Prinzessin zu verteidigen. Mit einem Ruck öffnete er die Tür und trat mit vorgehaltener Waffe in den Raum. Was er sah, ließ ihn fast seine Ritterwürde vergessen.
Loriana, mit einem Hauch von Nichts bekleidet, in den Armen einer seiner Ritter. Frederic verlor sämtliche Farbe aus dem Gesicht, als er Daniel erblickte. Er stieß Loriana von sich und trat einen Schritt zurück.
„Ich… Sir …“, stammelte er.
„Geh ins Mannschaftsquartier und warte dort auf mich“, befahl Danny in eiskaltem Ton.
„Zu Befehl, Sir!“, Frederic verschwand fluchtartig aus dem Gemach.
Danny drehte sich zu Loriana und sah sie nun aus eiskalten Augen an. Loriana hatte den Anstand und errötete leicht, versuchte aber ihre Unsicherheit mit einem überheblichen Lächeln zu überspielen.
„Daniel, du kommst doch noch zu mir. Ich dachte schon ich muss mich mit diesem Franzosen begnügen“, sie trat auf ihn zu und legte eine Hand auf seine Brust, die andere an sein Gesicht.
Doch was sie dann in Dannys Augen sah, ließ ihr Blut in den Adern gefrieren. Abscheu! Er verabscheute sie.
„Ich dachte du würdest dich zu der Prinzessin entwickeln, die man lieben will. Doch du hast dich nicht geändert. Du bist immer noch der verwöhnte Balg, der nur an sich denkt und alles haben will was er sieht, ohne über die Konsequenzen nachzudenken. Was ist nur mit dir los? …“
„Ich wollte dich nur ein bisschen eifersüchtig machen. Frederic bedeutet mir nichts. Ich liebe dich! …“, Angst schwang in ihrer Stimme mit. Langsam wurde ihr bewusst was sie angestellt hatte.
„Schweig Loriana, erwachsene Männer stehen nicht auf solche Spielchen. Wenn du mich lieben würdest, hättest du so etwas niemals getan. Stell dir vor, jemand anderes hätte dich überrascht? Weißt du was sie mit Frederic oder mit mir machen würden? Sie würden uns häuten und dann vierteilen und das zu Recht. Ich habe wirklich geglaubt, du hättest dich geändert … ich war dabei mich in dich zu verl …“, seine letzten Worte hatte er so leise ausgesprochen, dass sie ihn nicht wirklich verstanden hatte.
„Danny …?“, ohne ein weiteres Wort, nur ein letzter eisiger Blick und Danny verließ das Schlafgemach.
Sie löschte alle Lichter und rollte sich in ihrem großen Bett zusammen, in dieser Nacht schwor sie sich, ein besserer Mensch zu werden und sich Morgen bei Daniel zu entschuldigen. Doch erst vier Monate später sollte sie ihn wiedersehen.
 
Der Trupp Reiter der in das Palastgelände kam, sah müde und abgeschlagen aus. Chin beobachtete sie und suchte nach den Gesichtern seiner Freunde. Steve, Daniel und deren Ritter waren ihm gute Freunde in den letzten beiden Jahren geworden. Er fühlte sich ihnen nahe, sie dachten ähnlich und Chin war nicht jemand der schnell Freundschaften schloss. Mit Seijin als Vater, der rechten Hand des Khans, war es auch nicht einfach Freunde zu finden. Ein Bote war zwei Stunden zuvor eingetroffen, um mittzuteilen das einer der Soldaten schwer verletzt war und der Khan verlangte das seine Leibärzte für den Soldaten bereit standen. Es musste ein hochrangiger Krieger des Khans sein, das er seine Leibärzte zur Verfügung stellte.
Doch den Anblick der sich ihm jetzt bot hatte er nicht erwartet. Steve lag schwerverletzt auf einem Karren, er war ohne Bewusstsein und hatte hohes Fieber. Seine Schulter war verbunden und auch um seinen Kopf war ein schmutziger Verband gewickelt. Daniel der neben dem Karren ritt, sah müde und besorgt aus.
Chin winkte den Dienern, als der Karren anhielt und sorgte dafür, dass man sich sofort um Steve kümmerte. „Seid vorsichtig, bringt ihn sofort in die vorbereiteten Gemächer, die Ärzte warten schon.“
Dann gab er Befehle dass die Pferde der Reiter versorgt wurden. Danny und Angus wollten hinter den Dienern, die Steve in den Palast brachten, her. „Steve ist in guten Händen, vertraut mir. Ihr nehmt jetzt erst ein Bad und esst etwas“, Danny der in Steves Nähe bleiben wollte, sah ihn böse an.
„Daniel!“, Chins eindringliche Stimme und die Körperhaltung die keinen Widerspruch duldete, sagte Danny das Chin ihn mit Gewalt selbst baden und füttern würde.
Nachdem sie gebadet und satt waren, stellte Chin seine Fragen, solange hatte er sie in Ruhe gelassen.
„Was ist geschehen, Daniel?“, fragte er auf dem Weg zu Steves Krankenzimmer.
„Einer der verfeindeten Stämme hat uns während der Verhandlungen hinterhältig angegriffen, Steve und ich waren zum Schutz des Khans eingeteilt und … Steve hat einen Speer, der dem Möngke gegolten hat, abbekommen, als er ihn mit seinem Körper geschützt hat. Einige andere Speere und Feile haben sein Pferd getötet“, Daniel versuchte sich die Angst um seinen Freund nicht anmerken zu lassen. „Wir konnten den Angriff niederschlagen und der Khan hat sofort dafür gesorgt, dass Steve geholfen wird. Doch die Spitze des Speeres steckt noch in seiner Schulter. Der Arzt der mit im Feld war, hat sich nicht getraut sie zu entfernen. Er meinte er hätte nicht die nötigen Mittel um ihm zu helfen.“
„Das war bestimmt die richtige Entscheidung, Danny. Die chinesischen Leibärzte des Khans kümmern sich um Steve, sie sind die Besten des Landes“, Chin hörte sich zuversichtlicher an als er war.
 
Es kam Danny wie Stunden vor als einer der Ärzte zu ihnen kam. In dem kleinen Wohnraum war es eng geworden, da alle Ritter anwesend waren. Chien Xu Li, der oberste Arzt, sah Danny mit besorgtem Gesicht an. In Französisch mit starkem Akzent erklärte er im die Lage.
„Sir Steven hat sehr viel Blut verloren nachdem wir die Reste des Speeres entfernt haben. Auch hat sich die Wunde entzündet. Wir konnten die Blutung zwar stoppen, doch können wir nicht sagen, ob er seinen Schwertarm je wieder so gebrauchen kann, wie vorher. Das Fieber macht uns jetzt die meiste Sorge, wir müssen die Nacht und den nächsten Tag abwarten.“
„Ich … ich … Danke!“, Danny verbeugte sich wie es bei den Chinesen üblich war und ging in das Krankenzimmer. Überrascht stellte er fest, das Kono und Loriana im Zimmer waren und sich anscheinend um Steve kümmerten. Die jungen Frauen nickten ihm schüchtern zu und verließen den Raum. Angus und Chin waren ihm gefolgt und sahen mit ihm auf ihren Freund. Steve war sehr blass, selbst seine Lippen zeigten keine Farbe. Der weiße Verband stach kaum von seiner Haut ab.
„Was riecht hier so süßlich?“, fragte Angus.
„Das ist Schlafmohn, es lindert Schmerzen und lässt den Kranken schlafen. Man muss sehr sorgsam damit umgehen“, antwortete Chin.
Die Ritter hatten schon davon gehört und wussten auch, dass es in der Stadt, in gewissen Etablissements üblich war, diesen Schlafmohn zu rauchen. Er benebelte die Sinne.
„Was können wir tun?“, Danny hatte Mühe zu sprechen, und Angus wischte sich unwirsch eine Träne von der Wange.
„Beten, und abwarten. Und sprich mit den Mädchen, Daniel.“
 
Entschlossen klopfte Danny an die Tür und wartete darauf dass er eingelassen wurde. Loriana selbst öffnete ihm die Tür, verlegen sah sie zu Boden und trat beiseite. Kono die auch im Zimmer war umarmte ihn stürmisch.
„Ich bin so froh dass ihr wieder zurück seid“, flüsterte sie tränenerstickt und trat dann von ihm zurück.
Die rothaarige junge Frau rührte sich nicht von der Stelle, Danny sah nur dass sie mühsam ihre Tränen zu verdrängen suchte. Wortlos öffnete er seine Arme, in die sie sich augenblicklich stürzte.
„Es tut mir leid, Danno“, wisperte sie.
„Wir wollen nie wieder darüber sprechen“, Danny konnte man nachsagen was man wollte, er regte sich schnell und gerne auf, bis zum cholerischen Anfall, doch er war nicht nachtragend.
Trotz allem mussten die Männer ihrem Alltag nachgehen, es gab keine Zeit sich den Ängsten zu stellen und abzuwarten was geschah. Menschen starben jeden Tag, sie lebten in einer Zeit in dem Tod und Leben Hand in Hand gingen. So vergingen zwei Wochen mit Training, Erkundungsritten und bangem Warten. Mindestens einer der Ritter wachte an Steves Bett. Die Mädchen hatten, zusammen mit zwei Dienerinnen, die Pflege von Steve übernommen. Das Fieber war nach einer Woche zurückgegangen und die Wunde hatte sich nicht weiter entzündet.
Chien Xu Li sah jeden Tag nach seinem Patienten und war mit den Fortschritten die er machte sehr zufrieden.
„Wir werden den Schlafmohn jetzt so weit reduzieren, das Sir Steven von alleine aufwachen kann. Er wird große Schmerzen haben. Aber die weitere Behandlung mit dem Schlafmohn muss sehr vorsichtig erfolgen, da der Körper mit Abhängigkeit darauf reagieren kann, wie wir festgestellt haben.“
„Wir danke ihnen für alles was sie für Steve getan haben, Xu Li“, bedankte sich Danny bei dem Arzt.
„Danken sie mir erst, wenn wir sicher sein können das er seinen Arm wieder gebrauchen kann“, antwortete der alte Mann bescheiden.
 
Sein Zeitgefühl war ihm völlig abhandengekommen. Steve wusste nicht ob Tag oder Nacht war, oder wie lange er hier schon lag. Das einzige was er fühlte war Nebel in seinem Kopf und Schmerzen, sobald er nur den kleinen Zeh bewegte. Manchmal ließen die Schmerzen nach, wenn ihm eine bittere Flüssigkeit eingeflößt wurde. Dann wurde aber der Nebel dichter. Er hörte Stimmen die ihm bekannt vorkamen, es war ihm nicht möglich sie zuzuordnen. Doch die Besorgnis konnte er heraus hören. Waren sie wegen Ihm besorgt? Eine Stimme war immer da wenn er aus dem Nebel auftauchte, sie war sanft und er glaubte, dass sie direkt mit ihm sprach. Steve versuchte ihr zu antworten, aber er war nicht sicher ob die Worte auch seinen Mund verließen. Er spürte kühle Finger auf seiner Stirn, das tat gut, seine Haut brannte und trotzdem fror er.
„Guten Morgen Steven, langsam bekommt deine Haut wieder Farbe. Hast du Durst? Bestimmt hast du Durst. Ich habe dir einen Tee zubereitet, er wird dir schmecken“, Kono redete immer mit ihm, er sollte sich nicht alleine fühlen. Sie wusste, der Schlafmohn konnte einem schlechte Träume bescheren.
Steve fühlte ihre Hand unter seinem Nacken als sie seinen Kopf anhob. Leicht zuckte er zusammen, die Wirkung der Arznei hatte wieder nachgelassen, aber er wollte sie nicht wieder nehmen. Er wollte dass sein Kopf klar wurde. Darum drehte er den Kopf beiseite und presste die Lippen aufeinander.
„Na wer ist denn da störrisch? Was ist Steve?“
„Nicht … schlafen …“, war alles was er rausbrachte. Seine Stimme hörte sich heißer und rau an.
„Es ist nur Tee, keine Medizin. Trink etwas.“
Die Augen immer noch geschlossen drehte er seinen Kopf wieder nach vorne, jede Bewegung schmerzte so, als ob rotglühende Messer in der Wunde bohren würden. Eine Träne quoll unter den geschlossenen Lidern hervor. Vorsichtig hielt Kono ihm die Tasse an den Mund, mit kleinen Schlucken trank er den aromatischen Tee. Kurz darauf war er wieder eingeschlafen.
Sanft strich Kono ihm den Schweiß von der Stirn. Sie war froh, dass er wieder da war und sie die Möglichkeit bekam sich zu entschuldigen. Die letzten Monate waren sie wirklich erwachsen geworden. Sie und Loriana hatten über das gesprochen was geschehen war. Wobei sie, Kono, noch gut weggekommen war. Loriana litt wirklich unter dem was sie getan hatte und konnte Daniels Gesichtsausdruck nicht vergessen. Jetzt behandelte er sie freundlich, aber nicht mehr so herzlich wie früher. Sie hoffte irgendwann seinen Respekt wiederzuerlangen.
 
Vier Wochen waren jetzt vergangen und Steves Wunde war äußerlich gut verheilt. Man sah ihm an das er immer noch starke Schmerzen hatte, sein Gesicht war blass und ausgezehrt. Von dem Schlafmohn nahm er jedoch nichts mehr zu sich. Dafür bekam er einen Tee aus Weidenrinde zubereitet, der nicht so stark war, aber auch nicht abhängig machte. Kono wich nicht von seiner Seite, anfangs war ihm das sehr unangenehm. Besonders als er erfahren hatte das die beiden Mädchen ihn gepflegt hatten, waren seine Ohren rot angelaufen. Mittlerweile hatte sich ihre Freundschaft aber noch vertieft, besonders zu der jungen mongolischen Frau. Sie hatten ein langes Gespräch geführt und ihre Freundschaft war inniger denn je. Steve brauchte keine Angst mehr um seine Unschuld haben, hatte Kono ihm lachend versichert.
Die ersten Versuche, sein Krankenlager zu verlassen, machte er mit Danny und Angus. Durch den hohen Blutverlust und das lange liegen fühlen sich seine Beine an, als wären die Knochen verschwunden. Vorsichtig hatten sie ihn untergehakt und gingen mit ihm im privaten Garten des Khans spazieren. Dieser wurde in den nächsten Tagen zurück erwartet, er hatte durch einen Boten mitteilen lassen das er die Ritter dann zu sehen wünschte.
 
„Sir Steven, mein Herz geht auf, euch wieder auf den Beinen zu sehen“, begrüßte der Khan ihn ein paar Tage später freudig.
„Hoheit, ich freue mich auch, euch wohlauf zu sehen“, Steve wollte sich verbeugen doch das bereitete ihm noch Schwierigkeiten.
„Keine Formalitäten unter uns Soldaten. Setzt euch, setzt euch“, er wedelte mit der Hand damit man Steve einen Stuhl brachte. Als sie sich gegenüber saßen, betrachtete der Khan Steve lange, bevor er zureden anfing. „Ihr habt mein Leben gerettet, Steven. Ohne nachzudenken …“, er hob die Hand als Steve etwas sagen wollte. „Ich weiß, dass ihr dafür bezahlt werdet. Doch habe ich leider nie einen meiner Krieger gesehen, der so kompromisslos seinen Körper eingesetzt hat, um das Leben eines anderen zu schützen. Alle eure Ritter sind so.“
Möngke war aufgestanden und ging in seinem Empfangssaal auf und ab, er konnte selten still sitzen, hatte Steve festgestellt, er sah jeden der Ritter an. Danny und seine Männer beobachteten den Khan auch.
„Es würde mich freuen wenn ihr Ritter weiterhin für mich reiten würdet. Im Moment erhebt sich ein Stamm nach dem Anderen und ich brauche zuverlässige Männer an meiner Seite. Mir ist bewusst dass ihr alle schon länger an diesem Ort hier verweilt, wie in anderen Ländern“, er unterbrach sich kurz und nahm sein auf und ab wieder auf. Dabei hatte er die Hände auf dem Rücken verschränkt. Der Khan war kein junger Mann mehr, konnte es aber immer noch mit jedem seiner Männer aufnehmen. „Trotzdem würde es mich freuen, wenn ihr dieses Land als ein zu Hause sehen würdet und noch eine Weile bleibt. Steven, Daniel wird dir von dem Verlust deines stolzen Rosses erzählt haben. Für uns Krieger ist es fast genauso so schlimm sein edles Pferd zu verlieren, wie seine Frau. Natürlich würde ich das meinen Frauen gegenüber niemals erwähnen“, er lächelte verschmitzt. „Ich habe ein Geschenk für dich, fühlst du dich gut genug um mit mir zu den Ställen zu gehen.“
„Ja Hoheit, etwas Bewegung schadet nicht. Ich habe lange genug rumgelegen.“
Der Khan nickte den Männern zu und entließ sie. Nur Danny und Angus kamen mit zu den Ställen. Dort wartete Chin und Seijin und begrüßten sie freundlich. Auf der Koppel liefen zwei Fohlen und eine Stute. Eines der Fohlen stand an der Seite und wieherte nach seiner Mutter. Steve fühlte sich von diesem erbärmlichen Weinen angezogen und trat an den Holzzaun.
„Was ist mit dem kleinen Hengstfohlen?“, fragte Steve einen der Stallburschen.
„Seine Mutter ist vor zwei Tagen gestorben und wir versuchen ihn so aufzuziehen, doch er verweigert die Nahrung, ich glaube wir werden ihn nicht durchkriegen.“
Gerne hätte er noch mehr gewusst, doch der Khan verlangte seine Aufmerksamkeit. Er machte große Augen, als zwei schöne kräftige Pferde von Stallburschen vorgeführt wurden. Sie hatten kraftvolle Hinterbacken, einen kurzen Rücken, muskulöse Lenden und starke Knochen. Richtige Streitrösser.
„Das sind Vierjährige aus bester Zucht und ausgebildet von meinem besten Stallmeister. Sucht euch eines davon aus, Steven. Ihr braucht euch nicht sofort zu entscheiden, macht euch mit den Tieren vertraut und entscheidet dann.“
Steve wusste nicht was er sagen sollte, dies waren äußerst wertvolle Tiere und eine Ehre für ihn ein solches Pferd geschenkt zu bekommen. Von der Koppel hörte er ein heißeres Wiehern, der kleine Hengst war schon fast heißer so sehr weinte er nach seiner Mutter. Sein Herz zog sich zusammen, jedes Lebewesen brauchte doch seine Mutter. Unsicher warf er einen Blick über die Schulter.
„Steven? Ist alles in Ordnung mit euch? War es zu anstrengend für euch?“, Chins Vater und auch die anderen sahen ihn besorgt an.
„Hoheit, das ist eine große Ehre, dass ihr mir so ein wertvolles Tier schenken wollt und ich möchte nicht undankbar sein. Aber dürfte ich, anstatt eines dieser Tiere, dort den kleinen Hengst haben und ihn selbst aufziehen und ausbilden?“
Steve spürte die ungläubigen Blicke seiner Freunde und Seijins, die ihm sagten er hätte nicht mehr alle Feile in seinem Köcher. Der Khan sah ihn erstaunt an und lachte dann laut.
„Ihr überrascht mich immer wieder, schottischer Ritter. Warum dieses Fohlen? Es wird wahrscheinlich sterben, ich habe heute Morgen selbst versucht es zu füttern. Seine Mutter war meine beste arabische Vollblut-Zuchtstute und wurde von einem meiner Streitrösser gedeckt. Nicht beabsichtigt, aber wo die Liebe hinfällt …“, er lachte wieder und ging mit Steve zur Koppel. Eine Zeitlang beobachteten sie das kleine Tier. Ein kleiner stämmiger Wallach näherte sich ihm und stieß ihn sanft mit der Schnauze an um ihm zu zeigen dass er nicht alleine war. Man konnte dem Fohlen ansehen das er am liebsten weggelaufen wäre.
„Ihr sollt ihn haben, Steve.“
„Danke, Hoheit!“


Quelle: im Bild

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BeitragThema: Re: Der MacGarrett Clan oder Ohana auf Schottisch   Do Feb 27, 2014 6:44 pm


Ich möchte mich herzlich bei Buggie und Johnny bedanken, die mir eine Einweisung in die Aufzucht von Mutterlosen Fohlen gegeben haben. Ich hoffe ich konnte das so einigermaßen umsetzten, damit es auf Trojan und Steve passt.
Vielen Dank für eure Mühe  I love you 

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16.
 
„Wo schläft er? Im Stall?“, Danny, der vor dem Training mit Steve sprechen wollte sah Kono an als sei sie übergeschnappt.
„Nichts konnte ihn davon abhalten, ich habe ihm sogar gedroht, im die Akkupunkturnadeln bis zum Anschlag in den Hintern zu drücken, doch das hat ihn nicht abgehalten.“
„Dieser sture Kerl bringt mich noch ins Grab“, grummelte Danny, bedankte sich bei Kono und machte sich auf zu den Ställen.
Die Sonne war noch nicht über die Mauern gestiegen, die den Palast umgaben. Trotzdem war schon überall geschäftiges Treiben zu hören und zu sehen. Diener eilten über die Palastflure, der Wachwechsel fand statt und in den Gärten wurden frische Blumen für die Gattinnen des Khans gepflückt, sodass sie beim Erwachen den frischen Duft einatmen konnten. Doch Danny hatte für die Schönheit des erwachenden Tages keine Augen. Seine Sorge galt seinem Freund, der sich mit dem kleinen mutterlosen Fohlen in etwas verrannt hatte. Er wusste genau was in seinem Freund vorging, seit sie kleine Jungs waren, die kaum laufen konnten waren sie befreundet, da wusste man einfach was in dem anderen vorging. Steve hatte das arme Tier gesehen, das ohne Mutter aufwachsen sollte, wahrscheinlich eher starb, und wollte ihm dieses Schicksal ersparen. So war Steve, ein harter Ritter, der ohne mit der Wimper zu zucken tötete, wenn es die Situation erforderte, aber ein riesiges Herz für die Verlorenen, die Elternlosen, die Ungeliebten und die Streuner hatte. Gut, er Danny war nicht besser was das anging. Doch zurzeit war er nicht schwerverletzt und konnte sich kaum auf den Beinen halten. Mit jedem Schritt wurde er wütender, Steve konnte sich auf eine Strafpredigt gefasst machen. Danny schnaubte fasst und die Stallburschen die ihm entgegen kamen, sprangen verschreckt beiseite, als er in den großen Stall trat.
Leises Gemurmel kam aus der hintersten Ecke des weitläufigen Gestüts. Danny ging darauf zu, weil er glaubte, Stevens Stimme erkannt zu haben. Eigentlich wollte er mit seiner Strafpredigt gleich loslegen, doch was er sah ließ ihn erstaunt inne halten und ruhig zu sehen.
Der Khan und Steve fütterten das kleine Fohlen. Während der Khan es festhielt und seinen Kopf fest im Griff hatte, flößte Steve ihm Stutenmilch aus einem Lederschlauch ein. Dabei murmelte er beruhigende Worte. Das kleine Pferd wehrte sich eine Weile und trank plötzlich gierig. Steve blickte hoch und sah den Khan strahlend an, auch der freute sich wie ein kleines Kind.
„Hoheit, Steve ihr gebt gute Ammen ab“, meinte Danny grinsend. Erleichtertes Lachen kam von den Männern.
 
