StartseiteAnmeldenLogin
Die neuesten Themen
» Candids (Paparazzi/Fans)
von Siv Mo Jul 24, 2017 7:42 pm

» Technische Probleme
von alli85 Mo Jul 10, 2017 2:57 pm

» Bilder - Sabber Thread
von Herzblume130 Fr Jul 07, 2017 7:42 pm

» Fotoshooting mit Kreischgarantie!
von Sky13 Di Jun 27, 2017 6:33 pm

» Alex in einem Bericht über seinen guten Freund Luke Davies
von eviesus Do Mai 25, 2017 9:38 am

» Alex liest eine Geschichte für CBS Watch Magazine
von Herzblume130 Do Mai 18, 2017 2:32 pm

» Artikel im Honolulu Magazine: Alex & Malia - Liebe auf den ersten Blick
von leiCa Di Apr 18, 2017 2:23 pm

» Was andere über Alex denken...
von aussielover Mo Apr 17, 2017 6:27 pm

Shoutbox
Affiliates

Alex O'Loughlin Worldwide

AOL Intense Studies

Mostly 50

Blogspot

alex-oloughlin.blogspot

Verspürst Du das drängende Bedürfnis alles was in Deinem Alex-verdrehten Kopf vorgeht mit der Welt zu teilen?
Dann brauchen wir DICH!

Für unser Team suchen wir tatkräftige Blogger Verstärkung!
MELDE DICH bei einem Admin/Co-Admin oder Moderator.


Austausch | 
 

 ALSO ALLES IM LOT !? (Fortsetzung von „Auszeit“)

Vorheriges Thema anzeigen Nächstes Thema anzeigen Nach unten 
AutorNachricht
buggie
Bodyguard
avatar

Weiblich Anzahl der Beiträge : 325
Alter : 47
Ort : Livorno-Italien / Koeln
Anmeldedatum : 08.08.13

BeitragThema: ALSO ALLES IM LOT !? (Fortsetzung von „Auszeit“)   So Jan 05, 2014 1:20 pm

DIE (ZWANGS-)AUSZEIT IST BEENDET, DIE PFLICHT RUFT. WENN IHR NOCH LUST HABT, LASST UNS ZUSAMMEN SCHAUEN, WAS DA AUF STEVE ZUROLLT....SCHEINT DOCH ALLES IM LOT....  Eure Buggie

_____________________________________________________________
Kapitel 1

Sie blinzelte jedes Mal,  wenn die Sonne durchs Geaest drang.
Wie der Schein doch truegen konnte. Fast waere es das perfekte Bild gewesen. Die Sonnenstrahlen, die sich ihren Weg durch die Baumkronen bahnten, das balzende  Vogelpaerchen auf dem Ast, bunte Schmetterlinge, die feengleich durch die tropische Luft schwirrten. Manchmal bewegte eine laue Brise die Wipfel und der Himmel schimmerte zwischen den Blaettern hindurch.  
Noch war er blau, aber niemand konnte mit Gewissheit sagen, wie lange das so blieb. Die letzten Tage war es ungewohnt schoen gewesen, auch das wahrscheinlich Teil irgendeines teuflischen hoeheren Plans und nur dazu da, sie noch mehr einzulullen.
Das fast perfekte Bild eben. Es fehlte nur ein Element – aber das war das Entscheidende.

Vor einigen Stunden noch hatte sie an fast exakt derselben Stelle gelegen und dieselben Aeste sich sanft wiegen gesehen. Nur hatte der Ausblick da ein Gesicht umrahmt. SEIN Gesicht. Ihre Augen fuellten sich mit Traenen, aber sie konnte sie ja auch genauso gut schliessen. Es war  ihr inneres Auge, mit dem sie die Erinnerung an diesen wunderbaren Moment herauf beschwoeren musste:
Einen Augenblick vorher hatten sie sich noch geliebt, kurz und heftig, und noch immer fuellte er sie vollkommen aus. Feine Schweissperlen hatten sich auf seiner Stirn gebildet, sein Atem ging schwer und sie meinte, sein Herz im gleichen frenetischen Takt schlagen zu spueren wie ihr eigenes. Es war berauschend, seine nackte Haut auf der ihren zu spueren, waren sie doch auch immer noch beide feucht vom Bad im See. Ein sanftes Laecheln huschte ueber sein schoenes Gesicht, als es die Augen erreichte, bildeten sich Lachfaeltchen. Diese verboten langen Wimpern, fast schien es ihr, als vibrierten sie…

Etwas Kuehles riss Chris aus ihrer Erinnerung. Sie war allein, vollstaendig angezogen und das Seewasser schwappte in kleinen Wellen ueber ihre aufgestellten Fuesse. Dieser Entenschwarm – was hatte ihn bloss zur Flucht veranlasst. Dumme Viecher.

„Da bist Du ja.“ Seine Stimme schien aus dem Nichts zu kommen.

Sie setzte sich auf, blieb ihm jedoch eine Antwort schuldig, war es doch sowieso eine Feststellung und keine Frage. Langsam liess er sich neben ihr nieder und beide schauten den Voegeln auf dem Wasser zu, in minutenlanges Schweigen gehuellt.

„Ich wollte Dich nicht verletzen“ kam es zaghaft aus seinem Mund, und sie spuerte, dass er es ernst meinte. „Es ist einfach mit mir durchgegangen, ich war ploetzlich so froh, sie alle wiederzusehen.“
„Ich weiss.“ Jetzt blickte Chris Steve in die Augen, und ihre Stimme klang traurig. „Da ist es, wo Du hin gehoerst, Steve. Sie sind jetzt Deine Familie, das hast Du doch selbst mal gesagt.“
Ueberrascht sah er sie an. Dass sie sich daran erinnerte – er hatte das nur so dahin gesagt, aber ein Koernchen Wahrheit war natuerlich darin.
„Sie sind weg.“
Jetzt war es an ihr, ueberrascht zu sein. „Was heisst ‚weg‘?“
„Na weg. Fort. Ich hab‘ sie vorgeschickt. Morgen frueh nimmt John mich mit in die Stadt, aber heute Nacht bin ich noch hier. Bei Dir. Falls Du das moechtest, versteht sich!“

Chris wusste nicht, wie sie antworten sollte. Natuerlich wollte sie. Aber dann wuerde sie morgen wieder da stehen und sich allein fuehlen. Es war offensichtlich nur ein Aufschieben.
Und offensichtlich waren wohl auch ihre Gedanken  – Steve zog sie ploetzlich zu sich heran, legte eine Hand an ihre Wange und kuesste sie zaertlich. Sie spuerte seine weichen Lippen auf den ihren und schloss die Augen. Vorsichtig loeste er sich von ihrem Mund und kuesste sich vor bis zu ihrem Hals. Sie spuerte seinen warmen Atem, die weichen Bartstoppeln, und war einen Augenblick versucht zu kichern, weil es kitzelte. Doch als er begann, sanft an ihrer Haut zu saugen und seine Zunge einzusetzen, war es vorbei. Sie draengte sich dichter an ihn und seufzte leise, wohl wissend, dass sie ihn heute Nacht ganz sicher nirgendwohin gehen lassen wuerde. An morgen wollte sie nicht mehr denken.

„Jetzt schau Dir unsere Kratzbuerste an – die hat er ja ganz schoen gefuegig gemacht!“ Jeff griemelte, als er die beiden kurze Zeit spaeter eng umschlungen zurueck kommen sah.
„Hoffen wir, dass das gut geht.“ John wusste immer noch nicht so recht, was er davon halten sollte. Elaine hatte ihm zwar erzaehlt, wie zerknirscht Steve gewesen war, aber es haette eben nicht passieren duerfen, fand er.
„Lass ihnen ein bisschen Zeit, John! Warte erst ab, wie es wird, wenn wir drueben sind. Dann koennen sie sich doch oft sehen, was zusammen unternehmen…“ Jeff sah ihn von unten herauf an, waehrend er eine Kiste zunagelte. „Hoffen wir’s!“ knurrte John leise durch die Zaehne und verschwand im Stall.
„Wer unternimmt hier was?“ Chris hatte den halben Satz noch mitbekommen.
„Ich sagte, wenn wir naeher an Honolulu sind, koennen wir doch oefter alle was zusammen unternehmen!“ log Jeff, ohne mit der Wimper zu zucken.

„Wann brecht Ihr Eure Zelte hier endgueltig ab?“ fragte Steve neugierig.
„In ein paar Tagen, wenn alles Wichtige geladen ist. Ein Freund kommt mit einem Transporter, dann muessen wir nicht zweimal fahren wegen der Pferde. Und wenn Zeit ist, bauen wir dann spaeter hier ab, was abzubauen geht.“
„Ich hoffe, Du kommst noch ein paar Tage ohne Deine Klamotten aus?“ fragte Steve mit einem breiten Grinsen. „Oder soll ich sie Dir morgen per UPS schicken?“
„Nee danke, kannst sie ruhig erst waschen!“ lachte Jeff und kniepte ihm zu. „Stehen Dir uebrigens ausgezeichnet!“

---------------------------------------------------------

Gabby wartete am Hubschrauberlandeplatz. Linda hatte sich ebenfalls zu ihr gesellt, nachdem ihr Chin am Telefon die letzten Neuigkeiten mitgeteilt hatte.
Nur Catherine war nach Hause gefahren, nachdem klar war, dass Steve nicht mitkam.

Danny sprang als erster aus der Maschine und rannte geduckt auf seine Freundin zu. „Bin ich froh….“ Zu mehr kam die nicht, dann wurde sie ungestuem hochgehoben und in der Luft im Kreis gewirbelt.
„Ehi, halt, stop….“ Sie musste lachen.
Er setzte sie wieder ab und fluesterte ihr nur ins Ohr „Ich auch. Ich auch!“ Dann hauchte er ihr einen Kuss aufs Haar und drehte sich zu seinen Gefaehrten in diesem Abenteuer um.
„Also, ich will nur nach Hause. Wir sehen uns morgen frueh, Chin! Danke Kamekona!!“ In seiner Erschoepfung, die genauso psychisch wie physisch war, hatte er ueberhaupt nicht bemerkt, dass Kono nicht da war. Gabby winkte den Anderen ueber die Schulter hinweg zu, nachdem er sie an der Hand gefasst hatte und regelrecht zum Auto zerrte.

„Schlaf gut heut Nacht, Brah!“ rief ihm Kamekona lachend hinterher. Wenn er richtig lachte, kam seine Leibesfuelle in geradezu bedenklich Wallung, fand Linda im Stillen.

Chin legte ihr einen Arm um die Schulter und grinste sie an. „Lass uns auch abhauen. Ich will noch im Hauptquartier vorbei, Kono sitzt noch an dem Bericht fuer Denning. Danny waere ja nicht mehr in der Lage gewesen, sich darauf zu konzentrieren.“
Er verabschiedete sich mit Handschlag von Kamekona, der grinsend entgegnete „Immer wieder gern – aber sag das bloss nicht McGarrett !“

Auf den Wandbildschirmen im Hauptquartier prangten Uebersichtskarten und verschiedene  Fotos – der ausgebrannte Bus der Daltons, Bilder vom Beinahe-Entfuerungsopfer ,eine Schule und Haeuserdetails.
Kono war in ihrem Buero und tippte eifrig auf ihrem Laptop. Als sie die beiden Ankoemmlinge bemerkte, sprang sie auf und lief ihnen entgegen. Ueberrascht schaute sie Linda an, hatte sie doch insgeheim jemand anderen erwartet.
„Hey Cous‘, schoen Euch zu sehen, aber -..“ sie blickte suchend zu McGarretts Buero hinueber „wo steckt der Kerl? Ist er echt nicht mitgekommen? “

„Bleibt heute noch im Norden.“
Kono schuettelte verstaendnislos den Kopf.

„Er hat da jemanden kennengelernt, Cousinchen.“ Chin grinste ein bisschen anzueglich.
„Jemanden kennengelernt? McGarrett hat jemanden kennen gelernt? Jetzt versteh‘ ich garnix mehr. Und der Unfall? Wie geht es ihm ueberhaupt? Du sagtest, er sei verletzt worden? Jetzt red‘ schon!!“ Sie war voellig durcheinander.
Chin hatte sichtlich Spass an Konos  Verwirrung „Na, das Maedel hat ihn nach dem Unfall aufgesammelt und bei sich einquartiert, er hatte ein paar Blessuren, aber im Grossen und Ganzen ist er wohl okay. Vielleicht noch ein bisschen verrueckter als vorher, ist auch auf den Kopf geknallt, aber ansonsten okay…..“ Linda gab ihm vorwurfsvoll einen Knuff mit dem Ellbogen in die Seite.
„ ‚Das Maedel‘ ? Jetzt hoer aber auf! Wie alt ist das ‚Maedel‘ denn?
„Och, schon so Steves Preisklasse, wuerd‘ ich sagen. Hab‘ sie nicht kennengelernt, aber so wie er sich benommen hat….“
„Ich fass‘ es nicht! Steve kommt nicht zurueck wegen einer Frau. Das ist ja nun ganz was Neues. Und was macht die da oben im Wald?“ fragte Kono neugierig. Sie war echt geplaettet von den Neuigkeiten.
„Da gab es so eine Art Aussteiger-Herberge. Kein Fernsehen, Wandern im Dschungel und so.“
„Na dann – dann isses ja die perfekte Frau fuer unseren SEAL!“ Alle drei mussten sie lachen.

Sie besprachen noch kurz die Details fuer den Bericht an den Gouverneur, dann fuhren auch Linda und Chin, den es inzwischen auch nach einer Dusche und etwas Essbarem geluestete, hatten sie doch den ganzen Tag kaum etwas gegessen.

Kono beendete den Bericht, den sie morgen abliefern mussten, schaltete das Licht aus und verliess das Hauptquartier. Hungrig wie sie war, beschloss sie ueber die Kapahulu Avenue zu fahren. In irgend einem der vielen Restaurants wuerde sie schon etwas Leckeres finden. Es war einiges los auf der Strasse, sie suchte sich einen Parkplatz und schlenderte zu Fuss weiter. Irgendwo hatte sie doch Werbung fuer eine neueroeffnete Aperitiv –Bar gesehen…. Da war es ja schon. Ein Prosecco zur Entspannung – das war doch der richtige Auftakt.

Sie trat ein und traute ihren Augen kaum.

In einer Ecke sassen Susan und Trisha mit ein paar Freunden. Sie naeherte sich dem Tisch und stockte. Susan sah atemberaubend aus. Sie trug ein hautenges beiges Cocktailkleid, dezente aber schoene Ohrringe mit passendem Collier, war von Kopf bis Fuss durchgestyled.
„Wow, wo kommst Du denn her?“ raunte Kono anerkennend.
„Nicht ‚wo kommst Du her?‘ musst Du fragen, Kono. ‚Wo gehst Du hin?‘ ist die Zauberformel!“ entgegnete Trish an Susans Stelle. Die warf ihrer Freundin einen leicht pikierten Blick zu.
„Aber sag mal, was ist mit Steve? Alles OK??? Ihr habt Euch ja nicht mehr gemeldet…“ In Trishas Stimme klang Besorgnis mit.  
Einer der Jungs hatte Kono inzwischen einen Stuhl organisiert, auf den sie sich dankbar niederliess. „Du hast Recht, sorry. Alles ging so schnell. Es geht ihm gut, Gott sei Dank.“ Sie nippte am Glas, das ihr gereicht wurde und schaute Susan ueber den Rand hinweg an. „Jetzt erzaehl schon…!“

„Was soll ich denn erzaehlen?“ Susan klimperte scheinheilig mit den Wimpern.
„Sie trifft sich mit dem arroganten Schnoesel….“ Der junge Mann zu Susans Rechten verdrehte die Augen.
„Dave! Er ist nicht arrogant! Er ist… er ist… sich nur seiner Ausstrahlung bewusst.“ Hilfesuchend schaute sie Trisha an, die sich ein Grinsen nicht verkneifen konnte.
„Arrogant. Sag ich doch.“ Dieser Dave zuckte nur mit den Schultern.
„Du bist ja nur neidisch, dass Du nicht so toll aussiehst!!“
„Ok, ok, Du hast gewonnen. Aber ich will nicht wissen, wieviel Knete der fuer seinen Fitnesstrainer rueberwachsen lassen musste, fuer DEN Body… Wenn ich die haette, koennt‘ ich auch so….“ Dave hob demonstrativ die Haende und ueberliess den Rest des Satzes der Fantasie der Anwesenden.
„Wo musst Du denn nun hin, scheint ja ein verdammt wichtiger Anlass zu sein, so wie Du Dich…“ Kono unterdrueckte mit Muehe und Not das Wort ‚aufgedonnert‘ „… fein gemacht hast!“  
Wieder ergriff dieser Dave das Wort „Turtle Bay Resort – Mitternachtsshow mit Open End…“ Susan gab einen entruesteten Laut von sich.
„Das ist eine kleine Vorpremiere fuer seine Serie. Nur geladene Gaeste, ein paar wichtige Leute wie der Gouverneur und ein Vertreter vom HPD. Es gibt ein Mitternachtsdinner, wir schauen uns einige ausgewaehlte Szenen an ….“ Weiter kam sie nicht, denn Dave ergaenzte mit abfaelligem Tonfall „und die huebscheste Dame darf den Rest der Nacht mit dem Hauptdarsteller verbringen…“ – offensichtlich hatte er eine nicht erwiderte Schwaeche fuer Susan und wurde von reichlich Eifersucht geplagt.
„Was gebe ich mich bloss mit so bloedem neidischem Pack ab. Es wird Zeit, dass ich fahre.“ Susan erhob sich bruesk und ging zur Bar. Dave dackelte ihr hinterher, wohl um sich zu entschuldigen.

„Sieht er echt so gut aus, ich meine - Susans neue Flamme???“ fluesterte Kono Trisha mit einem Augenzwinkern zu, wusste sie doch, auf welchen Typ Mann Susan gewoehnlich flog. Sie wollte lieber gar nicht wissen, wie die in den erlauchten Kreis der ‚geladenen Gaeste‘ geraten war.
„Jo, kann man sich notfalls anschauen….“ Kicherte die zurueck. „Erinnert mich an Deinen Boss…“
„An meinen Boss? McGarrett? Du meinst – dieser Schauspieler sieht Steve aehnlich??“
„Naja, er gleicht ihm aeusserlich schon ziemlich. Wobei – ICH wuerde Steve ja jederzeit vorziehen….“   Trishas Stimme war ganz vertraeumt. Kono wusste, dass sie schon lange ein Auge auf Steve geworfen hatte.
„Wie heisst der Gute denn eigentlich? Ich hab eigentlich gar keine Ahnung, von wem wir hier reden!“
„Alex heisst er. Alex O’Lally.“


Zuletzt von buggie am Do Apr 03, 2014 5:02 pm bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
Nach oben Nach unten
buggie
Bodyguard
avatar

Weiblich Anzahl der Beiträge : 325
Alter : 47
Ort : Livorno-Italien / Koeln
Anmeldedatum : 08.08.13

BeitragThema: Re: ALSO ALLES IM LOT !? (Fortsetzung von „Auszeit“)   Fr Jan 17, 2014 11:18 pm

ALSO ALLES IM LOT !? (Fortsetzung von „Auszeit“)
Kapitel 2
Chris erwachte bei den ersten Sonnenstrahlen. Eigentlich war „Erwachen“ ein zu nettes Wort, es war mehr ein unsanftes Abrutschen aus Wolke Sieben gen‘ Erde…. Weckerklingeln …. Wolke Sechs …. erster Lichtstrahl …. Wolke Fuenf…. ausserhalb der Bettdecke kalt gewordene Zehen …. Wolke Vier …. wiederholtes Weckerklingeln …. Wolke Drei …. Augenliderflimmern ….Zwei …. Schlitzaugen machen – alles viel zu hell hier …. Eins…. Hand fuehlt leeres Nachbarbett …. Aufschlag. Erde.

Sie drehte sich dorthin, wo sie eigentlich Steve erwartet hatte, und musste beinahe laut lachen.
Er lag fast an der Kante des Bettes, zum Bettrand gedreht. Nicht nur, dass seine Decke wieder sonst wo unterwegs war, nein, zu allem Ueberfluss hatte er sich das Kissen halb ueber den Kopf gezogen. Sie war also nicht die Einzige, die keine Lust zum Aufstehen hatte – auch der Fruehaufsteher vom Dienst schien etwas mitgenommen zu sein. Na ja, eigentlich auch kein Wunder, hatten sie doch bis gegen Vier Uhr kein Auge zugetan.
Es wurde langsam Zeit, sich fertig zu machen, sie hatten den bloeden Wecker ja schon vorgestellt. Nicht, weil sie muede war – naja, zugegeben, ein wenig natuerlich schon – sondern irgendwie, weil sie Steve nicht gehen lassen wollte. Aufstehen bedeutete Abreise fuer ihn. Sie hatte zwar beschlossen, mit nach Honolulu zu fahren, schliesslich wuerde es bald auch ihre zweite Heimat auf der Insel werden, aber … Aufstehen bedeutete gehen lassen. Oder wegschicken – je nachdem, von welcher Seite man es betrachtete.

Sie hatten lange darueber geredet in dieser Nacht. Chris hatte immer wieder versucht, Steve klarzumachen, dass er sich in Zukunft besser von ihr fernhielt. Dass sie rechtlich eine Illegale war. Die Papiere waren futsch, auch wenn ihr bei der Botschaft wahrscheinlich geholfen werden wuerde. Immer vorausgesetzt, sie fand die Kraft, noch einmal ihre Geschichte zu erzaehlen.
Steve war wirklich zu suess. „Ich gehe mit Dir!“ hatte er gesagt. „Ich werd‘ nicht zulassen, dass sie Dir auch noch wehtun!“ Dann hatte er sie sanft auf die Stirn gekuesst.
Aber -  sie wuerde luegen muessen fuer John, und da wollte sie ihn nicht dabei haben. Sie war kein Fluechtling, der um sein Leben fuerchten musste, kein Superhirn, dem, und nur dem, eine Firma einen Job anbot – ihre Aussichten auf eine Greencard waren wohl gleich null –  sie wuerde ihm nur Aerger bringen.
„Niemand wird danach fragen“ hatte er eingewandt. „Niemand weiss, dass Du fuer John arbeitest, und niemand weiss, dass ich es weiss. Ausserdem, wenn ich mit dem Gouverneur sprechen wuerde ….“
„Auf gar keinen Fall. Das kann ich nicht riskieren. Und was glaubst Du wohl, was der denkt – dass Du Deinem Liebchen eine Aufenthaltsgenehmigung erschleichen willst!!!“ Sie war den Traenen nah gewesen. Wollte er denn gar nicht verstehen?
Er hatte ihr Gesicht in seine warmen Haende genommen und gefluestet „Waere das denn so schlimm?  Wenn ich alles tun moechte, um Dich bei mir zu haben?“ Dann hatte er seine Wange an die ihre gelegt und sie waren so sitzen geblieben, um diesen einen Augenblick zu geniessen, in dem die Zeit stillzustehen schien. Trotzdem, sie hatte Angst. Aber wovor? Angst vor dem was passieren konnte, oder eben nicht passieren wuerde? Angst vor dem Alleinsein, oder davor, zusammen zu sein und dann wieder eine Enttaeuschung zu erleben ? Chris wusste es selbst nicht.

Wahrscheinlich sollte sie einfach alles auf sich zukommen lassen, Schritt fuer Schritt.
Mit diesem Vorsatz zog sie Steve das letzte Stueck Bettdecke weg, um ihn zu wecken.

Kaum hatte sie das getan, bereute sie es auch schon wieder.
‚Das war eine ausgesprochen bloede Idee, Christina!‘ schalt sie sich selbst.
Denn beim Anblick seiner Silhouette stellte sich tatsaechlich die Frage: Wer wollte schon so eine goettliche Kreatur aus dem eigenen Bett werfen? Diese breiten Schultern, die durch die Seitenlage so schoen geschwungene Oberlinie von der Schulter ueber den muskuloesen Bizeps, die weichen Haerchen des Unterarms, die sich im Gegenlicht so deutlich abzeichneten, seine schlanken Finger, die locker auf der Huefte ruhten.
‚Aufhoeren, Maedel, aufhoeren !!!! Sofort !!!! Sonst wird das nie was mit dem Aufstehen!!!!‘ Da war wieder ihr Gewissen, das sie nicht in Ruhe lassen wollte – wenn es denn ihr Gewissen war. ‚Gleich, gleich…‘ redete sie sich selbst nicht sehr ueberzeugend ein.  Ihr Blick glitt noch weiter abwaerts, ueber den aeusserst wohlgeformten Hintern zu den durchtrainierten Oberschenkeln….

Langsam rutschte sie naeher und schmiegte sich ergeben an Steves nackten Koerper. Nur noch ein Minuetchen…. Zuerst tat er so, als wuerde er nichts bemerken, dabei war sie sicher, dass er wach war. Sie zog ihm das Kopfkissen weg und begann, sich an seinem Oberkoerper zu reiben, was er mit einem verschlafenen „Mhmmmmm“ quittierte. Seine verunstaltete Schulter mit zarten Kuessen bedeckend, liess sie dann ihre Hand ueber seinen kraeftigen Oberarm gleiten, steckte sie anschliessend vorsichtig unter seinem Arm durch, um auf seine Brust zu gelangen und dort durch das weiche Brusthaar zu fahren. Dann begann sie zaertlich, mit den Fingerspitzen seine Brustwarzen zu umkreisen, und drueckte ihr Becken fester an seinen Po. Steve stoehnte leise auf und erwiderte den Druck, tat sonst aber nichts. Als sie eine seiner Narben auf der Brust beruehrte, bekam sie unwillkuerlich eine Gaensehaut – wie fast jedes Mal dabei.
Als sie ihre Hand schliesslich ueber seinen Bauch tiefer rutschen liess, spannte sich sein Koerper spuerbar an. „Was machst Du da?“ kam es schliesslich halb verschlafen aus seinem Mund. Dumme Frage…. „Ich wollte nur mal nachpruefen, ob Ihr Beiden schon wach seid!“ fluesterte sie ihm ins Ohr. „Und, sind wir das?“ kam es von ihm mit leiser und verdaechtig tiefer Stimme zurueck. „Die Pruefung ist noch nicht abgeschlossen…“ raunte sie ihm zu „aber eins muss ich mal feststellen – ein solcher Knackarsch gehoert verboten.“

Schneller, als sie reagieren konnte, hatte er schon hinter sich gegriffen und legte seine grosse warme Hand auf ihren eigenen Allerwertesten. Als er schliesslich vorsichtig hinein kniff, quietschte sie vor Vergnuegen auf. Steve lachte leise „Find‘ ich gar nicht. Im Gegenteil, ich wuerde ihm praemieren!“ Instinktiv schlang Chris ein Bein ueber seinen Oberschenkel.

Einen Moment verharrten sie beide so, dann drehte Steve sich langsam zu ihr um und draengte sich nun seinerseits an ihren Koerper. Es war nicht leicht, an Aufstehen zu denken, fuehlte sie doch seine Naehe sehr praesent an ihrem Schoss. Steve ging es genauso. Sein Aufbruch schien noch Lichtjahre entfernt. Er schob eine Hand unter ihren Kopf, mit der anderen streichelte er ihr zaertlich eine Haarstraehne aus dem Gesicht. Dann beruehrte er mit den Fingerspitzen sanft ihre Lippen, worauf sie die Augen schloss und leise seufzte. Als sie dann begann, vorsichtig mit ihrer Zungenspitze gegen seine Fingerkuppen zu stossen, und ihm gleichzeitig ihr Becken weiter entgegen draengte, war es voellig um seine Selbstbeherrschung geschehen.  

Er beugte sich ueber Chris und kuesste sie fordernd. ‚Tock‘. Irritiert schaute er auf. ‚Tock‘ – da war es schon wieder. Ploetzlich wusste er, was das fuer ein Geraeusch war – jemand klopfte an die Tuer. Eigentlich – haemmerte an die Tuer. Dann kam eine wohlbekannte Stimme hinzu „Hey Ihr Turteltauben. Zeit zum Aufstehen – das letzte Taxi faehrt in 20 min.“

Chris stoehnte auf. Jetzt mussten sie sich tatsaechlich beeilen. „Der wartet nicht auf uns, darauf kannst Du Gift nehmen.“ Da war John knallhart – es waere nicht das erste Mal gewesen, dass er einen einfach dumm da stehen liess. Da kannte Chris ihn nur zu gut. Sie entzog sich Steves Umarmung und sprang auf. „Los, komm, Du hast es gehoert, wir haben nur noch zwanzig Minuten!“ Steve schaute sie enttaeuscht von unten herauf an. SO hatte er sich das nicht vorgestellt, war ihm doch da kurzfristig eine ganz andere Idee fuer diesen letzten Morgen bei ihr gekommen. „Nun mach schon, beeil Dich!“ rief sie, bevor sie im Bad verschwand.

„Wow – Du haettest echt Chancen bei der Navy!“ meinte Steve lachend, waerend er sich an der noch tropfnassen Chris vorbei schlaengelte, um seinerseits unter die Dusche zu gelangen. „Ich? Wieso?“ fragte Chris durch ihr Handtuch, waerend sie sich das Gesicht trocknete. „Na weil Du alle unsere Duschzeit-Rekorde schlagen wuerdest!“
„Ach so das,…“ erwiderte sie mit gespielter Selbstverstaendlichkeit. „das war eine ‚Ich-bin-Single-und-kann-mir-keine-hohe-Wasserrechnung-leisten-Dusche‘. Welche etwa das Gegenteil bildet von…“ sie kam grinsend und mit wiegenden Hueften auf die Dusche zu „der bekannten ‚Komm-unter-meinen-Wasserstrahl-Honey-koste-es-was-es-wolle-Dusche‘ “ Steve riss theatralisch die Augen auf und hob seine Zeigefinger vor die Brust zu einem Kreuzzeichen. „Bleib mir vom Leib, Du Hexe!“ rief er lachend.

„Das..“ damit richtete Chris ihren Zeigefinger ueberdeutlich auf seine Haende „mein Dummerchen funktioniert doch nur bei Vampiren! Uns Hexen macht das gar nichts…“ sie naeherte sich ihm gerade soweit, dass sie nicht wieder nass wurde, legte eine Hand um seinen Nacken und zog sein nasses Gesicht ganz nah zu sich herunter. „Und wie schon die Gebrueder Grimm wussten, vernaschen die Hexen mit Vorliebe kleine Jungs… Hmmm…lecker…Haensel…“ sie leckte spielerisch ueber ihre Lippen, was Steve diesmal zu einem echten Augen-Aufreissen veranlasste.

„Schluss jetzt -  gib Gas, wir haben noch hoechstens 10 Minuten, dann is‘ John weg!“ sie liess ihn los, um sich anzuziehen.
--------------------------------------------------
„Hi. Morgen…“
„Aeh, ja, guten Morgen!“ Chins ueberraschtes Augenbrauen-Hochziehen bei Dannys Anblick haette Steve zur Ehre gereicht. Danny hob nur die Haende zu einer abwehrenden ‚Frag mich bloss nicht!‘ Gebaerde und schob sich schnell an ihm vorbei in sein Buero. Jedenfalls hatte sich Danny das so gedacht gehabt….

„Oh Danny, gut dass Du da bist, ich braeuchte…. Ja was ist denn mit Dir…???“ Kono war soeben auf der Schwelle ihres Bueros erschienen und wusste nicht, ob sie lachen sollte, oder besser nicht. Chin schnitt hinter Dannys Ruecken eine Grimasse, die ihr die Sache nicht leichter machte. „Also, nun sag schon“ wurde sie mutig „ist der Foen explodiert? Hat Dir jemand heimlich was ins Haargel getan? Grace vielleicht???“

Danny strich fahrig durch sein reichlich ungeordnetes Haupthaar. Das war jetzt ueberaus merkwuerdig – eigentlich haette er auf diese kleine Provokation sofort reagieren muessen. Chin und Kono schauten sich fragend an, dann wanderte ihr Blick wieder zu Danny. Der sah ueberhaupt recht zerknittert aus.

„Das letzte Bier war schlecht.“ So, jetzt war es raus.
„Das letzte Bier – war waaas ?“ Kono konnte das Lachen kaum mehr unterdruecken.
„Schlecht.“ Damit ging Danny in sein Buero und schloss die Tuer hinter sich. Seine beiden Freunde beobachteten sprachlos, wie er sich in seinen Drehstuhl setzte, die Ellbogen auf den Schreibtisch stuetzte und sie dann ueber die gefalteten Haende hinweg durch die Scheibe ansah. Eigentlich sah er noch nicht mal sie an. Er starrte einfach geradeaus. „Komm, gehen wir zu ihm rein!“ fluesterte Chin, der den Braten zu riechen glaubte.

„Jetzt erzaeh!“ forderte er seinen Partner auf, nachdem sie eingetreten waren.

„Da gibt’s nich‘ viel zu erzaehlen.“ Danny waegte die Worte ab. „Gabby konnte nicht lange bleiben, ihre Flasche war noch halb voll, da dachte ich, is‘ zu schade zum Wegkippen….“ Er machte eine Pause. „Dann wollt‘ ich mir ein Wasser holen, aber im Kuehlschrank war nur…Bier. Da hab‘ ich an Steve gedacht. Dass ich echt schon fast geglaubt hatte, mit ihm wuerd‘ ich nie wieder zusammen was trinken koennen. Also hab‘ ich gleich noch eins aufgemacht, auf den Schreck. Naja, und dann musste seine Flasche ja auch irgendwie leer werden, wo er doch nicht da war.“ Kono seufzte unterdrueckt auf, waehrend Danny weitererzaehlte. „Ich weiss nicht, am Ende waren alle Flaschen leer. Und ich ziemlich voll.“ Er kratzte sich am Kopf und schaute die beiden zerknirscht an. „Bloed, nicht?“ Kono umrundete seinen Schreibtisch, legte ihre Arme um seine Schultern und drueckte ihn fest. „Nicht bloed. Wir haben alle Angst um Steve gehabt, aber er ist Dein bester Freund. Das ist was Besonderes! Vergiss das nicht.“

Danny nickte. „Aber eins kann ich Euch sagen. Wenn der Kerl mich noch ein drittes Mal so aufregt, kuendige ich ihm die Freundschaft!“ Befreiendes Lachen schallte durchs Buero.  „Jetzt klaer mich endlich auf Kono – was machen die Daltons?“  

Bereitwillig spurtete das einzige weibliche Five-O-Mitglied in sein Buero und kam mit einer inzwischen deutlich dickeren Kladde zurueck. Der Entfuehrungsversuch hatte einige neue Hinweise erbracht.
„Die Ergebnisse aus der Kriminaltechnik sind da!“erklaerte sie triumphierend.“Auf der Jacke des Jungen wurden einige Haare sichergestellt, die lt. Fong eindeutig mit der gespeicherten DNA von Pete Dalton uebereinstimmen.“

Danny schmunzelte und sagte dann mehr zu sich selbst „Beat-Pete – wusst‘ ich’s doch, dass Deine Matte mal Dein Untergang sein wuerde.“ „Beat-Pete? Matte?“ Chin schaute ihn an, als wuerde er sich ernsthaft ueber den Rest-Alkoholpegel seines Freundes Gedanken machen.
„Stell Dir einfach einen strohblonden Beatle vor. Die Art von Matte. Und das Verrueckte ist – wenn Du ihn bewusst siehst, denkst Du: ‚Mensch, die Frisur ist so auffaellig, den Kerl erkennt jeder.‘ Aber wenn Du dann Zeugen suchst, meinst Du, Du haettest es mit einem Phantom zu tun.“

„Weiss man denn mehr ueber den Jungen?“ schaltete Chin sich ein.
Kono las von ihren Notizen ab.„Kind reicher Eltern, der Vater ist ein Industrieeller aus Chicago. Der Junge, Marc, 12 Jahre alt, gilt als sehr reif und besonnen fuer sein Alter. Hat frueher eine Privatschule besucht, seit die Familie nach Hawaii gezogen ist, geht er auf eine oeffentliche Highschool. Er ist gut in der Schule, aber kein Streber. Beliebt auch bei den Klassenkameraden aus einfacheren Verhaeltnissen. Die ganze Familie ist ueberhaupt sehr unauffaellig. Ich war bei ihnen zu Hause, dort war alles gediegen, aber richtig zum Wohlfuehlen, fast zu einfach. Diese Leute haben ihren Reichtum auf der Bank, nicht in der Garage oder sonst wo zur Schau gestellt.“

„Seltsam.“ Danny runzelte nachdenklich die Stirn. „So richtig passt das nicht zum ueblichen Opferkreis. Natuerlich wird man ueber diese Familie Informationen einholen koennen, wenn einer es darauf anlegt, aber …“ Er schuettelte den Kopf. „Wirklich ungewoehnlich.“

„Was macht denn die Mutter? Ist die in der Firma ihres Mannes eingebunden?“ hakte Chin nach.
„Nein. Die ist die klassische Hausfrau und Mutter, wenn auch mit Personal, wuerd‘ ich sagen“ antwortete  Kono. „Wobei“ sie kramte in ihren Aufzeichungen. „Bevor sie geheiratet haben, war sie Schauspielerin. Nix Grosses, ein bischen Theater, Werbeauftritte, ein paar eher unbedeutende Nebenrollen…“
„Hm“ irgendwie hatte Danny das Gefuehl, als waere ihnen eben ein Schluessel in die Hand gegeben worden. Die Frage war nur – zu welchem Schloss passte der?

Ein Blick auf die Uhr liess Kono aufstoehnen. „Verdammt. In einer Stunde ist der Termin beim Gouverneur. Ich hoffe bloss, Steve packt das rechtzeitig. Er muss sich ja erst noch mit den Fakten vertraut machen.“ Das aber auch immer alles auf den letzten Druecker gehen musste. Sie hasste das.

„Jetzt wo Du es sagst – ist ja wirklich ein Glueck, dass Du den Termin ueberhaupt verschieben konntest, Kono!“ Chin hatte auch nicht sehr viel Lust gehabt, einem sowieso schon gestressten Denning auch noch Steves weitere Abwesenheit erklaeren zu muessen.
„Ich hab gar nichts verschoben!“ erwiderte seine Cousine. „Dennings Sekretaerin rief heute frueh an und bat um den neuen Termin.“
„Der Gouverneur verschiebt einen Termin mit seiner Lieblings-Ermittlertruppe? Ist ja kaum zu glauben, wo wir ihm doch immer so gute Laune bereiten!“ versuchte Danny zu witzeln, was aber seinen Kollegen eindeutig entging.

„Wahrscheinlich wollte er ausschlafen, wo’s doch bestimmt spaet geworden ist letzte Nacht!“ Kono grinste breit, was natuerlich die Neugier ihre Kollegen heraufbeschwor.
„Woher bitte moechten Sie das denn wissen, Officer Kalakaua?“ Dannys Stimme klang gespielt streng.
„Weil ich weiss, dass er um Mitternacht an der North Shore zum Essen
eingeladen war, darum!“
„Und diese Insider-Info, wo hattest Du die her, Cousinchen?“ Chin war baff.
„Tja, das habe ich von unserer lieben Freundin Susan! Die war dabei“
„Wie bitte, Susan hat einen Abend mit dem Gouverneur verbracht? Hab‘ ich das jetzt richtig verstanden?“ Danny wirkte ein bisschen irritiert.

„Na, wundern wuerde mich das nicht! Unsere liebe Susi wollte doch schon immer hoeher hinaus….“ Die Stimme, die die letzten Worte gesprochen hatte, liess die drei Freunde herumfahren.


Zuletzt von buggie am Fr Apr 11, 2014 3:09 pm bearbeitet; insgesamt 2-mal bearbeitet
Nach oben Nach unten
buggie
Bodyguard
avatar

Weiblich Anzahl der Beiträge : 325
Alter : 47
Ort : Livorno-Italien / Koeln
Anmeldedatum : 08.08.13

BeitragThema: Re: ALSO ALLES IM LOT !? (Fortsetzung von „Auszeit“)   Di Jan 28, 2014 12:00 am

Tja, wo Stevie bei meinen Kolleginnen der schreibenden Kunst gerade so schoen gebeutelt wird, darf er sich hier mal ein paar Stuendchen ausruhen….
Eure Buggie
_______________________________________________________________________________________

Kapitel 3

„Hey Boss, da bist Du ja wieder!” In Konos Stimme spiegelte sich echte Freude wieder. Sie strahlte ueber das ganze Gesicht, als sie auf Steve zuging, der sie herzlich umarmte. Sie lehnte sich zurueck, um ihm genauer betrachten zu koennen, dann laechelte sie.

„Du siehst gut aus!“

„Ha, ein Kompliment am fruehen Morgen – das geht runter wie Butter!“ erwiderte Steve froehlich.

„Frueh???... Und Du weisst genau, wie ich das meine – vor drei Wochen sahst Du noch ziemlich….“

„….ausgekotzt aus.“ ergaenzte ein grinsender Danny.

„Danke fuer die Blumen, Daniel! Aber wenn ich Euch so besser gefalle, sollte ich ja vielleicht noch ein paar Wochen dranhaengen… “ sprach‘s, und drehte sich frech grinsend auf dem Absatz um.

„Hier geblieben, mein Freund. In Deinem Buero wartet ein Berg Arbeit auf Dich!“ mahnte Danny jetzt mit einem urploetzlichen Anfall guter Laune. „Chin – wo hattest Du seine Sachen aus dem Rucksack hingepackt? In den Schreibtisch?“ Der Kopfschmerz war verschwunden und die missglueckte Frisur verdraengt. Ihm war da gerade etwas eingefallen, das er bei all der Aufregung ganz vergessen hatte. Chin brauchte einen Moment um zu begreifen, dann antwortete er bestimmt „Ach ja. Schublade.“

„Okay, okay“ Steve hob beschwichtigend die Haende und verschwand in seinem Buero. Durch die Glasfront konnten die drei ihn genau beobachten, wie er langsam seinen Schreibtisch umrundete, sich setzte, mit den Fingerspitzen fast liebevoll ueber die Schreibtischkante fuhr, als sei es ein wertvolles altes Moebelstueck, dass ein Sammler soeben fuer seine Kollektion erstanden hatte. Offensichtlich genoss er die Heimkehr an seinen Arbeitsplatz.

„Jetzt“ fluesterte Chin.

„Oh nein, nicht DIE, Steve, die Andere! Die Andere! Komm schon! Ja – Jaaaa – guter Junge!“ Dannys Anfeuerung klang fast wie auf der Footballtribuene.

Kono hatte sich umgedreht und starrte fest das Bild auf der gegenueber liegenden Wand an, um nicht losprusten zu muessen.

„Jeeeetzt! Uuuund…..“

‚BUMM‘ – ein lauter Knall war zu hoeren, und Steve sass in eine Rauchwolke gehuellt mit voellig fassungslosem Gesicht da. Dann sah er seine Kollegen an, die sich vor Lachen die Baeuche hielten.

Kono war die erste, die sich wieder fasste und seine Buerotuer oeffnete, damit der Rauch abziehen konnte.

„Was zum Teufel…?“ Steve war immer noch verdattert.

„Echt, Boss, ich haette nicht geglaubt, dass es klappt. Ich haette gewettet, dass Du was merkst!“

Als er sich wieder beruhigt hatte, steckte auch Danny den Kopf zur Tuer herein. „Ist das nicht BOMBIG – unser Steven ist heimgekehrt!“

„Was zum Teufel war das denn?“ jetzt konnte er selbst das Lachen kaum noch zurueckhalten.

„Naja, bei Grace in der Schule war zuletzt ein Zauberer, der hatte so nette „Spezialeffekte“. Da hab ich mir gleich einen von fuer Deinen Geburtstag besorgt, aber als Du gefahren bist, dachten wir, das waere doch auch passend fuer Deine Rueckkehr. Konnte ja keiner ahnen, dass die dann so aufregend ausfallen wuerde…“

Chin legte Steve nur augenzwinkernd seine Marke und Waffe hin.

„Ihr habt deutlich zu viel Umgang mit einem gewissen McGarrett!“ meinte Steve mit gespieltem Ernst. „Es ist schoen, wieder bei Euch zu sein!“ Er war sichtlich geruehrt.

Nach dieser „Begruessung“ fiel es ihm zwar schwer, aber wohl oder uebel liess er sich in den Dalton-Fall einweisen. Dann brachen sie auf zum Gouverneur, der ausdruecklich das ganze Team verlangt hatte. Steve benahm sich, als sei nichts geschehen, als sei er nie weggewesen. Als ob er in dem Moment, in dem er seine Waffe einsteckte, wieder in seinen Schutzpanzer des harten Ex-SEALS gestiegen sei.

Als sie als Letzte das Buero verliessen, legte Chin Steve die Hand auf den Arm. Der zog ueberrascht die  Augenbraue hoch. „Is‘ noch was, Chin?“

„Lass es langsam angehen, Steve! Du brauchst niemandem hier etwas zu beweisen.“

„Ich weiss.“

„Steve – ich meine das ernst! Du hast da gestern im Wald so entspannt ausgesehen, wie schon lange nicht mehr. Ich weiss nicht, was Du in den letzten Tagen getrieben hast, aber es hat Dir gut getan. SIE hat Dir gutgetan, vermute ich richtig?“

„Ja. Ja, das tust Du.“ Chin meinte einen Hauch von Traurigkeit in seiner Stimme auszumachen.

„Und? Wo ist sie jetzt? Wie heisst sie ueberhaupt?“ fragte er vorsichtig.

„Chris. Ihr Name ist Christina. Sie und ihr Boss John haben mich nach Hause gebracht, dann sind sie weitergefahren zu der neuen Ferienranch, die John vor Honolulu baut. Ich haette sie Euch ja gerne vorgestellt, aber sie wollte nicht hierher mitkommen. ‚Heute nicht, John und ich haben noch viel zu tun.‘ hat sie gemeint, und das wir telefonieren sollten.“ Chin beobachtete, wie Steve zum drittenmal fahrig seinen Waffengurt zurechtrueckte. „Ich weiss nicht, was passiert ist -dabei war heute Morgen noch alles ok.“

Sein Partner hatte ihm nur schweigend zugehoert. Seit er Steve kannte, hatte er ihn noch nie so erlebt. Es war da eine Form von Verletzlichkeit offensichtlich geworden, die vorher tief begraben gewesen war. Offenbar hatten die Geschehnisse der letzten Monate tiefe Spuren in Steve hinterlassen, tiefer noch, als der Mord an seinem Vater und das Wiederauftauchen seiner Mutter. Vielleicht waren sie ja auch nur der beruehmte Tropfen gewesen, der das Fass zum ueberlaufen gebracht hatte. Wer wusste das schon. Er hoffte nur, dass Steve nun endlich in der Lage war, sich seinen Gefuehlen einmal zu stellen. Vor allem DAS Gefuehl zuzulassen, welches alles andere in den Schatten stellte.

„Solche Dinge brauchen manchmal eine Weile, Steve. Die LIEBE braucht manchmal eine Weile.“ Er klopfte seinem Freund auf die Schulter und ging weiter, ohne Steve die Chance auf einen abwiegelnden Kommentar zu lassen.
                   --------------------------------
„Wow!“

Die Gestalt in Uniform drehte sich langsam um. Um ihrem Mund zeichnete sich ein so breites Laecheln ab, dass  nur einem sehr aufmerksamen Zuschauer aufgefallen waere, dass es die Augen nicht erreichte. Nur war die junge Frau, die ihre Begeisterung da so offen kundtat, keine aufmerksame Zuschauerin. Dafuer war sie viel zu gebannt von der grossen, geradezu eleganten Erscheinung des Mannes vor ihr. Wie gross mochte er wohl sein? 1,85m? Bestimmt. Sie dachte an ihren Bruder, der war 1,80m – und ER war bestimmt groesser. Sie lachte aufgedreht, nur einen Halbton vom kindischen Kichern entfernt. Was war bloss mit ihr los? Nervoes fuhr sie sich beim Anblick seiner breiten Schultern mit der Zunge ueber die Lippen, eine Bewegung, die ihrem Gegenueber nicht entging. Nein, sie war wirklich nicht mehr in der Lage, aufmerksam zu sein. Andernfalls haette sie bemerkt, dass sein „Oh, gefalle ich Dir wirklich? Das freut mich.“ eigentlich keine Frage war, sondern eine Feststellung. Die selbstzufriedene Feststellung einer fuer ihn offensichtlich schon glasklaren Tatsache. Er gefiel ihr. Das war wichtig. Wie er es hinbekam, interessierte nicht. Hauptsache, er gefiel.

„Wirklich. Du siehst soooo elegant aus!“ Sie betonte das ‚so‘ dermassen, dass die Frau, die im Hintergrund ihre Arbeitsutensilien zusammenpackte, beinahe laut losgelacht haette.

                              ----------------------------------------

„Schoen hier, nicht wahr?“ Chris hatte nicht gemerkt, dass John sich ihr genaehert hatte, zu versunken war sie in die Karten auf ihrem Schoss gewesen. Sie zuckte leicht zusammen, dann nahm sie die Fuesse vom Stuhl ihr gegenueber, legte die Karten neben sich und laechelte zu ihm auf. „Setzt Dich.“ Sie schlug mit der flachen Hand auf die andere Seite der Holzbank.

John setzte sich mit einem Stoehnen neben sie und legte  vaeterlich seinen Arm um ihre Schulter, was sie dazu veranlasste, den Kopf anzulehnen und ihrerseits zu seufzen. „Was – tut Dir auch das Knie weh?“ fragte er mit einem schelmischen Grinsen und streckte sein Bein aus. „Haettest nicht so viel Rodeo reiten sollen! Die jungen Hengste heutzutage sind nicht ohne!“ Schnell zog er seinen Arm weg und ging in Verteidigungshaltung, ahnte er doch ihren spielerischen Seitenhieb voraus. Chris seufzte nochmal und griff dann zu den Karten, merkte sie doch, dass sie rot geworden war. Lieber kein Risiko eingehen, dass das Gespraech in eine gewisse Richtung gehen konnte.

„Tolle Moeglichkeiten. Diamond Head, das Hinterland, waere ja fantastisch, wenn sie Dir die Genehmigung bis zum Strand erteilen wuerden. Stell Dir vor, wie die Leute da Schlange stehen wuerden – Sonnenuntergang zu Pferd mit Blick auf Honolulu….“ Ein wenig Enttaeuschung klang in ihrer Stimme mit. John setzte deshalb gleich nach „Aber?“

„Naja, es ist halt anders. Nicht mehr so urtuemlich, so natuerlich. So – wie nennt man das? – rustikal? Da werden ganz andere Leute kommen, John. Mit ganz anderen Vorstellungen. Ich weiss nicht – ich glaube nicht, dass die sich gross um die Natur scheren werden, um die alten Traditionen… Verstehst Du, was ich meine?“

John sah ihr in die Augen „Ich weiss, Chris! Aber im Park konnten wir nicht bleiben, die Bestimmungen werden auch in den anderen Gebieten immer strenger -  und ich muss Geld verdienen. Die Aussteiger sind rar geworden, und meine Dollars auch. Ich muss mit der Zeit gehen, wenn ich meinen Leuten weiter einen Job bieten will. Dir und mir einen Job bieten will, Kind. Ausserdem koennen wir ja auch laengere, kulturell anspruchsvollere Touren planen, was weiss ich, zum ‚Valley of the Temples‘ meinetwegen.“

Chris sah ihn fragend an „ Valley of the Temples?“ Er setzte gerade an, ihr etwas darueber zu erzaehlen, da rief ihn einer seiner Maenner.

„Ist ja auch egal. Den Jungs wird es gefallen, die Leute zu fuehren!“ John war bereits im Begriff zu gehen, doch Chris letzte Bemerkung veranlasste ihn zum Stehenbleiben. „Was soll das heissen  ‚den Jungs‘?“

„Du weisst genau, was das heisst. Ich kann keine Leute mehr fuehren. Eine Kontrolle, und du bist geliefert.“ bemerkte sie ernst.

„Was redest Du da nur fuer einen Quatsch, Maedchen! Natuerlich kannst Du die Leute fuehren. Du bist mein bestes Pferd im Stall.“ Ueber den Vergleich musste selbst Chris laecheln. „Du sprichst mehrere Sprachen, die Leute lieben Dich – und wer sollte denn was merken??“

Sie zuckte mit den Schultern. „Das hat Steve auch gesagt…“ meinte sie leise, kaum hoerbar. Sie schrak bei ihren eigenen Worten zusammen, hatte sie doch den ganzen Morgen versucht, nicht an ihn zu denken. Aber – da war er schon wieder. Schmuggelte sich einfach so in ihren Kopf und schwupp….. Da war er wieder….

„Siehst Du! Ein kluger Bursche.“ John hatte das Zittern in ihrer Stimme wohl bemerkt. „Was ist ueberhaupt mit ihm. Kommt er her heute?“ fragte er, obwohl er die Antwort schon an ihrem abweisenden Gesichtsausdruck abschaetzen konnte.

„Wir haben ausgemacht, dass wir mal telefonieren“ mehr sagte Chris nicht dazu.

„Telefonieren. Telefonieren? Sag mal, was ist mit Euch jungen Huehnern eigentlich los?“ Der alte Mann klang geradezu aufgebracht. „Heute Morgen habt Ihr ausgesehen, als koenntet Ihr Eure Finger keine zwei Minuten voneinander lassen, und jetzt wollt Ihr ‚mal telefonieren‘? Ja spinn‘ ich denn?“ Er schnappte nach Luft.

„Es ist alles anders.“


Zuletzt von buggie am Do Apr 03, 2014 5:10 pm bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
Nach oben Nach unten
buggie
Bodyguard
avatar

Weiblich Anzahl der Beiträge : 325
Alter : 47
Ort : Livorno-Italien / Koeln
Anmeldedatum : 08.08.13

BeitragThema: Re: ALSO ALLES IM LOT !? (Fortsetzung von „Auszeit“)   Di Feb 04, 2014 12:27 am

Kapitel 4

Kamekona hatte gross aufgetragen.
“Shrimps frei fuer den Commander! Du brauchst jetzt endlich mal was ordentliches zu Essen, Bra. Faellst mir noch vom Fleisch, so lange, wie Du nicht mehr hier warst!“ Alles lachte.
„Was gibt es da zu lachen? Ab morgen gelten fuer Euch andere neue Preise – Extra-Aufpreis fuer ungebuehrliches Verhalten am Esstisch!“
„ ‚Ungebuehrliches Verhalten am Esstisch‘ ?? Das verlangt nach einem Strafzettel wegen ‚duemmlicher Bemerkungen hinterm Ladentresen‘ !“ erwiderte Danny und langte nach einer von Steves Shrimps, was Kamekona mit einem Klaps auf seine Finger quittierte. „Die sind fuer den Boss. Damit er wieder zu Kraeften kommt. Hab ich doch grade erklaert, Mann.“ Schallendes Gelaechter rundum, nur der so Verwoehnte war  nicht so recht dazu aufgelegt.
„Sind auch gut bei Liebeskummer!“ Kamekona schaute ihn auffordernd an. „Ehrlich!“

Steve war zum Davonlaufen zu Mute. Stand ihm das gross auf der Stirn geschrieben? Keinem hatte er genau erzaehlt, was die letzte Woche passiert war, keiner kannte Chris, und trotzdem schienen alle Bescheid zu wissen, was ihn plagte. Besser als er selbst, irgendwie. Dabei hatte er doch noch nie mit seinen Gefuehlen hausiert. Konnten sich nicht alle benehmen wie sonst? Seit seinem Unfall schienen ihn alle mit Argusaugen zu beobachten.  Und das ging ihm langsam aber sicher auf die Nerven.

„Wie sollen wir denn jetzt weiter vorgehen, Boss?“ Steve war gleich klar, dass Kono von den Daltons sprach. Als er sie ansah, kniepte sie ihm zu. Dankbar fuer den Themawechsel laechelte er sie an.
„Ich wuerde vorschlagen, Kono, Du und Chin, Ihr nehmt Euch die Firma von diesem Industriellen noch mal vor. Geht ihre Geschaeftsverbindungen durch, und vor allem die Konkurrenz. Wir koennen ja nicht ganz ausschliessen, dass die Daltons auch oder ausschliesslich auf Auftrag arbeiten.“
Danny gab einen Laut von sich, der klares Unverstaendnis ausdrueckte. „Die wollen bloss Kohle Steve! Die arbeiten fuer niemanden.“
„Ok, nehmen wir an, Du hast Recht. Meinst Du nicht, irgendwann musste es ihnen dann reichen? Vielleicht haben sie sich ja aus dem grossen Hollywood mit allen Versteck- und Fluchtmoeglichkeiten aufs beengte und risikoreiche Oahu zurueck gezogen, weil ihnen hier der Meerblick besser gefaellt? Und die Entfuehrung war womoeglich nur Strandkoller-Bekaempfung?“ Danny verkniff sich eine Antwort. „Irgendwas hat sie angelockt, Danno. Und wir muessen rausfinden, was das ist.“

„Nimm die Mutter mal genauer unter die Lupe, Danny. Vielleicht bringt uns ihre Vorgeschichte ja weiter. Ich muss nochmal ins Labor, danach werde ich der Familie einen Besuch abstatten. Vielleicht ist dem Jungen ja doch noch etwas eingefallen.“  
--------------------------------------
Drei Stunden spaeter sass Steve in Shorts und T-Shirt im Sand hinter seinem Haus und starrte hinaus aufs Meer. Immer wieder war er fasziniert vom Farbenspiel, das der herannahende Abend auf die Wasseroberflaeche zu zaubern vermochte. Einen Augenblick war er wie hypnotisiert von den sich sanft hin und her wiegenden Reflexen, dann kehrten seine Gedanken wieder ins Hier und Jetzt zurueck.
 
Fong hatte ihn mit den Proben zum Fall bekannt gemacht, konnte aber keine neuen Erkenntnisse vorweisen. Der Besuch bei der Familie des Beinahe-Entfuehrungsopfers war ebenfalls nicht sehr hilfreich gewesen – ein rundherum ernuechternder Nachmittag.

Einer ploetzlichen Eingebung folgend, zog er sich das T-Shirt ueber den Kopf und ging zum Wasser.
Schwimmen. Abtauchen. Alles ausblenden und sich nur auf den naechsten Zug konzentrieren, auf das naechste Luftholen. Luft holen – eintauchen – durchziehen – auftauchen – Luft holen – eintauchen – durchziehen – auftauchen – Luft holen …..

Als er eine gute Weile spaeter wieder aus den Fluten des Ozeans auftauchte, fuehlte er sich ausgelaugt. Sich physisch auszupowern war immer eine Art Allheilmittel gewesen, oder vielleicht auch nur ein gutes Betaeubungsmittel.  Aber heute funktionierte nicht mal das. Keine Erleichterung, keine Befriedigung, nein, einfach nur muede Beine, ein schmerzender Brustkorb und ein Ziehen in der verletzten Schulter waren das Ergebnis.
Steve schnappte sich das T-Shirt, schluepfte in seine Flip-Flops und drehte sich noch einmal Richtung Meer, wie um einen alten Kameraden zu verabschieden.

„Du solltest nicht gleich wieder uebertreiben, Steve.“ Die leise vertraute Stimme liess ihn herumfahren.
„Catherine“ Mehr sagte er nicht, sondern ging einfach auf sie zu und nahm sie in die Arme, ohne sich auch nur im geringsten darum zu kuemmern, dass er tropfnass war.

Sie musste lachen. Manchmal konnte er wie ein kleines Kind sein. Spontan, unvorhersehbar und ueberschwaenglich. Es kam weiss Gott nicht oft vor, aber dann brach es ploetzlich aus ihm heraus und war einfach nur grundehrlich.  Catherine schuettelte sich zum Schein wie ein nasser Hund, dann wurde sie ernst.

„Schau mich an, Steve!“ verlangte sie. In all den gemeinsamen Jahren hatte sie gelernt, ihn einzuschaetzen. Das klappte jedenfalls meistens. „Du hast uns einen gehoerigen Schrecken eingejagt. Was ist bloss los mit Dir? Ich weiss, die anderen haben es sich nicht getraut, Dich das zu fragen, darum tue ich es jetzt. Hast Du Dir gar keine Gedanken gemacht, dass Dich jemand vermissen koennte? Dass etwas passieren koennte, Dich jemand zu erreichen versucht und sich dann Sorgen macht?“ So, wie es in Wirklichkeit ja auch geschehen war. „Jetzt erzaehl mir mal bitte, was Dich da geritten hat.“

„Cath“ Steve suchte nach den richtigen Worten. „Als ich dort oben bei Tom losgefahren bin – den ich auch noch anrufen muss, verdammt - , wollte ich doch nur nach Hause. Aber dann – ich weiss nicht. Nach diesem Erdrutsch war es irgendwie wie verhext. Das Motorrad mit der Ausruestung futsch, der Kopf aufgeschlagen, ein Aststueck im Bein.“ Er griff sich im Reflex an den Oberschenkel. „Ich war ziemlich durch den Wind. Keine Ahnung, was zum Geier das war, aber ich hatte echt das Gefuehl, ich habe Fieber. Und dann hab‘ ich dieses halb verlassene Feriencamp gefunden.“
„Und da war jemand.“ Danny hatte ihr bereits alles erzaehlt, was er wusste.
„Ja. Da war jemand.“ Er laechelte, und an der Art, wie seine Augen dabei strahlten, konnte sie den Rest der Geschichte ablesen. „Es ist verrueckt, Cath. Ich meine, Du kennst mich wie kein anderer – kannst Du Dir vorstellen, dass mir einfach die Sicherungen durchgebrannt sind? Ich hab‘ mich da Hals ueber Kopf in etwas gestuerzt… Auf einmal war alles andere unwichtig. Ich hab‘ es einfach nur genossen und die Arbeit und auch Euch irgendwie Stueck fuer Stueck immer mehr verdraengt.“ Waehrend er sprach, waren sie langsam zum Haus zurueck gewandert. Nun standen sie vor seiner Veranda, er hatte ihre Haende genommen und schaute sie betreten an. Irgendwie schaemte er sich jetzt schon ein bisschen fuer sein Verhalten.
„Wann siehst Du sie wieder?“
„Ich weiss nicht – ich hatte gedacht heute Abend, aber also ich sie heute Vormittag angerufen habe, da wollte sie ploetzlich nur telefonieren. Keine Ahnung, was mit ihr los ist.“
„Womoeglich ist ihr nur genau wie Dir klargeworden, dass die letzte Woche nichts mit der Realitaet zu tun hat, und jetzt fragt sie sich, wie es weitergehen koennte?“
„Schon moeglich.“ Steve wandte die Augen ab, die einen verraeterisch feuchten Glanz bekamen.  Unfassbar – der knallharte SEAL hatte sich verliebt. Danny hatte so etwas angedeutet, aber sie hatte es nicht so recht glauben wollen. Doch jetzt freute sie sich einfach nur fuer Steve. Die Fronten zwischen ihnen beiden waren laengst geklaert, sie spuerte weder Eifersucht noch Neid. Nein, sie freute sich wirklich fuer Steve. Jetzt musste er nur noch am Ball bleiben, und da lag bekanntlich sein groesstes Problem.
„Ruf sie an Steve. Jetzt. Nimm Dein verdammtes Telefon und RUF SIE AN!“ Sie gab ihm einen Kuss auf die Wange, entzog ihm ihre Haende und wandte sich zum Gehen.
„Hey!“
Catherine drehte sich um.
„Danke, Cath!“
Sie laechelte nur und machte die Geste des Telefonierens. „Jetzt!“ rief sie ihm nochmal zu, dann war sie ums Hauseck verschwunden.
-----------------------------------
„Verdammte Scheisse!“ Der bullige Mann tobte wie ein Irrwisch durch die halb verfallene Lagerhalle.
„Wie lange predige ich Dir schon, eine vernuenftige Muetze aufzuziehen, wenn Du Dir schon nicht die Matte abschneiden lassen willst. Wie lange, haeh? Drei Jahre, oder vielleicht vier? Es ist zum Kotzen!“
Der so zusammengepfiffene schaute trotzig zu Boden, ohne ein Wort zu erwidern. Er fand die ganze Aufregung uebertrieben.
„Du wirst uns noch auffliegen lassen.“
„Nun mach aber mal halb lang, Eliott! Sie haben uns doch eh‘ im Verdacht, das hast Du selbst gesagt.“ Der dritte im Bunde versuchte zu schlichten.
„Jetzt musst Du auch noch Deinen Senf dazu geben, Andy? Ja? Wo Du den Brandsatz am Transporter so beschissen gelegt hattest, dass die halbe Karre unversehrt geblieben ist? Mein Kontakt im HPD meinte, es waer‘ ein Wunder, dass da keine Fingerabdruecke zu finden waren, sondern nur diese scheiss Maske. Aber die hat ja auch gereicht. Und jetzt noch Dein Haar Pete! Lasst uns beim naechsten Mal einen Stempel draufmachen. Hier geht es um zuviel, Jungs!“ Sein Prepaid-Handy klingelte, er schaute aufs Display und fluchte.
„Du sollst mich doch nicht anrufen, hab‘ ich Dir gesagt!“ gellte seine Stimme ins Telefon.
Sein Gespraechspartner blieb einen Augenblick stumm, dann entgegenete eine zaghafte Stimme „Ich sollte doch die Augen aufhalten.“ Der Mann, der sich Eliott nannte, verdrehte die Augen.
„Ja, aber Du solltest abwarten, bis ich Dich kontaktiere.“ Er war bemueht, keine allzu verfaenglichen Kommentare per Telefon zu machen, obwohl er dem anderen am liebsten die Meinung gegeigt haette. ‚Unvorsichtiges Arschloch‘ dachte er nur ‚halt bloss durch.‘
„Die Plaene wurden geandert. Es wird jetzt nicht nur in der Stadt sein. Morgen ziehen sie um nach Makiki. Ich muss mit, werde die naechsten Tage da zu tun haben. Ich weiss echt nicht, wie wir….“ Nervositaet, um nicht zu sagen Verzweiflung lagen in seiner Stimme.
„Hoer mir gut zu, Al!“ Eliott sprach den Namen nahezu mit Abscheu aus. „Ich werde jemanden schicken, der sich das ansieht. Schick mir die Adresse. Sofort!“ ‚Al‘ stoehnte vernehmlich in den Hoerer.
„Hey“  Die Stimme des Bulligen wurde zusehens agressiver. „Denk dran, was auf dem Spiel steht. Du moechstest doch nicht, dass ich Deine „Belohnung“ ins Wasser fallen lassen, nicht wahr, Al?“ Er grinste gehaessig.
„Nein, bitte tu das nicht! Ich flehe Dich an!“
„Dann lass Dir was einfallen. Das ist doch Deine Spezialitaet, oder? Anderen was vormachen?“ Er beendete das Gespraech mit einem schmutzigen Lachen.
--------------------------------------------
John stieg aus dem alten Pick-Up, liess die Hunde von der Lageflaeche springen, zog die beiden geschnitzten Bretter aus dem Wagen, auf denen die Tiere gelegen hatten, und warf sie sich ueber die Schulter. Auch wenn er nicht mehr der Juengste war, Chris bewunderte doch immer wieder die Geschmeidigkeit, mit der der alte Rodeo-Champion aufwarten konnte.
„Gut, was? Hat mir ein alter Freund geschnitzt!“ strahlend kam er zu Jeff und Chris hinueber, die gerade die letzten Latten an einer der Umzaeunungen festnagelten.
„John’s Paradies“ war kunstvoll aus dem Holz herausgeschnitzt.
„Ich dachte, Du wolltest einen neuen Namen?“ fragte Jeff erstaunt. „Wollt‘ ich, aber dann hab‘ ich’s mir anders ueberlegt. Hab‘ mich einfach dran gewoehnt, und so kennt man uns. Apropos – es gibt was zu feiern!“ Er drehte sich in Richtung der neuen Gebaeude, dann hoerte man einen gellenden Pfiff, der alle Mitarbeiter von ihrer Arbeit aufschauen liess.
„Alle mal herkommen!“ rief er mit lauter Stimme.


Zuletzt von buggie am Do Apr 03, 2014 5:13 pm bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
Nach oben Nach unten
buggie
Bodyguard
avatar

Weiblich Anzahl der Beiträge : 325
Alter : 47
Ort : Livorno-Italien / Koeln
Anmeldedatum : 08.08.13

BeitragThema: Re: ALSO ALLES IM LOT !? (Fortsetzung von „Auszeit“)   Di Feb 11, 2014 11:43 pm

Kapitel 5

„Hi!“ Der Anruf kam gerade als John alle Mitarbeiter um sich versammelt hatte. Chris entfernte sich ein paar Meter, um seine Ausfuehrungen nicht zu stoeren.
„Hallo Steve. Ich kann jetzt nicht.“ Ihre Stimme klang so abweisend. Was war denn bloss mit ihr los? „Was ist denn los?“ Er versuchte eben diese Frage so unbeteiligt wie moeglich klingen zu lassen.
„John hat alle zusammengetrommelt, weil er einen grossen Fisch an Land gezogen hat.“
„Das heisst?“
Chris seufzte. Eigentlich hatte sie jetzt echt keine Lust, mit ihm zu reden. Warum war sie bloss rangegangen.. „Wir werden in eine Fernsehproduktion mit einbezogen. Eine neue Actionserie, bei der auch ein paar Verfolgungsszenen zu Pferd vorkommen werden. Du weisst doch, Jeff und Derek habe frueher auch schon als Stuntmen gearbeitet. John ist gerade dabei, die Details zu erklaeren, die wuerde ich jetzt gerne mitbekommen!“ Wieder ihre abweisende Stimme. Dabei war sich Steve sicher, dass John ihr nachher sowieso alles haarklein erlaeutern wuerde.  Warum also jetzt die Eile?
„Sehen wir uns spaeter? Ich meine, ich wuerde vorbeikommen, und Dich abholen…“ Er klang so ueberzeugend und gleichzeitig so zaghaft, dass Chris‘ feste Vorsaetze augenblicklich broeckelten. Sie haette sich am liebsten selbst dafuer geohrfeigt. Dabei war sie sich ganz sicher gewesen, seinem Charme widerstehen zu koennen, nach dem, was heute Morgen passiert war.
„Nein, Steve. Ich muss an der Planung mitarbeiten. Tut mir leid. Lass uns telefonieren, ja?“ Oh Gott, sie merkte selbst, wie ihre Stimme wieder sanfter wurde. Mist. „Tschuess!“ ganz schnell unterbrach sie das Telefonat.  
Steve starrte unglaeubig sein Telefon an. Ein Funken Wut loderte in ihm auf. Sie hatte ihn einfach abgewuergt, das gab’s doch nicht. Doch je laenger er da sass, desto klarer wurde ihm, dass er sich einfach einsam fuehlte. Verlassen. Eine voellig neue Erfahrung, irgendwie – tja – schaurig-schoen. Seine Finger waren fahrig gewesen, als er ihre Nummer waehlte, und beim Klang ihrer Stimme war ein wohliger Schauer durch seine Glieder gefahren. Er hatte immer noch das Gefuehl, sein Herz wuerde schneller schlagen.
Steve stand auf und warf sein Handy wuetend zurueck auf die Couch. Das war doch nicht die Chris, die ihn noch heute frueh mit ihren sanften Haenden auf so aeusserst anregende Weise aus dem Reich der Traeume geholt hatte.
Irgendetwas stimmte da nicht, und er musste herausfinden, was das war. Er wollte ‚seine‘ Chris zurueck, koste es, was es wolle.

Chris sass derweil immer noch mit abwesendem Gesichtsausdruck auf einem Holzblock. John’s Projekte haetten  ihr in diesem Moment nicht gleichgueltiger sein koennen. Sie hatte schliesslich gerade dem Mann eine Abfuhr verpasst, in dessen starken Armen sie sich noch bis vor ein paar Stunden so sicher gefuehlt hatte. Wenn sie die Augen schloss, meinte sie die Waerme seines Koerpers an ihrem spueren zu koennen, seinen Duft in der Nase zu haben. Eine Traene rollte ihr ueber die Wange, dann zwei und dann immer mehr.  

Jeff beobachtete Chris schon eine Weile kritisch aus der Ferne. Eigentlich hatte er nur kurz ausladen und dann wieder zur alten Ranch fahren wollen, doch als sie jetzt offensichtlich auch noch zu weinen begann, ging er hinueber, um nach ihr zu sehen.
„Hey, Schwesterchen!“ fuer ihn war Chris wie eine Schwester, was zu glauben ja seiner Frau lange Zeit nicht leichtgefallen war. Chris sah mit verquollenen Augen zu ihm auf. Jeff quetschte sich neben sie auf den Holzblock und nahm sie in den Arm. „War er das eben?“ er wies mit dem Kinn auf ihr Handy. Sie schluckte nur und nickte. „Was ist denn bloss los?“ Schweigen. Er drueckte sie fest, ohne ein Wort zu sagen.
„Ich hab ihn gesehen heute“ brachte Chris unter Traenen hervor. „Wen? Steve? Ja klar, heute Morgen – ich versteh nicht, wieso?“ „Nein, ich meine … am Market Place, als ich mit John noch einkaufen war.“
„Ja und? Hast Du nicht mit ihm gesprochen?“ „Nein….“ Ihre Worte gingen in erneutem Schluchzen unter. „Er hat sie gekuesst!“ „Wie gekuesst… was meinst Du damit?“ Jeff konnte ihr nicht ganz folgen. „Na er hat sie gekuesst. Er stand da an einem Café, ich hab‘ ihm gewunken, aber er hat mich nicht gesehen. Und dann ist ploetzlich diese Frau aufgetaucht und … hat ihn… gekuesst.“ „Und Du bist ganz sicher, dass es Steve war?“ „Ja. Er sah so schick aus in seiner Uniform…“ sie konnte den erneuten Weinkrampf nicht mehr unterdruecken.
Jeff konnte sich das alles irgendwie nicht vorstellen. Er wollte das auch einfach nicht glauben, schliesslich war er so ueberzeugt davon gewesen, dass Steve es ehrlich mit Chris meinte. Das konnte doch nur ein Missverstaendnis sein. Chris laechelte ihn an, umarmte ihn kurz und stand auf. „Ich geh‘ schlafen. Ich mag nicht mehr.“ murmelte sie. Kopfschuettelnd schaute Jeff ihr hinterher. Er hoffte nur, dass John mit seiner Skepsis nicht recht behielt.

Steve wachte vom Klingeln des Handys unter seinem Kopf auf. Sein Nacken tat ihm weh, der linke Arm war eingeschlafen, und ueberhaupt brauchte er einen Moment, um zu realisieren, wo er war.
Leise Stimmen brachten ihn auf die richtige Spur. Er war tatsaechlich beim Fernsehen eingeschlafen, und das auch noch in einer furchtbar unbequemen Haltung…. Inzwischen war es sieben Uhr – er war eindeutig noch auf Urlaub gepolt.
Der Anrufer gab nicht auf. Auf dem Display leuchtete Dannys Name auf, also hob er ab. „McGarrett“
„Steve, ich bin’s, Danny.“ Die Stimme klang gehetzt. „Mach Dich fertig, bin in 2 Minuten bei Dir und hol Dich ab.“
„Was ist denn los, verdammt noch mal?“ Steve wurde ungeduldig.
„Wir haben eine Leiche, draussen beim Makapuu Point Lighthouse.“
„OK, bin gleich fertig.“ Steve rannte die Treppe hinauf ins Badezimmer, um sich wenigstens notduerftig frisch zu machen. Er war schon frisch gewaschen und umgezogen, als Dannys Wagen vors Haus rollte. Ein Blick auf die Uhr liess keinen Zweifel aufkommen – Danny hatte eindeutig eine andere Vorstellung als er von zwei Minuten. Der Blonde kam aufs Haus zu, als er zur Tuer hinaus trat. „Schluessel“ mehr sagte er nicht. „Wie bitte?“ „Die Schluessel, Danno! Oder willst Du hier anwachsen?“ Sein Partner zog eine Grimasse, reichte ihm aber wortlos die Wagenschluessel.

Als sie auf der Klippe oberhalb vom Leuchtturm ankamen, sahen sie schon von weitem Max‘ Auto sowie die Fahrzeuge der Spurensicherung. Steve hatte angehalten und schaute aufs Meer hinaus. Er grinste, worauf Danny ihn schief von unten herauf ansah. „Was gibt’s denn da so bloed zu grinsen? Hast Du ne Moewe gesehen, die rueckwaerts fliegt?“ „Nee, Danno, faengt zwar auch mit „M“ an… Wir sind frueher abends mit unseren Maedchen hergekommen.“ „Wer – wir? Und wann – frueher? Muss man Dir denn jedes Wort aus der Nase ziehen? “ „Mensch, Danno, neugierig bist Du ja nicht.“ Steve lachte kurz, doch dann huschte ein Schatten ueber sein Gesicht und er fuhr langsam weiter „Bevor mein Vater mich weggeschickt hat.“ „Sorry“ murmelte Danny nur. „Ist schon gut. Ich musste nur an damals denken, ein paar Freunde und ich sind manchmal heimlich hier hoch gekommen, wir haben uns gegenseitig Alibis gegeben, Du weisst schon – ‚Kann ich heute bei Soundso schlafen‘ … Dann haben wir uns die Fahrraeder geschnappt,  Schlafsaecke und Proviant mitgebracht, manchmal haben wir auch am Lagerfeuer gesessen – siehst Du den Felseinschnitt da unten?“ Danny nickte. „Wenn Du da ein Feuer anzuendest, sieht das so schnell keiner, nicht mal vom Leuchtturm aus, und der Wind an den Klippen zerreisst die Rauchschwaden. Manchmal sind auch ein paar Maedchen mitgekommen.“ Jetzt grinste Danny „Denen habt Ihr wahrscheinlich von den Walgesaengen vorgeschwaermt, nehm ich an? Steve der Romantiker?“ „So aehnlich. Fred, der Aelteste hatte ein Auto. Aber wenn er die gut 2 Meilen mit seiner jeweiligen Flamme zu Fuss hierher gelaufen war, brauchte es schon etwas mehr als Walgesaenge, um die Dame bei Laune zu halten.“ Steve schuettelte gedankenverloren den Kopf. Wie es wohl den Kameraden von damals ergangen war? Danny unterbrach die Stille. „Es ist so klar heute, man hat das Gefuehl, nach Molokai spucken zu koennen.“ „Merkwuerdige Gelueste hast Du, Danno!“ Steve lachte und parkte den Wagen.
Chin, der schon laenger eingetroffen war, kam ihnen entgegen. Seine Cousine Kono war die erste von Five-O am Leichenfundort gewesen, sie hatte zu ihrer grossen Verwunderung einen Anruf von Max erhalten, weil der Danny nicht hatte erreichen koennen.