Die Wochen vergingen, Steve und Trojan, so hatte er den kleinen Hengst vor kurzem getauft, machten beide Fortschritte. Steve mit seinem ersten vorsichtigen Training um seinen Arm wieder beweglich zubekommen und Trojan wuchs und gedeihte prächtig. Nur war Trojan ein frecher kleiner Kerl. Trojan ließ sich füttern und Streicheleinheiten geben und schmuste mit Steve, doch von einer Sekunde auf die andere war er Taub was Befehle anbelangte, oder versuchte den Hengst raushängen zu lassen.
„Du musst strenger zu ihm sein, Steve.“
„Ich weiß, aber er ist doch noch ein Baby.“
„Seine Mutter hätte das nicht durchgehen lassen, und selbst Ursin, der kleine gutmütige Wallach, zeigt ihm wo es lang geht. Die älteren Pferde lassen sich seine Frechheiten nicht gefallen, und du bist der Herdenführer“, Steve seufzte leise. Er wusste das Phuong recht hatte.
„Du sollst ihn ja nicht prügeln, wenn du ihn feste in die Hinterbacken kneifst oder ihm mal einen Tritt versetzt, weiß er das das er nicht alles machen kann was er will. Jetzt ist er noch klein. Doch wenn er in drei, vier Monaten aufsteigt und dir dann seine Vorderbeine auf die Schulter legt, was glaubst du was dann geschieht?“
Obwohl Trojan noch keine zehn Wochen war, versuchte er Steve zu dominieren. Heute hatte er ihn angesprungen und ihm die Vorderbeine auf die Schultern gelegt. Nicht das es den großen Mann umhauen würde, doch seiner verletzten Schulter war das nicht gut bekommen und für ihn als Ranghöheres ´Pferd`  nicht duldsam.
Der schottische Ritter nahm sich Phuong´s  Worte zu Herzen, wenn es ihm auch schwer fiel. Er war der einzige der Trojan fütterte, wenn er ausritt, führte er ihn an der Leine mit. Das gefiel dem kleinen Heißsporn nicht immer. Wenn Steve ihm die Hufe reinigte, versuchte Trojan ihn zu beißen, was mit kräftigem kneifen in seine Hinterbacken endete. Trotz der Differenzen, konnte man erkennen wie sich die Bindung zwischen Mensch und Pferd vertiefte.
Steve war zwar jetzt strenger zu ihm, hatte aber manchmal das Gefühl, keinen Schritt weiterzukommen. Doch das forderte ihn nur heraus.
 
„Steve, Steve … kommt schnell, der neue Hengst des Khans ist ausgebrochen und auf die Koppel von Trojan und Ursin gelangt …“, angstvoll war der Stallbursche zu ihm ins Trainingslager gerannt, das unweit der Stallungen lag. Steve rannte sofort los, Phuong und Ahmed folgten ihm auf dem Fuß. Das hatte nichts Gutes zu bedeuten. Dieser neue Hengst war das reinste Höllenpferd, ein wunderschönes und wertvolles Tier, aber unberechenbar. Selbst der Khan nahm sich vor ihm in Acht.
Von weitem hörte er die angstvollen Schmerzensschreie seines kleinen Pferdes und lautes Wiehern von zwei kämpfenden Pferden. Er beschleunigte noch einmal, was er sah ließ ihm das Blut in seinen Adern gefrieren. Der große kräftige Hengst und der kleine kräftige Ursin kämpften miteinander, und für Ursin, der sich immer wieder schützend vor Trojan stellte, der im Gras lag und verletzt schien, sah es nicht gut aus. Er blutete aus mehreren Bisswunden, doch immer wieder stellte er sich auf die Hinterbeine und versuchte dem Hengst zu drohen und das Fohlen zu schützen.
Mit einem Sprung sprang Steve über den Zaun, dicht gefolgt von Phuong und Brian. Der Stallbursche hatte Steve eine Peitsche zugeworfen, die er jetzt einsetzte um den Hengst zurückzudrängen. Seine ganze Autorität aufbietend und darauf achtend nicht von den schweren Hufen getroffen zu werden, dabei aber nicht zurückweichend, schaffte Steve es den Hengst von den kleineren Pferden wegzubringen. Phuong und Brian kümmerten sich weiter um das wilde Tier. Während Steve zu Ursin und Trojan rannte. Ursin immer noch in Kampfstellung wollte ihn zuerst nicht zu dem Fohlen lassen, was er so vehement beschützt hatte. Doch Steves ruhige Stimme, beruhigte ihn.
„Oh Ursin, du bist mein kleiner großer Held, so ein tapferes Pferd. Lass mich zu Trojan, du weißt doch ich tu ihm nichts … hm?“, vorsichtig streichelte er über die weichen Nüstern des Wallachs, der immer noch empört schnaubte. „Ja, ich weiß. Kaum neu im Stall und schon will er der Herr sein. Dabei wissen doch alle, dass du der heimliche Laird hier bist. Komm, wir gehen zusammen zu Trojan und dann sehen wir uns deine Wunden an.“
Steve ging langsam auf Trojan zu, der mittlerweile wieder auf seinen Beinchen stand und am ganzen Körper zitterte, immer noch stieß er kleine Angstschreie aus. Blut lief aus einer Wunde am Hinterlauf.
„He kleiner Mann, hab keine Angst mehr. Ich bin ja da“, Steve hatte das Gefühl das Trojans dunkle Augen ihn Vorwurfsvoll anstarrten, als würde er sagen `wo warst du nur?´! Er nahm den kleinen Kopf des Fohlens in seine Hände und drückte seine Gesicht an Trojans Nüstern, sanft blies er seinen warmen Atem dort hinein. Er hatte oft beobachtet, wie Ursin dies tat und ahmte es nach. Augenblicklich entspannte sich das kleine Pferd. Wieherte nochmal herzzerreißend und rieb seinen Kopf an seinem Ziehvater.
Danach, verarztete Steve zusammen mit Phuong, der sich wirklich gut mit Pferden auskannte, die Tiere. Die folgenden Tage und Nächte, wich Steve nicht von der Seite seines Fohlen. Er hatte dieses Tier so tief in sein Herz geschlossen das er es nicht ertragen konnte, wenn es ihm nicht gut ging.  Er verwöhnte ihn, aber er machte nicht mehr den Fehler Trojan nicht auch zu bestrafen, wenn der versuchte der Chef in der Koppel zu sein.
Das führte zu einigen lustigen Begebenheiten. Trojan war ein äußerst schlaues Pferd, so hatte er schnell raus, wie das Gatter zur Koppel oder die Futterkiste geöffnet wurde. Nicht nur weil er ziemlich verfressen war, nein, man konnte ja mal Papa besuchen gehen. Da jeder wusste wer der kleine freche Hengst war, und das er so gut wie niemand an sich ran ließ, konnte er sich im Palastgelände frei bewegen. Bis er eines Tages, im Garten des Khans, in den Brunnen sprang.
 
Obwohl ein belustigtes Funkeln in den Augen des Khans zum Vorschein kam, war er nicht angetan von Trojans Frechheit.
„Sir Steven, ich weiß nicht was ich sagen soll, und mir fehlen selten die Worte. Ich hatte nicht verstanden warum ihr ihn Trojan genannt habt. Jetzt versteh ich es. Das trojanische Pferd, man weiß nicht was drin steckt.“
Steve hatte einen Mundwinkel gehoben und grinste verlegen. Er ging zum Brunnenrand und sah sein übermütiges Fohlen an, mit einem schrillen Pfiff und einer Handbewegung, verlangte er Gehorsam. Den bekam er auch, nur langsam. Sehr langsam! Trojan verließ den Brunnen, kam auf Steve zu und schubste ihn mit seinem Maul an. Steve baute sich vor ihm auf, wollte gerade ein Schimpftirade und ein paar Klapse auf ihn loslassen, da sah Trojan ihn aus seinen warmen braunen Augen, hob seine Nase und rieb seine Nüstern an Steves Kinn. Aller Ärger über den kleinen Satansbraten verflog. Hinter sich hörte er ein leises Lachen.
„Du würdest ihn mir nicht wiedergeben, oder? Ich weiß jetzt genau warum du ihn haben wolltest“, der Khan schlug Steve auf die Schulter.
„Nein Hoheit, er raubt mir manchmal die letzte Geduld, aber dann bringt er mich zum Lachen, verlangt vehement Aufmerksamkeit und Liebe und gibt sie auch“, antwortete Steve leise.
„Ich weiß was du meinst. Für seine Mutter habe ich auch so empfunden, doch ich habe es nicht in ihm gesehen. Wahrscheinlich hab ich ihm die Schuld gegeben, das sie starb.“
Der Khan war sich nicht bewusst wie vertraulich er mit seinem Ritter sprach, dann schlug er Steve noch einmal auf die Schulter und verließ nachdenklich den Garten. Über die Schulter rief er Steve noch zu: „Du sollst trotzdem eins der ausgebildeten Pferde haben, bis Trojan soweit ist vergehen noch gut vier Jahre.“
Bevor Steve antworten konnte war er hinter den blühenden Sträuchern verschwunden.
 
Gemächlich ritten die vier Männer durch die Steppe. Es war ungewöhnlich warm für Mai und die Krieger genossen, die Sonnenstrahlen auf ihrer Haut. Sie trugen alle nur leichte Kleidung und Steve und Angus hatten ihre Hemden ausgezogen. Rosa leuchtete die Narbe an Steves Schulter, sie war der einzige Hinweis darauf, dass er fast gestorben wäre. Nichts ließ mehr daran erinnern, dass er fast ein Jahr gebraucht hatte um sich komplett von dieser Verletzung zu erholen. Chin hatte seine Freunde die letzten Wochen beobachtet und in ihnen eine gewisse Unruhe erkannt. Fast vier Jahre lebten sie jetzt in der Mongolei und es waren gute Zeiten gewesen, die er, Chin, sehr genossen hatte. Diese Männer waren wirkliche Freunde. Stolz, Aufrichtig und standen mit ihrem Leben für andere und ihre Überzeugungen ein. Leider wusste Chin das er sie gehen lassen musste. Sie waren vorher nie so lange an einem Ort gewesen und nun schien der Abschied gekommen zu sein. Immer öfter waren die Ritter in die Stadt gegangen wenn neue Karawanen eintrafen, redeten mit den Söldnern, die diese Karawanen begleiteten und sogen, die Neuigkeiten aus anderen Ländern in sich auf.
„Chin, was machst du für ein Gesicht? Du siehst aus als wäre jemand gestorben“, Steve sah seinen Freund besorgt  und aufmerksam an.
„Nein, es ist niemand gestorben. Doch ich werde bald meine Freunde verlieren“, kam die leise Antwort. Verständnislos sah Steve ihn an, es dauerte einige Minuten bis er verstand was Chin meinte.
„Wie kommst du darauf dass wir gehen? Wir haben nie ein Wort darüber verloren, noch nicht einmal untereinander darüber geredet.“
„Ich behaupte euch mittlerweile sehr gut zu kennen. Vielleicht habt ihr noch nicht darüber nachgedacht, doch in eurem Verhalten in den letzten Wochen ist es zu erkennen. Und glaube mir ich verstehe es sehr gut. Was würde ich darum geben mit euch reiten zu können.“
Nachdenklich sah Steve seinen Freund an. Danny und Angus die das Gespräch mitbekommen hatten, machten sich die gleichen Gedanken über Chins Worte. Ja, sie waren schon lange hier und es hatte mittlerweile so etwas wie zu Hause für sie. Aber das Abenteuer war noch nicht zu Ende. Sie alle hatten die letzten Wochen öfters darüber nachgedacht weiterzuziehen, jeder für sich, und jeder für sich war zu dem Schluss gekommen das sie weiterziehen wollten. Doch es war nicht so einfach eine neu gewonnene Heimat und Freunde zu verlassen.
„Warum kommst du nicht mit uns mit für eine Weile?“, fragte Danny leise, obwohl er die Antwort schon kannte. Chin lächelte wehmütig.
„Das würde ich gerne und ihr wisst das. Doch mein Vater wird nicht jünger und ich habe einen Eid geleistet, den ich niemals brechen könnte. Als ich selbst kaum alt genug war, wurden mit zwei Säuglinge in die Arme gelegt, zwei kleine Mädchen, und mein Vater erklärte mir dass sie vor allen Widrigkeiten beschützt werden müssen. Das kleine rothaarige Mädchen sei eine Prinzessin und meine Cousine, das kleine dunkelhaarige Mädchen meine Schwester. Sie sahen mich aus großen Augen an und pflanzten sich in mein Herz. So gerne ich manchmal frei von dieser Verantwortung wäre, so könnte ich sie doch niemals aufgeben. Auch wenn das bedeutet kein eigenes Leben zu haben. Wenn diese frechen Weiber nicht wären, wärt ihr doch auch schon längst weg hier, oder?“
Die drei schottischen Krieger grinsten und nickten.
 
Zwei Wochen nach ihrem Ausritt hatte der Trupp um Steve und Danny beschlossen abzureisen. Sie würden acht Wochen bis Byzanz brauchen, fast 5000 Meilen, würden sie zurücklegen. Sie hatten sich einer Karawane zur Verfügung gestellt die in wenigen Tagen aufbrechen würde. Zwei seiner Leute wollten im Land des Khans bleiben, sie hatten hier Frauen kennengelernt und geheiratet. Es war kein Problem gute Krieger zu bekommen, man brauchte nur in eines der zahlreichen Wirtshäuser zu gehen und man reichlich Männer, verschiedener Herkunft die man rekrutieren konnte. Steve und Danny wählten sehr sorgfältig aus und nahmen fünf Männer  in ihren Trupp auf. Unteranderem einen jungen japanischen Mann. Für sein Alter ein Meister im Schwertkampf, sehr verschwiegen und ein bisschen mürrisch. Adam Noshimuri zeigte selten ein Lächeln, Steve befahl seinen Männern ihn nicht zu nötigen ihnen etwas zu erzählen, Adam sollte von selbst aus sich herauskommen. Sie hatten einen lange und anstrengende Reise vor sich. Steve wusste nicht warum es so war, aber er vertraute dem jungen Mann und war sich sicher, die richtige Entscheidung getroffen zu haben, als er ihn aufgenommen hatte.
Kono und Loriana waren vollkommen aufgelöst und konnten nicht glauben, das die Männer abreisen wollten. Sie weinten, zeterten und beschimpften sie, dann weinten sie wieder. Als sie merkten das alles nichts nutzte in die Krieger entschlossen waren aufzubrechen um neue Abenteuer zu bestehen, wichen sie ihnen bis zum Tag der Abreise nicht mehr von der Seite.
Der Khan selbst, versuchte auch sie zu überreden, verstand aber dass sie weiterziehen wollte. Er beschenkte jeden der Ritter mit einem guten Pferd aus seiner Zucht. Dies war eine unglaubliche Ehre für die Männer.
Trojan, der jetzt 15 Monate alt war, spürte die Aufregung seines Herrn und wurde dadurch angesteckt. Er benahm sich wie ein Fohlen und stellte alles Mögliche an und immer in seiner Begleitung, Ursin, der kleine Wallach. Jetzt waren beide mal wieder in den Palastgärten unterwegs und erschreckten die Hofdamen. Trojan hatte einen Sattel unter seinem Bauch hängen, was ziemlich merkwürdig aussah. Er war dem Stallburschen abgehauen, als dieser kurz nicht aufgepasst hatte.
Die letzten beiden Monate hatte Steve ihm immer wieder den Sattel aufgelegt. Dies gefiel dem jungen Hengst überhaupt nicht. Anfangs hatte Steve an sich gezweifelt, sein Pferd nicht satteln zu können. Denn es dauerte nur wenige Minuten und ein paar bockige Sprünge von Trojan und der Sattel hing unter dessen Bauch. Steve glaubte dann ein zufriedenes Grinsen auf dem Gesicht seines Pferdes zu sehen. Doch dann hatte er festgestellt, dass dieser kleine Halunke seinen Bauch aufblähte, wenn er den Bauchgurt stramm zog.
„Verdammt nochmal, Trojan!“, schimpfte Steve. „Wenn du so weitermachst werde ich dich in der Wüste Gobi verlieren.“
Oh, Papa war sauer. Man konnte Trojan ansehen, das er sich nicht entscheiden konnte eiligst zurück auf seine Koppel zu kommen, oder ob er schmusen sollte. Schmusen war immer gut, aber diesmal sah Papa nicht so aus als wolle er schmusen. Also trollten er und Ursin sich, und wieherten leise vor sich hin.
Angus und Steve sahen den Pferden nach, entschuldigten sich bei den Hofdamen, die sich schnell von dem Schreck erholt hatten, da sie das freche Pferd ja schon kannten.
„Dieses Pferd wird das Beste Streitross, was ich jemals gesehen habe, doch bis dahin hast du noch einen harten Weg vor die, Steven“, Angus lachte gehässig und schlug seinem Freund auf die Schulter. Der verdrehte nur die Augen und folgte den Tieren.
Der Tag der Abreise war tränenreich und voller Gefühle. Steve hatte Chin eine Karte gegeben, mit der Lage seiner Heimat und wie er dort hinkam, sollte er jemals in die Lage kommen, sein Land verlassen zu müssen. Als sie davonritten, drehte sich keiner der Ritter um. Die Trauer in den Augen der Freunde und in ihren Augen, sollte nicht noch größer werden.

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BeitragThema: Re: Der MacGarrett Clan oder Ohana auf Schottisch   Sa März 01, 2014 11:11 pm

So meine Lieben, der Fluff geht langsam los. Wir wollen ja nichts überstürzen ... *lol* 
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17.
 
Im Jahre des Herrn 1277, Eilean Donan Castle, Dornie
 
Sie saßen beim Mittagessen, da wurde die Tür zur Wohnhalle aufgerissen. Anna zuckte heftig zusammen und ließ ihr Besteck fallen. Steve und Danny traten lachend ein und grüßten die Anwesenden überschwänglich. Beide Männer waren von oben bis unten mit Schlamm bespritzt und triften vor Nässe. Sie waren auf der Jagd gewesen und in ein Unwetter geraten, jetzt wollten sie sich nur noch am Feuer aufwärmen und den kräftigen Eintopf zu sich nehmen, dessen Duft durchs Haus zog.
„Berta, wir hätten gerne von dem Eintopf und warmes Bier“, sagte Steve gutgelaunt zu der Köchin. Sein Blick fiel auf Anna, die sich von ihrem Schreck erholt hatte und die zwei Ritter nun böse anfunkelte. Er lächelte sie warm an, wunderte sich ein bisschen dass sie nicht zurücklächelte. In den letzten Tagen waren sie sich näher gekommen und es lief gut zwischen ihnen.
Anna konnte nicht fassen was sie da sah, hatte sie ihnen nicht schon tausendmal gesagt, sie sollten die schmutzigen Sachen draußen ausziehen? Jetzt standen sie in einer Pfütze aus Regenwasser und Schlamm und man konnte ihren Weg zurückverfolgen. Wütend stand sie auf und schnappte sich den Besen, der in einer Nische neben der Tür stand.
„Was habe ich euch gesagt, was Schmutz im Haus betrifft? Tausendmal habe ich euch gesagt das ihr so verschmutzt hier drinnen nichts zu suchen habt“, fauchte sie die Männer an, holte aus und schlug mit dem Reisigbesen nach ihnen. Kono sah fasziniert zu, wie die kleine Person die Männer beschimpfte und mit dem Besen traktierte und konnte ein freudiges Grunzen nicht unterdrücken. Erschrocken sahen Danny und Steve zu Anna, die weiter auf sie einschlug und damit aus der Wohnhalle durch den Flur vor die Haustür bugsierte.
„Ihr müsstet einmal selbst putzen, dann würdet ihr vielleicht mal auf das hören was ich euch seit mehreren Jahren versuche …“, sie schimpfte wie ein Rohrspatz. Steve und Danny kannten das schon, Anna war dann nicht zu bremsen. So plötzlich wie sie ins Haus gekommen waren, standen sie jetzt wieder draußen vor der Treppe. Die gestanden Ritter sahen wie zwei kleine Jungs aus die von ihrer Ma eine Strafpredigt gehalten bekamen. Es regnete in Strömen, sie waren bis auf ihre Bruche nass, die Lippen blau angelaufen vor Kälte und sie zitterten. Selbst Dannys unerschütterliche Frisur löste sich langsam in Wohlgefallen auf.
„Sie scheint sich zu erinnern, das endet nicht gut für uns, aye!“, flüsterte Steve.
„Seit wann haben wir eigentlich nichts mehr zu sagen in unserem Haus, aye?“, fragte Danny ganz leise, während Beschimpfungen in verschiedenen Sprachen auf sie niederprasselten.
„Bei ihr hatten wir noch nie was zu sagen, erinnere dich, aye.“
„Kannst du sie nicht küssen und ablenken, mir ist kalt und ich hab Hunger“, quengelte Danny.
„Willst du dass sie mir die Eier abreißt, guck dir doch meinen kleinen Drachen an, gleich kommt Feuer aus ihrer putzigen Stupsnase, wie in alten Zeiten“, seufzte er glücklich und auf seinem Gesicht nistete sich ein dümmliches Grinsen ein.
„Findest du das lustig Steven John MacGarrett?“, fauchte Anna. Steve schüttelte den Kopf, konnte das Grinsen aber nicht lassen. „Warum grinst du dann so dämlich?“, schnaubte sie.
„Weil ich dich liebe“, sagte Steve und zog sie in seine Arme, verschloss ihren Mund mit seinem und küsste sie das ihr die Luft wegblieb. Eine Hand in ihren wundervollen Locken vergraben die andere um Ihre zierliche Taille geschlungen, küsste Steve sie wie ein Ertrinkender. Anna, nicht weniger Leidenschaftlich, hatte die Arme um seinen Hals geschlungen, ihre kleinen Füße schwebten über dem Boden.
Danny grinste etwas wehmütig, dachte er an eine rothaarige, sture, arrogante, wunderschöne und liebevolle Prinzessin, schnell schüttelte er die Gedanken ab.
Weder Anna, noch Steve spürten den Regen und den kalten Wind, sie sahen sich in die Augen, lächelten und streichelten sich gegenseitig über das Gesicht, küssten sich wieder. Alle die am Mittagstisch gesessen hatten, sahen erfreut und erleichtert zu. Bis … ein empörtes Schnauben und ein Reisigbesen jetzt auf sie beide niederprasselte.
„So lange ich noch atme wird in diesem Haus Anstand und Sitte gewahrt, verstanden?“, Berta funkelte Steve böse an. „Was habe ich dir erzählt über Beischlaf, wenn du nicht verheiratet bist, aye?“, Steve lachte, und wollte ihr sagen dass sie gelogen hatte, doch ein Blick von Berta ließ ihn seinen Mund wieder schließen. Annas Gesicht und Hals war von einer flammenden Röte überzogen, verlegen drückte sie die Hände gegen ihre glühenden Wangen.
„Oh Gott, oh Gott, wie konnte ich mich nur so gehen lassen“, flüsterte sie geschockt. Und dann stürzten alle Erinnerungen auf sie ein. Nicht in der Reihenfolge sondern alle Gleichzeitig und unsortiert. „Oh mein Gott … ich sollte nicht hier sein, ihr seid in Gefahr … nein, nein … das ist nicht richtig, Steve“, in panischer Angst lief sie blindlings los. Sie wollte nur fort, wollte die, die sie liebte beschützen. Es war irrational doch sie konnte nicht gegen den Drang an, wegzulaufen.
Völlig überrascht stand Steve mit hängenden Schultern da und sah ihr hinterher, er war nicht sicher was er tun sollte. Wollte sie ihn nicht, jetzt wo sie sich erinnerte?
„Nun lauf ihr schon hinterher, willst du sie alleine mit ihren zurückkommenden Erinnerungen lassen“, Berta schubste ihn mit dem Besen Richtung Brücke, über die Anna gerade rannte als sei der Leibhaftige hinter ihr her. „Ich bereite alles für die Hochzeit vor, also sorge dafür dass sie dich heiratet, aye …“, rief Berta ihm noch nach.
Steve rannte los, als Anna die Brücke verließ und auf die grünen Wiesen zu steuerte. Wie konnte dieses kleine Persönchen so schnell sein, sie war nicht mal ganz genesen? Es dauerte nur wenige Minuten bis er sie eingeholt hatte. Als Anna bemerkte dass er hinter ihr war, blieb sie so abrupt stehen dass Steve in sie rein rannte. Beide stürzten in das hohe Gras. Steve schaffte es noch sie zu schnappen und sich so zu drehen, sodass sie auf ihm landete und nicht umgekehrt.
„Lass mich los“, sie knurrte fast und wehrte sich, während der Regen unaufhörlich auf sie niederprasselte.
„Ich werde dich nie wieder loslassen, Annag. Wie haben schon so viele Jahre vergeudet und unsere Liebe verleugnet. Hör auf dich gegen UNS zu wehren. Du wirst meine Frau werden. Schluss mit den Ausflüchten. Verstanden?“, er wollte es nicht, aber er wurde wütend. Nicht auf Anna, sondern auf sich, weil er seine Gefühle  solange unterdrückt hatte, auf seine Mutter, weil sie ihm nie gezeigt hatte was Liebe ist. Dabei hatte er so viel Liebe zugeben.
„Ach! Wann hast du das denn beschlossen? Du hast mich ja noch nicht mal gefragt, du … du … arroganter, eingebildeter, schottischer … pfff … Blödmann!“, antwortete sie bissig. sie wollte sich aufrappeln und von Steve runter kommen. Denn ihr verdammtes, verräterisches Herz raste wie wild. Doch Steve hielt sie mit beiden Armen umfangen und machte auch keine Anstalten sie loszulassen. Im Gegenteil, er drehte sich jetzt mit ihr und sie war unter seinem schweren Körper gefangen.
„Blödmann? Was Besseres fällt dir für deinen zukünftigen Ehemann nicht ein?“, er lachte sie frech an. Gleich würde sie explodieren! Er wusste es. Er liebte es.
„Mir fallen bestimmt noch ein paar, nicht sehr nette Namen für dich ein. Aber das ist nicht der Punkt, wir können nicht heiraten. SIE wird versuchen dich, Danny und Gracie zu zerstören, das kann ich nicht zulassen, Steven!“, ihre Stimme zitterte und dicke Tränen kullerten jetzt aus ihren Augen.
„Hör zu Anna, womit auch immer meine Mutter dir gedroht hat, es ist mit Sicherheit gelogen. Glaub mir. Sie ist eine Lügnerin und Intrigantin, die immer wieder versucht Menschen zu manipulieren, damit sie mehr Macht bekommt. Vertrau mir, sie hat keine Macht und keine Handhabe gegen mich, dich oder Danny. Schon gar nicht gegen Gracie.“
„Aber sie hat gesagt, sie will dich beim König wegen Ketzerei anzeigen, ich weiß was das bedeutet. Sie glaubt, dass deine Ritter nicht dem rechten Glauben angehören und die Menschen hier verderben.“
Ihre Worte machten Steven so wütend, dass er abrupt aufstand und sich von ihr löste. Er ging zwei Schritte durch das hohe Gras und starrte blicklos auf den Loch, der nur wenige Meter träge  vorbei floss. Wie konnte diese Frau sich nur Mutter nennen, wenn sie ihrem eigenen Kind so etwas antun wollte? Steve konnte es nicht verstehen und es schmerzte ihn immer noch zutiefst. Dabei hatte er gedacht diese Frau könnte ihm nicht mehr wehtun. Mühsam versuchte er die Tränen der Wut, Trauer und des erneuten Verlustes seiner Kindheit zurückzuhalten, dieses Mal schaffte er es nicht.
Anna starrte ängstlich auf seinen Rücken, seine Schultern bebten. Erst ein unterdrücktes Schluchzen ließ Bewegung in ihren Körper kommen. Weinte Steve etwa? Entsetzt über die Tatsache, dass dieser starke Mann wegen ihren Worten weinte, bestärkte sie in dem Glauben von hier wegzumüssen. Doch erst wollte sie ihn trösten. Anna stellte sich vor Steve, sah in sein tränenüberströmtes Gesicht und umarmte ihn. Er schlang die Arme um sie und zog sie feste an sich.
„Steve, ich liebe dich von ganzem Herzen, und nichts würde ich mir mehr wünschen als deine Frau zu werden. Aber jetzt verstehst du warum ich gehen muss. Deine Reaktion sagt es mir.“
Verwirrt sah er sie an. „Nein, du wirst nicht gehen. Du hast meine Reaktion falsch verstanden. Der Schmerz meiner verlorenen Kindheit und die Wut auf meine Mutter, die Trauer um meinen Vater, haben meine Tränen hervorgebracht“, zärtlich küsste er ihre Augen, ihren Mund, ihre Lippen.
„Aber die Bedrohung ist doch noch vorhanden!“, beharrte die junge Frau.
„Nein, ist sie nicht. Erinnerst du dich, das Daniel, ich und alle Ritter für zwei Wochen verreist waren, nachdem wir hier angekommen waren?“, Anna nickte. Sie hatte nicht gefragt wohin sie reisten, weil es ihr nicht zustand, und die Männer hatten nichts gesagt.
„Wir hatten ein geheimes Treffen mit König Alexander, um solchen Gerüchten, wegen Ketzerei und anderen Verleumdungen, Einhalt zu gebieten, haben wir an einem geheimen Treffen aller hochrangingen Edelmänner Schottlands teilgenommen. Dort wurde der Treueeid für unseren König erneuert. Alle meine Männer haben diesen Treueeid abgelegt, der König hat sie persönlich zum Ritter geschlagen und sie werden für ihn in den Krieg ziehen und sterben, wenn er ruft. Ich bin schon für den König geritten, da war ich noch grün hinter den Ohren. Mein Vater und mein Großvater sind schon für seinen Vater und Großvater geritten. Mein Clan steht loyal zum König und er weiß das. Meine Mutter hat überhaupt keine Macht über mich, Anna. Schon gar nicht über den König. Er kann sie nicht leiden. Doch er nutzt ihr intrigantes Wesen um an Informationen zu kommen und setzt sie als Spionin ein. Sie kann uns nichts anhaben, Liebes“, wiederholte er noch einmal eindringlich.
„Was ist mit den Gerüchten die sie über mich verbreitet hat. Ich bin keine Hexe.“
„Keiner glaubt ihr. Lady McGarrett war noch nie sehr beliebt bei den Menschen in Dornie. Sie hat sie immer wie den letzten Dreck behandelt. Meine Mutter bildet sich zu viel auf ihre Abstammung ein. Doch du wirst von den Menschen hier geliebt.“
Wieder wollte die Wut in ihm an die Oberfläche steigen, aber die kleine zarte Frau in seinen Armen ließ es nicht soweit kommen. Sie zog seinen Kopf zu sich und legte fast schüchtern ihre Lippen auf seine.
„Ich liebe dich mehr als mein Leben. All die Jahre habe ich es verleugnet, habe dir von weitem sehnsuchtsvolle Blicke zugeworfen. Ich will keine Angst mehr haben vor der Liebe. Du wirst mir niemals wehtun. Das weiß ich jetzt“, Steves Augen leuchteten auf, er zog sie noch enger an sich und küsste sie mit so viel Zärtlichkeit.
„Tha gaol agam ort“, wisperte er an ihren Lippen.
„Diese Worte hast du schon einmal zu mir gesagt. Was bedeuten sie?“
„Sie bedeuten, ich liebe dich. Wann habe ich das zu dir gesagt?“, Steve hatte sie auf seine Arme gehoben und machte sich mit ihr auf den Rückweg zum Schloss.
„Als du vergiftet wurdest, in der Nacht dachte ich, dass ich dich verliere. Das hätte ich nicht ertragen“, Anna erschauerte, gleichzeitig war sie erstaunt dass alles wieder in ihrem Kopf war. Alles war wieder da, leider auch die Zeit die sie für immer vergessen wollte.
 
Berta und Kono hatten dafür gesorgt, dass für die Verliebten jeweils ein heißes Bad bereitet wurde. „In fünf Tagen wird geheiratet, ich habe Adam zum Pfarrer geschickt und er wird es dem Dorfältesten sagen, damit alles für eine hochherrschaftliche Hochzeit vorbereitet wird. Dazu werden Boten zu den Nachbarn ausgeschickt, wenn mein Junge heiratet …“, sie sah zum Himmel auf und murmelte `Gott sei Dank´, „… dann soll richtig gefeiert werden. Sollen auch die Campbells eingeladen werden?“
Steve und Anna waren sprachlos
„Ähh … ja, na-natürlich!“, stotterte Steve. „Aber warum müssen wir noch fünf Tage warten?“, quengelte er jetzt. Was ihm einen Ellenbogenhieb von Anna einbrachte, die verlegen auf ihre nassen Schuhe starrte.
„Weil du der Earl of Dorrant and Skye bist und nicht wie ein Dahergelaufener heiraten kannst. Außerdem hat deine Braut es ja wohl verdient eine anständige Hochzeit zu bekommen. Mein Junge wird ordentlich verheiratet, verstanden?“
„Ja Mistress!“, mürrisch aber liebevoll sah er seine Ziehmutter und Amme an. Dann schnappte er sie sich, drückte ihr einen Schmatzer auf die Wange und drehte sich einmal mit ihr im Kreis. Empörtes Schnauben vermischt mit einem mädchenhaften Kichern kam aus Bertas Mund.
„So, jetzt aber nehmt ihr ein warmes Bad, sonst werdet ihr noch krank“, brummte sie nachdem Steve sie wieder auf die Beine gestellt hatte.
„Oh, wir dürfen zusammen baden“, strahlend nahm Steve Annas Hand und wollte sie mit nach oben in seine Gemächer ziehen.
„Wage es dich nicht, junger Mann! Erst nach der Hochzeit. Und sehe ich dich in der Nähe von Annas Gemach, reiße ich dir persönlich die …“, Berta verstummte und errötete bis in die Haarspitzen, alle Anwesenden einschließlich seiner Braut versuchten ein Lachen zu unterdrücken.
 
Von da an hatten sie keine Minute mehr für sich. Trafen sie sich zufällig auf dem Gang oder draußen, dauerte es keine Sekunde und irgendjemand kam dazu. Entweder jemand vom Gesinde, Kono, Danny oder einer seiner Ritter. Nicht einen Kuss konnte er sich von seiner zukünftigen Frau stehlen. Seine Laune sank auf den Tiefpunkt, selbst Gracie entkamen nicht seiner schlechten Laune.
Am zweiten Tag entschloss er sich, zusammen mit Daniel am frühen Morgen, nach Skye zu segeln, er würde seine Mutter besuchen und sie zur Rede stellen und überlegen was er mit ihr machen würde. Eigentlich wollte er das nach der Hochzeit getan haben, doch je schneller er das hinter sich brachte umso besser. Einen Tag würde er weg sein. Hier konnte er sowieso nichts ausrichten, jedem schien er im Weg zu sein. Die ersten Gäste würden Morgen eintreffen und dann wäre er wieder zurück.
 
Tavish beobachtete seinen Laird und grinste, endlich würde er seine Anna bekommen. Beide waren für ihn wie eigene Kinder die er nie hatte. Steve konnte kaum laufen, da war er schon mit Tavish und seinem Vater auf den Loch zum Angeln rausgefahren. Fast jeden Tag waren sie unterwegs, der alte Laird hatte ihm seinen Sohn anvertraut, wenn er keine Zeit hatte, was Tavish mit sehr viel Stolz erfüllte. Irgendwann kam der alte Laird nicht mehr mit und Steve und er fuhren alleine auf den Loch. Einmal hatte Steve Tavish gefragt, da war er vier oder fünf gewesen, ob sein Pa ihn nicht mehr lieb hatte. Tavish brach fast das Herz, dieses kleine traurige Gesichtchen zusehen. Er hatte versucht ihm zu erklären, das sein Vater seinen Besitzt verwalten und nicht immer mit ihm spielen konnte, er ihn aber sehr lieb hatte.
„Und meine Mommy?“, darauf hatte Tavish keine Antwort gewusst. Selbst wenn man den Mann, mit dem man als Kind verheiratet wurde, nicht lieben konnte, verstand er nicht wie man seine Kinder nicht lieben konnte. Kinder waren ein Gottesgeschenk und es waren bezaubernde Kinder. Steve brachte seine kleine Schwester mit, wenn er zu dem Fischerehepaar kam. Er und Tavish gingen fischen und Mary blieb bei seiner Frau. Hier bekamen sie die Liebe die sie vermissten. Das ganze Dorf liebte diese Kinder und taten es heute noch. Tavish war sich manchmal nicht sicher, ob der junge Laird das wusste. Als er älter wurde verschloss sich der Junge immer mehr, nur bei seinem Freund Daniel Williams, blieb er der aufgeschlossene und lustige Junge, der er eigentlich war. Doch als seine Schwester regelrecht verschachert wurde von Lady MacGarrett und der alte Laird nichts dagegen unternahm, kam der endgültige Bruch.
Der Streit zwischen Vater und Sohn war schmerzvoll und brachte viel Leid über alle. Steve verließ zusammen mit Daniel das Land. Doch der Laird war voller Sorge und schickte ihm seinen besten Ritter hinterher. Angus Duncan! Angus, war John MacGarrett treu ergeben gewesen, wenn er auch sein Verhalten nicht gut hieß. Was er ihm auch unmissverständlich sagte. Beide waren entfernte Cousins und Angus ein zweiter Sohn, John MacGarrett hatte ihn als Knappe aufgenommen und ihn ausgebildet, danach zu seinem Hauptmann gemacht. Tavish wusste das Angus Steve gesagt hatte, das sein Vater ihn zu ihm geschickt hatte. Der junge Ritter hatte das murrend akzeptiert, wusste aber auch, dass er sich auf den Hauptmann seines Vaters verlassen konnte. Einmal im Jahr kam eine Nachricht von Angus, indem er dem Laird mitteilte das es den jungen Männern gut ging und er stolz auf seinen Sohn sein könnte.
Tavish seufzte leise und trat neben Sir Danny. „Ob es eine gute Idee war kurz vor der Hochzeit zu Lady MacGarrett zu reisen?“
„Nein, aber du weißt doch wenn er sich etwas in den Kopf gesetzt hat, kann man ihn nicht davon abbringen, aye“, auch Danny seufzte, ging dann zu seinem Freund und sah ihn durchdringend an.
„Was?“, brummte Steve.
„Was hast du vor, Steven?“, Danny wusste jetzt womit Steves Mutter Anna gedroht hatte, auch er konnte die Skrupellosigkeit dieser Frau nicht fassen.
„Ich weiß es nicht Dànaidh“, er wusste es wirklich nicht. Was sollte er einem Menschen sagen, der glaubte tun und lassen zu können was er wollte? Jeder der sich so verhalten hätte wie seine Mutter, hätte er am nächsten Baum aufgeknüpft.
„Willst du mit König Alexander Kontakt aufnehmen? Vielleicht hat er einen Vorschlag was man mit ihr machen könnte, ohne das es dir angekreidet wird.“
„Ich bin doch kein weinerliches Kind, das bei Ärger zu seinem König läuft und ihn um Hilfe bittet.“
„So hab ich das auch nicht gemeint, und du weißt das.“
„Aye, ich weiß. Entschuldige! Wir könnten sie an die Dänen verkaufen“, ein schiefes Grinsen erschien auf Steves Gesicht.
“Bist du verrückt, wir hätten spätestens zwei Tage später Krieg mit denen. Selbst für die Dänen ist das eine Zumutung“, sie kicherten wie kleine Jungs.
„Was ist eigentlich mit dir und Loriana?“
„Was soll sein?“, fragte Danny scheinheilig.
„Tu nicht so, als ob du nicht weißt was ich meine.“
„Oh, der Herr hat sich nach wie viel Jahren, fünf oder so, zu seiner großen Liebe bekannt, und meint jetzt allwissend zu sein was Beziehungen angeht?“, Angriff und heftiges wedeln mit den Händen, war die beste Verteidigung.
„Und wie lange liebst du Loriana schon? Ja ich weiß, Rahel war deine große Liebe, aber Loriana liebst du auch …“, Danny blitzte Steve wütend an und drehte sich um, sein Freund hielt ihn jedoch fest.
„Wo willst du hin? Von Bord springen? Du kannst nicht besonders gut schwimmen“, meinte Steve gutmütig. „Ich habe so viel Zeit vergeudet, Danno. Mach nicht den gleichen Fehler wie ich, aye!“
„Aber sie ist immer noch die arrogante, verwöhnte, eingebildete, schönste, lieblichste Prinzessin die ich kenne.“
„Wir kennen immer noch nur zwei Prinzessinnen und Loriana ist bei weitem die bessere Wahl.“
„Aye, das stimmt wohl. Ich bin immer noch froh das Mathilda so schnell das Interesse an uns verloren hat ...“
„Lenk nicht ab“, sagte Steve, was ihm einen von Dannys typisch verzweifelt bösen Blicken einhandelte.
„Wer lenkt denn hier ab. Wir haben eben über deine Mutter geredet.“
„Jetzt reden wir über unsere Frauen, also … willst du dein Leben so weiterführen? Hinter jedem edlen Rock herjagen, der sich für dich hebt?“
Empörung lag jetzt in Dannys Blick. „Also … ich glaub es ja nicht … ich bin nicht hinter jedem Rock her. Fass dich mal an die eigene Nase, du warst auch nie ein Kostverächter.“
Da hatte Danny Recht, aber seit er Anna kannte, hatte er nur einmal bei einer Frau gelegen, und das war schon ziemlich lange her. Doch das wollte er seinem Freund nicht auf die Nase binden. Das war ihm peinlich. Doch ein Blick in Dannys Gesicht sagte ihm, das es wusste. Beide hatten rote Ohren bekommen.
„Wie dem auch sei. Ich hoffe für dich und Loriana, das ihr euch zusammenrauft.“
„Ihr dir eigentlich aufgefallen, das Adam ein Auge auf Kono geworfen hat?“, ein anderes Thema kam beiden gelegen. Tavish verdrehte die Augen hinter ihnen.

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BeitragThema: Re: Der MacGarrett Clan oder Ohana auf Schottisch   Mo März 10, 2014 8:37 pm


18.
Adam war sich nicht sicher wie er sich Kono gegenüber verhalten sollte. Gerne würde er ihr den Hof machen, doch die junge Frau sendete widersprüchliche Gefühle aus. Einen Tag plauderte sie mit ihm, als wären sie langjährige Freunde, dann flirtete sie und am nächsten Tag zeigte sie ihm die kalte Schulter. Er hätte gerne Steve oder Danny darauf angesprochen, oder ob es für ihn überhaupt angebracht war, die junge Frau zu umwerben. Zurzeit schienen aber beide ihre eigenen Probleme mit den Damen zu haben. Gut, Steve hatte seine Probleme endlich, nach vielen Jahren geklärt und bald würde Hochzeit sein. Er und Danny waren heute Morgen in der Frühe aufgebrochen nach Skye, und Steve hatte ihm die Verantwortung übertragen. Das ehrte ihn sehr.
Er wurde aus seinen Gedanken aufgeschreckt, als einer der Diener ihm mitteilte, dass Lady Catherine und ihr Vater eingetroffen seien.
„Danke Clyde, ist Lady Anna auch schon informiert?“
„Ja, Sir Adam.“
Vorsichtig schlug Adam das Buch zu, indem er gelesen hatte. Ein schottisches Gesetzbuch, Steve hatte ihn darauf angesetzt ob man Billy Williams Harrington, für seine Vergehen belangen konnte. Bisher hatte er nichts gefunden. Die Gesetzte ließen den Adeligen viel Spielraum.
Adam verließ das Studierzimmer und nahm immer zwei Stufen auf einmal, um  zur großen Wohnhalle zu kommen. Von weitem hörte er schön das dröhnende Lachen von Lord Rollins, ein Grinsen schlich sich in sein Gesicht.
Lord Rollins war ein großer, raubeiniger Mann, der gerne lachte und für jeden ein nettes, raubeiniges Wort übrig hatte. Seine Tochter Catherine liebte er über alles. Auch er hätte gerne gesehen wenn Steve Cath geheiratet hätte, doch das war schon vor langer Zeit danebengegangen, hatte er einmal leise zu Adam gesagt. Adam war zwar neugierig gewesen, aber aus Höflichkeit hatte er nicht nachgefragt.
„Lord Rollins, Lady Catherine! Herzlich Willkommen auf Eilean Donan Castle. Lady Anna und ich haben die Ehre sie als erste Gäste begrüßen zu dürfen.“
„Danke Keddy (gälische Bezeichnung für Adam), wir hörten schon das Steven und Daniel auf dem Weg zu dem Drachen sind.“
„Vater!“, vorwurfsvoll sah Catherine ihren Vater an, ob seiner Bemerkung.
„Was denn? Ich sage nichts was nicht stimmt“, weitere Bemerkungen unterließ er aber. Aber man konnte den Schalk in seinen Augen sehen.
„Eure üblichen Gemächer sind vorbereitet, möchtet ihr euch von dem Ritt frisch machen? Dann veranlasse ich, dass euch an Bad gerichtet wird“, fragte Anna.
„Das wäre ganz wunderbar, für mich ja. Wie ich meinen Vater kenne möchte er wahrscheinlich erst einen von dem Selbstgebrannten trinken“, liebevoll lächelte Cath ihren Vater an.
„Mein Kind, kennt mich so gut. Wie ist es Keddy, trinkst du einen mit mir?“, Lord Rollins hatte auch die Angewohnheit jeden zu duzen.
„Gerne Sir! Wie wäre es mit einem Glas türkischen Anisschnaps, beim letzten Mal hat euch der Raki gut gemundet?“
„Hervorragende Idee, mein Junge“, damit verschwanden die beiden Männer in der kleinen Wohnhalle, die umso vieles gemütlicher war.
 