„Also Chin, Kono, was haben wir?“ Steve stand abwartend da, breitbeinig, mit verschraenkten Armen, wie er das so oft tat. Chin sah zu Kono, die erwiderte seinen Blick. „Also?“
Chin sprach bedaechtig „Der junge Mann dort drueben hat den Toten gefunden. Er sagt, er kaeme zur Zeit taeglich frueh morgens hier heraus , zur Walbeobachtung fuer seine Doktorarbeit. Wenn noch alle Teleskope frei sind und keine Touristen nerven, wie er sich ausdrueckte. Er kommt mit dem Rad, hat sich gewundert, wie ein Auto hier her kommt, wo doch die Zufahrt nicht erlaubt ist. Tja, und dann hat er im Wagen die Leiche gesehen. Kopfschuss in die Stirn aus naechster Naehe, kleines Kaliber. Der Tote ist maennlich, 43, Einheimischer wohnhaft in Kapolei.“
Irgendwas klingelte bei Steve beim Klang dieses Namens. „Also hatte er Papiere dabei!“
„Nein“
„Was heisst ‚nein‘? Woher weisst Du dann das alles?“ Chin schaute hilfesuchend zu seiner  Cousine hinueber.

„Boss“ Kono legte ihre Hand auf seinen Arm und schaute ihm fest in die Augen. „Der Mann ist bekannt. Der Mann ist DIR bekannt.“

Steve verstand nicht, worauf sie hinaus wollte. Irgendetwas ging hier vor, das ihn unruhig machte. Was wollte sie damit sagen ‚das Opfer war ihm bekannt‘? Er marschierte los, ohne auf Konos eindringliches „Boss, nicht! Warte!“ einzugehen. Er fand das Auto auf der Rueckseite des Leuchtturms, der Tote war bereits in einen Leichen-Sack auf einer Bahre umgebettet worden. Max stand in der Naehe bei einem Beamten der Spurensicherung, als er ihn herankommen sah, versuchte er, sich ihm in den Weg zu stellen.

„Ich will die Leiche sehen!“ verlangte Steve. Nun schaute ihn auch Max so seltsam an, trat dann aber langsam zur Seite.

Er holte instinktiv erst einmal tief Luft, bevor er den Reissverschluss oeffnete. Dann wurde er bleich.

Damit hatte er wirklich nicht gerechnet.

______________________________________________



Zuletzt von buggie am Do Apr 03, 2014 5:19 pm bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
Nach oben Nach unten
buggie
Bodyguard
avatar

Weiblich Anzahl der Beiträge : 325
Alter : 47
Ort : Livorno-Italien / Koeln
Anmeldedatum : 08.08.13

BeitragThema: Re: ALSO ALLES IM LOT !? (Fortsetzung von „Auszeit“)   Di Feb 18, 2014 11:57 pm

Kapitel 6

“Alles klar, Steve?” Chin Ho setzte sich neben seinen Boss, der mit unergruendlicher Miene auf einem Felsblock sass, die Ellbogen auf den Knien abgestuetzt und  die Haende gefaltet.
„Mmh?“ Der so Angesprochene blickte kurz auf, ohne wirklich Notiz von seinem Gegenueber zu nehmen, dann starrte er wieder auf den Leuchtturm, als koenne der ihm selbst ebenfalls den richtigen Weg leuchten.
Chin setzte sich wortlos neben ihn und wartete ab. Er wusste, dass man seinen Freund nicht bedraengen durfte, dafuer war der viel zu sehr gewohnt, alles mit sich selbst auszumachen. Darum hatten sie auch beschlossen, dass er mit Steve reden sollte und nicht Danny, der einfach zu sehr emotionell involviert war und vor allem Steves Eigenheiten nicht immer akzeptieren wollte.

„Ich hatte nicht damit gerechnet, ihn SO wiederzusehen. Um ehrlich zu sein, eigentlich hatte ich gar nicht erwartet, ihn jemals wiederzusehen.“
„Das dachte ich mir.“
„Kann Max schon was sagen?“
„Todesursache duerfte wohl der Kopfschuss sein, allerdings hat Max weder Fesselungs-noch Abwehrspuren gefunden. Schon ein bisschen merkwuerdig, nicht? Vielleicht war der Kerl betaeubt – warten wir die Blutanalysen ab. Todeszeitpunkt jedenfalls vor ueber sechs Stunden, damit ist ausgeschlossen, dass der Mord hier veruebt wurde. Laut Aussage des Leuchtturmwaerters muss er zwar nicht mehr wie frueher staendig seine Runde machen, aber aus alter Gewohnheit geht er doch mehrmals nachts hoch, und gegen vier stand der Wagen noch nicht hier.“
„Jemand kannte also die Gewohnheiten des Waerters?“ Steve versuchte, sich auf die Fakten zu konzentrieren, wie er es immer getan hatte, aber irgendwie fiel ihm das in diesem Fall schwer.
„Tja, und die Waffe – Max sagt, das Kaliber kommt hin…“
„Du meinst…?“
„Gut moeglich.“
„Verdammt. Wir muessen seinen Hintergrund nochmal durchleuchten. Ich dachte, er sei nur durchgeknallt. Aber offensichtlich ist da irgendwas faul. Sag Kono..“
„Sie arbeitet schon dran, Steve. Und Danny vernimmt gerade nochmal den Doktoranden und den Leuchtturmwerter. Komm, lass uns die Gegend mal naeher untersuchen.“
Es war Steve unangenehm, dass alle Mitglieder seines Teams schon so aktiv gewesen waren, waehrend er nur untaetig rumgesessen hatte. Seufzend stand er auf. Irgendwie lief alles schief.


Catherine hatte sich mit Trisha und Susan zum Mittagessen in Waikiki verabredet. Sie sass in einer Strandbar , sueffelte genuesslich an einer Cola und betrachtete entspannt das Treiben der Sonnenhungrigen.

„Hallo Suesse, alles klar?“ Ploetzlich hoerte sie Trishas froehliche Stimme hinter sich. Sie stand auf und begruesste ihre Freundin mit Wangenkuesschen. „Wo hast Du denn Susy gelassen?“ „Ach, die telefoniert sich noch ein Ohr ab!“ dabei machte sie einen verliebten Gesichtsausdruck und klimperte mit den Wimpern.    
Catherine kicherte. Kono hatte ihr von der Begegnung in der Bar erzaehlt. „Doch nicht etwa dieser – wie heisst er noch?“ „Alex. Alex O’Lally. Doch, genau der. Ich hab‘ zwar keine Ahnung, wie sie das hingekriegt hat, aber unsere brave Susan trifft sich mit einem Schauspieler!“ „Naja,  so‘n richtiger Promi is‘ der ja wohl auch wieder nicht, ich hatte seinen Namen jedenfalls noch nie gehoert. Mein Ding waer das eh nicht – ich steh mehr auf…hm…schwer zu sagen….“

„Echte Maenner, Cath. Wir stehen auf echte Maenner!“ floetete Trisha, die seit der Trennung ihrer Freundin von McGarrett  immer mal wieder versuchte, Steve schoene Augen zu machen, wenn auch zu ihrem grossen Leidwesen bisher ohne Erfolg.

„Maenner? Hoere ich hier das Wort Maenner? Cath, Du hast doch nicht etwa die Angel ausgeworfen?“ Wie aus dem Nichts tauchte Susan neben ihnen auf, das Handy noch in der Hand.
„Na, alles klar?“ Fragte Trisha mit Kopfnicken Richtung Telefon.
„Ja. Er ist ja sooo suess. Er hat mir gerade gesagt, wo die ersten Drehs stattfinden werden, und hat mich eingeladen, vorbei zu kommen.“ floetete ihre sonst eher sproede Freundin. Offensichtlich war sie wirklich verknallt. „Ehrlich! Ihr muesst Alex unbedingt kennenlernen. Er ist wirklich…“sie suchte nach dem passenden Ausdruck „wirklich…. Wow!“ Trisha und Catherine konnten sich beide den theatralischen Seufzer nicht verkneifen, was zuviel war, war zuviel, da bestand Einigkeit zwischen ihnen.
„Wieso eigentlich erste Drehs?“ fragte Trisha. „Ihr habt doch da im Turtle Bay schon Szenen zu sehen gekriegt?“ „Ja, aber die sind in New York gedreht worden. Alex“ -  es klang, als wuerden sie sich schon eine Ewigkeit kennen – „Alex spielt einen Spezialermittler der Polizei, der von New York nach Honolulu geschickt wird, um hier eine besondere Einheit aufzubauen.“ Sie machte eine bedeutungsschwere Pause. „Tja, und jetzt machen sie einige Takes in und um Honolulu. Ach, ich weiss nicht, ob ich das erzaehlt hatte – der Gouverneur hat zugestimmt, dass sie sich beim Five-O-Team umschauen und vielleicht ein paar Anregungen holen.“    
Catherine bekam grosse Augen „Aeh, nein, das hast Du nicht erwaehnt!“ antwortete Trisha. „Ich weiss nicht, ob das Steve so recht ist! Du weisst, er hat es nicht so mit Zivilisten bei den Ermittlungen!“ Catherine wusste genau, dass das ihrem Exfreund ueberhaupt nicht passen wuerde. Aber es war auch klar, dass er sich Dennings Entscheidung wohl oder uebel wuerde beugen muessen.

Zu mehr kam sie nicht, weil ihr Handy zu klingeln begann. „Hey Danny – was ist los?“ sie war sofort alarmiert. Dass sein Partner sie anrief, und nicht Steve selbst, konnte eigentlich nichts Gutes bedeuten. Danny erzaehlte ihr von dem Leichenfund. „Und? Was sagt Steve dazu? Geht es ihm gut?.... Ich verstehe….Sag mir Bescheid, falls ich…. Hast Du denn den Eindruck, er wird wieder…? Okay, warten wir erst mal ab. Ciao Danny.“  Sie unterbrach das Gespraech und schaute gedankenverloren aufs Meer hinaus.  

Irgendwann wurde ihr bewusst, dass ihre Freundinnen sie fragend anschauten. Sie erklaerte ihnen, wer auf so unverhoffte Weise wieder aufgetaucht war, und wie das Steve etwas aus dem Tritt gebracht hatte.

„Max? Maahaax!“ Steve versuchte, das inzwischen vertraute Klavier-Geklimper des kleinen asiatischen Gerichtsmediziners zu uebertoenen. Der bemerkte sie erst jetzt. „Gentlemen!“ Er hatte ihnen einmal erklaert, das Klavierspielen wuerde ihm in verzwickten Faellen bei der Konzentration helfen – nun gut, jedem das seine. „Du wolltest uns was zeigen?“ Danny fummelte derweil mit gummibehandschuhten Fingern an den Gegenstaenden herum, die auf einem Beistelltisch lagen.
„Ja, aeh – also ich hatte eigentlich nur mit Daniel gerechnet..“ Dr. Max Bergmann war offensichtlich irritiert. Danny deutete hinterruecks auf Steve und zuckte mit den Schultern, wohl zum Zeichen, dass er ihn nicht hatte aufhalten koennen. „Was jetzt, Max!“ ermahnte ihn der Commander. „Ja, ich habe etwas entdeckt. Ach ja, das da..“ er deutete im Vorbeigehen auf Dannys ‚Beute‘ „ist sein Hosentascheninhalt.  Ziemlich viel Kram, vielleicht haette der Herr Cargohosen tragen sollen.“ Steve ueberhoerte die Anspielung geflissentlich.
“Und – was muesste ich jetzt eigentlich sehen?“ McGarrett starrte widerwillig auf den aufgedeckten Oberkoerper der Leiche. Er merkte, wie sich ein Kloss in seinem Hals bildete, so sehr er sich auch bemuehte, dagegen anzukaempfen.
„Wie ich Chin schon am Tatort sagte, hat es mich stutzig gemacht, dass unser Toter sich nicht gewehrt hat – so ein Schuss aus naechster Naehe ist ja schliesslich nichts, was man einfach gottergeben erwartet, nicht wahr?“ Steve nickte ungeduldig. „Und?“    „Ha!“ stiess Max triumphierend hervor und drehte den Kopf des Mannes auf dem Tisch zur Seite. „Siehst Du den kleinen roten Punkt hier am Hals? Das ist eine Einstichstelle!“
„Also wurde er betaeubt?“
„Nun – das ist wohl kaum eine Stelle, um sich selbst einen Schuss zu versetzten. Die Blutanalyse laeuft noch, aber – ich denke ja!“
Steve sog scharf die Luft ein, lies Max wortlos stehen und ging in den Vorraum. Im gleichen Raum mit diesem … diesem … diesem Monster wollte er nicht laenger bleiben, alles in ihm war auf Flucht gepolt, und in seinem Hirn ratterte es ohne Unterlass. Wie passte das Alles zusammen? Was auch immer jemanden dazu gebracht hatte, diesen Kerl hier umzubringen – und hinter diesem ‚Was‘ alleine stand schon ein grosses Fragezeichen – es war keine Affekthandlung gewesen. Ausserdem, wer haette die begehen sollen? Es war damals nichts aktenkundig gegen den Kerl gewesen, auch wenn sie ihn nochmals durchleuchteten, er war sich irgendwie sicher, sie wuerden in der Vergangenheit kein Haar in der Suppe finden. Die Frau war auch nicht von hier gewesen,  kein Grund fuer Familienfehde, tja, und sich selbst, Commander Steven McGarrett, konnte er auch von der Verdaechtigenliste streichen.
Nein, wer ihn umgebracht hatte, wusste genau, was er tat. Das Auto am Makapuu Point stehen zu lassen, war aufwendig und ein Wagnis gewesen, welches jemand sehr bewusst eingegangen war. Ein Zeichen? Ja, irgendwer wollte irgendwem ein Zeichen geben. Vielleicht sogar ihm? Aber das machte doch keinen Sinn. Ihm begann der Kopf zu schwirren.  

„Steve?“ Die Stimme drang nur langsam zu ihm durch. „Steve! Steven!“ Danny wurde energischer. „Ja, Daniel?“ Steve riss sich aus seinen Erinnerungen und zwang sich, seinen Partner anzuschauen. Sowohl der, als auch Max, trugen eine besorgte Miene zur Schau. „Alles klar?“
„Jaja, alles in Ordnung, Danno. Was gibt’s?“
Danny hielt ein Papier hoch. „Das hier habe ich bei den Sachen des Toten gefunden, was haeltst Du davon?“
Das Papier war allem Anschein nach aus einem handelsueblichen Schreibblock gerissen worden, diese Bloecke mit Linien, wie man sie an jeder Ecke bekam. Es war nur eine halbe Seite, urspruenglich wohl zerknuellt, mit einer kurzen Bleistiftnotiz. ‚NUUANU RESERVOIR LULUMAHU FALLS‘ darunter ‚AL 17‘ und dann, mit einem anderen Stift geschrieben ‚JOHN‘ und ‚PARADIES‘ Die letzten zwei Worte liessen Steve zusammen zucken.
„Wo stammt das her, Max?“ Der Gerichtsmediziner antwortete nicht sofort. „Max! War das in der Tasche des Toten?“
„Nein! Irgendeiner bei der Spurensicherung hat wohl gepennt – da war ein Probenbeutel mit im Leichensack, mit dem Zettel und einem Bleistiftstumpen. Warum?“
„Danny, komm, ich setz Dich am Hauptquartier ab. Danke, Max!“ er dreht sich auf dem Absatz um und ging zur Ausgangstuer.
„Wowowow – wo fahren wir denn jetzt hin?“ Danny musste ihm fast hinterher laufen, so schnell schritte er aus. „Hey – redest Du bitte mal mit mir?“
„Ich sagte doch, ich fahre Dich ins Hauptquartier.“
„Und Du???“
„Ich habe was zu erledigen.“ Der blonde Detektive verzog das Gesicht, sparte sich dann aber doch einen Kommentar – wenn er so drauf war, war mit Steve nicht zu reden.  

Am Iolani Palace angelangt, drueckte Steve ihm seine Schluessel in die Hand und oeffnete die Tuer seines eigenen Wagens, ohne ein weiteres Wort der Erlaeuterung. Doch Danny Williams waere nicht Danny Williams gewesen, haette er das Verhalten seines Kollegen so einfach durchgehen lassen. Er packte Steves Fahrertuer und hinderte McGarrett so am Losfahren. „Lass mich endlich fahren!“ herrschte ihn der auch gleich an.
Danny wurde langsam wuetend. „Moment mein Freund, ich weiss, das am Leuchtturm war ein Schock fuer Dich. Kannst Du mir jetzt also bitte erklaeren, wo Du hinwillst?“
„Ich muss zu Chris!“
„Bitte? Also…Dein Privatleben geht mich ja nichts an, aber mitten in einem Fall? Spinnst Du??“
„Hier geht es nicht um mein Privatleben, wie Du es so schoen ausdrueckst, Danno! Du hast doch die Notiz selbst gelesen, die wir bei dem Toten gefunden haben! ‚Lulumahu Falls‘ !“
„Ich habe keinen blassen Schimmer, wovon Du redest, Steve.“ Danny gestikulierte aufgebracht. „Ich kann – und will – doch nicht jeden Wasserfall auf diesem gottverdammten Eiland kennen! Und was bitte hat das ueberhaupt mit dieser Chris zu tun?“
„Die Lulumahu Falls“ dabei sah er Danny ernst von oben herab an „ Die Lulumahu Falls werden von den Koolau Bergen gespeist, genauer gesagt vom hoechsten, vom Konahuanui.“
„Sehr schoen, Herr Lehrer, in Geografie war ich nie so ein Ass. Und weiter?“
Steve verlor langsam die Geduld. „Danny, die sind in der Naehe des Nuuanu Reservoirs!“
„Na und?“
„Na und? Na und? Verdammt noch mal, Danno – ich muss los jetzt. Erinnerst Du Dich an die anderen Worte auf dem Zettel?“
„Ja“
„‘John‘ und ‚Paradies‘ – ‚John’s Paradies‘, Danno. Die neue Ferienranch, auf der Chris arbeitet! Die ist in der Naehe des Reservoirs. Ich muss zu Chris – wer weiss, was das bedeutet – vielleicht ist sie in Gefahr!“

______________________________________________



Zuletzt von buggie am Do Apr 03, 2014 5:24 pm bearbeitet; insgesamt 2-mal bearbeitet
Nach oben Nach unten
buggie
Bodyguard
avatar

Weiblich Anzahl der Beiträge : 325
Alter : 47
Ort : Livorno-Italien / Koeln
Anmeldedatum : 08.08.13

BeitragThema: Re: ALSO ALLES IM LOT !? (Fortsetzung von „Auszeit“)   So März 09, 2014 1:17 pm

Kapitel 7

Er pfiff leise vor sich hin. Ein schoener Tag. Ein erfolgreicher Tag. Musste er sich jetzt Sorgen machen, weil alles so perfekt lief? Der hoch aufgeschossene Mann rieb sich gedankenverloren seinen verwilderten Vollbart und schob diesen Gedanken ganz weit weg. Man konnte doch einfach mal Glueck haben, oder etwa nicht? Lieber nahm er sich eine der schweren Kisten und konzentrierte sich auf die Arbeit, bevor er sich noch selbst eingestehen musste, dass Leute wie er gewoehnlich nicht ‚einfach Glueck‘ hatten.

„Ehi, Tim! Da drueben hin – ja, genau, in den Container mit den Schienen fuer die Kameras“ Dieser Regisseur, wie hiess er noch gleich – Peter? – war wirklich unermuedlich. Sogar beim Umzug des Materials war er staendig vor Ort, kontrollierte, dirigierte, delegierte und was nicht sonst noch.

Waere es nicht um so ein grosses Ding gegangen, fuer ein Weilchen haette er glatt mal dem Ganovenleben abschwoeren und wieder beim Film arbeiten koennen. Gut, dass Eliott keine Gedanken lesen konnte – dann haette er jetzt wahrscheinlich schon ne Kugel im Kopf gehabt. Wie der Typ heute Nacht.
Einen Augenblick sah er vor seinem geistigen Augen seinen Grossvater auftauchen, einen deutschen Emigranten, wie er mit beinahe liebevollen Bewegungen die Filmrollen zusammenklebte und dann auf den Projektor aufspulten. Da war nix mit digital und so… Er, der kleine Tim, hatte ‚Erna‘ geliebt, den alten Ernemann9-Projektor aus den 50ern, den sein Opa auf einem Heimatbesuch erstanden und mit dem er dann in Brooklyn sein erstes kleines Kino eroeffnet hatte. Seinem Enkel, diesem neugierigen Bengel, hatte er beigebracht, wie man die Kohlebogenlampe zuendete und richtig einstellte, und wie man bei einem Filmriss am schnellsten den gerissenen Streifen klebte. Das war sein Einstieg gewesen, dann hatte sein Opa eine Kinokette aufgezogen, Premierenfeiern organisiert, wichtige Leute aus der Branche kennengelernt, und er selbst hatte angefangen, sich seine Broetchen als Maedchen fuer alles zu beim Film zu verdienen. Vielleicht fehlte ihm fuer mehr der Grips, ganz sicher aber die Geduld. Sonst haette er auch nicht angefangen, mal hier und da was verschwinden zu lassen und so seine Kleinganovenkarriere einzuleiten.…

Ploetzlich verschwanden die Bilder wieder und wurden von einer Hand ueberlagert, die eine kleine Pistole hielt.  Der Kerl war so aufgeregt gewesen, dass er gierig den Whisky runter spuelte, den Eliott ihm reichte. Das hatte ihn benebelt, gegen die Spritze hatte er sich schon nicht mehr gross gewehrt … und dann… Der  Mann schauderte. Wie hatte er sich bloss so tief in diese Scheisse hier reiten lassen koennen? Er konnte es sich immer noch nicht erklaeren. ‚Tim, Du bist ein riesen Arsch‘ Selbsterkenntnis war doch bekanntlich der erste Weg zur Besserung, oder nicht? Andy hatte ihn, Tim, danach pruefend angeschaut, als wollte er gleich ausloten, ob man sich auf ihn verlassen konnte. Keine Ahnung, wo er die Nerven hergenommen hatte, so zu tun, als waere das Beiwohnen bei regelrechten Hinrichtungen ein Hobby vor ihm. War wohl ein Ueberlebensinstinkt. Danach hatte er gekotzt, als ihn keiner mehr sah.

„Ehi Mann, schlaf nicht! Pennen kannste heut‘ Abend noch genug!“ „Jaja, schon gut! War in Gedanken…!“ Die naechste Kiste war klein, die lud er sich auf die Schulter und sah zu, nicht mehr aufzufallen. Es war zwar kein Problem gewesen, mit seinen Vorkenntnissen einen Job bei den Dreharbeiten zu kriegen, aber die Konkurrenz schlief nicht. Es hatten sich diverse Jungs fuer die einfacheren Jobs gemeldet, die noch auf der Warteliste standen. Von den Frauen ganz zu schweigen. Einige wollten sicher wirklich in der Branche arbeiten, aber die meisten waren wohl eher auf die Schauspieler scharf und suchten nur einen Vorwand, um naeher an sie ranzukommen. Zum Glueck musste er nur die Augen aufhalten, die Zeitplaene und Sicherheitsvorkehrungen ausbaldovern und so’n Kram. Andy war der, der den Kontakt zu Eliott hielt. Und zu ihrem Hauptinformanten, um den sich bald alles drehen sollte. Er, Tim, verdankte sein Hiersein wohl nur der Tatsache, dass Andy keinen Job gekriegt hatte, bei dem er ueber Nacht auf dem Gelaende bleiben konnte. Andy wurde stundenweise bezahlt, auf Abruf. Also blieb der Spitzeljob an ihm kleben. So richtig behagte ihm das ja nicht, aber er konnte sich’s wohl nicht aussuchen, in seiner derzeitigen Lage.

Eliott war ihm nicht geheuer, der Kerl schien manchmal so einfach gestrickt und grobschlaechtig, aber Tim hielt ihn fuer eine falsche Schlange, traute ihm nicht so richtig ueber den Weg. Was wohl auf Gegenseitigkeit beruhte, sonst haette der Boss wahrscheinlich nicht auch seinen Bruder Andy geschickt.
Der war aalglatt, oder besser gesagt richtig schmierig.

So froh Tim war, dass damit nicht alle Verantwortung fuer ihren Plan hier alleine auf ihm lastete, Andys Anwesenheit macht ihn auch weniger wichtig. Und dieser Gedanke behagte ihm gar nicht. Weniger wichtig war weniger sicher, so einfach war das.

„Hey, warst Du schon bei den Blockhuetten?“ Wenn man vom Teufel sprach, kam er auch gleich um die Ecke. „Ich mein, konntest Du schon rauskriegen, wo er untergebracht sein wird?“ Andys leise Stimme klang gleichgueltig, aber das war sie mit Sicherheit nicht. Tim musste auf der Hut sein, denn wenn Andy ihn bei seinem Bruder anschwaerzte, dann gute Nacht. „Nein, aber gleich muesste der Bus mit den Fitnessgeraeten kommen, davon geht ein grosser Teil an ihn, dann wissen wir‘s.“ „Bildet sich maechtig was auf seine Muckis ein, der Typ…“ Eine Spur Verachtung lag in Andys Worten. Tim schuettelte nur den Kopf. So ein Idiot. „Das ist doch Teil seines Jobs. Es gibt verdammt viele Schauspieler, und wenn einer nicht zur Elite zaehlt, dann muss er mit irgendwas auf sich aufmerksam machen. Was glaubst Du, wie viele von den Maedels auf so einen Typ Mann fliegen..“ Das hatte er schon so oft erlebt, als er noch sauber war und mit den Schauspielern auf ein Bier ging.

„Jetzt guck Dir mal die Kleine da an. Richtig niedlich, was?“ Andy nickte mit dem Kinn nach rechts und grinste vielsagend. Sein Gespraechspartner drehte den Kopf in die angegebene Richtung. „Siehst Du sie, die mit den hellbraunen Haaren?“ Er bejahte.
„Richtig knackig, der Hintern. Jeans stehen ihr echt gut. Und auch sonst scheint alles dran zu sein, was Mann braucht, um weich zu liegen…“ Tim versuchte, sich abzusetzen, bevor Andy zu sehr ins Detail ging. Er war ja nicht pruede, aber diese Art, ueber Frauen zu reden, war ihm echt zuwider. „Was meinst Du, ob die Tussi auch fuer unseren Superschauspieler die Beine breit machen wuerde, wie die anderen, die hier rumlungern?“ Und schon war es so weit. Der lange Mann stoehnte genervt auf „Wenn der ueberhaupt an ihr interessiert waere.“ war alles, was ihm zu Erwiderung einfiel. „Na was meinst Du denn? Der is‘ doch nicht blind, nehm‘ ich an? Aber vielleicht steht sie ja gar nicht auf Schauspieler - vielleicht braucht sie ja mal nen ‚richtigen‘ Mann?“  Der vulgaere Unterton in Andys Stimme ging ihm gehoerig auf die Klicker, aber wenn Tim nicht riskieren wollte, dass der Idiot laut und die junge Frau auf sie beide aufmerksam wurde, musste er jetzt wohl oder uebel das Gespraech beibehalten, bis der naechste Truck zum Entladen geparkt hatte…..

Steves feuchte Haende rutschten am Lenkrad ab. Es der Hitze zuzuschreiben, war wohl mal eher keine glaubhafte Entschuldigung – schliesslich regnete es immer wieder und dabei wehte ein ungewohnt kuehler Wind. Nun ja - es gab einen Toten, er hatte den Fall aufzuklaeren und das Gefuehl, dass die Zeit draengte. OK, guter Ansatz, aber immer noch nicht ausreichend. Was war es dann? Die Spur fuehrte zu John’s Ranch, vielleicht steckte der ja in irgendetwas Illegalem? Den Gedanken verwarf er entgegen seinem natuerlichen Hang zum Misstrauen sofort. Nein, da meinte er John besser zu  kennen. Chris schwebte womoeglich in Gefahr. Ja, dieser Gedanke beunruhigte ihn wirklich sehr. Aber war es nur das, was ihn so nervoes machte? Steve rieb seine feuchte Rechte am Hosenbein ab.

Womoeglich war es ja doch nicht so eine gute Idee, unangekuendigt bei ihr zu erscheinen. Er haette vielleicht wenigstens vorher anrufen sollen. ‚McGarrett, Du bist ein verliebter Hornochse! Und ein Feigling vor dem Herrn!‘ – ploetzlich musste Steve ueber sich selbst lachen. Er hatte Schiss wie ein Schuljunge, sich eine Abfuhr einzufangen, nachdem sich seine Angebetete am Telefon so abweisend gegeben hatte. Und sowas verursachte ihm sogar klamme Haende, es war kaum zu glauben.  
Noch immer ueber sich selbst grinsend, fuhr er durch das grosse Tor mit dem nagelneuen Schild „John’s Paradise“

Jeff entdeckte ihn als Erster. „Hey Kumpel, schoen Dich zu sehen! Kommst Du endlich Chris mal hier rausholen? Die rackert sich noch tot…“ An seiner Stimme hoerte Steve, dass der Vorarbeiter sich ehrlich ueber seinen Besuch freute. Suchend schaute er sich um, immer noch gespannt, wie sie wohl bei seinem Anblick reagieren wuerde. „Sie ist noch unterwegs.“ Ein Schatten huschte ueber sein Gesicht und ein Anflug der Unsicherheit ueberfiel ihn. Er unterdrueckte mit Muehe und Not ein „Allein?“ Ging ihn das ueberhaupt etwas an? Ja, das tat es! Und wie! Er straffte die Schultern, wieder war er ueber diese starken Gefuehle fuer sie ueberrascht. Dann blickte er sich aufmerksam um. „Also, scheint mir ja ein nettes Fleckchen Erde zu sein hier. Auch wenn‘s eher einem Ameisenhaufen gleicht.“ Sein Gegenueber seufzte. „Ja, diese Filmfritzen… Aber das wird schon wieder ruhiger hier…“ „Jetzt sag schon, wo ist Chris denn hin?“

Die Antwort auf seine Frage bekam er nicht mehr mit. „Commander McGarrett!“ Eine bekannte Stimme liess ihn herumfahren. „Lindsay! Oh! Schoen, Sie wiederzusehen.“ „Freut mich auch! Vor allem, weil es mir einen Anruf bei Ihnen erspart!“ Lindsay Sullivan war die Pressesprecherin des Gouverneurs. „Sie wollten mit mir sprechen? Worueber denn?“ Steve hob fragend eine Augenbraue. „Wo Sie schon mal hier sind, moechte ich Sie mit ein paar Leuten bekanntmachen.“ Ein belustigtes Grinsen auf dem Gesicht, packte sie ihn einfach am Ellbogen und schob ihn vor sich her auf eine Gruppe von Maennern zu, die sich angeregt unterhielten. „Halt, stop! Jetzt sagen Sie mir bitte erstmal, um was es geht“ Steve hatte keine Lust auf diese Maetzchen, was sollte die Aktion bloss. „Warten Sie es doch einfach mal ab, Steve!“ Die Governeurssprecherin rief ploetzlich laut in Richtung der kleinen Gruppe „Peter, hast Du einen Augenblick Zeit?“ Der so Angesprochene drehte sich zu ihnen um und sagte – nichts. Er starrte Steve einfach nur an, seine Kinnlade klappte auf Halbmast. „Das gibt’s doch nicht! Mich laust der Affe!“ „Ich hab’s Dir doch gesagt!“ „Ja, aber…. Soooo – hatte ich nicht gedacht. Perfekt! Einfach perfekt! Sogar die Statur!“

Steve schaute abwechseln von Lindsay zu diesem Peter und dann wieder zurueck – er verstand nur Bahnhof. „Peter, Peter Lenkov – ich bin der Regisseur hier.“ Als ob das diese komischen Bemerkungen erklaert haette – Steve war bereits kraeftig genervt von der ganzen Sache, trotzdem siegte noch die Hoeflichkeit. „Commander Steve McGarrett, Five-O. Kann mir mal einer erklaeren…“ „Gehen Sie doch bitte mal zwei – drei Schritte, Commander!“ Jetzt reichte es ihm langsam. „Was soll das Ga..“ „Bitte, Steve. Tun Sie ihnen den Gefallen. Der Gouverneur wuerde Sie jetzt sicher auch darum bitten!“ Lindsay laechelte ihn auffordernd an. Er sog die Luft scharf ein, so dass die Nasenfluegel bebten, ging jedoch wie gewuenscht ein paar Schritte. „Das muss Alex wohl noch ueben. Hier auf Hawaii ist das Leben cool – da kann auch unser Cop cooler werden! So’n laessiger Gang, die Hand immer an der Knarre, das kriegen wir schon hin.“ Lenkovs Stimme schnappte fast ueber vor Begeisterung, die uebrigen Mitglieder seines Trueppchens nickten bestaetigend mit dem Kopf.

Jetzt schnaubte Steve fast vor Wut „Immer mit der Hand an der Knarre? Soll das ein Witz sein? Wir bei der Five-O rennen doch nicht dauernd mit der Hand an der Waffe rum! Und wer ist ueberhaupt dieser Alex?“ Lindsay fing seinen verstaendnislosen Blick auf und antwortete, bevor er die Chance hatte, in seinem Aerger noch irgendetwas Unhoefliches loszulassen. „Steve!“ Er drehte sich zum Gehen. „Steve – diese Fernseh-Produktion ist wichtig fuer uns! Fuer die Insel! Und Mr. Denning hat jegliche moegliche Unterstuetzung zugesagt.“
Sein Blick sprach Baende, die Pressesprecherin trat auch unwillkuerlich einen Schritt zurueck, hielt seinem Blick jedoch tapfer stand. „Und Alex – also Alex O’Lally – spielt die Hauptrolle, einen Cop, der aus New York kommt ..“ „Und eine Spezialeinheit aufbaut.“ Lenkov nahm ihr das Wort ab.“Etwa so wie Ihre, Steve – ich darf Sie doch Steve nennen?“  Sein Gegenueber schaute muerrisch drein, widersprach aber nicht. Lindsay Sullivan erhob die Stimme und versuchte, autoritaer zu klingen. „Der Gouverneur hat zugesagt, dass Mr. O‘Lally und seine Kollegen eine Zeit lang bei den Ermittlungen der Five-O dabei sein koennen..“

Das war zuviel. „Wir sind doch kein Kindergarten. Das koennen Sie vergessen!“ Steve hatte die Augenbrauen hochgezogen, jetzt hob er abwehrend die Haende und wollte gerade lospoltern, als er … sie sah.
„Ich muss jetzt los…ein andermal…“ Abrupt brach er ab, liess die Filmleute Filmleute sein und ging auf Chris zu. Lindsay starrte ihm mit offenem Mund hinterher, bekam jedoch angesichts dieser offensichtlichen Ignoranz keinen Ton des Protestes heraus.

Chris hatte ihn noch nicht bemerkt, zu vertieft war sie ins Gespraech mit John und einem anderen Mann, dafuer sah ihn ein vierschroetiger Kerl, der gerade einen LKW der Filmgesellschaft auslud – und er sah ihn. Steve war sicher, den Mann noch nie in seinem Leben gesehen zu haben, trotzdem schien es ihm, als wolle dieser erst bewusst unauffaellig zu ihm herueber schlendern, dann starrte er ihn jedoch fast so an wie eben dieser Regisseur.
Da war etwas in der Art des Fremden, das ihn misstrauisch machte. Der eigentliche Grund seines Besuches fiel ihm wieder ein, die Nachricht bei dem Toten. Er wuerde versuchen, beilaeufig ein Foto mit dem Handy zu machen, und das dann zur Gesichtserkennung ins Hauptquartier zu senden.

„Commander McGarrett! Schoen, Sie bei uns begruessen zu duerfen!“ John hatte ihn zuerst erblickt, das Grinsen auf seinem Gesicht entlarvte die foermliche Anrede sofort als Scherz. Wieder einmal musste sich Steve seine Sympathie fuer den alten Mann eingestehen.

Chris fuhr herum. Immer wieder hatte sie in den vergangenen Stunden an Steve gedacht, und genauso oft hatte sie diese Gedanken versucht wie laestige Fliegen zu verscheuchen. Doch so sehr sie die Entdeckung in der Stadt verletzt hatte – sie spuerte, wie ihr Herz bei seinem Anblick unwillkuerlich zu rasen begann.
Leider scheiterte der Versuch, rational dagegen anzukaempfen, klaeglich, und das machte sie aergerlich auf sich selbst. Was sollte das, sie war doch wuetend auf ihn, und hatte auch allen Grund dazu. Doch ihr Koerper machte ihr einen dicken Strich durch die Rechnung. Chris spuerte seine sanften Augen auf sich gerichtet, nahm nebenbei den Anblick seines typischen entschlossenen Gangs wahr, dass ihre eigenen Beine die Konsistenz von Wackelpeter zu haben schienen - und es gab offensichtlich nichts, womit sie das haette verhindern koennen.

Steve ging es kaum anders. Vielleicht war es der erfahrene Ermittler in ihm, der ihr Zoegern spuerte, aber der Mann in ihm lies die Erkenntnis nicht zu. Er wollte diese Frau einfach in seine Arme nehmen und  kuessen. ‚Schmetterlinge im Bauch‘, ja, das beschrieb dieses Gefuehl irgendwie sehr zutreffend. Vergessen waren die Umstehenden, vergessen der Tote vom Leuchtturm – vergessen die Welt um ihn herum. Nur Chris war uebrig. Wie schoen sie doch war, trotz ihrer burschikosen Aufmachung in Jeans, T-Shirt und Pferdeschwanz.

Dann trat sie ploetzlich wie zufaellig einen Schritt zur Seite, um ihm auszuweichen und der Traum zerplatzte. Er verspuerte einen eisigen Griff um sein Herz, versuchte jedoch, sich seine Enttaeuschung nicht anmerken zu lassen.

John beobachtete ihn verstohlen. Haette er Chris nicht so gut gekannt, er haette ihren geaeusserten Verdacht, Steve habe eine Andere, als Hirngespinst abgetan. Es lag doch so viel Aufrichtigkeit und Enttaeuschung im Blick dieses Ex-Marines. Der alte Mann schuettelte versonnen den Kopf.

„Was machst Du denn hier?“ Chris‘ Frage versetzte Steve einen weiteren Stich.
„Ich wollte Dich…“ Bevor er in die Verlegenheit kam, sich weiter dazu zu aeussern, klingelte sein Telefon. Mit einem bedauernden Schulterzucken drehte er sich um, entfernte sich zwei Schritte und antwortete kurz angebunden. „Was?“
„Ja Du mich auch!“ Danny ahnte sehr wohl, warum Steve so schlecht drauf war, hatte aber nicht die geringste Lust, das auszubaden. „Wo bist Du jetzt?“
„Danno, ich hab Dir doch erklaert, ich fahre zu Chris und von ihr zu den Lulumahu Falls. Schon vergessen?“
„Nein, Steve, das habe ich nicht vergessen!“ Steve sah Danny vor seinem inneren Auge, wild gestikulierend und mit genervtem Augenverdrehen. Der Gedanke an seinen Freund brachte ihn kurzfristig zum Laecheln.
„Warum fragst Du dann?“  
„Weil ich wissen moechte WO GENAU Du jetzt bist, Steve. Das HPD hat eine Meldung von den Falls erhalten.“
Er wurde hellhoerig „Was heisst ‚eine Meldung‘?“
„Eine Gruppe Wanderer hat eine Art Lagerplatz im Wald entdeckt. Sie sind stutzig geworden, weil es irgendwie nach getarntem Versteck aussieht, Und in einer Laubhuette liegen ne Menge blutige Klamotten. Max ist schon unterwegs dorthin. Ich bin auf dem Pali Highway – sag mir, wo Du bist, wir nehmen wohl besser Deinen Wagen.“

______________________________________________

Nach oben Nach unten
buggie
Bodyguard
avatar

Weiblich Anzahl der Beiträge : 325
Alter : 47
Ort : Livorno-Italien / Koeln
Anmeldedatum : 08.08.13

BeitragThema: Re: ALSO ALLES IM LOT !? (Fortsetzung von „Auszeit“)   Mo Apr 21, 2014 10:45 pm

Kapitel 8
Steve legte auf und ging zurueck zu Chris und John, die ihn waehrend des Telefonats aufmerksam im Auge behalten hatten.
 