„Ich werde nicht mitkommen!“, trotzig sah Loriana ihren Cousin an. Wenn sie Daniel sehen würde, würde sie entweder einen Wutanfall bekommen oder in Tränen ausbrechen. Die Tränen waren wahrscheinlicher. Viel wahrscheinlicher! Doch diese Blöße wollte sie sich nicht geben. Immer noch stand ihr manchmal ihr Stolz im Weg. Obwohl sie schon lange nicht mehr das egoistische Kind war, das allen den letzten Nerv geraubt hatte. Sie hatte nie wirklich verwunden, dass Danny und Steven sie damals verlassen hatten. Und als sie wiederkamen, um sie zu ihrem zukünftigen Ehemann zubringen, war sie erschüttert gewesen, als sie hörte dass Danny verheiratet war.
„Das ist nicht dein ernst? Steve heiratet, endlich! Er ist jetzt unsere Familie und einer der besten Freunde die du hast. Er würde alles in Bewegung setzen um auf deiner Hochzeit zu sein.“
Chin war so wütend, wie sie ihn noch nie gesehen hatte. Seine Lippen waren zu schmalen Strichen zusammengepresst. Er wollte schon seit Tagen zurück reisen, doch Loriana weigerte sich. Weigerte sich auch mit ihm dar über zu reden. Dann war der Bote erschienen und sprach die Einladung zur Hochzeit aus. Er wollte nach Hause, zu seiner Familie. Eigentlich war Chin ein ausgeglichener Mensch, er war derjenige der so gut wie immer die Ruhe bewahrte. Jetzt verließ ihn seine Geduld.
„Ich habe geschworen, dich immer zu beschützen und für dich da zu sein. Aber auch meine Geduld hat ein Ende, Loriana. Meinst du nicht, Kono und mir steht es auch zu ein eigenes Leben zu führen? Nach allem was wir durchgemacht haben? Wir sind nicht mehr in der Mongolei, wir sind jetzt in Schottland. Keiner weiß dass du eine Prinzessin bist und die Gefahr hat sich verringert. Hier ist unsere neue Heimat, in der wir alle ein neues Leben anfangen könnten. Doch du lässt es nicht zu. Gut, Danny will dich nicht. Du bist nicht unschuldig daran, und du bist schon einmal darüber hinweg gekommen. Verdammt …“, um nichts Unüberlegtes zusagen, wandte Chin sich ab und starrte  über die Zinnen des Burgdaches. „Denk über meine Worte nach Lori.“
So leise wie er gekommen war, verließ Chin wieder das Dach und überließ Loriana ihren schweren Gedanken.
Ihr Cousin war einsam wurde Lori klar. Natürlich hatten Kono und Chin ein Recht auf Liebe und Familie. Wer war sie, dass sie es ihnen verwehren konnte? Sie war ein Niemand! Ihr war auch klar, dass beide auf ein eigenes Leben verzichtet hatten, um ihr zu dienen. Dabei waren sie alles andere als Diener. Lori vermisste Kono schrecklich, früher hatten sie über alles reden können, hatten alles geteilt. Das hatte aufgehört, seit sie hier in ihrer neuen Heimat angekommen waren. Nicht sofort, sondern schleichend. Lori glaubte das hatte etwas mit dem japanischen Ritter zu tun. Adam Noshimuri. Seufzend war sie einen letzten Blick über die mittlerweile kahle Landschaft. Der Winter hielt Einzug. Trotzdem war der Anblick der Hügel und Täler, der Bäume und der grünen Wiesen jedes Mal ein aufregender Anblick. So ganz anders als die Weite der Steppe. Das einzige was sie an ihrer Heimat vermisste, war der fast immer blaue Himmel. Doch dafür konnte sie den Anblick der Lochs oder des Meeres genießen, die sich in verschiedenen Blautönen zeigten. Ja, sie musste endlich ihr Leben in Ordnung bringen. Mit oder ohne Daniel. Außerdem wollte sie Chin und Kono freigeben. Sie sollten sich nicht länger an ihren Schwur gebunden fühlen.
 
Je näher sie Dunscaith Castle kamen, in das Steve seine Mutter hatte bringen lassen, umso mehr verschloss sich sein Gesicht. Trojan wurde immer langsamer, da er spürte, dass es seinem Herrn nicht gut ging.
Danny, auf einmal äußerst redselig seit sie vom Hafen losgeritten waren, sprach über Loriana. Das erstaunte Steve sehr und riss ihn aus seinen brütenden Gedanken. Aufmerksam hörte er zu, denn Danny sprach über die Nacht, als sie den Mädchen eine Lektion erteilen wollten.
„Ich war so wütend auf sie. Darum kam es mir sehr gelegen das wir am nächsten Tag abgereist sind.“
„Danny, das ist so viele Jahre her. Was ist jetzt? Liebst du sie?“
Ein aufgebrachter Blick traf Steve, Hände fuchtelten vor seinem Gesicht herum, und ein nervöses, empörtes Schnauben, das nicht von den Pferden kam, erreichte seine Ohren.
„Ja!“, war die schlichte Antwort und ein erleichtertes Seufzen folgte.
„Und wie ist es sich das einzugestehen?“, Steve unterdrückte ein Grinsen.
„Pff … nun ja … also … ich … ich glaube gut, aye?!“, antwortete Danny und sein Freund lachte laut auf.
„Ich weiß. Mir ging es genauso.“
Sie berieten sich, wie man Loriana am besten nach Hause locken konnte, denn Danny vermutete das sie sich weigerte, die Campbells zu verlassen.
„Wenn es sein muss, entführe ich sie eben“, brummte Danny.
„Wenn du ihr sagst das du sie liebst, denke ich wird sie dir das gleiche sagen. Entführen, also wirklich! Verdammter Sturkopf.“
Das brachte Steve wieder böse und vorwurfsvolle Blicke ein. Doch dann verstummten die Männer. Sie waren an ihrem Ziel angekommen. Von weitem sahen sie zwei Reiter auf sie zukommen, vermutlich hatte man sie schon vor Meilen entdeckt. Hier war das Land flach und die Aussicht reichte weit. Obwohl die Burg direkt am Meer lag, waren sie mit dem Schiff bis Ardvasar gesegelt und den Rest geritten. Der Körperhaltung nach war es unter anderem Angus Duncan der ihnen entgegenritt. Bei ihm befand sich ein Jüngling, wahrscheinlich ein Knappe.
Die Männer begrüßten sich erfreut, Steve konnte Angus ansehen, das er hoffte nach Hause zu können. Doch das würde dieser niemals laut sagen.
„Was treibt euch her?“, fragte Angus neugierig. Steve schüttelte unmerklich den Kopf und deutete auf den Jungen.
„Jonas, reite zurück und sag das der Laird und Sir Daniel angekommen sind.“
„Aye, Herr“, neugierig warf der Knappe noch einen Blick auf die neu angekommen Männer und trieb dann sein kleines kräftiges Pferd an.
„Wer ist der Junge?“, fragte Daniel. Die roten Haare kamen ihm bekannt vor. „Ist er nicht zu jung, für einen Knappen?“
„Das ist Jonas Murdock, der Sohn von Rosimosi. Eigentlich sollte er bei Tavish in die Lehre gehen und Fischer werden. Aber Tavish meinte aus ihm würde ein bessere Soldat, als ein Fischer. Darum hab ich ihn unter Angus Fittiche gegeben.“
Daniel nickte, er hatte sich lange mit seiner Cousine unterhalten. Sie hatte ihm erzählt was vorgefallen war und sein Hass auf Billy war um ein weiteres gewachsen. Wenn erst die Hochzeit von Steve und Anna vorüber war, würden sie sich darum kümmern.
„Also, was treibt euch hierher, aye?“
„Nun … also … ich …“, stammelte Steve plötzlich verlegen. Danny verdrehte die Augen.
„Unser wortgewandter Laird will damit sagen, dass er und Anna in drei Tagen heiraten. Endlich!“
Angus lachte dröhnend und schlug Steve anerkennend auf die Schulter. „Das wurde aber auch Zeit. Das heißt, ihr habt sie wohlbehalten wiedergefunden, aye?“
In kurzen Sätzen erklärten Daniel und Steve was Angus noch nicht wusste. Der hörte Aufmerksam zu, besonders, als er von den Drohungen von Lady MacGarrett hörte. Sein Gesicht lief rot vor Zorn an. Doch er enthielt sich eines Kommentares.
„Willst du sie zur Rechenschaft ziehen? Du weißt sie wird alles Leugnen.“
Das war Steve klar und er hatte auch nicht vor, seine Karten auf den Tisch zu legen und ihr von dem Treffen der schottischen Edelmänner mit dem König zu erzählen. Schließlich war dies ein geheimes Treffen gewesen. Das noch mehr beinhaltet hatte, als seine Loyalität und die seiner Männer zu beweisen.
„Wir haben lange haben die Reise hierher darüber nachgedacht was wir mit ihr machen. Außer, sie an die Dänen zu verkaufen, ist uns nichts eingefallen“, sagte Steve resigniert. Angus war überrascht das Steve nichts einfiel. Dabei hatte er sonst für so gut wie alles eine Antwort parat und für.
„Ich wüsste da was …“, bemerkte Angus.
„Wirklich?“
Eine viertel Stunde später ritten sie mit zufriedenem Grinsen über die Zugbrücke von Dunscaith Castle. Lady MacGarrett empfing sie mit hocherhobenem Haupt, auf den Stufen zum Eingang. Neben ihr der Verwalter des Schlosses, Cedric Higgins, ein loyaler Mann der Steve treu ergeben war.
„Wie nett, der Earl of Dorrant und Skye und sein Speichellecker, lässt sich persönlich blicken, um sein Anwesen zu inspizieren. Oder bist du hier um deine Mutter zu kontrollieren?“, Sarkasmus lag in ihrer Stimme. Weder Steve noch Daniel hatten vor sich provozieren zu lassen, darum übergingen sie die Provokation und grüßten höflich.
„Würdet ihr uns ein Mahl zubereiten lassen, Mylady? Wir sind in aller Frühe los und würden uns gerne erfrischen und stärken. Lasst im Arbeitszimmer servieren. Danach habe ich mit euch zureden. Danke.“
Steve ging auf Cedric zu und ging mit ihm ins Schloss, ohne seine Mutter weiter zu beachten. Daniel und Angus gingen zu den Soldaten, die sich freuten dass der Laird und Daniel da waren, in der Hoffnung, dass ihr Aufenthalt hier bald zu Ende sein würde.
 
Mit gestrafften Schultern stand der dunkelhaarige Earl vor seiner Mutter und unterbreitete ihr seinen Vorschlag. Er konnte in ganz kleinen Reaktionen erkennen, wie zufrieden sie mit dieser Entwicklung war, obwohl sie versuchte sich nichts anmerken zu lassen. Mit keinem Wort erwähnte Steve seine Hochzeit, oder Anna.
„Werde ich eine angemessen Apanage erhalten? Der französische Hof hat hohe Ansprüche. Wo ist dieses Anwesen auf dem ich wohnen werde? Ich hoffe nicht weit von Paris entfernt. Ich will nicht länger auf dem Land versauern. Schließlich haben meine Vorfahren königliches Geblüt. Daran solltest du dich auch immer erinnern, Steven. Anstatt dich wie ein Bauerntölpel zu verhalten. Vielleicht finde ich die passende Frau für dich in Frankreich. Dort gibt es gebildete, wohlerzogene Damen aus gutem und hochwohlgeborenem Stall, die unseren Ansprüchen genügen werden. Überlass das nur mir. Ich hoffe dieser Tölpel Angus Duncan wird mich nicht begleiten, er weiß nicht wie man sich am Hofe zu benehmen hat …“, und so ging es weiter. Steve ließ sie reden und in dem Glauben, er hätte sich auf seine Herkunft und auf seine Mutter besonnen. Das er diesmal sie manipulierte, kam ihr überhaupt nicht in den Sinn.
Steve hatte seiner Mutter nur Angeboten nach Frankreich zugehen, dort hatten er und Daniel ein Anwesen in der Nähe von Paris, Château des Tertres, das er an sie überschreiben würde, mit einer jährlichen Apanage und entsprechender Dienerschaft. Dieses Zugeständnis, hatte sie glauben machen, das alles so lief wie sie es sich vorstellte. Aber auch dieses Anwesen wurde von Menschen verwaltet, die Steve und Daniel treu ergeben waren. Seine Mutter glaubte er wäre ein unbedarfter Söldner und Soldat, der zwar viel Geld verdient hatte, aber sonst nichts vorzuweisen. Er ließ sie in dem Glauben. Dass es allerdings so einfach werden würde hatte er nicht gedacht. Also blieb er misstrauisch und wies seine Männer an, die seine Mutter nach Frankreich begleiten würden, sie nicht aus den Augen zu lassen und ihren Briefwechsel zu überwachen.
„Denkst du, wir haben sie täuschen können?“
„Sie ist gefährlich, unsere Leute dürfen niemals unachtsam sein“, war Steves Antwort.
 
Unruhig ging Anna auf dem Ausguck hin und her und hielt immer wieder nach Tavishs Boot Ausschau. Seit die Hochzeit feststand und sie sich wieder erinnerte, hatte sie das Bedürfnis Steve von ihrer Herkunft zu erzählen. Sie wollte nicht, dass irgendetwas zwischen ihnen stand. Er hatte sie zwar nie bedrängt etwas von sich preiszugeben und sie so angenommen wie er sie kennengelernt hatte. Trotzdem war es für sie wichtig, das er wusste wer sie wirklich war.
Kono die sie begleitet hatte, entdeckte das Boot als erstes.
„Da kommt es, es dauert nicht mehr lange und sie legen an. Wir gehen jetzt runter und tun so, als sei ein Bote gekommen sei und du reitest ihm mit Mable entgegen. In der kleinen Kate steht alles für eine Abendmahlzeit bereit. Cath lenkt Berta und Lord Rollins ab“, Kono hatte sichtlich Spaß ein Geheimes treffen für die Liebenden zu arrangieren.
Leichtfüßig hüpften die jungen Frauen die Treppen runter, dabei kicherten sie vor sich hin. Kaum waren sie an den letzten Stufen angelangt, kam ihnen Berta entgegen. Misstrauisch wurden sie beäugt.
„Was gibt es denn zu kichern, Ladys?“, fragte sie streng. Bei diesem jungen Gemüse hatte man nicht Augen genug.
„Ich … wir … also …“, Anna konnte alles, nur nicht lügen. Zu ihrem Glück erschien Cath und rettete sie.
„Lady Anna, ein Bote ist gekommen, man verlangt nach euch bei den Kincaids. Mable ist schon gesattelt.“
„Ihr wollt doch wohl nicht alleine reiten, das würde der Laird aber nicht gerne sehen …“, bevor noch jemand etwas sagen konnte, mischte sich Kono ein.
„Ich reite natürlich mit!“, sie sagte das in ihrem hochnäsigsten Ton, sodass Berta nicht widersprach.
Wenig später nahm Anna ihren ganzen Mut zusammen und stieg auf Mable. Außer Trojan hatte sie sich keinem Pferd mehr genähert.
„Bleib ruhig, es ist ja nicht weit“, sprach Kono ihr aufmunternd zu. Es dauerte auch nur wenige Minuten bis sie auf der Dorfstraße waren und an einer bestimmten Stelle die Männer abpassen wollten. Sie unterhielten sich und genossen die letzten Strahlen der Abendsonne. Es war schon empfindlich kalt und sie waren in warme Umhänge gekleidet. Aufgeregt rutschte Anna auf dem Sattel hin und her, als sie die Reiter näher kommen sah.
„Welsch netter Empfang. Wie bist du Bertas Adleraugen entkommen?“, begrüßte Danny die Frauen. Steve sah seine Anna an und wusste das irgendetwas war.
„Annag, was ist los?“, fragte er leise.
„Ich … ich muss mit dir reden. Eigentlich auch mit Daniel. Ich möchte …“, sie schluckte schwer und sah hilfesuchend zu Kono.
„Lasst uns zu der kleinen Kate reiten, wir haben etwas zu essen und einen guten Wein dort hingebracht, denn es wird etwas länger dauern. Was Anna zu erzählen hat ist nicht für alle Ohren bestimmt.“
Steve nickte, ritte neben Anna und zog sie zu sich rüber. „Mir ist lieber wenn du bei mir mitreitest.“
„Mir auch“, flüsterte Anna und kuschelte sich in seine warme Umarmung. Kono und Danny grinsten.
In der kleinen Kate hatten sie erst in Ruhe gespeist und nun sahen die Männer Anna erwartungsvoll an.
„Huu … wie fange ich am besten an? Ich entstamme dem Herzogtum Braunschweig-Lüneburg, entstanden aus dem Welfengeschlecht. Mein Name ist Prinzessin Anna Juliana zu Braunschweig-Lüneburg, jüngste Tochter von Otto, erster Herzog zu Braunschweig-Lüneburg“, ihre grünen Augen blickten verlegen in die Runde, doch dann musste sie lachen.
Den Männern war die Kinnlade runtergeklappt und starrten sie sprachlos an. Kono gackerte los.
„Jetzt kennen wir drei Prinzessinnen“, seufzte Danny.
„Und das Beste ist, zwei davon gehören uns“, Steve hob die Hand und Danny schlug ein.

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BeitragThema: Re: Der MacGarrett Clan oder Ohana auf Schottisch   So März 16, 2014 11:20 pm


19.
 
Im Jahre des Herrn 1269 - 1272, Braunschweig - Alexandretta
 
Prinzessin Anna Juliana zu Braunschweig-Lüneburg, wusste das es ihre Pflicht war, aus politischen Gründen zu heiraten. Dabei bezeichneten sie einige, natürlich nur hinter vorgehaltener Hand, als alte Jungfer mit ihren 25 Jahren. Der erste Ehevertrag der für sie, von ihrem Vater, Herzog Otto I, geschlossen wurde, da war sie zwei Jahre alt, dieser Prinz kam nie ins Mannesalter. Mit vierzehn hätte sie einen schwedischen Prinzen heiraten sollen. Dieser starb an den Blattern. Der nächste Ehekandidat, da war sie fünfzehn, starb an Altersschwäche, und der vierte Kandidat, wurde ermordet.
Das führte dazu, dass sie einen gewissen Ruf hatte. Die Menschen waren Abergläubisch, und so rückte sie als Heiratskandidatin, für den männlichen europäischen Adel in den Hintergrund. Prinzessin Anna war dies nur recht. Sie war eine wissbegierige junge Dame, die viel las und äußerst intelligent war. Die jungen adeligen Damen wurden in der Regel nur dahingehend ausgebildet nett zu lächeln und seichte Konversation zu halten. In den seltenen Fällen, konnten sie ihre eigene Meinung äußern. Anna allerdings, war zwar ein gehorsames Kind, wusste aber auch was sie wollte. Nachdem ihr Vater gestorben war, ihre Mutter wieder neu geheiratet hatte, und ihre Geschwister teilweise schon aus dem Haus waren, war sie sich oft selbst überlassen. Sprachen zu lernen war für sie ein leichtes, ihre Maman, eine Französische Adelige, sprach mit ihren Kindern nur in ihrer Muttersprache. Englisch und Latein lernte sie von Lehrern und deutsch vom Gesinde. Anna war begabt für Sprachen und sog jeden Dialekt und jede Sprache die in ihrem höfischen Elternhaus gesprochen wurde in sich auf. Diese Begabung wurde ihr dann auch zum Verhängnis, wenn man es so nennen wollte.
Um weitreichende politische Beziehungen ging es, als man ihr mitteilte, dass sie verheiratet würde. Diese Nachricht schockierte sie, da sie gehofft hatte, in ihrem Alter keinen Mann mehr für sie zu finden. Politische Intrigen ließen sie über ihr Alter hinwegsehen. Sie sollte mit einem Cousin zweiten Grades, von Michael VIII. Dukas Komnenos Palaiologos dem Kaiser von Byzanz, verheiratet werden. Dadurch sollten die Beziehungen zwischen der römisch-katholischen und der griechisch-orthodoxen Kirche gestärkt werden.
Einerseits war Anna erschüttert, so weit von zu Hause verheiratet zu werden, andererseits war ihre Neugier auf fremde Länder, Sprachen und Gepflogenheiten, größer. Was konnte ihr schon passieren? Der Mann, den sie heiraten sollte war wenigstens kein alter Mann, im Gegenteil, er war kaum älter als sie.
 
Die Reise war lang und beschwerlich, und in einem Karren zu reisen eine extrem anstrengende Reise. Annas zwei Jahre ältere Schwester Mechthild,  wurde von ihrem durchgegangen Pferd zu Tode geschleift, weil sich ihr Fuß im Steigbügel verfangen hatte. Seitdem war Anna nie wieder auf ein Pferd gestiegen. Teilweise reisten sie mit dem Schiff, was nicht immer angenehmer war.
Ihre Reisegruppe war klein, und so schlossen sie sich meistens größeren Reisegesellschaften an. Annas Mitgift war eine Woche vor ihr auf die Reise geschickt worden, das galt ihrem Schutz, denn sie reiste Inkognito. In ihrer Begleitung befanden sich nur sieben Menschen. Comtesse Magdalena von Gilgau, ihre Hofdame, deren Bruder Comte Heinrich von Gilgau, Hauptmann ihrer kleinen Garde, beide entfernte und verarmte Verwandte von Anna. Sowie ihre Zofe Katharina und vier Soldaten.
Anna wusste, dass ihre Verwandten nicht gerne mit ihr gereist waren, sie aber keine andere Wahl hatten. Man hatte ihnen eine fürstliche Apanage geboten und die Aussicht gut zu heiraten. Beide waren nett zu Anna und sie war froh, vertraute Gesichter in ihrer Nähe zu haben.
 