„Aerger?“ fragte John.
„Ich weiss nicht recht.“ Sollte er ihnen vom gefundenen Zettel erzaehlen? Es gab ja keine konkreten Hinweise auf eine Gefahr fuer Johns Leute. Steve beschloss, die Entscheidung vorlaeufig gekonnt zu umschiffen, auch wenn er ein ungutes Gefuehl nicht unterdruecken konnte. „Das war mein Partner Danny. Er ist auf dem Weg hier her, wir muessen meinen Wagen nehmen.“ Chris legte den Kopf schief und schaute ihm in die Augen. Sie spuerte, dass irgendetwas Steve mehr beschaeftigte, als der zugeben wollte.
„Und wo wollt Ihr zusammen hin?“ Offensichtlich hatte sie mit der Frage einen wunden Punkt getroffen, denn Steve wich ihrem Blick aus.
„Wanderer haben in der Naehe des Lulumahu Falls ein verdaechtiges Lager im Wald gefunden, das wollen wir uns mal gemeinsam anschauen.“ Er sprach mit so beilaeufigem Tonfall darueber, wie ein Englaender uebers Wetter.
„Ist das denn nicht eine Routine-Sache der Polizei?“ John sprach laut aus, was die Frau neben im gerade gedacht hatte.
„Ja, eigentlich schon, aber wir hatten einen seltsamen Mordfall heute Nacht, da wollen wir keine noch so kleine Spur unbeachtet lassen.“ Klang irgendwie logisch. Trotzdem.
„Und? Habt ihr das Mordopfer denn identifizieren koennen?“ fragte John neugierig.
„Ja“ Chris war sich sicher, dass Steve bei der Frage zusammen gezuckt war. Wieder schaute sie ihn fragend an. „Das Mordopfer war aktenkundig.“
 
Chris war zwischen ihren wechselnden Gefuehlen fuer diesen Mann hin und her gerissen. So wuetend sie eigentlich wegen der Geschichte am Market Place war - Steves ausweichende Art machte sie jetzt vor allem nervoes. Er hatte wieder dieses Schutzschild um sich herum aufgebaut, das spuerte sie genau. Und ob sie es sich eingestehen wollte oder nicht, es verletzte sie, dass Steve ihr offensichtlich nicht alles sagen wollte. Aber – warum haette es hier anders sein sollen, als mit seiner ebenso offensichtlichen Schwaeche fuer eine andere Frau. Soweit zum Thema Ehrlichkeit und Vertrauen. Ein unwirsches Brummen kam ueber ihre Lippen.
 
Steve hoerte das Brummen sehr wohl, wusste aber irgendwie nicht, wie er es interpretieren sollte. Er sehnte sich danach, ihr anzuvertrauen, was in den letzten Stunden geschehen war. Wo war bloss der Einzelkaempfer McGarrett geblieben? Ein bisschen vermisste er ihn, er hatte ihn unabhaengig gemacht. Dort draussen am Leuchtturm hatte Steve sich um Wochen zurueck geworfen gefuehlt, und nichts haette er sich mehr gewuenscht, als das in ihren Armen zu vergessen.
 
Entschlossen trat er deshalb auf sie zu und legte seine Haende um ihre Taille. „Chris. Du hast mir gefehlt.“ Hm, er haette gar nicht geglaubt, dass das so leicht auszusprechen war. Von sich selbst ueberrascht, schaute er ihr tief in die Augen. „Erzaehlst Du mir, was Du so treibst, den ganzen Tag?“
 
Sein schiefes Laecheln verunsicherte Chris, ihre Haende begannen zu zittern. Irgendwas in ihr drohte zu zerbrechen bei dem Gedanken, dass er hier im Grunde ja nur Theater spielen konnte. Ob es nun einzig und alleine an den schlechten Erfahrungen mit ihrem Ex-Verlobten lag, aber es kam ihr nicht eine Sekunde in den Sinn, dass es sich um ein Missverstaendnis handeln koennte. Auch sie hatte ihr Schutzschild wieder aufgebaut, ohne dass sie sich dessen bewusst gewesen waere. Die Haende auf seine Brust gelegt, versuchte sie etwas Abstand zu gewinnen.
„Meinst Du, die Nummer zieht?“
 
Verbluefft schaute Steve ihr direkt in die Augen. Dieser Blick haette Steine erweichen koennen, doch Chris nahm sich vor, haerter zu sein.
„Wie meinst Du das?“ Seine Stimme klang schaerfer als gewollt, aber er wollte jetzt wissen, was los war. Sollte ihre Bemerkung ein Scherz sein? Dann konnte er nicht darueber lachen.
 
Ehe sie Zeit hatten, zu diskutieren,  liess ein Hupen sie beide herumfahren.
Ein schwarzer Camaro hielt dicht hinter Steve, daraus stieg ein blonder Mann. Chris erkannte ihn als Steves Partner Daniel, obwohl sie ihn im Wald nur von weitem gesehen hatte. Seine Dreiwettertaft-gestaerkte Foenfrisur war mehr als nur ein Erkennungszeichen.
 
Danny kam sofort auf das Grueppchen zu. Mit unverhohlener Neugier schaute er dabei Chris an. Die merkte, wie sie rot wurde, und sah hilfesuchend zu Steve hinueber, wofuer sie sich im gleichen Moment am liebsten selbst geohrfeigt haette.
„Hi Danno! Chris, John, das ist mein Partner Detective Daniel Williams. Danny, das hier sind Chris..“ dabei strahlte Steve die Frau an seiner Seite trotz allem so an, dass John es sich nicht verkneifen konnte, Danny zuzuzwinkern – „und John, der Besitzer dieses traumhaften Ameisenhaufens hier.“
„Nett Sie kennenzulernen, Detective Williams!“ John ergriff die Initiative, als er sah, dass sein Schuetzling sich sichtlich unwohl in ihrer Haut fuehlte.
„Danny, bitte, nennt mich Danny! Ich freu mich auch, Steve hat mir ja schon Einiges von Euch erzaehlt…“ Er konnte das Grinsen nicht unterdruecken, was ihm einen boesen Blick von Steve einhandelte.
 
„Tut mir leid Leute, wenn ich hier so rein platze, aber ich muss Euch Steve entfuehren.“ Und zu dem eben Genannten sagte er „Komm, lass uns fahren! Duke hat gerade nochmals angerufen. Er moechte gerne unsere Meinung hoeren, bevor die Spurensicherung alles auseinander nimmt.“ Kaum hatte Danny ausgesprochen, klingelte jetzt Steves Handy. Der hoerte aufmerksam zu, dabei bekam sein Gesicht einen perplexen Ausdruck,  mit fast schon befehlender Stimme erwiderte er dem Anrufer. „Wir sind unterwegs. Umstellt das Gelaende, aber keiner naehert sich, bevor wir da sind.“
 
„Wir muessen los. Stell Deinen Wagen irgendwo hin, wo er so nicht in den Fuessen rumsteht, und dann ….“ Steve war ploetzlich in den Cop-Modus verfallen – Chris erkannte ihn fast nicht wieder. Er hob die Hand zu einem kurzen, fast schon abwesenden Gruss an die Umstehenden, ohne Chris dabei direkt anzusehen. Mit bestimmten Schritten ging er auf Dannys Auto zu und oeffnete den Kofferraum.
Verbluefft sahen Chris und ihre Freunde, wie er eine Kevlar-Weste herausholte und an Danny weiterreichte, bevor er sich selbst eine anzog. Die Augen der jungen Frau wurden immer groesser, und als Steve sich ein Oberschenkel-Holster anlegte und seine Waffe hineinschob, hielt sie es fast nicht mehr auf ihrem Platz aus.
 
„Was ist denn los? Steve – sagst Du mir bitte, was hier abgeht?“ Auch Danny verstand nicht, warum Steve auf einmal so ernst war. „Duke meint, da hat sich vielleicht einer in der Ruine verschanzt.“
„Ruine?“
„Ja, Ruine, Danno! Schieb Deinen Hintern auf den Sitz und park den Wagen! Die Waffen nehme ich.“ Sprach’s und nahm zwei Gewehre aus dem Kofferraum, bevor er ihn zufallen lies. Danno murmelte etwas, tat aber brav, was sein Partner von ihm verlangte.
 
Chris war wie versteinert. Der Anblick von Steve mit finsterem Gesichtsausdruck, in einer beschusshemmenden Weste, mit zwei Gewehren in der Hand, liess ihre Wut auf ihn fuer einen Augenblick verrauchen. Was war denn bloss los – eben schien noch alles eine Routine-Ueberpruefung zu sein, und jetzt hantierte er da mit schweren Waffen und riskierte, verletzt zu werden? Oder sogar Schlimmeres … Daran mochte sie gar nicht denken. Unvermittelt schlichen sich Traenen in ihre Augen.
Sie konnte das nicht. Das war einfach unfaer. Chris Haende zitterten wieder, aber diesmal war es keine Wut, sondern Angst. Unverstaendnis. In ihrem Kopf ueberschlugen sich die Gedanken. Es war sein Job, er hatte das schon tausend Mal getan. Die Weste hatte sicher gar nichts zu bedeuten. Eine Vorsichtsmassnahme, sonst nichts. Warum sollte es ihr etwas ausmachen. Er wollte sie nicht wirklich. Nichts war so, wie es schien. Ein Job. Nur ein Job. Er liebte sie nicht, sie war nur ein Zeitvertreib gewesen. Er konnte mit dem Gewehr umgehen. Es wuerde ihm nichts passieren. Von ihr wuerde er sich sowieso nicht aufhalten lassen. Wer war sie schon. Nur ein Job. Warum sollte sie sich schon um ihn sorgen…..  
Es war, als wuerden Gedankenfetzen wild durch ihren Kopf schwirren. Chris war furchtbar durcheinander. Nur im Unterbewusstsein nahm die junge Frau war, dass der alte John ihr den Arm um die Schulter legte.
 
Steve drehte sich zu ihnen, wollte noch etwas sagen. Doch Chris verschlossener Gesichtsausdruck hielt ihn davon ab. Er haette ihr gerne gesagt, dass sie sich keine Sorgen zu machen brauchte, aber irgendwie sah sie gar nicht so aus,  als wuerde sie das tun. Sie schien durch ihn durch zu schauen, nahm sein Tun ohne Regung hin. Ihre scheinbare abweisende Kaelte verletzte Steve, er begriff einfach nicht, was hier vor sich ging. John – sollte der irgend etwas damit zu tun haben? Aber der schaute die Gestalt neben sich ebenso verbluefft an, wie er selbst.
Abrupt machte der Commander kehrt und marschierte in Richtung seines Autos, das in der Naehe des Tors geparkt war.
 
Danny, der den Camaro in die Luecke zwischen zwei Holzhuetten gestellt hatte, sah ihm irritiert nach. Dann sah er zu Chris, die in dem Augenblick ebenfalls grusslos davon ging, ja fast rannte, in die Gegenrichtung.
Er hob die Hand wie zum Auftakt zu einer Rede und wies mit dem Zeigefinger auf ein imaginaeres Ziel, waehrend er nach den geeigneten Worten suchte, um seiner Ueberraschung Luft zu machen. Da er die Worte nicht fand, liess er die Hand wieder sinken und schuettelte nur den Kopf. „Bis spaeter!“ murmelte er in Richtung des Hofeigentuemers und stapfte Steve wortlos hinterher.
 
„Was hast jetzt Du wieder angestellt, Steven?“ Kaum sass er auf dem Beifahrersitz des Pick-Up, konnte er die Klappe nicht mehr halten. „Womit hast Du dieses nette Ding verschreckt, hm?“ Der Angesprochene gab Vollgas und fixierte nur stumm die Strasse vor sich. „Jetzt red schon, Steven! Ist ja nicht auszuhalten mit Dir. Einmal hast Du einen suessen Goldfisch an der Angel, und dann laesst man Dich 5 Minuten alleine, schon versaust Du es.“
Steve hatte eigentlich vor gehabt, sich nicht provozieren zu lassen. Aber da seine Laune sowieso schon auf dem Nullpunkt war, konnte ja nichts mehr schief gehen. „Jetzt red‘ keinen Scheiss, Danny! Ich habe ihr ueberhaupt gar nichts getan!“
„Na ja, ich sage ja nicht, dass Du sie zur Begruessung in den Schwitzkasten genommen hast, oder ihr ne Handgranate unters Kissen gelegt hat. Hoechstens ne Dynamitstange zwischen die Laken, vielleicht….“ Danny versuchte die Situation mit einem schmutzigen Grinsen etwas zu entspannen. Offensichtlich nicht mit grossem Erfolg, denn Steves Kiefer begann zu malen, was nichts Gutes bedeuten konnte.  
 
Danny gab nicht auf. „Irgendwas muss doch passiert sein. OK, vielleicht kommt sie einfach mit Deinem Job nicht klar, aber …“
„Ich weiss es nicht, Danny, sie verhaelt sich so komisch. Ich wollte sie eben begruessen, da sagte sie doch glatt ‚Meinst Du, die Nummer zieht?‘ Keine Ahnung….“ Er brach ab und bremste unsanft. „Hey hey hey!“ meckerte Danny, der mit der Bremsung nicht gerechnet hatte. Steve zeigte beilaeufig auf ein Schild. „Nuu’anu Pali Drive. Wir muessen hier rechts abbiegen.“ Steves Stimme war angespannt. „Jaja, schon gut. Du musst deswegen nicht ins Lenkrad beissen…“ Danny merkte, dass es nutzlos war. Steve war einfach mies drauf.
 
Kurze Zeit spaeter sahen sie rechts am Strassenrand einen Wagen des HPD stehen. Sie hielten dahinter an, und der Fahrer stieg aus und kam an Steves geoeffnetes Beifahrerfenster. Vom Sehen her kannten sich die drei Maenner und nickten sich zu.
„Oh, Commander. Versuchen Sie, soweit wie moeglich auf dem Schotterweg hier gegenueber weiterzukommen. Meine Kollegen erwarten Sie, wo es nicht mehr weitergeht. Die Kerle hatten sich in der Ruine versteckt. Nach dem Fund des Lagerplatzes haben wir die Gegend durchkaemmt und sie wohl aufgeschreckt. Sie wollten fliehen, aber wir hatten die Ruine durch Zufall schon fast eingekreist.“
„OK, also geht es jetzt nur noch darum, sie zu ueberrumpeln und festzunehmen?“ warf Danny ein.
„Leider nein, Sir. Sie haben einen unserer Kollegen als Geisel. Keine Ahnung, wie sie ihn gekriegt haben, aber sie haben uns Paul von weitem gezeigt und gedroht, ihn umzubringen, wenn wir naeher kommen.“
„Wir sehen uns das mal an.“ sagte Steve und liess den Wagen wieder an. „Danke, Sir!“ Der junge Mann war offensichtlich noch nicht lange im Dienst, die Angst um seinen Kollegen stand ihm deutlich ins Gesicht geschrieben.
 
Schweigend legten die beiden Maenner von Five-O das letzte Stueck Wegstrecke zurueck, bis sie hinter ein paar Einsatzfahrzeugen des HPD anhalten mussten.
Dort warteten zwei Beamte, die sie zum Team geleiten sollten. „Keine SWAT?“ fragte Steve. „Sind im Anmarsch. Captain Glover hatte einen Einsatz an der North Shore, er war gerade erst wieder im Hauptquartier eingetroffen, als die Nachricht der Entfuehrung unseres Kollegen bekannt wurde.“
„Danke fuer die Einweisung, Sergeant!“ Steve bedankte sich, nahm das Gewehr, welches Danny ihm reichte, sowie einen Rucksack, in dem er allerlei „nuetzliche Kleinigkeiten“ aufbewahrte. Dann folgte er den beiden HPD Maennern in Richtung eines Bambus-Waldes.
„Ist das Euer Ernst? Was soll das werden? Ein Wanderausflug?“ Danny schaute den drei Maennern hinterher, dann auf seine Schuhe. „Beweg Dich, Danny. Wir haben keine Zeit zu verlieren!“ zischte Steve ihm zu. Mit missmutigem Gesicht stapfte der blonde Cop los.
 
„Was fuer eine Ruine ist das ueberhaupt?“ fluesterte er in die Stille des Waldes hinein. Steve sah ihn verbluefft an. Danny hob entschuldigend die Haende. „Dachte, ich bring Grace mal was ueber Oahu bei. Wo ich doch so einen landeskundigen Fuehrer hab…“ Sein Partner schuettelte nur den Kopf und antwortete leise mit einem Grinsen im Gesicht „Du solltest Dir langsam mal Literatur anschaffen. Ausserdem hast Du doch Gabby! Aber gut… Die Kaniakapupu Ruine war der Sommerpalast von King Kamehameha III.“ „Ah - ein Sommerhaeuschen im Gruenen. Sehr schoen..“ Zu mehr kam Danny nicht, sie hatten eine kleine Lichtung erreicht, auf der ein Trupp Uniformierte auf sie wartete.
 
„Steve, gut Dich zu sehen.“  „Hi Duke. Wo steckt die Bande?“  „Kommt mit!“
_____________________________________________
Es klopfte an der Tuer. Chris versuchte, es zu ueberhoeren, aber der Klopfer gab nicht auf.
„Chris, nun mach schon auf, wir wissen doch, dass Du drin bist.“ Seufzend stand sie auf und schloss die Tuer auf. John trat ein, Jeff folgte ihm auf dem Fuss. Schweigend schauten sie sich in der kleinen Wohnkueche um, um sich dann am Tisch niederzulassen. Darauf stand eine offene Flasche Wein mit einem halbvollen Glas. „Das wird doch langsam richtig gemuetlich hier, nicht wahr, Jeff. Unsere Chrissie hat ein Haendchen fuer sowas.“ Chris reagierte nicht auf die einleitenden Worte, sie blieb stehen, an den Herd gelehnt, die Arme geradezu trotzig vor dem Koerper verschraenkt. Man sah, dass sie geweint hatte.
„Was ist los, Chris?“ fragte Jeff ploetzlich unvermittelt. Die Angesprochene antwortete nicht sofort. Traenen schossen ihr wieder in die Augen, sie versuchte verzweifelt, sie zu unterdruecken. Als John aufstand und sie in die Arme nahm, verlor sie diesen Kampf. Ein unterdruecktes Schluchzen war zu hoeren, waehrend sie ihr Gesicht in Johns Hemd verbarg. Der alte Mann strich ihr sanft ueber den Ruecken und wiegte sie hin und her. Langsam versiegte der Traenenfluss, mit dem Handruecken wischte sie sich die letzten Traenen aus dem Gesicht. „Tut mir leid…“ stotterte sie verlegen und wurde ein bisschen rot.
John drueckte sie langsam auf ihren Stuhl nieder, dann setzte auch er sich. „Geht’s wieder?“ fragte Jeff leise. Es schmerzte ihn zu sehen, wie sehr seine ‚kleine Schwester‘ litt. Er nahm ihre zierliche Hand in seine grosse Pranke und schaute sie auffordernd an. „Jaja“ stammelte die junge Frau. „Es ist nur..“ wieder bebten ihre Schultern, worauf er den Druck seiner Hand verstaerkte „… ich war so wuetend auf Steve. Ich meine – er hat eine andere gekuesst, nach all‘ dem, was zwischen uns passiert ist. Und dann taucht er hier auf, als waere nichts geschehen. Ich wusste nicht, wie ich mich verhalten soll. Am liebsten haette ich ihm eine geknallt. Aber als er mich angesehen hat, da schlug mein Herz wie verrueckt. Und dann… als er diese Weste angezogen hat… Und die Waffen… „ Sie schlug die Haende vor das Gesicht.
„Chris!“ John sprach mit sanfter Stimme auf sie ein. „Christina!“ Sie schaute zu ihm auf. „Du must mit ihm sprechen. Du musst ihm sagen, dass Du ihn mit dieser Frau gesehen hast. Das frisst Dich sonst auf! Und ausserdem – vielleicht gibt es ja eine ganz harmlose Erklaerung fuer den Kuss. Vielleicht ist sie eine alte Freundin, eine Verwandte…“
„Und die kuesst er auf den Mund???“ brauste Chris auf.
„Wer weiss… Und wenn Du Recht hast, dann ist es noch wichtiger, das ihr darueber sprecht. Dann musst Du Dir darueber klar werden, was er wirklich von Dir will. Und ob Du ihm verzeihen kannst. Rede mit ihm, wenn er zurueck kommt!“ Chris nickte. Dann hob sie ploetzlich den Kopf und schaute John in die Augen. „Und wenn er nicht zurueckkommt?“ fragte sie mit leiser Stimme.
„Das ist sein Job, Chris. Er weiss was er tut. Und er wird sich nicht aufhalten lassen, das ist Dir doch hoffentlich klar.“ Wortlos nickte sie.
____________________________________________________
„Was wissen wir bisher?“
„Es sind drei oder vier, ich bin nicht sicher. Und dann natuerlich Paul, unser Mann. Sie stecken im Gebuesch da hinter den alten Gebaueden. Sie sind gut bewaffnet, als wir uns Ihrem Versteck genaehert haben, haben sie ohne zu zoegern geschossen.“
„Eine Idee, wie sie bewaffnet sind?“
Auf jeden Fall Gewehre, halbautomatische Waffen. Das sind keine gewoehnlichen Strauchdiebe, Steve. Die sind gefaehrlich. Wir haben keine Ahnung, ob sie schon laenger hier campiert haben, die Ruine selbst gibt ja praktisch keinen Schutz mehr, so verfallen, wie die ist.“
 
„Duke, ich brauche zwei Deiner Maenner, die mir notfalls Feuerschutz geben koennen. Danny, Du gehst mit zwei Maennern auf die gegenueber liegende Seite der Ruine, Duke, Ihr bleibt hier. Du und Danny, Eure Jungs muesst sie ablenken. Ich werde versuchen, mich von hinten anzuschleichen, und den Gefangenen zu befreien.“ Steves Anweisungen waren klar und praezise.
„Waere es nicht besser, wenn ich Dir Feuerschutz geben wuerde?“ Danny war sicher, dass Steve gleich wieder etwas unglaublich Dummes tun wuerde, sobald er ihn von der Leine lies.
„Nein, Danny, ich brauche Dich da drueben. Ihr muesst sie glauben lassen, dass Ihr von dort zuschlagen wollt. Nicht zu auffaellig sein, aber lasst sie merken, dass sich bei Euch was tut.“
 
Steve erklaerte noch einige Details, dann machte er sich auf dem Weg. Er wollte von hinten heran, wenn die Verschanzten dann einen Angriff von Vorne erwarteten, wuerde er ein paar Rauchgranaten zuenden und versuchen, die Geisel zu befreien.
Kurze Zeit spaeter gab er den beiden Cops ein Zeichen, hier auf ihn zu warten, was die beiden auch gerne taten. Lautloses Anschleichen im Dschungel hatte nicht zu ihrer Ausbildung gehoert.
 
Steve hingegen war in seinem Element. Er hatte sich das Gesicht mit Tarnfarbe eingeschmiert, noch so ein kleines Zaubermittel aus seinem Rucksack. Langsam bewegte der Ex-SEAL sich vorwaerts, bis er den HPD-Beamten sehen konnte. Der war gefesselt, schien aber sonst in vergleichbar guter Verfassung zu sein.
Steve ahmte den leisen Ruf eines bestimmten Vogels nach, das vereinbarte Erkennungszeichen, dass er in Position war. Jetzt musste er nur noch warten.
 
Wenig spaeter kam Bewegung in die Entfuehrer-Truppe, irgend etwas vor ihnen hatte ihre Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Die Gestalten beratschlagten, jeder mit der Waffe in der Hand. Mit denen war wirklich kein gut Kirschen essen, da hatte Duke recht.
Steve nutzte die Gunst des Augenblicks, zog sich eine Schutzmaske ueber, warf seine Rauchgranaten und hechtete los. Alles klappte wie geplant, er kam ungestoert zu dem Gefangenen, zerschnitt dessen Fesseln, packte den Mann, der noch zu ueberrascht war, um alleine aufzuspringen.
Alles lief nach Plan, bis zu dem Moment, aus zwischen zwei Bananenstauden auf einmal eine Gewehrmuendung aufblitzte.
 
Steve versuchte noch, einen Haken zu schlagen, doch mit dem Befreiten, den er am Arm vor sich herschob, verlor er Zeit. „Lauf!!“ sein Ruf mischte sich mit dem Klang von Schuessen. Verdammt, mit dem Typen da im Gebuesch hatte Steve absolut nicht gerechnet. Er schubste diesen Paul weiter, dann hoerte man nochmals Schuesse.
Sie wuerden es alleine nicht schaffen, wo war bloss seine Rueckendeckung? Ploetzlich sah er die beiden Beamten vor sich ein Stueck weiter. Die versuchten zu schiessen, aber er war im Weg.  Steve selbst schoss in Richtung der Gewehrmuendung, waerend er Paul immer noch vor sich hatte.
 
Dann geschah es. Einen Augenblick achtete er nur auf den Weg, da spuerte er die Einschlaege in seine Weste. Ein reissender Schmerz durchzuckte seinen Ruecken, die Luft zum Atmen wurde knapp.
Geistesgegenwaertig riss er den HPD-Beamten zu Boden und schuetzte dessen Koerper mit dem seinen.
Dann wurde ihm schwarz vor Augen.

______________________________________________

Nach oben Nach unten
buggie
Bodyguard
avatar

Weiblich Anzahl der Beiträge : 325
Alter : 47
Ort : Livorno-Italien / Koeln
Anmeldedatum : 08.08.13

BeitragThema: Re: ALSO ALLES IM LOT !? (Fortsetzung von „Auszeit“)   So Apr 27, 2014 10:33 pm


Die beiden HPD-Beamten sahen ihren Kollegen und Steve auf sich zu rennen, dann, dass der Commander sich zur Seite drehte und Schuesse aus dem Gebuesch schraeg hinter sich erwiderte. Sie versuchten, den oder die Angreifer von ihrer Position her auszumachen, doch die Vegetation war dicht und McGarrett und Paul bewegten sich auf ihrer Schussbahn. Steve schoss noch einmal, sie hoerten ein Aufstoehnen zwischen den Pflanzen und ein leises ‚Verdammte Scheisse nochmal…‘, dann wurde zurueckgeschossen.

Mit wie vielen Gegnern sie es zu tun hatten war zwar nicht klar, aber sie gingen immer noch von 3-4 Personen aus. Keiner, selbst Steve inbegriffen, hatte daher damit gerechnet, dass sich noch jemand im hinteren Bereich des Verstecks aufhalten wuerde, sobald der Scheinangriff losging. Deshalb hatte er auch sein Gewehr bei ihnen zurueckgelassen, ueberzeugt, sich mit kleineren Waffen besser bewegen und den Gefangenen befreien zu koennen.
Diese Leichtglaeubigkeit forderte nun ihren Preis.

Es waren jetzt auch Schuesse von der anderen Seite des Verstecks zu hoeren, Danny und die Anderen hatten natuerlich mitbekommen, dass etwas absolut nicht nach Plan verlief.

Da geschah es. Bevor die Cops soweit ihre Position veraendert hatten, dass sie Steve und Paul decken konnten, fielen weitere Schuesse aus dem Gebuesch, Steve strauchelte und ihr Kollege zuckte zusammen, den Blick starr auf sie gerichtet, bevor McGarrett ihn unter sich begrub.

Damit konnten sie zwar endlich frei zielen, wenn auch nur auf einen unsichtbaren Gegner, aber die beiden Polizisten mussten auch verzweifelt versuchen, sich nicht von den beiden reglos am Boden liegenden Koerpern ablenken zu lassen. Deckung gab es wenig, sie standen auf dem Praesentierteller und wussten es. Beide waren noch jung, nichts von dem, was sie auf der Akademie gelernt hatten, deckte sich mit dem hier. Ihre Vorgesetzten haetten sie wahrscheinlich in den Streifendienst strafversetzt, haetten sie die Unvorsichtigkeit im Einsatz mitbekommen. Aber zwei Kollegen am Boden liegend zu sehen, liess sie das Risiko vergessen.
Sie feuerten, was das Zeug hielt, bis keine Reaktion des Gegners mehr kam. Einmal die dichten Pflanzen erreicht, blieben sie stehen und horchten. im Kampf in dicht bewachsenem Gebiet hatten sie keinerlei Erfahrung. Bevor Zeit dazu war, sich ueber ein weiteres Vorgehen im Klaren zu werden, hoerten sie Stimmen aus Richtung der Ruine. Danny und Duke mit ihren Maennern waren von zwei Seiten in das Waeldchen eingefallen und suchten nach dem Gegner – der aber offensichtlich eine Luecke zur
Flucht gefunden hatte.

----------------------------------------------

Danny hatte die Schuesse aus Steves Richtung vernommen und sofort den Angriff befohlen, in der Hoffnung, fuer Ablenkung sorgen zu koennen. Irgendetwas musste gehoerig schief gelaufen sein, wenn sein Ninja-SEAL entdeckt worden war. Ein leichter Unglauben befiel ihn, war sowas hier doch Steves Terrain. Sein Kumpel stand offensichtlich immer noch ein bisschen neben sich, anders war das nicht zu erklaeren.
Sie hatten jetzt die Ruine erreicht, Dukes Maenner waren in einer Linie mit seinen, weiterhin fielen Schuesse auf der anderen Seite, waehrend ihnen hier kein Widerstand mehr entgegengebracht wurde. Der Feind versuchte also nach hinten auszubrechen?
Ein Blick zu Duke und ein Handzeichen genuegte, der verstand und liess seine Maenner den Bogen vergroessern, um einen moeglichst weiten Radius abzudecken.

Das alles ging schnell, doch Danny kam es wie Stunden vor. Was ihn am meisten beunruhigte war die Tatsache, dass die Ballerei bei Steve nicht aufhoerte. Das war nicht seine Art von Taktik im Dschungel.
Danny konnte es quasi greifen, dass etwas nicht stimmte. Duke machte seine Sache gut, er konnte es wagen, erst zu Steve zu laufen.
Endlich – es feuerte keiner mehr.
„Steve! Steve! Alles in Ordnung bei Dir?“ Er schrie aus vollen Lungen, waehrend er weiterrannte.
„Wo seid Ihr???“
„Wir sind hieeeer! Hieeeerheeer!!!!!“
Das war nicht Steves Stimme! Nein…. Der blonde Detective zwang sich, nicht sofort in Panik zu verfallen.
„Nicht schiessen, ich bin’s, Danno!“ Er durchbrach die Vegetation und erreichte eine kleine Lichtung.
„Neiiiiiinnnnnnn!“ Er konnte den Schrei nicht unterdruecken – was er sah, liess ihm das Blut in den Adern gefrieren.
Er sah die beiden Cops, die Steve als Begleitschutz ausgewaehlt hatte. Und – zu ihren Fuessen lag ein bewegungsloser Steve, darunter der befreite Gefangene, ebenfalls reglos, Oberkoerper und Kopf unter Steves Koerper begraben.
Gerade bueckte sich einer der HPD-Beamten ueber Steve, als Danno die Gruppe erreichte.
„Weg daaaa!“ Danny riess den jungen Mann fast von den Fuessen, waehrend er ihn wegschubste und sich neben Steve auf die Knie fallen lies. „Steve, Mensch mach keinen Scheiss!“ seine Stimme war nur noch ein heiseres Kraechzen.
Kein Lebenszeichen kam von den beiden Maennern vor ihm. Sein Blick fiel auf die Geschosse, die in der Weste auf Steves Ruecken steckten. Feige Schweine. Aber er hatte doch die Weste an. Wo hatten sie ihn dann erwischt?

Panik ueberkam ihn, gepaart mit ohnmaechtiger Wut. Er hatte es gewusst. Wie hatte er diesen verbohrten Dickschaedel nur allein gehen lassen koennen. Fieberhaft suchte er mit den Augen nach aeusseren Verletzungen, waehrend er vorsichtig eine Hand unter Steves Hals schob, um den Puls zu suchen. Sein Herz raste dabei so sehr, dass er den eigene Puls in den Fingerspitzen zu spueren meinte. Oder war es doch der von Steve? Bevor er noch darueber nachdenken konnte, bemerkte er es. Er zog die Hand hervor und starrte sie eine Sekunde an. Rot. Blut. Viel Blut. „Nein, Steve, nein!“ fluesterte er.

Dann fasste er sich Mut, griff nach der gegenueberliegenden Schulter seines Freundes und drehte ihn zu sich herum. Ein leiser Entsetzensruf kam ueber die Lippen eines der Cops neben ihm. Ihm selbst drehte sich beinahe der Magen um. Alles war voll Blut. Steves Hemdkragen, das Gesicht – und die Kehle.


-----------------------------------------------


Ach, das Leben konnte so schoen sein! dachte Susan etwa zu der Zeit, als sich Steve, Danny und das HPD-Team fuer ihren Einsatz klar machten.
Sie bereute ihre Entscheidung nicht, sich ein paar Stunde frei genommen zu haben. In der Boutique war Mittwochsnachmittags um diese Zeit sowieso wenig zu tun, sollte ihre Chefin doch mal ran.
Alex hatte sie am Geschaeft abgeholt, was ihr neidische Blicke ihrer beiden Kolleginnen eingebracht hatte. Dann waren sie zu ihm ins Hotel gefahren, wo er sich umziehen und ein paar Sachen zusammenpacken wollte, da er morgen frueh auschecken musste.
Aus dem ‚Umziehen‘ war ein ‚Ausziehen‘ geworden, tja, und ausgezogen war sie immer noch. Noch hatte er nicht bemerkt, dass sie aufgewacht war, was es ihr ermoeglichte, ihn unbemerkt zu beobachten. Er stand vor dem grossen Ankleidespiegel, mit nichts weiter an als einer blauen Boxershorts. Die Oberarme angespannt, schien er sein eigenes Muskelspiel zu betrachten. Susan grinste in sich hinein. Ein bisschen narzisstisch sah das aus – aber auch nur ein bisschen. Diese Muskeln – sie war immer noch angetoernt von dem Gefuehl seiner ausgepraegten Muskeln unter ihren Fingerspitzen. Er hatte sie hart genommen und sie hatte ihre Haende auf seinen Arsch gelegt und bei jedem Stoss gespuert, wie die Muskeln dort kontrahierten.
Er hatte ihr erklaert, dass er lange Jahre ein schmaler Hering gewesen war, und nur durch gezieltes Fitnesstraining so geworden war.
In einem musste Susan Trisha recht geben – die Aehnlichkeit zu Steve McGarrett war gross. Aber Alex war breiter – Trisha haette es jetzt respektlos ‚bulliger‘ genannt - eine Folge seines Gewichtstrainings.
Steve dagegen wurde im Job oft koerperlich gefordert, er schwamm viel, und Cath hatte mal erzaehlt, dass er, wenn er Zeit hatte, in den Bergen lief und dort natuerliche ‚Fitness-Geraete‘ suchte, Steine stemmte, sich an Felsnasen entlang hangelte oder weiss der Geier was sonst noch.
Sie hatte das nie verstanden – was fuer eine Zeitverschwendung, wo es doch gut ausgestattete Studios gab. Jedenfalls – Steve war echt durchtrainiert, das hatte sie ein paar mal im Sommer gesehen, wenn sie alle gemeinsam bei ihm gegrillt hatten, und er nur in Shorts herumlief. Sein Six-Pack stand dem von Alex sicher in nichts nach. Eigenartigerweise hatte er sie aber nie koerperlich angezogen. Vielleicht war er tabu, weil er Cath Freund war?
Ihr Blick hing immer noch an dem Mann, in dessen Bett sie gerade lag. Nun drehte Alex sich seitwaerts zum Spiegel, betrachtete sich aufmerksam. Eitel war er schon, das stand wohl fest. Aber sie musste zugeben, das diese Perspektive ihren Reiz hatte. Ihren ganz ganz besonderen Reiz sogar. Merkwuerdiger Weise hatte sie das Gefuehl, als sei er abwesend mit seinen Gedanken. Schatten ueberzogen zeitweilig sein Gesicht, waehrend er so dastand.
„Hey“
Alex fuhr erschrocken herum. Fast sah es so aus, als habe er ihre Anwesenheit voellig vergessen gehabt. Sie sah ihn pruefend an. Er laechelte und kam zu ihr ans Bett. „Selber ‚hey‘ – na, Nickerchen beendet?“
„Schon. Aber ich hab‘ noch keine Lust, aufzustehen. Was ist, kommst Du noch ein bisschen kuscheln?“
Das Wort ‚kuscheln‘ betonte sie und setzte dabei ihren unschuldigsten Rehblick auf. Nur ihre Hand, deren Zeigefinger sein Brustbein hinauf und hinab fuhr, liess Zweifel an ihren harmlosen Absichten aufkommen.
Sein Blick verfinsterte sich , dabei vermied er es, ihr in die Augen zu schauen. „Sorry, muss gleich los. Wir haben noch eine Vorbesprechung fuer den Dreh morgen. Wenn’s nicht zu spaet wird, ruf ich Dich an, ok?“
„OK.“ Susan versuchte, ihre Enttaueschung zu verbergen. Ploetzlich kam ihr eine Idee. „Sag mal, ist die Besprechung auf dieser Ranch, von der Du gesprochen hast?“
„Ja, warum?“
„Koennte ich nicht einfach mitkommen? Ich meine, die machen doch mit Touris und so, stimmt’s? Dann haben die doch bestimmt nix dagegen, wenn Besucher kommen – ich werde Dich auch nicht stoeren, Ehrenwort!“
Alex ueberlegte. Wegen der Drehvorbereitungen sah er kein Problem. Nur hatte er anschliessend eigentlich noch etwas zu erledigen – und da konnte sie auf gar keinen Fall dabei sein!
„Ok. Aber es kann sein, dass ich mich anschliessend noch mit einem Kollegen treffen muss. Dann muesste ich Dich irgendwo absetzen!“
„Kein Problem, abgemacht!“ Freudestahlend huepfte Susan aus dem Bett. „Danke!“ Sie gab ihm einen ueberschwaenglichen Kuss und verschwand im Bad.


-------------------------------------------------


Als Chin Ho ins Hauptquartier kam, stand seine Cousine Kono ganz konzentriert am Bildschirmtisch. Sie wussten von Danny, dass er Steve einsammeln und dann eine Spur verfolgen wollte, aber wie haetten sie ahnen sollen, dass die Routine-Ueberpruefung in der Zwischenzeit eine dramatische Wendung genommen hatte.

Duke hatte Steve direkt informiert, der Anruf war nicht ueber das Hauptquartier gelaufen.

„Hallo, Du hast neue Informationen?“
„Ja!“ erwiderte die huebsche junge Frau. „Wir wissen jetzt, wie die Daltons nach Oahu gekommen sind!“
Ihr Cousin blickte sie gespannt an.
„Per Schiff!“
„Per Schiff?“ wiederholte Chin etwas unglaeubig.
„Ja. Mit einem Kreuzfahrtschiff.“ Sie holte das Bild eines Ozeanriesen auf den Bildschirm. „Das ist die ‚Grand Princess‘, ein Vier-Sterne-Kreuzfahrtschiff, das regelmaessig auf der Route San Francisco – Hawaii – Enchenada – San Francisco verkehrt. Die Aufnahmen hier wurden vor gut 3 Monaten am Hafen aufgenommen. Da die Touristen nur 1 Tag in Honolulu Aufenthalt haben, wird dort wohl normal nicht gross kontrolliert. Aber dass vier Personen eine One-Way-Reise gebucht hatten, ist jetzt bei den Ueberpruefungen doch aufgefallen. Sie reisten mit gefaelschten Papieren als Incentive-Reisende eines weltweit operierenden Wirtschaftspruefungskonzerns. Selbstverstaendlich waren die Ausweise auf nicht miteinander verwandte Personen ausgestellt, aber Elliot“ dabei zauberte sie das Bild eines eher bulligen Mannes in laessigem, aber feinem Zwirn auf den Bildschirm „und Andy Dalton wurden anhand der Fingerabdruecke auf ihren Chipkarten fuer die Kabinen identifiziert. An den anderen beiden arbeiten die Kollegen der Spurensicherung in San Francisco noch, wo die Grand Princess derzeit vor Anker liegt.“
Kono schuettelte es etwas beim dem Gedanken an die Hygiene, wenn da nach drei Monaten immer noch klare Fingerabdruecke zu nehmen waren.