Noch fünf Tagesreisen von Byzanz entfernt, übernachteten sie in einer kleinen Stadt Namens Corlu. Ein Bote war losgeschickt worden um ihre baldige Ankunft mittzuteilen. Anna war aufgeregt und sie hoffte ihr Bräutigam, würde, erstens noch Leben!, dachte sie mit leichtem Galgenhumor, und zweitens ihr entgegenreiten. Sie hoffte, er konnte es genauso wenig erwarten, wie sie, ihn endlich kennenzulernen.
Am Morgen kleidete die junge Prinzessin sich sorgfältig an. Das Kleid aus grüner Seide, betonte die Farbe ihrer Augen. Katharine, ihre Zofe, bürstete das lange Haar bis es in weichen Locken über den Rücken fiel.
„Danke Katharina, wollen wir hoffen dass der ganze Aufwand nicht umsonst war und das Alexandros uns wirklich entgegen reitet.“
„Bestimmt Hoheit, eure Schönheit und Klugheit wurde doch bestimmt gerühmt, als man euch ihm antrug.“
Es klopfte an der Tür, Katharina legte die Bürste beiseite und öffnete. Comtesse Magdalena betrat den Raum und lächelte Anna freundlich an. In den letzten Tagen war die junge Comtesse nervös und fahrig gewesen. Sie war zu Pferde geritten, was sie sonst nicht tat, und hatte sich oft und sehr leise mit ihrem Bruder unterhalten. Die Prinzessin dachte sich nichts dabei, auch wenn beide nervös erschienen.
„Magdalena, du siehst bezaubernd aus“, stellte Anna Neidlos fest. Die blonde Frau hatte sich auch reichlich Mühe gegeben und ihre Vorzüge herausgestellt. Sie war das genaue Gegenteil von Anna, die zierlich und zart war, und dunkles Haar hatte. Magdalena war eine blonde Schönheit, mit üppigen Formen, die alle Blicke auf sich zog und ihre Reize einzusetzen wusste.
„Ihr auch, Hoheit“, etwas in ihrer Stimme ließ Anna aufhorchen. Glaube aber sich geirrt zu haben als sie Magdalenas freundliches Lächeln sah.
 
Es war früher vormittag und sie waren schon einige Stunden unterwegs, als einer der Späher zurückgeritten kam und eine große Reitergruppe ankündigte. Anna, die froh war, das es an diesem Tag nicht ganz so heiß war wie sonst, bat um Wasser damit sie sich frisch machen konnte. Sie war sicher dass ihr Verlobter ihr entgegen ritt. Auf einer Seite des Karrens wurde, das schwere Leintuch zurückgeschlagen, damit sie etwas sehen konnte. Comtesse Magdalena ritt heute wieder neben ihrem Bruder. Jetzt sprach sie aufgeregt auf ihn ein. Sie machte einen verärgerten Eindruck. Wortfetzen wurden zu der Prinzessin getragen, auf die sie sich keinen Reim machen konnte.
„Ich habe dir … vor zwei Tagen hätten wir sie … jetzt ist es zu spät … loszuwerden …“
Sie konnte sich keine weiteren Gedanken darum machen, denn die Reitergruppe war nur noch wenige Hundert Meter entfernt.
Da sie in einer Karawane mitritten, hatte sich Cousin Heinrich mit dem Karawanenführer abgesprochen und ließ diese nun anhalten, dann ritt er mit einem seiner Soldaten den anderen Reitern entgegen.
Anna beobachtete genau was geschah. Von ihrem Wagen aus konnte sie gut sehen, wie der Comte stehenblieb und aus der sich nähernden Reitertruppe zwei Reiter lösten. Sie erkannte einen  prachtvoll gekleideter Mann auf einem großen weißen Pferd. Ob das wohl Alexandros Dukas Komnenos Palaiologos war? Er sah groß und stattlich aus, soweit sie das erkennen konnte. Sie hatte aufgeregt nach Katharinas Hand gegriffen und beobachte das weitere Geschehen.
Die Männer begrüßten einander, unterhielten sich und ritten dann weiter auf die Karawane zu. Zu ihrer Überraschung und Verärgerung, blieb die Comtesse nicht hinter ihrem Wagen, sondern ritt den Männern entgegen. Das war ein Affront gegen die Etikette und gegen die Prinzessin. Prinzessin Anna versuchte sich ihren Ärger nicht anmerken zu lassen. Dies konnte später noch geklärt werden, wenn man unter sich war. Magdalena hielt an kurz bevor die Männer sie erreichten.
Anna konnte den Mann jetzt gut erkennen, als er ihre Cousine erreichte, waren sie nur einige Meter von ihnen entfernt. Sein Gesicht leuchtete auf beim Anblick der Comtesse und er hielt sein Pferd nah neben ihrem an. Er ergriff die dargebotene Hand zog sie an seine Lippen. Der Comte sagte etwas und der Blick des Mannes schoss zum Wagen rüber. Offensichtlich faszinierte ihn das Gesehene nicht so sehr wie die Hand der Comtesse, die er immer noch in seiner hielt.
Ein harter Klumpen hatte sich in Annas Magen festgesetzt. Bemüht sich nichts anmerken zulassen, gab sie dem Soldaten, der ihren Wagen steuerte, den Befehl aufzurücken. Sie stellte sich aufrecht hin und wirkte sehr Hoheitsvoll. Nachdem der Karren wieder zum Stehen kam, betrachtete sie ihren Verlobten aus hochgezogenen Brauen. Mittlerweile war sie sicher dass es Alexandros war.
„Comte, würden sie mich bitte dem Herrn vorstellen und Comtesse wären sie freundlich mir etwas Wasser zu besorgen!“, sagte sie auf Französisch.
Röte überzog das Gesicht ihrer Verwandten, sie konnte aber auch erkennen dass Magdalena nur widerwillig der Bitte nachgab. Sie warf Alexandros noch ein verführerisches Lächeln zu und wendete ihr Pferd.
„Hoheit, darf ich euch bekanntmachen mit Alexandros Dukas Komnenos Palaiologos, ihrem Bräutigam“, dann wandte sich der Comte an Alexandros. „Hoheit, dies ist eure Braut Prinzessin Anna Juliana zu Braunschweig-Lüneburg.“
„Es freut mich euch kennenzulernen, Alexandros“, begrüßte Anna ihn im perfektem Griechisch und einem schüchternen Lächeln.
Kurz blitzte Überraschung und Interesse in seinen dunklen Augen auf. Was sofort wieder verschwand als Magdalena ihr das Wasser reichte. Er hatte noch keinen Ton gesagt. Anna nahm den Becher und hielt in Alexandros hin.
„Ihr müsst durstig sein von dem Ritt in der Sonne.“
„Nein danke, ich trinke kein fades Wasser. Habt ihr auch feurigen Wein zu bieten“, dabei blickte er die Comtesse an. Noch nie in ihrem Leben war Anna so beleidigt und respektlos behandelt worden. Katharina hatte entsetzt die Luft angehalten als der Mann mit hartem Akzent auf Französisch geantwortet hatte. Selbst die Soldaten wurden unruhig, ob der Beleidigung ihrer Prinzessin. Nur der strenge Blick des Comte, ließ sie ruhig bleiben.
„Nun, wenn ihr eine Schankmagd und Wein braucht, wird Comtesse Magdalena sicher gerne Wein für euch servieren“, antwortete Anna und setzte sich wieder hin. „Gottfried, fahr weiter. Katharina lass die Plane runter ich brauche etwas Schatten“, ihre Stimme ließ nichts von ihrer inneren Aufruhr merken, dazu war sie zu sehr von edlem Geblüt um sich eine Blöße zugeben.
Mit leichtem Ruck fuhr der Wagen wieder an. Aus den Augenwinkel konnte sie sehen das Alexandros mit seinem Pferd einen Schritt beiseite weichen musste. Finstere Blicke folgten ihr.
„Hoheit? Anna?“, flüsterte Katharina und nahm ihre kleine Hand in ihre. Beide Frauen waren im gleichen Alter und zusammen aufgewachsen. Katharinas Mutter, war Annas Amme gewesen. Sie waren mehr als Herrin und Zofe, ließen dies aber niemals nach außen dringen. Nur wenn sie sich ganz sicher waren, das niemand anderes in der Nähe war.
„Nicht Kathi, sonst verliere ich die Beherrschung“, sie entzog sich Katharinas Händen. Die Zofe nickte nur.
Katharina war sofort bereit gewesen mit ihrer Herrin in die Ferne zu reisen. Da Anna so viel später, als ihre Geschwister geboren wurde, wuchsen die Mädchen wie Schwestern auf. Die junge Zofe litt mit der jungen Prinzessin als ein Heiratskandidat, nach dem anderen den Bach runter ging. Ohne dass es jemand mitbekam, lernte Anna Katharina alles was sie lernte, so sprach sie auch die Sprachen die Anna sprach. Dafür brachte Katharina ihr bei was sie lernte, dies waren hauswirtschaftliche Tätigkeiten. Es war ein Geben und Nehmen zwischen den Frauen und sie vertrauten einander.
 
Die nächsten Tage waren die Hölle für Anna. Man sah ihr aber nicht einmal an, was sie in ihrem Inneren durchmachte. Mittlerweile wurde sie von Alexandros und Magdalena vollkommen ignoriert. Heinrich warf ihr ab und an verlegene Blicke zu. Die Soldaten waren machtlos, da die Armee, die ihren Bräutigam begleitete, gut Hundert Mann zählte.
Anna konnte nicht sagen warum sie plötzlich so unruhig war. Ihr Instinkt sagte ihr, dass sie in Gefahr war. Nicht das sie über viel Lebenserfahrung verfügte, dafür war sie zu behütet aufgewachsen. Doch sie war immer ein Mensch gewesen, der eine ausgeprägte Beobachtungsgabe hatte, geschärft von ihrem Lehrer. Dies veranlasste sie jetzt dazu ihre Verwandten und ihren Bräutigam genauestens im Auge zu behalten. Es war die letzte Übernachtung, bevor sie Morgen Byzanz erreichten. In der Herberge in der sie abgestiegen waren, hatte Anna sich sofort mit Katharina in ihr Zimmer zurückgezogen. Sie mussten sich selbst um Essen und Trinken kümmern, sonst bekamen sie nichts. Während Anna, die Magd um ein Bad fragte, sorgte Katharina dafür, dass sie eine Mahlzeit erhielten, dafür war sie in die Küche gegangen.
Da Anna sich nicht zu fein war, sich selbst zu entkleiden und die Nachtwäsche herauszulegen, löste sie die Schnürung an ihrem Mieder. Sie hielt inne, als sie plötzlich Stimmen hörte. Die Wände zwischen den Zimmern schienen sehr dünn zu sein. Entsetzt hielt sie in ihrem Tun inne, weil sie die Stimme von Magdalena, Heinrich und Alexandros vernahm.
„Sind die Soldaten und Katharina ausgeschaltet?“, hörte sie die Stimme ihrer Cousine, die eine Kälte und Härte ausstrahlte wie Anna sie noch nie gehört hatte.
„Natürlich mein Täubchen, alles läuft nach Plant“, war die dunkle harte Stimme von Alexandros zu vernehmen. „Jetzt müssen wir nur noch meine fade Braut aus dem Weg räumen.“
„Sie ist eine Prinzessin und unsere Verwandte, wir können sie nicht einfach umbringen“, das war die angstvolle Stimme des Comte.
„Du bist ein Waschlappen, Bruder. Wir wären sie schon längst los, wenn du nicht so feige wärst.“
„Ich werde mir nicht die Finger an ihr schmutzig machen.“
 
Sie hatte es geahnt. Ihre Verwandten und ihr Verlobter hatten sich gegen sie verschworen. Was hatte sie ihnen getan? Anna verstand es nicht. Mit vor Schrecken starren Gliedern stand sie in ihrem Zimmer und hatte die Hände auf ihren Mund gepresst. Erst die Worte von Alexandros brachte wieder Bewegung in ihren Körper.
„Ich erledige das, damit du kein schlechtes Gewissen haben musst, zukünftiger Schwager. Ich werde sie an den venezianischen Sklavenhändler verkaufen, der in der Stadt ist. Ich kenne ihn gut.“
Hektisch Band sie die Schnüre wieder zu, raffte die wenigen Sachen die sie dabei hatte zusammen. Gerade wollte sie die Tür öffnen, da klopfte es. Panisch sah sie zur Tür, dann zu dem kleinen Fenster. Es klopfte zum zweiten Mal, ungeduldiger. Anna riss das Fenster auf und warf einen Blick nach unten, so hoch war es nicht, sagte sie sich und schwang ein Bein über den Rahmen.
In dem Augenblick wurde die Tür aufgerissen. Schnell zog sie das zweite Bein über den Rahmen und sprang. Hart landete sie auf den Füßen und fiel auf die Knie. Bis in die Haarspitzen spürte sie den Aufprall. Sie hörte Schreie und das Trampeln schwerer Stiefel. Doch sie warf keinen Blick zurück. Anna verschwand in der kleinen Gasse hinter der Herberge, aber sie kam nicht weit weil die angebliche Gasse direkt auf den ummauerten Hinterhof führte. Da es fast dunkel war erkannte sie nicht, dass etwas auf dem Boden lag.
Erst als sie darüber stolperte und auf etwas weichem landete riss sie die Augen auf und starrte in die toten Augen ihrer Zofe. Ein Schrei löste sich aus ihrer Kehle der nicht enden wollte. Ein heftiger Faustschlag in ihr Gesicht ließ sie besinnungslos werden.
 
Heiß brannte die Sonne auf die Körper die nur in Sackleinen gekleidet waren. Halbnackte Menschen verschiedenster Herkunft. Ausgemergelt, schmutzig, einige voller Angst, andere mit stumpfem Gesichtsausdruck, die einen Fuß vor den anderen setzten und nichts mitkamen. Sie waren mit Ketten aneinander gefesselt und trugen eiserne Ringe um ihre Hälse. Hinter ihnen, bewaffnete Reiter die auch die Peitsche schwangen, wenn einer der Sklaven aus der Reihe tanzte oder zu langsam war und dadurch die Menschenkarawane aufhielt. Seit Stunden liefen sie über die Straße, die nach Byzanz führte. Eine der Sklaven hob sich von den anderen ab, eine junge Frau mit wundervollem Kastanienbraunem Haar und grünen Augen. Im Gegensatz zu den meisten ihrer Leidensgenossen, war sie noch sauber.
Anna konnte immer noch nicht begreifen was wirklich geschehen war. Menschen ihres eigenen Blutes und der Mann, der ihr Ehemann hätte werden sollen hatten sie verraten und verkauft. Sie hatten Katharina getötet, die ihr wie eine Schwester gewesen war, und dann hatten sie sie an einen Menschenhändler verkauft, mit nichts auf dem Leib als ihr linnenes Unterkleid. Mehrmals hatte sie aufbegehrt die letzten Stunden, man gab ihr die Peitsche zu spüren und irgendwann sah sie ein, dass sie sich nur selbst schadete.
Nach endlosen Stunden rasteten sie für die Nacht. Ein trockener Kanten schimmeliges Brot und abgestandenes Wasser, war alles was die Sklaven bekamen. Angewidert schaute Anna auf das Stück Brot in ihrer Hand und ehe sie sich versah hatte ein anderer Sklave es ihr aus der Hand gerissen und sich in den Mund gestopft. Sie konnte ihm nicht einmal böse sein, so abgemagert wie der Mann war.
„Du musst essen was du kriegst, sonst zwingen sie dich zu essen. Glaub mir das willst du nicht. Paolo di Venezia lässt es nicht zu das einer seiner Waren stirbt“, die ältere Frau die leise zu ihr sprach, blickte sie mitleidig an. „Wenn du dich anstrengst, kommst du vielleicht zu einem guten Herrn, der dich als Lustsklavin kauft. Dann geht es dir richtig gut, du brauchst nicht zu arbeiten und nur für deinen Herrn da zu sein. Hübsch genug bist.“
Die Prinzessin versuchte sich ihren Schrecken nicht anmerken zu lassen. Lustsklavin? Nein, lieber würde sie sterben wollen.
Einige Tage später fiel ihren Wächtern auf, dass der Neuzugang die Nahrung verweigerte und sie immer schwächer wurde. Paolo die Venezia ordnete ihre Zwangsernährung an. Vorher zeigte er ihr noch wer der Herr war.
Hart riss er ihren Kopf an den Haaren zurück. „Hör mir genau zu, du bist ein Fliegenschiss unter meiner Sohle, aber ich verliere nicht gerne Ware. Selbst wenn ich sie für wenig Silberlinge bekommen habe. Entweder du ißt freiwillig oder du wirst von meinen Männern gefüttert. Also wofür entscheidest du dich?“
Wütend spuckte Anna ihm ins Gesicht, daraufhin wurde sie dermaßen verprügelt das sie nicht mehr auf ihren eigenen Beinen stehen konnte. Und als die Männer mit einem Brei aus aufgeweichtem Brot kamen und ihr dies einflößten, bis sie das Gefühl hatte ihr Bauch würde bersten, brach sie ohnmächtig zusammen. Danach lernte Anna schnell, dass es besser war zu tun was der Venezianer verlangte. Um auf keinen Fall als Lustsklavin verkauft zu werden beschmierte sie sich noch mehr mit Dreck, von ihrer einstigen Schönheit war nichts mehr zu erkennen. Wochenlang zogen sie von Stadt zu Stadt, zu Annas Erleichterung interessierte sich keiner für die magere kleine Sklavin, die kaum einen Holzeimer heben konnte. Wütend darüber, das Anna ihm nichts brachte, bekam sie hin und wieder ein paar Peitschenhiebe auf ihren zarten Körper, aber immer nur so stark das keine Narben entstanden. Anna stumpfte ab, auch wenn sie nackt vorgeführte wurde, konnte man keine Regung bei ihr erkennen. Fasste sie aber jemand an, dann fauchte sie und fletschte die Zähne, was die meisten Käufer abschreckte. Was wiederum bedeutete dass sie Schläge bekam, es war schon fast ein Ritual zwischen ihr und Paolo di Venezia.
 
Mehr als ein Jahr war sie schon in Gefangenschaft, nun hatten sie den Sklavenmarkt von Alexandretta erreicht. Sklaven waren verkauft und neue dazu gekommen. Freundschaft gab es nicht unter ihnen, trotzdem erzählte man sich manche Dinge, wenn die Langeweile zu groß wurde. Dadurch hatte sie Arabisch gelernt.
Es war früher Morgen und noch war nicht viel los auf dem Marktplatz. Es war wie in jeder Stadt, erst war es kühl und eine leichte Brise ging, das würde sich schon bald ändern wenn die Menschen auf den Markt kamen. Anna ließ träge den Blick schweifen, aus einer kleinen Gasse traten zwei Männer die sich lebhaft unterhielten. Einer klein und Blond, der andere groß und Dunkelhaarig. Sie lachten und scherzten miteinander. Der Dunkelhaarige erzählte etwas in einer Sprache die Anna nicht verstand, das machte sie neugierig. Die Stimme des Mannes war tief und klang etwas rau, seine Zähne blitzten weiß, während er erzählte. Der Kleinere von ihnen lachte herzhafte und gestikulierte wild mit seinen Händen. In der Nähe des Podestes auf dem Anna mit ihren Leidensgenossen kauerte, blickte der große Mann plötzlich auf und ihre Augen begegneten sich. Er kam ins Stocken und schien verwirrt, konnte den Blick seiner ungewöhnlichen Augen aber nicht abwenden. Dann waren sie vorbei gegangen und Anna riss sich von seinem Anblick los.

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BeitragThema: Re: Der MacGarrett Clan oder Ohana auf Schottisch   Sa März 22, 2014 10:45 pm


20.
 
Im Jahre des Herrn 1277, Dornie, schottische Highlands
 
Keiner sagte ein Wort, nachdem Anna ihre Geschichte erzählt hatte. Mit ihrem Rockzipfel tupfte sie sich die Tränen ab. Teilweise hatte sie kaum sprechen können, so sehr nahmen ihre Erinnerungen sie gefangen, besonders der Tod von Katharina. Steve hatte sie irgendwann auf seinen Schoß gezogen und ihr die Kraft zum Weitererzählen gegeben.
Den Männern konnte man die unfassbare Wut ansehen die sie bei Annas Erzählung empfanden, sie hatten ihre Hände zu Fäusten geballt und ihre Kiefermuskeln arbeiteten. Auch Kono konnte das gehörte kaum bewältigen.
„Wie hast du das überlebt Anna? Vor allem wie bist du einer Vergewaltigung entgangen?“, Kono sprach aus was die Männer dachten.
„Paolo di Venezia, war ein harter und oft gemeiner Mann, aber sehr auf seine Ware bedacht. Er hatte sich bestätigen lassen, dass ich noch Jungfrau bin. Und doch hat er mich nicht verkauft. Oft musste ich für seine Unterhaltung sorgen wenn wir unterwegs waren. Ich musste ihm vorlesen oder mit ihm Schach spielen. Er versuchte mit allen Tricks herauszufinden wer ich wirklich bin. Sein einziger Anhaltspunkt war ein Siegelring, den ich um den Hals trug als er mich kaufte. Alexandros hatte ihn übersehen.“
Anna zog eine feine Silberkette aus ihrem Mieder und über den Kopf. Sie legte den Siegelring auf den Tisch. Steve nahm ihn vorsichtig in die Hand und erkannte das Siegel mit dem sie ihren Brief an ihn versiegelt hatte.
„Das ist das Wappen meiner Familie, der Ring meines Vaters und alles was mir geblieben ist. Paolo gab ihn an Jakob weiter und der liebe Jakob gab ihn mir zurück. Ich habe keine Ahnung warum er mich so viele Monate behalten hat und dann doch an Jakob verkaufte. Ich habe einfach Glück gehabt. Wenigstens einmal. Jakob, Rahel und Saida haben mich wieder gelehrt zu vertrauen. Und diese beiden liebevollen Männer natürlich“, fügte sie leise hinzu.
Steves Arme schlossen sich fester um sie und Anna gab sich ganz der Umarmung und ihren schrecklichen Erinnerungen hin. Lautlos liefen Tränen über ihre Wangen, während Steve sie wiegte wie ein kleines Kind. Seine Augen schimmerten feucht und er versuchte den Kloß in seinem Hals loszuwerden.
Ohne dass die beiden etwas merkten zogen sich Kono und Danny zurück. Leise verließen sie die Kate und schwangen sich auf ihre Pferde. Erst, als sie sich etwas vom Haus entfernt hatten, stieß Danny einen wütenden Schrei aus und auch Kono ließ ihren Tränen freien Lauf.
„Oh Danny, und ich dachte wir hätten eine schwere Zeit gehabt, nachdem wir euch verloren hatten“, schluchzte Kono.
„Wir haben alle schlimmes durchgemacht, Kono. Aber von der eigenen Familie verraten zu werden, ist kaum zu ertragen. Steve und Anna scheinen füreinander bestimmt zu sein. Das Schicksal hat viele Umwege und einige Heiratskandidaten von Anna in Kauf genommen, damit die beiden zueinander finden“, Dannys makabrer Humor brachte ein Lächeln auf Konos Gesicht.
„Ich bin froh wenn der Pastor die Ehe besiegelt hat. Ich werde alles dafür tun, dass die beiden glücklich werden“, versprach Kono und Danny bestätigte es mit einem Nicken.
 