Chin wollte gerade etwas sagen, als sein Handy klingelte.
„Hey, Danny! Wie sieht’s aus, was Brauchba….“ Er wurde bruesk von dem Mann am anderen Ende der Leitung unterbrochen. „Verstehe. Welches Krankenhaus?“ Sein Gesichtsausdruck war ernst. „Sind unterwegs!“ Mit den Worten legte er auf.
„Was ist passiert?“ Kono kannte den alarmierten Blick ihres Cousins.
„Es hat eine Schiesserei gegeben. Steve ist auf dem Weg ins Krankenhaus.“

______________________________________________

Nach oben Nach unten
buggie
Bodyguard
avatar

Weiblich Anzahl der Beiträge : 325
Alter : 47
Ort : Livorno-Italien / Koeln
Anmeldedatum : 08.08.13

BeitragThema: Re: ALSO ALLES IM LOT !? (Fortsetzung von „Auszeit“)   Sa Mai 03, 2014 10:40 pm

Kapitel 10

Die Staubwolke war nicht zu uebersehen. John war gerade dabei, ein Fenster in eine der noch halbfertigen Blockhuetten einzupassen, als der Pick Up ueber die geschotterte Zufahrtstrasse gebrettert kam.
‘Na warte Freundchen’ dachte John mit verschmitztem Grinsen ‘hier nutzt Dir Deine Marke nix, hier gilt meine Jurisdiktion. Und die bestraft solches Rowdytum mit Ausmisten oder Zaunreparieren….’
 
Der alte Mann stieg von seiner Leiter, um Steve entsprechend gehoerig die Leviten zu lesen.
Jeff, der das zweite Fenster montiert hatte, winkte ihm zu und rief “Reiss ihm nicht gleich den Kopf ab!”
Beide lachten.
 
Der Fahrer des grossen Fahrzeuges versuchte einer Vollbremsung, der Pick Up schlidderte ueber den groben Kies und kam kurz vor John zum Halten. Der war jetzt langsam sauer. Draussen vor dem Tor war die Raserei eine Sache, aber hier, zwischen Mensch und Tier…
Jeff hatte ihn eingeholt, als die Staubwolke sich etwas lichtete, und sie Detective Williams am Steuer erkannten. Beide Maenner schauten den blonden Cop ueberrascht an. Wo war Steve? Ein ungutes Gefuehl beschlich sie.
Die Fahrertuer oeffnete sich und Danny sprang heraus, mit einem so ernsten Gesichtsausdruck, dass ihnen sofort klar war, dass etwas passiert sein musste.
 
“Wo ist Chris?” Danny rannte sie beinahe um vor Aufregung..
“Daniel, bleib stehen! Was ist los? Wo ist Steve?” John packte den etwa gleich grossen Danny am Ellbogen, um ihn aufzuhalten. Alles war so schnell gegangen, dass er erst jetzt das Blut auf der Kevlarweste und an den Haenden seines Gegenuebers bemerkte. Danny selbst war sich nicht einmal bewusst, die Weste noch zu tragen. Keinen Gedanken hatte er daran verschwendet, dazu war die Zeit zu kostbar.
Er wollte so schnell es ging zu seinem besten Freund ins Krankenhaus. Trotzdem hatte er beschlossen, unterwegs anzuhalten und es Chris selbst zu sagen. Danny war sich sicher, dass die beiden sich im Grunde ihres Herzens liebten, auch wenn sie es sich nicht eingestehen wollten. Darum haette er es sich nie verziehen, wenn... und er haette es ihr nicht gesagt…. Nein, an so etwas durfte er noch nicht einmal denken.
 
“Daniel! Verdammt, was ist denn passiert?” John hatte sich keinen Millimeter vom Fleck bewegt, seine Stimme war belegt, seine Augen weiter auf Dannys blutige Haende geheftet, waerend er den Ellbogen des Mannes vor ihm immer noch festhielt.  Jeff dagegen hatte blitzschnell geschaltet und war zu Chris’ Haeuschen gerannt. Der Jersey-Cop sagte nichts. Sein Atem ging heftig, jedoch nicht, weil er gerannt waere, sondern weil ihm die Situation beinahe um den Verstand brachte. „Chris – bitte John, lass mich zu Chris. Ich hab‘ keine Zeit!“ zischte er mehr als er sprach.
 
 
“Steve? Was ist passiert? Wo ist Steve?” Er hoerte Chris’ sich ueberschlagende Stimme schon von Weitem. Als sie ihn fast erreicht hatte, drehte sich Danny in ihre Richtung. Er haette die Weste ausziehen sollen, das wurde ihm klar, als er in Chris’ weit aufgerissene Augen sah. “Oh mein Gott! Was ist mit ihm? Was ist mit Steve? Nun sag doch endlich was…!“
 
Ihre Augen fuellten sich augenblicklich mit Traenen, Chris hatte das Gefuehl, dass ihr Kopf in tausend Teile zerbarst. Sie stand so nah neben dem kleinen blonden Detective, dass sie den metallischen Geruch, der von seiner Schutzweste ausging, wahrnehmen konnte. Blut. Daniels Blut? Er sah gar nicht verletzt aus. Also Steves Blut? War ER verletzt? Der Mann, der sie frueher an diesem Tag noch auf seine unnachahmliche Weise angelaechelt hatte, er war … Sicher war er verletzt, sonst waere er ja jetzt hier. Aber warum stand dann Danny hier, und war nicht bei seinem Freund? Er musste doch bei seinem Freund bleiben, oder etwa nicht??
Chris spuerte, wie ihre Beine nachgaben und ihr Magen sich verkrampfte. Ein deutlicher Wuergereiz ueberkam sie. Mit leiser zitternder Stimme fragte sie „Ist er…. ist Steve ….Sag mir, dass er…nicht …tot ist?“ Waehrend sie das furchtbare Wort herauspresste, zeigte sie auf die inzwischen fast getrockneten Blutflecken auf Dannys Weste.
Der versuchte in einem ersten Impuls, sie in den Arm zu nehmen, aber sie straeubte sich. Dieses…Blut…. Das konnte sie einfach nicht … nicht….beruehren!
 
„Nein Chris, Steve ist nicht tot!“ Ein Ruck ging durch Chris‘ Koerper, dann sah sie ihm in die Augen. Gleichzeitig hoerte man das Ausatmen der beiden Ranchleute.
„Aber…. aber das ….das Blut! “ Chris deutete auf Dannys Weste. Endlich riss er die Kevlarweste auf und zog sie sich vom Koerper.
Chris schien immer noch der Ohnmacht nahe, also zog er sie an sich „Das ist nicht von ihm.“
Er streichelte ihr mechanisch ueber den Kopf. „Das Blut ist nicht von Steve.“ bekraeftigte er nochmals.
 
Chris verstand ueberhaupt nichts mehr. Steve lebte, und das Blut war nicht von ihm. Dannys? Der schien doch unverletzt zu sein. Aber was hatte das hier dann alles zu bedeuten? Wo war er? Und warum war Daniel hier? Und warum sah er sie so an, als sei etwas ganz Furchtbares geschehen? Sie begann am ganzen Koerper zu zittern.
John und Jeff sahen sich an. Ihr sonst so tapferes kleines Maedchen war kreidebleich, schwankte selbst im Klammergriff des Cops. Sie schien einen Schock erlitten zu haben, was ja nicht verwunderlich war, beim Anblick des blutbefleckten Mannes.
Warum stand der aber so da und sagte nichts?
 
Mit einem Mal drueckte Danny Chris von sich weg - wie eine leblose Puppe sah sie dabei aus – und packte die junge Frau an den Oberarmen. Noch ehe Jeff einer inneren Stimme folgend eingreifen konnte, begann er sie schon leicht zu schuetteln. Immer noch kam kein Wort ueber Dannys Lippen.
Chris starrte ihn weiterhin mit aufgerissenen Augen an, sah geschockt zu, wie eine Traene sich ihren Weg ueber die Wange des blonden Mannes bahnte. „Ich muss zu Steve ins Krankenhaus. Ich bin nur gekommen…“ Er zoegerte. „Ich bin nur gekommen, um Dich abzuholen. Bitte komm mit Chris! Steve… ich… glaube…. Ich glaube, Steve …. braucht Dich jetzt.“
Das war zu viel.
Chris riss sich aus seinem Griff los, nur um im naechsten Moment auf ihn loszugehen und mit ihren kleinen Faeusten auf ihn einzuschlagen. „Was ist mit Steve? Ich will das jetzt wissen!“ sie schrie so laut, dass einige Kollegen von ihren jeweiligen Arbeiten aufsahen. Ihre Stimme war schrill, sie haette sie selbst nicht wiedererkannt. Auch einige vom Filmteam waren in der Naehe und beobachteten aus der Distanz eher gelangweilt, was da vor sich ging. Einer der Maenner beobachtete die kleine Gruppe jedoch genau. Er nannte sich Andy und war, was sie einen Kabeltraeger nannten, einer der Stundenloehner.
 
Danny wehrte die Schlaege der wuetenden jungen Frau ab, so gut er konnte. Er verstand ihre Reaktion, aber er wusste nicht, wie er es ihr erklaeren sollte. Und er wollte weg.  Steve brauchte ihn. Er brauchte sie jetzt beide.
„Ich …. hab‘ …. Scheisse gebaut.“ fluesterte er nur.
 
------------------------------------------------------------------------
 
„Ins Queens? Warum bringen sie ihn ausgerechnet ins Queens?“ fragte Kono ueberrascht, waehrend sie zum Auto rannten.
Chin antwortete ihr nicht sofort, so dass sie sich vor seine noch geschlossene Wagentuer warf und ihn dazu zwang, sie anzusehen. „Warum, Chin? Was ist passiert?“
„Ich weiss es nicht genau, Kono. ICH WEISS ES NICHT. Los, steig ein!“ Kono gab einen wuetenden Laut von sich, ging dann aber schnell auf die Beifahrerseite und stieg ein.  Die junge Polizistin konnte es einfach nicht fassen. Warum immer der Boss? Der eigentlich mehr ein grosser Bruder als ein Boss war… Natuerlich war Steve schon immer an vorderster Front und mit vollem Koerpereinsatz dabei gewesen, oft auch auf fast schon uebertrieben riskante Art und Weise. Aber er war ein erfahrener Kaempfer, nicht einfach leichtsinnig. Das konnte doch alles nicht wahr sein.
Sie sah ihren Cousin von der Seite her an. Der presste die Kiefer aufeinander und starrte angestrengt auf die Strasse, waehrend sie Richtung Krankenhaus rasten. Es war nicht sehr weit vom HQ der Five-O, sie haetten schon laengst da sein sollen - aber ein Anruf aus dem Gouverneursbuero in Sachen Daltons hatte sie aufgehalten.

Ploetzlich begann Chin Ho doch zu sprechen.
 
„Ich glaube, es ist wegen des Traumacenters. Und Danny hat was von der Top-Neurologie gesagt. Neurochirurgie.“ Kono sah ihn einen Moment fassungslos an.
„Du hast gesagt Schiesserei, Chin…“ der Satz bleib unvollendet, Chin verstand, worauf sie hinaus wollte.
„Danny war so durch den Wind, Kono – ich hab’s nicht genau kapiert. Er hat von Steves Weste gesprochen und von seinem Hals und dass er Schuld sei .… Ich hab es wirklich nicht verstanden.“
Beide  blickten geradeaus, ihre Gedanken drehten sich um ihren Freund Steve, natuerlich, aber auch um Danny, der schon beim letzten Mal voellig fertig mit den Nerven gewesen war. Wie konnte das sein, dass Steve zum dritten Mal in kurzer Zeit in Gefahr war? Das war doch nicht normal.
 
-----------------------------------------------------------------
 
„Was heisst ‚Du hast Scheisse gebaut‘? Ist es Deine Schuld, dass Steve etwas passiert ist? Ja? DEINE Schuld?“ Chris hatte Danny am Hemdkragen gepackt und schluchzte leise.
„Nein! Ja!“ Alles war so verwirrend. „Ich fahre jetzt zu ihm, verdammte Scheisse. Komm mit, oder lass es bleiben.“
Der blonde Cop wollte gerade in Richtung des Camaro stapfen, als Jeff sich ihm nach einem Blickwechsel mit John in den Weg stellte.
„Wir fahren Euch hin, Daniel. Du kannst tun, was Du tun willst, tun musst. Aber ich lasse nicht zu, dass Du Chris  mit Dir um einen Ampelmast wickelst. Los geh schon – der Kombi da drueben!“ er schubste ihn in die entsprechende Richtung.
„Aber der Camaro ist schneller!“ begehrte der Mann aus New Jersey auf.
„Ja, schneller vor die Wand gesetzt!“ murmelte John, der seinerseits Chris vor sich her schob.
 
„Jetzt erzaehl endlich, was genau passiert ist!“  foerderte ihn John auf, als sie losgefahren waren. Chris Augen waren lodernd auf ihn gerichtet, sie wischte sich die letzten Traenen mit dem Handruecken aus dem Gesicht.
Danny, der auf dem Beifahrersitz sass, zoegerte kurz, sammelte seine Gedanken und begann dann mit der Erlaeuterung des Angriffsplans, den Steve aufgestellt hatte …..
 
------------------------------------------------------------------------------------
 
Kono und Chin nahmen die Treppe zum 1. Stock im Laufschritt, nachdem sie in der Notaufnahme nach dem Krankenwagen gefragt hatten, der Steve gebracht hatte. Der Commander sei sofort in die Neurochirurgie gebracht worden, mehr wusste man aber nicht.
 
„Es tut mir leid, aber Nicht-Angehoerigen duerfen wir keine Auskunft geben!“  Ging das schon wieder los. „Bitte haben Sie Verstaendnis, aber die Patienten auf unserer Station haben auesserste Ruhe und Schonung noetig. Besuche sind nur zu den offiziellen Besuchszeiten moeglich!“
„Wir wollen niemanden BESUCHEN – wir SUCHEN jemanden! Unser Kollege ist hier eben eingeliefert worden!“ Die Schwester hielt die Tuer mit der Aufschrift „Ausserhalb der Besuchszeit ZUTRITT NUR FUER PERSONAL“ weiterhin nur einen Spalt geoeffnet, dabei hatte sie einen Blick, als habe sie den Heiligen Gral zu verteidigen.  Chin wedelte ihr mit seiner Marke vor dem Gesicht herum. „Wir sind von Five-O, Madam.“ Einen ganz kurzen Augenblick schien es, als wuerde das bei der Schwester Eindruck schinden.
„Was hat er denn – Bandscheibenvorfall?“ fragte sie neugierig und schaute auf eine Liste in ihrer Hand. Kono war kurz davor, ihr eine rein zu hauen. Das traeumte sie doch wohl alles nur? „Nun – was hat Ihr Kollege fuer ein Problem?“  Die Dame war ein aussichtsloser Fall.

„Schussverletzung“ mutmasste Chin.
„Ach – Sie kommen wegen Commander McGarrett?“ Die Tuer wurde aufgestossen, es fehlte nur noch ein „Hereinspaziert, meine Herrschaften!“ Die beiden jungen Leute schauten sich verbluefft an und schritten schnell weiter, ehe die Schwester es sich womoeglich anders ueberlegte.
 
„Chin, Kono – hier!“ Dannys muede Stimme wies ihnen den Weg in einen kleinen Warteraum neben dem Eingang.

„Was ist mit Steve..? Wie geht es ihm?“ Kono wollte auf Danny zustuermen, doch Chin, der John bereits mit einem kurzen Kopfnicken begruesst hatte, hielt sie am Handgelenk fest und wies wortlos mit dem Kinn auf eine Figur, die stumm am Fenster stand und kein Anzeichen dafuer gab, dass sie die Ankunft der beiden bemerkt hatte.
„Oh“ fluesterte Kono, und blieb einen Augenblick lang unschluessig stehen. Dann fasste sie sich ein Herz und legte die drei Schritte zurueck, die sie von der jungen Frau trennten.

Chris hatte die Stirn ans kuehle Fenster gepresst, doch sie nahm nichts davon wahr, was draussen vor sich ging, geschweige denn, was um sie herum geschah. So drang die sanfte weibliche Stimme auch nur wie durch eine dichte Wolke zu ihr vor. „Hi, mein Name ist Kono. Ich bin eine Kollegin von Steve. Du musst Chris sein!“
Sie drehte den Kopf und sah in das sympatische Gesicht einer Frau mit offensichtlich asiatischem Blutanteil. Steve hatte von ihr erzaehlt, sie war die Cousine von Chin Ho Kelly, dem anderen Neuankoemmling.
Kono bemerkte den roten Fleck auf Chris Stirn, der durch das Anlehnen entstanden war. Einen Herzschlag lang hatte sie den Wunsch, dieser Chris troestend ueber die Wange zu streicheln, aber wie konnte sie das, bei einer Unbekannten…  Die Frau ihr gegenueber hatte wunderschoene ausdrucksvolle, wenn auch jetzt vor Sorge traenenunterlaufene, gruene Augen. Kein Wunder, dass Steve sich darin verguckt hatte, befand sie.
 
Apropos Steve – Kono blickte zu Danny, der gerade seufzend dazu angesetzt hatte, Chin noch einmal alles zu erzaehlen.
"Wieso kommt Ihr ueberhaupt jetzt erst?" hoerte sie den blonden Cop leise fragen. "Der Gouverneur.... Und wir wollten noch nichts sagen.... "

„Man kann nur abwarten.“ Kono hoerte die Stimme der Frau kaum. Als sie sich umdrehte, lag ein unendlich mueder, trauriger Blick in deren Augen. „Sie sagen, wir muessen die Untersuchungen abwarten. Noch koennen sie nichts sagen.“  
---------------------------------------------------------------
 
Tim sass neben Andy auf einem Strohballen. „Mensch, lass die Scheisse! Kannst Du Dich denn nicht ein Mal unauffaellig verhalten. Wenn sie Dich beim Rauchen im Stroh erwischen, bist Du schneller gefeuert, als Du eingestellt warst!“ Vollidiot.
Dabei sollten sie sich doch genau auf die Schauspieler konzentrieren, die ab heute eintrudelten. Es wuerde nicht das ganze Team sein, einige waren in Hotels untergebracht. Aber die Ranch lag guenstig, auf halber Strecke zwischen dem improvisierten Studio in der alten Fabrikanlage am Stadtrand von Honolulu und den ersten Aussen-Locations. Die Location-Scouts waren fleissig gewesen und hatten ein dichtes Netz von potentiellen Drehorten ausgewaehlt.
 
Zumindest fuer die ersten Folgen war die Ranch der Dreh- und Angelpunkt, mindestens drei des Hauptcasts und ein Teil der Nebendarsteller wuerden die Blockhuetten als Ruheplatz statt der unbequemeren Caravans oder sogar Containern nutzen, bis sie sich in Honolulu fest eingerichtet hatten.
Peter, der Produktionschef, versprach sich durch diese Loesung eine glaubhaftere Team-Bildung.
Andy warf die Zigarette zu Boden und trat sie aus. Dann spuckte er angewidert auf den Boden. „So ein Mist, jetzt haenge ich hier in der Walachei, statt mir ein Bad in irgendeinem Hotelwhirlpool goennen zu koennen, womoeglich in netter Begleitung.“   Tim verdrehte die Augen. Als ob die Kabeltraeger ein Hotelzimmer mit Pool gestellt bekamen. Wenn er bloss eine Idee gehabt haette, wie er aus der Nummer hier wieder raus kam. Wenn das so weiter ging, sass er bald im Knast, wegen Affekt-Mordes an seinem „Partner“…
„Dieser O’Lally, kommt der auch heute an?“ fragte er, um das Thema zu wechseln.
„Ich hoffe. Ich hoffe wirklich, mein Freund!“ Der andere spuckte nochmals auf den Boden. „Ach, hast Du vorhin die Szene mitgekriegt, mit dem blonden Typen?“ Tim schuettelte den Kopf.
„Irgendwo hab ich den schon mal gesehen. Jedenfalls – irgendwas hat er der suessen Bruenetten erzaehlt, dass sie ganz durch den Wind war. Sie hat rumgebruellt, aber ich war zu weit weg, ums zu verstehen.“ Er stand auf und drehte sich zu Tim um. Dann setzte er dieses dreckige Grinsen auf, das Tim so anwiderte, und ergaenzte „Jedenfalls sah sie so aus, als haette sie ein bisschen Trost vertragen koennen.“ Dabei machte er eine ziemlich eindeutige schiebende Bewegung mit seinem Becken und lachte heiser. „Vielleicht sollte ich mal nach ihr schauen, wenn sie zurueckkommt?“  
 
------------------------------------------------------------------------
 
Waehrend woanders auf so provokative  Weise von ihr gesprochen wurde, hoerte Chris zum zweiten Mal heute die Geschichte von Steves missgluecktem Einsatz.
 
Danny sass mit haengenden Schultern da, die Arme aufgestuetzt und die Haende verschraenkt. Er sprach so leise, dass Kono und Chin sich vorbeugen mussten, um ihn zu verstehen.
Es kostete ihn unendlich Muehe, sich die Situation wieder vor Augen zu rufen, ohne dass es ihm einen Stich im Herzen verursachte. Es war, als stuende er neben sich und wuerde sich selbst zuschauen.
Die Lichtung. Die zwei leblosen Koerper neben ihm, Steve mit dem Gesicht nach unten ueber dem Cop. Sein Herz, das wie verrueckt vor Aufregung schlug. Tiefes Luft holen. Der Griff nach Steves rechter Schulter und der furchtbare Anblick, den ihm sein Freund bot, nachdem er ihn auf den Ruecken gedreht hatte. Blut, ueberall Blut.
 
In diesem unendlich scheinenden Augenblick, als er ihn in seinen Armen hielt, war Danny sicher, dass Steve tot war. In den Hals getroffen wahrscheinlich.
Dabei war der entsetzte Laut, den einer der beiden Maenner neben ihm ausgestossen hatte, gar nicht auf Steve bezogen. Es war vielmehr ihr Kollege, der mit einer klaffenden Kopfwunde baeuchlings unter Steve gelegen hatte. Hier haette es selbst fuer einen Laien keinen Zweifel gegeben – der Mann war tot, durch Kopfschuss getoetet, wohl genau in dem Moment, als Steve sich schuetzend auf ihn werfen wollte.
 
Das Blut war seins, Steve war besudelt vom Blut des anderen Mannes!
 
In der Sekunde, als Danny das klar wurde, kam ein gurgelndes Geraeusch ueber Steve’s Lippen. Danny stuetzte den Kopf seines Freundes, der langsam die Augen oeffnete, und beugte sich dichter zu ihm hinunter.
„Mensch Danno, Du wolltest doch keine Knoblauch-Shrimps essen!“ kam es schwach aus dem Mund des Ex-SEALs. Danny schaute ihn an, dann begann er laut zu lachen, Traenen der Freude in den Augen. Im gleichen Atemzug fuehlte er sich schuldig wegen seines Ausbruches, wo doch ein andere Mann sein Leben verloren hatte. Aber noch nie, wirklich noch nie, war er so froh ueber einen Anraunzer seines Kollegen gewesen.
 
 
„Einen Krankenwagen – ruft einen Krankenwagen, schnell!“ befahl er den HPD-Maennern neben sich. Einer entfernte sich ein Stueck, um zu telefonieren.
 
„Steve – oh Mann, einen Moment dachte ich echt, Dich hat’s erwischt!“ fluesterte er seinem Boss ins Ohr, unsaeglich erleichtet.
„Ich auch Danno, ich auch.“ Steve legte ihm die linke Hand auf seinen Arm, machte jedoch keinerlei Anstalten, sich aufzurichten, was Danny jedoch in seiner Freude nicht registrierte.
 
Die beiden Cops standen betreten neben ihnen. Sie waren erfreut, dass McGarrett noch lebte, verstanden auch , dass Detective Williams sich jetzt nur um ihn kuemmerte, schliesslich war Paul sowieso nicht mehr zu helfen. Trotzdem haetten sie ihren HPD-Kollegen am liebsten dort weggeholt, er war immer noch halb begraben unter dem Koerper des Commanders.
Dann hoerte man naeher kommende Stimmen, also beschlossen sie abzuwarten, was ihr Vorgesetzter unternehmen wuerde.
 
„Was ist denn ueberhaupt passiert?“ fragte Danny.
„Mann – ich weiss es nicht genau.“ Steve sprach immer noch leise und etwas stockend. Was Daniel aber am meisten irritierte waren seine Augen. Er schaute ihn nicht wie sonst fest an, sondern der Blick wanderte unstet hin und her, als habe sein Freund Probleme zu fokussieren. Wieder aechzte er. „Da war einer im Gebuesch.“ Er machte eine Pause. „Der hat auf uns geschossen. Ich wollte Paul Deckung geben.“ Steve kniepte ein paar Mal mit den Augen, bevor er weitersprach, doch Danny schob das auf die Lichtverhaeltnisse. Langsam wurde es daemmrig, sie mussten zusehen, von hier weg zu kommen. „Der Mistkerl hat mich ein paar mal erwischt. Ich hab‘ die Einschlaege in die Weste gespuert….“ Pause. Es sah aus, als muesse McGarrett angestrengt nachdenken, um sich zu erinnern. Seine tiefen Stirnfalten verstaerkten den Eindruck noch. „Dann hab ich wohl eins in den Nacken gekriegt….keine Ahnung, wie das passiert ist… Hat hoellisch weh getan… dann weiss ich nichts mehr.“ Die letzen Worte waren wieder nur gefluestert.
„Hilf mir hoch, Danno!“ Danny sah ihn irritiert an. „Los, mach schon. Sieh Dir diesen verdammten Nacken mal an! Dass kann ich ja nicht selbst!“
Was Steve verschwieg war, dass er selbst ueberhaupt nicht alleine hochgekommen waere. Er sah Danny nur verschwommen, sein Nacken schien zu explodieren, sein Kopf idem. Dafuer spuerte er den rechten Arm nicht. Und das rechte Bein? Er versuchte irgendetwas zu tun, Bein anwinkeln, Fuss drehen – nichts, keine Reaktion. Es war, als waere das Bein nicht da. Ein Augenblick der Panik stieg in ihm auf.
‚Junge, mach‘ Dir nicht ins Hemd‘ befahl er sich selbst. ‚Du hast eins in den Nacken gekriegt, alles klar. Reiss dich zusammen.‘ Der SEAL in ihm rief zum Aufbruch. Inzwischen trafen einer nach dem anderen Lukelas Leute ein. Er lag immer noch praktisch in Dannys Armen, er konnte doch hier nicht so wie ein Kaefer auf dem Ruecken liegen bleiben!
„Danno, was ist jetzt? Mach!“ seine Stimme war scharf. Sein Freund sah ihn verbluefft an.
„Ich weiss nicht, Steve, wir sollten vielleicht den Krankenwagen abwarten. Immerhin warst Du ohnmaechtig!“ Da war eine innere Stimme, die sagte Danny, dass etwas nicht stimmte.
„Verdammt, Danny, lass den Scheiss, mir geht’s gut.“  McGarrett versuchte, sich mit der Linken abzustuetzen und alleine hoch zu kommen. Dann wuerde es ihm sicher besser gehen. Er ignorierte die immer haeufiger werdenden Blitze vor seinen Augen. Auch das Atmen fiel ihm schwerer. „Danno!“ Sein Partner seufzte resignierte auf, verstaerkte den Druck unter Hals und Nacken seines Freundes und zog ihn hoch. „Hey, mach Dich nicht noch schwerer als Du bist!“ witzelte er, verbluefft, dass sein Freund sich so haengen lies. Er hatte ihn zur Haelfte hochgezogen, als es passierte.
Steve stiess sich mit der linken Hand vom Boden ab, verbog sich im Oberkoerper und drehte dann den Kopf in Dannys Richtung. Diesen Anblick wuerde Danny nie wieder vergessen – ploetzlich stoehnte Steve auf, seine Augen weiteten sich wie durch einen furchtbaren Schmerz, er rang nach Luft und klappte einfach in sich zusammen.

______________________________________________



Zuletzt von buggie am Mo Mai 26, 2014 4:47 pm bearbeitet; insgesamt 2-mal bearbeitet
Nach oben Nach unten
buggie
Bodyguard
avatar

Weiblich Anzahl der Beiträge : 325
Alter : 47
Ort : Livorno-Italien / Koeln
Anmeldedatum : 08.08.13

BeitragThema: Re: ALSO ALLES IM LOT !? (Fortsetzung von „Auszeit“)   So Mai 11, 2014 11:04 pm

Kapitel 11

Eine resolute aeltere Dame in Schwesterntracht, deren Namensschild sie als ‚Oberschwester Ruth‘ auswies, steckte ihren Kopf zur Tuer herein und sprach Chris an, die inzwischen nervoes an einem Tee aus dem Automaten herumnuckelte. “Miss Shoemaker - der Doc wird gleich hier sein. Ich denke, Ihr Verlobter wird aber zur Beobachtung erstmal auf der Sub-Intensiv bleiben muessen.“ Danny sprang auf, obwohl die Worte nicht an ihn gerichtet gewesen waren, und oeffnete den Mund, bekam aber keinen gescheiten Ton heraus. Kono und Chin sahen sich an, dann Danny. Der hob entschuldigend die Schultern.
Chris bekam das alles nicht mit. Die junge Frau zuckte nur zusammen, als sie ihren Namen hoerte, und blickte hoch. Sie wollte etwas erwidern, aber schon war Schwester Ruth verschwunden. Schnell lief sie ihr hinterher – sie wollte Antworten, das Warten und die Ungewissheit brachten sie noch zum Wahnsinn.

„Steve‘s Verlobte? Da steckst Du dahinter, oder?“ zischte Kono leise in Richtung Danny. „Wer sonst koennte auf die glorreiche Idee kommen, sie gleich als McGarretts Verlobte auszugeben? Ich meine..“
„Ich wollte nicht wieder auf den Gouverneur warten muessen, Kono…“ Das war alles, Danny dazu zu sagen hatte. Chin nickte ihm verstaendnisvoll zu, alle erinnerten sie sich noch zu gut an die Probleme beim letzten Mal, als Steve im Krankenhaus lag. Trotzdem hatte Chin das Gefuehl, dass das nicht alles sei. Sein Freund war dermassen unter Spannung, seine ganze sonst eher hektische Gestik erlahmte zeitweise voellig, dann sackte er regelrecht in sich zusammen, gruebelte. Im naechsten Moment war er wieder aufgedreht wie immer.

„Ja, aber diesmal ist das doch was ganz Anderes, Danny. Und wenn sie sie was fragen? Steves persoenlichen Daten, haben die in der Anmeldung sich denn noch nicht danach erkundigt? Sie kennt ihn doch eigentlich kaum. Vielleicht weiss sie ja nicht mal seine Adresse?“ Kono schuettelt den Kopf. Es tat ihr leid, ihre Bedenken richteten sich ja nicht gegen Chris, sondern gegen die aeusseren Umstaende, aber ….

Wie auf Bestellung tauchte ein junges Maedchen auf, wahrscheinlich eine Schwesternschuelerin, ein Klemmbrett in der Hand. „Ich suche Miss Shoemaker. Wir benoetigen noch einige Daten des Patienten!“
„Geben Sie mal her, ich mach‘ das schon!“ Danny setzte sein charmantestes Laecheln auf. Die junge Frau starrte ihn entgeistert an. „Das geht nicht, das sind vertrauliche Daten!“ antwortete sie geradezu entruestet.
„Meine Liebe, gestatten, Detective Daniel Williams, ich bin ein Kollege Ihres Patienten..“ er zeigte seine Marke und floetete weiter „… und als Personalchef ueber alle wichtigen Daten informiert.“ Jetzt trug er ein bisschen dick auf, aber wie hiess es so schoen ‚Dreistigkeit siegt‘? Und wirklich, das Klemmbrett wurde ihm gereicht! Er grinste selbstzufrieden zu Kono hinuebern, die nur mit den Schultern zuckte.

Danny hatte kaum das Formular ausgefuellt, „zum Glueck“ hatte er das bei Steves letzter Verletzung ja auch getan und musste nicht lange ueberlegen, da kam Chris mit einem Arzt herein. Sie war immer noch sehr blass, aber ein klein bisschen ruhiger schien sie schon zu sein. Die anderen sprangen auf und warteten gespannt.

,Dr. Bushell, Neurochirurg‘, so stand es an seinem Kittel, war ein sympathischer Mitt-Fuenfziger mit langen Koteletten und lustigem nach unten gebogenem Schnaeuzer. Etwas war an seinem ruhigen aber bestimmten Auftreten, das positive Energie zu verbreiten schien.

„Wie geht es Steve?“ Die Frage wurde fast im Chor gestellt. Der Arzt antwortete nicht sofort. „Haben SIE ihn operiert?“ fragte Kono dann mit leiser Stimme. Chin beobachtete derweil Chris und Danny, die neben Kono standen. Er war ja selbst besorgt um Steve, aber Dannys Gesichtsausdruck machte dem von Chris Konkurenz.

„Nun, Commander McGarrett hat in gewisser Weise unglaubliches Glueck gehabt.“ Ein allgemeines Aufatmen ging durch das kleine Grueppchen. „Eine Operation war Gott sei Dank nicht notwendig.“ Kurzes Gemurmel, dann wurde es mucksmaeusschenstill.

„Ein Projektil hat Ihren Freund in unmittelbarer Naehe der Halswirbelsaeule in die Schutzweste getroffen. Sie hat zwar die Weste nicht durchschlagen, aber, wie Sie natuerlich wissen werden, “ dabei schaute er insbesondere Danny und Chin an, deren Dienstmarken offen am Guertel prangten „ und wie der Begriff ‚schuss-HEMMEND‘ so richtig ausdrueckt, ist die Weste leider nicht immer ein Garant fuer koerperliche Unversehrtheit.“
Der Arzt lies seine Worte erst einmal einen Augenblick sacken, bevor er weitersprach.
„Selbstverstaendlich kann man sagen, dass die Weste dem Commander das Leben gerettet hat, einige Millimeter weiter links und die Folgen waeren verheerend, wenn nicht gar toedlich gewesen.“ Chris stoehnte unweigerlich auf, worauf Kono ihre Hand nahm und drueckte.
Dann schaute sie ihren Cousin an, der aussah, als habe er den gleichen Gedanken. Sie trugen alle unterschiedliche Westen-Modelle, sie und Chin hatten erst letzte Woche ihre neuen Kevlarwesten ausgewaehlt, die leichter und angenehmer zu tragen waren als die letzten und die Bauch und Lendenpartie besser schuetzten. Steve hatte auch so eine, doch er hing an dem aelteren Modell mit den unbequemeren Hartplatten, angeblich weil die Taschen und die Waffenhalterung auf der Brust ihm besser zusagten. Sie alle hatten ueber den ‚Spleen‘ ihres Bosses gelacht – doch jetzt hatte ihm genau diese Weste offensichtlich das Leben gerettet - sie war die einzige mit hohem Nackenschutz.

„Was ist denn nun mit ihm?“ fragte Danny mit ungewoehnlich tonloser Stimme.
Dr. Bushell setzte zum Weitersprechen an. „Auch wenn ich Ihnen aufgrund der Schweigepflicht keine Details nennen kann“ er sah, wie Dannys Miene sich sogleich verfinsterte „so moechte ich Ihnen doch sagen, dass alle bisher vorgenommenen Untersuchungen, allem voran die bildgebenden Verfahren, CT und MRT, keine Hinweise auf schwerwiegende Schaedigungen des Rueckenmarks bzw. der knoechernen Struktur der Halswirbelsaeule ergeben haben.“ Es schien, als habe die ganze Gruppe von Zuhoerern kollektiv das Atmen eingestellt. Man haette eine Stecknadel fallen hoeren koennen.

„Und was heisst das genau? Und wann koennen wir zu ihm?“ Danny sprach aus, was alle dachten. Chris stand nur da .
„Commander McGarrett wird zur Zeit noch unter starken Beruhigungsmitteln gehalten, desweiteren ist seine Halswirbelsaeule wie schon auf dem Transport hierhin ins Krankenhaus weiterhin immobilisiert. Wir muessen noch einige Untersuchungen vornehmen, erst nach Abschluss kann eine genaue Diagnose gestellt und ueber die weitere Vorgehensweise, insbesondere auch den Beginn einer eigentlich dringend anzuratenden Physiotherapie, entschieden werden.“

„Also traegt er eine Halskrause? Warum muss er die denn tragen?“ kam es nun von Chin. „Sie sagten doch, Sie wuerden Schaedigungen von Rueckenmark und Wirbeln ausschliessen?“

„Das ist nicht ganz korrekt – ich sagte, die bisherigen Untersuchungen haben keine Hinweise auf SCHWERWIEGENDE Schaedigungen ergeben.“ Seine Zuhoerer wollten diese Spitzfindigkeit nicht hoeren, ganz und gar nicht, dass sah man ihnen deutlich an. Der Chirurg holte daher weiter aus.
„Grundsaetzlich ist eine Verletzung dergleichen in etwa vergleichbar mit einer schweren HWS-Distorsion – umgangssprachlich ausgedrueckt – einem Schleudertrauma. Der Patient klagt jedoch ueber Taubheitsgefuehl in der rechten Koerperhaelfte….“ „Das heisst, er ist wach? “ unterbrach ihn Danny aufgeregt. Was denn nun jetzt? Er begriff nicht. „Mr. McGarrett hat mehrfach kurz das Bewusstsein wiedererlangt, das ja. Wir haben uns jedoch zu den Beruhigungsmitteln entschlossen, da – ich moechte es einmal so ausdruecken – seine Ungeduld seinem derzeitigen Gesundheitszustand nicht gerade zutraeglich ist.“
Die Umstehenden schauten sich an. Selbst Jeff und John, die Steve kaum kannten, verstanden, was der Doc meinte. Steve war nicht der Typ, der sich zuruecklehnte, die Augen schloss und andere machen lies. Seine „Auszeit“ mit Chris war ein anderes Kapitel seines Lebens gewesen, doch das war jetzt abgeschlossen. Der Vorfall heute bewies seinen Freunden zwar, dass McGarrett immer noch nicht der Alte war, aber er wuerde freiwillig nicht das Zepter aus der Hand geben, was die Ermittlungen anging.

„Ich darf Ihnen wirklich nicht mehr sagen, meine Herrschaften. Nur soviel – derartige Gefuehlsstoerungen koennen vielfaeltige Ursachen haben, und die muessen wir herauszufinden versuchen.“

Chris war bleich. Zwar hatte Dr. Bushell ihr das alles schon ganz kurz vorhin im Flur mitgeteilt und versucht, sie zu beruhigen, doch jetzt und hier nochmals laut ausgesprochen, hoerte es sich immer noch alles furchtbar an.
„Miss Schumacher?“ Sie schaute auf – dieser Arzt war der erste, der ihren Nachnahmen richtig aussprach. „Eigentlich bin ich durch die Schweigepflicht gebunden, da Sie – wie die uebrigen Anwesenden, vermute ich – ja keine offizielle Angehoerige des Commanders sind.“ der Chirurg sah sich im Kreis um, doch alle nickten nur betreten.
Leise fuegte er hinzu „Unter uns gesagt, es ist mir jedoch egal, ob Sie nun zusammenleben, oder nicht….“ Sie hatte ihm in ihrer Aufregung ganz automatisch Johns Ranch als Kontaktadresse angegeben. Dann hatte sie ploetzlich panisch registriert, dass man sie womoeglich nach ihrem Ausweis fragen wuerde, was jedoch ausgeblieben war. „Miss Schumacher?“ die Stimme des Mannes durchdrang ihren Gedankenstrom. Sie sah ihn an. „Bitte kommen Sie mit in mein Besprechungszimmer, ich wuerde Ihnen gerne noch einige Details erlaeutern.“
Sie griff wie im Reflex nach der Hand des neben ihr stehenden Danny. Der schaute sie perplex an.
Es froestelte sie auf einmal. „Ich moechte, dass Detective Williams mich begleitet. Er war ja bei dem Schusswechsel dabei und er kennt Commander McGarrett schon sehr viel laenger als ich, ausserdem – „sie stockte „ausserdem bin ich nicht sicher, ob ich all‘ die medizinischen Ausdruecke richtig verstehe.“ Danny hielt die Luft an. Er war verbluefft und geruehrt im gleichen Atemzug. Dann schaute er Dr. Bushell durchdringend an. Der ueberlegte einen Moment, bevor er antwortete.„Nun, wenn es im Sinne des Patienten ist – bitte folgen Sie mir beide.“

Die Anderen blieben stumm im Warteraum, jeder hing seinen eigenen Gedanken nach. Jetzt wussten sie immer noch nicht, wie es Steve wirklich ging. ‚Schleudertrauma‘ – das klang zwar nicht mehr so wild. Aber – war das wirklich alles? Und - nahm das alles denn nie ein Ende? Wie wuerde ihr Super-SEAL mit diesem neuerlichen Rueckschlag wohl umgehen. „Danny nimmt das alles ja furchtbar mit! Als koenne er was dafuer. “Kono unterbrach die Stille. „Ja, er gibt sich die Schuld an Steves Zustand!“ antwortete Jeff, der sich bei ihren Ankunft schon kurz vorgestellte hatte.
„So ein Idiot – aber das ist doch Quatsch!“ reagierte Kono heftig. Also erzaehlte Jeff ihnen, was Danny ihnen im Auto anvertraut hatte.

Im Buero des Chirurgen angekommen, bat der Chris und Danny Platz zu nehmen. Er schaltete sein Laptop ein, und sagte erst einmal gar nichts, waehrend der Computer hochlief.
Chris war nahe dran, in Traenen auszubrechen. Bisher hatte sie ihre innere Anspannung ganz gut unter Kontrolle gehabt, aber langsam war ihr Limit erreicht. Inzwischen war ihr klar, dass sie ihre Gefuehle fuer den Mann, der irgendwo in diesem Krankenhaus gegen die Folgen eines Schusswechsels kaempfte, nicht weiter verleugnen konnte. Als Danny sie als „Verlobte“ ausgegeben hatte, war sie zuerst wie paralysiert gewesen. Doch dann hatte sich ein warmes Kribbeln in ihrem Bauch ausgebreitet, es fuehlte sich irgendwie alles gut und richtig an.

Dr. Bushell raeusperte sich. „Sie wissen, was ein Blunt-Trauma ist?“
Danny nickte, doch Chris sah ihn verstaendnislos an. „Nun, unter Blunt-Trauma versteht man zwar eine stumpfe Gewalteinwirkung im Allgemeinen, das kann also auch ein Faustschlag sein. Aber im Besonderen benutzen wir in diesem Fall den Begriff fuer – nun - nennen wir es einmal indirekte Schussverletzungen.
Was viele nicht wissen ist das, selbst beim korrekten Tragen einer Kevlarweste der hoechsten Schutzklasse, wie Commander McGarrett sie trug, ein Projektil, welches in die weniger stark geschuetzten Bereiche der Weste eindringt, durch seine nur gemilderte Aufprallenergie schwere bis toedliche Verletzungen hervorrufen kann. Dies hier ist eine geradezu „leichte“ Variante, damit Sie eine Vorstellung davon haben, von welchen Kraeften wir da sprechen.“

Der Chirurg drehte sein Laptop so, dass Chris und Danny auf den Bildschirm schauen konnten.

Foto Blunt-Trauma:
 

Chris legte sich erschrocken die Hand auf den Mund. Der Arzt wartete, bis sie sich wieder gefasst hatte, dann erklaerte er weiter.

„Bei unserem Patienten ist das Projektil von schraeg hinten in die Weste eingedrungen, wie ich eben schon erlaeutert habe knapp neben der Halswirbelsaeule. Zum Glueck in einem Winkel, der weniger Kraftuebertragung verursacht hat als ein gerades Auftreffen. Trotzdem hat dieser Aufprall eine Commotio Spinalis zur Folge, ein Trauma wie es bei dem sogenannten Schleudertrauma auftreten kann.“
Danny sah den Arzt lange an, dann suchte er nach den passenden Worten.
„Haette man….“ Pause „Waere es anders gewesen, wenn Steve still liegen geblieben waere?“
„Nein, Detective Williams, das haette rein gar nichts geaendert.“ Danny schloss einen Moment die Augen und atmete hoerbar aus. „Ich weiss, worauf Sie hinaus wollen. Man hat mir berichtet, dass Mr. McGarrett versucht hat, aufzustehen, Sie ihm dabei helfen wollten, und er dann ohnmaechtig geworden ist.“
Danny nickte.

„Nach den derzeitigen Untersuchungen muessen wir davon augehen, dass durch den Aufprall Laesionen am Halteapparat der Halswirbelsaeule entstanden sind. Die hierbei z.T. entstehenden Oedeme bzw. Umblutungen der Nervenwurzeln und Einblutungen in die Gelenkkapseln koennen, um es einfach auszudruecken, Nervenstraenge abdruecken, es kann auch die Blutzufuhr zu gewissen Bereichen des Gehirns negativ beeinflusst werden. Die Bandbreite der moeglichen Beschwerden ist gross, Schmerzattacken gehoeren genauso dazu wie Taubheitsgefuehle, so wie der Patient sie in diesem Fall beschreibt.“

Chris war bei seinen Worten kreidebleich geworden, so dass Dr. Bushell ihr beruhigend eine Hand auf den Arm legte.
„In den meisten Faellen sind diese Auswirkungen komplett in ein paar Tagen reversibel, und die bisherigen Untersuchungen des Commanders haben keinen Hinweis darauf gegeben, dass es bei ihm anders sein sollte.“
Sie entgegnete nichts, sah ihm nur fest in die Augen, als koenne sie dort eine Antwort auf die alles beherrschende Frage finden – wuerde Steve wieder voellig gesund werden?

Als habe er ihre Frage verstanden, schloss der Arzt mit den Worten „Miss Schumacher, ich kann Ihnen leider keinerlei Garantie geben, nur die Zeit wird zeigen, ob mit Spaetfolgen zu rechnen ist. Die Laehmungen sollten in den naechsten Stunden bis max. 2 Tagen verschwunden sein, wir werden daher die Beruhigungsmittel langsam absetzen, um das besser pruefen zu koennen. Aber Ihr Verlobter wird Sie an seiner Seite brauchen, denn erfahrungsgemaess ist die Angst ein grosses Hindernis auf dem Weg zur Genesung. Koennen Sie das einrichten?“

Sie nickte. Ja, sie wuerde an Steves Seite bleiben, ob der nun wollte oder nicht. Dann schaute sie Danny an, der sie anlaechelte und ihr dann wortlos die Hand drueckte. Der Cop spuerte, dass dieses Maedchen auf seinen Freund acht geben wuerde. Er wusste es einfach.

Der Chirung erhob sich, sie taten es ihm gleich. Als er ihnen die Tuer aufhielt, sah Danny ihn an. Leise, so leise, dass Chris es nicht mehr hoeren konnte, rief er Danny hinterher. „Detective Williams?“ Der drehte sich um. „Das naechste Mal halten Sie den Verletzten ruhig – tun Sie so etwas nie wieder, das haette schief gehen koennen…..“

______________________________________________

Nach oben Nach unten
buggie
Bodyguard
avatar

Weiblich Anzahl der Beiträge : 325
Alter : 47
Ort : Livorno-Italien / Koeln
Anmeldedatum : 08.08.13

BeitragThema: Re: ALSO ALLES IM LOT !? (Fortsetzung von „Auszeit“)   Mi Mai 21, 2014 10:32 pm

Heut' nur kurz, aber hoffentlich besser als nix ???  *big smile* 

____________________________________________________________________


Kapitel 12
„Kann ich Dich etwas fragen, Daniel?“ John unterbrach die Stille im Auto erst, als sie das erste Hinweisschild zu ‚John’s Paradise‘ bereits passiert hatten. Danny lehnte sich vor und sah den alten Mann gespannt an, dessen abwesender Blick auf die vorbeirauschende Landschaft gerichtet war.

„Gibt es eine andere Frau in Steves Leben?“

Der blonde Cop schaute irritiert drein. „Nein – wie kommst Du denn da drauf?“

Man sah die Spannung in den Gesichtszuegen des ehemaligen Rodeo-Champions, als er sich zu dem Mann auf der Rueckbank umdrehte. „Chris ist ueberzeugt davon, Steve am Dienstag Morgen dabei gesehen zu haben, wie er eine andere Frau gekuesst hat.“

„Bitte was?“ Dannys Stimme hatte einen eher belustigten Unterton. „Er soll waaaas gemacht haben?“
„Wir waren am International Market Place, und Chris ist sich sicher, dass sie Steve dort gesehen hat, als er eine andere Frau gekuesst hat. Im Moment verdraengt sie den Gedanken daran, vor lauter Sorge um ihn. Aber wenn das hier alles vorbei ist – wird es wieder hoch kommen. “
„Jetzt versteh‘ ich – Steve hat gesagt, sie sei nachmittags so abweisend gewesen, er konnte sich das gar nicht erklaeren, nach der tollen Zeit zusammen. John, ich schwoere Dir – ich weiss nichts von einer anderen Frau. Und ich bin sicher, Steve wuerde so etwas nie vor mir geheim halten. Und er wuerde nie mit zwei Frauen gleichzeitig ….. Ganz sicher nicht!“ Danny sah sein Gegenueber mit ernstem Blick an. „Der Kerl ist dermassen verknallt in das Maedchen – so hab‘ ich ihn noch nie erlebt. Noch nie!“

Er ueberlegte angestrengt. „Ich hab‘ wirklich keine Ahnung, wen Chris gesehen haben koennte, Steves Schwester Mary ist auf dem Festland. Aber Steve kennt eine Menge Leute – vielleicht war es auch seine Ex-Partnerin, Catherine? Aber das ist definitiv aus.“

„Nein, sie sagte ‚Er hat sie auf den Mund gekuesst‘.“ kam es jetzt von Jeff.

Danny wusste nicht, was er sagen sollte. Steve wuerde so etwas nie machen, das stand jedenfalls fest. Ploetzlich fiel ihm etwas auf. „Vorgestern – aber das war doch der Morgen, an dem Steve nach Hause gekommen ist. Ihr habt ihn doch bei sich zu Hause abgesetzt – und dann ist er direkt ins Five-O-Hauptquartier gekommen und mit zum Gouverneur gefahren. Er haette nicht mal Zeit gehabt, ueberhaupt zum Marketplace zu fahren! Nein, da muss sie sich verguckt haben. Sie muss!!“

Damit war das Thema vorerst beendet, wenn auch ein schaler Nachgeschmack blieb.
Langsam rollte Jeff durch das Tor zum Anwesen.

________________________________________

Schwester Ruth legte den erhobenen Zeigefinger auf den Mund und bedeutete dem naeher kommenden Arzt , leise zu sein. Dr. Bushell schaute sie fragend an, worauf sie ein bisschen zur Seite trat, so dass er durch den Tuerspalt vor ihnen schauen konnte. Die Krankenschwester gab ihm ein Zeichen, dass sie mit ihren Spritzen noch einmal wieder kommen wuerde, und auch der Doc beschloss, den Patienten spaeter zu untersuchen. Hier wollte er jetzt auch nicht stoeren.

„Das kannst Du vergessen!“ Chris hatte nicht gemerkt, dass jemand sich Steves Zimmer genaehert hatte, daher hatte sie einfach weitergesprochen. Ein wenig kindisch kam sie sich ja schon vor, auf einen Schlafenden einzureden. Aber sie musste es einfach loswerden. Musste fuer sich eine Entscheidung treffen, auch wenn sie nicht sicher war, ob das Steve ueberhaupt passen wuerde.

„Es ist mir egal, wer sie ist. Sie ist naemlich nicht hier, weisst Du das? SIE ist nicht hier, aber ICH! Und ich werde auch nicht wieder gehen! Deine Freunde nennen Dich einen sturen Hund, falls Dir das noch nicht bekannt sein sollte. Aber ich kann auch stur sein – verdammt stur, Du wirst schon sehen! So einfach wirst Du mich nicht wieder los!“

Sie hatte sich in Rage geredet, ihre Wangen waren geroetet und ihre Haare ein bisschen zerzaust, so oft wie sie schon fahrig hineingegriffen hatte. Steve wuerde sie jetzt auf den Arm nehmen deswegen, wenn er wach waere. Wenn er nur wach waere…. Eine Traene wollte der Schwerkraft folgen, doch sie wurde von einer energischen Hand daran gehindert. ‚Jetzt bloss nicht heulen, Christina!‘ ermahnte Chris sich selbst. Sonst wuerde sie womoeglich nicht mehr aufhoeren, sich in einen dieser hawaiianischen Wasserfaelle verwandeln. Vielleicht in den, der aufwaerts zu fliessen schien, und den Steve versprochen hatte ihr zu zeigen? „Damit das klar ist – wir hatten da ein schoenes Programm zusammengestellt. Glaub ja nicht, dass Du Dich davor druecken kannst, Freundchen!“ Als habe er ihre Vorwuerfe verstanden, begann Steve unruhig zu werden.

Wie aus einer Trance erwacht, blickte Chris auf sein schoenes Gesicht, das immer noch zum Teil von der Halskrause verdeckt wurde. Es wirkte zwar muede, aber laengst nicht so erschoepft wie an dem Tag, als sie sich zum ersten Mal begegnet waren. Verrueckt – sie kannten sich erst so kurz, dass man die Tage noch zaehlen konnte – und gleichzeitig kam es ihr vor, als haetten sie sich schon immer gekannt. Sie setzte sich wieder auf den Stuhl neben seinem Bett und ergriff seine Hand. Die war kalt, also nahm sie sie ganz automatisch in beide Haende und streichelte sie sanft.

Ein unterdruecktes Stoehnen kam aus Steves Mund, dann fing er an, sich ein wenig zu bewegen. Die Beruhigungsmittel waren stark reduziert worden, die Geraete um ihn herum uebermittelten zwar laufend ihre Daten, aber die Kurven waren gleichmaessig und das Piepsen so monoton, dass sie es fast nicht mehr wahr nahm. Alles reine Routine, hatte der Arzt gemeint. Auch der Echodoppler habe keine Beeintraechtigung der Halsgefaesse gezeigt, aber man duerfe nie vergessen, dass es sich hier um auesserst delikate Bereiche handelte, die verletzt worden waren. Lieber zu viel, als zu wenig Kontrolle.

Chris hatte mehrfach versucht, etwas Ruhe auf dem Schlafsessel zu finden, den man ihr ins Zimmer geschoben hatte. Es war aussichtslos. Die Vorstellung, sie koenne verpassen, dass Steve sie brauchte, war unertraeglich und hielt sie wach.
An Schaefchenzaehlen war irgendwie nicht zu denken. Der Tropf – das konnte sie versuchen. Sie starrte die Flasche an und versuchte, sich vom gleichmaessigen Tropfen der Infusionsloesung einlullen zu lassen. Dieses Zeug lief einfach zu schnell!! Dieses Meti … Meti….Meti-Gedoens hatte nicht den richtigen Rhythmus. Und bald war es sowieso leer.
Die junge Frau stand auf und begann, wieder im Zimmer auf und ab zu gehen.

„Meine Liebe, Sie sollten versuchen, etwas zu schlafen!“ Die geradezu vorwurfsvolle Stimme von Dr. Bushell liess sie herumfahren. Hinter der Silhouette des Chirurgen erkannte sie Schwester Ruth, die sie aufmunternd anlaechelte.
„Er wird Ihnen nicht weglaufen, waehrend Sie sich ein bisschen ausruhen!“ ergaenzte die Schwester mit dem Anflug eines Grinsens im Gesicht. „Ausserdem wuerde er gleich nach einem Arzt rufen, wenn er Sie so sehen koennte! Diese Augenringe sehen nicht gesund aus!“ Schwester Ruth legte eine neue Infusionsloesung an, waehrend Dr. Bushell den Patienten noch einmal abhoerte und ihm dann noch eine Spritze gab. „Was ist das?“ fragte sie leise. „Methylprednisolon – das dient zum Abschwellen in der Wirbelsaeule, damit die Nervenenden sowenig wie moeglich in Mitleidenschaft gezogen werden.“ antwortete die Schwester.

Chris beobachtete das ruhige Heben und Senken von Steves noch unbedecktem Brustkorb und spuerte ein seltsames Gefuehl von Waerme in sich aufsteigen. Es war seltsam, aber nicht unangenehm, dieses Gefuehl.
Irgendwann stellte sie fest, dass Arzt wie Schwester sie schweigend beobachteten. Sie spuerte, wie sie bis unter die Haarspitzen erroetete. Wie peinlich – da lag dieser Mann bewusstlos in einem Krankenhausbett, und sie hatte nichts Besseres zu tun als sich vorzustellen, mit ihren Fingerspitzen durch sein weiches Brusthaar zu streicheln…..

______________________________________________

Nach oben Nach unten
buggie
Bodyguard
avatar

Weiblich Anzahl der Beiträge : 325
Alter : 47
Ort : Livorno-Italien / Koeln
Anmeldedatum : 08.08.13

BeitragThema: Re: ALSO ALLES IM LOT !? (Fortsetzung von „Auszeit“)   Mi Mai 28, 2014 11:15 pm

Und wieder was Kurzes.... :tüte:

_________________________________________________________________

Kapitel 13

Ein leises Klirren liess sie zusammenfahren. Schlagartig war Chris wach und stand neben Steves Bett. Eigentlich konnte sie sich nicht einmal daran erinnern, wann die Muedigkeit sie doch uebermannt hatte – aber es musste wohl nach dem Telefonat mit Danny gewesen sein.

Sie hatte das Zimmer kurz verlassen gehabt, um sich die Beine zu vertreten, froh, dass man sie nicht Hause schickte. Ein neuer Arzt war vorbeigekommen und hatte gemeint, Steve wuerde wahrscheinlich bald aufwachen. Er war wie sein Vorgaenger der Meinung, dass die Anwesenheit seiner „Verlobten“ – die sich insgeheim wie eine Hochstaplerin vorkam – McGarrett gut tun wuerde.
Nach dem Chris‘ Magen so laut geknurrt hatte, dass Schwester Ruth, die gerade Schichtende hatte, ihr ein Gummibroetchen aus dem Automaten in die Hand drueckte, hatte die junge Frau beschlossen, eben jenem Automaten einen Kontrollbesuch abzustatten. Wann hatte sie ueberhaupt das letzte Mal etwas getrunken? Sie haette es nicht sagen koennen.
Bevor sie zurueck zu Steve gegangen war, hatte sie dann wie vereinbart Danny angerufen, um ihn und das Team ueber Steves Zustand ins Bild zu setzen. Er wuerde morgens frueh kommen und sie abloesen, falls noetig. Auch wenn sie sich fast nicht kannten, so hatten sich beide doch vom ersten Augenblick an sehr verbunden gefuehlt.

Was hatte da geklirrt? Chris umrundete das Bett auf der Suche nach einer Erklaerung. Da - eine Nierenschale, die eine der Schwestern wohl versehentlich auf dem Bettrand liegengelassen hatte, war auf den Boden gefallen. Sie wollte sie gerade aufheben, als sie es sah. Chris starrte Steve einen Augenblick fassungslos an, dann lief sie los, um Hilfe zu holen.

Der junge Bereitschaftsarzt warf einen kurzen Blick auf den Patienten, dann hob er die metallene Schale auf und - tat nichts. „Was ist denn mit ihm ?“ fragte Chris mit zittriger Stimme. Sie kaempfte gegen die aufsteigende Panik und haette den Arzt gerne geschuettelt, damit er endlich etwas unternahm.
Der Mann warf einen kritischen Blick auf die Monitore, deckte Steves Beine kurz auf und beobachtete sie, dann laechelte er Chris freundlich an. „Bitte beruhigen Sie sich. Diese Spasmen treten manchmal auf, wenn die Nerven ihren Dienst wieder aufnehmen. Das geht vorbei.“ Damit drehte er sich um und verliess den Raum.

Sie starrte ihm nur fassungslos hinterher, dann setzte sie sich auf die Bettkante und beruehrte zaghaft Steves rechte Hand, die unablaessig auf der Bettdecke hin und her zuckte. Die Linke lag dagegen still. „Das geht vorbei. Hast Du gehoert – das geht vorbei.“ Eigentlich sprach sie das mehr als Mantra fuer sich selbst, als dass es an die schlafende Gestalt vor ihr gerichtet gewesen waere. Langsam verebbte die krampfhafte Bewegung tatsaechlich. Dafuer wurde der ganze Koerper unruhig, als wolle er langsam aber sicher den Schlaf abschuetteln. Leise Geraeusche kamen aus Steves Mund, kein Stoehnen, mehr ein Versuch, aus der Traumwelt wieder in die Wirklichkeit zurueck zu gelangen.

Unwillkuerlich spuerte die Chris, dass die Traenen zu rollen begannen. Die Aufregung und der Schlafmangel brachten sie an den Rand des Zusammenbruchs. Sie schloss die Augen und versuchte, sich zusammen zureissen.

„Hey“ - ein kaum hoerbares heiseres Fluestern riss sie aus ihren Gruebeleien – und liess sie in zwei wunderschoene gruen-blaue, wenn auch sehr muede und ein wenig rot unterlaufene Augen schauen.

„Selber ‚hey‘“ - mehr brachte sie nicht heraus, waehrend sie aufsprang.
„Du musst Dich schon… zu mir herunterbeugen … wenn …wenn Du … einen Kuss willst..“ seine leise Stimme klang belegt, wie von einem Fremden. Er griff wie im Zeitlupentempo nach seinem Hals. „Ich kann mich mit dem sch… Kragen nicht drehen!“ Chris gab ihm einen leicht vorwurfsvollen Klaps auf die Brust, dann verzogen sich ihre Mundwinkel unweigerlich nach oben. Das war ihr Steve – ihr unglaublicher, gutaussehender, romantischer, frecher, angeblich nie schwach werdender und doch so butterweicher Ninja-SEAL. Er war wieder da.

Chris‘ Herz schlug bis zum Hals, als sie ihm erst sanft ueber die Stirn streichelte und tief in die Augen schaute. Zum Glueck fiel ihr Kuss dank der eher stoerenden Halskrause gesittet aus. Sie hatte sich gerade von Steves rauhen Lippen geloest, als ein Raeuspern sie herumfahren lies.

„Schoen, endlich sind Sie wieder wach, Commander!“ Die junge Schwester war im Tuerrahmen stehen geblieben, jetzt laechelte sie Steve an – ein bisschen zu strahlend fuer Chris‘ Geschmack. „Dann geh‘ ich wohl mal den Doc rufen.“ Offensichtlich hatte sie Chris‘ Blick bemerkt.

______________________________________________

„Scheisse, pass doch auf – das tut doch weh“
„Gott, bist Du ein Weichei. Haettest Dich halt nicht anschiessen lassen muessen! Jetzt lass mich endlich das Pflaster wechseln.“
„Was kann ich denn dafuer, dass dieses beschissene Cop sich von hinten anschleichen musste. Wir hatten bis dahin die Lage voll im Griff!“
„ ‚Lage voll im Griff‘ nennst Du das? ‚Voll im Griff‘ ?? Euch ist aber schon klar, dass dieser „Cop“, den Ihr da offensichtlich zusammen geschossen habt, der Kopf von Five-O ist?“
„Ja, schon Boss, aber….“
„Vollidioten. Ihr solltet doch nur die Gegend auskundschaften und nachsehen, ob das Versteck von diesem Irren zu was zu gebrauchen ist …. . Absolute Nieten seid Ihr!“
„ Elliott – jetzt mach aber halblang! Konnte doch keiner ahnen, dass das HPD auch da auftaucht. Das wusste dein toller Spitzel wohl nicht, haeh?“
„Nein, Bruderherz, das wusste mein Spitzel nicht!“

___________________________________________

„Mann, bin ich froh, Dich so munter zu sehen!“ Dannys Augenringe standen denen von Chris um nichts nach. Zwar war er zuhause gewesen, aber die Sorge um seinen Freund hatte ihn doch kaum schlafen lassen. Chris hatte alle Five-O-Mitglieder selbst benachrichtigt, das rechneten sie ihr hoch an. Chin und Kono wuerden nachkommen, sie wollten noch mal mit Lukela zur Ruine rausfahren und dann Steves Auto auf der Ranch abholen.

„Super-SEAL, falls Du noch mehr Krankenaufhalte planen solltest, dann trag sie doch bitte fruehzeitig im Terminkalender ein! Dann kann ich mir vorher Baldrian besorgen.“ Innerlich atmete Danny auf, gab er sich doch immer noch irgendwo eine Mitschuld.
„Ich dachte, Du wuerdest mal gern‘ ab und zu dein Auto selber fahren!“ frotzelte Steve. „Geniess es, es wird nicht fuer lange sein! Ich hab‘ von Krankenstationen die Schnauze gestrichen voll.“

Sein Gesicht hatte wieder etwas Farbe bekommen, ausserdem hatte man ihm endlich die Halskrause abgenommen. Dafuer hatte er jetzt ein spezielles Stuetzkissen unter dem Oberkoerper, aber er durfte den Kopf wieder frei bewegen. Was er eher sparsam auskostete, tat ihm doch irgendwie sein Nacken ueberall weh.

„Alles klar?“ Danny legte Chris eine Hand auf die Schulter, doch ihre Energie reichte gerade zu einem matten Laecheln, als sie zu ihm aufsah.
Jetzt tat Steve so unbekuemmert, aber bei jeder der kurzen Zitter-Attacken, die er in den letzten zwei Stunden in der rechten Koerperhaelfte gehabt hatte, hatte sie einen Anflug von Panik in seinen Augen gesehen. Es machte ihm offensichtlich Angst, dass er diese Reaktionen seines Koerpers nicht durch seine mentale Staerke bezwingen konnte. Dr. Bushell hatte Entspannungsuebungen nach der Physiotherapie vorgeschlagen, aber das hatte er abgelehnt. Es wuerde schon gehen. Kein Problem.
Ganz sturer Hund eben.

____________________________________________

Kono sah sie zuerst. Verbluefft schaute sie die schlanke Gestalt an, die da in Jogging-Klamotten um die Ecke bog. „Susan!“ „Kono – was machst Du denn hier?“ Die Andere war genauso verbluefft wie die junge Asiatin. Wieder wollten sie gleichzeitig sprechen, doch Kono schluckte den Satz herunter.

„Ich bin …“ es schien Kono, als wollte ihr Gegenueber nicht so ganz mit der Sprachen herausruecken. „Naja, ich bin wegen Alex hier. Mit…Alex hier.“
„Wow – ich wusste nicht, dass es so – “ Kono blickte sich um, sah die Mitarbeiter des Filmteams geschaeftig umherlaufen. Scheisse – wie kam sie jetzt aus der Nummer wieder raus, ohne dass es peinlich wuerde – „naja, so ernst ist mit Dir und diesem Alex.“
Susan wurde rot. Das hatte sie bei ihr ja noch nie gesehen. Kono musste grinsen. Und wieder jemand verknallt bis ueber beide Ohren. Und dabei war noch nicht mal Fruehling.

„Komm mit!“ Chin, der ein paar Meter weiter mit John zusammen stand, schaute Kono fragend an, waehrend die sich schulterzuckend in ihr Schicksal ergab.

„Was macht IHR ueberhaupt hier?“ Erst jetzt fragte Susan nach, waehrend sie auf eine der Blockhuetten zusteuerte.
„Wir muessen Steves Auto abholen.“
„Ach, der PickUp? Deshalb kam der mir so bekannt vor! Und wieso steht der hier? Das ist ja lustig – ob Alex das wohl wusste?“

Auch wenn Susy eigentlich eine gemeinsame Freundin war, und auch keine Klatschtante, so hatte Kono doch im Moment keine Lust, ueber Steves neuerliches „Missgeschick“ zu sprechen.
„Warum sollte Dein Alex wohl wissen wollen - oder sollen - , dass McGarrett hier war??“ hakte sie schnell nach, in der Hoffnung, das Thema wechseln zu koennen.

Jetzt grinste ihre Freundin ueber das ganze Gesicht. „Das wirst Du gleich sehen!“

______________________________________________

Nach oben Nach unten
buggie
Bodyguard
avatar

Weiblich Anzahl der Beiträge : 325
Alter : 47
Ort : Livorno-Italien / Koeln
Anmeldedatum : 08.08.13

BeitragThema: Re: ALSO ALLES IM LOT !? (Fortsetzung von „Auszeit“)   Mi Aug 27, 2014 10:45 pm

So, da meine Muse einfach nicht aus dem Urlaub zurück kommen will, habe ich mich wohl oder übel mal selbst versuchen müssen! Sorry  Zwinker
Keine Bange, in dieser Geschichte ist es wie beim hawaiianischen Wetter – heute mal heiter bis wolkig, demnächst ein bisschen nass, um dann nach Langem mal wieder heiß zu werden – vielleicht….  Teufel
____________________________________________________________



Kapitel 14

Groß und breitschultrig war der Mann, seine Rückenmuskeln kontrahierten bei jedem der Sit-Ups, die er da gerade auf seiner Trainingsbank praktizierte. Er war völlig in sein Work Out vertieft und machte den Anschein, als bemerke er die beiden Frauen nicht, die die Hütte gerade betreten hatten.

Kono schluckte.
…. Also, wenn sie es nicht besser gewusst hätte ….
….Wobei - die Tattoos - es fehlten die Tattoos! Außerdem war das Haar zu kurz. Hatte es überhaupt die ´richtige´ Farbe? Schwer zu sagen, es war nass geschwitzt….Aber trotzdem…


„Oh, hey Süße!“ begrüßte der hochgewachsene Mann seine Freundin mit einem Blick über die Schulter. Er stoppte in seinen Übungen, griff nach einem Handtuch neben der Bank und stand auf. Das Handtuch um den Nacken geschlungen, musterte er auch Kono neugierig.

Die schaute auf die Gestalt vor sich. Nein, besser ausgedrückt – sie starrte die Gestalt vor sich an. Ihre dunklen Augen waren vor Überraschung geweitet und vermutlich war es eher ihren Kampfsport-erprobten Reflexen als denn einer koordinierten Befehlskette ihrer Gehirnzellen zu verdanken, dass ihre Kinnlade nicht auf fliegentechnisch ungünstigem Halbmast flaggte.

Sie schüttelte vehement den Kopf, in der Hoffnung, die vorgenannten Hirnzellen aus ihrer Schock-Starre zu befreien, bevor ihrem Mund irgendwelche Peinlichkeiten entschlüpften.
Unter Aufbringung größter Konzentration drehte die junge Asiatin ihren Kopf weg in Susans Richtung, ein Unterfangen, welches sich im nächsten Moment als unklug herausstellte.

Hatte ihre Freundin Konos Überraschung bisher nur mit einem stummen Grinsen quittiert, so konnte sie sich jetzt nicht mehr länger zusammenreißen. Was mit einem albernen Kichern begann, entwickelte sich in Sekundenschnelle zu einem tränenerstickten Lachkrampf, Bauchhalten inbegriffen.
Den vorwurfsvollen Blick ihrer Freundin konnte Susan nur mit einem entschuldigenden Schulterzucken quittieren, bevor sie in eine neuerliche Lachsalve ausbrach.

Dann war es passiert – auch der Kerl, der ohne Frage Steves Bruder wenn nicht Zwilling hätte sein können, gab ein unterdrücktes Schnorcheln von sich, was sich unter Konos versteinertem „Ich-durchbohre-Dich-gleich-fällst-Du-tot-um-Blick“ zu einem erfrischenden sympathischen Lachen – à la Steve eben – auswuchs.

Ein Zucken um ihre Mundwinkel erschien, dann prustete auch das jüngste Five-O-Mitglied los. Nach der Anspannung der letzten Tage kam das erste Mal Heiterkeit auf, ein Gefühl, das Kono wie ein Schwamm aufsaugte.

Wieder wanderte ihr fragender Blick zu ihrer Freundin. Die entgegnete nur „Wahnsinn, was? Aber ich garantiere Dir, das war es nicht, was mich…“

Kono war trotzdem mehr als irritiert, schließlich hatte  Suzy einmal – auf Trishas heimliche Schwäche für ihren Boss eingehend – kopfschüttelnd gemeint, Steve sei zwar ohne Zweifel objektiv gesehen ein sehr attraktiver Mann,  aber absolut nicht ihr Typ.
Aha. Soweit dazu.

„Alex, das ist meine Freundin Kono!“
„Freut mich.“ Er hatte einen guten Händedruck, kräftig, aber nicht schraubstockartig, und schaute sie aufmerksam aus dunklen Augen an.
Ha! Jetzt passt es nicht mehr. Steves Augen sind blau-grün, wenn man das überhaupt so festlegen kann.
„Mich auch!“ beeilte sich Kono zu antworten.

Bevor sie dazu kam, irgendetwas anderes zu sagen, begann ihr Handy unbarmherzig zu klingeln.
„Hey Chin, was gibt´s?”
Die ungeduldige Stimme ihres Cousins war selbst für die neben ihr stehende Suzy deutlich zu vernehmen. “Was heißt hier ´was gibt´s ?´ ??? Wo bist Du? Wir müssen los!“
„Sorry, ja, aber Du glaubst ja gar nicht…. Ach, erzähl´ ich Dir gleich, bin schon unterwegs…“

Mit einem bedauernden Schulterzucken verabschiedete sich die junge Asiatin von den beiden anderen Menschen in dem kleinen Raum, nicht ohne jedoch ein späteres Telefonat ausgemacht zu haben.

„Wo hast Du denn bloß gesteckt?“
„Ach Chin, Du wirst es nicht fassen….“

***

Sie stand im Schatten eines Baumes, geschockt und gleichzeitig zutiefst gerührt vom Anblick des Mannes, der dort drüben allein hockte, ein Knie auf dem sorgsam gestutzten Rasen aufgestützt, einen Ellbogen auf dem anderen Bein, die gepflegten langen Finger gedankenverloren über die kurzen Stoppeln seines markant männlichen Kinns mit dem kleinen Grübchen streichend.

Die Stimmen hinter ihr kamen näher und entfernten sich wieder, mal war es das aufgeregte Schnattern von Kindern, dann die gedämpften Worte von Erwachsenen, die sich der Bedeutung dieses Ortes vollauf bewusst waren.
Dieser Ort vereinigte sie alle –Alt und Jung, Reich und Arm, die Einheimischen und die Fremden, lokale Dialekte und fremde Sprachen, Trauernde mit Blumen in der Hand und Touristen mit Reiseführer, aber vor allem - die Lebenden und die Toten.

Chris war noch nie hier gewesen, und wäre vielleicht auch nie her gekommen, wenn es nicht wegen ihm geschehen wäre.

Zwei Tage war es jetzt her, dass Steve das Krankenhaus hatte verlassen können.
Die üblichen Beschwörungen der Ärzte, es langsam angehen zu lassen (´Vergessen Sie es, Sie vergeuden hier Ihre Zeit und unsere Steuergelder!´ war Daniels Kommentar dazu gewesen),  ein paar enttäuschte Blicke der jüngeren Krankenschwestern, ein ´Welcome home´-Shrimps-Carepaket von Kamekona, Schulterklopfen der Kollegen und eine Anruf vom Gouverneur, der ihm dringend nahelegte, sich sein Laptop und Equipment nach Hause bringen zu lassen, er wolle Steve die nächsten Tage nicht im Five-O-Hauptquartier wissen… Chris musste schmunzeln wenn sie daran dachte.

Denning war sicher nicht erbaut über Steves neuerlichen Ausfall gewesen, zumal es noch keine Fortschritte im Dalton-Fall gab. Trotzdem besaß er die Größe, den Teamchef seiner Task-Force sozusagen ans Sofa zu fesseln, wohl wissend, dass Steve „auf freiem Fuß“ ganz schnell „vergessen“ würde, dass er sich noch schonen  sollte.
Dafür würde sie dem Mann ewig dankbar sein, dessen war sie ganz sicher.

Nachdem ihnen Faulenzen zuhause zu langweilig geworden war, hatte ihr Romantiker (Oh - war diese Bezeichnung gegen die  SEAL-Ehre?? Das musste sie bei Gelegenheit mal austesten, versprach sie sich selbst.) ein Mittagessen in einem kleinen Strandrestaurant vorgeschlagen. Danach waren sie den Strand entlang gebummelt, barfuß, Schuhe in der Hand.
Steve war bester Laune gewesen, sie hatten gelacht und herumgealbert wie Teenager. Alles war in Ordnung bis zu dem Moment, als er  ihr erklärt hatte, er habe im Krankenhaus das Zeitgefühl verloren, und nach dem Datum fragte.
Der Schatten, der über sein schönes Gesicht gezogen war, hatte ihr regelrecht die Füße unter dem Körper weggezogen. Er hatte nichts gesagt, war schweigend weitergegangen.
Fragen – sollte sie fragen? Der Schmerz war ihm so deutlich ins Gesicht geschrieben gewesen, aber sie hatte nicht drängen wollen.

„Heute wäre der Geburtstag meines Vaters gewesen.“

Seine sonst so kräftige Stimme war nur mehr ein  leises Wispern, doch sie hatte  trotzdem verstanden.
Wegen seines steifen Nackens fuhr sie im Moment seinen Wagen, und sie hatte keinen Moment gezögert, als auf dem Heimweg das Hinweisschild zum Punchbowl auftauchte…..

Die junge Frau war so in Gedanken versunken, dass sie die Rückkehr des jungen Mannes erst bemerkte, als er dicht vor ihr stand.
Steve lächelte sie zärtlich an, dann nahm er ihre Hand und zog sie mit sanfter Gewalt bis zur Stelle, wo nur eine Grabplatte und ein frischer Blumenstrauß von dem Mann zeugten, den er geliebt und doch eigentlich so wenig gekannt hatte.
Wortlos verschränkte sie ihre Finger mit Steves und schaute zu ihm auf. Der Ausdruck in seinen Augen ließ ihre Beine schon gefühlt zu Wackelpeter werden, aber als er dann noch seine Hand in ihren Nacken legte, den Kopf neigte und sich seine sinnlichen Lippen den ihren näherten, glaubte sie, ihr Herz würde stehen bleiben.

Wer bemerkte da schon die ersten Regentropfen…

______________________________________________

Nach oben Nach unten
buggie
Bodyguard
avatar

Weiblich Anzahl der Beiträge : 325
Alter : 47
Ort : Livorno-Italien / Koeln
Anmeldedatum : 08.08.13

BeitragThema: Re: ALSO ALLES IM LOT !? (Fortsetzung von „Auszeit“)   Sa Sep 20, 2014 3:03 pm

Kapitel 15 (Krötchen, damit Du den Anschluss nicht ganz verlierst bei der Warterei *big smile* )
________________________________

Dieselbe drohende dicke Wolke, die über dem Punchbowl bereits abzuregnen begonnen hatte, senkte auch die Stimmung der Menschen an Kamekonas Shrimp-Truck.