„Annag, bitte weine nicht mehr. Ich werde nicht zulassen, das dir je wieder ein Leid geschieht. Das schwöre ich bei meiner Ritterehre und meiner Liebe zu dir“, zärtlich küsste Steve ihre Tränen weg.
„Das weiß ich und dafür liebe ich dich“, Anna presste ihre Lippen auf Steves Mund und schlang ungestüm die Arme um seinen Hals. Sie wollte dem geliebten Mann ganz nah sein, um die Geister der Vergangenheit zu vertreiben. Bereitwillig öffnete sie die Lippen, als seine Zunge um Einlass bat und drängte ihren Körper an seinen. Steve stöhnte leise auf und strich zärtlich über ihre weichen Rundungen. Sie war immer noch zierlich und leicht wie eine Feder. Aber als er sie kennenlernte war sie mager und ausgezehrt gewesen, mit den Jahren hatte ihr Körper weibliche Rundungen bekommen und sie fühlten sich wundervoll an. So lange hatten beide ihr Verlangen nacheinander unterdrückt. Ungeduldig zerrte Anna an Steves Leinenhemd. Da diese Hemden ziemlich lang waren, fand sie kein Ende, um endlich seine Haut zu berühren. Kurz entschlossen faste sie an den schmalen Ausschnitt und riss sein Hemd auseinander.
„Mylady, ich weiß nicht was ich dazu sagen soll, das war mein Lieblingshemd“, ein schmutziges Grinsen entstand auf seinem attraktiven Gesicht.
„Ich habe es genäht, ich darf es kaputt machen, jetzt halt die Klappe und küss mich“, seine Zukünftige war kaum zu bremsen. Lachend hob er sie hoch, fegte das Geschirr vom Tisch und legte Anna darauf. Ihr Gewand war hochgerutscht und entblößte ihre schlanken Beine, die in wollenen Strümpfen steckten. Gierig streichelten Steves Hände über das kleine Stück Haut an den Oberschenkeln und weiter zu ihrem nackten Po. Ihre Haut fühlte sich an wie die teuerste chinesische Seide. Er fühlte sich wie im Himmel. Seine Erektion drückte fast Schmerzhaft gegen sein enge Lederhose. Anna stöhnte leise als sein Lippen und seine Zunge eine feuchte heiße Spur von ihrem Hals zu ihren Brüsten hinterließ.
„Steven, bitte …“, bettelte Anna. Dabei wusste sie nicht genau wonach sie bettelte. Ihr Körper stand in Flammen und verlangte nach Erlösung, von was auch immer. „Bitte Steve …“ wisperte sie wieder. Das brachte Steve wieder zur Besinnung. Um sie nicht zu erschrecken zog er sich langsam von ihr zurück. Schweratmend blieb er aber über sie gebeugt stehen und sah sie an. Ihr feines Gesicht hatte einen entrückten Ausdruck. Weil er sich nicht mehr bewegte und sie küsste, öffnete Anna verwirrt die Augen. Dunkelgrün und verhangen schimmerten sie ihm entgegen. Sie ist so schön, dachte Steve und lächelte sie liebevoll an.
„Ich liebe dich so sehr“, sagte er ganz leise. „Und ich will dich so sehr das es weh tut, doch wir werden erst heiraten, bevor ich dich ganz zu meiner Frau mache. Ich … wir haben so lange aufeinander gewartet, da machen die drei Tage auch nichts mehr aus.“
„Wirklich?“, Anna seufzte theatralisch. „Na gut, aber ich lasse es nicht mehr zu das Berta uns trennt. Und küssen muss drin sein. Verstanden?“
Steve lachte herzhaft und zog sie vom Tisch. „Ich denke küssen geht“, diese Lady überraschte ihn immer wieder.
 
In den letzten beiden Tagen waren so viele Hochzeitsgäste eingetroffen, dass das Schloss und die Nebengebäude fast aus den Nähten platzte. Es war gar nicht so einfach die Gäste unterzubringen, da je nach Rang, darauf geachtet werden musste in welchem Teil des Hauses sie einquartiert wurden. Daniels Mutter Clara und Cath, unterstützten Kono dabei nach allen Kräften. Anna und Steve war es verboten auch nur den kleinen Finger zu rühren, und doch sahen sie sich wenig. Steve ging mit den männlichen Gästen auf die Jagd und Anna saß mit den weiblichen Gästen zusammen, plauderte und machte Handarbeiten.
Ihr Kleid war fast fertig, Cath stickte noch feine Ranke aus zarten Gold- und Silberfäden an den Säumen entlang. Der Stoff bestand aus feinster mitternachtsblauer Seide. Den hatte Anna auf einem Markt in Italien gesehen und ihn Minutenlang bewundert und immer wieder durch ihre Finger gleiten lassen. Da er sehr teuer war hatte sie ihn dann doch nicht gekauft, sie hätte das Geld dafür gehabt, aber sie hatte nicht geglaubt jemals ein Kleid aus diesem edlen Stoff zu brauchen. Sie hatte nicht bemerkt das Angus und Adam sie beobachtet und Steve davon erzählt hatten. Wochen später, als sie in Schottland angekommen waren, hatte er ihr diesen Stoff geschenkt. Und nun, hatte sie mit Cath und Saida ihr Hochzeitskleid daraus genäht.
 
Einen Tag vor der Hochzeit kamen endlich Loriana und Chin an. In ihrer Begleitung Lady Campbell und Familie. Steve war fast schon beleidigt gewesen und hatte noch einen Boten geschickt. Jetzt erwartete er die Ankunft von ihnen am Fuß der Brücke, der Späher hatte sie vor kurzem angekündigt. An seiner Seite Daniel, sichtlich nervös. Steve warf ihm einen Blick zu, er konnte seinen Freund gut verstehen und wusste wie er sich fühlte.
„Dànaidh, ich habe kein Recht dir zusagen was du tun sollst, ich bin schließlich kein gutes Vorbild. Darf ich dir trotzdem sagen, dass du versuchen sollst ruhig zu bleiben und Loriana freundlich und mit offenen Armen begrüßt?“
Danny sah seinem Freund lange in die Augen. Soviel Angst stand darin, dass Steve das Herz wehtat. Ohne ein weiteres Wort legte er Danny eine Hand auf die Schulter und drückte sie sanft. Beide richteten ihre Augen wieder zu den Ankömmlingen, die jetzt die steinerne Brücke überquerten.
In dem Moment, als sie den Innenhof erreichten, riss die Wolkendecke auf und ein Sonnenstrahl viel auf Eilean Donan Castle und ließ Lorianas rotes Haar aufleuchten. Danny seufzte leise und konnte sich kaum von dem Anblick lösen. Ein leichter Schubser von seinem Freund, sorgte dafür dass er sich in Bewegung setzte und zu ihr trat.
„Darf ich euch vom Pferd helfen, meine Prinzessin?“, sagte er leise, sodass nur Loriana ihn hören konnte. Überrascht sah sie ihn an und hielt inne. Auch sie bekam einen dezenten Schubser und reagierte dann erst.
„Ja gerne, Sir Daniel!“, war die sanfte Antwort. Danny versuchte sich seine Überraschung auch nicht anmerken zu lassen, streckte Lori die Arme entgegen und umfasste ihre schlanke Taille. Langsam stellte er sie auf die Füße, keine Sekunde die Augen von ihrem Gesicht nehmend. Etwas länger als nötig lagen seine Hände auf ihr. Erst Steves Begrüßung veranlasste ihn sie loszulassen.
„Hallo meine kleine wilde Mongolin, schön dass du wieder zu Hause bist“, Steve drückte sie feste an sich und Lori lachte laut auf. Auch Chin wurde herzlich willkommen geheißen.
„Steve, darf ich die Lady Campbell vorstellen“, sagte Loriana und zeigte auf eine hübsche Frau, der Chin gerade vom Pferd half. Sie hielt ein kleines Bündel in den Armen
„Lady Campbell, es freut mich sehr sie und ihre Familie wohlauf zusehen.“
„Sir MacGarrett, wir haben ihnen und ihrem Clan zu danken, das wir wohlauf sind.“
Verlegen winkte der große Ritter ab und führte die Dame zum Haus. Auf den Stufen warteten Anna und Kono um die neuen Gäste zu begrüßen.
„Lady Campbell, darf ich euch meine zukünftige Frau vorstellen!“, man hörte den stolz in seiner Stimme. „Und Lady Kono, sie ist mit Loriana und Chin verwandt aber für mich ist sie auch wie eine kleine Schwester. Mein ganzer Clan ist ein großer zusammengewürfelter Haufen und es wäre mir eine Ehre ihren Clan auch zu meiner Familie zu zählen“, fügte er leise an. Die junge Frau mit dem Baby im Arm blinzelte leicht, soviel Freundlichkeit hatte sie nicht von dem Earl of Dorrant und Skye erwartet. Offensichtlich war er aber ein äußerst großherziger Mensch.
Nachdem Anna auch Lori und Chin begrüßt hatte führte sie die etwas sprachlose Jane Campbell ins Haus. Sie plauderte und bewunderte das Baby, sodass sich die Dame von der Begrüßung erholen konnte.
Steve hatte Chin zurückgehalten weil er mit ihm reden wollte. Loriana blieb unschlüssig bei ihnen stehen, genauso wie Danny. Beide starrten auf ihre Schuhspitzen und sahen beide äußerst desinteressiert aus. Der dunkelhaarige und der asiatische Ritter verdrehten die Augen.
„Chin, ich muss dir etwas zeigen, komm mit. Lori, durch die ganzen Gäste bedingt, musst die nächsten Tage zusammen mit Catherine das Gemach teilen, ich hoffe das ist kein Problem. Danny zeig ihr doch welches Zimmer.“
Schnell zog Steve Chin am Arm und verschwand mit ihm um die nächste Ecke. Dort hielten sie an lachten herzhaft.
„Chin, schön das ihr wieder hier seid. Ich habe euch wirklich vermisst und es ist so viel geschehen“, Steve umarmte seinen Freund noch einmal kräftig.
„Ja, es wurde Zeit nach Hause zu kommen und es war nicht leicht Lori zu überzeugen. Hoffen wir das Danny und sie es hinbekommen. Sonst werden wir wahrscheinlich unser neues zu Hause verlassen müssen.“
„Danny schafft das, mach dir keine Sorgen. Er hat sich endlich eingestanden das er sie liebt.“
Mit den Beinen baumelnd saßen die Männer auf einer kleinen Mauer. Steve erzählte Chin alles was in den letzten Wochen geschehen war.
„Laird?“, einer der Stallknechte war zu ihnen getreten und schien etwas aufgeregt.
„Was ist Junge?“
„Sir, Trojan und Mable sind abgehauen. Wir hatten sie auf die Wiese geführt um sie zu striegeln und dann sind sie durchgebrannt. Es tut mir leid, Herr!“, der Kleine sah ängstlich zu seinem Herrn. Er war einer der Kinder von den Geächteten.
Durch die ganzen Vorbereitungen für die Hochzeit und die Gäste, hatte Steve vergessen den Stallburschen zu sagen, das Trojan und Mable getrennt werden mussten, denn Mable war rossig.
„Ist schon in Ordnung, Petey. Die beiden kommen auch wieder zurück. Geh zurück an deine Arbeit und mach dir keine Gedanken“, Steve strubbelte ihm die Haare und lächelte aufmunternd.
„Hoffentlich ist der verdammte Gaul bis Morgen zurück“, murmelte Steve. Chin lachte nur.
 
Am Abend vor der Hochzeit waren alle Gäste angekommen, in der großen Wohnhalle ging es hoch her und es herrschte ausgelassene Stimmung. Das Essen war jetzt schon reichhaltig und üppig. Würde sich am Tag der Hochzeit noch um einiges steigern. Auf der Wiese direkt am Ufer des Loch, waren große Feuerstellen aufgebaut worden, daran würden ab morgenfrüh ein Ochse und mehrere Schweine und Geflügel an Spießen hängen. Alle Arten von Speisen würden gereicht werden, Spezialitäten aus den Ländern, in denen die Ritter gelebt hatten.
Saida, Idris und Berta waren dafür verantwortlich. Fast alle Frauen aus dem Dorf halfen bei der Vorbereitung und in der großen Küche wurde Tag und Nacht gearbeitet. Schließlich hatten sie gut 300 Menschen zu bewirten.
Er fühlte eine Woge der Zufriedenheit durch seinen Körper laufen. Steves Augen schweiften über seine Gäste und seine große zusammengewürfelte Familie. Alle lachten und schwatzten miteinander, es war ein Schmelztiegel der verschiedenster Menschen und ihrer Religionen. Natürlich wusste er, dass dies etwas Besonderes war. Nicht selbstverständlich. Doch er würde sich immer dafür einsetzen, mit Leib und Seele, dass es so blieb.
Dann blieb sein Blick an Danny und seiner Familie hängen und ein feines Lächeln huschte über sein Gesicht. Danny hatte Loriana seinen Eltern und Geschwistern vorgestellt und dabei ihre Hand festgehalten. Steve hatte sehen können, dass Loriana vor Aufregung fast Ohnmächtig geworden wäre, da sie ohne jede Vorwarnung Dannys Leute kennenlernte. Die Williams´ waren eine liebevolle Familie und Loriana wurde herzlich aufgenommen. Sein Blick schweifte weiter und blieb dann überrascht an Catherine und Angus hängen. Catherines Wangen hatten eine zartrosa Färbung angenommen und sie lauschte Aufmerksam dem was Angus ihr erzählte. Auch sein Hauptmann war ein bisschen rotgesichtig und sein Hand zitterte etwas als er seinen Becher zum Mund hob. Das war ja interessant!
Steve hoffte das Catherine den Mut hatte, endlich dem werben eines Mannes nachzugeben. Er verdrängte die schlechten Erinnerungen, heute wollte er nicht darüber nachdenken. Als seine Augen Kono und Adam erreichten, seufzte er leise. Adam wusste nicht um Konos Eid und war frustriert über ihr Verhalten. Er hatte Steve gefragt ob er um sie werben dürfe und Steve hatte ihm geantwortet, dass er Chin zu fragen hätte, da er ihr Bruder war, er seinen Segen aber hätte. Es stand Steve nicht zu Adam von dem Eid zu erzählen.
Schließlich erreichten seine Augen Chin, der sich angeregt mit Lord Rollins unterhielt. Für Chin mussten sie auch eine Frau finden, war sein Gedanke.
Anna hatte Steve beobachtet und diesen zufriedenen und glücklichen Ausdruck auf seinem Gesicht gesehen. So entspannt war er noch nie gewesen und eine Welle des Glücks strömte durch ihren Körper. Sie tastete nach seiner Hand und drückte sie sanft. Steve drehte den Kopf zu Anna und strahlte sie an, beugte sich zu ihr und drückte ihr einen sanften Kuss auf die Wange.
 
Die kleine Dorfkirche war bis zum Bersten gefüllt, nur der Mittelgang war noch frei und der würde sich auch füllen, sobald Anna in die Kirche geführt wurde. Noch murmelten die Menschen leise miteinander und beobachteten den Bräutigam. Dieser trat von einem Bein aufs andere und hibbelte so nervös vor dem Altar auf und ab, wartete darauf, dass seine Braut endlich kam. Danny hatte ihm beruhigend eine Hand auf die Schulter gelegt, denn er erinnerte sich, wie nervös er bei seiner Hochzeit gewesen war.
Leise spielte der Dudelsack auf und Steve hob den Kopf und starrte in die Richtung des Eingangs der Kirche. Erst konnte er nur die Silhouette von zwei Personen erkennen. Und dann erkannte er Tavish, der Anna durch den Mittelgang führte. Der große alte Schotte, war in seinen besten Tartan gehüllt und hielt stolz Annas Arm auf seinem.
Steve hielt die Luft an. Endlich war es soweit und seine Anna war so wunderschön. Er hatte das Gefühl seine Augen würden gleich überlaufen und eine Gänsehaut lief seinen Rücken hinab. Tausende von Ameisen krabbelten in seinem Bauch. Und die beiden gingen viel zu langsam. Am liebsten hätte er sie an den Altar gezerrt. Doch er warte Haltung.
Annas Kleid brachte ihre Augen zum Strahlen, am Morgen hatte sie die letzten Stiche an ihrem Kleid selbst gemacht. Das sollte Glück bringen hatten Cath und Berta gesagt. Über eine Schulter hatte sie auch ein leichtes Plaid in den Clanfarben der MacGarretts drapiert. Auf dem Kopf trug sie einen geflochtenen Kranz aus Wald und Wiesenblumen, der wunderschön zu ihrem langen Haar passte, das sie offen trug.
Aber auch Steve sah hinreißend aus. In den Farben der MacGarretts gekleidet, blauer und grauer Tartan, der auch die Farbe seiner Augen hervorhob. Dazu ein weißes Seidenhemd, über das das Ende des Plaids drapiert war, befestigt mit einer silbernen Fibel mit dem Wappen der Familie. An einem schweren Silbergürtel ein reich verzierter Sporran und ein elegantes Schwert. Anna seufzte leise und in freudiger Erwartung.
Endlich am Altar angekommen übergab Tavish die junge Frau an Steve, der sie mit seinem schönsten und strahlendsten Lächeln entgegennahm.
Beide wandten sich zu dem kleinen runden Priester, der sie mit einem freundlichen Lächeln ansah.
„Es hat ein bisschen gebraucht, bis diese beiden Menschenkinder zueinander gefunden haben“, Steve nickte heftig und machte mit der Hand eine Bewegung, damit der Priester schneller redete. Anna stieß Steve den Ellbogen in die Seite, Danny schnaubte. Kono die an Annas Seite stand, grunzte leise. Doch Vater Geoffrey ließ sich nicht aus der Ruhe bringen und sprach weiter. Steves Nasenflügel bebten vor Ungeduld. Endlich war es soweit das der Priester die Frage der Fragen stellte.
„Willst du Steven John MacGarr…“
„JA, ich will!“
„Ich war noch nicht fertig, Steven!“
„Entschuldigung.“
„Willst du Steven John MacGarrett, die hier anwesende Anna Juliana zu deiner …“
„Jaa, ich will … immer noch!“, leises unterdrücktes Kichern aus den Reihen hinter ihnen.
Danny der leise murmelte: „Höhlenmensch“ und Anna die undamenhafte Töne ausstieß.
„Was denn? Ich will doch. Noch niemand hat so sehr `Ich will´ gewollt wie ich, `Ich will´, will. Ehrlich! Ich will ganz doll. JA, ICH WILL!“, das alles ohne irgendeine Miene zu verziehen, um dann stolz lächelnd Anna anzusehen.
Anna hatte alle Mühe sich ernst zu halten. Auch hinter ihnen wurde das Lachen nicht mehr unterdrückt.
„Gut, dass wir das geklärt haben, Steven. Vater, ich will auch `Ich will´, genauso doll wie er. Kommen sie zum Schluss“, drängte Anna den Priester. Dieser hielt sich schwer zurück, er war nicht sicher ober er lachen oder empört sein sollte.
„Nun gut, wenn alle `Ich will´ wollen“, dabei warf er einen Blick auf die Gemeinde. Steve drehte kurz den Kopf und warf tödliche Blicke zu den Anwesenden, damit sich auch keiner wagte irgendetwas zu sagen. „was kann ich dann noch sagen, dann will ich auch. Steven und Anna, ich erkläre euch hiermit zu Mann und Frau. Was Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht trennen. Nun steck ihr schon den Ring an den Finger, Steve du darfst deine Braut küs…“, Vater Geoffrey hatte die letzten Worte regelrecht runtergerasselt und verdrehte nun die Augen, lachte dann herzhaft mit der ganzen Gemeinde. So eine schnelle Trauung hatte er noch nie vorgenommen.
Steve und Anna vergaßen die Welt um sich herum. Bis sie von ihren Freunden und Familie aus der Kirche gedrängt wurden. Blumen regneten auf sie nieder und lachende Menschen begleiteten sie. Da es bis zum Schloss nicht weit war, setze sich die Hochzeitsgesellschaft zu Fuß in Bewegung. Nur das frisch getraute Ehepaar wurde von Trojan erwartet, der mit Blumen geschmückt und hoch erhobenem Haupt auf seinen Herrn wartete. Bevor Steve Anna auf Trojan hob, warf er eine Handvoll kleiner Münzen in die Luft auf die sich dann die Kinder stürzten, und schwang sich dann hinter ihr in den Sattel.
„Sollen wir sofort durchbrennen oder willst du noch auf unserer Hochzeitsfeier erscheinen?“
„Lord Rollins hat mir einen Tanz versprochen, tut mir leid Sir, da kann ich nicht widerstehen.“
Steve kniff die Augen zusammen und sah seine Frau an, die sich nicht lange ernst halten konnte und lachte.
„Lady MacGarrett, wir sind erst wenige Minuten verheiratet und ihr sprecht schon davon mit einem anderen Mann zu tanzen“, er schürzte die Lippen und dann küsste er sie bis Anna die Luft wegblieb.

Stunden später stahlen sie sich von dem rauschenden Fest weg. Tavish wartete schon um sie nach Skye zu bringen. In einem kleinen Herrenhaus wollten sie die nächsten Tage verbringen, alleine. Keine Diener, keine Wachen. Sie waren noch nie ganz alleine und sie freuten sich darauf.


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BeitragThema: Re: Der MacGarrett Clan oder Ohana auf Schottisch   Mi März 26, 2014 11:59 am

Noch ein bisschen Fluff ...


21.
 