„Menno, Danno, wir wollten doch noch an den Strand!!!!“ Das Quengeln seiner Tochter ließ den blonden Detective aus Jersey leise aufstöhnen.
„Tut mir leid Äffchen, aber Du weißt doch, dass es bei Gewitter zu gefährlich im Wasser ist. Und das da“ – damit zeigte er in Richtung des schwarzen Himmels – „sieht nach mehr als einem Gewitter aus. Das könnte auch ein tropischer Monsun werden. Eine Sintflut. Oder vielleicht ein Weltuntergang?“ Mit jeder Steigerung hatte er eine mehr erschreckte Grimasse gezogen, bis Grace zu giggeln begann und darüber ihre beginnende schlechte Laune komplett vergaß.

„Außerdem müsste Deine Mutter bald hier sein, um Dich abzuholen.“ Das war das Stichwort, um den eben noch fröhlichen Gesichtsausdruck des Mädchens wieder in eine ´Flunsch´zu verwandeln.
„Ich habe aber keine Lust, Danno. Stan will, dass ich mit ins Theater gehe. Da sind aber doch nur so langweilige Leute im Anzug…“ Verständnisvolles Nicken ging durch die Runde. Trotzdem versuchte Kono ihre Stimmung zu heben.
„Ach, Grace, wenn Deine Mutter und Stan Dich dabei haben wollen, dann ist das Stück doch bestimmt lustig. Und sicher bringen Stans Geschäftsfreunde dann auch ihre Kinder mit. Das wird bestimmt toll. Und Du darfst doch auch lange auf bleiben!“

Die Kleine hatte die Ellbogen auf den Tisch gestützt, ihr Kinn ruhte auf den Händen. Einen Augenblick schien Konos Kommentar seine Wirkung getan haben, doch dann seufzte Grace geradezu herzzerreißend.
Danny zog seine Tochter fest an sich, so fest, dass die Kleine gespielt um Hilfe rief. Das übrige Five-O-Team lachte, machte aber keine Anstalten, ihr zur Hilfe zu kommen, was wiederum den gutmütigen Kamekona auf den Plan rief.

„Gracie, alles klar? Wenn Dich Dein Vater misshandelt, sag Bescheid. Ich rette Dich dann.“ Danny schaute ihn vorwurfsvoll an, worauf der dicke Mann sich einen Schritt zurückzog, aber Grace verschwörerisch zuzwinkerte. „Oder, noch besser - ich schicke ihm unseren großen Super-SEAL Steve auf den Hals!“ Ein freudiges Grinsen überflog das Gesicht des Kindes bei dieser Ankündigung. Sie liebte ihren ´Onkel Steve´ sehr, auch wenn er nicht ihr leiblicher Onkel war.

„Apropos Super-SEAL – wo steckt der eigentlich? Seit ich ihm die Shrimps nach Hause gebracht habe, hat er sich nicht mehr blicken lassen.“ Bedächtig schüttelte er sein gewichtiges Haupt, eine Mischung aus ehrlichem Bedauern und gespielter Fassungslosigkeit ins Gesicht geschrieben.

„Er wollte, schätze ich mal, ein bisschen mit Chris alleine sein. Nach all der neuerlichen Aufregung….“ warf Chin ein.

„Aha. OK. Das Mädchen ist ja auch echt süß.“ Der Shrimp-Truck-Besitzer wandte sich zum Gehen, doch dann hielt er mitten in der Bewegung inne und drehte sich wieder um. Seine Gäste beobachteten ihn nicht ohne Belustigung, als er noch einmal stirnrunzelnd den Kopf schüttelte.
„Sagt mal ehrlich“ fragend schaute er in die Runde „meint Ihr, unser McGarrett mutiert zum Softie???“

Einen Augenblick lang hätte man eine Stecknadel fallen hören können. Dann pruste zuerst Kono, dann Chin, und zum Schluss auch Danny los. Kamekona zog entschuldigend die Schultern hoch. „Ich mein ja bloß…“

Die kleine Grace beobachtete wortlos die Erwachsenen um sich herum. Dann legte sie den Kopf schief und schaute ihren Vater prüfend an, der sich noch immer nicht beruhigen konnte.
„Danno?“ kam es zaghaft aus ihrem Mund.
„Ja mein Äffchen?“ Ihr Vater hatte Mühe, seine Stimme unter Kontrolle zu bekommen.
„Was ist ein ´Softie´?“

Nur Konos Kichern durchbrach die plötzliche Stille.

„Ein…was???“
„Ein Softie. Was ist ein Softie, Danno?“

Danny klingelten die Ohren. „Danny Williams – nun erklär DAS mal schön Deiner Tochter!“ Chins Stimme schwankte zwischen Schadenfreude und Mitleid.

Grace Blick wanderte zwischen den beiden Männern hin und her.

„Ein Softie. Ein Softie ist…“Dannys Gedanken schweiften zu schleimigen zukünftigen Verehrern seiner Tochter, denen er die Flausen schon austreiben würde. Sein Gesichtsausdruck verdunkelte sich. „Äffchen, Softies sind Typen, von denen Du Dich am besten ganz weit fern hältst!“

„Danno!“ Grace war nahezu fassungslos „Ich will mich aber nicht von Onkel Steve fernhalten! Ich hab Onkel Steve lieb!“

„Bingo, Alter! Das war daneben!“ Kamekona klopfte dem verdutzten Detective auf die Schulter.

Detective Williams – von Kinderlogik geschlagen. Bevor er etwas erwidern konnte, sprang seine Tochter freudestrahlend vom Tisch auf. „Mommy!!!!“
Rachels Auto hielt unweit des Shrimp-Trucks am Straßenrand, und Danny atmete hörbar aus.

„Ok, dann lass Dir das von schön von Deiner Mutter erklären….“ flüsterte er erleichtert.

***

Nach der ersten fast automatischen Erwiderung seines leidenschaftlichen Kusses versuchte sich Chris aus der Umarmung des Ex-SEALs zu winden. „Steve! Hör auf!“ Ihre Stimme schwankte hörbar zwischen erschrocken und amüsiert.
Der Schuldige ließ sich nicht beirren, zog sie im Gegenteil wieder an sich. „Oh Gott Steve!“ Sie schaffte es mit Mühe und Not, ihre Hände auf seine Brust zu legen und ihn damit zu stoppen. Fragend zog der große dunkelhaarige Mann eine Augenbraue hoch.

„Wir sind auf einem Friedhof, falls Du das noch nicht gemerkt haben solltest!“
Jetzt zeigte sich eine tiefe Furche zwischen seinen Brauen, einen kleinen Augenblick lang fürchtete sie, er würde wütend werden. Doch dann verzog sich sein Gesicht zu einem frechen Grinsen.
Mit gespielter Entrüstung boxte Chris ihn in die Rippen. „Alle können uns so sehen!“
Er ignorierte diese Feststellung – und versuchte erneut, sie zu küssen, was sie jedoch diesmal erfolgreich vereitelte.
„Du bist verrückt. Was sollen die Leute denn denken?“ Jetzt musste sie schon kichern.
„Die Leute?“ fragte Steve mit einem kindlich unschuldigen Gesichtsausdruck.
„Die Leute!“
„Ach, die Leute? Du meinst….“ er schaute sich neugierig um. „Du meinst… zum Beispiel den wandelnden Bierbauch da mit dem fürchterlichen Hawaiihemd und dem Strohhut?“ Seine Partnerin versuchte möglichst unauffällig in die angegebene Richtung zu blicken. „Du hast Recht, der könnte uns mit seinem Riesen-Teleobjektiv verewigen, der sieht verdächtig nach fleißigen Trip-Advisor-Revisionen aus.“ Chris zog instinktiv den Kopf ein, wie eine verschreckte Schildkröte, als er plötzlich auf ein junges Pärchen zeigte, das zusammen in eine Digicam blickte. „Und dann die zwei da – wetten, die setzen uns auf ihre Facebook-Seite? Und dann ….“
„Schon gut, schon gut!!!“ Chris kam aus dem Kichern nicht mehr heraus, während sie versuchte, Steves Schandmaul zuzuhalten. „Laß uns von hier verschwinden, bevor das Gewitter richtig losgeht.“

Für einen kurzen Moment straffte Steve die Schultern und blickte, plötzlich wieder ernst geworden, noch einmal zum Grab seines Vaters hinüber. Dann legte er seinen Arm um Chris´ Taille und schob sie geradezu Richtung Parkplatz.

Obwohl Friedhof, zog die phantastische Lage des Punchbowl-Kraters doch auch immer eine Schar von Schaulustigen an, die hauptsächlich die Aussicht genießen wollten. Das drohende Unwetter hatten mit seinem Donnergrollen und dem schwarz verhangenen Himmel auch dem hartgesottensten Ausflügler Beine gemacht, und so fanden sich Chris und Steve in einer Autoschlange wieder.

Während sich Steve auf die drängelnden Fahrzeuge konzentrierte, beobachtete er aus dem Augenwinkel heraus, wie seine Beifahrerin grinsend den Kopf schüttelte. Offensichtlich beschäftigten sie seine öffentlichen Liebesbekundungen noch immer.

Lieber hätte er sich ja den Arm abgehackt, als es zuzugeben - doch, er war jedesmal selbst über sich überrascht. Aber er hatte sich fest vorgenommen, nicht weiter darüber nachzudenken. Sonst würde er womöglich einen Rückzieher machen und sich wieder hinter dem unnahbaren Ex-SEAL und unnachgiebigen Ermittler-Image verstecken. Catherine war damit halbwegs klar gekommen, aber Chris würde er damit verschrecken.
Catherine – ein gutes Stichwort. Der Five-O-Boss schaute prüfend zu Chris hinüber. Die erwiderte seinen Blick und lächelte ihn an, ein Lächeln, das ihm ein wohliges Prickeln in der Magengegend verursachte.

„Ehem – was ich Dir die Tage schon sagen wollte …“
Obwohl er wieder nach vorne schaute, spürte er, dass die junge Frau auf dem Beifahrersitz ihn fragend anschaute.
„Es .. es war sehr schön, dass Catherine mich besuchen durfte. Ich meine, immerhin….“ Er brach ab.
„Steve!“ Chris Stimme brach fast. Dann spürte er plötzlich ihre Hand an seiner Wange.
Ohne sich dessen richtig bewusst zu sein, setzte er den rechten Blinker und zog unter dem wütenden Hupen der anderen Fahrer den Wagen nach rechts an den Straßenrand, einfach nur, um ihr in die Augen schauen zu können.

„Ich mag Catherine, ehrlich. Auch wenn sie Deine Exfreundin ist. Sie – wie soll ich das sagen – sie macht mir keine Angst. Also…wegen Dir… uns… Du weißt, was ich meine, oder?“ Unsicher blickte sie zu ihm auf.

Als er nicht sofort antwortete, sprach sie hastig weiter.

„Es tut mir so leid, Steve! Ich…“ Sie suchte nach den richtigen Worten. „Ich schäme mich so, Steve. Als Kono von Deinem Doppelgänger erzählt hat…Ich hätte wissen müssen, dass Du das am Marketplace nicht warst. Es… es konnte nicht sein. Aber … er sah Dir in dieser Uniform so ähnlich. So…. so stolz…. Ich habe nicht darüber nachgedacht, dass Du keine Polizeiuniform trägst. Und als diese Frau ihn geküsst hat … da habe ich einfach den Verstand verloren. Es… kannst…“ verzweifelt versuchte sie die Tränen zurückzuhalten „kannst… Du mir jemals verzeihen?“

Einen Augenblick lang verlor sie sich in seinen wunderschönen blau-grünen Augen, bevor Tränen ihren Blick endgültig verschleierten. Nahezu blind, nahm sie seine Lippen erst wahr, als sie sie spürte. Wortlos nahm Steve ihr Gesicht in beide Hände und flüsterte „es gibt nichts zu verzeihen, Chris. Nichts. Du konntest das doch nicht ahnen.“ Noch einmal berührte er sanft ihre Lippen. „Ich…“
Er brach ab. Fast ...hätte er es getan… aber er schaffte es nicht…jedenfalls noch nicht….

Die Tropfen auf der Windschutzscheibe wurden immer zahlreicher.

______________________________________________

Nach oben Nach unten
buggie
Bodyguard
avatar

Weiblich Anzahl der Beiträge : 325
Alter : 47
Ort : Livorno-Italien / Koeln
Anmeldedatum : 08.08.13

BeitragThema: Re: ALSO ALLES IM LOT !? (Fortsetzung von „Auszeit“)   Di Sep 23, 2014 10:08 pm

Kapitel 16

Trishas Handy klingelte, als sie gerade unter der Dusche verschwinden wollte. Seufzend machte sie auf dem Absatz kehrt und ging zurück ins Wohnzimmer.

„Hey Süße, ich hatte gar nicht mit Dir gerechnet heute. Wolltet Ihr nicht nach Maui…?“ Die Stimme am anderen Ende ließ sie den Satz nicht vollenden. „Ja, ja, natürlich kann ich Dich abholen. Was ist denn passiert? Wo steckst Du denn jetzt?“

Ihre aufgeregte Gesprächspartnerin gab keine weiteren Erläuterungen, sondern schien sich erst orientieren zu müssen. Sie wartete geduldig. „Ja, ich weiß wo das ist. Gegenüber vom alten Kino. Die Bushaltestelle vor dem Nightclub. O K .“ Sie sprach die Worte langsam und deutlich, während sie sich selbst eilig ins Schlafzimmer begab. „Bitte versuch Dich doch zu beruhigen. Jetzt setz Dich erst mal da auf die Bank. Genau da. O K.“
Irgendwie schien sich die Frau am anderen Ende der Leitung tatsächlich etwas zu entspannen. „Suzy, rühr Dich nicht vom Fleck. Ich zieh´ mich nur an, und dann komme ich Dich einsammeln. Gib mir 20 Minuten.“ Mit unter das Ohr geklemmtem Handy balancierte sie auf einem Bein, um in ihre Jeans zu kommen. „15. Ich versuche es in 15. Versprochen. Aber hau nicht ab. Bleib.Da.Sitzen.“

***

„Hey, Kamekona, hast Du schon genug verdient heute, dass Du einpacken kannst?“ Danny schaute dem selbsternannten Shrimp-King verblüfft zu, als der anfing, Schirme und leere Stühle zusammenzupacken.
„Reine Vorsicht, Brah. Ich hab´ keine Lust, den Kram am andern Ende von Waikiki einzusammeln, wenn der Sturm vorbei ist.“
„Sturm? Ich dachte, dass sei nur ein Gewitter?“ Wie zur Bestätigung zuckte der erste Blitz über den Bergen. „ Also? Dauernd erzählt Ihr mir, ich sollte mich mal an dieses Wetter gewöhnen. Ich bin doch keine Ananas, die es schwül warm mag…“ Der Cop aus New Jersey zupfte sich ungeduldig am Krawattenknoten und wischte sich mit der anderen Hand einen Schweißtropfen aus dem Gesicht.
„Haole!“ Kamekona schüttelte verständnislos den Kopf und schaute die beiden übrigen Task-Force-Mitglieder fragend an. „Das mit dem Wind hat er nicht drauf, oder?“  Chin und Kono grinsten nur. „Was – was ist daran jetzt so lustig? Wind? Wollt Ihr surfen gehen, oder was? Das ist doch glatter Selbstmord!“ Dannys Laune sank langsam aber stetig. Nicht mal Mr. Ich-Bin-Unverwundbar-McGarrett konnte auf eine solche Idee kommen. Naja, oder vielleicht doch?
Chin versuchte, angesichts der Schimpftirade ernst zu bleiben. „Kamekona meint, Du hättest immer noch kein Gefühl für die Natur. Die Winde. Seewind, Landwind, Wolkentypen usw.“
Kono ergänzte „Die Einheimischen haben meistens ein Gespür dafür, wie das Wetter wechselt. Der Wind, der jetzt herrscht, wird noch wesentlich stärker wer…“ Ein Donnerschlag ließ die Luft erzittern und den blonden Cop vor Überraschung zusammen zucken. Dicke Tropfen fielen auf die Tischplatte. „…den. Und der Regen wird anhalten. Wir sollten zusehen, dass wir ins Hauptquartier zurück kommen, bevor das hier jetzt los geht.“
Sie stand auf und ging zu Kamekona, um zu zahlen.

***

Chris liefen unablässig Tränen über das Gesicht, auch wenn Steve nicht ahnen konnte, dass es inzwischen eher Freudentränen waren.

„Hey, hey – bitte nicht weinen! Es ist alles gut. Komm her.“ Der große dunkelhaarige Mann war ein wenig ratlos. Der Leiter der Five-O wusste inzwischen, welche Achterbahn der Gefühle Chris gefahren war, und warum. Aber es war doch längst klar, dass es sich um ein Missverständnis gehandelt hatte. Warum mussten Frauen sich nur solche Vorwürfe machen, wenn doch gar kein Anlass bestand, sich zu sorgen.
OK, Steve durfte jetzt nicht darüber nachdenken, dass er diese tolle Frau, die er gerade fest umschlungen hielt, durch dieses „Missverständnis“ fast verloren hätte. Dann würde er nämlich den Kerl, der die ganze Aufregung verursacht hatte, wegen Amtsanmaßung im Verhörraum festsetzen, und zwar solange, bis der Gouverneur den Keller stürmen ließ. Dieser O´Lally würde garantiert in keine Uniform mehr steigen, wenn er mit ihm fertig war. Die Fernsehkarriere würde er ihm gründlich ausreden. Vielleicht würde ihn noch jemand fürs Werbefernsehen wollen. Für Tampons wäre er gerade noch gut genug. Klopapier. Inkontinenzeinlagen. Der Gedanke ließ nun doch ein Grinsen auf seinem Gesicht erscheinen.

Chris schluchzte derweil immer noch leise, sie konnte einfach nichts dagegen tun. Es war, als würde ihre mühsam aufgebaute mutige Fassade nun endgültig zusammenbrechen.
Seine Bewusstlosigkeit hatte sie insgeheim doch in Panik versetzt, und die Angst, dass er Folgeschäden davongetragen haben könnte, war immer noch nicht gebannt. Manchmal hatte er noch den Tremor im rechten Arm, kurz nur, aber sie wusste genau, wie belastend das für Steve war. Er sprach nicht darüber, aber sie konnte es in seinen Augen lesen. Er fühlte sich behindert, oder zumindest nicht hundertprozentig seinen Aufgaben gewachsen. Und das konnte tödliche Konsequenzen haben, in seinem Job.

Seit Steve im Krankenhaus aufgewacht war, hatten sie nicht miteinander über ihr abweisendes Verhalten auf der Farm gesprochen. Nur über Dritte hatte sich alles aufgeklärt.
Chris hatte sich so ungerecht, so schuldig gefühlt, als Kono ganz ahnungslos das Geheimnis des ´untreuen Steve´ gelüftet hatte.
Bis dahin hatte eine böse Stimme in ihrem Hinterkopf sie selbst insgeheim rückratlos geschimpft, weil sie diesem Draufgänger offensichtlich schon hoffnungslos verfallen war.
Doch dann war da die andere Stimme, die, die sie an all die schönen Momente erinnert hatte, die sie in so kurzer Zeit zusammen mit Steve erlebt hatte. Und schließlich war es doch sie, die am Bett von McGarrett gewacht hatte, und niemand anders, oder? Sie hatte sich selbst versichert, dass sie ihn darauf ansprechen würde, aber nicht, solange er noch im Krankenbett lag. ´Närrin´hatte die böse Stimme sie nur genannt - das war unfair, hatte die andere dagegen gehalten, schließlich war sie doch nicht einfach zu feige dazu – es war nur ein Mangel an Gelegenheiten. Sofort waren die Ärzte und Schwestern um ihn herum gewesen, und auch Danny war inzwischen eingetroffen.

Dann waren Kono und Chin ins Krankenhaus gekommen.
Mit klopfendem Herzen hatte Chris mitbekommen, wie die junge Asiatin von dem Schauspieler gesprochen hatte, der Steve so verblüffend ähnlich sehen sollte. Alex o´Lally – der Hauptdarsteller der neuen Polizei-Serie, für die ´John´s Paradise` als Stützpunkt dienen sollte. Der Name war ihr irgendwo schon begegnet, aber der Fernsehkonsum im ´Paradiese´ war bekanntlich minimal. Polizeiserie? Sollte dieser Alex etwa ….???
Danny hatte sie dann darauf angesprochen, dass John von ihrem Verdacht erzählt hatte. Er war es auch gewesen, der Kono darum gebeten hatte, bei ihrer Freundin Suzy nachzuhaken.  Einen loyaleren Freund konnte Steve sich wirklich nicht wünschen, und auch Chris mochte Danny inzwischen wirklich sehr sehr gern.

Sie schniefte und schaute zu Steve auf. „Brauchst Du ein Taschentuch?“ Sie schüttelte vehement den Kopf,  worauf sie beide gleichzeitig lächeln mussten. Einen Augenblick lang lehnten sie einer mit der Stirn an der des Anderen, dann setzte Steve sich gerade hin und schaute auf den vorbei fließenden Verkehr.
Inzwischen schüttete es wie aus Kübeln, die Innenscheiben des Wagens begannen zu beschlagen.
„Lass uns sehen, dass wir von hier weg kommen. Willst Du Dir erst ein paar frische Sachen zum Anziehen holen?“ Chris nickte.
„Dann auf ins ´Paradise`!“

______________________________________________

Nach oben Nach unten
buggie
Bodyguard
avatar

Weiblich Anzahl der Beiträge : 325
Alter : 47
Ort : Livorno-Italien / Koeln
Anmeldedatum : 08.08.13

BeitragThema: Re: ALSO ALLES IM LOT !? (Fortsetzung von „Auszeit“)   Mi Okt 08, 2014 9:37 pm

Kapitel 17

„Was für eine runtergekommene Kaschemme!“ Franco verzog angewidert das Gesicht. Wenn er überhaupt Franco hieß, ging es Tim durch den Kopf. Egal. Franco Nachname unbekannt, Jameson, Philips, Bud White – also der Name war bestimmt nicht echt… war das nicht der, der den Kim-Basinger-Charakter in ´L.A. Confidential´ gevögelt hatte? – und er schlichen wie die Diebe durch die enge Gasse des armseligen Viertels. ´Diebe´ war vermutlich ein Euphemismus, aber genauer wollte er es lieber nicht wissen. Zum wiederholten Male verfluchte er den Tag, als er sich durch einen Kumpel von Pete Dalton zu ´ein paar kleinen Jobs´ hatte überreden lassen.
Wie hieß das so schön - ´Mit gefangen, mit gehangen!`?

„Willkommen im Hilton!“ meldete sich der zweite Mann in der Reihe spöttisch zu Wort, als die kleine Gruppe im Gänsemarsch zwischen einigen Pennern hindurch schritt, die sich ihre Notbehausungen aus Kartons errichtet hatten. Ein teuflischen Gestank waberte durch die Gasse, Eau de Gosse´ aus Urin, Müll und wer weiß was noch. Unglaublich, dass es sowas in einer Touristenhochburg wie Honolulu gab…Und der einsetzende Regen machte das Szenario nicht wirklich ansprechender.

„Jetzt beweg Dich schon!“ zischte eine Stimme, während Tim plötzlich am Arm gepackt und in einen Hauseingang gezogen wurde. „Hierher, Jungs!“ zischte es nochmals in Richtung der Anderen, die bereits achtlos an der Tür vorbei gelaufen waren. Jeder gab seinem Vordermann ein Zeichen, und in Sekundenschnelle waren sie wie vom Erdboden verschluckt.

***

Etwa zur gleichen Zeit im Five-O-Headquarter….

„Verflucht!“ Danny strich sich die feucht geworden Tolle glatt, während sein Autoschlüssel im hohen Bogen auf seinem Schreibtisch landete.
„Ich glaub´, er vermisst McGarrett!“ flüsterte Kono ihrem Cousin zu.
„Tu´ ich nicht! Schließlich ist es mein Wagen.“ kam es griesgrämig von dem blonden Detective. Seit wann hatte der so gute Ohren? Kono hielt sich grinsen die Hand vor dem Mund, während Chin mit aller ihm zur Verfügung stehenden Gelassenheit mit den Schultern zuckte. „Gib´s zu Brah – der Taxi-Service ist doch gar nicht so verkehrt.“
„Taxi-Service? TAXI-Service? ´Ihr Fahrschein zur Hölle` wird der Sache wohl eher gerecht. Zum Glück bin ich naturblond – ein Brünetter wäre schon längst schlohweiß geworden bei McGarretts Fahrstil…“
„Er vermisst ihn!“ Kono kniepte Chin lachend zu.

Bevor Danny dazu kam, weiter zu lamentieren, öffnete sich die Tür zum Flur und Charlie Fong trat ein. Es war höchst selten, dass der Kriminaltechniker in die Zentrale der Tast-Force kam, und heute war zudem noch Samstag.
„Hey, Charlie, ist was passiert?“ Kono klang leicht alarmiert.
„Äh – nein, wieso?“ Dann ging es ihm selbst auf. „Nein, nein, ich bin nur auf dem Weg zu einem Seminar, da dachte ich, ich nutze die Gelegenheit und bringe Euch ein paar Beweisstücke vorbei, die wir ausgewertet haben. Vielleicht können die Euch nützlich sein.“

Fragend blickte er durch das Fenster in McGarretts verwaistes Büro. „Ist Steve immer noch freigestellt?“ Kono nickte. „Eigentlich wollte ich ihn nochmal besuchen, aber irgendwie – Ihr wisst ja, wie das ist…“ Sein Bedauern klang ehrlich.
„Keine Bange – ich wette, ab Montag dürfen sich die Schreiner wieder gehäuft auf eingetretene Türen freuen, eine kleine Umsatzsteigerung in Krisenzeiten.“
Fong schaute den Mann aus Jersey, der den Kommentar losgelassen hatte, einen Augenblick irritiert an. Dann verzog sich sein Mund zu einem Grinsen. „Du vermisst ihn!“
Kono konnte das Kichern nicht unterdrücken, während Danny ausschaute, als würde er gleich Feuer spucken.

„Was hast Du uns mitgebracht?“ rettete Chin die Situation.
Der junge Asiate legte seinen Rucksack ab und schüttete den Inhalt erst einmal kommentarlos auf ein an der Wand stehendes Tischchen. Die Mitglieder der Task-Force scharten sich bereitwillig um den Tisch und betrachteten interessiert den Haufen der in kleine Plastikbeutel eingeschweißten Töpfchen und Tiegelchen. Eine größere transparente Plastiktüte enthielt, was wie Toupets und Perückenteile aussah. Sie war ebenfalls sorgfältig in einen Beweismittel-Beutel eingeschweißt.
Kono pfiff leise durch die Zähne, während sie einen der Tiegel in die Hand nahm. „Ist das Theaterschminke?“
„Das war doch bei den Sachen in dem Versteck im Wald!“ erinnerte sich Chin jetzt.
„Korrekt, und - korrekt“ Fong nahm den größeren Beutel in die Hand. „Einer der Tiegel enthält Kleber, mit dem man diese falschen Schnäuzer und Toupets professionell befestigen kann. Es hätte natürlich auch von einem Schauspieler oder so stammen können, aber das Merkwürdige ist, dass alles brandneu ist, und vor allem, dass sich kein einziger Fingerabdruck darauf nachweisen ließ. Nur außen auf der Plastiktüte. Und außerdem - wie Du schon sagtest, Chin – der Fundort war das Lager im Wald.“

„Sehr eigenartig. Habt Ihr schon eine Idee, wer sich dort versteckt gehalten hat? Also für die Gruppe um die Daltons war es jedenfalls viel zu klein!“ merkte Danny an, auch wenn seine Erinnerungen an den Lagerplatz gelinde gesagt etwas lückenhaft war, nach all dem, was anschließend passiert war. Er wusste aber, dass die Gesuchten bei ihrem erzwungenen Abgang an der Ruine eindeutige Spuren hinterlassen hatten.
„Deshalb bin ich hergekommen. Ich habe vorhin auch noch einmal mit Max gesprochen. Die DNA-Spuren sind … eindeutig …-“ der Kriminaltechniker stockte, sein Blick schweifte gedankenverloren ins leere Büro des Task-Force-Leiters.
Bevor er weitersprechen konnte, fiel ihm Kono, die seinem ernsten Blick gefolgt war, aufgeregt ins Wort. „Der Tote vom Leuchtturm, stimmt´s? Deshalb konnte ihn das HPD nicht finden, nicht mal Kawika? Der Scheißkerl hatte sich da im Wald versteckt! Bestimmt hat ihm irgendwer zu Essen gebracht. Oder?“ Ihre Stimme überschlug sich fast. „Das ist es, weshalb Du eigentlich hergekommen bist. Du wolltest das McGarrett nicht am Telefon sagen, nicht wahr, Charlie?“ Fragend schauten ihn alle Drei an.
Der junge Mann nickte. „Eigentlich wollte Max es ihm selbst berichten, aber er konnte nicht weg, das HPD hat ihm eine neue Untersuchung übertragen.“

Eine ungewöhnlich gespannte Stille erfüllte den Raum. Es schien, als wäre jeder einen Augenblick in seine eigenen Gedanken versunken.
„Manchmal frage ich mich, wie viel Leid ein Mensch ertragen kann.“ Konos Bemerkung schien völlig aus dem Nichts zu kommen, aber jeder wusste, dass sie sich auf ihren Boss bezog.
„Nun komm schon, Steve war ein SEAL, gegen dass, was er gesehen hat und - lasst uns ehrlich sein – vielleicht auch hat tun müssen, ist das doch jetzt alles nichts.“ Chin bemühte sich sichtlich, die Befürchtungen seiner Cousine abzuwiegeln. Wobei auch er zugeben musste, dass sich McGarrett in den letzten Wochen und Monaten, genau genommen seit dem Brand des Autos, ziemlich verändert hatte. Eigentlich zum Positiven, wie er oft fand, denn sein Freund war regelrecht menschlich geworden. Aber er wusste, worauf Kono hinaus wollte. Manchmal schien Steve ein völlig anderer zu sein, als der Mann, der sie als Gruppe zusammengeschweißt hatte.
„Natürlich nicht, Chin. Aber irgendein Tropfen bringt das volle Fass auch zum Überlaufen.“
„So schwer es mir fällt, das zuzugeben,“ meldete sich jetzt Danny zu Wort „aber auf unseren ´Hau-Drauf-Frag-Später-Steve´ konnte man sich einstellen. Er war, wie soll man´s nennen, ein kalkulierbares Risiko, auch für sich selbst. Wie hat Duke gesagt, als Steve jetzt angeschossen wurde? ´Das wäre ihm vor dem ´Unfall´ nicht passiert´ ?“

Der sonst so stoische Chin Ho Kelly hatte genug von der am Ende sinnlosen Rederei. Vielleicht lag es auch nur daran, dass er bei den letzten Ereignissen um seinen Freund und Boss immer als ruhender Pol für die Anderen hatte herhalten müssen, als Fels in der Brandung. Das war anstrengend. Aber Steve würde sowieso tun, was er für richtig hielt. Egal, ob es ihm wirklich gut tat. Darauf würden zumindest die Anwesenden wenig Einfluss haben, soviel war sicher.
Chin wollte nach Hause, eine Dusche nehmen, und dann Linda abholen. Sie hatten sich in den letzten Wochen öfter nach Dienstschluss gesehen und waren sich näher gekommen, näher, als er sich am Anfang hatte eingestehen wollen.
„OK, jetzt lasst Steve mal in Ruhe ausspannen, ich bin sicher, Christina wird ihn schon wieder fit kriegen.“
„DAS kann wohl gut sein.“ Ein schmutziges Grinsen huschte über Dannys Gesicht.
„Daniel!“ Kono boxte dem blonden Detective mit dem Ellbogen in die Seite, ohne jedoch ihr eigenes Grinsen unter Kontrolle zu bekommen.

„Danke, Charlie! Wir werden versuchen, etwas aus Deinen ´Mitbringsel´ zu machen.“ Chin klopfte Fong freundschaftlich auf die Schulter.
„Einiges ist so speziell, dass wir Euch schon die entsprechenden Bezugsquellen heraussuchen konnten, aber bei Weitem nicht alles. Ach, eh´ das ich es vergesse“ er senkte unwillkürlich die Stimme „Das hier ist alles etwas, naja, offiziös. Wir haben zwar jeden Gegenstand ausgewertet, fotografiert und katalogisiert, aber eigentlich sollten sie noch im Labor sein.“

Alle schauten ihn fragend an, schließlich war ihr Freund als sehr penibel und pflichtbewusst bekannt. Der zuckte nur mit den Schultern. „Max und ich waren uns einig, dass Ihr mit den Originalen eher Antworten bekommt, als mit irgendwelchen Fotos…Lasst sie einfach eingeschweisst, ok?“
Das Nicken der Anderen reichte ihm, damit wandte sich der junge Mann zum Gehen.

Danny Williams verspürte so etwas wie Rührung. Dies war wieder einmal ein Beispiel für ihre Ohana, wie die Einheimischen es nannten. Wohl wissend, dass die gefundenen Gegenstände am Ende für Steve wichtig sein konnten, hatten Charlie Fong + Max Bergmann eigenmächtig die Regeln etwas ´gedehnt´. Vor seiner Zeit bei Five-O hätte das ihn, den Handbuch-Polizisten, zum Wahnsinn getrieben. Heute wusste er es besser.

Der Mann aus New Jersey starrte auf das Beweismaterial vor ihm, und dann auf die Wanduhr.
Nicht, dass er darauf erpicht war, sonntags zu arbeiten. Aber Grace würde dieses Wochenende ja zu Hause bei ihrer Mutter verbringen, und Gabby hatte ihm – oder eher sich selbst? - schon morgens prophezeit, dass er bis zur Lösung dieses Falls ein unerträglicher Zeitgenosse sein würde. Das war er immer, wenn es seine „Ohana“ betraf, und in diesem Fall ging es auch noch um seinen besten Freund.

„OK, eigentlich ist es zwar noch nicht spät, aber immerhin Samstag. Daher würde ich vorschlagen, dass wir für heute Schluss machen. Keine Ahnung, was Ihr so für Pläne hattet für den Sonntag – ich werde morgen früh jedenfalls mal hier rein schneien und mir das Zeugs in Ruhe ansehen.“
Chin überlegte einen Moment.
„Ich bin dabei, Brah! Allerdings nicht ZU früh, Linda und ich wollten heute Abend noch weg….“ Seine beiden Kollegen warfen sich einen vielsagenden Blick zu.
„Jungs, ich hatte eigentlich auch nichts vor, das sich nicht verschieben ließe. Vielleicht finden wir ja raus, was die Daltons mit der Sache zu tun haben. Die waren ja wohl kaum zufällig da.“ merkte das einzige weibliche Mitglied der Task-Force an.

„Die Berichte zu der Drogenrazzia von Donnerstag…“ er schaute nur Kono strafend an, wie die jedenfalls fand, „…die brauche ich sowieso bis Montag Morgen, zum Termin bei Denning um 10.00 Uhr.“
Seine junge Kollegin rollte mit den Augen. „OK, Boss….“ Begeisterung triefte nur so aus ihren Worten. „ ´Boss´? Du spielst mit dem Feuer, Kalakaua!“ setzte der blonde Cop grinsend an, doch bevor er sich in einem langen Kommentar über mangelnden Respekt ereifern konnte, klingelte sein Handy.
„Hey, Äffchen! ... Ja, natürlich wünsche ich Dir viel Spaß im Theater! .... Nein, es wird bestimmt nicht langweilig. Denk dran, was Kono Dir gesagt hat. Da sind bestimmt noch mehr Kinder … Bestimmt kennst Du jemanden, ja sicher …“ er blickte beschwörend gen Himmel, naja, jedenfalls grob in die Richtung. Detective Daniel Williams liebte seine Tochter über alles. Aber wenn sein „Äffchen“ etwas nicht wollte, war es schwer zu überzeugen. Seine beiden Kollegen schmunzelten. Der Apfel fiel bekanntlich nicht weit vom Stamm.

Nachdem er das Gespräch mit seiner Tochter beendet hatte, seufzte Danny auf. „Ein neues Kleid. Ein langes Kleid. Mit passenden Schuhen. Und Handtasche… Was zum Teufel braucht meine Tochter eine Handtasche? Ich kann einfach nicht fassen, dass Rachel inzwischen so einen Zinnober macht.“ Es war offensichtlich, dass Danny das wirklich beschäftigte.
Sein Blick fiel beiläufig auf Fongs Beweisstücke. „So ein Theater!“ murmelte er. „Alles Theater.“
Er konnte nicht ahnen, wie nah er mit diesem Gedanken der Wahrheit kam.

„Also sind wir uns einig, morgen früh hier. Wie wär´s mit 11 Uhr?“ Die anderen nickten. „Was haltet Ihr davon, wenn ich morgen früh außerdem McGarrett anrufe, womöglich möchte er ja seinen Privatstrand für ein abendliches Grillen unter Freunden zur Verfügung stellen? Dann kann er faul rumliegen bleiben, wie bisher, und muss nicht groß vor die Tür. Und wir können ihm auch ´schonend´ von den neuesten Erkenntnissen berichten.“ Er warf einen finsteren Blick auf die Beweismitte.
Zustimmendes Gemurmel seiner Kollegen überzeugte Danny von der Richtigkeit seines Vorhabens.
„Dann raus hier!“
Das ließ sich keiner des Teams zweimal sagen.

Danny hatte gerade rennend seinen Wagen erreicht, als sein Handy wieder klingelte. Mühselig versuchte er ran zu gehen, während er gleichzeitig so schnell wie möglich in den Wagen kletterte, um nicht patschnass zu werden.
„Hallo Steve! Alles klar? Ich dachte, Du wärst mit Chris unterwegs? … Ja, ich weiß. Hier schüttet es auch gerade. …. Sie ist was? In den Minimarket, bei dem Wetter? … Und ich dachte schon, Du hättest Sehnsucht nach mir …. Weiber, keiner hält die vom Einkaufen ab, ich sag´s Dir… Super, das wollten wir auch vorschlagen! Ah, sie kommt zurück? Dann lass uns morgen Mittag nochmal in Ruhe telefonieren, was wir andern mitbringen sollen. Es soll ja nicht mehr regnen morgen, oder? … OK. Einen schönen Abend … Was soll das heißen, `sie´ wird einen `unvergesslichen´ Abend haben? So genau wollte ich das gar nicht wissen, Steven. … Vielleicht sollte ich meiner Tochter den Umgang mit Dir verbieten … Jaja, ist schon klar. Na dann, einen „unvergesslichen Abend`, McGarrett!“
Danny musste schmunzeln, als er über das Gespräch mit seinem Partner nachdachte. Der hatte schon lange nicht mehr so glücklich und entspannt geklungen ….

______________________________________________

Nach oben Nach unten
buggie
Bodyguard
avatar

Weiblich Anzahl der Beiträge : 325
Alter : 47
Ort : Livorno-Italien / Koeln
Anmeldedatum : 08.08.13

BeitragThema: Re: ALSO ALLES IM LOT !? (Fortsetzung von „Auszeit“)   Sa Okt 11, 2014 5:24 pm

Steve konnte sich ein leises Lachen nicht verkneifen, als er Chris aus dem kleinen Supermarkt auf den vollen Parkplatz kommen sah. „Bleib ruhig sitzen, ich hole bloß zwei, drei Teile.“

So so. Dann musste ihr wohl jemand eine Spende gemacht haben, denn jetzt sah es mehr nach „zwei, drei Tüten“ aus, was sie da anschleppte. Eine davon musste offensichtlich etwas Sperriges und relativ Leichtes enthalten, denn die hielt sie zum Schutz vor dem allerschlimmsten Regen über den Kopf.