Ein Feuer prasselte im Kamin und verströmte eine angenehme Wärme im Zimmer. Offensichtlich hatte jemand dafür gesorgt, dass sie nicht in ein kaltes Haus kamen. Essen und Trinken stand bereit, frische Blumen und eine große Wanne war mit heißem Wasser gefüllt.
„Ich dachte hier sind keine Diener?“
„Wir sind alleine, doch habe ich dafür gesorgt dass wir heute alles haben was wir brauchen.“
Zärtlich sah Steve seine Anna an. Seine Frau! Er konnte sein Glück kaum fassen, das sie endlich zusammen gehörten.
„Möchtest du zuerst baden?“, fragte er leise. Steve hatte bemerkt, dass Anna auf einmal errötete und verlegen von einem Fuß auf den anderen trat. „Ich kann dich dafür alleine lassen, wenn du möchtest?“, das würde ihm zwar nicht wirklich gefallen, aber um ihr die Angst zu nehmen würde er es tun. Schließlich war sie noch unschuldig. Auch wenn sie vor ein paar Tagen recht forsch gewesen war. Die Situation jetzt war anders.
„Ja … nein … ich meine …“, verlegen verstummte Anna und starrte auf ihre Fußspitzen. Es war ihr peinlich, jetzt Panik zu bekommen.
Mit zwei Schritten war Steve bei ihr und zog Anna in seine Arme und setzte sich mit ihr auf den bequemen Sessel am Kamin.
„Hör zu Annag, wir machen nichts wozu du nicht bereit bist. Einverstanden? Hast du Angst vor mir?“
„Nein!“, ihre Stimme klang empört. „Wie kommst du denn darauf? Ich vertraue dir, Steven. Du hast mir nie einen Grund gegeben Angst vor dir zu haben. Ich bin nur ein bisschen aufgeregt. Du bist ein erfahrener Mann, was ist wenn ich dir nicht bieten kann was du brauchst?“
Jetzt war es an Steve empört zu schnauben. „Für mich ist das auch ein erstes Mal, Annag. Ich habe noch nie mit einer Jungfrau geschlafen. Außerdem habe ich schon ziemlich lange nicht mehr mit einer Frau geschlafen. Ungefähr seit wir uns kennen.“
„Wirklich? Warum nicht? Ich meine ich habe keine Erfahrung, aber Männer haben doch diese Bedürfnisse … hab ich gehört“, murmelte sie mit rosa verfärbten Wangen. Steve lächelte verhalten.
„Das stimmt schon, aber nicht jeder Mann gibt jedem Drängen seines Körpers nach. Besonders nicht wenn er verliebt ist. Auch wenn ich es damals verdrängt habe, so hat mein Herz doch schon gewusst wie sehr ich die liebe. Einmal bin ich schwach geworden, da hatten wir uns wieder einmal gestritten. Da warst du erst ein paar Wochen in Aleppo. Du hast eine ziemlich spitze Zunge und ich war verletzt, ich weiß nicht einmal mehr worum es ging, da habe ich Trost gesucht und kam mir danach wie ein Schwein vor“, Steve verstummte und sah seine Frau offen an. Anna hob die Hand strich zärtlich über seine Wange.
„Es tut mir leid dass ich dich verletzt habe“, flüsterte sie. Ganzlangsam senkte Steve seinen Kopf und berührte Annas Lippen, es war ein sanfter Kuss, voller Liebe und Vertrauen.
„Geh jetzt baden, bevor das Wasser zu kalt wird. Ich schließe alles ab“, er hob sie von seinem Schoß und wollte das Zimmer verlassen, doch Anna hielt ihn fest. Langsam schwand ihre Angst und Verlegenheit.
„Nein, bleib.“
„Bist du sicher?“, Anna nickte. „Aber abschließen muss ich trotzdem. Es dauerte nicht lange“, schnell verließ er ihr Gemach und war wenige Minuten später zurück. Anna hatte sich nicht von der Stelle gerührt.
„Ich … kannst du dich zuerst ausziehen … bitte?“, mit der Zunge leckte Anna sich nervös über die Lippen.
„Ja.“
Zuerst waren die Stiefel aus weichem Leder dran, die dicken wollenen Strümpfe folgten. Die silberne Fibel, die das Ende des Plaids auf seiner breiten Schulter hielt, danach der schwere Gürtel mit Schwert und Sporran. Dadurch fiel das schere Tuch seines Plaid zu seinen Füßen. Die ganze Zeit sah er dabei Anna an. Die jede seiner Bewegungen in sich aufnahm. Das erregte ihn. Jetzt griff er zum Saum seines seidenen Hemdes und zog es langsam über den Kopf. Nackt wie Gott ihn geschaffen hatte stand er jetzt vor Anna. Nackt und erregt. Das machte ihn ein bisschen verlegen, das verging aber schnell als er den begehrlichen Blick seiner Frau auf sich fühlte. Keine Einzelheit schien den grünen Augen zu entgegen. Steve blieb ganz ruhig stehen und ließ sie seinen Körper mit den Augen erkunden.
Ihr Mund war wie ausgedörrt, als ihr Mann jetzt vollkommen nackt vor ihr stand. Dabei kannte sie seinen Körper doch schon. Schließlich hatte sie ihn gepflegt und gewaschen. Doch jetzt war es anders. Er war vital und kraftvoll. Seine breiten Schultern waren beeindruckend, jeder Muskel zeichnete sich unter seiner Haut ab. Er hatte einen mächtigen Brustkorb und sein Bauch bestand aus Muskeln. Feines Haar bedeckte seine Brust, ließ den Bauch frei und ab dem Bauchnabel führte eine schmale Spur runter zu seinem … Oh mein Gott … war ihr erster Gedanke. Es war ziemlich beeindruckend was da kraftstrotzend vor seinem Bauch stand. Zuckte das etwa? So groß hatte sie das nicht in Erinnerung. Ihre Hand führte plötzlich ein Eigenleben und strich ganz sanft über die Unterseite seiner Männlichkeit. Wieder zuckte es und sie hörte ein raues Stöhnen. Mutiger und neugieriger geworden umfasste ihre kleine Hand Steves Erektion. Es fühlte sich hart an und gleichzeitig war die Haut samtweich. Als sie wieder dieses unterdrückte Stöhnen hörte, schaute sie auf und in das Gesicht von Steve. Er sah merkwürdig verkrampft aus, als ob er Schmerzen hätte.
„Tut das weh?“
„Nein …“, kam es gepresst aus seinem Mund. Fast hätte er gelacht, auch war er etwas fassungslos wie mutig und neugierig sie in erkundete.
„Aber du siehst so aus“, unbewusst hatte sie angefangen ihre Hand zu bewegen und die andere streichelte seinen Bauch. Die Muskeln zuckten unkontrolliert unter ihrer Hand.
„Anna … es tut nicht weh. Es ist sehr schön, aber hör auf deine Hand zu bewegen, sonst ist unsere Hochzeitsnacht vorbei, bevor sie angefangen hat. Was du machst ist sehr erregend und es …bringt …mich … um…, aye“, kam es gepresst aus seinem Mund.
„Oh … weißt du, ich hab´ DAS DA nicht so groß in Erinnerung“, sagte sie interessiert und hörte nicht auf ihn weiter zu streicheln. Sie selbst fühlte in ihrem Bauch ein heißes Gefühl das bis in ihren Schoß zog und sie glaubte feucht zwischen ihren Schenkeln zu sein, wie vor ein paar Tagen. Das war alles so … so interessant!
„Wieso weißt du wie DAS DA aussieht?“, warum hielt sie die Finger nicht still?
„Ich habe dich gepflegt, als du vergiftet wurdest. Ich habe dich gewaschen und …“, jetzt bekam sie rote Ohren, weil sie seinen Körper ziemlich genau betrachtet hatte und das nicht wie eine Krankenpflegerin.
„Sieh mal einer an. Nun, du bist daran schuld das DAS DA, wie du es nennst, so groß ist. Du erregst mich und wenn du nicht aufhörst an meinem Schwanz rum zu reiben, komme ich in deiner Hand“, keuchte Steve.
Als ob sie sich verbrannt hätte öffnete sie die Hand und gab Steve frei. Verunsichert sah sie ihn an. Steve lachte leise.
„Du kannst meinen Körper noch erkunden so viel du willst, Geliebte. Aber nicht jetzt, sonst verliere ich meine ganze Beherrschung und das will ich nicht. Dies ist deine Nacht“, Steve war an sie ran getreten und küsste sie ungestüm. Dann fing er an die Bänder an ihrem Kleid zu lösen und zog sie behutsam aus, bis zu nur noch in ihrem Leibchen und den feinen Strümpfen vor ihm stand. Er erahnte ihren zarten Körper mit den sanften Rundungen darunter, ihre Haut war weich und sie dufte wie immer nach Kräutern und Blumen. Ihre Brustspritzen hatten sich aufgerichtet und drückten durch die weiche Seide des Unterhemdes.
„Du bist so schön“, murmelte Steve während er sie küsste. Seine Finger streichelten ihre Schultern und Arme. Er drehte sie mit dem Rücken zu sich und zog ihr das Leibchen über den Kopf. So stand sie nicht direkt in seinem Blick und brauchte nicht verlegen werden. Langsam zog er sie an sich, fühlte ihren Po und Rücken an seinem Körper. Sein Mund berührte ihre Schultern, küssten ihre Halsbeuge und Nacken. Vorsichtig fuhren seine Hände über ihre Hüften und Bauch um dann zärtlich ihre vollen Brüste zu umfassen. Alles begleitet von zärtlichen Liebesworten in gälischer Sprache.
Anna glaubte dass ihre Beine jeden Augenblick nachgeben würden. So hatte sie sich das in ihren kühnsten Träumen nicht vorgestellt. Sie genoss Steves Berührungen, ihr Atem beschleunigte sich und ihr Kopf fiel an seine Schulter.
„Fühlt sich das immer so an?“, kam es ganz leise von ihr.
„Es wird noch besser. Das ist erst der Anfang“, Steve Stimme zitterte vor Anspannung. Anna erschauerte während Steves eine Hand über ihren Bauch glitt und dann die glatte Haut ihres Venushügels berührte, hielt er sie mit dem anderen Arm umfangen. Vorsichtig glitten seine Finger tiefer berührten ihre intimste Stelle.
„Oh … ohh … Steve … bitte“
„Was möchtest du das ich tue, Annag?“, fragte er sanft.
„Ich … weiß nicht. Ich habe das Gefühl ich explodiere gleich und doch nicht?!“, sie war verwirrt. Alleine seine Berührungen machten sie ganz schwach und kribbelig und schwach und … aber es war nicht genug. Saida hatte ihr einiges erklärt, was geschehen würde und das es zuerst schmerzte. Aber es tat nicht weh, und auf dieses Wirrwarr in ihr hatte sie sie nicht vorbereitet. Auch hatte sie von anderen Frauen gehört, dass sie es hassten und es nur als ihre Pflicht ansahen. Es war schon schön was Steve tat, doch es verwirrte sie und sie hasste es verwirrt zu sein.
„Können wir es nicht hinter uns bringen?“, fragte sie vorsichtig.
Die Hände die sie gerade noch so zärtlich streichelten, hielten inne. Sie spürte wie Steve sich aufrichtete und die Luft ausstieß.
„Es hinter uns bringen? Was meinst du damit?“, er hatte sie zu sich rumgedreht und sah sie mit gerunzelten Brauen an.
Ohoh, so sah er aus wenn ihm etwas nicht passte oder er wütend war. Sie zuckte kaum merklich zusammen.
Steve entging das nicht. Kurz schloss er die Augen und versuchte zu entspannen. Wer wusste schon, was ihr die Frauen alles erzählt hatten. Seine Anna war zwar eine aufgeschlossene und intelligente Frau, hatte vieles durchgemacht in ihrem Leben. War aber eigentlich, bis auf das Jahr der Gefangenschaft, ziemlich behütet gewesen. Als Prinzessin erzogen, hatte man sie bestimmt nicht, wie Kono und Lori in die Geheimnisse der körperlichen Liebe eingewiesen. Und bei den zwei jungen Damen war das auch nicht wirklich von Erfolg gekrönt gewesen. Jetzt fing ihre Unterlippe an zu zittern.
„He Liebes, nicht weinen. Entschuldige wenn ich schroff geklungen habe. Ich wollte dich nicht verletzen“, Steve hob ihr Leibchen auf und zog es ihr über, nahm sich sein Hemd und zog es ebenfalls über seinen Körper.
„Bist du böse auf mich? Und sind wir schon fertig?“, jetzt war sie vollends verwirrt und ein bisschen frustriert.
„Nein, ich bin nicht böse auf dich, aber wir sollten uns unterhalten.“, antwortete Steve ruhig, ging zum Tisch und goss ihnen jeder ein Glas Wein ein und reichte ihr eins. Mit zittrigen Fingern nahm sie es entgegen und schüttete es mit zwei Schlucken in sich. Steve hob nur eine Augenbraue und schenkte ihr nach. Dann ging er zum Bett und bedeutete ihr mit zukommen. Er setzte sich mit dem Rücken angelehnt an das Oberteil, schob sie eines der Kissen in den Rücken und blickte Anna an.
„Komm, setzt dich zwischen meine Beine und lehn dich an mich.“
Anna zögerte nur kurz und tat dann was ihr Ehemann verlangte. Zuerst noch ein bisschen steif, genoss sie aber schnell die Wärme die von Steve ausströmte und kuschelte sich an ihn. Das war schön und beruhigend. Jeder nippte an seinem Wein und genossen die Stille. Steve wollte ihr noch einen Augenblick Zeit lassen, bis sie sich beruhigt hatte. Und er sich auch.
„Vor ein paar Tagen in der Kate, hatte ich nicht den Eindruck, dass es dir unangenehm ist. Du konntest kaum erwarten dass ich mit dir schlafe. Und gerade eben hast du sehr interessiert meinen Körper erkundet. Was hat sich verändert?“
Ja, was war anders?
„Es ist mir auch nicht unangenehm oder doch? Ich bin so verwirrt, Steven. Saida hat mir alles erklärt, glaube ich. Und man hört ja immer was, du weißt schon, wenn Frauen zusammen sitzen wird getratscht. Die eine sagt, sie hasst es und macht es nur weil sie muss, die andere sagt …“, sie hatte hochrote Wangen.
Während sie erzählte, was die Frauen bei den Handarbeiten von sich gegeben hatten, braute sich ein tiefes Lachen in seiner Brust auf.
„… und das hat mich alles so verwirrt und ich hasse es verwirrt zu sein. Und diese Gefühle in meinem Körper, mit war so heiß und trotzdem habe ich eine Gänsehaut. Du hast gesagt es wird noch besser. Wie kann es noch besser werden, wenn mein Körper schon fast explodiert …“, das plötzliche tiefe Lachen von Steve ließ sie inne halten. „Findest du das lustig?“, fauchte sie.
Ohne ihr eine Antwort zu geben nahm er ihr das Glas aus der Hand und stellte beide Gläser auf den Boden.
„Ich finde es nicht lustig, es ist wundervoll. Zieh dich wieder aus meine süße Lustsklavin, jetzt bringen wir es hinter uns, jedoch wird es die ganze Nacht dauern, aye.“
Steve riss sich sein Hemd über den Kopf und stürzte sich lachend auf seine Frau. Diese kreischte erschrocken auf und musste dann auch lachen, über sich, über ihren Mann, über diese Situation. Schnell verwandelte sich ihr Lachen in leises Stöhnen. Wenig später in Betteln … und als die Sterne explodierten wusste sie, dass sich das warten und die Verwirrung gelohnt hatte.
 

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BeitragThema: Re: Der MacGarrett Clan oder Ohana auf Schottisch   Di Apr 01, 2014 7:04 pm


22.
 
Währenddessen wurde auf Eilean Donan Castle noch gelacht, getanzt, getrunken und gegessen. Noch nie hatte dies Schloss so ein ausgelassenes Fest erlebt. Danny sah sich um und sah nur freundliche und lachende Menschen. Familie und Freunde. Hier war er zu Hause, auch wenn dies nicht von Geburt sein zu Hause war. Jedoch hatte Steve nie ein Hehl daraus gemacht, das Danny genauso viel Anteil an dem Erfolg der letzten Jahre an Eilean Donan Castle und Dornie hatte, wie er. Offiziell war Steve der Earl of Dorrant and Skye, doch vertraglich hatten sie beide festgelegt das das Land ihnen gemeinsam gehörte. Ohne Dannys Hilfe und ihrem gemeinsamen Vermögen, hätten sie es nicht geschafft, das Land wieder ertragreich zumachen. Danny war stolz auf sich und das zu Recht. Er ein zweiter Sohn, der nur wenig gehabt hatte, war ein reicher Ritter und Landbesitzer. Die Ländereien in Frankreich und Italien gehörten ihm auch, zusammen mit Steve. Auch das hatten sie so festgelegt. Die Ländereien hatte er von Jakob geerbt, und sie gehörten eigentlich Grace. Aus Gründen der Sicherheit, falls ihm etwas zustoßen sollte, war Steve der Mitbesitzer und Graces Vormund.
Danny sah sich nach seinem Äffchen um. Er entdeckte sie auf Chins Füßen, der mit ihr tanzte. Grace noch nicht ganz vier Jahre alt, war ein kleiner Wirbelwind und konnte das ganze Schloss auf Trab halten.
Er liebte dieses kleine Mädchen so sehr, das es manchmal schmerzte. Sie sah ihrer Mutter unglaublich ähnlich, das dunkle Haar und die schönen braunen Augen, die zierliche Gestalt. Grace war durch und durch ein Mädchen, mochte glitzernden Tand und hübsche Kleider. Jedoch steckte genauso ein Lausejunge in ihr. Sie war den ganzen Tag unterwegs mit einem der Ritter oder lief den Stalljungen hinterher. Oft genug musste sie aus einem der Bäume gerettet werden und ihre Hände und Knie wiesen Schrammen und vor allem Schmutz auf. Meistens waren ihre Kleidchen zerrissen. Das brachte Berta schier zur Verzweiflung. Graces Mutterersatz war Anna, sie hatte sie vom Tag ihrer Geburt an geliebt und ihr die Mutterliebe gegeben die so ein kleines Mädchen brauchte. Danny war sich sicher, dass sich dies auch nie ändern würde. Selbst dann nicht, wenn Anna und Steve eigene Kinder bekamen. Und Steve liebte sein kleines Mädchen auch.
Seine Augen schweiften weiter über die Menschen und blieben an Catherine und Angus hängen. Ihm würde es gut gefallen, wenn die beiden zueinander finden würden. Catherine war für Steve und ihn wie eine kleine Schwester. Aus dem ungelenken frechen Mädchen mit den langen Zöpfen, war eine schöne junge Frau geworden.
Steve hatte irgendwann um sie geworben, als er in das Alter kam eine Familie zu Gründen. Danny wusste, dass Steve sie mochte, aber nie wirklich in sie verliebt gewesen war. Catherine ging es ähnlich, und ihre Familien hätten es gerne gesehen. Cath hatte auch zuerst das leise werben um sie angenommen, doch dann war Sir William Williams Harrington aufgetaucht, Daniels zwei Jahre älterer Cousin Billy, Erbe des Dukes of Harrington. Cath kannte ihn auch aus ihrer Kindheit, doch durch den Altersunterschied, hatte er das kleine Mädchen mit den langen Zöpfen nicht eines Blickes gewürdigt. Er hatte ja noch nicht mal seinen Cousin oder Steve beachtet. 
Billy kam, sah und siegte. Er eroberte Catherines Herz im Sturm. Schnell wurden die Verlobungsverträge aufgesetzt. Cath war ja schon sechzehn Jahre alt und es sollte so bald wie möglich geheiratet werden. Da sie ja sowieso bald heiraten würden, bedrängte Billy Cath solange bis sie ihm, noch vor der Ehe, ihre Jungfräulichkeit schenkte. Danach ließ er sich Wochenlang nicht sehen. Irgendwann erfuhr Sir Malcom, Caths Vater, dass er um eine andere Frau warb. Die Tochter des Duke of Worrington, war eine bessere Partie, als seine kleine Catherine, deren Herz zerbrach. Der Duke of Harrington, zahlte eine Strafe für seinen Sohn und die Sache war erledigt. Es kamen noch einige Männer die um Cath warben, doch sie wies alle ab. Sie war entehrt und das sollte niemand erfahren.
Steve und Danny waren die einzigen, die alle Einzelheiten der Geschichte kannten, beide jungen Männer wollten Billy damals zum Kampf um Caths Ehre herausfordern, doch sie wollte das nicht. Sie befürchtete, dass ihre Schande ans Tageslicht kam. Noch ein Punkt auf der Liste, die gegen seinen Cousin stand. Steve und er hatten schon darüber gesprochen, sobald er wieder da war, würden sie zu seinem Onkel, Duke of Harrington, Reiten und mit ihm einige Dinge klären.
Mittlerweile galt Catherine als alte Jungfer, obwohl sie eine wunderschöne Frau war und in voller Blüte stand. Vielleicht konnte sie ja über ihren Schatten springen und Angus werben nachgeben. Er hatte schon länger ein Auge auf Catherine geworfen, doch da er auch ein zweiter Sohn war, hatte er sich nie wirklich getraut seinen Gefühlen nach zugeben. Aber genau wie Steve und Danny, hatte er ein Vermögen verdient, er war kein armer Mann. Und Lord Rollins hatte keine Standesdünkel und würde sich sicher freuen, wenn seine geliebte Tochter einen rechtschaffenden Mann bekäme.
Daniel überlegte sich ob er Morgen mit Catherine ausreiten sollte um sie ein bisschen auszuhorchen und eventuell in die richtige Richtung zu schubsen.
Dann wären da noch Chin und Kono, auch sie sollten glücklich werden und Partner finden. Kono schien sich ja für Adam zu interessieren, jedoch machte sie es ihm nicht gerade leicht. Natürlich wusste er um ihren Eid, doch jetzt war schließlich alles anders.
Plötzlich musste er über sich selbst lachen. In Gedanken verkuppelte er alle die ihm wichtig waren, dabei vermochte er selbst nicht aus den Füßen zu kommen. Vielleicht sollte er sich erst um sein eigenes Liebesleben kümmern. Mit einem Lächeln auf den Lippen suchten seine Augen nach der schönen rothaarigen Frau, in die er sich wieder verliebt hatte. Es wurde Zeit Nägel mit Köpfen zu machen. Er hatte Steve erzählt was er heute noch vor hatte und dieser hatte ihn freudig umarmt und ihn in seinem Vorhaben unterstützt. Leider war er schon mit Anna heimlich verschwunden, was Danny aber verstehen konnte.
Nachdem er Lori entdeckt hatte ging er zielstrebig auf sie zu. Sie tanzte gerade mit Phuong und die beiden lachten laut, weil der Chinese zwei linke Füße hatte.
„Sir Phuong, ich muss die Lady von ihren Tanzkünsten befreien, denn es ist meine Pflicht sie zu beschützen“, sagte er lächelnd und schaute Loriana dabei in die Augen. Zarte röte überzog ihre Wangen und sie lächelte verlegen, als Danny sie in seine Arme zog.
„Prinzessin, schenkt ihr mir einen Spaziergang im Mondschein?“, flüsterte er an ihrem Ohr.
„Es wäre mir eine Ehre, Mylord.“
Unbemerkt von den anderen Gästen verließen sie die große Wohnhalle. Im Flur vor der Tür stand eine große Truhe, dort nahm Danny einen dicken Umhang raus und legte ihn Lori um die Schultern. Bald zog der Winter ein und die Nächte waren schon empfindlich kalt in den Highlands.
Leise traten sie auf den Innenhof des Schlosses, alles war ruhig bis auf die nächtlichen Geräusche. Ein Wiehern aus den Ställen, ein leises Rascheln in einem Strauch und das Bellen eines der Wachhunde.
Es war Vollmond und alles war in silbriges Licht getaucht, als die beiden Menschen langsam über die steinerne Brücke schritten. Keiner sprach. In diesem Augenblick genossen sie die Nähe des anderen. Erst als sie das Ende der Brücke erreichten blieb Danny stehen. Vorsichtig hob er Lori hoch und setzte sie auf die Mauer am Fuße der Brücke. Neugier und Aufregung standen in ihren blauen Augen.
„Ist dir nicht kalt, Danny?“, fragte sie, weil das Schweigen jetzt doch langsam an ihren aufgeregten Nerven zerrte.
„Im Moment nicht, ich dachte wenn mir kalt wird komme ich unter deinen Umhang“, ein schelmisches Grinsen breite sich auf Dannys Gesicht aus. Lori senkte verlegen den Blick, jedoch war ihm nicht das freudige Aufblitzen in ihren Augen entgangen.
„Loriana, ich wollte mit dir allen sein um dir etwas zu sagen, was schon lange fällig ist. Was ich mir aber nicht eingestehen wollte“, er hob die Hand, als sie den Mund öffnete um etwas zu sagen.
„Bitte, hör mir zu. Vor langer Zeit schon hatte ich mich in eine wirklich freche Prinzessin verliebt. Habe gesehen wie sie vom dünnen, schlaksigen Mädchen zu einer wunderschönen Frau geworden ist. Leider war uns nicht vergönnt zusammenzukommen. Beide haben wir Fehler gemacht. Irgendwann habe ich mich in eine andere Frau verliebt, die ich auch verloren habe. Zwei Frauen, zwei schmerzliche Verluste. Doch das Schicksal hat mir eine dritte Chance gegeben und ich habe dich wieder gefunden. Vielmehr hast du mich wiedergefunden. Ich will diese Chance ergreifen und dir sagen, wie sehr ich dich liebe, Loriana. Ich werde dich nie wieder loslassen …“, Dannys Stimme war rau vor Gefühlen die er gar nicht alle so schnell loswerden konnte wie er gerne wollte. „… darum möchte ich dich fragen ob du meine Frau werden willst?“
Anstatt einer Antwort, schrie Loriana vor Freude auf und warf sich Danny in die Arme. Sie küsste sein ganzes Gesicht ab und er versuchte lachend sie festzuhalten.
„Ich vermute das soll ja bedeuten?!“
„Oh ja, ja, jajaja … ich liebe dich auch Daniel“, rief sie aufgeregt.
„Okay Prinzessin, ein bisschen Contenance, denn ich hätte da noch etwas“, Danny griff in seinen Sporran und holte etwas raus das in feinen Stoff gewickelt war.
„Diesen Ring hat mir meine Mutter mitgebracht und soll der Frau gehören, der mein Herz gehört.“
Zärtlich nahm er ihre kleine Hand und schob einen feinen golden Ring, besetzt mit einem Saphir und Perlen, an ihren Finger.
„Oh, der ist wunderschön. Danke Daniel!“
Eine Weile bleiben sie noch draußen und schmusten etwas, irgendwann wurde es aber doch zu kalt und sie machten sich auf den Rückweg.
In der großen Wohnhalle wurde immer noch ausgelassen gefeiert. Entschlossen und mit Lori an der Hand, ging Danny auf das kleine Podest zu, auf dem die Musiker spielten. Er bat sie kurz die Musik zu unterbrechen. Sofort blickten alle zu den Musikern, als Stille eintrat. Schauten dann erwartungsvoll Danny und Loriana an.
„Liebe Familie und Freunde, heute hat eine wundervolle, wenn auch etwas hektisch durchgeführte Hochzeit stattgefunden, aye“, die Gäste lachten und gaben Kommentare dazu ab, Dany hob die Hand, damit wieder Ruhe einkehrte. „Leider haben mein Freund und seine Frau es etwas eilig gehabt, doch ich weiß, dass er mit seinem Herzen jetzt bei mir ist, denn ich habe seinen Segen. Ich habe diese bezaubernde Dame hier gefragt ob sie meine Frau wird …“, mit einem strahlenden Lächeln zog er sie an sich. „… und ich habe großes Glück gehabt das sie ja sagt, und mir nicht ihren schönen verzierten Dolch in die Rippen gejagt hat. Darum darf ich euch alle bitten noch ein paar Tage länger zu bleiben, denn wir wollen keine Zeit mehr verlieren und heiraten in vier Tagen.“
Kurz, nur ganz kurz herrschte sprachloses Schweigen, dann brandeten Freudenrufe auf und das junge Paar wurde bestürmt und beglückwünscht.
Chin der etwas abseits stand betrachtete seine Cousine und Prinzessin mit einem glücklichen aber auch wehmütigen Lächeln. Leise trat Kono auf ihren Bruder zu und schmiegte sich an ihn.
„Wusstest du was Danny vorhat?“
„Ja, er hat bei mir um ihre Hand angehalten.“
„Ob wir auch … ich meine …“, Kono verstummte.
„Ja, meine kleine Schwester. Wir werden auch einen Partner finden und glücklich werden. Wir werden zwar immer ihre Beschützer sein, doch hier in diesem schönen Land, mit unserer neuen Familie, dürfen auch wir eine Familie gründen. Wir sind nicht alleine.“

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BeitragThema: Re: Der MacGarrett Clan oder Ohana auf Schottisch   Di Apr 08, 2014 6:56 pm


23.
 
Lächelnd öffnete sie die Augen, als die ersten Sonnenstrahlen durch das Fenster schienen. Anna fühlte sich wundervoll matt. An ihrem Ohr spürte sie einen sanften Hauch, sie drehte den Kopf und sah das entspannte Gesicht ihres Mannes. Sie unterdrückte ein Kichern. Ihr Mann! Vorsichtig drehte sie sich zu ihm und betrachtete sein attraktives Gesicht. Ein Sonnenstrahl traf die langen Wimpern. Ihr fiel nicht zum ersten Mal auf wie lang sie waren. Mit der Fingerspitze strich sie sanft über die Spitzen der Wimpern, über seine gerade Nase, die ein leichten Bogen nach unten machten und dann über den schönen Mund, der ihr vergangene Nacht Wonnen bereitet hatte, die sie niemals für möglich gehalten hatte. Ein wohliges Seufzen entwich ihrem Mund und ihre Wangen verfärbten sich rosa.
Sie sollte aufstehen und Frühstück machen, denn sie hatte einen Bärenhunger. Langsam, um Steve nicht aufzuwecken, versuchte sie seinen Arm von ihrer Taille zuschieben. Das hatte allerdings zur Folge, dass er ungeduldig brummte, fast knurrte und sie nur noch enger an sich zog. An seinen muskulösen Körper gepresst spürte sie DAS DA, hart an ihrem Bauch. Das konnte doch nicht wahr sein? Ob das normal war? Sie hatten sich stundenlang geliebt und kaum drei oder vier Stunden geschlafen. Obwohl er sie an sich gezogen hatte, schlief Steve weiter. Hatte er vor einigen Sekunden nach ganz entspannt ausgesehen, mit leicht geöffnetem Mund, schien er jetzt zu Träumen. Seine Augen bewegten sich schnell unter den Lidern, die Augenbrauen waren zornig zusammen gezogen, und die seine schönen Lippen waren zu einer schmalen Linie zusammen gepresst.
Was ihn wohl in seinem Traum quälte? Behutsam legte sie ihre kleine Hand auf seine Wange, reckte sich ein wenig und berührte seine weichen Lippen mit ihren. Sofort entspannten sich seine Züge wieder. Steve murmelte etwas und seine Hand, die feste auf ihrem nackten Po gelegen hatte, strich ihren Rücken hinauf, begleitet von einem leisen Stöhnen.
Sekunden später blickten sie zwei wundervolle Augen, kleine Lachfältchen umrahmten sie und Steves Mund presste sich auf ihren. Er drehte sich mit ihr auf den Rücken und sie lag auf ihm, als sei sie eine Puppe.
„Guten Morgen Lady MacGarrett.“
„Guten Morgen Laird MacGarrett.“
„Wie fühlst du dich?“
„Wundervoll, ein bisschen müde.“
„Keine Schmerzen?“, Steve wirkte etwas besorgt.
„Warum sollte ich Schmerzen haben? Nur weil wir es hinter uns gebracht haben?“, neckte sie ihn.
Steve lachte auf, drehte sich wieder mit ihr und küsste sie stürmisch. Schnell war die Leidenschaft der Nacht auf ein Neues erwacht. Sie liebten sich in den ersten Strahlen der aufgehenden Wintersonne. Als sie später erschöpft aneinandergeschmiegt unter den warmen Decken lagen, stritten sie darum wer Feuer im Kamin machte. Es war empfindlich kalt im Raum.
„Was bist du denn für ein Ehemann, du willst dass deine kleine zierliche Frau aufsteht und Feuer macht?“
„Aye, selbstverständlich, und nackt, damit ich auch was zum Gucken habe, dann hätte ich gerne ein reichhaltiges Frühstück, das du mir natürlich auch nackt wie Gott dich geschaffen servierst und mich fütterst, nackt natürlich. Dann kannst du mir ein heißes Bad bereiten, nackt bitte. Und dann kannst du mir noch den Rücken schrubben, erwähnte ich schon, dass ich dich dabei gerne nackt sehen würde. Ach ja, bevor ich es vergesse, kannst du dich noch um DAS DA kümmern, nackt selbstverständlich“, dabei führte er, mit ernstem Gesicht, ihre Hand zu seiner Männlichkeit.
Mit dem gleichen ernsten Gesicht blickte seine wunderschöne Frau ihn an. Ihre Wangen waren noch gerötet vom Liebe machen und ihre Augen funkelten, Steve war nicht ganz sicher ob böse oder belustigt. Seine Gedanken schweiften ab und dachten an die vergangene Nacht zurück. Nachdem sie sich das erste Mal geliebt hatten, hatte sie ihn mit ungläubigen Augen angeschaut, dann war sie in Tränen ausgebrochen und hatte sich an ihn geklammert. Ihm wäre fast das Herz stehen geblieben vor Schreck. Sie hatte geschluchzt und geredet, gleichzeitig. Steve hatte sie kaum verstehen können. Also hatte er sie in den Arm genommen und gewiegt, und versucht seine Panik zu unterdrücken. Ob er ihr so wehgetan hatte, so das nie wieder mit ihm schlafen würde? Das konnte nicht sein. Sie hatte doch vor Lust gestöhnt und geschrien, immer wieder seine Namen rufend, oder?
Ein Schnipsen vor seinem Gesicht brachte ihn wieder in die Gegenwart zurück.
„Wie schön, dass du mir zugehört hast!“, fauchte sie.
„Ich habe nur an dich gedacht, Weib! Wie war deine Frage? Was ich zum Frühstück möchte?“, er liebte es sie zu reizen.
„Was lässt dich glauben machen, das du es verdienst hättest, von mir bedient zu werden? So gut warst du nun auch wieder nicht.“
Erst sah Steve sie aus großen Augen an, dann warf er den Kopf in den Nacken und lachte herzhaft auf. „Du bist so frech und ich liebe das, vor allem wenn du dabei nackt in meinen Armen liegst an meinem nackten Körper …“, bevor er sich wieder über sie schieben konnte, hörte er etwas. Steves Kopf schoss in die Höhe und er lauschte.
„Was …?“, verwirrt sah Anna ihn an als er aus dem Bett sprang und zum Fenster ging.
„Ich habe Pferde gehört“, war alles was er sagte. Schnell zog er sich an und gürtete sein Schwert um die Hüften. Sein Gesichtsausdruck hatte sich komplett verändert. Anna kannte das. Steve war in Alarmbereitschaft. Schnell stand sie auf und zog sich ebenfalls an.
„Du bleibst hier im Zimmer, dort neben dem Bett ist eine kleine Tür zu einer geheimen Kammer. Versteck dich dort und komm nicht raus“, schon wollte er gehen.
„Steven?“
„Bitte, tu was ich dir sage. Nur drei Leute wissen dass wir hier sind, Danny, Tavish und der Verwalter dieses Hauses. Ich will kein Risiko eingehen“, eindringlich sah er sie an, bis Anna zustimmend nickte. Ein flüchtiger Kuss und er verschwand.
Bevor sie in der kleinen Kammer verschwand, schaute sie neugierig aus dem Fenster. Eine große Reiterschar kam auf das Haus zu und Anna hörte sie jetzt auch. Ein mulmiges Gefühl breitete sich in ihr aus.
Steve verfluchte sich dafür dass er ohne einen seiner Männer, hierhergekommen war. Sein Verstand musste vollkommen vernebelt gewesen sein. Adam hatte ihn beschworen eine Eskorte mitzunehmen, doch er hatte nicht zugehört und nur lachend abgewunken. Jetzt kamen mindestens zehn Reiter auf das Herrenhaus zu, das rundherum freistand. Noch konnte er nicht die Farben des Tartan erkennen. Steve überlegte kurz ob er sein Schwert im Haus lassen sollte, um sich nicht als Laird erkennen zu geben. Doch er war bekannt wie ein bunter Hund. Bei Freund und Feind.
Erhobenen Hauptes, die Hand am Schwergriff, trat Steve vor die Tür des Hauses. Die Reiter waren höchstens noch hundert Meter entfernt, da erkannte er wer auf ihn zukam. Die Campbell-Männer die seit Wochen verschwunden waren. Ein lästerlicher Fluch entwich seinen Lippen.
Je näher sie kamen umso abgerissener sahen sie aus. Sie konnten sich kaum auf den Pferden halten, und die Pferde sahen nicht besser aus, bemerkte Steve. Mit denen würde sogar Anna fertig werden, dachte er. Einige Meter vor ihm kam der Tross zum Stehen.
Robert Campbell, der Laird der Campbells, und Mann von Jane Campbell, sah Steve aus blutunterlaufenen Augen an. Er lag mehr auf seinem Pferd, als das er saß. Mühsam schwang er ein Bein über sein Pferd und wollte absteigen. Jedoch verließ in seine Kraft, nur Steves schnelle Reaktion verhinderte, dass er auf die raue Erde knallte. Die anderen Männer, stiegen auch kraftlos von ihren Pferden, waren kaum in der Lage sich auf den Beinen zu halten.
„MacGarrett … bitte … helft uns …“, dann wurde er bewusstlos. Steve war erschüttert was aus diesem, ehemals stattlichen Mann geworden war. Eigentlich war er fast einen Kopf größer als Steve, und war um einiges kräftiger in seiner Statur gewesen. Jetzt war er nur noch ein Schatten seiner selbst.
Mit schnellen Schritten lief Steve zum Haus. „Anna“, rief er laut. „Komm sofort runter, ich brauche deine Hilfe.“
„Ich bin hier, Steve“, sagte sie direkt neben ihm, bewaffnet mit dem Schürhaken aus ihrem Schlafzimmer.
Steve öffnete den Mund um zu schimpfen und schloss ihn wieder, jetzt war keine Zeit zum Streiten.
„Sieh nach was in der Vorratskammer vorhanden ist und bereite eine leichte Mahlzeit zu, es darf nichts schweres sein. Sie sind fast verhungert und das würde ihnen nicht bekommen. Aber zuerst musst du nachsehen, ob die Betten zu nutzen sind. Wir haben noch sechs Schlafzimmer, da können wir jeweils zwei unterbringen. Auch müssen wir den Verwalter benachrichtigen, wir brauchen Hilfe.“
Anna nickte nur und ging ins Haus zurück, sie selbst war schon zweimal hier im Herrenhaus gewesen und wusste auch wo der Verwalter wohnte. Schnell stellte sie fest, das die Zimmer alle hergerichtet waren und informierte ihren Mann. In der Küche machte sie Feuer und setzte einen großen Topf mit Wasser auf, prüfte die Vorräte an Lebensmittel und ob in der Kräuterkammer noch genug Vorrat an Verbandsmaterial und Tinkturen waren. Nachdem das Wasser kochte, bereitete sie einen Tee aus verschiedenen Kräutern zu, den die Männer als erstes trinken sollten. Später würden sie eine kräftige Brühe bekommen.
Währenddessen hatte Steve, unterstützt von den noch nicht ganz so schwachen Männern, alle auf die Zimmer verteilt. Dann verteilten sie den Tee und jeder bekam einen kleinen Kanten Brot. Immer wieder ermahnten sie die ausgehungerten Männer langsam zu essen. Was diesen nicht leicht fiel, aber sie kannten sich mit Hunger aus und auch was passierte wenn man zu schnell aß.
Nachdem sie fürs erste versorgt waren, untersuchte Anna die Männer auf Verletzungen. Alle hatten kleinere Blessuren, doch Robert Campbell eine ausgekugelte Schulter und eine Stichwunde im Bein, die sich entzündet hatte.
Zusammen mit Steve versorgte sie erst die Wunde am Bein, dann mussten sie die Schulter wieder einrenken. Gott sei Dank kannte Steve sich mit solchen Verletzungen aus. Lord Campbell war noch bewusstlos, darum erledigten sie das schnell, denn das einrenken eines Gelenkes war mit starken Schmerzen verbunden. Sogar in seiner Bewusstlosigkeit stöhnte der Mann auf.
Es war weit nach Mittag, als sie den letzten der Männer versorgt hatten. Zwischendurch hatte Anna die Suppe angesetzt die jetzt auch fertig war. Im Moment schliefen die ausgezehrten und erschöpften Männer und Steve ließ sie schlafen.
„Ich bin auf ihre Geschichte gespannt, sie waren Wochen verschwunden und plötzlich tauchen sie hier auf Skye auf. Keiner meiner Pächter hat etwas gesagt, dass sie sie gesehen hätten oder dass sie hier geplündert haben, aye. So groß ist Skye nicht, dass man sich hier verstecken könnte“, nachdenklich stierte Steve vor sich hin.
„Wie auch immer, Steve. Wir brauchen Hilfe, du musst ins Dorf reiten und dem Verwalter Bescheid sagen. Außerdem brauchen wir weitere Vorräte, die reichen nicht für uns alle. Also mach dich auf den Weg“, befahl seine Frau.
„Du glaubst doch nicht, dass ich dich mit diesem Haufen hier alleine lasse? Bist du jetzt verrückt geworden? Wir gehen zusammen, aye!“
„Wir können sie sich nicht selbst überlassen …“
„Darüber diskutiere ich nicht, Anna“, sein Befehlston und dieses arrogante Gehabe, reizte Anna augenblicklich zu widersprechen. Sie liebte es, sich mit ihm zu streiten, genau wie er auch. Jetzt war jedoch nicht der richtige Zeitpunkt dafür.
Steve brachte noch die Pferde in den Stall und versorgte sie fürs erste. Danach hob er Anna auf den ungesattelten Trojan und sie ritten ins Dorf. Sie brauchten allerdings nur die Hälfte der Strecke zu reiten, da kamen ihnen schon einige Männer aus dem Dorf entgegen. Wie Steve schon gesagt hatte blieb kaum etwas unbemerkt.
 
Sehr langsam ging der Betrieb auf Eilean Donan Castle los. Gäste, sowie wie die Bediensteten hatten bis in die Morgenstunden gefeiert. Dementsprechend waren alle spät dran. Doch es galt noch eine Hochzeit vorzubereiten, die der Ersten in nichts nachstehen sollte. Also nahm Berta, zusammen mit Clara, Dannys Mutter, Kono und Cath die Arbeit auf und scheuchten alle auf. Die männlichen Gäste wurden auf die Jagd geschickt, die weiblichen Gäste hatten dafür zu sorgen dass das Hochzeitskleid genäht wurde.
Danny hatte Lori und Lady Campbell in eine Kammer des Hauses geführt, in denen Stoffe gelagert wurden. Hier sollte sie sich den Stoff für ihr Kleid aussuchen. Die Frauen sahen sich staunend um, vom einfachen grobgewebten Wollstoff, bis hin zur feinsten Seide war alles vertreten.
„Loriana, mir scheint, Sir Daniel und Sir Steven sind reiche Männer. Solche Stoffe habe ich als letztes in meiner Kindheit gesehen, bevor ich geheiratet habe und noch bei meinen Eltern lebte, aye.“
Bewundernd strich ihre Hand über feinste ägyptische Baumwolle. Sie bereute nicht unter ihrem Stand geheiratet und auf bestimmten Luxus verzichtet zu haben, denn sie liebte ihren Mann und er sie. Nur wünschte sie sich, dass ihr Schwager für seine Taten bestraft wurde und ihre Familie wieder zur Ruhe kam. Vor allem wünschte und hoffte sie, dass ihr Mann noch lebte und zurückkehrte. Jane schüttelte leicht den Kopf um die schweren Gedanken abzuschütteln.
In einer Ecke fand sie einen Ballen gelber Seide, den sie hervor holte.
„Lori schau mal. Ist das nichts für dein Hochzeitskleid? Dieses wunderschöne sonnengelb würde wundervoll zu deinem roten Haar passen.“
Jane und Lori hatten sich angefreundet und waren zu einem vertraulichen Umgangston übergegangen.
„Ja, es ist ein wunderschöner Stoff. Doch ich würde gerne etwas Himmelblaues tragen. Himmelblau ist eine der Farben meiner Heimat und symbolisiert den ewigen Himmel. Weißt du Jane, Schottland ist meine neue Heimat und ich liebe dieses Land. Jedoch kann ich nicht den ewig blauen Himmel meiner Heimat vergessen, es regnet selten und viele Wolken gibt es auch nicht, darum hat man fast das ganze Jahr einen blauen Himmel. Das ist das einzige was ich vermisse.“
Lächelnd ergriff Jane Loris Hand. „Dann suchen wir weiter, ich bin sicher hier wird blauer feinster Stoff zu finden sein.“
Lange brauchten sie nicht zu suchen und sie fanden einen Ballen mit hellblauer Atlasseide.
„Perfekt. Du wirst wunderschön aussehen. Lady Catherine wird uns bestimmt mit ihren Stickkünsten zur Seite stehen. Komm, lass uns gleich Maß nehmen.“
Aufgeregt verließen die Frauen die Kammer und begaben sich in die kleine Wohnhalle die von den Frauen eingenommen worden war. Die Männer hatten sich in der großen Wohnhalle breitgemacht. Trotz der vielen Arbeit, ging es ruhig und bedächtig zu. Sogar die hochwohlgeborenen Damen waren sich nicht zu fein, überall zu helfen. Sie alle führten einen kleinen oder großen Haushalt und jede von ihnen hatte eine bestimmte Vorliebe oder Gabe für etwas. In den Highlands half man einander. Einige der Damen hatten auch am Hof gelebt, doch zog es jede von ihnen vor, in ihrem eigenen Reich zu leben, mit den Menschen die sie liebten.

Bei den Männern war es nicht anders, sie jagten, angelten, oder übten sich im Schwertkampf. Auch das Training durfte nicht vernachlässigt werden. Sie lebten in einer Zeit, in der es immer wieder zu Kämpfen kam. Grenzstreitigkeiten, Plünderungen oder Clankriege. Am frühen Vormittag war ein Bote gekommen und hatte gemeldet, dass fremde Schiffe auf dem Loch Hourn gesehen worden waren. Wahrscheinlich Iren. Das Hatte Danny dazu veranlasst, einen Trupp zusammen zustellen und nach Skye zu segeln. Denn das Herrenhaus in dem Steve und Anna ihre Flitterwochen verbrachten lag am Loch Hourn.


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Der MacGarrett Clan oder Ohana auf Schottisch

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