Abgerundet wurde das Bild von einem eher uneleganten Gang, als sie versuchte, vollbeladen und mit dem Rocksaum ebenfalls in der Hand, auf ihren Pumps den sich inzwischen gebildeten Pfützen auszuweichen.
Der Ex-SEAL schüttelte lächelnd den Kopf, während er ausstieg, um ihr beim Verstauen der Einkäufe zu helfen.

Derweil versuchte Chris, sie beide mit der großen Tüte vor den dicken Tropfen abzuschirmen. Das gelang ihr jedoch nur bedingt, erleichterte doch der Größenunterschied die Sache nicht wirklich.
„Was gibt es denn da so blöd zu grinsen?“ fuhr sie ihn an, als sie seinen erheiterten Seitenblick bemerkte.
„Nichts. Rein gar nichts!“
„So viel ist das gar nicht. Ich wollte nur verhindern, dass wir morgen nochmal einkaufen müssen. Wie Du Dich erinnern wirst, haben wir beide nichts mehr im Kühlschrank. Und so können wir gemütlich zu Hause bleiben…“
Steve hob beschwichtigend die Hände. „Ich hab doch gar nichts gesagt!“
„Nein. Aber gedacht!“

Ja, gedacht hatte er, aber nicht an die Einkäufe. Eher an die schlanken Beine, die da unter dem mühselig gerafften Kleid hervor gelugt hatten. Aber das würde er ihr jetzt nicht auf die Nase binden.
Er knuffte sie vorsichtig in die Seite. „Los jetzt, rein ins Auto! Bevor ich Dich auswringen muss.“ Die hoch gezogene Augenbraue hatte sie eindeutig bei ihm abgeguckt.
Als hätte Petrus nur darauf gewartet, öffnete er seine Schleusen noch etwas weiter, kaum dass Steve seine Tür zugezogen hatte. „Das war Timing!“

***

Trisha hatte einen Kräutertee aufgebraut, sie hatte das Gefühl, ein Kaffee sei jetzt nicht angebracht für Susan.
Ihre Freundin saß ganz in der Ecke von Trishas Sofa und starrte durch die Balkontür hinaus aufs Meer.
„Jetzt noch mal von vorn. Was soll das heißen ´er ist einfach mit dem Kerl weggefahren´?“
Keine Antwort.

Langsam machte sie sich Sorgen – Susan war zwar bekannt dafür, dass sie ihr Leben in Extremen lebte, mal tat sie extrovertiert und immer froh gelaunt, dann wieder verfiel sie fast in Panikattacken oder Depression - aber ihre engsten Freunde hatten inzwischen gelernt, dass es ihr am meisten half, wenn man die Stimmungen einfach ignorierte. Nur schien das diesmal nicht zu funktionieren. „Suzy?“ Endlich drehte die Angesprochene sich um.

„Du weißt doch, wir wollten das Wochenende nach Maui.“ Trish nickte.
„Alex´ Filmgesellschaft hat da einen Aussendrehort eingerichtet, und Peter – das ist der Regisseur – wollte mit dem Hubschraubern rüber. Naja, und Alex hat es hinbekommen, dass wir mitkonnten.“ Ein schiefes Lächeln überflog ihr Gesicht, als sie daran dachte.
„Und dann?“
„Und dann? Tja… Wir waren schon fast unterwegs zum Landeplatz, wollten nur noch kurz in meine Wohnung, da klingelte sein Handy. Er war so gut drauf. Ich meine – wir haben uns wirklich beide total drauf gefreut, ich war doch auch noch nie auf Maui… Also, Alex ist dann rangegangen, ohne aufs Display zu gucken… und dann ist er ganz blass geworden.“

Susan zuckte mit den Schultern. „Ich kann das gar nicht richtig beschreiben, Trish. Er ist rechts rangefahren und ausgestiegen. Dann haben sie wohl über irgendetwas diskutiert, aber ich habe nichts verstanden, er war zu weit von Auto weg. Und danach hat er jemanden angerufen. “

„Was hat er dann gemacht?“ Ihr Gegenüber ließ nicht locker. „Er stand einfach nur da. Ich bin ausgestiegen, aber Alex hat wie durch mich durch geguckt. Dann hat er gesagt ´Ich kann nicht fliegen. Ich muss noch was erledigen. Hab´ Peter schon angerufen.´“

„Das war alles? Der Kerl hat Dir einfach so mir nichts mir nichts erklärt, dass Euer Kurzurlaub geplatzt ist, ohne das zu erklären???“ Susans Freundin wurde schon wütend bei dem Gedanken. „Der hat Dich einfach so abserviert, und Du hast das geschluckt? Und dann ist er abgehauen und hat Dich da stehen lassen – wo ich Dich eingesammelt habe? Was für ein Arschloch!“

„So einfach war das nicht, Trish. Ehrlich. Alex war irgendwie….“ Sie suchte nach den richtigen Worten „…irgendwie verändert. Als hätte er …Angst vor irgendwas. Ja. Angst, Trisha. Jedenfalls kam es mir so vor. Er hat gemurmelt, dass es ihm so leid täte, aber dass er jetzt nicht von der Insel wegkönne. Dass er einen wichtigen Termin vergessen habe. Bevor ich überhaupt klar denken und was sagen konnte, ist plötzlich ein Auto aufgetaucht. Der Beifahrer ist ausgestiegen, und hat Alex nur zugenickt. Dann ist er auf unser Auto zugegangen und hat nur im Vorbeigehen gemurmelt „Sorry Lady, aber Alex hat schon eine Verabredung heute, die darf er nicht verpassen.“ Dann ist er auf der Beifahrerseite eingestiegen.“

„Und was hat Alex gemacht?“

„Der ist eingestiegen und mit ihm weggefahren. Aber er wollte nicht. Das hab´ ich genau gespürt, Trish. Er wollte nicht.“ Eine Träne lief ihr über die Wange.

Trisha nahm Susan in den Arm und streichelte ihr beruhigend über den Rücken.
Sie hatte Alex noch nicht persönlich kennengelernt, aber es fiel ihr schwer, sich einen angeblich großen starken Mann so … so rückratlos, genau, das war das richtige Wort … vorzustellen.
Aber vielleicht tat sie ihm Unrecht? Womöglich lag es daran, dass sie ihn sich nach den Beschreibungen von Susan und Kono wie Steve vorstellte? Stark, gut aussehend und – die pure Verkörperung der Loyalität?

„Hey, der wird schon wieder auftauchen. Ganz ruhig. Alles ok.“ Dabei sagte ihr ihr Unterbewusstsein, dass keineswegs alles ok war. „Hat Alex denn noch etwas gesagt?“
„Nur dass es ihm leid täte, dass er unseren Flug absagen müsse. Und dass er mich anrufen würde.“

Die beiden Frauen schwiegen einen Augenblick.
„Vielleicht solltest Du mit Catherine darüber sprechen? Nein, besser mit Kono. Sie ist ein Cop, Susan. Sie weiß bestimmt, was zu tun ist.“
„Was soll denn da zu tun sein? Ich warte ab, bis Alex mich anruft.“
„Aber vielleicht kann Kono rausfinden, wo Alex jetzt steckt, Suzy! Willst Du das denn nicht wissen? Ich meine – nicht dass ihm etwas…“
„Dass ihm etwas … passiert ist, meinst Du?“ antwortete sie vehement. „Ihm ist nichts passiert!! Und ich werde ihm NICHT hinterher schnüffeln!!“ Susans Stimme wurde leise.
„Wenn er sich bis Montag nicht gemeldet hat, werde ich ihn anrufen.“

***

„Wo ist mein Bruder?“ Elliots Stimme polterte geradezu über die anderen hinweg, die unweigerlich zusammen zuckten.
Dann wandte er sich Tim zu „Und?“
„Ich weiß es wirklich nicht!“ stammelte der. „Als ich heute Morgen in die Stadt gefahren bin, war er noch auf der Ranch.“
„Pete?“ donnerte es.
„Er geht nicht ans Telefon. Du weißt doch, wie Andy ist. Der hat das bestimmt verpennt…“
Tim hörte Phillips flüstern „Oder steigt gerade irgendwem hinterher.“
Überrascht riskierte er einen Seitenblick. Ihre Augen trafen sich. „Der Kerl ist so pervers. Hat meine Schwester grün und blau geschlagen. Aber was musste sich die dumme Nutte auch mit so einem einlassen. Ich hab sie ja gewarnt“
Der bärtige Mann schauderte. Er fragte sich, was wohl das schlimmere Schicksal war - ein ´Freund´ wie Andy oder so ein Bruder?

„Hey, was gibt´s da zu quatschen?“ fuhr Elliot sie an. „Einer von Euch fährt raus …“ er hielt inne und schaute auf die Uhr. „Nein, keine Zeit mehr. Wir ziehen das ohne die faule Ratte durch. Pete, ruf´ Tony an und klär ab, ob er seinen Mann unter Kontrolle hat.“ Der Angesprochene nickte. „Bestell´ ihm einen schönen Gruß von mir: wär besser für ihn, wenn ja!“ Ein hämisches Lachen erklang.
Er hatte sie alle in der Tasche. Auf die eine oder andere Weise – er hatte ein Druckmittel gegen alle Beteiligten, und das machte ihn sicher.

´Du bist zu überheblich!´ Tim wusste nicht, wo diese Stimme in seinem Unterbewusstsein hergekommen war, und sie erschreckte ihn. Aber irgendwie erleichterte sie ihn auch. Er war kein Verbrecher. Also jedenfalls noch nicht.

***

Danny legte den Schlüssel auf die Kommode neben der Tür und ging in die Küche, aus der es verführerisch duftete. Entgegen seiner Erwartungen war Gabby nicht dort.
Er fand sie im Wohnzimmer, rittlings mit gekreuzten Beinen auf der Couch, Bleistift im Mund, vertieft in einen wissenschaftlichen Text. Den Couchtisch hatte sie zu sich heran gezogen, sowohl der als auch die ganze Couch samt Lehnen waren mit Büchern und Skizzen bedeckt.

„Hi!“ eine Woge der Zärtlichkeit überrollte ihn bei dem Anblick. Nach all dem Hin und Her, welches es wegen ihrer Arbeit gegeben hatte, war sie wieder zurück. Sie hatte sich für ihn entschieden. Er hatte gewonnen.
Und das gegen eine Menge unangenehmer Gestalten, wenn er es richtig bedachte. Fluch-belastete Pharaonen-Mumien, totbringende Götzengestalten, körperlose Schrumpfköpfe – ein ganzes Gruselkabinett, wie seine Tochter begeistert angemerkt hatte.

„Selber ´Hi´“ kam es gequetscht zurück. Seine Freundin drehte den Kopf zu einem Begrüßungskuss und schaute irritiert, als er nicht reagierte. „Oh!“ Erst jetzt realisierte sie den Bleistift im Mundwinkel. „Sorry!“
Danny schaufelte sich einen Platz zwischen den Büchern in ihrem Rücken frei, hockte sich ebenfalls quer hinter sie und zog sie an sich. Erst dann gab er ihr einen zärtlichen Kuss auf die Wange.

„Was wird das?“ fragte er neugierig und deutete auf die Bücher.

„Eine Zusammenarbeit des Museums mit dem ´Theatre for Youth´ - mythologische Masken und Tänze.“ Gabby freute sich immer wie eine Schneekönigin, wenn sie Kindern die vermeintlich trockene Wissenschaft näherbringen konnte. Und Grace war ihr oft eine große Hilfe dabei.

„Dann bekomme ich heute Abend eine Privatvorführung in Maskentanz?“ flüsterte ihr Danny ins Ohr. Sie wurde ein bisschen rot, was ihm keineswegs entging. „Würde Dir das gefallen?“ fragte sie schelmisch zurück. Er nickte grinsend „Ich mein´ ja nur - wo Grace nicht da ist…“

„Apropos Grace – hast Du heute schon mit ihr gesprochen? Sie hatte mir erzählt, dass sie wahrscheinlich mit ihrer Mom und Stan ins Hawaii Theatre Center geht, weißt Du mehr darüber?“
„Auch nichts Genaues. Es sollte wohl eine Überraschung sein.“ Er wurde vom Klingeln seines Handys unterbrochen. Ein Blick, und seine gute Stimmung war dahin.

„Hey Kono, was gibt´s? … Ach so, und ich dachte schon ein neuer Fall. … Warte einen Augenblick. Gab´, Kono fragt, ob wir Lust auf Kino haben. Sie und Adam wollten nachher in die Stadt.“
Die junge Frau überlegte einen Moment und nickte dann zustimmend. „Wird bestimmt lustig – aber macht DIR das überhaupt Spaß, so ganz ohne McGarrett?“
Dannys Gesichtsausdruck kam Steves ´Aneurysmagesicht´ schon sehr nahe. Hund und Herrchen sehen sich ähnlich, oder wie was das? Sie musste grinsen bei dem Gedanken, worauf ihr Freund entnervt mit der freien Hand gestikulierte.

„Sie macht einen auf Grinsekatze, ich denke mal, das heißt ja. … Nein, sie hat gekocht, wir essen noch hier, aber danach … OK, werden wir da sein. … Bis nachher, Kono.“

***

Grace Williams hatte sich vorgenommen, den Abend langweilig zu finden.

Nicht, dass sie so ein störrisches Kind war, aber sie hatte sich so auf einen Abend mit ihrem Dad gefreut, und dann das. Nur, weil ihr Stiefvater irgendwelchen Geschäftspartnern seine tolle Familie vorstellen wollte.

Während Rachel und Stan, jeder ein Glas Champagner in der Hand, mit einem anderen Ehepaar schwatzten, hatte sie sich zu einigen anderen Kindern auf eine mit kitschig rotem Teppich ausgelegte Treppe im Foyer gesetzt und betrachtete frustriert ihre Umgebung.

Die anderen Kinder waren eine gute Ausrede gewesen, um dem wachsamen Auge ihrer Mutter etwas zu entfleuchen, schließlich standen Aufpasser am Ausgang. Aber sie hatte nicht wirklich Lust auf Gespräche über Barbies, Hausaufgaben und Schminktipps von älteren Schwestern.

Die Langeweile nagte und machte sie schwermütiger, als ein Mädchen ihres Alters hätte sein sollen. Sie stützte das Kinn in die Hände und wartete darauf, dass es irgendwie weiterging.

Erwachsene waren manchmal komisch. Sie war ja kein kleines Mädchen mehr, sie verstand, dass ihre Mom und ihr Dad sich nicht mehr so lieb hatten wie früher, und sie war froh, dass sie nicht mehr dauernd stritten. Auch wenn sie nicht verstand, warum die Großen manchmal fieser zu einander waren, als alle ihre Klassenkameraden je untereinander sein konnten.
Sie wusste, dass ihr Danno manchmal abends geweint hatte, wenn er dachte sie schliefe schon. Aber das war jetzt zum Glück vorbei. Gabby war super nett, und seit ihre Mommy und ihr Daddy wieder Freunde waren, fand Grace auch Stan ´eigentlich ganz in Ordnung´ wie sie kürzlich Danny verkündet hatte.

Und dann hatte sie ja noch Onkel Steve. Der war zwar nicht ihr richtiger Onkel, so wie Onkel Matt, aber sie liebte ihn heiß und innig. Auch wenn Danno manchmal furchtbar über ihn schimpfte, wusste sie doch, dass sie die besten Freunde waren.
Und das verstand sie nur zu gut. Onkel Steve war groß und stark, er war ein toller Polizist, er beschützte sie alle. Und er hob sie mühelos hoch, machte eine Menge Spaß mit ihr, manchmal durfte sie bei ihm schlafen und – wenn ihr Dad gerade nicht guckte – durfte sie mit ihm ein bisschen ins Meer hinausschwimmen, und er erklärte ihr so viel zu den Tieren, zum Beispiel den Wasserschildkröten, oder überhaupt über die Natur. Onkel Steve war cool, schade, dass er im Moment nicht viel Zeit für sie hatte.

Sie versuchte das zu verstehen, sie wusste, dass er sehr krank gewesen war, und Danno hatte ihr erklärt, dass er jetzt ein bisschen Zeit für sich brauchte. Und für Chris.

Grace fand Christina sehr nett. Sie hatte sie vom ersten Augenblick an gemocht, obwohl sie es am Anfang doof gefunden hatte, dass Onkel Steves Augen immer so komisch geleuchtet hatten, wenn Chris in seiner Nähe war.
Sie hatte ein Donnerwetter befürchtet, als Onkel Steve das gemerkt hatte, aber der hatte sie nur in den Arm genommen, fest gedrückt und ihr erklärt, dass er sie beide sehr lieb habe, aber jede auf eine andere Art. „Bleibt aber unser Geheimnis, versprochen?“ hatte er gefragt. „Versprochen!“ hatte sie ganz ernsthaft erklärt und er hatte sie auf die Stirn geküsst.

„Kommst Du mit nach oben? Hier ist es doch langweilig!“ Die Stimme riss sie aus ihren Gedanken, und Grace brauchte einen Augenblick, um sich zu orientieren.
„Was ist nun, kommst Du mit?“ Francis, genannt ´der dicke Francis´ stand vor ihr und schaute sie fragend an. Er war in ihrer Stufe und eigentlich ganz nett, obwohl ihn viele Schulkameraden hänselten.
„Was machst Du denn hier?“ fragte Grace, glücklich, endlich ein bekanntes Gesicht vor sich zu haben.
„Mein Dad arbeitet beim Gouverneur, ich glaube, der hat ihm Karten gegeben. Und er kennt Deinen Vater.“ Er wies mit dem Kinn in Richtung Stan. „Stiefvater!“ berichtigte Grace pikiert. Das ging dann doch zu weit.
„Ach ja, Dein richtiger Dad ist ein Cop, stimmt´s?“ Grace nickte.
„Cool.“ Ja, das fand sie auch.

Sie stand auf, warf einen prüfenden Blick auf ihre Mutter, die immer noch ins Gespräch vertieft war, und folgte Francis dann die Treppe hinauf.

***

Es schüttete immer noch wie aus Kübeln, als Chris und Steve bei John ankamen.
„Verfluchter Mist!“ Steve schlug auf das Lenkrad, als er die parkenden Wagen der Filmgesellschaft sah, die den Weg zum inneren Hof und damit Chris´ Hütte versperrten.

Die Frau an seiner Seite sah ihn verblüfft an. Sie würden zwar zwangsläufig nass werden, aber das war ja noch kein Grund, sich so zu ärgern. Die Fahrt aus der Stadt war eher schweigend verlaufen, Chris hatte das faszinierende Naturschauspiel eines tropischen Regengusses aus dem sicheren Auto verfolgt, und ihr Partner hatte geschwiegen.

Erst jetzt, wo sie standen, sah sie, dass Steve seine Hände so fest um das Lenkrad gelegt hatte, dass die Fingerknöchel weiß hervortraten. Fragend schaute sie ihn an. „Geht es Dir gut, Steve?“

Zur Antwort ließ der das Lenkrad los. Seine rechte Hand zitterte.

„Seit wann hast Du das?“ fragte sie bestürzt und legte ihre Hand auf seine. Sie wusste, dass ihm die Antwort nicht leicht fallen würde.

„Ein paar Minuten. Und vorher auf dem Friedhof ganz kurz.“ Steve schaute frustriert aus dem Fenster.

„Hey, schau mich an.“ Er drehte sich widerwillig zu ihr um. „Du erinnerst Dich, was der Arzt gesagt hat, nicht wahr?“ Nicken. „Es wird aufhören, Steve. Immer weniger werden und dann ganz aufhören! Du musst Geduld mit Deinem Körper haben.“

„Das sagst Du so. Ich muss dann immer daran denken – was ist, wenn nicht?“

Chris wusste, das konnte ihn nicht zuletzt seinen Job kosten.

„Es WIRD aufhören, Steve. Und jetzt versuch an etwas Schönes zu denken, zur Abwechslung. Wenn Du willst kann ich auch wieder fah...“ Ein Donnerschlag überdeckte ihre Worte.

Sie starrte einen Moment in den Regen hinaus, dann kam ihr eine Idee.
„Dreh um!“ Steve verstand nicht. „Dreh um und fahr zum Scheunentor. Wir gehen durch den Stall, da ist eine Hintertür, die ist ganz nah an meiner Hütte. Dann werden wir fast nicht nass.“
„Gute Idee!“

***

Francis keuchte leise, als sie im ersten Stock ankamen.
Niemand hatte sie aufgehalten, obwohl die Logen heute nicht besetzt sein würden. Grace schaute sich fasziniert um. So ganz alleine waren sie irgendwie winzig in dem großen Gebäude.

„Cool, was?“ Francis gab ihr einen Stoß in die Rippen. Sie konnte nur stumm nicken.
„Komm, da rüber geht´s zu den Logen. Das ist geil!“
„Woher kennst Du Dich so gut aus hier?“ Grace war schwer beeindruckt. Sie sah den kleinen dicken Kerl vor ihr plötzlich in einem ganz anderen Licht.
„Meine Mommy kommt aus einer Theaterfamilie, sie stammt aus New York. Mein Onkel Fred ist Schauspieler am Broadway. Jetzt ist Mom hier Fördermitglied, ich glaube, das hilft ihr gegen das Heimweh.“
Grace verstand, was er meinte. „Wir sind aus New Jersey. Mein Dad hat auch oft Heimweh.“ Sie nickte ihm zu und deutete dann mit dem Kopf Richtung Balkon. „Gehen wir mal rauf?“ „Klar!“

„Wow!“ Mehr konnte sie nicht sagen. Außer zwei Beleuchtern an der Bühne war noch niemand im Theater. Sie schauten über die Balustrade in den Saal hinunter. „Einfach cool!“
Francis strahlte über das ganze Gesicht und deutete zurück „Los!“
„Wo willst Du hin?“
„Kostümfundus!“
„Echt?“
„Klar!“

Auf dem Weg zum ersehnten Ziel mussten sie wieder an der Treppe vorbei.

Ein prüfender Blick bestätigte, dass die Lage unverändert war. Die Erwachsenen mit Champus in der Hand in Gespräche vertieft, andere Kinder mit ´Kinder-Sekt´ = Apfelschorle mit irgendwelchen albernen Spielchen beschäftigt.
Die beiden sahen sich an und zuckten gleichzeitig mit den Schultern. Es war unglaublich – ihre Eltern schienen sie tatsächlich vergessen zu haben.

„Komm mit!“ Indianer Jones Junior nahm seine Begleitung an der Hand und beide brachen kichernd auf zu neuen Abenteuern.

„Da hinten ist der Kostümfundus, aber die Tür ist normalerweise abgeschlossen. Wir müssen durch die letzte Umkleide gehen, die wird inzwischen nicht mehr benutzt, aber da drin ist eine zweite Tür zum Fundus…“ Mit stolz geschwellter Brust stopfte Francis voran, war er doch hier quasi zuhause. Grace folgte ihm, die Wangen gerötet vor Aufregung.

Sie schlüpften in die alte Umkleide, deren Schminktisch inzwischen mit dem unmöglichsten Kram vollgestopft war. Einen Augenblick blieb Grace stehen und betrachtete sich im Spiegel.
Sie hatte sowas in Filmen gesehen, die Schauspielerin, die sich hier schminkte. Einen Augenblick stellte sie sich vor, so eine gefeierte Frau zu sein.

Dann spürte sie ein Zupfen an ihrem Kleiderärmel. Ihr Schulkamerad hatte die kleine Tür geöffnet, eine spärliche Notbeleuchtung warf Licht auf Reihen von Kleiderständern. Leise pfiff sie durch die Zähne und folgte ihrem Freund.
„Klasse, das ist soooo cool!!!!“ Sie war völlig aus dem Häuschen, als sie plötzlich Stimmen auf dem Gang hörte.

„Fran…!“ Doch der hatte die Stimmen auch gehört. Schneller, als sie es ihm bei seiner Leibesfülle zugetraut hatte, flitzte er zur Tür der Garderobe und schaltete das Licht aus. Dann kehrte er zurück, schob sie zwischen die Kostüme, zog die Tür leise zu, löschte das Notlicht und versteckte sich ebenfalls zwischen den Kleiderreihen.
Als die Kleiderstangen leise quietschten, drehte sich Grace mit dem weißen Kleid, in dessen Rock sie sich geflüchtet hatte, und ließ ein leises tiefes „Uhuhuuuuuuu“ vernehmen. „Shhhhhht!“ Beide konnten sich ein Kichern nicht verkneifen.

Aus ihrem Versteck konnten sie durch den Türschlitz erkennen, dass Licht angeschaltet wurde. Dann hörten sie Stimmen, konnten aber nichts verstehen. Nach ein paar Minuten war der Spuk vorbei. Sie lauschten, und öffneten dann vorsichtig die Hintertür der Umkleide.

Ohne Licht anzuschalten, gingen sie bis zum Ausgang. Draußen schien alles still zu sein. Vorsichtig drückte Grace die Klinke herunter und schob die Tür ein wenig auf. Sie sah, wie vier Gestalten nacheinander um eine Ecke verschwanden.
Nicht umsonst war sie die Tochter eines Polizisten, sofort fiel ihr auf, dass drei in Arbeitskleidung waren, und ganz und gar nicht hier hin passten. Außerdem hatten sie Baseballcaps, tief ins Gesicht gezogen.
Bestimmt waren das Bühnenarbeiter.
Aber warum waren die dann hier oben, und was hatten die mit dem vierten Mann zu tun, der einen eleganten schwarzen Smoking trug? Überhaupt – irgendwas kam ihr an dem Mann bekannt vor.

Ehe Francis sie davon abhalten konnte, schlich sie hinterher.
An der Ecke angekommen, blieb sie stehen und lugte vorsichtig um die Kurve. Die drei Arbeiter waren verschwunden, wahrscheinlich im genüberliegenden Logenflur.
Der Mann im Smoking stand einen Augenblick lang mitten im Flur, dann wandte er sich Richtung Treppe. In dem Moment sah Grace ihn im Profil, und ihr Herz machte einen Freudenhüpfer.
„Onkel Steve!“ flüsterte sie.

______________________________________________

Nach oben Nach unten
buggie
Bodyguard
avatar

Weiblich Anzahl der Beiträge : 325
Alter : 47
Ort : Livorno-Italien / Koeln
Anmeldedatum : 08.08.13

BeitragThema: Re: ALSO ALLES IM LOT !? (Fortsetzung von „Auszeit“)   So Okt 19, 2014 11:35 pm

Eigentlich braucht Ihr das hier garnicht zu lesen. Passiert nämlich nix Aufregendes. Das Leben plätschert so dahin.  lalalaa

-----------------------------------------------------------------
Kapitel 19

„Scheiße, was für ein Staub! Da sind bestimmt die Milben von 100 Jahren drin:“
„Jetzt halt die Klappe. Reib Dir den Finger unter die Nase oder lass Dir sonst was einfallen. Komm bloß nicht auf die Idee, zu nießen. Elliot bringt uns um, wenn die uns hier entdecken!“
Die beiden Männer krochen auf dem Boden der Loge herum, die Köpfe zwischen den Falten der alten Wandverkleidung.
„Was für eine bescheuerte Idee, einen Brandsatz im Vorhang zu verstecken. Hier sitzt doch heute Abend eh keiner. Die sind alle unten, hat Pete gesagt, da hätte man einfach …“
„Hey Ihr Idioten! Hört auf zu quatschen! Wenn Ihr endlich fertig seid, verschwindet runter. Elliot braucht Euch am Notausgang. Und zieht verdammt nochmal die Basecaps wieder auf. Wenn Euch einer fragt - ihr seid Teil der Special-Effects-Firma, klar? Vermasselt es nicht!“
Pete war ein Arschloch, soviel stand fest. Bud White, wie er sich nannte, schnaubte verächtlich. Was glaubten diese Daltons eigentlich, wer sie waren? Gut und schön, ihre Entführungsmasche auf dem Festland hatte Erfolg gehabt, aber hier auf der Insel, wo ständen diese Haoles jetzt ohne ihn und seine Kontakte? Er knurrte vor sich hin, wobei er zugeben musste, dass er diesem Elliot lieber nicht den Rücken zudrehte.
„Arschloch!“ Kaum waren sie außer Hörweite, spie er seine Abscheu aus.
Sein Nebenmann grinste „Ein gewalttätiger Irrer, ein eingebildetes Arschloch und ein Perverser – eine durch und durch sympathische Familie. Ich frag mich echt, wie DIE Kombi es soweit gebracht hat.“ Philips war ebenso wie seine ´Partner` nur über Mittelsmänner an den Job gekommen, in seinem Fall, weil er beträchtliche Spielschulden bei jemanden hatte, der Elliot Dalton angeblich einen Gefallen schuldete.

***

Grace konnte es kaum glauben, ihr Onkel Steve war auch hier! Sie war schon fast um die Ecke, um dann die Treppe hinunter zu laufen und ihn zu begrüßen, da hielt Francis sie am Ärmel fest.

„Lass mich los! Das ist mein Onkel Steve!  Ich will runtergehen zu ihm. Du kannst ja mitkommen, Onkel Steve macht das bestimmt nichts. Der ist nett.“ Sie machte ein bedeutungsschweres Gesicht. „Steve ist der beste Freund von meinem Daddy. Und sein Chef. Er leitet die Five-O.“
„Also ist Dein Vater gar kein richtiger Cop?“ fragte ihr pummeliger Schulkamerad.
Grace zog eine Grimasse und antwortete dann trotzig „Nein, ist er nicht. Er ist Five-O!“
Stolz klang unverkennbar in der Stimme von Dannys Tochter mit. Ihr Vater hatte ihr den Unterscheid zum HPD erklärt, als sein kleines Mädchen nach seiner Uniform gefragt hatte. „Nur der Gouverneur darf Onkel Steve etwas sagen. Und meinem Danno. Und Kono und Chin natürlich auch.“
Der Junge nickte begeistert. `Ich will Polizist werden, wenn ich groß bin` war nämlich gleich nach der Phase `ich will Rennfahrer werden“  gekommen. Auch wenn dieser Wunsch derzeit einem etwas weniger körperlich fordernden ´ich will Chirurg werden` Platz gemacht hatte  - Five-O zählte immer noch zu seinen Helden. „Cool! Und der Gouverneur ist nett. Mein Daddy arbeitet ja auch für ihn.“

„Los jetzt, kommst Du mit runter, oder nicht?“ drängelte der Williams-Nachwuchs.
„Ich weiß nicht.“ Francis spähte etwas sehnsüchtig in den gegenüberliegenden Korridor. „Ich frage mich, wo die drei anderen Männer hingegangen sind.“
„Die arbeiten bestimmt hier. Oder – nein, ich weiß was– die arbeiten bestimmt für Onkel Steve!“
Ihr Freund grinste breit. „Das glaube ich auch. Aber was machen die dann hier? Das ist doch nur ein Kinder-Theater heute!“

Grace zuckte mit den Schultern.
Der Junge gab nicht auf. „Ob die wohl Funkgeräte haben? Und Pistolen in ihren Overalls versteckt? Undercover-Einsatz, Du weißt schon … “ Er wies mit dem Kinn in die Richtung des Korridors, wo sie die Männer vermuteten.
Grace blickte zur Treppe und stieß einen Seufzer aus. Beschwörend hob sie die Hände und rollte mit den Augen. „Also gut! Fünf Minuten! Meine Mom sucht mich bestimmt schon. Ich werde bestimmt Ärger kriegen.“

Kaum waren sie auf Höhe der Treppe, als eine nur zu wohlbekannte Stimme Grace zusammen zucken lies. „Wo um alles in der Welt steckst Du denn, Grace? Deine Mutter hat sich schon Sorgen gemacht. Jetzt aber runter mit Dir!“ Stan stand auf dem Treppenabsatz und schaute sie auffordernd an.

***

„Wo steckst Du denn?“ Die Frage wurde etwa zeitgleich auch ihrem Vater gestellt.
Gabby stand schon an der Tür, den Hausschlüssel in der Hand, aber von ihrem Freund war keine Spur.
„Ich komm´ ja schon.“ Die Stimme aus dem Schlafzimmer klang seltsam gedämpft. „Ich suche nur nach der passenden Krawatte.“
Fast wäre ihr der Schlüssel aus der Hand gefallen. „Daniel Williams!“

Ein blonder Schopf tauchte am Treppenabsatz auf, mehrere Schlipse in der Hand. „Ja, Schatz?“ Dann verschwand er wieder aus ihrem Sichtfeld.
Sie versuchte es mit vorgeblichem Mitgefühl. „Daniel Williams! Wir sind mit deiner KOLLEGIN und gleichzeitig sehr guten FREUNDIN, und ihrem Lebensgefährten zu einem KINOBESUCH verabredet.“ Sie ließ die Worte sacken. „Irgendwo befürchte ich, niemand wird in einem ABGEDUNKELTEN RAUM dein Fingerspitzengefühl in der Auswahl der farblich perfekt abgestimmten Krawatte gebührend zu schätzen wissen!“
Die Stimme aus der ersten Etage antwortete erst nach einer kurzen Pause, was Gabby vorschnell zu dem Trugschluss verleitete, sie habe ihren Herzallerliebsten zur Vernunft gebracht. „Ich weiß!“
„Also, warum ziehst Du Dir dann nicht einfach ein T-Shirt an und kommst endlich runter?“
„Ich ziehe ein Hemd mit Krawatte an, schließlich kann man ja nie wissen, ob wir nicht nachher noch irgendwo hingehen.“ Immer noch war keine Spur von Danny zu sehen, offensichtlich war er nochmal ins Bad gegangen.

Langsam verließ die junge Frau die Geduld.
„Oh Gott, Danny! Ich habe mich dreimal umgezogen und ge- und abge-schminkt in der Zeit, die Du brauchst, um eine Krawatte anzuziehen. Wir kommen noch zu spät!“
„Wen interessiert schon die Werbung vor dem Film.“
Jetzt hatte sie wirklich genug. „Ich bin dann schon mal am Wagen!“

Eine Minute später stand Gabby wieder im Türrahmen, nur um fast mit Danny zusammenzustoßen, der sie verblüfft anschaute, wie sie den Schirm ausschüttelte „Was ist?“
Sie nahm einen Schlüssel vom Schlüsselbrett und zeigte nach draußen. „Wir müssen mit meinem Wagen fahren. Du hast einen Platten.“
„Ich habe was? Das kann doch nicht sein!“ Er schob sich an ihr vorbei und betrachtete mit gequältem Blick sein Auto. „Verdammte Scheiße.“

Bevor Danny Zeit hatte, in eine seiner üblichen Schimpftiraden zu verfallen, kam ihm Gabby zuvor. „Ist doch jetzt egal, Danny.Wir haben keine Zeit mehr.“
Sie schloss die Tür ab und schob ihn vor sich her Richtung Garage, was Danny sich völlig perplex gefallen lies.  

Kurz darauf verließ ein kleiner Flitzer die Auffahrt. Dannys Schlüssel und Telefon in der Diele blieben unbeachtet.


„Ob die Zwei noch kommen? Rufst Du sie an?“ Adam schaute zu Kono, die neben ihm im Auto saß und auf ihrem Telefon herum tippte. Sie warf ihm einen prüfenden Blick zu. „Nein. Also, ich meine, sicher kommen sie noch, ich rufe sie nicht an. Warum fragst Du?“
„Ach, nur so. Komisch, dass Danny so unpünktlich ist.“ Er streichelte Kono eine Haarsträhne aus dem Gesicht, spielte damit, und auf einmal mussten sie beide kichern.
„Nein, Adam. Ich glaube nicht, dass Dannys Fönfrisur an der Verspätung Schuld ist!“ erwiderte Kono mit bemüht ernster Miene, die jedoch in Sekundenschnelle verflogen war. Fast hätte sie sich vor Lachen verschluckt, während Adam krampfhaft versuchte, sich wieder auf die Parkplatzeinfahrt zu konzentrieren.

***

Steve hatte den PickUp mit der Beifahrertür so nah wie möglich an das Scheunentor gefahren, ohne es zu blockieren. Chris sprang heraus und schob das Tor gerade soweit auf, dass sie hindurch passten, und brachte sich im Trockenen in Sicherheit. Erst dann sprang Steve aus der Fahrerkabine und umrundete den Wagen im Laufschritt. Kurz vor dem Tor war eine Pfütze, die er fast zu spät gesehen hätte. Er rettete sich mit einem Hechtsprung und zog das Tor hinter sich zu, als er drin war. Einen Augenblick hielten sie inne, dann zog Chris ihn lachend an sich und gab ihm einen Kuss.
„Wofür war der?“
„Nur so.“
„Nur so?“
„Nur so!“

Christina hatte das Licht bei den Pferdeboxen angeschaltet und schaute nach einem Fohlen, das dort mit seiner Mutter untergebracht war.
„Warum sind sie hier drinnen untergebracht?“ Steve verstand nicht, warum jemand auf Hawaii Pferde im Stall hielt.
„Der Kleine hatte Druse, er ist sozusagen in Quarantäne. Aber bald kannst Du wieder raus, Trigger, hier drin langweilst Du Dich, stimmt´s?“ Wie zur Bestätigung knabberte der kleine Kerl am nächstbesten Brett, das er erreichen konnte, und kümmerte sich nicht mehr weiter um die Zweibeiner.

Die gingen gemeinsam zum Hinterausgang.

Dort angekommen, drückte Chris die Klinke herab. Nichts. Sie rüttelte fester.
„Das gibt es doch nicht. Die Tür war noch nie abgeschlossen.“
Steve bückte sich. „Also da steckt auch kein Schlüssel von außen! Ein Riegel vielleicht?“ schlug er ratlos vor.
„Ganz sicher nicht.“

Sie schauten sich beide um, auf dem Boden, an allen möglichen Haken, in der Sattelkammer. Kein Schlüssel weit und breit.

Schließlich meinte Chris resigniert „So ein Käse. Also doch durch den Regen.“ und wandte sich Richtung Scheunentor, auf direktem Weg am Heulager vorbei. Sie bemühte sich krampfhaft um einen halbwegs eleganten Gang, was ihr durch das viele auf dem Boden liegende Heu mehr schlecht als recht gelang.

Steve sah für einen Augenblick die Szene vorhin auf dem Parkplatz vor seinem inneren Auge und konnte es nicht lassen, sie zu necken. „Hier könnte mal wieder gekehrt werden!“
Seine Freundin drehte sich zu ihm um, ihre funkelnden Augen verrieten, dass sie sein freches Grinsen sehr wohl bemerkt hatte. „Mach Dich bloß lustig über mich. Auf dem Friedhof habe ich mir fast Krämpfe in den Waden geholt, bloß um nicht im Rasen stecken zu bleiben.“

Mit zwei langen Schritten hatte er sie eingeholt und seine Arme um ihre Taille gelegt.
„Also, ich mag Deine High Heels!“ flüsterte er ihr ins Ohr.
-----------------------------------------------------------
Weiter geht´s im FSK 18
-----------------------------------------------------------
Steve hielt Chris fest im Arm und küsste sie.
„Auf in den Regen?“
„Auf in den Regen!“

______________________________________________

Nach oben Nach unten
Gesponserte Inhalte




BeitragThema: Re: ALSO ALLES IM LOT !? (Fortsetzung von „Auszeit“)   

Nach oben Nach unten
 

ALSO ALLES IM LOT !? (Fortsetzung von „Auszeit“)

Vorheriges Thema anzeigen Nächstes Thema anzeigen Nach oben 
Seite 1 von 1

Befugnisse in diesem ForumSie können in diesem Forum nicht antworten
Alex O´Loughlin International - Community :: ALEX O´LOUGHLIN - GERMAN COMMUNITY :: Fan Atelier - become creative :: Hawaii 5-0-
Gehe zu: